{"id":519,"date":"2011-01-23T20:54:56","date_gmt":"2011-01-23T19:54:56","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=519"},"modified":"2011-01-23T20:56:04","modified_gmt":"2011-01-23T19:56:04","slug":"ein-land-tut-was-es-tut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/ein-land-tut-was-es-tut\/","title":{"rendered":"Ein Land tut was es tut"},"content":{"rendered":"<p>Ja, die Pause war lang &#8211; aber jetzt ist es wieder Zeit ein wenig Analyse zu liefern.<\/p>\n<p>Es gab einmal ein Land in Afrika, in dem die Menschen hart arbeiten mussten, weil das Land nicht sehr fruchtbar war und man daher den wichtigsten nat\u00fcrlichen Reichtum n\u00fctzen musste: das Meer. Also waren viele Menschen Fischer und brachten oft reiche Beute. Dann kam der Krieg in das Land und es gab f\u00fcr lange Zeit keine funktionierende Regierung. Das h\u00e4tte den Fischern noch nichts ausgemacht, denn sie h\u00e4tten ja weiterhin mit ihren Booten hinausfahren k\u00f6nnen. Dummerweise sprach es sich in der ganzen Welt herum, dass es in dem Land keine Regierung mehr gab sondern nur einander bekriegende Interessensgruppen, und so schickten viele L\u00e4nder und viele gro\u00dfe Firmen ihre Fischfangflotten aus, um die K\u00fcste vor dem afrikanischen Land zu befischen, da ihnen dort niemand die K\u00fcstenfischerei verbieten konnte, es gab ja niemand, der international offiziell Einspruch h\u00e4tte erheben k\u00f6nnen.<br \/>\nNach einiger Zeit gab es vor der K\u00fcste fast keine Fische mehr und die Fischer mussten zusehen, wie die gro\u00dfen industriellen Fangflotten ihr Meer ausraubten. Daf\u00fcr bekamen die Amerikaner, Japaner und Europ\u00e4er billigen Thunfisch, was die Menschen dort sehr sch\u00f6n fanden.<br \/>\nDoch die gro\u00dfen, m\u00e4chtigen Staaten taten noch etwas anderes: Sie schickten andere Schiffe, die nicht etwas aus dem Meer holten, sondern etwas ins Meer hineinwarfen, n\u00e4mlich jede Menge Giftm\u00fcll, viel davon radioaktiv. Auch das war straffrei m\u00f6glich, da es ja keine Regierung gab, die sich wehren h\u00e4tte k\u00f6nnen. Die K\u00fcste wurde so zu einer beliebten Gratism\u00fcllhalde.<br \/>\nBeim gro\u00dfen Tsunami sp\u00fclten die Wellen jede Menge F\u00e4sser und andere Reste des versenkten Giftm\u00fclls an Land und die Menschen wussten jetzt, woher die vielen Krankheiten (Hautgeschw\u00fcre, Krebs) kamen, die vor allem ihre Kinder pl\u00f6tzlich hatten, die gerne am Strand spielten.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit und schon in den Jahren davor hatten die Amerikaner wieder einmal ein bisschen Krieg f\u00fchren m\u00fcssen und da das Land strategisch g\u00fcnstig lag und es dort auch einige wohlhabende Menschen gab, die gerne etwas Krieg f\u00fchren wollten, stopfte man das Land mit Waffen voll und machte mit dem armen Land noch weitere fette Gewinne.<\/p>\n<p>Dann entdeckten die Menschen an der K\u00fcste, dass sie sich wehren konnten. Erstens gab es Waffen in H\u00fclle und F\u00fclle und zweitens hatte man ja noch Boote, mit denen man fahren konnte. Also fuhren sie hinaus und verjagten die gro\u00dfen Fischereiflotten. Diese waren f\u00fcr lange Zeit wehrlos und verlie\u00dfen dann langsam die Gew\u00e4sser vor der K\u00fcste des Landes, weil es ihnen zu gef\u00e4hrlich wurde und man konnte in vielen anderen Gebieten dieser Erde auch problemlos Profit machen.<\/p>\n<p>So entdeckten sie, dass sie mit ihren Waffen Geld verdienen konnten. Da sie auch clevere Leute waren, weiteten sie diese Einnahmequelle aus und \u00fcberfielen auch das eine oder andere Handelsschiff und holten sich fette Beute. Die beste Beute jedoch, das entdeckten sie recht schnell, waren die Schiffe selbst, denn die Ware darauf war erstens viel wert und wurde zweitens dringend ben\u00f6tigt. Da sich vor ihrer K\u00fcste etwa zwanzig Prozent des weltweiten Schiffshandelsverkehrs bewegte, gab es Schiffe in H\u00fclle und F\u00fclle und sie transportieren jede Art von Ware (wenn der Suezkanal f\u00fcr 48 Stunden gesperrt wird, gehen viele europ\u00e4ischen Spit\u00e4lern etwa die Spritzen aus).