{"id":1767,"date":"2014-11-08T23:33:39","date_gmt":"2014-11-08T22:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1767"},"modified":"2014-11-08T23:33:39","modified_gmt":"2014-11-08T22:33:39","slug":"das-rote-meer-bald-ein-totes-meer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/das-rote-meer-bald-ein-totes-meer\/","title":{"rendered":"Das Rote Meer bald ein Totes Meer?"},"content":{"rendered":"<p>Nun, so schlimm wird es hoffentlich nicht sein. Aber trotz eines traumhaften Tauchurlaubs komme ich auch nachdenklich zur\u00fcck.<br \/>\nBereits vor drei Jahren habe ich hier einen Bericht geschrieben. Auch damals sind wir mit einem Safariboot von Port Ghalib gestartet, jedoch eine andere Tour gefahren. Diesmal ging es in den tiefen S\u00fcden &#8211; das bedeutete St. Johns Reefs, Rocky Island und dann noch zum Daedalus-Reef, was f\u00fcr mich ganz besonders spannend war, da es das einzige gr\u00f6\u00dfere Riff im \u00e4gyptischen Roten Meer ist, bei dem ich noch nie war.<\/p>\n<p>Aber ich habe ein wenig vorgegriffen. In Wien starteten wir mit einem AirBerlin\/Fly Niki Charterbomber und 45 Minuten Versp\u00e4tung (ein Problem mit den Bildschirmen &#8211; das musste behoben werden, denn gerade im Charter will man bitte seine Tom &#038; Jerry Filmchen sehen).<br \/>\nDie meisten G\u00e4ste an Bord sind \u00fcbrigens Badeg\u00e4ste, die in ein Ressort fahren und dort am Pool abh\u00e4ngen und sich br\u00e4unen lassen. Aber sie haben dazu gelernt und niemand hat bei der Landung geklatscht.<br \/>\nMarsa Alam ist mir als kleiner Flughafen deutlich lieber als Hurghada, ganz abgesehen davon, dass wir von dort nur 10 Minuten mit dem Bus zur Marina in Port Ghalib hatten. Und unser Gep\u00e4ck war auch da &#8211; das ist nie garantiert und bei einem Tauchurlaub ganz besonders heikel, da man ohne Gep\u00e4ck auch keine Tauchausr\u00fcstung hat.<\/p>\n<p>Unser Schiff war da und unser Tauchguide Talaat empfing uns mit den Worten &#8222;Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht f\u00fcr euch.&#8220; <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/25.jpg\" title=\"25\" alt=\"25\" \/><\/center><br \/>\nBild: Tauchguide Talaat<\/p>\n<p>Die schlechte bestand darin, dass die restlichen G\u00e4ste in Stuttgart am Flughafen feststecken w\u00fcrden, weil ihr Flugzeug ein Kerosinleck h\u00e4tte. Ankunft morgen Nachmittag, hoffentlich. Aber wir w\u00fcrden am n\u00e4chsten Tag schon zu zwei Tauchg\u00e4ngen hinausfahren und dann nur kurz in den Hafen zur\u00fcck kommen um die elf Stuttgarter an Bord zu nehmen. Dann sollte es \u00fcber Nacht direkt in den tiefen S\u00fcden gehen, um in der Fr\u00fch bereits auf Rocky Island tauchen zu k\u00f6nnen. Also eigentlich sehr gute Aussichten.<\/p>\n<p>Die Golden Dolphin III ist das neueste und sch\u00f6nste Schiff der Flotte. Ich war schon mit der I und mit der II unterwegs und eine Steigerung war ohnehin nur mehr schwer vorstellbar, aber m\u00f6glich, wie sich zeigte: unser Schiff hatte den Salon samt K\u00fcche im Untergeschoss und damit war das Oberdeck f\u00fcr Kabinen frei. Diese bestehen in der modernsten Klasse eigentlich aus Zimmern, mit je eigenem Badezimmer inkl. WC. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/05.jpg\" title=\"05\" alt=\"05\" \/><\/center><br \/>\nBild: Eine Kabine<\/p>\n<p>Diese Schiffe sind alle zwischen 38 und 42 Meter lang, haben insgesamt 4 Decks und sind nahezu perfekt f\u00fcr eine Tauchsafari ausgestattet: 2 Dieselmotoren mit je 750 PS (gut f\u00fcr ca. 25 km\/, was ziemlich flott ist), zwei gro\u00dfe Generatoren, die abwechselnd je 12 Stunden laufen und zwei gro\u00dfe Kompressoren, die unsere Tauchflaschen in Windeseile auff\u00fcllen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/29.jpg\" title=\"29\" alt=\"29\" \/><\/center><br \/>\nBild: Golden Dolphin III<\/p>\n<p>Beste Voraussetzungen, vor allem, weil auch die Decks mit viel Vernunft gestaltet sind: Auf Deck Nr. 3 ist das Schattendeck und ganz oben das Sonnendeck f\u00fcr diejenigen, die sich gerne r\u00f6sten lassen. Und die K\u00fcche ist meist auch hervorragend. Wir hatten noch dazu das Gl\u00fcck auf einem Schiff zu sein, das seit vielen Jahren mit dem selben Kapit\u00e4n und einer fast gleich bleibenden Crew unterwegs ist. Das ist nicht nur stets ein gutes Zeichen, sondern auch deutlich sp\u00fcrbar, weil die Matrosen sehr entspannt sind und alles an Bord reibungslos abl\u00e4uft.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/10.jpg\" title=\"10\" alt=\"10\" \/><\/center><br \/>\nBild: Am Sonnendeck vor Rocky Island<\/p>\n<p>Es gibt zwar noch tollere Schiffe etwa mit einem Whirlpool an Deck und 46 Metern L\u00e4nge f\u00fcr 26 Taucher, aber eigentlich braucht man das nicht. Jeglicher Luxus \u00fcber dem unseres Schiffes muss extrem teuer erkauft werden und wird letztlich nicht ben\u00fctzt, da es an Bord eigentlich nur vier Aggregatszust\u00e4nde gibt: tauchen, \u00fcber das Tauchen reden, essen und schlafen. Und all das ist auf der Golden Dolphin III perfekt m\u00f6glich, etwa weil auch das Tauchdeck gro\u00df und gut strukturiert ist. Alles in allem kann man das Schiff uneingeschr\u00e4nkt weiterempfehlen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/06.jpg\" title=\"06\" alt=\"06\" \/><\/center><br \/>\nBild: Tauchdeck<\/p>\n<p>Ein Holzschiff kostet \u00fcbrigens 1,5 Mio Euro und wird in Hurghada gebaut, ein gleich gro\u00dfes Stahlschiff (ich bin 2x mit einem gefahren) kostet das Dreifache und hat nur den Vorteil, dass es etwas ruhiger im Wasser liegt. Die Stahlschiffe werden \u00fcbrigens in Alexandria gebaut.<br \/>\nDie Kalkulation funktioniert \u00fcbrigens nur, weil die Crew extrem billig ist und der Sprit ebenso. Auf 20 G\u00e4ste kommen 10 Mann Crew und wir haben insgesamt ca. 7.000 Liter Diesel verbraucht, davon 1.400 Liter f\u00fcr die Generatoren.<br \/>\nJedes gute Schiff kommt 1x im Jahr f\u00fcr ein paar Wochen ins Trockendock und wird dort general\u00fcberholt, manchmal etwas umgebaut und l\u00e4uft dann wieder m\u00f6glichst ohne Pause ein knappes Jahr. Nur dann k\u00f6nnen nach ein paar Jahren die Investments einen Return schaffen, als Gast merkt man es \u00fcbrigens, ob das Trockendock schon l\u00e4nger her ist.<\/p>\n<p>Dann erfuhren wir noch, dass am kommenden Tag unser lieber alter Freund Rudi mit den Deutschen zu uns sto\u00dfen w\u00fcrde. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/24.jpg\" title=\"24\" alt=\"24\" \/><\/center><br \/>\nBild: Rudi h\u00e4lt eine kleine Ansprache und die Stuttgarter h\u00f6ren dem Nordlicht aus Hamburg zu.<\/p>\n<p>Er ist einer der lustigsten Tauchguides und wir hatten vor ein paar Jahren schon das Vergn\u00fcgen. Damals war Rudi ein armer Hund: er lie\u00df sich von meinem Bruder und seinen Freunden zu einer Pokerpartie \u00fcberreden. Dann war er seinen gesamten Wochenlohn los. Als ich ihn ein Jahr sp\u00e4ter in einem Hafen am Nachbarschiff sah und freudig meinte, mein Bruder w\u00fcrde sich wieder \u00fcber etwas Gesellschaft beim Pokern freuen, sprang er fast ins Wasser. Jedenfalls konnte er sich aus dieser Verpflichtung l\u00f6sen indem er uns f\u00fcr den letzten Abend eine Palette Bier organisierte, das uns wie immer auf der Safari ausgegangen war.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/04.jpg\" title=\"04\" alt=\"04\" \/><\/center><br \/>\nBild: ein kleinerer Teil der Biervorr\u00e4te, die diesmal gebunkert wurden. (500 Dosen wurden getrunken, laut Rudi ein Rekord, wenn man die Safaris mit Russen nicht einberechnet)<\/p>\n<p>Port Ghalib ist eine k\u00fcnstlich gebaute Stadt, \u00e4hnlich wie El Gouna. Alle H\u00e4user sehen mehr oder weniger gleich aus und man kann sie kaufen &#8211; wenn man den dortigen Immobilienfirmen vertraut, die einem die Wohnungen als sensationelle und zukunftssichere Anlageform verkaufen. Und nat\u00fcrlich um hier Urlaub zu machen. F\u00fcr mich ist das der blanke Horror, denn da stimmt \u00fcberhaupt nichts: die H\u00e4user sind ganz sicher nicht lange haltbar, das Meer ist ziemlich kaputt und nur die N\u00e4he zum Flughafen alleine macht aus dem Ort noch kein zukunftstr\u00e4chtiges Investment.<br \/>\nVielleicht bin ich aber auch nur zu weit weg von dem Denken, das man dazu braucht.<br \/>\nJedenfalls ist die Marina gro\u00df genug f\u00fcr jede Menge Safarischiffe und Tagesboote. Es gibt eine Hafenpromenade und man hat vor Jahren geplant einen Kanal bis zum Flughafen zu graben, so dass die Passagiere direkt auf die Safariboote gehen k\u00f6nnen. Davon umgesetzt wurde eine eher brackige Lagune, in der man Jetski fahren kann plus eine Menge Br\u00fccken, die venezianisch aussehen sollen, letztlich aber ihre Stahlbetonseele nicht verheimlichen k\u00f6nnen. Es gibt eine Handvoll Lokale, in denen hin und wieder gelangweilte G\u00e4ste aus dem benachbarten Hotel herumsitzen, ein paar Souvenirl\u00e4den, einen kleinen Tauchshop (sicher praktisch, wenn man etwas daheim vergessen hat und sie gerade offen haben) und ein protziges Geb\u00e4ude mit der Hafenkommandantur. Dort herrscht der Hafenkommandant und er bestimmt wann ein Safariboot auslaufen oder einlaufen darf. Diese Macht bekamen wir auch zu sp\u00fcren, als wir 15 Minuten warten mussten bevor wir in den Hafen einfahren durften.<br \/>\nUnd es gibt eine Schiffstankstelle, die allerdings ziemlich wichtig und praktisch ist.<\/p>\n<p>Rudi hat mir erz\u00e4hlt, dass vor ein paar Jahren die Anzahl der Safaribootlizenzen auf 500 begrenzt wurde, was prinzipiell eine sinnvolle Ma\u00dfnahme ist, weil erstens das Rote Meer sowieso \u00fcbertaucht ist und zweitens so die Billiganbieter etwas eingebremst wurden &#8211; die haben n\u00e4mlich auch billige Boote, die dann ev. nicht sehr sicher sind.