{"id":1059,"date":"2012-08-15T10:45:30","date_gmt":"2012-08-15T09:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1059"},"modified":"2017-08-22T17:11:22","modified_gmt":"2017-08-22T16:11:22","slug":"rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-5\/","title":{"rendered":"Rom mit einer 39 Jahre alten Vespa &#8211; Tag 5"},"content":{"rendered":"<p>W\u00fcrde ich es \u00fcberhaupt bis Rom schaffen? Vielleicht sogar heute? Im riesigen Fr\u00fchst\u00fcckssaal war ich der einzige. Der Fernseher lief und das Buffet war nicht gerade ansprechend, au\u00dferdem h\u00e4tte ich sowieso nichts hinunter gebracht, das Reisefieber war wieder da, st\u00e4rker denn je.<br \/>\nZwei Gl\u00e4ser Wasser und dann packen. Der nette Rezeptionist von gestern war wieder da und ein Bauhackler plauderte gerade mit ihm. Zu dritt er\u00f6rterten wir die M\u00f6glichkeiten auf der Karte, welches denn der beste Weg w\u00e4re, wie ich die Superstrada umfahren k\u00f6nnte und dergleichen mehr.<br \/>\nIch bekam etliche gute Tipps und viele gute W\u00fcnsche. Mein Dank hier an dieser Stelle an die netten und engagierten Herren. Auch die Vespa war noch da (Ich war in der Nacht beim Heimkommen noch in die vollst\u00e4ndig offene Garage gegangen und hatte kontrolliert, ob sie noch da war. Jeder andere h\u00e4tte das auch k\u00f6nnen, ein kurzer Tritt und dann rausschieben &#8211; niemand h\u00e4tte den Dieb aufgehalten. Aber sie war ja noch da, scheinbar liegt das Hotel in einer recht sicheren Gegend.) und nach dem Verzurren der Gep\u00e4ckrollen konnte es auch schon los gehen. An den uralten Stadtmauern vorbei ging es durch den relativ k\u00fchlen Morgen (so 26 Grad) Richtung S\u00fcden. Allerdings nicht lang, denn im Ort Calmazzo verfuhr ich mich. Die Abzweigung w\u00e4re im spitzen Winkel nach rechts weg gegangen, Schild gab es keines. Also fuhr ich noch zwei bis drei Kilometer weiter, bis mir das seltsam vorkam. Zwei \u00e4ltere Herren auf Rennr\u00e4dern waren gerne behilflich und ich machte mich auf den Weg zur\u00fcck.<br \/>\nDas Furlo-Tal mit dem Furlo-Pass ist wundersch\u00f6n, fast eine Klamm, mit einem gr\u00fcnlichen Fluss und ein paar Aussichtsbuchten. Ich hatte es aber eher eilig und pfiff auf die Fotos, die Stra\u00dfe rief.<br \/>\nNach einiger Zeit kam ich in den Ort Acqualagna und konnte auf die P3 Richtung Cagli auffahren. Es handelt sich dabei um eine echte Schnellstra\u00dfe, die fast schon Autobahncharakter hat, mit geteilten Richtungsfahrbahnen und Leitplanken. Ab Pontericcioli verwandelt sich die P3 in die S3 &#8211; ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es sich um die alte R\u00f6merstra\u00dfe Nr. 3, die &#8222;Flaminia&#8220; handelt und dass ich sie bis Rom durchfahren k\u00f6nnte. Insgesamt gab es acht dieser R\u00f6merstra\u00dfen und sie f\u00fchrten alle sternf\u00f6rmig weg von Rom &#8211; bis auf Richtung Westen, da war das Meer. Daher kommt auch der Spruch, dass alle Wege nach Rom f\u00fchren. <\/p>\n<p>Nun ging es auf einen Pass hinauf Richtung Fossato di Vico. Die Vespa zog gut und ich nahm die Kurven mit gutem Schwung, eine nach der anderen. Dann pl\u00f6tzlich ein lauter Knall (\u00fcbrigens in der N\u00e4he des Ortes Tranquillo). Die ganze Fuhre geriet ins Schleudern und stellte sich quer. Ich ruderte was ging, lenkte gegen, glich mit den Beinen aus und dachte: Bitte keine Brezen, nicht jetzt, nicht hier. Und tats\u00e4chlich schaffte ich es, die Vespa zum Stehen zu bringen, ganz ohne Sturz.