{"id":1037,"date":"2012-08-14T08:45:30","date_gmt":"2012-08-14T07:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1037"},"modified":"2017-08-22T16:21:39","modified_gmt":"2017-08-22T15:21:39","slug":"rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-4\/","title":{"rendered":"Rom mit einer 39 Jahre alten Vespa &#8211; Tag 4"},"content":{"rendered":"<p>Weg war er, der Appetit. Ich hatte gut geschlafen und auch mein Genick wirkte wieder okay f\u00fcr einen neuen Tag on the road, aber ich musste nach einem halbem Semmerl aufgeben, obwohl Helga mir ein fantastisches Fr\u00fchst\u00fcck bereitet hatte, mit selbstgemachter Zwetschgen-Feigen-Marmelade, einem weichen Ei und K\u00e4se und Speck und noch viel mehr. Es war mir peinlich, das alles \u00fcbrig zu lassen, aber ich brachte keinen Bissen mehr runter.<br \/>\nIch hatte Reisefieber, weit mehr als noch am Tag zuvor. Objektiv gesehen war alles bestens, die Vespa lief gut, ich war in einem traumhaften Quartier und das Wetter war exzellent, kein W\u00f6lkchen am Himmel. Und trotzdem hatte ich Stress, genauer gesagt Angst vor der langen Fahrt und dass wieder was kaputt gehen k\u00f6nnte.<br \/>\nHelga setzte sich zu mir und lie\u00df mich \u00fcber mein Reisefieber erz\u00e4hlen, \u00fcber die Sorgen, die ich mit dem Motor h\u00e4tte und \u00fcber das bl\u00f6de Suchen nach der richtigen Strecke alle paar Kilometer.<br \/>\nSie blickte mich lange an und gab mir dann einen entscheidenden Tipp: &#8222;Wir waren l\u00e4ngere Zeit in Alaska und dort haben wir gelernt, wie man am besten mit so einer Situation umgeht, n\u00e4mlich mit der Alaska-Methode. Repariert wird etwas erst, wenn es kaputt ist. Davor ben\u00fctzt man es und k\u00fcmmert sich nicht darum.&#8220;<br \/>\nJa, das war es, was mir weiter half. Es vertrieb zwar nicht den gesamten Stress, aber ich atmete ein wenig auf. Dann kam noch Sigi dazu und gemeinsam studierten wir die Karte.<br \/>\n&#8222;Je weiter Sie in den S\u00fcden kommen, desto mehr alte Vespas gibt es und da wird es auch leichter, eine Werkstatt zu finden, wenn wirklich was sein sollte&#8220; meinte er und beschrieb mir den Weg durch Mestre.<br \/>\nDas Zittern ums Anspringen war ohne jede Berechtigung, aber im Kaltzustand war das ohnehin noch nie ein Problem. Im Warmzustand hatte sich gezeigt, dass ich im Prinzip genau eine Gelegenheit hatte. Ich musste den Kickstarter so auf Zug bringen, dass ich mit einem einzigen heftigen Kick den Motor starten konnte. Wenn es beim ersten Kick nicht funktionierte, nutzten die zehn weiteren auch nichts.<br \/>\nWas auch funktionierte &#8211; gl\u00fccklicherweise fast immer &#8211; war der alte Trick mit dem nach links kippen der ganzen Vespa. Man nimmt sie vom St\u00e4nder und kippt sie. Es ist dann nicht ganz leicht den Kickstarter zu treten, aber aus irgend einem Grund \u00e4ndert das was im Vergaser und sie nimmt dann Gas an. Sobald sie einmal lief, war alles kein Problem mehr, sie hatte Standgas und Kraft.<\/p>\n<p>Wieder auf der Stra\u00dfe, zuerst ein paar elende Kilometer zur\u00fcck nach Jesolo und zur Hauptstra\u00dfe. Schon um 8 Uhr waren etliche Holl\u00e4nder mit Wohnw\u00e4gen und Wohnmobilen unterwegs und schlichen un\u00fcberholbar auf langen Alleen dahin. Eine Sorge, die ich von Anfang an hatte, erwies sich schnell als unberechtigt. Ich dachte, dass ich es nicht vermeiden k\u00f6nnte st\u00e4ndig in Eile zu sein und dauernd nerv\u00f6s \u00fcberholen zu wollen. Das war aber von Anfang an nicht der Fall, ich war durchaus gelassen und konnte mich dem Verkehr anpassen. Zeit f\u00fcr einen Tipp<\/p>\n<p><strong>Tipp: Rhythmisch fahren<\/strong><br \/>\nEs geht um die Frage der Sicherheit und die ist auf so einer langen Tour entscheidend. Genau genommen ist sie auch bei 300 Metern zum B\u00e4cker entscheidend, denn da k\u00f6nnen genau so schwere Unf\u00e4lle passieren, aber auf der Langstrecke bekommt der Sicherheitsaspekt noch einen zus\u00e4tzlichen Kick.