{"id":1011,"date":"2012-08-12T21:50:22","date_gmt":"2012-08-12T20:50:22","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1011"},"modified":"2017-08-22T16:01:09","modified_gmt":"2017-08-22T15:01:09","slug":"rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-3\/","title":{"rendered":"Rom mit einer 39 Jahre alten Vespa &#8211; Tag 3"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte am Vorabend noch in Italien angerufen, um mein Quartier zu finden. Dank Silvios Hilfe hatte ich die Nummer von Helga Karlegger, die mit ihrem Mann Sigi gemeinsam eine Herberge betreibt. Obwohl sie eigentlich schon ausgebucht waren, willigte sie ein und meinte &#8222;Kommen Sie doch einfach vorbei&#8220;. Das war f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Beruhigung, denn so hatte ich nicht nur ein feines Quartier f\u00fcr die Nacht, sondern auch schon ein Tagesziel, auf das ich hinsteuern konnte.<\/p>\n<p>Der Tag begann sonnig und warm, und doch war schon nach wenigen hundert Metern klar, dass es ohne Windjacke um halb neun Uhr in der Fr\u00fch noch nicht gehen w\u00fcrde. Als ich die Vespa abstellte, bemerkte ich das Malheur: der rechte St\u00e4nderfu\u00df fehlte. Ich musste ihn in der Nacht zuvor irgendwo zwischen Viktring und dem Kreuzbergl verloren haben.<br \/>\nDas war schade, denn diese St\u00e4nderf\u00fc\u00dfe aus Metall waren extra angefertigt worden, damit ich einerseits starten konnte, ohne sie unbedingt auf den St\u00e4nder stellen zu m\u00fcssen, was sich vor allem im dichten Verkehr an einer Kreuzung sehr bew\u00e4hrt, andererseits passte so der St\u00e4nder am SIP Road Auspuff vorbei.<br \/>\nUnd genau diesen Metallfu\u00df hatte ich verloren. Nat\u00fcrlich sa\u00df er fest drauf, aber das hatte ich beim Sturzb\u00fcgel am Tag zuvor auch angenommen.<br \/>\nAlso die n\u00e4chsten paar tausend Kilometer mit einer schief stehenden Vespa &#8211; Panne Nummer 5 halt. H\u00e4tte ich etwa glauben sollen, dass es mit den ersten vier Pannen erledigt w\u00e4re? Dieser Schaden lie\u00df sich erst in Wien wieder beheben.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr bew\u00e4hrte sich das Handtuch, ich sa\u00df deutlich bequemer und der Hintern begann erst gegen Mittag weh zu tun. So ging es ohne weitere St\u00f6rungen ins Rosental und dann zum n\u00e4chsten ADEG, um ein wenig Proviant einzukaufen. Als ich die Vek\u00e4uferin um die Abzweigung zum Wurzenpass fragte, erfuhr ich, dass dieser gesperrt w\u00e4re, wegen eines Murenabgangs. Nun gut, dann w\u00fcrde es doch das Kanaltal werden, auch wenn ich mich schon auf das angeblich malerische Soca-Tal gefreut hatte. Die Soca ist ein wundersch\u00f6ner, t\u00fcrkisblauer Flu\u00df, der auf seinen letzten Kilometern in Italien Isonzo hei\u00dft und vor allem im ersten Weltkrieg Schauplatz wilder Schlachten war, die von keiner Seite je wirklich gewonnen wurden.<br \/>\nHeute ist das eine friedlichere Gegend, die ich doch noch sehen sollte, denn bei der Abzweigung zum Wurzenpass stand gro\u00df angeschrieben, dass dieser offen w\u00e4re. Also nichts wie hinauf, Rudi hatte mich allerdings vorgewarnt, dass das ein recht steiler Anstieg w\u00e4re.<br \/>\nNun, er hatte nicht \u00fcbertrieben. Es geht auf bis zu 18 % Steigung, das ist richtig knackig und sollte eine erste Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr den Motor werden. Mein Kompliment gilt \u00fcbrigens den Radfahrern, die sich das antun, es waren gar nicht wenige, die ich zu Gesicht bekam. Ich entschuldige mich an dieser Stelle f\u00fcr den Zweitaktgestank, den ich ihnen und ihren Lungen als kleinen Gru\u00df hinterlie\u00df.