{"id":2529,"date":"2018-08-05T10:06:02","date_gmt":"2018-08-05T09:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2529"},"modified":"2018-08-05T10:06:02","modified_gmt":"2018-08-05T09:06:02","slug":"meine-eudora-geb-ich-nicht-her","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/meine-eudora-geb-ich-nicht-her\/","title":{"rendered":"Meine Eudora geb ich nicht her"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor inzwischen 27 Jahren in die Edelhofgasse gezogen bin hat mir meine Schwester eine Eudora-Waschmaschine empfohlen. Die Wahl fiel auf die &#8222;Sparmeister 701&#8220; &#8211; eine kleine Waschmaschine, f\u00fcr eine Person aber v\u00f6llig ausreichend. Robuste Mechanik, meine Schwester hatte die gleiche. Allerdings nicht so lange wie ich, das liegt auch daran, dass sie einen Haushalt mit vier Personen zu waschen hatte.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre musste ich einmal den Antriebsriemen erneuern und einmal die Trommeldichtung. Beides kann von einem einigerma\u00dfen technisch begabten Mensch selbst gemacht werden, die Kosten halten sich in Grenzen und man bekommt auch die meisten Ersatzteile noch, obwohl Eudora vor etlichen Jahren aufgeben musste und gekauft wurde. Seitdem existiert zwar noch der Name, die Maschinen sind aber Standardware aus Fernost.<\/p>\n<p>Meine Eudora rennt noch und vielleicht ist das ja auch der Grund f\u00fcr die Pleite &#8211; die Maschinen halten zu lange und das wird in einem auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem bestraft, und zwar mit der h\u00f6chsten Strafe, der Vernichtung.<br \/>\nWer &#8222;zu gute&#8220; Produkte erzeugt, verkauft weniger und m\u00fcsste daher teurer anbieten. In einer Geiz-ist-geil-Gesellschaft, die st\u00e4ndig nach neuen Produkten verlangt, l\u00e4sst sich aber kein h\u00f6herer Preis durchsetzen, denn es gibt zu wenige KonsumentInnen, denen Langlebigkeit auch einen h\u00f6heren Preis wert ist.<br \/>\nZudem bekommen wir alle seit Jahrzehnten eingeredet, dass wir alles besitzen m\u00fcssen, was uns die bunte Konsumwelt anbietet. Da wir nicht uneingeschr\u00e4nkt Geld zur Verf\u00fcgung haben, m\u00fcssen die Dinge billig sein, damit wir sie uns kaufen k\u00f6nnen. Daher kann die Qualit\u00e4t nicht stimmen, was aber in diesem System nicht weiter schlimm ist, weil sie sowieso nicht lange halten m\u00fcssen.<br \/>\nDer Kreislauf funktioniert deswegen, weil Umweltkosten nie mit einberechnet werden. Ansonsten g\u00e4be es nicht nur Eudora noch, sondern viele andere Unternehmen, die auf Qualit\u00e4t gesetzt haben.<br \/>\nWeder die Ausbeutung der Natur noch die von Menschen wird einberechnet und somit werden sie zu Gewinnfaktoren. Das hei\u00dft, je umweltsch\u00e4digender und sozial ausbeuterisch ich agiere, desto mehr Gewinn mache ich. Da Gewinn in einem Wirtschaftssystem wie dem unseren inzwischen der einzige Faktor ist, der wirklich z\u00e4hlt, haben wir hier einen Systemverst\u00e4rker. Wer nicht mitspielt, wird letztlich vom Konsumenten abgestraft.<\/p>\n<p>Als ich noch lange nicht gr\u00fcn oder gar politisch engagiert war, habe ich im Fernsehen eine Szene aus einer Wiener Vorstadtserie gesehen. Sie hie\u00df &#8222;Mozart und Meisel&#8220; und spielte in der &#8222;Wildsau&#8220;, einem Heurigen an der Mauer vom Lainzer Tiergarten, zu dem ich heute noch manchmal hinfahre. Ich kann mich an nicht mehr viel erinnern, aber die eine Szene ist extrem lebendig vor meinem geistigen Auge: Das Lokal wird renoviert und ein Yugo sieht die alten Sessel, die sich vor dem Lokal stapeln. Er nimmt sie und will sie wieder ins Lokal bringen, als der Wirt (gespielt von Andreas Vitasek) kommt und sagt, dass sie weggeschmissen werden. Der Yugo darauf: &#8222;Wieso wegschmeissen? Sind doch gut!