{"id":105,"date":"2009-02-01T20:42:51","date_gmt":"2009-02-01T19:42:51","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=105"},"modified":"2009-02-01T20:42:51","modified_gmt":"2009-02-01T19:42:51","slug":"111-tote-in-kenia-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/111-tote-in-kenia-warum\/","title":{"rendered":"111 Tote in Kenia &#8211; warum?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Tanklastwagen st\u00fcrzt um, \u00fcber 200 Menschen kommen herbei und holen sich Benzin. Eine unachtsam ausgestreute Zigarette bzw. ein Racheakt eines von der Polizei Vertriebenen l\u00f6st ein Inferno aus, die Feuerwehr aus der n\u00e4chsten Gro\u00dfstadt (Nakuru) braucht \u00fcber eine Stunde bis zum Ungl\u00fccksort.<\/p>\n<p>Was ist da passiert?<\/p>\n<p>Als passionierter Keniareisender erstaunt mich das nicht, obwohl es ersch\u00fctternd ist. Wenn man dort einen Autounfall hat, kommen sofort die Pl\u00fcnderer und rauben dir bei lebendigem Leib das letzte Hemd, deswegen versucht man als Tourist (oder im Land lebender Wei\u00dfer) das jeweils st\u00e4rkere Auto zu haben bzw. sehr aufzupassen, dass es zu keinem Unfall kommt. Wenn doch und es gibt Personenschaden an einem Afrikaner, sollte man sofort Fahrerflucht begehen und sich bei der n\u00e4chsten Polizeistation stellen, sonst riskiert man gelyncht oder\/und ausgeraubt zu werden, vor allem, wenn es sich um Kinder handelt. Bei Nacht f\u00e4hrt man besser nicht auf \u00dcberlandstra\u00dfen oder in die Vororte von Nairobi.<\/p>\n<p>Man darf nicht vergessen: Das ist ein sehr armes Land (obwohl es sehr reich sein k\u00f6nnte, aber das ist ein anderes Thema) und die Menschen nehmen, was sie bekommen k\u00f6nnen.<br \/>\nSo war es auch bei dem Tanklastwagen. &#8222;Fuel for free&#8220; ist ein Zauberwort und so sind alle hingelaufen, die laufen und irgendein Gef\u00e4\u00df zum Auffangen des Benzins finden konnten. Was mit dem verungl\u00fcckten Fahrer passiert, wird den Leuten leider nicht so wichtig gewesen sein.<br \/>\nWenn die Polizei die Unfallstelle (laut BBC mit 4 Polizisten) absperrt, so ruft das nat\u00fcrlich Unmut hervor, denn man sieht Geld vor sich im Boden versickern &#8211; Geld, mit dem man die Schule f\u00fcr die Kinder oder etwas zu Essen kaufen k\u00f6nnte.<br \/>\nWenn einer hinl\u00e4uft, folgen alle anderen, und es gibt eine Menge Menschen in Kenia. Wenn man durch eine scheinbar menschenleere Savannenlandschaft f\u00e4hrt und zum Pinkeln stehen bleibt, erscheinen wie durch Zauber mitten aus dem Nichts sofort Menschen, ein paar, dann immer mehr, bis man von staunenden und tw. bettelnden Kenianern umgeben ist &#8211; schnell pinkeln ist angesagt.<br \/>\nEs ist traurig, dass es das gibt, aber speziell wir Europ\u00e4er sind an der Armut Ostafrikas nicht ganz unschuldig.<br \/>\nDer Ruf nach einer besseren Feuerwehr wird im Korruptionsdschungel von Kenias Regierung wahrscheinlich ungeh\u00f6rt verhallen. Die Menschen dort sind nicht viel anders als ihre armen Br\u00fcder am verunfallten Lastwagen &#8211; sie nehmen, was sie bekommen k\u00f6nnen.<br \/>\nEine Ursache daf\u00fcr ist der &#8222;tribalism&#8220; &#8211; wenn ein Stamm an die Macht kommt, versorgt er zuerst sich und alle Stammesangeh\u00f6rigen. Da werden gro\u00dfe Autobahnen von der Hauptstadt in die Geburtsorte der Minister gebaut und alle Jobs mit Verwandten und Leuten aus dem eigenen Stamm besetzt &#8211; offiziell nennt sich das Demokratie.<br \/>\nMenschen von anderen St\u00e4mmen haben aus der Geschichte heraus keinen Wert, man hat sie bek\u00e4mpft und tut das heute auch noch, wenngleich mit anderen Mitteln.<br \/>\nDie Kenianer sind ein freundliches und fr\u00f6hliches Volk, aber es gibt sehr sehr viele und zu wenig Ressourcen. Wer nichts zu essen hat, dem ist jedes Mittel recht, um zu \u00fcberleben. Sie empfanden es nicht als Diebstahl, als sie sich das Benzin holten. Wenn in der Savanne ein Tier hinkt, kommen die Geier und warten, bis es tot ist. Dann wird es zerfetzt, bis nichts mehr davon \u00fcbrig ist.<\/p>\n<p>Ist das bei uns so anders? Wenn in einer Firmenabteilung jemand zum Opfer auserkoren ist, wird er\/sie auch meist zum Freiwild. &#8222;Mobbing&#8220; ist auch nichts anderes als sich auf ein Opfer zu st\u00fcrzen. Bei uns geht es nur meist nicht um die direkten Ressourcen des \u00dcberlebens.<br \/>\nHoffen wir, dass das tragische Ungl\u00fcck auch in Kenia zu einem Fortschritt f\u00fchrt. Gute Ans\u00e4tze gibt es auch dort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tanklastwagen st\u00fcrzt um, \u00fcber 200 Menschen kommen herbei und holen sich Benzin. 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