<br \/>\nVerkehr ist gemeinsame Mobilit\u00e4t, auch wenn es oft eher nach dem Gegenteil aussieht &#8211; jeder gegen jeden. Gro\u00dfteils funktioniert es aber und zwar nicht nur weil es Regeln gibt. Gerade in Italien kann man sich die Regeln oft auf den Hut stecken, es geht eher darum, sich in das Geschehen einzuklinken. Mir ist das meistens ganz gut gelungen, der Trick dabei liegt darin, den Rhythmus zu erfassen und sich ihm anzupassen. Das betrifft die gerade gefahrene Geschwindigkeit, aber auch die Man\u00f6ver, die man f\u00e4hrt. Manchmal ist flottes \u00dcberholen genau richtig, dann wiederum sollte man sehr defensiv fahren. Letztlich muss man das \u00fcben, routinierte Fahrer zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie diese Kunst beherrschen &#8211; oder sie landen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im Krankenhaus oder am Friedhof. Wenn man das Gef\u00fchl hat, dass es irgendwie gerade gar nicht passt und man trotz Anstrengung nicht weiter kommt, dann hilft eine kleine Pause am Stra\u00dfenrand. Sie muss nicht lange dauern, gerade so, dass man sich aus dem momentanen Geschehen ausklinken kann. Ein paar Minuten, dann kann es weiter gehen. Keine Angst &#8211; man holt die vorne Fahrenden, die einem so viel Stress bereitet haben, nicht mehr ein und wenn doch, dann sind sie inzwischen in einer anderen Konstellation bzw. einem anderen Rhythmus unterwegs, der einem dann eventuell besser liegt.<br \/>\nEs gibt auch Tage, da schafft man es gar nicht sich anzupassen. Dann ist vielleicht die \u00dcberlegung angebracht, eine andere Strecke zu fahren oder \u00fcberhaupt eine Pause einzulegen.<\/p>\n<p>Ich hatte die einzig brenzlige Szene mit einem Holl\u00e4nder, der mich fast zum Hermann Maier machte: Ich \u00fcberholte gerade eine Kolonne, als er pl\u00f6tzlich unvermutet links abbog. In solchen Momenten wird es gef\u00e4hrlich, weil die Hauptbremse ist bei der Vespa die Fu\u00dfbremse, und die blockiert gerne. Dann kommt die Fuhre ins Schleudern und man muss von der Bremse gehen. Das verl\u00e4ngert den Anhalteweg enorm, ganz abgesehen davon, dass die Bremsen sowieso nicht die besten und mit modernen Scheibenbremsen nicht vergleichbar sind. Unter anderem deswegen fahre ich in der Stadt und im Alltag einen modernen Roller.<\/p>\n<p>In Venedig verfuhr ich mich nicht und war wenig sp\u00e4ter auf der S 309 Richtung Ravenna. Von Rudi hatte ich den Tipp bekommen, mir auf jeden Fall Chioggia anzusehen, aber die Hauptstra\u00dfe in den S\u00fcden zu meiden, da sie mangels paralleler Autobahn sehr stark frequentiert und au\u00dferdem nicht sehr reizvoll w\u00e4re. Leider war die Alternative auch nicht sehr ansprechend, n\u00e4mlich winzige Landstra\u00dfen und endlose Ortsdurchfahrten, die einander gleichen wie ein Ei dem anderen. Die Po-Ebene ist nun einmal f\u00fcr Nicht-Flachl\u00e4nder nur m\u00e4\u00dfig interessant und so w\u00e4hlte ich doch die Schnellstra\u00dfe, vor allem, weil ich sie auf diesem Abschnitt befahren durfte.<br \/>\nDas ist n\u00e4mlich leider so eine Sache mit italienischen Schnellstra\u00dfen und Zweir\u00e4dern mit weniger als 150 ccm. Manche sind erlaubt, manche nicht, und manche sind teilweise befahrbar, also 15 Kilometer ja, dann 8 nein, dann wieder 34 ja und 22 nein. Das ist unglaublich nervenraubend, weil man st\u00e4ndig runter muss und dann den Weg ein paar Kilometer weiter finden muss, auf dem man wieder hinauf kommt. Oder man bleibt gleich unten, dann braucht man aber richtig viel Zeit, weil die kleinen Landstra\u00dfen nicht sehr gut ausgeschildert sind (wozu auch, ihre Ben\u00fctzer sind von genau dort und wissen eh, wo sie fahren m\u00fcssen). Daher muss man entweder dauernd auf die Karte schauen, oder man ben\u00fctzt ein Navi &#8211; aber das habe ich ja schon diskutiert.<\/p>\n<p>Also auf die Schnellstra\u00dfe, das ging flott dahin, bis auf die bereits jetzt auftauchenden Nackenschmerzen war alles bestens. Man f\u00e4hrt hier auf kilometerlangen Geraden, die von S\u00fcmpfen, Feldern und Windbrecher-Alleen ges\u00e4umt sind. Alle paar Kilometer gibt es eine Tankstelle und generell viel LKW-Verkehr. Ich hing mich hinter einen, der auch 80 km\/ fuhr, das war genau die ideale Reisegeschwindigkeit f\u00fcr meine Vespa. Der Motor wirkte nicht angestrengt und schnurrte vor sich hin, ich konnte links und rechts ein wenig die Landschaft ansehen (nicht, dass es hier so viel zu sehen gab, aber ich war ja nicht nur f\u00fcr die Stra\u00dfe geboren) und einige Kilometer abspulen.