{"id":846,"date":"2012-03-24T16:49:38","date_gmt":"2012-03-24T15:49:38","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=846"},"modified":"2012-03-24T16:49:38","modified_gmt":"2012-03-24T15:49:38","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-8","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-8\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 8"},"content":{"rendered":"<p>Tag 8 &#8211; von der Nyabitaba-Hut zur John-Matte-Hut<\/p>\n<p>An diesem Morgen war ich sicher schon gegen 3 oder 4 Uhr wach &#8211; zu fr\u00fch schlafen gehen r\u00e4cht sich. Die Kombination aus pinkeln m\u00fcssen und nicht aus dem Schlafsack raus wollen ist suboptimal.<br \/>\nUnd dann war da noch die Sache mit den Tr\u00e4gern. Unten im Tal haben wir die Rucks\u00e4cke extra mit einer H\u00fclle versehen, damit sie nicht nass werden. Das Problem kenne und f\u00fcrchte ich seit meiner ersten Kilimandscharo-Besteigung 1995. Damals dachte ich, mein Rucksack w\u00e4re wasserdicht. Das war ein fataler Irrtum. Auf der Horombo-Hut angekommen war nicht nur mein Rucksack nass, sondern alles, was darin eingepackt war: Hosen, Jacken etc. Nur der Schlafsack war damals ganz unten und blieb wie durch ein Wunder trocken. Der F\u00fchrer sa\u00df damals die halbe Nacht bei einem rauchenden Holzfeuer und trocknete meine Jacke, die sich auch als nicht wasserfest herausgestellt hatte. <\/p>\n<p>Merke: Nasse Jacke und nasser Schlafsack bedeuten ein schnelles Ende der Tour, n\u00e4mlich quasi sofort, oder genauer: nach einer eiskalten Nacht. Die Daunenschlafs\u00e4cke sind am kritischsten: sehr leicht, sehr warm, aber sie d\u00fcrfen auf keinen Fall nass werden. Dann klumpen die Daunen zusammen und der Schlafsack ist auf der Stelle unbrauchbar. Auch diesmal standen wir vor dem Problem, obwohl wir vorgesorgt hatten, Erfahrung sei Dank. Wir hatten alle Gegenst\u00e4nde im Rucksack zus\u00e4tzlich noch in Plastiks\u00e4cke verpackt, der Schlafsack hatte somit vierfachen Schutz: Seine eigen H\u00fclle, den Plastiksack, den Rucksack und die Rucksackh\u00fclle.<\/p>\n<p>Zumindest theoretisch. In der Praxis entfernten die Tr\u00e4ger die Rucksackh\u00fcllen, um ihr eigenes Gep\u00e4ck hinten zus\u00e4tzlich aufzuschnallen. Dann passen nat\u00fcrlich die H\u00fcllen nicht mehr. Wenn sie auf der H\u00fctte angelangt sind, nehmen sie ihr eigenes Zeug wieder runter und geben die H\u00fclle wieder drauf, auf den pitschnassen Rucksack.<\/p>\n<p>Was tun? Schimpfen? Das n\u00fctzt nichts, weil sie verstehen nicht, was du willst. Daher versuchte ich es anders. Ich holte Stephen unseren F\u00fchrer und es stellte sich heraus, dass es sein Sohn war, der meinen Rucksack getragen hatte. Also her mit ihm. Dann nahm ich eine Daune aus meinem Schlafsack und zeigte sie ihm. Ich tauchte dann die Daune in ein Glas Wasser und zeigte sie ihm wieder. Bis heute hoffe ich, dass er es verstanden hat.<br \/>\nDas Problem trat an den darauf folgenden Tagen nicht mehr auf, weil die Tr\u00e4ger ab da immer vor uns auf den H\u00fctten waren und somit auch meist vor dem Regen, der normalerweise erst am fr\u00fchen Nachmittag beginnt. Daher blieb unser Zeug trocken.<\/p>\n<p>Im Ruwenzori ist es st\u00e4ndig feucht und daher extrem schwierig, Sachen trocken zu bekommen, wenn sie einmal nass sind. Das gilt vor allem f\u00fcr die Schuhe. Ich hatte mir zuvor noch beim Hof+Turecek teure Spezialstiefel (Marke Haix) gekauft, garantiert wasserdicht und auch sonst supi-supi. Und das stimmt auch, die Schuhe sind wirklich der Hammer: sensationelle Sohle mit tollem Grip, leicht, guter Kn\u00f6chelhalt. Leider d\u00fcrfen sie auf keinen Fall mit Feuchtigkeit in Ber\u00fchrung kommen. Das mit dem Goretex ist ein Schm\u00e4h, so viel steht fest. Sie leiten den Schwei\u00df, der in jedem Schuh bei mehreren Stunden Gehen entsteht, schlechter nach au\u00dfen als meine Lederstiefel. Ich hatte bei diesem Funktionszeug immer schon den Verdacht, dass das ein Marketingtrick ist. Jetzt wei\u00df ich es definitiv, denn ich hatte nicht nur die geeigneten Bedingungen, sondern auch passende Vergleiche. Thomy ging den gleichen Weg bei gleicher Witterung. Seine Schuhe blieben trocken, meine waren waschelnass. Also ganz trocken blieben seine nat\u00fcrlich auch nicht, weil auch seine F\u00fc\u00dfe schwitzen. Aber am n\u00e4chsten Tag in der Fr\u00fch waren sie wieder trocken, die Leder-Palladium, die um ein ganzes Eck billiger waren als meine Schuhe.