<br \/>\nDoch damit waren die Probleme nicht zu Ende. Ich stand ausgangs einer scharfen Serpentine und es ging ziemlich bergauf. Rechts ca. 20 Meter weiter war eine Art verlassenes Haus mit einem St\u00fcck Schotter davor, aber es war extrem m\u00fchsam, die Vespa mit dem schweren Gep\u00e4ck und dem zerrissenen Reifen dorthin zu schieben. Binnen Sekunden war ich schwei\u00dfgebadet, die Sonne knallte bereits ordentlich herunter und ich brauchte einige Zeit, bis ich sie dort stehen hatte.<\/p>\n<p>Ich holte noch mein Handtuch, das ich in der Serpentine abgeworfen hatte &#8211; die Vespa aus dem Gefahrenbereich zu bringen war das wichtigste, schlie\u00dflich fuhren hier doch etliche Autos durch, darunter schwere Sattelschlepper, die sich die Autostra\u00dfenmaut ersparen wollten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/kurve.jpg\" title=\"kurve.jpg\" alt=\"kurve.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Schmale, kurvige Bergstra\u00dfe als idealer Ort f\u00fcr einen Reifenplatzer<\/p>\n<p>Warum war der Reifen geplatzt? Hatte ich mir einen Stein oder eine Scherbe eingefahren? Der Reifendruck war okay, das h\u00e4tte ich sofort gemerkt, wenn der zu niedrig gewesen w\u00e4re.<br \/>\nIch legte die Sprint auf die Seite, um das Rad zu wechseln. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/platzer.jpg\" title=\"platzer.jpg\" alt=\"platzer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Reifenpanne<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hatte ich ein Reserverad mit. Es war auch in Ordnung und hatte gen\u00fcgend Luft, denn ich hatte es erst ein paar Wochen zuvor einem Freund geborgt, der auf unserer Maiausfahrt einen Patschen hatte.<br \/>\nAls ich das kaputte Rad herunten hatte, sah ich das Malheur: Der Reifen war komplett am Ende, bis auf die Karkasse durchgefahren. Das folgende Bild sagt mehr als tausend Worte:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/reifen.jpg\" title=\"reifen.jpg\" alt=\"reifen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: kaputter Reifen<\/p>\n<p>Aber wie konnte das passieren? Ich war in Wien mit zwei tadellosen Stollenreifen (Heidenau K 58) mit viel Profilweggefahren und der vordere war auch noch ganz okay. Wenige Tage sp\u00e4ter diskutierte ich diesen Punkt mit meinem Freund Rudi, der viele tausend Kilometer durch Italien gereist war. Die Ursache d\u00fcrfte eine Kombination aus folgenden Faktoren gewesen sein:<br \/>\n1.) Schweres Gep\u00e4ck hinten drauf, mit Abstand zum Fahrzeug und somit einer Hebelwirkung;<br \/>\n2.) Gro\u00dfe Hitze;<br \/>\n3.) Ein wenn auch leicht frisierter Motor;<br \/>\n4.) Die Italiener mischen in ihren Asphalt in manchen Regionen Granitsplitter hinein. Das erh\u00f6ht den Grip, frisst aber die Reifen. Am Schlimmsten soll das in Sardinien sein, da sind Motorradreifen manchmal nach 1000 km am Ende.<\/p>\n<p>Ich kam zu dem Schluss, dass ich noch mal Gl\u00fcck hatte. F\u00fcnfzehn Minuten zuvor war ich mit 90 auf der Schnellstra\u00dfe unterwegs und nach dem Pass kamen flotte Kurven zuhauf. Ich war irgendwie auch gar nicht ungl\u00fccklich, dass ich den Schaden nicht am Vortag bemerkt hatte, denn ich h\u00e4tte mich nicht weiterfahren getraut. Okay, ein Reifenwechsel w\u00e4re m\u00f6glich gewesen, aber dann h\u00e4tte ich mir einen Reservereifen suchen m\u00fcssen.