<br \/>\nDie Vespa ist gar nicht schwach, aber zeitweise musste ich in den ersten Gang schalten und \u00fcber den zweiten kam ich auch nur ganz selten hinaus. Doch dann war es geschafft, die Passh\u00f6he war erreicht und ich fuhr nach Slowenien hinein. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/pass.jpg\" title=\"pass.jpg\" alt=\"pass.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Der Wurzenpass<\/p>\n<p>Nach einer knackigen Abfahrt kam ich nach Podkoren, das gleich neben dem Wintersportort Kranjska Gora liegt. Ich stellte den Motor kurz ab, um auf die Karte zu schauen. Den Vrsic-Pass w\u00fcrde ich mir und der Sprint ersparen, statt dessen rechts nach Tarvis fahren und von dort dann \u00fcber den Predil-Pass hinunter ins Soca-Tal.<\/p>\n<p>Also Helm auf, Karte unter dem Gep\u00e4cknetz verstauen, Handschuhe, starten und ab geht die Post! Zumindest theoretisch, denn vorerst ging einmal gar nichts. Die Startversuche scheiterten und die in diesem Moment notwendigen Vespa-Spezialisten oder alternativ eine Handvoll satter slowenischer Fl\u00fcche waren jeweils nicht anwesend.<br \/>\nIch wusste bereits von den Schwierigkeiten, die nur beim Warmstart auftraten, ich hatte sie im Laufe des Fr\u00fchlings schon so drei bis vier Mal gehabt. Sie springt dann schon an, rennt aber nur so wop-wop-wop und nimmt kein Gas an. Selbst wenn ich Vollgas gebe, bleibt es beim stotternden wop-wop-wop und dann, nach einiger Zeit nimmt sie auf einmal Gas an. Der Verdacht auf ein Vergaserproblem liegt nahe, aber was genau soll da sein? Die Schwimmernadel war neu, der Vergaser neu gedichtet und sorgf\u00e4ltig gereinigt. Vielleicht ein geknickter Benzinschlauch, der sich nur manchmal meldet? Aber wieso dann nur beim Warmstart? Der Choke blieb auch nicht h\u00e4ngen, das hatte ich schon kontrolliert, nachdem genau dieser Fehler bei einem Freund von mir aufgetreten war. Ich hatte weder Lust den kompletten Gep\u00e4cktr\u00e4ger samt Tank auszubauen, um den Benzinschlauch zu kontrollieren, noch den Vergaser hier an der Stra\u00dfenkreuzung auszubauen, zu kontrollieren und wieder zusammen zu bauen, wahrscheinlich mit dem Ergebnis, dass nichts zu finden w\u00e4re.<br \/>\nAlso anrennen. Auch das scheiterte zuerst, dann aber nahm sie pl\u00f6tzlich Gas an und ich konnte weiterfahren. Was soll\u00b4s, vielleicht nahm sie mir ja nur den Wurzenpass \u00fcbel oder sie mochte Slowenien nicht, als echte Italienerin, wer wei\u00df das schon.<\/p>\n<p>Nach Tarvis ging es hinauf zum Predil-Pass. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/predil.jpg\" title=\"predil.jpg\" alt=\"predil.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Der Predil-Pass mit grandiosem Blick auf die slowenischen Berge<\/p>\n<p>Ich blieb an einem Wirtschaftshof stehen und wollte einen Mann fragen, wann es auf der Strecke durch Slowenien die n\u00e4chste Tankstelle g\u00e4be. Er konnte aber kein Wort Deutsch, auch nicht Englisch oder Franz\u00f6sisch. Ich war mir nicht einmal sicher, ob er Italienisch konnte, aber auf meine mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen unterst\u00fctzte Anfrage meinte er, dass ihm keine Tankstelle in Slowenien bekannt w\u00e4re. Also fuhr ich weiter. Allerdings nicht sehr weit, dann machte der Motor Probleme. Er stotterte wie am Vortag, nahm nur schlecht