<\/p>\n<p>Nun professionalisierten die K\u00fcstenbewohner ihre Einnahmequelle und \u00fcberfielen immer mehr Schiffe und nahmen die Besatzung als Geiseln. Bis auf wenige Unf\u00e4lle kamen auch nicht viele Menschen zu Schaden und die Leute und Firmen, die an der Ware interessiert waren, zahlten brav L\u00f6segelder.<\/p>\n<p>Mit der Zeit tat sich ein weiteres Problem auf: An der K\u00fcsten hatten die neuen Unternehmer jetzt viel Geld und so stiegen die Preise f\u00fcr alle Art von Waren schnell an. Alle, die nicht bei dem lukrativen Gesch\u00e4ft dabei waren, etwa weil sie diese T\u00e4tigkeit verachteten oder aus sonst einem Grund nicht mitmachen wollten, kamen in die Zwickm\u00fchle, da sie sich ihre Leben nicht mehr leisten konnten. F\u00fcr die jungen M\u00e4nner gab es nur die Alternative ein karges muslimisches Glaubensleben vorzuziehen und das war nicht sehr verlockend. Also machten sie mit.<\/p>\n<p>Mit der Zeit begannen sich die internationalen Gro\u00dfkonzerne zu wehren, da das neue Business f\u00fcr sie zu teuer wurde, obwohl es sehr gut kalkulierbar war. Die Preise stiegen zwar schnell an, aber man wusste inzwischen, was man f\u00fcr welche Menge an Ladung und Schiffsgr\u00f6\u00dfe zu zahlen hatte und plante das in die Kosten mit ein. Das Geld wurde in wasserfesten Beh\u00e4ltern von Flugzeugen abgeworfen und die K\u00fcstenbewohner holten es sich &#8211; dann durfte das Schiff mitsamt seiner Fracht weiterfahren. Die K\u00fcstenbewohner kalkulierten das L\u00f6segeld letztlich nach marktwirtschaftlichen Kriterien, die in jeder Betriebswirtschaftsvorlesung als Beispiel gelten k\u00f6nnten: Sie wussten ungef\u00e4hr, was die Liegezeiten bzw. die Verz\u00f6gerungen den Reedereien an Geld kosten und auch, was die Umwegroute um das Kap der guten Hoffnung (Afrikas S\u00fcdspitze) kostete &#8211; n\u00e4mlich eine Menge Diesel, Mannschaftslohn und drei Wochen an Zeit. So berechneten sie das Geld gerade so hoch, dass es sich f\u00fcr die Reeder nicht auszahlte, eine Alternative zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Noch ein interessanter Nebeneffekt trat auf: Vor der K\u00fcste des armen afrikanischen Landes erholten sich die Fischbest\u00e4nde, da die gro\u00dfen Raubflotten sich jetzt endg\u00fcltig nicht mehr hintrauten. Das war schlie\u00dflich der einzige Ort auf der Welt, an dem sich die Best\u00e4nde erholen konnten.<\/p>\n<p>Nach ein paar Jahren war die neue Einnahmequelle der wichtigste Wirtschaftszweig des afrikanischen Landes geworden. Die eingesetzten Milit\u00e4rkr\u00e4fte waren wegen der Gr\u00f6\u00dfe des Gebiets und der zunehmend besseren Organisation und Ausr\u00fcstung der K\u00fcstenbewohner nicht in der Lage, die Schiffe ausreichend zu sch\u00fctzen und festgenommene Piraten konnten vor kein ordentliches Gericht gestellt werden &#8211; denn wo sollte dieses sein? Au\u00dferdem hatte man das Problem, dass es sehr schwierig war, anst\u00e4ndige Fischer von den K\u00fcstenbewohnern mit dem neuen Gesch\u00e4ftsmodell zu unterscheiden. Au\u00dferdem haben die K\u00fcstenbewohner wenig zu verlieren: in ihrer Hauptstadt ist die Gefahr erschossen zu werden noch viel h\u00f6her als auf See. Daher ist es auch sehr schwer, Geiseln ohne Verluste aus ihren H\u00e4nden zu befreien.<\/p>\n<p>Viele der K\u00fcstenbewohner sind sehr jung und haben Zugang zu Drogen. Sie sind unberechenbar und glauben nur an den Krieg und an Allah und man kann mit ihnen nicht gut verhandeln.<\/p>\n<p>Wer ist Schuld an der Situation dieser Situation und was ist zu tun? Es w\u00e4re an der Zeit, dass das Land in Afrika wieder zur Ruhe kommt und die K\u00fcstenbewohner wieder Fische fangen, so wie fr\u00fcher, denn diese Geschichte spielt heute und das Land in Afrika gibt es wirklich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, die Pause war lang &#8211; aber jetzt ist es wieder Zeit ein wenig Analyse zu liefern. 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