{"id":1434,"date":"2013-12-17T19:16:03","date_gmt":"2013-12-17T18:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1434"},"modified":"2014-01-21T16:22:39","modified_gmt":"2014-01-21T15:22:39","slug":"mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-5-ich-will-gutes-essen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-5-ich-will-gutes-essen\/","title":{"rendered":"Mein Dutzend Gr\u00fcnde f\u00fcr politisches Engagement: 5 &#8211; Ich will gutes Essen"},"content":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen.<br \/>\nIch habe ein Dutzend Gr\u00fcnde gefunden um mich politisch zu engagieren. Heute ist der f\u00fcnfte Grund an der Reihe, es geht um\u00b4s Essen.<\/p>\n<p>Immer wieder sind TV-Dokus der Ausl\u00f6ser f\u00fcr meine Gedanken hier im Weblog. Diesmal ist es ein ersch\u00fctternder Film \u00fcber Hunger im reichsten Land der Welt, in den USA. Dort hungern halb so viele Menschen wie Deutschland Einwohner hat. Also zwischen 40 und 50 Millionen. Mit anderen Worten: Jeder sechste US-B\u00fcrger (und -innen selbstverst\u00e4ndlich) wei\u00df regelm\u00e4\u00dfig nicht woher er die n\u00e4chste Malzeit nehmen soll bzw. leidet echten Hunger. Der Grund daf\u00fcr ist Armut, denn verf\u00fcgbare Nahrung gibt es genug.<br \/>\nZyniker sagen jetzt, dass diese Menschen faul und dumm sind und es nicht anders verdienen, dass es also gerecht und in jeder Hinsicht in Ordnung ist, dass diese Menschen zu wenig Geld haben.<br \/>\nIch kann mich da leider nicht anschlie\u00dfen. F\u00fcr mich ist das ein politisches Problem, oder anders ausgedr\u00fcckt: dieser Hunger ist gemacht und gewollt, zumindest aber geduldet.<br \/>\nWer sind nun die Nutznie\u00dfer dieses Hungers? F\u00fcr die Antwort braucht man sich nur anzusehen, wer daran verdient. Das sind in erster Linie die Produzenten minderwertigen Essens (Nahrung will ich das ganz bewusst nicht nennen), die daraus Profit schlagen. Je schlechter die Qualit\u00e4t, desto billiger l\u00e4sst es sich erzeugen und desto sch\u00e4dlicher ist es f\u00fcr die Menschen. Ach ja, und desto mehr Profit bringt es. Dieser Profit dient allen m\u00f6glichen Zwecken, eines jedoch tut er auf gar keinen Fall: den Hunger lindern.<br \/>\nChips statt Gem\u00fcse, Limo statt Fr\u00fcchten &#8211; so in etwa kann man die Ern\u00e4hrungsgewohnheiten armer AmerikanerInnen beschreiben. Die Konzerne tun ihr m\u00f6glichstes um diesen Zustand auszuweiten: Die Preise f\u00fcr frisches Obst und Gem\u00fcse sind in den USA seit den sp\u00e4ten 1980ern um 40% gestiegen. Die Preise f\u00fcr industrielle Lebensmittel sind hingegen um 40% gefallen.<br \/>\nUm drei Dollar bekommt man 312 Kalorien gesundes Essen oder 3.767 Kalorien industrielle Nahrung.<\/p>\n<p>Erster Gewinner ist die Agrarindustrie, zweiter die Verpackungsindustrie und dritter Gewinner die chemische Industrie. Diese Industriezweige haben ihre Lobbys in der Regierung und sorgen penibel daf\u00fcr, dass ausschlie\u00dflich die gro\u00dfen Konzerne Subventionen bekommen. Seit 1995 ist so eine Viertel Trillion (!) US-Dollar an diese Industrie geflossen. Das ist die erste Abw\u00e4rtsspirale.