Gas an und ich rollte irgendwann aus, mit Panne Nr. 6. Das erste Mal versagte der Motor. Ich schob die Kiste hundert Meter weiter zu einer Hauseinfahrt und wurde von zwei gro\u00dfen, schlecht gelaunten Hunden mit viel Gebell empfangen. <\/p>\n<p>Ich hatte mit den Hunden die schlechte Laune gemeinsam, sonst allerdings nichts, denn ich war eher schm\u00e4hstad bis kleinlaut, aber auch w\u00fctend: Was war da los mit dieser Schei\u00df-Kracksn? Ich hatte so viel Geld, Zeit und M\u00fche in diesen Motor gesteckt und das gesammelte Wissen guter Freunde und Vespa-Spezialisten war hier vereint. Warum lief sie nicht?<br \/>\nEs war hei\u00df und es gab keinen Schatten in der Einfahrt, also erst einmal Jacke, Helm, Handschuhe und Nierengurt ausziehen. Dann tauchte eine nette Dame auf, die gut Englisch konnte. Ich erkl\u00e4rte ihr mein Problem und sie meinte, ein paar hundert Meter weiter w\u00e4re jemand, der sich vielleicht auskennen w\u00fcrde, eine Art Traktor-Werkstatt und sie m\u00fcsse jetzt wegfahren. Sie w\u00fcrde mich aber gerne mitnehmen, wenn mir das helfen k\u00f6nnte. Ich war ihr dankbar, lehnte aber ab. Sie meinte, sie w\u00e4re ohnehin in einer halben Stunde wieder da und dann w\u00fcrden wir sehen, ob ich ihre Hilfe noch br\u00e4uchte. Und wegen der Hunde solle ich mir keine Sorgen machen, die bellen nur viel und laut und h\u00e4tten Angst vor der chromblitzenden Vespa.<\/p>\n<p>Sie fuhr weg und ich fing an mit den Zerlegungsarbeiten. Sturzb\u00fcgel runter, Seitenbacke runter, Vergaserwannendeckel runter &#8211; doch die Sichtkontrolle ergab nichts, au\u00dfer der \u00fcblichen Sauerei in der Wanne, hervorgerufen durch den Blowback der Kurbelwelle, vielleicht etwas st\u00e4rker als sonst, aber ich f\u00fchrte das auf die besonderen Anstrengungen zur\u00fcck. Dann fiel mir ein, dass ich ja in einer Seeh\u00f6he gewesen war wie noch nie zuvor. Dort ist die Luft d\u00fcnner &#8211; das wei\u00df ich aus eigener Erfahrung der Besteigung hoher Berge &#8211; und das k\u00f6nnte Auswirkungen auf das Gemisch haben. D\u00fcnnere Luft m\u00fcsste bedeuten, dass das Gemisch fetter wird, vielleicht ja zu fett. Also raus mit der Z\u00fcndkerze und siehe da: komplett schwarz, verru\u00dft und \u00f6lig. Dass sie da nicht mehr ordentlich geht und schlecht anspringt ist klar.<br \/>\nIch war froh, den Fehler gefunden zu haben und baute alles wieder zusammen, nachdem ich die Kerze mit der B\u00fcrste gereinigt hatte. Sie sprang auf den ersten Kick an und ich konnte mit gut laufendem Motor weiterfahren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, welcher Schaden sich wahrscheinlich hier schon anbahnte. Und vielleicht war das gut so, denn ich hatte sowieso schon Zweifel, es bis Rom zu schaffen. Zeit f\u00fcr einen Tipp.<\/p>\n<p><strong>Tipp: Tourenmotoren<\/strong><br \/>\nIch konnte der Versuchung nicht widerstehen, den 200er Motor etwas zu tunen, wenn auch nur um 2-3 PS. Das sollte man aber nur tun, wenn man ein wirklicher Spezialist ist, der sich auch in schwierigsten Situationen zu helfen wei\u00df und die Nerven beh\u00e4lt. Es gibt Menschen, die das alles ganz locker sehen und vor keiner Panne Angst haben. Ich geh\u00f6re leider nicht dazu. Ich empfehle daher den 200er Motor uneingeschr\u00e4nkt, aber in der absoluten Originalversion. Er hat da auch viel Kraft und l\u00e4uft normalerweise problemlos, wenn er sauber aufgebaut wurde, idealerweise mit Originalteilen, sofern diese zu bekommen sind. Alle