<br \/>\nSchlie\u00dflich, so sinnierte ich zu meiner eigenen Beruhigung, brauche ich mir nicht vorwerfen lassen, dass ich Reifengummi unn\u00f6tig herschenken w\u00fcrde. Und repariert wird, wenn etwas kaputt ist, nicht fr\u00fcher, so lehrt uns die Alaska-Methode.<br \/>\nDer als Reservereifen aufgezogene, \u00e4ltere Michelin S1 hielt \u00fcbrigens bis Wien ohne sichtbare Verschlei\u00dferscheinungen.<\/p>\n<p><strong>Tipp: Reifen etc.<\/strong><br \/>\nIch bin selbst leider ein wenig nachl\u00e4ssig was die Reifenkontrolle betrifft. Ich versuche das schon seit Jahren zu \u00e4ndern, aber irgendwie schaffe ich das nicht. Aber vielleicht k\u00f6nnen das ja andere, daher dieser Tipp.<br \/>\nDie erste Frage ist immer die nach guten Reifen. Ich pers\u00f6nlich bevorzuge diejenigen, die bei Regen gute Griffigkeit aufweisen, da ich meine St\u00fcrze fast ausschlie\u00dflich bei nasser Fahrbahn hatte. Bei Trockenheit habe ich mit einer Vespa immer genug Haftung.<br \/>\nF\u00fcr lange Touren empfehle ich ein Reserverad. Das ist bei manchen Modellen (GS 160, SS 180, Rally, PX) serienm\u00e4\u00dfig unter der linken Backe, bei anderen kann man es mit einer Halterung in der Sch\u00fcrze befestigen. Dann geht sich zwar keine Staubox mehr aus, aber ein spezieller Reservekanister kann in der Felge befestigt werden &#8211; sauteuer, aber nicht schlecht.<br \/>\nIch bevorzuge die dritte Variante, das Reserverad am Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Es gibt eigene Ausf\u00fchrungen, die daf\u00fcr extra Platz haben. Man gewinnt auch noch einen weiteren Stauraum zwischen Sitzbank und Reifen, den man etwa f\u00fcr eine weiche Tasche verwenden kann.<br \/>\nDas Reserverad ist dann mit einem B\u00fcgel befestigt und daf\u00fcr braucht man einen gro\u00dfen Inbusschl\u00fcssel. Diesen sollte man nicht daheim vergessen.<br \/>\nBei manchen Modellen bzw. Reifen braucht man eine Pumpe, denn sonst bekommt man zwar den alten, kaputten und somit flachen Reifen herunter, den neuen aber nicht mehr drauf. Dann muss man Luft auslassen und danach wieder hineinpumpen k\u00f6nnen.<br \/>\nIch empfehle weiters einen Reserveschlauch, denn das Vespa-Format bekommt man nicht \u00fcberall. Theoretisch kann man mit einem Schlauch (oder einem Pickzeug wie beim Fahrrad) eine Reifenpanne selbst beheben (nat\u00fcrlich keinen Platzer), doch es ist nicht immer leicht, den alten Reifen von der Felge zu gekommen. Manchmal geht das nur mit extremer Kraftanstrengung bzw. mit speziellen Werkzeugen. Ein ganzes, montierfertiges Reserverad ist allemal besser. Ratschensatz nicht vergessen!<\/p>\n<p>Noch ein Wort zu den Italienern. Mit deren Hilfsbereitschaft ist es wie mit den Fahrk\u00fcnsten: Es gibt Raser und Schleicher. Ich habe dort die hilfsbereitesten Menschen der Welt getroffen und die gr\u00f6\u00dften Ignoranten. Bei meiner Reifenpanne waren letztere gerade vor Ort. Der einzige, der auch nur die Geschwindigkeit drosselte (und sogar stehen blieb), war ein Mini-Cooper-Fahrer, der mich nach dem Weg nach Gubbio fragte. Als ich \u00f6l- und dreckverschmiert und schwitzend wie Sau wahrscheinlich nicht gerade allzu freundlich in seine Richtung blickte, fuhr er wortlos weiter. Sein Gl\u00fcck, dass er nicht ausgestiegen ist. Den Mini h\u00e4tte ich ihm in den Arsch geschoben, mitsamt der k\u00fcnstlichen Blondine am Beifahrersitz.