<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich sind die Lizenzen seitdem sehr gefragt, obwohl vor zwei Jahren mit der politischen Krise eine Entspannung eingetreten ist, die 2013 ihren H\u00d6hepunkt hatte, als das Business mehr oder weniger zum Erliegen kam.<br \/>\nUns hat das letztes Jahr auch getroffen, wir hatten gebucht und bezahlt und dann wurden die Fl\u00fcge storniert. Auf dem Meer h\u00e4tte es zwar keine Terrorgefahr gegeben und in Marsa Alam am Flughafen wahrscheinlich auch nicht, aber wenn kein Flug geht, steht das Business. Das haben einige Anbieter nicht \u00fcberlebt.<br \/>\nInzwischen hat sich der Tauchtourismus erholt, ist aber noch immer nicht auf dem fr\u00fcheren Niveau, was f\u00fcr uns nat\u00fcrlich gut war, da wir vor allem im tiefen S\u00fcden manchmal alleine am Riff waren. Kein Vergleich mit den 5-15 Safaribooten, die da noch vor drei Jahren \u00fcberall neben uns gelegen sind. Diesmal war nur rund um Port Ghalib und auf Daedalus viel los.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/17.jpg\" title=\"17\" alt=\"17\" \/><\/center><br \/>\nBild: Am Daedalus-Riff, diesmal mit einer Menge anderer Safari-Boote<\/p>\n<p>Rudi sch\u00e4tzt, dass 80% des Tauchtourismus wieder da ist. F\u00fcr die Riffe ist das keine gute Nachricht, f\u00fcr die \u00c4gypter im Tauchbusiness schon. <\/p>\n<p>Es gibt eigentlich nur eine Handvoll verschiedener Touren:<br \/>\n1.) Die Nordtour &#8211; von Hurghada hin\u00fcber an die Halbinsel Sinai, meist als Wracktour und im Winter zu kalt.<br \/>\n2.) Brothers, meist in Kombi mit Elphinstone und ein paar kleineren Riffen.<br \/>\n3.) Die S\u00fcdtour mit vielen Riffen von Hurghada bis s\u00fcdlich von Marsa Alam, manchmal mit Daedalus.<br \/>\n4.) Tiefen S\u00fcden mit St. Johns Riffen und Zabargad bzw. Rocky Island.<\/p>\n<p>Alle Touren haben ihren Reiz, der jedoch in den letzten Jahren eindeutig verblasst ist, da die Riffe zunehmend kaputt gegangen sind und auch der Fischbestand kontinuierlich zur\u00fcck ging, mit einer kleinen Erholung letztes Jahr. Das merkt man an partiellem Fischreichtum, jedoch nur mit kleinen Fischen. Die Riffe hatten nicht genug Zeit sich zu erholen und werden nach wie vor mit Unmengen an Tauchern bombardiert sowie massiv durch Abw\u00e4sser und sonstigen Dreck vergiftet.<br \/>\nDie unglaubliche Sch\u00f6nheit der Korallenriffe ist f\u00fcr sehr lange Zeit verloren und wenn der Klimawandel weiter geht, dann wird es bald \u00fcberhaupt keine mehr geben. Sie k\u00f6nnen einer Vielzahl von Sch\u00e4digungen, die alle zur gleichen Zeit auftreten, nichts entgegensetzen, weil sie die Zeit zur Regeneration nicht haben. Wir zerst\u00f6ren sie schneller als sie nachwachsen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/14.jpg\" title=\"14\" alt=\"14\" \/><\/center><br \/>\nBild: Cave Reef an St. Johns<\/p>\n<p>Leider ist der Tauchsport daran nicht unbeteiligt. Die einzigen Menschen, die wirklich von der Sch\u00f6nheit unber\u00fchrter und noch nicht verdreckter Riffe erz\u00e4hlen k\u00f6nnten (Hans Hass und Jacques-Yves Cousteau) sind inzwischen selbst gestorben. Sie haben miterleben m\u00fcssen wie der von ihnen selbst erfundene Tauchsport immer schneller zu wuchern begann und letztlich die Riffe verw\u00fcstete. Vor 15 Jahren wurde wenigstens das Ankern verboten, sonst g\u00e4be es heute bereits keine Riffe mehr.