<br \/>\nDann meldete sich auf einmal der Stress zur\u00fcck. Auf so einer endlosen Geraden hat man nicht allzu viel Ablenkung und auch nicht viel zu tun als den Lenker festzuhalten. Also kommt man ins Nachdenken und das war in diesem Falle gar nicht gut, denn das erste, was mir in den Sinn kam, war die noch ziemlich endlose Strecke bis Rom. Und die vielen Pannen, die ich bisher hatte. Und die Wahrscheinlichkeit weiterer Liegenbleiber. Au\u00dferdem f\u00fchlte ich mich irgendwie ganz sch\u00f6n allein. Die Landschaft unterst\u00fctzte das auch noch.<\/p>\n<p>Dann pl\u00f6tzlich, kurz vor Chioggia, \u00fcberholt mich ein Italiener auf einer Africa Twin, winkt mir freundlich zu und deutet &#8222;thumbs up&#8220;. Das gab mir in diesem Moment enorm viel Kraft, ein leiser Schauer rieselte \u00fcber meinen R\u00fccken und ich wusste, das war schon okay, was ich da tat.<br \/>\nDa es ohnehin Zeit f\u00fcr eine kleine Pause war, fuhr ich dort rechts ran, wo der Italiener auch gerade auf einen Kaffee stehen geblieben war. Es wurde eine sehr nette Unterhaltung, er fuhr gerade auf den Strand von Chioggia und w\u00fcnschte mir alles Gute f\u00fcr die noch lange Reise.<br \/>\nDas sind die Begegnungen, die einen einsamen Vespa-Fahrer wieder aufrichten. Von da an ging der Tag irgendwie besser weiter. <\/p>\n<p>Chioggia ist das kleine Venedig. Es gibt dort auch eine Lagune und Kan\u00e4le mit Booten und Br\u00fccken und nat\u00fcrlich auch Touristen. Hier stellte sich das erste Mal die Frage, ob ich die Vespa zwecks einer kleinen Fotorunde alleine lassen k\u00f6nnte. Am Ende der Stra\u00dfe, von wo aus es in die Altstadt hinein ging, war eine Art Rollerparkplatz. Ich setzte mich in ein Caf\u00e9 und trank eine Flasche Wasser, traute mich aber nicht wirklich weg von der Vespa. Wie schnell w\u00e4re die Gep\u00e4ckrolle weg, oder das ganze Gef\u00e4hrt? <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/chioggia.jpg\" title=\"chioggia.jpg\" alt=\"chioggia.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Chioggia<\/p>\n<p>Vielleicht war meine Angst ja v\u00f6llig grundlos, aber wie h\u00e4tte ich das in diesem Moment entscheiden sollen? So ging ich einfach nur eine kleine Runde und hatte die Vespa stets in Sichtweite.<br \/>\nDann ging es weiter, wieder hinaus auf die Schnellstra\u00dfe Richtung S\u00fcden nach Ravenna. Mir wurde auch bewusst, dass mir die Stadtdurchfahrten eine Menge Stress bereiteten. Da gab es sch\u00f6ne und interessante St\u00e4dte in der N\u00e4he, aber ich hatte einfach keine Lust mich mit der voll bepackten Vespa durch dichten Verkehr zu qu\u00e4len, stets auf der Suche nach dem richtigen Weg. Das w\u00e4re keine Erholung gewesen. Ich glaube, bei Ravenna fing es an: der Weg war nicht mehr das eigentliche Ziel, sondern ich hatte Tagesziele, die ich gerne erreichen wollte. Sie galten jeweils nur f\u00fcr den kommenden Tag und eigentlich nicht einmal f\u00fcr diesen, denn ich wusste ja nicht, wie weit ich jeweils kommen w\u00fcrde.<br \/>\nF\u00fcr heute war mein Ziel Urbino, die sch\u00f6ne Stadt auf einem Berg in den Marken. Es war kein Muss dorthin zu kommen, aber ein Wunsch, ein anstrebenswertes Ziel. Mir wurde auch klar, dass ich aufgrund der Umst\u00e4nde nicht mehr als maximal 350 km am Tag schaffen k\u00f6nnte. Auf der Autobahn w\u00e4re jederzeit mehr m\u00f6glich, aber die durfte ich sowieso nicht fahren. Es wurde auch deutlich, dass mir Hintern, Nacken und meine Konzentrationsf\u00e4higkeit keine gr\u00f6\u00dferen Etappen erlauben w\u00fcrden. Andererseits sind 350 Kilometer gar nicht so wenig, so w\u00e4re ich in f\u00fcnf Tagen in Rom &#8211; und damit in der Mindestzeit, die ich ausgerechnet hatte.<\/p>\n<p>\u00dcber die n\u00e4chsten Stunden gibt es nicht allzu viel zu berichten. Die Vespa lief gut, ich stoppte immer wieder an Tankstellen und f\u00fcllte meine Wasservorr\u00e4te auf. Das bringt mich zum n\u00e4chsten Tipp.