Nachbauteile sind ungenau gefertigt und Quelle m\u00f6glicher Fehler. Das beste sind NOS-Teile (als New Old Stock, Neuteile aus einem alten Lagerbestand, somit aus einer Zeit, als Piaggio noch genaue Qualit\u00e4tskontrollen hatte). Das bewahrt nicht vollst\u00e4ndig vor Sch\u00e4den und Pannen, macht diese aber deutlich seltener. Die Einstellung eines Tourenmotors ist immer eine Nuance fetter, damit bei hei\u00dfen Bedingungen auf langen Etappen nichts passiert. Bei einem Originalmotor ist man dann auf der sicheren Seite.<\/p>\n<p>Ich stellte also auf Verdacht die Gemischschraube eine Viertelumdrehung magerer, weil sie sowieso eher fett eingestellt war. Leider wurde dadurch das &#8222;Stampfen&#8220; st\u00e4rker, das auch vorher schon zu sp\u00fcren war, wenn auch nur leicht. So nenne ich es, wenn der Motor im Schubbetrieb, also bergab ohne Gas seltsam zu ruckeln beginnt. Angeblich ist das ein Zeichen daf\u00fcr, dass sie zu mager l\u00e4uft. Lag es doch nicht an der d\u00fcnnen Luft? Aber woran dann?<\/p>\n<p><strong>Tipp: Ein stoisches Gem\u00fct<\/strong><br \/>\nDie griechischen Philosophen aus der Schule der Stoiker gelten heute als Vorbilder in Gelassenheit. Angeblich konnte sie nichts ersch\u00fcttern. Ich empfehle ebenfalls so eine Einstellung, wenn man sich eine Gewalttour wie die meine antun will. Ich selbst bin es n\u00e4mlich nicht oder nicht oft genug. Es gibt auch die Variante, sich mit Vespas \u00fcberhaupt nicht auszukennen und einfach drauflos zu fahren. Ich kenne Leute, bei denen ist das bis in die T\u00fcrkei und zur\u00fcck gut gegangen. Sie hatten keine Ahnung, was da unten l\u00e4uft und wie, sie wussten nicht einmal, wo der Vergaser ist. Sie hatten ihren Chokehebel, ihren Benzinhahnhebel und ihren Kickstarter. Und sie fuhren einfach so lange, wie die Kiste lief. Wenn es dann aus war, konnten bzw. mussten sie sich einen Spezialisten suchen, der sich mit dem Ding auskennt.<br \/>\nWer genau wei\u00df, was sich da unten abspielt und jede Schraube beim Vornamen kennt, kann zwar meist selbst reparieren, wenn er die notwendigen Ersatzteile und das Werkzeug dabei hat, l\u00e4uft aber auch Gefahr, st\u00e4ndig auf die Ger\u00e4usche des Motors zu h\u00f6ren. Das tr\u00fcbt die Freude an der Tour, weil man mit dem Gef\u00e4hrt besch\u00e4ftigt ist, anstatt sich die sch\u00f6ne Landschaft anzusehen und die Fahrt zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/soca.jpg\" title=\"soca.jpg\" alt=\"soca.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Tal mit tiefen Schluchten, unten flie\u00dft die Soca t\u00fcrkisblau<\/p>\n<p>Ich war nun in so einer Situation und konnte das wunderbare Soca-Tal nur bedingt genie\u00dfen. Und es war genau das eingetreten, was ich durch meine lange Planung und Vorbereitung verhindern wollte: Motorprobleme, die ich nicht in den Griff bekam, weil ich nicht wusste, woran es genau liegt. Das bewirkt eine gewisse Angst irgendwo liegen zu bleiben. Ich musste erst lernen, damit umzugehen, so schien es.<\/p>\n<p>Doch vorerst lief die Vespa wieder gut, auch wenn ich sie schonte und nicht oder nur selten Vollgas gab. Die nette Dame hatte mir \u00fcbrigens verraten, dass es ohnehin gen\u00fcgend Tankstellen am Weg g\u00e4be und so hatte ich eine Sorge weniger.<br \/>\nAn einer sch\u00f6nen Stelle stand eine Bank im Schatten und das war genau der richtige Platz f\u00fcr die Mittagspause. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/mittag.jpg\" title=\"mittag.jpg\" alt=\"mittag.