<\/p>\n<p>Die waren n\u00e4mlich in der Fr\u00fch stets feucht und kalt. Somit sind das Superschuhe, und zwar f\u00fcr die W\u00fcste. Au\u00dferdem werden sie beim Tragen gr\u00f6\u00dfer und somit rutschte ich beim Bergabgehen nach vorne. Das ist nicht sehr angenehm, wenn man mehrere Stunden steil bergab geht. <\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck war gut: Omelette mit Senf, Toastbrot mit Honig. Und Tee. Das Lunchpaket wie am Vortag, Apfel, Fruchtsaft, trockenes Toastbrot-Sandwich mit nicht sehr viel drin, ein Schokoriegel. Aber ich wollte eh die drei \u00fcberfl\u00fcssigen Winterkilo wegbekommen. Und unser Koch Ambrose war wirklich gut und ich kann ihn weiter empfehlen. Er bem\u00fcht sich und zaubert aus eher nicht so tollen Materialien gutes Essen. Und es war auch ausreichend. Jeden Tag am Abend wurde der n\u00e4chste Tag essensm\u00e4\u00dfig vorbesprochen &#8211; was wir wollen, was es gibt. Das hat sehr gut funktioniert, so konnten wir Reis, Nudeln und Erd\u00e4pfel abwechseln lassen, es gab auch Fleisch, Fisch und Obst. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zum ersten Tag waren die Tr\u00e4ger lange vor uns auf der H\u00fctte und somit auch das Essen. Ambrose war fr\u00fcher selbst Tr\u00e4ger und daher auch blitzschnell. Es ist unglaublich, welche Trittsicherheit diese Menschen an den Tag legen, da kann niemand mithalten. Sie sind meist ca. doppelt so schnell wie wir.<br \/>\nDen ersten Tag vergessen wir besser. Da die Tr\u00e4ger noch lange im Tal bleiben und letztlich erst weg gingen, als wir schon lange oben waren, mussten wir fast drei Stunden auf unser Gep\u00e4ck warten. Und ich hatte nur ein verschwitztes Leiberl. <\/p>\n<p>Der Weg ist auch am zweiten Tag nicht besonders schwierig, es warten noch keine gro\u00dfen S\u00fcmpfe. Zuerst geht es bergab, dann \u00fcber den gro\u00dfen Fluss \u00fcber die Kurt-Schaffer-Br\u00fccke und durch einen Bambuswald hinauf. Herr Schaffer war ein US-Botschafter mit Faible f\u00fcr den Ruwenzori und hat die Br\u00fccke gespendet.<\/p>\n<p>Die Italiener \u00fcberholten uns und zogen davon, nur Paolo ging mit uns, weil wir ein \u00e4hnliches Tempo hatten. Paolo ist 63 und hat Wadeln wie nur was. Er spricht ein wenig Deutsch, sehr wenig Englisch, ganz gut Franz\u00f6sisch und exzellent Italienisch. Ich spreche exzellent Deutsch, gut Englisch, weniger gut Franz\u00f6sisch und fast gar nicht Italienisch. Also unterhielten wir uns gro\u00dfteils auf Franz\u00f6sisch mit ein bisschen was von den anderen Sprachen. Und auf meiner Sommertour mit der Vespa nach Rom werde ich bei ihm vorbei schauen.<\/p>\n<p>An diesem Tag sind schon kn\u00f6chelfeste Stiefel gefragt, weil es erstens ein wenig gatschig werden kann und man zweitens \u00fcber viel Wurzelwerk und Felsen geht. Auch die Stecken bew\u00e4hren sich bereits.<br \/>\nBei Trockenheit ist der Aufstieg in 5 Stunden zu bew\u00e4ltigen, inklusive Mittagsrast. Die H\u00fctte ist okay, es gibt wie \u00fcberall neue Matratzen, aber nur 16 Betten. Besonderer Mangel herrscht auch an Tischen und Betten. Wenn die H\u00fctte voll ist, muss man im Schichtbetrieb essen.<\/p>\n<p>Vom Koch hab ich mir ein Schaffel mit warmem Wasser geholt, nur einen Waschlappen hatte ich nicht mit. Das als Tipp f\u00fcr mich selbst f\u00fcr das n\u00e4chste Mal und f\u00fcr alle, die es sonst noch betrifft.<br \/>\nF\u00fcr die Touristen-Bergsteigergruppen gibt es gro\u00dfe Gasflaschen, die Tr\u00e4ger und F\u00fchrer kochen sich ihr Essen nach wie vor am Holzfeuer. Das Holz wird jedoch hinauf getragen und meines Wissens nicht in der Umgebung geschl\u00e4gert. Da w\u00e4re es schnell kahl rund herum.<\/p>\n<p>So geht der zweite Ruwenzori-Tag zu Ende, mit einem guten Schluck aus der Waragi-Flasche und einem St\u00fcckchen Schokolade.<br \/>\nDie Temperatur ist noch im Plus-Bereich, in der Nacht jedoch nur mehr knapp \u00fcber Null. Sobald die Sonne weg ist wird es sehr schnell kalt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 8 &#8211; von der Nyabitaba-Hut zur John-Matte-Hut An diesem Morgen war ich sicher schon gegen 3 oder 4 Uhr wach &#8211; zu fr\u00fch schlafen gehen r\u00e4cht sich. 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