&#8220;<br \/>\nDie Antwort des Lokalbesitzers: &#8222;Sind alt. Alt nix gut, nur neu gut.&#8220;<\/p>\n<p>Das sagt eigentlich alles, die Serie lief \u00fcbrigens 1987 und unser Wirtschaftssystem ist in den vergangenen vierzig Jahren immer mehr in diese Richtung gegangen, was im derzeitigen Trend zum &#8222;Fast Shopping&#8220; sichtbar wird. Dabei gehen vor allem Jugendliche in Gesch\u00e4fte und kaufen Dinge, die sie nach dem Kauf sofort entsorgen. Ohne sie ein einziges Mal verwendet zu haben. Die Sachen werden manchmal getauscht, manchmal verkauft, meist aber einfach weggeschmissen. Sie sind schon bei der Erzeugung genau genommen M\u00fcll, haben auch keinen Verwendungsanspruch und somit auch keine Qualit\u00e4t, daf\u00fcr kosten sie wenig.<br \/>\nWas die Jugendlichen danach machen? Sie gehen wieder ins Gesch\u00e4ft um sich das n\u00e4chste Kauferlebnis (Dauer des Adrenalinschubes angeblich sieben Sekunden) zu holen.<br \/>\nDie Dinge es Fast-Shoppings werden \u00fcbrigens nicht mehr konsumiert, also ge- oder verbraucht, sondern nur mehr gekauft und dann entsorgt. Es sind eigentlich keine Konsumgegenst\u00e4nde mehr und somit kann man auch nicht mehr von einer Konsumgesellschaft sprechen, das Wort &#8222;Wegwerfgesellschaft&#8220; d\u00fcrfte es eher treffen. Ob wir letztlich damit uns selbst wegwerfen, sollte diskutiert werden.<\/p>\n<p>Begonnen hat dies mit &#8222;alt nix gut, nur neu gut&#8220;.<br \/>\nIch konnte schon damals nichts damit anfangen und erinnere mich noch an den Widerstand, den ich empfunden habe. Vielleicht war das die Geburtsstunde meines gr\u00fcnen Engagements.<br \/>\nSomit will ich auch keine neue Waschmaschine so lange die alte gut funktioniert. Die neuen k\u00f6nnen eigentlich nichts wirklich besser. Sie haben 100 Programme, ich komme seit Jahrzehnten mit 2-3 aus. Sie haben tolle Digitalanzeigen, dadurch wird die W\u00e4sche aber nicht sauberer. Sie brauchen auch nicht weniger Strom, das ist so wie bei den K\u00fchlschr\u00e4nken ein Marketingschm\u00e4h, der nach der Methode der Abgastests funktioniert: ein spezieller Testzyklus, der mit dem Realbetrieb genau gar nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Seit ein paar Jahren h\u00fcpft meine Eudora beim Schleudern. Das hat langsam begonnen und ich habe mir damals eine spezielle Matte gekauft, die unter die Maschine gelegt wird. Das hat eine Zeit lang geholfen, in den letzten zwei bis drei Jahren musste ich mich aber beim Schleudervorgang immer \u00f6fter auf die Maschine setzen, was zwar einer Art Ganzk\u00f6rpermassage gleich kommt, letztlich aber nicht Sinn der Sache ist und mir auch immer mehr auf die Nerven ging.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise kenne ich den Sepp Eisenziegler vom RUSZ (Reparatur- und Servicezentrum in 1140, www.rusz.at), den ich f\u00fcr sein Engagement bewundere. Er hat mir schon vor l\u00e4ngerer Zeit gesagt, dass ich den R\u00fcttelsensor austauschen soll. Der hilft das Sch\u00fctteln zu verringern.<br \/>\nAls er neulich bei einer Veranstaltung zu Gast war, habe ich ihn darauf angesprochen und die Telefonnummer eines Betriebes bekommen, der Ersatzteile f\u00fcr alte Eudora-Waschmaschinen hat.