{"id":2566,"date":"2019-01-02T11:07:26","date_gmt":"2019-01-02T10:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2566"},"modified":"2019-01-02T11:07:26","modified_gmt":"2019-01-02T10:07:26","slug":"wie-wir-afrika-pluendern-teil-2-die-sache-mit-dem-frittenoel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wie-wir-afrika-pluendern-teil-2-die-sache-mit-dem-frittenoel\/","title":{"rendered":"Wie wir Afrika pl\u00fcndern &#8211; Teil 2: Die Sache mit dem Fritten\u00f6l"},"content":{"rendered":"<p>Sina Trinkwasser ist eine deutsche Unternehmerin, der ich sehr gerne zuh\u00f6re. Sie hat in Stuttgart eine Textilfirma gegr\u00fcndet (manomama.de) und sich ihre Mitarbeiterinnen nach genau den Kriterien ausgesucht, die in der Personalvermittlung als K.O.-Kriterien gelten: alt, ungelernt, schlechte Deutschkenntnisse, wenn m\u00f6glich behindert.<br \/>\nSie hat mir erz\u00e4hlt, wie sie auf der Suche nach neuem Material durch Tansania gefahren ist: &#8222;Da waren links und rechts Sonnenblumenfelder so weit das Auge reicht&#8220;. Das ging so sicher zwei Stunden lang, wenngleich das Auto nicht schnell gefahren ist. Auf die neugierige Frage, was denn mit all diesen Sonnenblumen passieren w\u00fcrde, meinte der Fahrer nur: Daraus wird Fritten\u00f6l f\u00fcr Deutschland, Holland und Belgien.<\/p>\n<p>Die Firmen, denen diese Sonnenblumenfelder geh\u00f6ren, geh\u00f6ren entweder keinen Afrikanern oder sind Scheinfirmen, die erst recht wieder Europ\u00e4ern geh\u00f6ren. Die Bewirtschaftung erfolgt gro\u00dfteils maschinell, die Wertsch\u00f6pfung im Land ist minimal, die Gewinne gehen (abz\u00fcglich der Bestechungsgelder f\u00fcr den District Governor, behaupte ich) auch ins Ausland.<\/p>\n<p>Was war denn dort, bevor die Sonnenblumen gepflanzt wurden? Nun, da war auch etwas. Vor allem war dort jemand &#8211; n\u00e4mlich Kleinbauern, die nachhaltigen Ackerbau und Viehzucht betrieben haben. Und was ist mit denen passiert? Die Antwort ist einfach: die wurden von dort vertrieben. Meist funktioniert das so, dass die Distriktverwaltung kommt und die Bauern nach ihrer Landbesitzurkunde fragt. So etwas ist dort aber unbekannt und daher haben sie keine. Sie haben ja bisher nie eine gebraucht, das Weideland geh\u00f6rte quasi allen und die Landparzellen denjenigen, die sie bebaut haben. <\/p>\n<p>Dann bekommen sie ein paar Wochen Zeit um ihr Land zu verlassen. Das Land wird von einer gro\u00dfen Firma gekauft und dann meist eingez\u00e4unt, damit die rundherum verbliebenen Bauern es nicht betreten k\u00f6nnen. Dieser Vorgang nennt sich &#8222;land grabbing&#8220; und geschieht in ganz Ostafrika, also vor allem in \u00c4thiopien, Kenia, Tansania und Uganda und wird von den Indern, Chinesen, Amerikanern und Europ\u00e4ern betrieben. <\/p>\n<p>Noch ein Beispiel: Ich fahre ja seit vielen Jahrzehnten nach Kenia und kenne daher viele Regionen dieses sch\u00f6nen Landes. Eine ganz besonders faszinierende ist das Hochland rund um den Mount Kenia, den zweith\u00f6chsten Berg Afrikas. Aufgrund der Klimakrise gibt es seit ein paar Jahren leider fast keinen Gletscher mehr und auch sonst hat sich einiges ge\u00e4ndert. Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung jedoch findet man am Fu\u00df dieses majest\u00e4tischen Berges. Dort befindet sich eine Hochebene auf ca. 2.000 Meter Seeh\u00f6he. Im Nordwesten ist Savanne, im Norden in eine Halbw\u00fcste \u00fcbergehend, im S\u00fcden und S\u00fcdwesten fruchtbares Land und Reste von Waldgebieten.<br \/>\nSeit Urzeiten leben dort Menschen, die vor allem Ackerbau und Viehzucht betreiben. Der Ackerbau funktioniert aufgrund der zahlreichen B\u00e4che, die vom Berg herunter flie\u00dfen.<br \/>\nSeit ein paar Jahren sieht es dort aber ganz anders aus. Riesige Gew\u00e4chsh\u00e4user flankieren den Berg. In ihnen wachsen Blumen f\u00fcr Europa. Diese Blumenzucht ist sehr bew\u00e4sserungsintensiv und so wurden viele B\u00e4che in die riesigen Blumenfarmen geleitet. Diese geh\u00f6ren reichen Kenianern aus der Hauptstadt Nairobi, die man in den Nobelvierteln der Stadt in Luxuslimousinen und teuren Sportwagen herumfahren sehen kann.<br \/>\nUnd die Bauern, die dort vorher gelebt haben? Die Antwort auf diese Frage kann ich mir an dieser Stelle hoffentlich bereits ersparen. Ich hoffe nur, dass niemand glaubt, die billigen Blumen aus dem Holland-Blumenmarkt w\u00fcrden in Holland wachsen. Zur Entschuldigung bekomme ich in Diskussionen zu h\u00f6ren, dass die Gew\u00e4chsh\u00e4user dort ohne Beheizung rund um\u00b4s Jahr Blumen produzieren k\u00f6nnten, w\u00e4hrend man das bei uns im Winter mit entsprechendem Energieaufwand tun m\u00fcsste.<br \/>\nBrauchen wir echt frische Schnittblumen im Winter? Und was ist mit den Umweltkosten, die beim Transport entstehen? Dieser geschieht mit Diesel-LKW, die das Zeug nach Nairobi bringen. Von dort geht es mit dem Flugzeug nach Amsterdam und sonst wohin, und zwar &#8211; unter anderem &#8211; in den Frachtr\u00e4umen der Ferienflieger. Das ist \u00fcbrigens der eigentliche Grund f\u00fcr die Gep\u00e4ckbeschr\u00e4nkung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sina Trinkwasser ist eine deutsche Unternehmerin, der ich sehr gerne zuh\u00f6re. Sie hat in Stuttgart eine Textilfirma gegr\u00fcndet (manomama.de) und sich ihre Mitarbeiterinnen nach genau den Kriterien ausgesucht, die in der Personalvermittlung als K.O.-Kriterien gelten: alt, ungelernt, schlechte Deutschkenntnisse, wenn<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-2566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2566"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2570,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566\/revisions\/2570"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}