<\/p>\n<p><strong>Die Fahrt durch Umbrien<br \/>\n<\/strong><br \/>\nNach erfolgreicher Reparatur stellte ich die Vespa wieder auf und packte das Gep\u00e4ck. Der erste Startversuch schlug fehl, auch der zweite. Am Himmel keine Wolke, aber bei mir zogen langsam dunkle Wolken auf und Rom schien in weite Ferne zu r\u00fccken. Diesmal nutzte auch der Trick mit dem Linkskippen nichts, die Kiste sprang einfach nicht an. Die vielen Startversuche machten die Sache nicht besser und auch Anrollen funktionierte nicht. Also wieder alles ausziehen, Werkzeug auspacken, Sturzb\u00fcgel runterschrauben, Backe abnehmen, Z\u00fcndkerze raus, durchtreten etc.<br \/>\nNach einer zus\u00e4tzlichen Wartezeit konnte die Fahrt dann weiter gehen. Fazit: Die Vespa mag es nicht, wenn sie hingelegt wird. Irgendwas im Vergaser ist zickig.<\/p>\n<p>Seit Urbino stand \u00fcbrigens fast \u00fcberall &#8222;Rom&#8220; angeschrieben, f\u00fcr mich sehr beruhigend, auch wenn die Entfernung mit 262 km angegeben wird, was auf der Landstra\u00dfe auf 314 km anwuchs.<br \/>\nDie Landschaft ist eher karg und im August nat\u00fcrlich nicht mehr saftig gr\u00fcn. Man f\u00e4hrt \u00fcber den Appeninin, mehr oder weniger von Nordosten nach S\u00fcden, ein wenig S\u00fcdwesten. Der Himmel war stahlblau und wolkenlos und die Hitze nahm von Stunde zu Stunde zu. An diesem und an den n\u00e4chsten Tagen sollte es immer zwischen 35 und 40 Grad haben. Im Schatten, den ich nur selten genie\u00dfen konnte.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/umbrien.jpg\" title=\"umbrien.jpg\" alt=\"umbrien.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Umbrien und der Appenin<\/p>\n<p>Sehr originell sind auch die Entfernungsangaben der Italiener. Man kommt zu einem Hinweisschild, auf dem steht &#8222;Foligno 75 km&#8220;. Nach ein paar Kilometern kommt das n\u00e4chste Schild, darauf steht &#8222;Foligno 82 km&#8220;. Man entfernt sich, obwohl man in die richtige Richtung f\u00e4hrt. Dieses Spiel kann man fast \u00fcberall beobachten und ich bin noch nicht hinter seinen Sinn gekommen.<br \/>\nDaf\u00fcr habe ich einen neue Sportart gefunden: Schwarzfahren auf der Schnellstra\u00dfe. Das hat seinen Reiz und mit meinem Namen liegt das fast auf der Hand. Zu Anfang war noch die Angst vor der Polizei zu gro\u00df, aber je weiter ich in den S\u00fcden kam, desto wurschtiger wurde mir das. Ich konnte einfach nicht mehr alle f\u00fcnf Minuten stehen bleiben und die Karte hervorkramen, um nach dem richtigen Weg zu suchen. Die Italiener teilen ihre Schnellstra\u00dfen in kleine Abschnitte, die noch dazu ungleich lang sind. Man kann sich eine Menge Zeit sparen, wenn man so ein verbotenes St\u00fcck einfach durchf\u00e4hrt. Ich hatte noch dazu den taktischen Vorteil, dass ich diese Strecken immer irgendwie in der Mittagszeit zu fahren hatte, und da h\u00e4lt die Polizei genauso Siesta wie die meisten Autofahrer. So fuhr ich durch eine leer wirkende, trockene und hei\u00dfe Landschaft auf der Flaminia Richtung Rom. Der Motor lief gut und hielt auch die gro\u00dfe Hitze aus, vielleicht auch weil ich ihn nicht qu\u00e4lte.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Ort Spoleto dann ein Umleitungsschild. Ich konnte zwar nicht entziffern, was da genau los war, aber die Stra\u00dfe nach Terni schien gesperrt und man wurde nach links auf eine andere Stra\u00dfe geschickt. Kurz vor einem Tunnel war rechts ein Parkplatz mit einem Stand, der Kebab und Getr\u00e4nke verkaufte. Der Mann hinter der Theke war nicht sehr gespr\u00e4chig, ein vorbeikommender Motorradfahrer auf einer alten Suzuki 450 war es auch nicht. Immerhin fand ich heraus, dass die S3 wegen eines Feuers (&#8222;Fuoco&#8220; &#8211; so hei\u00dft meine Gilera) gesperrt war.