<br \/>\nDas ist Steuergeld, das den Menschen am anderen Ende fehlt. Sie k\u00f6nnen sich so nur mehr Junk-Food kaufen, und zwar genau das Zeug, das von den Konzernen erzeugt wird, die die Subventionen erhalten. Der Weg zu gesunder Nahrung ist ihnen versperrt. Sie ern\u00e4hren sich schlecht und werden daher dick und krank. Weil sie kein Geld haben, k\u00f6nnen sie sich auch nicht die (in den USA privatisierte) Bildung kaufen, die ihnen sozialen Aufstieg zwar nicht garantiert, aber leichter machen w\u00fcrde. Das ist die zweite Abw\u00e4rtsspirale.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist auch das Transportsystem clever durchdacht und dient der Industrie: Kleine LKW sind teurer und gro\u00dfe k\u00f6nnen nur bestimmte Orte anfahren um zu liefern. Daher profitieren nur die gro\u00dfen Betriebe in der Produktion und im Verkauf von billigem Transport. Das macht gesundes Essen noch teurer und schlechtes billiger. Dazu kommt noch, dass in den kleineren Ortschaften die L\u00e4den nur mehr Industrieprodukte verkaufen (Bier, Limo, Chips, Kuchen) und man f\u00fcr hochwertige Nahrung entweder lange mit dem Bus oder mit dem Auto fahren muss. Menschen, die wenig verdienen, m\u00fcssen meist im Gegenzug sehr lange arbeiten und haben nicht die Zeit um gutes Essen einzukaufen, ganz abgesehen davon, dass ihnen daf\u00fcr auch das Geld fehlt.<br \/>\n44 Millionen Amerikaner nutzen die US-Lebensmittelbeihilfe (Lebensmittelmarken), jedes zweite Kind in den USA braucht sie w\u00e4hrend seiner Kindheit zumindest einmal.<br \/>\nF\u00fcr die Kinder ist der Hunger besonders schlimm, denn sie gehen zwar meistens in die Schule, k\u00f6nnen dort aber dem Unterricht vor lauter Hunger nicht folgen. Au\u00dferdem f\u00fchrt die Mangelern\u00e4hrung zu fr\u00fchkindlichen Gesundheitsproblemen, die sie ihr ganzes sp\u00e4teres Leben mit herumschleppen.<\/p>\n<p>Jedes dritte Kind, das im Jahr 2000 in den USA geboren wurde, ist an Diabetes erkrankt oder wird daran erkranken.<\/p>\n<p>Diese Menschen sehen wir nicht, wenn wir dort Urlaub machen und sie kommen in den Nachrichten aus USA nicht vor. Sie haben weder eine Lobby noch die Mittel um sich medial bemerkbar zu machen.<br \/>\nDie US-Regierungen seit Ronald Reagan haben keinerlei Interesse dieses Thema aufzugreifen. Nein, auch Barack Obama nicht. In seiner Pr\u00e4sidentschaft stieg der Hunger zwar nicht mehr so rasant wie unter George Bush jun., aber immer noch merklich an.<br \/>\nBis Ende der 1970er war das Hungerproblem fast zur G\u00e4nze beseitigt. Dann kam Reagan und gew\u00e4hrte den gro\u00dfen Konzernen Steuererleichterungen. Dadurch sanken die Einnahmen des Staates und die Anti-Hunger-Programme wurden beschnitten oder beseitigt. Dann wurden noch die R\u00fcstungsausgaben erh\u00f6ht und zwar um den Preis weiterer Senkungen in den Sozialprogrammen.<\/p>\n<p>Daher meine politische Forderung: Agrarsubventionen sollten der Ern\u00e4hrungsgesundheit dienen und nicht wenige reiche Menschen noch reicher machen. Und ich will nicht, dass wir einmal so sch\u00e4ndlich enden wie die USA. Sie ist Schlusslicht aller Industriestaaten weltweit punkto Ern\u00e4hrungsunsicherheit (= Hunger).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen. 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