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/11.jpg\" title=\"11\" alt=\"11\" \/><\/center><br \/>\nBild: Zwei Matrosen fahren mit dem Zodiac zum Riff um dort die Leine an fixen Halteleinen zu befestigen, die ins Riff gebohrt wurden.<\/p>\n<p>Wie bitter muss es f\u00fcr die beiden &#8211; vor allem f\u00fcr Hans Hass, der ja erst k\u00fcrzlich gestorben ist &#8211; gewesen sein, als sie im Alter den Vergleich zu fr\u00fcher hatten. Hans Hass hat sich vielleicht auch deswegen schon vor vielen Jahren vom Tauchen zur\u00fcckgezogen. Er hat die Zerst\u00f6rungen bereits in den 1970er Jahren sehen k\u00f6nnen.<br \/>\nWer die Farbenpracht und Vielfalt kennt und das rege Leben an einem (halbwegs) intakten Riff gesehen hat, den macht der Anblick der Riffe heute nur mehr traurig. Ich habe sie im Abstand von je 5 Jahren gesehen: Shaab Claude, St. Johns, Elphinstone und viele andere.<br \/>\nUnd ich bin selbst auch ein wenig daran schuld. Ich geh\u00f6re zwar nicht zu den Tauchern, die r\u00fccksichtslos durchs Riff fr\u00e4sen, aber unser Schiff verbraucht auch jede Menge Diesel und hat Abgase und l\u00e4sst F\u00e4kalien ins Meer. Und auch mir passiert es, dass ich &#8211; selten, aber doch &#8211; von einer Welle gegen eine Koralle gedr\u00fcckt werde und etwas besch\u00e4dige.<br \/>\nIch habe noch immer keine L\u00f6sung auf die Frage, ob ich deswegen den von mir geliebten Tauchsport aufgeben sollte. Kann mein gr\u00fcn-politisches Engagement die Sch\u00e4den etwas kompensieren? Ich wei\u00df es nicht. Ist seltener tauchen eine L\u00f6sung? Segelschiffe sind leider nur sehr bedingt geeignet und ohne Flugzeug ist das Rote Meer auch nicht ohne extremen Zeitaufwand zu erreichen. Flugmeilen kompensieren &#8211; funktioniert das? Auch da bin ich mir nicht sicher, vor allem, weil das CO2 maximal ein Teil des Problems ist.<\/p>\n<p>Sollte das \u00d6l teurer werden, so w\u00fcrde das alles ver\u00e4ndern. Dann w\u00e4ren Tauchreisen auf einmal empfindlich teurer und w\u00fcrden zur\u00fcck gehen. Aber dann m\u00fcssten sich auch die vielen \u00c4gypter, die im Tauchbusiness besch\u00e4ftigt sind, neue Jobs suchen, die es aber dort nicht wirklich gibt. Dattelpalmen, Kamele und ein wenig Fischfang wird die Menschen dort nicht ern\u00e4hren k\u00f6nnen.<br \/>\nSind TaucherInnen generell eher bereit sich f\u00fcr den Schutz der Meere einzusetzen? Auch das kann ich nicht beantworten und ich kenne auch keine Statistik dar\u00fcber. Auf unserem Schiff gibt es erste Bem\u00fchungen etwas f\u00fcr die Umwelt zu tun:<br \/>\n1.) Es gibt keine oder fast keine Plastikflaschen mehr. An mehreren Stellen stehen die bekannten Container mit den Wasserspendern, daneben sind Becher verf\u00fcgbar, die immer wieder ausgewaschen werden. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/03.jpg\" title=\"03\" alt=\"03\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Schattendeck mit Bar und links im Eck der Wasserspender<\/p>\n<p>Allerdings ist das Wasser das ber\u00fcchtigte &#8222;Pure Life&#8220; von Nestl\u00e9 und somit wieder Teil der Industrie, die unseren Planeten kaputt macht.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/28.jpg\" title=\"28\" alt=\"28\" \/><\/center><br \/>\nBild: das in einer Woche verbrauchte Wasser &#8211; zum Trinken und Kochen<\/p>\n<p>2.) Sie sammeln den M\u00fcll und dieser wird im Hafen von einem LKW abgeholt. Was allerdings dann passiert, wei\u00df ich auch nicht. Ich sch\u00e4tze, dass es irgendwo hinten in der W\u00fcste einfach abgeladen wird. Fetzen von Plastiksackerln sieht man in der W\u00fcste jedenfalls jede Menge.<\/p>\n<p>Bei dieser Art von Urlaub geht es mir nicht nur um das Tauchen, es sind noch einige andere Aspekte beteiligt. Es handelt sich um Ur-laub ohne Uhr. Ich habe selbst keine mit und das Handy drehe ich in Wien ab und erst in Wien wieder auf. Ich habe es nur f\u00fcr Notf\u00e4lle mit. Die Zeit ver\u00e4ndert sich dadurch ein wenig. Da man nach dem Tauchen relativ m\u00fcde ist und ich immer die Maximalzahl an Tauchg\u00e4ngen mache (bis zu 4 pro Tag), gehe ich fr\u00fch schlafen, also zwischen 22 und 24 Uhr. Fr\u00fcher geht nicht, denn da bin ich noch nicht m\u00fcde genug. Am Abend sitzt man noch ein wenig an Deck, trinkt ein Deko-Bier und plaudert \u00fcber die Taucherlebnisse des Tages. Ich war meist einer der ersten, der sich in die Kabine verzogen hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/22.jpg\" title=\"22\" alt=\"22\" \/><\/center><br \/>\nBild: Am Abend relaxen an Deck &#8211; manche lesen, andere trinken ihr Deko-Bier und plaudern.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wache ich schon vor dem Gebimmel der Glocke f\u00fcr den Early-Morning-Dive auf. Dann liege ich noch ein wenig im Bett und lasse den Tag langsam beginnen. Um 5.30 ist Wecken und um 6 Uhr (manchmal etwas sp\u00e4ter) gibt es den ersten Tauchgang. Das ist meistens einer, den alle Taucher mitmachen, auch diejenigen, die am Vorabend mehr als nur ein Bier hatten. Der Grund sind die Haie, die man oft in der Fr\u00fch am besten zu sehen bekommt. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/hammer3.jpg\" title=\"hammer3\" alt=\"hammer3\" \/><\/center><br \/>\nBild: die Schule von 21 Hammerhaien, die wir diesmal bei Daedalus hatten. Fast eine Sensation.<\/p>\n<p>So steuern M\u00fcdigkeit, Schiffsglocke und der Sonnenstand den Tagesrhythmus. Dazu kommt noch, dass man an Bord normalerweise nur eine Short tr\u00e4gt und manchmal ein Shirt, vor allem, wenn im Salon noch die Klimaanlage rennt und die \u00c4gypter wieder versucht haben die Luft zu frieren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/02.jpg\" title=\"02\" alt=\"02\" \/><\/center><br \/>\nBild: Relaxen auf dem Schattendeck (hier noch im Hafen)<\/p>\n<p>Ansonsten ist nur die Short angesagt und man geht prinzipiell barfu\u00df. Die B\u00f6den werden st\u00e4ndig gereinigt und es ist an Bord generell sehr sauber. So kann man wunderbar ausspannen, und zwar \u00fcber und unter Wasser. Das Tauchen unterscheidet sich vom Zustand ober Wasser so radikal, dass man unter Wasser alles vergisst, was