<\/p>\n<p><strong>Tipp: Wasser<\/strong><br \/>\nIch wei\u00df es vom Bergsteigen und von diversen Sportarten: Trinken ist wichtig. Das ist eine Binsenweisheit, aber auch beim Vespafahren gilt sie uneingeschr\u00e4nkt. Durch den Fahrtwind trocknet der K\u00f6rper schneller aus. Das Schwitzen spielt im Sommer eine gro\u00dfe Rolle, aber die wichtigste Botschaft lautet: Du merkst es nicht. Experten sagen, wenn Du Durst hast, ist es zu sp\u00e4t. Ich stimme dem nicht ganz zu, denn der K\u00f6rper ist eine clevere Konstruktion und wei\u00df, was er dem Verstand mitteilen muss. Allerdings kann er sich ein wenig t\u00e4uschen. Daher empfehle ich um eine Nuance \u00f6fter zu trinken als es der K\u00f6rper offensichtlich verlangt. Ich trank an Tagen wie diesem auf der Strecke sicher zwei bis drei Liter Wasser und musste oft kein einziges Mal pinkeln. Als ich bei der R\u00fcckfahrt wieder ins deutliche k\u00fchle \u00d6sterreich kam, verlangte der K\u00f6rper sofort wesentlich seltener nach Wasser.<br \/>\nIn Italien bekommt man die unseligen, f\u00fcr solche Fahrten aber nat\u00fcrlich sehr praktischen Wasserflaschen in 0,5 Liter Gebinden, mit 1 Liter und mit 1,5. An das Thema Umweltschutz darf man da \u00fcberhaupt nicht denken. Ich schmiss jeden Tag mehrere Flaschen in den M\u00fcll und die werden in Italien ganz sicher nicht wieder aufbereitet.<br \/>\nMan bekommt diese Flaschen an fast jeder Tankstelle und auch in Lokalen an der Stra\u00dfe. Sie sind meist nicht sehr teuer und aufpassen muss man nur um die Mittagszeit.<br \/>\nIch habe mir angew\u00f6hnt, immer etwa 0,25 Liter \u00fcbrig zu behalten, d. h. nicht auszutrinken. Vielleicht braucht man einmal einen Schluck Wasser, etwa nach einem Unfall. <\/p>\n<p>Ich mache Pausen immer gerne nach einem schwierigen Abschnitt, in diesem Fall hinter Ravenna in einer kleinen Nebenstra\u00dfe unter einem gro\u00dfen Feigenbaum. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/ravenna.jpg\" title=\"ravenna.jpg\" alt=\"ravenna.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Mittagspause<\/p>\n<p>Rundherum jede Menge Gegend und ich fuhr auch recht bald wieder weiter.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/ebene.jpg\" title=\"ebene.jpg\" alt=\"ebene.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Ebene <\/p>\n<p>Jede Pause war eine gute Gelegenheit, um den Nacken ein wenig zu dehnen. Das half zwar nur ein paar Kilometer wirklich, aber immerhin. Die Landschaft ver\u00e4nderte sich nur unmerklich, auff\u00e4llig waren nur die vielen Schilder &#8222;Vende&#8220; (&#8222;zu verkaufen&#8220;), die ich vor allem auf Wirtschaftsgeb\u00e4uden st\u00e4ndig sehen konnte. Die Ebene ist f\u00fcr den Anbau von Korn, Mais und Gem\u00fcse bekannt und das gibt es dort auch noch in gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Die Sprint zieht gut, nur ein seltsames Klappern ist aufgetaucht und sie hat im Schiebebetrieb immer noch dieses Stampfen. Ich beschlie\u00dfe, das alles zu ignorieren und einfach weiter zu fahren. Schlie\u00dflich kenne ich ja jetzt die Alaska-Methode und sie gef\u00e4llt mir immer besser.<br \/>\nObwohl die Fahrt wegen der notwendigen Konzentration auf Verkehr, Gegend, Stra\u00dfe, Abzweigungen, Land und Leute entsprechend anstrengend war, hatte ich fast keinen Hunger. Helga hatte mir ein Sackerl mit \u00c4pfeln mit gegeben und ich a\u00df die n\u00e4chsten zwei Tage zu Mittag je ein bis zwei St\u00fcck. Dazu noch Wasser, das war alles. Ordentlich gegessen wurde erst am Abend und auch da hatte ich nicht den Appetit, den ich haben sollte. (Am Ende der Reise hatte ich drei Kilo abgenommen).<\/p>\n<p>Ich sehe extrem wenig Polizei auf den Stra\u00dfen. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Die LKW sind meist sehr diszipliniert und fahren ein wenig nach rechts, wenn ich mit der kleinen Vespa \u00fcberhole. Meist sind sie aber ohnehin schnell genug, nur manchmal juckt es mich und ich drehe die Sprint ein wenig aus &#8211; die Dritte geht ohne Gegenwind und wenn sie gut aufgelegt ist, bis 95.<br \/>\nVorerst \u00fcberschritt ich aber einmal den Rubicon.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/rubicon.jpg\" title=\"rubicon.jpg\" alt=\"rubicon.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Rubicon<\/p>\n<p>Vor Rimini ist es dann soweit &#8211; ich muss runter von der Schnellstra\u00dfe, weil ein riesiges Schild deutlich und unmissverst\u00e4ndlich anzeigt: keine Weiterfahrt f\u00fcr Roller unter 150 ccm.