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Mittagspause, wieder auf einem Bankerl<\/p>\n<p>Die Wurstsemmeln mundeten hervorragend und ich merkte, dass der Wasserbedarf stark anstieg. Entspannt startete ich die Vespa &#8211; oder versuchte es zumindest. Sie sprang n\u00e4mlich wieder nicht an. Aus der Entspannung wurde sofort wieder Stress und ich fing erneut mit der Tortour an: Helm runter, Handschuhe ausziehen, Rucksack abnehmen, Jacke ausziehen, Nierengurt runter, Werkzeug rausfummeln, Sturzb\u00fcgel, Seitenbacke, Z\u00fcndkerze raus, putzen &#8211; und das alles wieder retour.<br \/>\nZum Gl\u00fcck sprang sie wieder an und ich fuhr weiter, wieder ein St\u00fcck mehr verunsichert. Der Genuss der traumhaften Strecke (viele Motorr\u00e4der, manche gr\u00fc\u00dfen einen vollbepackten Vespa-Fahrer) wich dem st\u00e4ndigen Hinsp\u00fcren und Hinh\u00f6ren: was kreischt, was scheppert, was klingelt, wie dreht der Motor, dreht er oben aus, nimmt er unten Gas an, \u00e4ndert sich das gerade wieder&#8230;<\/p>\n<p>In Nova Gorica verfuhr ich mich das erste Mal und stoppte an einer Schnellstra\u00dfenkreuzung. Ich fuhr bei einem Kreisverkehr ab und erwischte einen Autofahrer, den ich nach dem Weg nach Italien fragen konnte. Er schickte mich wieder auf den richtigen Weg. Die Beschilderung war so schlecht, dass das f\u00fcr mich nicht eindeutig erkennbar war. Er wusste aber, wo es lang ging und das passte auch, zumindest bis Gorizia, dem Nachbarort von Nova Gorica, wo ich wieder fragen musste.<br \/>\nDiesmal erwischte ich zwei junge Herren, die wieder kein Wort Englisch konnten, aber sehr nett und hilfsbereit waren. Ich musste nach Monfalcone und sie konnten mir irgendwie erkl\u00e4ren, dass ich Richtung Triest fahren m\u00fcsse und ein paar Kilometer vorher rechts ab.<br \/>\nDas klappte auch gut und ich merkte langsam, dass sich die Landschaft ver\u00e4nderte, mediterraner wurde, mit den ersten Pinien und Zypressen und auch die Temperatur stieg merklich an. Jetzt bew\u00e4hrte sich das erste Mal die Air-Flow-Jacke und auch der Motor schien rund zu laufen. Sie war jetzt auch ein paar Mal problemlos angesprungen und ich hoffte, dass mit den Bergen auch die Probleme hinter mir lagen.<\/p>\n<p>Dann erreichte ich Monfalcone und verfuhr mich zum zweiten Mal. Die Karte war f\u00fcr die vielen Kreisverkehre und Abzweigungen zu ungenau und ich fuhr nach Gef\u00fchl. Dann blieb ich bei einer Tankstelle stehen, weil sie ein paar schattige Pl\u00e4tze unter gro\u00dfen B\u00e4umen bereit hatte. Mein Plan eine Flasche Wasser zu kaufen schlug grandios fehl, weil die Tankstellen in Italien fast immer zu Mittag geschlossen haben, so von 12 bis 15.30 Uhr etwa. Fr\u00fcher konnte man da gar nichts machen au\u00dfer warten, heute haben fast alle auf Tankautomaten umgestellt. Das ist aber tricky, denn erstens nehmen sie nicht immer die Karten, die man gerade eingesteckt hat und sie sind auch bei den Euro-Scheinen recht w\u00e4hlerisch. Zweitens kann man nur mit 5, 10 oder 20 Euro Scheinen tanken, d.h. manchmal bekommt man den Tank nicht voll, dann wiederum schenkt man der Tankstelle den einen oder anderen Liter. Da d\u00fcrfte f\u00fcr die Mineral\u00f6lfirmen bzw. Tankstellenp\u00e4chter ein ganz nettes K\u00f6rberlgeld dabei herausschauen, die Tankautomaten geben n\u00e4mlich nicht retour.<br \/>\nIch brauchte gerade keinen Sprit, aber Wasser w\u00e4re fein gewesen, es war n\u00e4mlich extrem hei\u00df und etwa 14 Uhr. Und ich hatte keine Ahnung, in welche Richtung ich fahren musste.