<br \/>\nVielleicht war das ja sogar die sch\u00f6nere Strecke, wenn auch ein wenig l\u00e4nger. Ich startete die Vespa und fuhr Richtung Tunnel. Dann auf einmal &#8211; sie spuckt und nimmt kein Gas mehr an. Ich bleibe sofort rechts stehen &#8211; der Tunnel ist 4,5 Kilometer lang und hat keinen Pannenstreifen. Wenn mir die Vespa drinnen verendet, habe ich ein Problem.<br \/>\nWas nun? Unerlaubterweise \u00fcber die doppelte Sperrlinie zur\u00fcck zum Essensstandl? Aber was mache ich dort, der Motorradfahrer war schon weg und der m\u00fcrrische Standler kann mir auch nicht helfen. Sollte ich nach Spoleto fahren und mir dort Hilfe suchen? Oder einfach weiterfahren? Was mache ich in Spoleto? Ich k\u00f6nnte versuchen eine Werkstatt aufzutreiben, die in der Ferienzeit am Freitag nach der Siesta noch offen hat. Dann m\u00fcsste ich das Wochenende auf jeden Fall in Spoleto verbringen und nicht in Rom. Diese Aussicht war nicht gerade sehr reizvoll.<br \/>\nAlso wieder die Alaska-Methode: Einfach weiterfahren, bis nichts mehr geht.<br \/>\nIch startete und beschleunigte in den Tunnel. Vorsichtshalber fuhr ich mit Halbgas und musste mir wilde Fernlichtorgien von eiligen Italienern gefallen lassen. Aber ich schaffte es und auch danach lief der Motor eigentlich ganz gut. Vielleicht hatte er sich nur verschluckt. Aber ganz konnte ich das auch nicht glauben.<\/p>\n<p>Hinter der Schnellstra\u00dfe mit dem Tunnel ging es dann durch ein Tal auf einer sch\u00f6nen, sehr kurvigen Stra\u00dfe mit ein paar Schleichern vor mir. Ich durchfuhr den &#8222;Parco Fluviale del Nera&#8220;, konnte ihn aber nicht geb\u00fchrend w\u00fcrdigen, weil Verkehr und Vespa die volle Konzentration verlangten. Langsam wurde eines klar: Der Weg war diesmal nicht das Ziel, denn das h\u00e4tte nur mit einer problemlos laufenden Vespa funktionieren k\u00f6nnen. Dann h\u00e4tte ich Lust auf kleine Abstecher in malerische Bergd\u00f6rfer gehabt. Aber die Aussicht, jedes Mal mit einem nicht startenden oder kein Gas annehmenden Motor konfrontiert zu sein, raubten s\u00e4mtliche Gel\u00fcste auf italienische Romantik.<br \/>\nEs war Rom, wo ich hin wollte. Das Ziel war klar und ich w\u00fcrde versuchen, dorthin zu gelangen.<br \/>\nVorerst musste ich aber Terni durchqueren. Eine Industriestadt mit wenig Reizen, und ich musste mitten durch. Es war aber halb so schlimm und hinter Terni war es Zeit f\u00fcr eine Klopause. Ich h\u00e4tte diese gerne an einem schattigen Pl\u00e4tzchen verbracht, aber es war irgendwie keines zu finden. Also blieb ich bei einer Einfahrt eines Betriebes stehen, irgend eine Metallfabrik, wo gerade Dienstschluss war. Die Arbeiter stiegen in ihre Autos und fuhren zum Abschied hupend ins Wochenende. Ihre Autos funktionierten.<br \/>\nAber auch die Sprint sprang gut an und ich machte mich auf den Weg nach Rom.<br \/>\nZuerst war ein Tankstopp angesagt. Da es fr\u00fcher Nachmittag war, hatten die Tankstellen geschlossen und ich musste mit den Automaten zurecht kommen. Ich habe zwar einen Doktortitel und bin ein durchaus praktisch veranlagter Mensch, aber eine italienische Automatentankstelle war eine echte Herausforderung. Auf einem Schild wurde deutlich erw\u00e4hnt, dass man hier nicht mit Karten zahlen k\u00f6nne, sondern nur mit Bargeld. Da 10 Euro in etwa stimmen w\u00fcrden, tauschte ich in der offenen Bar einen Zwanziger und ging zum Automat. Dort schiebt man den Geldschein in einen Schlitz und sieht zu, wie er nach einiger Zeit und einigem Rattern wieder ausgespuckt wird. Scheinbar hat der Maschine der Schein nicht gefallen. Aber daf\u00fcr nahm sie den zweiten Schein. Ich w\u00e4hlte die Zapfs\u00e4ule aus und marschierte zur Vespa. Doch die Anzeige dort zeigte Null Euro, obwohl ich doch gerade einen Zehner eingeschoben hatte.