<br \/>\nIch fahre ab und verfahre mich noch in der Sekunde. Ich habe mir angew\u00f6hnt, vor allem Rollerfahrer nach dem Weg zu fragen. Erstens gibt es davon jede Menge und zweitens glaube ich einen gewissen Startvorteil zu haben. Meist klappt das und auch in dieser Situation erwische ich einen jungen Mann, der gerade jemand nach Hause gef\u00fchrt hat. Ich winke ihm und er dreht um.<br \/>\nLeider kann auch er gerade mal &#8222;Yes&#8220;, &#8222;No&#8220; und &#8222;Marlboro&#8220;, sonst aber keinerlei Englisch. Trotzdem erkl\u00e4rt er mir ausf\u00fchrlich, welche kleinen Stra\u00dfen ich nehmen kann und dass es ca. 1,5 Stunden bis Rimini dauern w\u00fcrde.<br \/>\nIch bin entsetzt, es sind nur ein paar Kilometer, auf der Schnellstra\u00dfe eine Sache von einer Viertelstunde. Ob ich mir das antun soll? Doch noch ist mein Respekt vor der Polizei und eventuellen Strafen gr\u00f6\u00dfer. Also nehme ich die ganz kleinen Stra\u00dfen, mittlere gibt es hier nicht, entweder Superstrada oder Feldweg.<br \/>\nIch schaffe es ein paar Kilometer, dann lande ich zweimal in einer Sackgasse und mir reicht es langsam. Was soll das, liebe Italiener? Seid ihr deppat geworden? Lasst mich doch einfach fahren, ich bin schnell genug.<br \/>\nNun, offiziell w\u00fcrde meine Vespa knappe 80 gehen und das nur in der Ebene. Das w\u00e4re auf der Autobahn tats\u00e4chlich eher ein Hindernis. Allerdings ist das auf der Superstrada in einer brettlebenen Gegend egal. Ich werde dieses italienische System nie durchschauen.<br \/>\nWas w\u00fcrde tats\u00e4chlich passieren, wenn mich die Polizei aufh\u00e4lt? Verhaftung und dunkler Kerker? Satte Geldstrafe, gleich in bar zu bezahlen und ohne Quittung? Oder w\u00fcrden sie die Vespa bestaunen und Mitleid mit einem irren Philosophen mit ordentlich Nackenschmerzen haben? In meinem Kopf geistern Geschichten von konfiszierten Fahrzeugen herum, die irgendwann irgendwo versteigert werden. Ich sehe mich schon mit meinen Gep\u00e4ckrollen schwitzend \u00fcber endlose Landstra\u00dfen zur n\u00e4chsten Busstation gehen.<\/p>\n<p>Es passiert aber nichts und irgendwann hab ich dann darauf geschissen und bin einfach wieder auf die Schnellstra\u00dfe gefahren. Reparieren soll man Dinge erst, wenn sie kaputt sind und vor Angst gestorben ist auch tot.<br \/>\nAber die Fahrt ist doch sehr stressig, nat\u00fcrlich hoffe ich st\u00e4ndig, dass kein Polizeiauto auftaucht.<br \/>\nIn Riccione wei\u00df ich wieder einmal nicht mehr weiter und fahre in eine kleine Nebenstra\u00dfe, um mich in Ruhe orientieren zu k\u00f6nnen. Auf einmal f\u00e4hrt ein \u00e4lteres P\u00e4rchen auf einer Honda SH vorbei und ich stoppe sie.<br \/>\nEnglisch k\u00f6nnen sie nicht, aber sie helfen mir gerne und erkl\u00e4ren, dass ich eigentlich immer nur geradeaus bis Pesaro fahren m\u00fcsste und dann rechts hinauf &#8211; alles w\u00e4re angeschrieben.<br \/>\nSie geben mir noch ein paar Sightseeing-Tipps und warten am Kreisverkehr auf mich, um mir die richtige Ausfahrt zu zeigen. Sehr nette Menschen, so wie \u00fcbrigens die meisten, die ich auf meiner Italienreise kennen gelernt habe.<\/p>\n<p>Der Nacken tut jetzt schon extrem weh und ich erfinde st\u00e4ndig neue, abenteuerliche Sitz- und Genickpositionen. So lerne ich Italien aus einer neuen, weil sehr schr\u00e4gen Perspektive kennen, den Kopf einmal stark nach links und dann wieder stark nach rechts gekippt. Die Leute m\u00fcssen mich f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten haben, allerdings wegen der alten Vespa war das sowieso jedem klar. Und ich bin kein einziges Mal angehupt worden.<br \/>\nNach einem neuerlichen Besuch an einer Bedienungstankstelle mit einem sehr freundlichen Tankwart geht es weg von der Ebene hinauf in die Berge, nach Westen. Die Sprint l\u00e4uft gut und das Tagesziel r\u00fcckt in greifbare N\u00e4he &#8211; noch 35 Kilometer, das m\u00fcsste zu schaffen sein.<br \/>\nAllerdings hatte ich f\u00fcr heute kein Quartier und w\u00fcrde mir eines suchen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Durch eine traumhaft sch\u00f6ne Landschaft immer bergauf erreiche ich Urbino und bin gleich einmal erstaunt wegen der tollen Kulisse. Weniger toll finde ich, dass man auch mit dem Motorroller nicht in die Stadt hinein fahren kann, au\u00dfer man hat eine Spezialgenehmigung.