{"id":2556,"date":"2018-12-18T15:10:27","date_gmt":"2018-12-18T14:10:27","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2556"},"modified":"2018-12-18T16:07:23","modified_gmt":"2018-12-18T15:07:23","slug":"wie-wir-afrika-pluendern-teil-1-die-geschichte-mit-der-holzkohle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wie-wir-afrika-pluendern-teil-1-die-geschichte-mit-der-holzkohle\/","title":{"rendered":"Wie wir Afrika pl\u00fcndern &#8211; Teil 1: Die Geschichte mit der Holzkohle"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Reiss\u00b4 ma am Wochenende a Grillerei an?&#8220;<\/p>\n<p>Wer freut sich da nicht? In den letzten Jahren ist das europaweit immer mehr in Mode gekommen. Schnell ein paar Koteletts und K\u00e4sekrainer gekauft und von der Tankstelle noch einen Sack Holzkohle &#8211; schon kann es losgehen.<\/p>\n<p>Ganz ehrlich: Wer schaut da auf die Herkunft der Holzkohle? Fast niemand, und diejenigen, die es doch tun, scheitern kl\u00e4glich, weil die Herkunft nicht ausgewiesen werden muss.<br \/>\nIn Deutschland wurde daraufhin die Holzkohle untersucht und dabei ein Tropenholzanteil von 40% festgestellt. Das ist eine europaweit unvorstellbare Menge an Holz, das zu einem guten Teil \u00fcberhaupt nicht geschl\u00e4gert werden d\u00fcrfte, weil es auf der Liste der gef\u00e4hrdeten Holzarten steht. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist es billig und das ist auch das Kriterium, das die meisten von uns an der Tankstelle beim Holzkohlekauf haben. Und dabei ist es egal, wieso es so billig ist, denn wir haben auf den ersten Blick daraus ja nur Vorteile und keine Nachteile.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: die meiste Kohle stammt aus den Tropen Afrikas. Dort z.B. aus Nigeria, wo wild und illegal W\u00e4lder geschl\u00e4gert werden. 10 Tonnen Holz braucht man um 1 Tonne Holzkohle zu erzeugen. Das Land ist danach zur Erosion freigegeben, die nicht mehr vorhandenen B\u00e4ume erzeugen keinen Sauerstoff mehr und die Verkohlung des Holzes l\u00e4sst CO2 in die Atmosph\u00e4re. Die dadurch sich verst\u00e4rkende Klimakrise treibt in den n\u00e4chsten Jahren Millionen Menschen in die Flucht.<\/p>\n<p>Das ist ungef\u00e4hr das letzte, was wir an einem lauschigen Sommerabend mit einem Bier in der Hand wissen wollen. Auch nicht die Bedingungen, unter denen die Menschen arbeiten, die diese Kohle erzeugen. Wir wollen auch nicht wissen, wie viel sie verdienen oder nicht verdienen (Ein Sack Holzkohle bringt 3 Dollar) und die Umweltverschmutzung durch die mit Schwer\u00f6l betriebenen Containerfrachter ist uns auch herzlich egal, wenn wir in unser Steak beissen.<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein gutes Schnapserl zur Verdauung? Das schmeckt besser als die Gewissheit, dass die Menschen in Nigeria mit dem abgeholzten, kaputten Land nichts mehr anfangen k\u00f6nnen und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gezwungen sind von dort wegzugehen. Der Weg f\u00fchrt sie in die St\u00e4dte und von dort nach Europa. Und wir suhlen uns dann in der gespielten Verwunderung, wieso diese Menschen nicht dort bleiben, wo sie herkommen &#8211; Nigeria ist \u00fcbrigens das afrikanische Land, aus dem die meisten Menschen zu uns kommen. <\/p>\n<p>WIR haben daran auf keinen Fall Schuld. Wir kaufen ja nur Holzkohle, weil wir sie f\u00fcr unser Freizeitvergn\u00fcgen brauchen &#8211; was kann daran schlecht sein?<br \/>\nUnd wir wollen m\u00f6glichst wenig f\u00fcr unser Freizeitvergn\u00fcgen zahlen, damit wir uns mehr Freizeitvergn\u00fcgen leisten k\u00f6nnen. Zwei Grillsommerabende sind schlie\u00dflich besser als einer.<\/p>\n<p>Daher w\u00e4hlen wir auch gerne Parteien, die den billigen Import von Tropenholzkohle f\u00f6rdern, indem sie entsprechende Gesetze beschlie\u00dfen. Die EU unterst\u00fctzt hier flei\u00dfig und erm\u00f6glicht, dass Kohle \u00fcber den Umweg z.B. nach Polen quasi &#8222;wei\u00dfgewaschen&#8220; wird. Sie kommt dann aus einem anderen EU-Land nach Deutschland oder \u00d6sterreich und gilt als sauber.<\/p>\n<p>Letztlich sind es also schon wir, die mit unseren Entscheidungen bestimmen, was in Afrika passiert. Auch wenn es sehr bequem ist das nicht zu sehen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re \u00fcbrigens ziemlich einfach damit aufzuh\u00f6ren. Wir br\u00e4uchten nur darauf bestehen heimische Holzkohle zu kaufen. Die gibt es und sie hat mehrere Vorteile:<br \/>\n1.) Dank moderner Fertigungsmethoden braucht man nur 2,5 Tonnen Holz f\u00fcr eine Tonne Holzkohle, kann also viermal so viel erzeugen.<br \/>\n2.) In Europa kann man nachhaltige Forstwirtschaft betreiben, Holz von dort ist also okay.<br \/>\n3.) Wir schaffen damit europ\u00e4ische Arbeitspl\u00e4tze.<br \/>\n4.) Die Umweltsch\u00e4den beim Transport sind niedriger.<\/p>\n<p>Organisationen, die helfen gute Holzkohle zu etablieren, ist z.B. der Forest Trust: http:\/\/www.tft-earth.org\/<br \/>\nKaufen kann man die gute Kohle auch in \u00d6sterreich: http:\/\/holzkohle.at\/Koehlerei\/Verkauf.html<\/p>\n<p>Und die Menschen in Afrika?<br \/>\nUnser Herr Bundeskanzler hat neulich bekr\u00e4ftigt, dass man Afrika bitte nicht den Chinesen \u00fcberlassen darf. (&#8222;Das wollen wir gef\u00e4lligst selbst auspl\u00fcndern&#8220; hat er nicht dazu gesagt. Muss er auch nicht. Es ist sowieso nicht anders interpretierbar, wenn wir uns ansehen, wie die Handelsabkommen aussehen, die in den letzten Jahren geschlossen wurden.)<br \/>\nDie Menschen in Afrika helfen sich \u00fcbrigens selbst. Sie haben z.B. im Kongo mit Hilfe des WWF spezielle \u00d6fen entwickelt, die den Verbrauch halbieren. Und sie pflanzen neue B\u00e4ume und erzeugen aus denen mehr und bessere Holzkohle. Das tun sie ganz von sich aus, wenn wir sie lassen.<\/p>\n<p>Ich werde an dieser Stelle gegen die Bequemlichkeit ank\u00e4mpfen und noch zahlreiche Beispiele schildern, wie wir Afrika pl\u00fcndern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Reiss\u00b4 ma am Wochenende a Grillerei an?&#8220; Wer freut sich da nicht? In den letzten Jahren ist das europaweit immer mehr in Mode gekommen. 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