<br \/>\nEntnervt ging ich zu einem Typen, der dort in einem Sessel sa\u00df und bat ihn um Hilfe. Er war nicht gerade erfreut, erbarmte sich aber meiner und ging mit zur Vespa an der Zapfs\u00e4ule. Er nahm einfach den Hahn, steckte ihn in die Tank\u00f6ffnung und tankte.<br \/>\nSo ist das in Italien. <\/p>\n<p><strong>Das Ende?<\/strong><\/p>\n<p>Auf einer steilen Stra\u00dfe mit Serpentinen ging es hinauf in die 2.600 Jahre alte Stadt Narni. Ich war mitten in Umbrien und Narni (www.narnia.it\/pronarni_de\/htm) ist die geographische Mitte von Italien. Ich fuhr einfach nur durch, allerdings mit Bedauern. Aber vielleicht w\u00fcrde ich ja eines Tages wieder kommen und hier eine Pause einlegen k\u00f6nnen.<br \/>\nKurvenreich zog sich die S3 durch die wilde Landschaft, es ging bergauf und bergab, dann in eine Ebene hinein in Richtung Civita Castellana. Und da war es wieder, das Stottern. Und es wurde st\u00e4rker, im dritten Gang konnte ich nicht mehr hochdrehen, weil der Motor kein Gas mehr annahm. In der Vierten untertourig ging es. Aber langsam stellte sich die Frage, ob ich so nach Rom kommen w\u00fcrde.<br \/>\nBei einer Tankstelle fuhr ich ab und parkte die Vespa unter einem Flugdach bei einem Seitengeb\u00e4ude, das f\u00fcr die Innenreinigung von Autos vorgesehen war. Es war gerade nichts zu tun und ich hoffte, dort eine Zeit lang stehen bleiben zu k\u00f6nnen. Ich setzte mich auf eine Stufe, trank ein wenig Wasser und \u00fcberlegte, was ich tun k\u00f6nnte. Ich kam Rom immer n\u00e4her und zugleich r\u00fcckte es in immer weitere Ferne. Ich hatte vielleicht noch 60 Kilometer, aber es h\u00e4tten in diesem Moment auch 600 sein k\u00f6nnen, ich w\u00fcrde es nur mit einem funktionierenden Motor schaffen.<br \/>\nH\u00e4tte ich mir in Narni ein Quartier suchen sollen oder in Terni? Ich war an zwei oder drei Herbergen vorbei gefahren. W\u00e4re das die gescheitere L\u00f6sung gewesen?<br \/>\nDie eigentliche Frage war ja: Warum funktioniert die Kiste nicht?<br \/>\nNach einiger Zeit konnte ich mich motivieren mit den Zerlegungsarbeiten zu beginnen. Vorher musste ich die Vespa noch wegschieben, weil ein Mitarbeiter der Tankstelle ein Auto aussaugen musste.<br \/>\nIch studierte die Z\u00fcndkerze und den Vergaser, konnte jedoch nichts entdecken. Mir d\u00e4mmerte langsam, dass ich mit meinem Zanglerlatein am Ende war. Der Luftfilter war ein erster Verdacht, aber der schien frei zu sein. Er ist nie ganz trocken, weil bei jeder Vespa ein wenig Blowback vorhanden ist und das Benzin-Luftgemisch nach oben in den Filter bl\u00e4st. Er wirkte auch nicht verstopft.