<br \/>\nVon einem Barbesitzer erfahre ich, dass es in der Altstadt von Urbino sehr wohl nette Hotels und Pensionen gibt. Allerdings br\u00e4uchte man vorher die Best\u00e4tigung vom Vermieter, dass man mit dem Auto (bzw. Motorroller) hinein fahren d\u00fcrfe.<br \/>\nEs ist 16 Uhr, ich bin fix und foxi, bekomme aber von dem Barbesitzer eine Karte von Urbino und den Tipp, wie ich die Stadt umfahren und bei einem anderen Stadttor um Quartier fragen kann. Ein Tourist (Unterschied zu den Italienern: kann Englisch) hatte mir erz\u00e4hlt, er h\u00e4tte dort ein Bed and Breakfast gesehen.<br \/>\nAlso los. Zumindest in meinen W\u00fcnschen, denn die Sprint springt nicht mehr an. Auch Anrennen n\u00fctzt nichts und ich bin zwar nicht verzweifelt, aber einfach m\u00fcde, verschwitzt und fertig und m\u00f6chte ein Quartier und nicht Vespa zerlegen.<br \/>\nDer Trick mit dem Linkskippen funktioniert und ich finde heraus, dass sie im Warmzustand gar nicht startet, wenn sie leicht nach rechts gekippt ist (also so, wie das am rechten Stra\u00dfenrand oft der Fall ist). Seitdem achtete ich sehr genau auf die Standposition, noch dazu, wo sie durch den fehlenden rechten St\u00e4nderfu\u00df ohnehin schon leicht nach rechts gekippt steht. Das h\u00e4tte mir zwar schon in Klagenfurt auffallen k\u00f6nnen, aber wer denkt denn an so was!<\/p>\n<p>Die Umrundung von Urbino klappt gut, die Suche nach dem Bed &#038; Breakfast nicht, wobei ich beschlie\u00dfe, mir sowieso ein Quartier etwas au\u00dferhalb zu suchen, da die Stadt innen keine sichere Parkm\u00f6glichkeit f\u00fcr die Vespa bietet. Urbino ist eine uralte Stadt mit winzigen G\u00e4sschen, viele davon steil, und der Platz wurde seinerzeit f\u00fcr andere Dinge ben\u00f6tigt als f\u00fcr die noch nicht erfundenen Autos und Motorroller.<br \/>\nIch frage zwei junge Herren, ob sie w\u00fcssten, wo ich hier ein Bed &#038; Breakfast &#8222;economico&#8220; finden k\u00f6nnte. Sie bem\u00fchen sich nach Kr\u00e4ften mir zu erkl\u00e4ren, dass sie nur w\u00fcssten, wo ein Hotel w\u00e4re, n\u00e4mlich hinter dem &#8222;ospedale&#8220;. Der Weg dorthin w\u00e4re nicht schwer, aber ihnen fehlten die Worte, ihn mir zu erkl\u00e4ren. Verzweifelt starrten sie in ihre iPhones und versuchten, ein paar englische Worte zu finden. Erfolglos, aber mit &#8222;sinistra&#8220; und &#8222;destra&#8220; und weil ich einigerma\u00dfen gut Italienisch verstehe, wenn ich es auch nur sehr wortfetzenhaft spreche, wurde mir klar, in welche Richtung ich fahren musste. Inzwischen war mir &#8222;economico&#8220; (g\u00fcnstig) auch nicht mehr so wichtig, ich wollte ein Zimmer und sonst nichts mehr.<br \/>\nAm Weg Richtung Krankenhaus kam ich an einer sehr nett aussehenden Pension vorbei, parkte mich ein und l\u00e4utete. Da niemand aufmachte, ich aber im Stadtplan die Telefonnummer gefunden hatte, versuchte ich es auf diese Weise, erreichte aber nur ein Tonband. Also fuhr ich weiter und mit einer zus\u00e4tzlichen Fragerunde fand ich das Hotel Dei Duchi, das zwar ein wenig heruntergekommen aussah, aber f\u00fcr eine Nacht wohl passen w\u00fcrde.<br \/>\nDer Rezeptionist Domenico sprach einigerma\u00dfen Englisch und war sehr hilfsbereit. Ich durfte meine Vespa \u00fcber Nacht in der Garage abstellen und bekam ein ruhiges Zimmer, obwohl dort ohnehin die ganze Gegend sehr ruhig war.<br \/>\nDas Zimmer war okay, die Dusche sehr fein und das alles inklusive Fr\u00fchst\u00fcck um 43 Euro wohlfeil.<br \/>\nAls ich gerade eingecheckt hatte, rief der Besitzer der Pension an, bei der ich gerade vorbei gefahren war. Sein Zimmer h\u00e4tte 45 Euro gekostet und ich merkte mir das f\u00fcr das n\u00e4chste Mal vor. Ich hatte nach dem L\u00e4uten nur nicht lange genug gewartet, meinte er. Und ich lernte, dass die Siesta in Italien locker bis 17 Uhr dauern kann.<br \/>\nIch blieb wo ich war und suchte mir erstmal eine Stellung auf dem Bett, in der ich meinen Nacken entspannen konnte. Das stellte sich zunehmend als Problem dar, denn ein Muskel entwickelte sich zum Dauerschmerzbringer, was die Fahrfreude deutlich tr\u00fcbte. Ich musste daf\u00fcr eine L\u00f6sung finden, aber wie? Vorerst half es, auf dem Bauch zu liegen und den Kopf \u00fcber die Bettkante h\u00e4ngen zu lassen. Sah sicher nicht sehr w\u00fcrdevoll aus, aber ich war ja unbeobachtet.