oben eine Rolle spielt. Wenn man im Roten Meer eine Tauchsafari macht, dann kann man meistens lange unter Wasser bleiben, sofern man gen\u00fcgend Luft hat. Daher schaffe ich manchmal vier Stunden unter Wasser pro Tag. Da verschwinden die Probleme des Lebens doch recht vollst\u00e4ndig, zumindest f\u00fcr die Zeit unter Wasser. Aber auch am Schiff ist es deutlich anders als daheim im B\u00fcro. Man ist mitten auf dem Meer und legt nur f\u00fcr Tauchg\u00e4nge an einem Riff oder einer Insel an. Und nat\u00fcrlich in der Nacht, wenn nicht gerade eine Nachtfahrt angesagt ist. Dann kann es bei hohem Wellengang schon ein wenig schaukeln, was mir jedoch nichts ausmacht, weil ich nicht anf\u00e4llig f\u00fcr Seekrankheit bin, gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n<p>Unter Wasser ist es \u00fcbrigens nicht still. Man h\u00f6rt ein st\u00e4ndiges Rauschen und Knistern, eine Mischung aus einer Vielzahl von Einzelger\u00e4uschen, etwa wenn Papageienfische Korallen zermalmen. Und man h\u00f6rt nat\u00fcrlich den eigenen Atem und das Blubbern der Luftblasen. Durch die Schwerelosigkeit und das eigene Atmen entsteht oft ein kontemplativer Zustand, der manchmal ins Meditative hin\u00fcber gleiten kann. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/doc3.jpg\" title=\"doc3\" alt=\"doc3\" \/><\/center><br \/>\nBild: Guido am Riff<\/p>\n<p>Dann ist die Au\u00dfenwelt weit weg und das ist sehr angenehm. All das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich vom Design des Tauchgangs ab, wenn man mit der Str\u00f6mung an einem Riff entlang gleitet und manchmal alle H\u00e4nde (eher: F\u00fc\u00dfe) voll zu tun hat, gibt es keine Entspannung. Aber die gem\u00fctlichen Flachwassertauchg\u00e4nge oder auch spezielle Nachttauchg\u00e4nge sind hier ein besonderes Erlebnis. Am sch\u00f6nsten ist es, wenn man in 10 Metern Tiefe unter dem Boot auf einem Sandboden sitzt, die Tauchlampe ausschaltet und ein paar Minuten einfach da sitzt. Manche machen bei dieser Gelegenheit sogar ein kleines Nickerchen, aber ich finde es am sch\u00f6nsten, wenn man im silbrigen Licht des Mondes einfach die Ruhe genie\u00dft, die so eine Szenerie bietet. Zu Ende ist so ein Tauchgang ohnehin fr\u00fch genug.<\/p>\n<p>Am Boot nervt zumindest nicht die Zivilisationskrankheit Handy. Es gibt am Meer drau\u00dfen keinen Empfang und manche Zeitgenossen halten das nur sehr schwer aus. F\u00fcr mich ist es ein Traum, daheim werden sie schon eine Woche ohne mich zurecht kommen, das hat sich bisher immer noch gezeigt.<\/p>\n<p>So ging eine traumhafte Woche zu Ende und ich m\u00f6chte wiederkommen, sehr gerne sogar.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.09_tauchen\/27.jpg\" title=\"27\" alt=\"27\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Abschiedsfoto, als Talaat laut &#8222;Scheiiiiiisssseeeeee&#8220; gerufen hat. Wir h\u00e4tten aber auch so gelacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun, so schlimm wird es hoffentlich nicht sein. Aber trotz eines traumhaften Tauchurlaubs komme ich auch nachdenklich zur\u00fcck. Bereits vor drei Jahren habe ich hier einen Bericht geschrieben. 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