<br \/>\nUnd was war dieses Scheppern, das mich schon seit Tagen begleitete und seit gestern immer lauter wurde? Es klang wie ein loses Blech, irgend etwas, das sich gelockert hatte. Ich konnte aber noch nicht feststellen, wo es entstand. Die Blechteile einer Vespa samt Motor sind ja mit einander verbunden und die Ger\u00e4usche \u00fcbertragen sich, manchmal von vorne nach hinten oder umgekehrt. Oft ist ihre Quelle nur schwer zu orten. Ich wusste daher auch nicht, ob das Scheppern mit meinen Motorproblemen zu tun hatte, es ver\u00e4nderte sich je nach Drehzahl, aber das konnte auch wegen der Schwingungen sein, die sich in Form von Resonanzen st\u00e4ndig ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Tankstelle lag direkt an der Bahn und \u00fcber mir donnerten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Eurostars vorbei, das ist so etwas wie der italienische ICE. Ich stellte mir vor, wie drinnen entspannte Businessmenschen in bequemen Sitzen und bei angenehmer Temperatur Richtung Rom reisen und wissen, dass sie in zwanzig Minuten gem\u00fctlich in Statione Termini aussteigen. Eine Handvoll Rucksackreisende freuen sich auf ein paar Tage Rom und niemand, absolut niemand hat Sorgen wegen eines stotternden Motors. Sie sind ganz sicher bald in Rom, im Gegensatz zu mir.<br \/>\nLeider half mir das auch nicht weiter. Ich betrachtete die \u00f6lverschmierte Sauerei hinter der Vergaserwanne und wunderte mich ein wenig \u00fcber den gestiegenen Benzinverbrauch. War ich flotter unterwegs gewesen? Ich hatte um 1,2 Liter mehr verbraucht.<br \/>\nIrgendwie brachte mich das Nachdenken dar\u00fcber auf keine ordentliche L\u00f6sung. Eigentlich auf gar keine, au\u00dfer dass mir klar wurde, dass ich nicht viel anderes machen konnte als einfach weiter zu fahren. Oder sollte ich einfach aufgeben und in Wien beim \u00d6AMTC anrufen? Schlie\u00dflich hatte ich f\u00fcr genau solche F\u00e4lle den Schutzbrief und ein wenig Schutz k\u00f6nnte ich jetzt gut gebrauchen. Hilfe w\u00e4re noch besser gewesen, aber die war an dieser seelenlosen Automatentankstelle nicht zu bekommen.<br \/>\nIch malte mir aus, wie der R\u00fccktransport verlaufen k\u00f6nnte. Wie lange w\u00fcrde ich warten m\u00fcssen, bis der Abschleppwagen kommt? Mir d\u00e4mmerte auch, dass das hier mitten in Italien vielleicht gar nicht so einfach w\u00e4re. M\u00fcsste ich mir ein Quartier f\u00fcr die Nacht suchen? Was sollte ich mit der Vespa samt Gep\u00e4ck machen? Hier stehen lassen? Keine angenehmen Aussichten, aber der Gedanke, mich einfach in die Rettungsmaschinerie des \u00d6AMTC einzuklinken und die Verantwortung abgeben zu k\u00f6nnen, war ziemlich verlockend.<br \/>\nIch entschied mich in diesem Moment, es noch einmal zu versuchen.<br \/>\nAber ich brauchte noch eine Motivation. Ich wollte mir ein Ziel geben, einen Ort, an den ich gelangen konnte. Rom ist riesig gro\u00df und ich hatte ja noch keine Idee, wo ich hinfahren wollte.<br \/>\nIn meinem groben Reiseplan war vorgesehen, dass ich mir in Frattochie ein Quartier suche. Ich hatte mir den Ort, an dem die Via Appia Antica sich mit der Appia Nuova vereinigt, auf Google Earth angesehen und wusste, dass es dort das &#8222;One Park Hotel&#8220; gab. Es war kein besonders reizvoller Ort und so hatte ich mich auch noch in der n\u00e4heren Umgebung umgesehen. Quasi in der Nachbarschaft liegt der Ort Ciampino samt dem dazu geh\u00f6rigen Flughafen. In diesem Ort sind mehrere Bed &#038; Breakfast Quartiere eingezeichnet und ich hatte mir schon in Wien in aller Ruhe einige herausgesucht. Sie waren alle noch in Fu\u00dfmarschentfernung zum Ende der Via Appia Antica und sahen irgendwie sympathischer aus als das One Park Hotel.