<\/p>\n<p>Das war genau genommen der erste Tag, an dem ich mit der Vespa keine Panne hatte. Daf\u00fcr erwischte es mich, denn schon als ich abgestiegen war, schmerzte der linke Fu\u00df. Ich hatte im Sommer 2009 einen schweren Unfall mit meinem Stadtroller und brach mir bei dieser Gelegenheit zwei Mittelfu\u00dfknochen. Die verheilten zwar gut, aber von Zeit zu Zeit meldeten sie sich mit stechenden Schmerzen. Diese Zeit war jetzt gekommen und ich f\u00fcrchtete, dass ich Urbino nur humpelnd erkunden w\u00fcrde k\u00f6nnen.<br \/>\nAu\u00dferdem bemerkte ich zum ersten Mal die Spuren, die so eine lange Strecke an mir hinterlie\u00df. Das Gesicht war \u00f6l- und ru\u00dfgeschw\u00e4rzt, die Nase hatte sich vorwitzig in die Sonne gewagt und musste nun daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen. Nur beim Zweiradfahren mit offenem Visier (Sonnenvisier heruntergeklappt) bekommt man das ab, was sich durch tausende Autos an Dreck in der Luft befindet. Vom Reifenabrieb \u00fcber die Abgase bis zum Industriestaub, all das, was beim Autofahren weggefiltert wird. Da sitzt man in einem fast hermetisch von der Au\u00dfenwelt abgeschlossenen System mit Luftfilter, Klimaanlage, get\u00f6nten Scheiben und L\u00e4rmd\u00e4mmung. Das genaue Gegenteil ist Vespafahren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/oel.jpg\" title=\"oel.jpg\" alt=\"oel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: \u00d6lverschmiertes Gesicht<\/p>\n<p>Nach ein bis zwei Stunden kehrten die Lebensgeister zur\u00fcck und ich beschloss noch eine kurze Serviceeinheit bei der Vespa einzulegen, sie hatte sich das verdient.<br \/>\nIch entdeckte einen losvibrierten Auspuff, der aber noch halten w\u00fcrde, zumindest bis Rom. Auch das Gasseil wirkte noch frisch, wenngleich die Reibestelle genau dort war, wo man sie nicht mehr sehen konnte. Aber mit meiner neuen Einstellung aus der Alaska-Methode kam ich gut zurecht und schmierte nur etwas Fett aus der kleinen Fettspritze auf das Seil.<br \/>\nIch fand nicht alles, sollte das aber erst am n\u00e4chsten Tag auf sehr unangenehme Weise zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>Eine ausgiebige Dusche sp\u00e4ter nahm ich den Shuttlebus, der direkt vor dem Hotel anhielt, wenn man ihm entsprechend wachelte. Die Fahrt kostet 1 Euro und 5 Cent und ich will diese Fahrpreispolitik nur so kommentieren: Ich musste nur einen Euro bezahlen, weil der Herr vor mir nur einen Euro und ein 20 Cent St\u00fcck hatte, und das Ger\u00e4t leider kein Wechselgeld herausgeben kann. Nettes Gesch\u00e4ftsmodell, muss ich sagen.<\/p>\n<p>Urbino ist gro\u00dfartig, das sollte man gesehen haben. Es wirkt ein wenig wie Disneyland, durchkonzipiert bis in die kleinste Ecke, mit sensationeller Architektur, alles feinst renoviert und blitzsauber. Mein lieber Freund Rudi meinte, er h\u00e4tte die Stadt besucht als sie von Touristenhorden \u00fcberschwemmt war, ich hatte mehr Gl\u00fcck und konnte sie in sehr lockerer Atmosph\u00e4re erkunden, wenn auch humpelnd. Aber ich hatte ja Zeit und g\u00f6nnte mir gleich einmal das erste Gelati dieses Italienurlaubs, \u00e4h, -abenteuers.<\/p>\n<p>Gleich neben dem Eisgesch\u00e4ft sah ich auch die erste Vespa 50 S, mit einer sch\u00f6nen Polinischnecke und ohne R\u00fccklicht. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/50.jpg\" title=\"50.jpg\" alt=\"50.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Vespa 50 S<\/p>\n<p>Insgesamt kam ich auf nicht mehr als eine Handvoll Smallframes, eine weitere Handvoll Largeframes und vielleicht zwanzig PX. Das war alles, mehr alte Vespas sah ich innerhalb einer ganzen Woche nicht. Im Mutterland der Vespas, wo viele Millionen St\u00fcck verkauft wurden, gibt es nur mehr einige wenige. Das mag daran liegen, dass die Italiener die Roller stets als Alltagsfahrzeuge verwenden und nicht wie bei uns einmal pro Woche ins Kaffeehaus fahren. Die meisten d\u00fcrften wohl irgendwann so kaputt gewesen sein, dass sie auf den Schrottplatz kamen. In den letzten zehn Jahren saugte auch der nach Oldtimern hungrige Markt auf der ganzen Welt Italien leer. Scouts fuhren bis in die Bergd\u00f6rfer und kauften alte Vespas, die dann mit guten Gewinnen in die USA und den Rest der Welt verkauft wurden. Jetzt sind die Preise f\u00fcr alte, teils schrottreife Vespas auch in Italien in die H\u00f6he geschossen und man bekommt selbst einfache Ersatzteile nicht mehr oder ebenfalls nur \u00fcberteuert.