(Haushaltsger\u00e4te Hildegard Maier, Hasenweg 2, A-8141 Premst\u00e4tten, service_eudora@aon.at, 0664 1360849, 0316 252800)<br \/>\nDort bekomme ich nicht nur den R\u00fcttelsensor (hei\u00dft offiziell &#8222;Unwuchtregler), sondern auch noch eine gute Beratung. Herr Maier meint, dass ich nachschauen soll, ob auch die Rollen kaputt sind. Daran h\u00e4tte ich gar nicht gedacht, aber sie sind tats\u00e4chlich vollkommen hin\u00fcber und das macht viel aus, meint Herr Maier. Also kaufe ich auch die Rollen und komme inkl. Versand auf Gesamtkosten von Euro 85,80-<\/p>\n<p>Um 200 Euro bekommt man schon eine neue Waschmaschine, muss diese 200 Euro aber alle drei Jahre investieren, denn so lange h\u00e4lt so eine Waschmaschine &#8211; wenn man Gl\u00fcck hat. Reparieren kann man die nicht, n\u00e4mlich gar nicht, das ist bei der Konstruktion nicht vorgesehen bzw. es ist vorgesehen, eventuelle Reparaturm\u00f6glichkeiten schon von vornherein zu unterbinden. Daher wird verklebt statt geschraubt, dann hat sich die Sache erledigt und ein Ersatzteillager braucht auch niemand. Wenn innerhalb der Garantiezeit etwas kaputt wird, tauscht man die Waschmaschine gegen eine neue und die alte wird weggeworfen, auch wenn nur ein Widerstand um 0,15- Euro kaputt ist.<\/p>\n<p>Was ich noch vergessen habe: Die neuen Waschmaschinen machen die W\u00e4sche nicht sauberer. Das ist ebenfalls ein Marketingschm\u00e4h, \u00e4hnlich wie der mit den Waschmitteln.<\/p>\n<p>Nach ein paar Tagen bekomme ich die Teile und schiebe meine Waschmaschine ins Wohnzimmer, wo ich sie auf ein altes Tuch lege, um nichts zu besch\u00e4digen.<br \/>\nF\u00fcr die gesamte Reparatur braucht man einen Kreuzschraubendreher, ein 5-Cent-St\u00fcck, einen Durchschlag und einen Hammer. Weil sich eine der Rollenachsen ein wenig verklemmt hat, dauert die Reparatur eine Stunde, ansonsten w\u00e4re es in 30 Minuten erledigt gewesen.<\/p>\n<p>Spannend war der erste Waschvorgang. Gl\u00fccklicherweise ist alles gut gegangen, die Maschine h\u00fcpft nicht mehr und ich bin gespannt, wie lange sie noch halten wird. Sepp hat mir geraten, sie m\u00f6glichst lange zu behalten, weil die Mechanik ziemlich schwer kaputtzukriegen ist und er mit der modernen Elektronik fast aller Marken (Miele hat angeblich noch eine qualitativ hochwertige Produktlinie, alle anderen sind mehr oder weniger Schrott schon beim Kauf) sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.08.05_Eudora\/wasch.jpg\" title=\"wasch.jpg\" alt=\"wasch.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Die R\u00fcckseite der Waschmaschine l\u00e4sst sich mit einem Schraubendreher und einem 5-Cent-St\u00fcck abschrauben. Dann kommt man \u00fcberall gut dazu.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.08.05_Eudora\/rollen.jpg\" title=\"rollen.jpg\" alt=\"rollen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: Hier sieht man den Unwuchtregler und die alten Rollen, deren Gummis schon br\u00fcchig und eckig waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor inzwischen 27 Jahren in die Edelhofgasse gezogen bin hat mir meine Schwester eine Eudora-Waschmaschine empfohlen. Die Wahl fiel auf die &#8222;Sparmeister 701&#8220; &#8211; eine kleine Waschmaschine, f\u00fcr eine Person aber v\u00f6llig ausreichend. 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