<br \/>\nDann kam eine Italienerin auf einem Fahrrad vorbei, die gerade telefonierte. Da sie die einzige seit vielen Minuten war, die \u00fcberhaupt hier vorbei kam, au\u00dfer nat\u00fcrlich den vorbeiflitzenden Autos, hielt ich sie auf und fragte sie h\u00f6flich, wo es denn hier nach Cervignano ginge. Sie war etwas unwirsch, dass ich sie w\u00e4hrend ihres Telefonats anzusprechen wagte und au\u00dferdem konnte sie kein Wort Englisch. Sie fuhr dann einfach weiter, telefonierend.<\/p>\n<p>Also z\u00fcckte ich zum ersten Mal das Navi, das ich mir ausgeborgt hatte (Danke Michi Bernleitner!). Leider wurde ich damit nicht gl\u00fccklich. Erstens spiegelte der Bildschirm, zweitens wackelte das ganze Ding so gewaltig, dass w\u00e4hrend der Fahrt nichts abzulesen war und drittens kam ich mit den Pfeilen zwar zurecht, nicht aber mit den Angaben. Das Navi zeigt n\u00e4mlich immer die n\u00e4chste Stra\u00dfe an, ich wei\u00df aber nat\u00fcrlich nicht, ob ich auf der \u00fcberhaupt fahren will. &#8222;500 m geradeaus und dann links abbiegen&#8220; w\u00e4re viel besser. Ich habe nun einmal wenig Erfahrung mit Navis und blieb daher bald bei einem P\u00e4rchen stehen, das sich gerade bei einem Gebrauchtwagenh\u00e4ndler umsah. Die konnten sogar ein paar Worte Englisch und meinten, ich w\u00e4re ohnehin auf der richtigen Stra\u00dfe und m\u00fcsse nur den blauen Schildern folgen, das w\u00e4re quasi die Bundesstra\u00dfe. Nur gr\u00fcn w\u00e4re schlecht f\u00fcr mich, das ist die Autobahn.<\/p>\n<p>Motiviert fuhr ich weiter und war kurz darauf tats\u00e4chlich auf der richtigen Stra\u00dfe, der ich jetzt nur bis Jesolo folgen m\u00fcsste. Es w\u00fcrde zwar noch eine Zeit lang dauern, aber die Vespa lief gut, sprang jetzt auch im Warmzustand gut an und nach einiger Zeit fand ich auch eine Tankstelle mit einem echten Tankwart. Dieser war sogar sehr freundlich und zeigte mir sofort, wo ich Wasser kaufen k\u00f6nnte, n\u00e4mlich in der bereits offenen Bar daneben.<br \/>\nEs sind diese kleinen Begegnungen, die mich als Alleinreisenden sehr st\u00fctzen. Sie sind wie Inseln im weiten Meer, denn die Stra\u00dfe ist nicht gerade freundlich zu einem Zweiradfahrer mit einer 39 Jahre alten Vespa. St\u00e4ndig zischen Autos vorbei, eines gr\u00f6\u00dfer als das andere. Je flacher die Gegend wurde, desto mehr Gel\u00e4ndewagen fuhren herum. Sie sind am aggressivsten, vielleicht haben sie besonders viel zu beweisen, ich wei\u00df es nicht. Auf jeden Fall \u00fcberholen sie sehr knapp und bremsen sich dann vor dir stark ein, weil davor schon das n\u00e4chste Auto f\u00e4hrt. Solche Man\u00f6ver sind f\u00fcr meine kleinen Trommelbremsen sowie f\u00fcr meine Reaktion immer eine ziemliche Herausforderung.<br \/>\nDie anderen sind auch nicht angenehmer. Sie zittern m\u00f6glichst weit in Fahrbahnmitte elendslangsam vor dir her und machen sich st\u00e4ndig in die Hose. Wenn ich sie \u00fcberholen will, steigen sie aufs Gas und fahren noch mehr in Richtung Mittellinie. Was ist los mit den Italienern? Wo sind die ganz normalen Autofahrer, quasi die goldene Mitte? Oder hab ich mir das alles nur eingebildet? Jedenfalls war ich da und dort froh \u00fcber den einigerma\u00dfen starken Motor, mit dem ich hin und wieder flott \u00fcberholen konnte. Au\u00dferdem eignete ich mir langsam die italienische Fahrweise an, die lautet f\u00fcr Roller: seitlich vorbei, auch