<br \/>\nOb es im S\u00fcden anders ist, kann ich nicht sagen, bis Rom jedenfalls ist die Sache sehr klar.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/marken.jpg\" title=\"marken.jpg\" alt=\"marken.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Blick in die Landschaft der Marken von Urbino aus<\/p>\n<p>Urbino bietet an jeder Ecke eine andere Perspektive, von gro\u00dfen Pl\u00e4tzen bis winzigen G\u00e4sschen, alles auf einem H\u00fcgel angeordnet und ich frage mich, wie sie fr\u00fcher das notwendige Wasser in die Stadt bekamen. Wurde das von unten herauf geschafft oder hatten sie so tiefe Brunnen? Urbino ist Sitz eines Erzbischofs, hat etwa 15.000 Einwohner und ist Teil des Weltkulturerbes. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/palast.jpg\" title=\"palast.jpg\" alt=\"palast.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Urbino, Palast<\/p>\n<p>Es gibt seit 1506 eine kleine Universit\u00e4t und die Stadt hatte ihre Hochbl\u00fcte in der Renaissance.<br \/>\nIm Gegensatz zu Disneyland ist Urbino belebt und bewohnt. Nur Autos haben es schwer und d\u00fcrfen nur mit Sondergenehmigung hinein, was aber nat\u00fcrlich unbedingt notwendig ist, sonst w\u00e4re die Stadt ein einziger Parkplatz. So wirkt sie ruhig und ohne Hast und auch ich wurde ruhiger und verga\u00df die Anstrengungen des Tages. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/gasse.jpg\" title=\"gasse.jpg\" alt=\"gasse.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Kleine Gassen in Urbino<\/p>\n<p>Bis zur \u00d6ffnung des Internetcafes g\u00f6nnte ich mir ein gutes Abendessen in einer netten Osteria. Ich war der einzige Gast, der alleine an einem Tisch sa\u00df, daf\u00fcr war das Essen hervorragend: Cresce, eine lokale Spezialit\u00e4t, bestehend aus einer Flade, deren Konsistenz ich nicht ganz ermitteln konnte, irgendeine Mischung aus Palatschinkenteig und Pizza, in Fett herausgebraten und belegt mit Rohschinken &#8211; wobei der Belag frei w\u00e4hlbar ist. Ich nahm dazu Ruccola und eine Art Weichk\u00e4se, alles hervorragend und ausgesprochen s\u00e4ttigend.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/osteria.jpg\" title=\"osteria.jpg\" alt=\"osteria.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Osteria<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/cresce.jpg\" title=\"cresce.jpg\" alt=\"cresce.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Cresce<\/p>\n<p>Dazu eine kleine Karaffe Wein und eine weitere mit Wasser &#8211; mehr brauchte ich nicht. Auch der Preis war fair, 10,80 Euro f\u00fcr alles zusammen, inklusive Cuperto und das in einer Gasse neben dem Hauptplatz in der Hochsaison. Italien ist nicht mehr so teuer, scheinbar passen sie sich den abnehmenden Touristenmengen an bzw. der Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/essen.jpg\" title=\"essen.jpg\" alt=\"essen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Guido beim Abendessen<\/p>\n<p>Der kleine Spaziergang nach Hause gef\u00e4llt meinem Fu\u00df nicht sehr, ist aber ein feiner Abschluss dieses Tages und die Bewegung tut als Ganzes gut. Aus der Dunkelheit der Nacht taucht pl\u00f6tzlich ein alter Fiat 500 auf, einer der ganz wenigen, die ich insgesamt noch gesehen habe. Nur der Fiat Panda ist noch h\u00e4ufig, er hat die Position des 500ers als Arbeits- und billiges Transportmittel eingenommen. So vergeht langsam das Italien der 1950er bis 80er Jahre und die Bilder unserer Jugend m\u00fcssen langsam ersetzt werden.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.13_Rom\/fiat.jpg\" title=\"fiat.jpg\" alt=\"fiat.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Fiat 500<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weg war er, der Appetit. 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