rechts, den Vorteil des schmalen Gef\u00e4hrts n\u00fctzen und hoffen, dass sie dich nicht \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Nach l\u00e4ngerer Zeit und ziemlichen Genickschmerzen erreichte ich Jesolo und fuhr dann noch einige Kilometer weiter nach Cavallino. Dann war ich nicht nur langsam selbst am Ende, sondern auch am Ende einer kleinen Sackgasse angelangt und stand vor einem gro\u00dfen Eisentor. Dahinter jedoch sah es wunderbar aus, wobei an diesem sehr anstrengenden Tag jedes Reiseziel wunderbar ausgesehen h\u00e4tte.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/haus.jpg\" title=\"haus.jpg\" alt=\"haus.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Haus von Helga und Sigi Karlegger<\/p>\n<p>Ich war in der Ca\u00b4Casson angelangt, und die Website verspricht nicht zuviel, wenn sie meint &#8222;Bed &#038; Breakfast in einer anderen Welt&#8220;. Auf der Website www.karlegger.it finden sich alle notwendigen Informationen. Helga und Sigi haben vor ca. 10 Jahren diesen alten Bauernhof gekauft und komplett umgebaut. Sie haben nicht allzu viele Zimmer und es ist daher notwendig, rechtzeitig zu buchen oder Gl\u00fcck zu haben. Ich hatte das Gl\u00fcck und durfte dort \u00fcbernachten, zu einem ausgesprochen fairen Preis \u00fcbrigens. Aber darum ging es nicht. Ca\u00b4Casson war mir ein Zufluchtsort, fast ein St\u00fcck zuhause, eben eine andere Welt als das Drumherum, n\u00e4mlich Jesolo in der unmittelbaren N\u00e4he.<br \/>\nWer hier ankommt, durchschreitet nicht nur ein Tor, sondern findet sich in einer ganz speziellen Atmosph\u00e4re wieder. Helga und Sigi sind S\u00fcdtiroler und Cavallino ist ihre Wahlheimat. Sie betreiben den Hof mit sehr viel Engagement und Liebe und das ist \u00fcberall zu sp\u00fcren. Sie haben viele Obstb\u00e4ume gepflanzt und die Zimmer sind extrem gepflegt und auf sehr hohem Standard. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/bad.jpg\" title=\"bad.jpg\" alt=\"bad.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Bad<\/p>\n<p>Ich kam als Fremder und wurde sofort als Gast aufgenommen. Das war mir als Alleinreisender nach einer extrem anstrengenden Tagesetappe sehr viel wert. Nach einer Stunde Entspannung kam langsam der Hunger hoch. Helga empfahl mir eine spezielle Pizzeria, denn dort w\u00fcrde es noch echte italienische Pizza geben. Auch die Einheimischen gingen dorthin und die Preise w\u00e4ren sehr fair.<br \/>\nVorher empfahl sie mir aber noch ein kleines Bad in der Adria. Also ging ich die 900 Meter nach vor zum Strand, der in Cavallino ein freier Strand ist, ganz im Gegenteil zu Jesolo, wo man in einem der vielen Hotels absteigen muss, um den Strand ben\u00fctzen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nZwei nette Damen waren einverstanden f\u00fcr ein paar Minuten auf meine Sachen aufzupassen und ich konnte schwimmen gehen. Das war herrlich f\u00fcr mein komplett verspanntes Genick und \u00fcberhaupt f\u00fcr den ganzen K\u00f6rper.<br \/>\nAnsonsten rei\u00dft mir der Strand dort nichts aus. Ein langer Sandstrand, man muss lange waten, bevor er Schwimmtiefe erreicht. Viele Liegest\u00fchle, klassische Adria-Strandkulisse, so hatte ich es mir vorgestellt. Viele Kinder, die Muscheln sammeln und Sandburgen bauen. Eltern in gutem F\u00fctterungszustand, meist bundesdeutscher Herkunft und nat\u00fcrlich viele aus Wien. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/strand.jpg\" title=\"strand.jpg\" alt=\"strand.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Strand in Cavallino, Adria<\/p>\n<p>Ich machte noch einen kurzen Strandspaziergang, ein etwa zehnj\u00e4hriger dicker deutscher Bub mit famosem Sonnenbrand versuchte sich als Kaufmann: &#8222;Muscheln zu verkaufen, das St\u00fcck nur 50 Cent&#8220; pl\u00e4rrte er st\u00e4ndig, aber niemand interessierte sich daf\u00fcr. <\/p>\n<p>So will und werde ich nie Urlaub verbringen. Beim Heimweg ging ich dann an einer der zahlreichen Wohnwagensiedlungen vorbei, aus dem Sumpf nebenan roch es gar schr\u00f6cklich und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das ein Genuss ist. Wie grauenvoll muss es erst daheim sein, wenn man im Urlaub das aush\u00e4lt:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/wohnwagen.jpg\" title=\"wohnwagen.jpg\" alt=\"wohnwagen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wohnw\u00e4gen, Deichsel an Deichsel<\/p>\n<p>Der Tag war noch nicht zu Ende. Im Garten von Helga sah ich einen seltsamen Vogel herumh\u00fcpfen &#8211; ein Wiedehopf. Der erste meines Lebens. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen, vor allem nicht das Abendessen (Pizza, nicht Wiedehopf). Ich machte mich nach einer ausgesprochen verdienten Dusche auf den Weg in die Pizzeria La Laterna (www.lalanterna.info) und erlebte mit Freude, dass es in Italien doch noch wirklich gute Pizza gibt. In Wien suche ich das seit Jahren leider vergeblich, auch die Lokale, die fr\u00fcher gute Pizza gemacht haben, k\u00f6nnen oder wollen es nicht mehr. Entweder bekomme ich die American Pizza mit dickem Teig und noch dickerem Belag aus Kunstk\u00e4se und Formschinken, oder eine mit einigerma\u00dfen brauchbarem Teig und der richtigen Belagst\u00e4rke, daf\u00fcr aber komplett geschmacksbefreit. Wo sind die Pizze, die ich noch in meiner Jugend verzehren durfte, die so herrlich dufteten und noch besser schmeckten? Mit Oregano und fallweise Knoblauch, mit w\u00fcrziger Paradeissauce und Mozarella, der noch richtig F\u00e4den zieht? Alle Tipps f\u00fcr Wien erwiesen sich bisher als Reinfall. Geschmack ist offenbar nicht mehr gefragt, Aussehen reicht &#8211; so wie bei modernen Vespas, wo das Design z\u00e4hlt und nicht mehr die Qualit\u00e4t darunter.<br \/>\nIn Cavallino bekam ich sie nun, nach vielen Jahren Abstinzenz.<br \/>\nUnd die Aussagen, dass Italien so teuer geworden w\u00e4re, erwiesen sich als nicht zutreffend. Gro\u00dfe Pizza samt zwei Achterln Wein, einem Liter Wasser und dem Gedeck kamen inklusive Trinkgeld auf 17 Euro. In der Hochsaison in einem Lokal, in das zur H\u00e4lfte Touristen gehen. Noch Fragen?<\/p>\n<p>Da musste ich beim Gehen noch zum Koch, der allerdings gerade mit einer Pizza besch\u00e4ftigt war. Sofort kam die Chefin zu mir und fragte mich, was los w\u00e4re. Als sie kapierte, dass ich nicht reklamieren, sondern nur das tolle Essen loben wollte, wich der irritierte Gesichtsausdruck und sie freute sich sichtlich.<br \/>\nSatt und zufrieden ging ich nach Hause, die Vespa-Probleme waren in ausreichend weite Ferne ger\u00fcckt und die Zuversicht wieder sp\u00fcrbar. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.12_Rom\/down.jpg\" title=\"down.jpg\" alt=\"down.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Sonnenuntergang an der Lagune von Venedig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte am Vorabend noch in Italien angerufen, um mein Quartier zu finden. 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