<br \/>\nDas netteste Bild samt einer Website gab es von der &#8222;Casagianna&#8220; (www.bbcasagianna.it) und ich hatte mir die Telefonnummern herausgeschrieben. Eine m\u00e4nnliche Stimme meldete sich und ich erkl\u00e4rte zuerst einmal auf Italienisch wer ich war und was ich wollte. Michele spricht auch ein wenig Englisch und in einer Mischung beider Sprachen konnte ich vermitteln, dass ich gerade mit einer Vespa 60 Kilometer vor Rom war und eine Panne hatte, die ich hoffentlich reparieren konnte. Er meinte, ein Zimmer h\u00e4tte er noch frei, das andere w\u00e4re belegt und das Bad w\u00e4re zur gemeinsamen Ben\u00fctzung. Wir vereinbarten, dass ich ihn anrufen w\u00fcrde, wenn ich es bis Ciampino schaffe. Er versprach, mir das Zimmer frei zu halten und ich solle mich doch melden, wenn ich am Bahnhof in Ciampino w\u00e4re, dort h\u00e4tte er ein Gesch\u00e4ft und dort k\u00f6nnten wir uns treffen. Er w\u00fcrde mich dann zum Quartier geleiten.<\/p>\n<p>Seine nette Stimme und die Aussicht auf ein Quartier halfen mir weiter. Ich hatte auch einfach jemand gebraucht, der mit mir redet, mit dem ich ein paar Worte wechseln kann und nicht nur zwanzig Euro auf zwei Zehner.<br \/>\nVielleicht war dem Motor einfach nur zu hei\u00df geworden? Ich glaubte das zwar selbst nicht, aber in diesem Moment war mir jede Erkl\u00e4rung recht, die mich nach der Abk\u00fchlpause weiterfahren lie\u00df.<br \/>\nSie startete gut &#8211; das war schon einmal erfreulich. Langsam beschleunigte ich und die Vespa lief. Allerdings nicht lang. Nach drei oder vier Kilometern wurde es immer schlimmer &#8211; zuerst nahm sie im dritten Gang kein Gas mehr an, dann auch im zweiten, bis zum Vierten kam ich schon gar nicht mehr und wurde immer langsamer.<br \/>\nAm Ende einer Geraden war es dann vorbei. Der Motor starb einfach ab und ich wusste: es ist aus.<br \/>\nDas Gef\u00fchl der Bitterkeit mischte sich mit einer gewissen Erleichterung, so als w\u00e4re ein l\u00e4ngerer Leidensweg endlich zu Ende.<br \/>\nIch stand jetzt an einer hei\u00dfen, menschenleeren Landstra\u00dfe und Rom war sehr weit weg. Meine Kr\u00e4fte waren aufgebraucht und ich wusste nicht mehr weiter. Was ich wusste war, dass sich bald Schatten brauche.<br \/>\nIch sah mich um und entdeckte, dass ein paar Meter weiter ein steiler Schotterweg zu einem Haus hinauf f\u00fchrt. Irgendwie habe ich aber keine Lust dort hinauf zu gehen. Die Vespa w\u00fcrde ich ohnehin nicht bis dort hinauf schieben k\u00f6nnen. Aber wohin dann? Mir fiel ein, dass ich vor kurzem an einem nett aussehenden Bauernhaus vorbei gefahren war, mit einer Art Flugdach und einem Auto davor. Mein Bauchgef\u00fchl riet mir zu diesem Weg.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/haus.jpg\" title=\"haus.jpg\" alt=\"haus.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das alte Bauernhaus<\/p>\n<p><strong>Das Bauchgef\u00fchl<\/strong><\/p>\n<p>Es ist an der Zeit dar\u00fcber ein paar Worte zu schreiben, denn es hat auch mit Vespafahren zu tun.<br \/>\nDas Bauchgef\u00fchl wird auch &#8222;Instinkt&#8220; genannt und ist eine alternative M\u00f6glichkeit Entscheidungen zu treffen. Normalerweise machen wir das mit dem Kopf und in vielen F\u00e4llen ist das auch gut so. Es gibt zwar Gehirnforscher, die sind der Ansicht, dass Menschen \u00fcberhaupt keine bewussten Entscheidungen treffen k\u00f6nnen, sondern dass unser Hirn das quasi unbewusst und unbeeinflussbar durch unser Bewusstsein, unser &#8222;Ich&#8220;, immer schon vorher erledigt &#8211; angeblich acht Sekunden vor dem, was scheinbar unsere Entscheidungsillusion ist.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, ob diese Forscher recht haben oder nicht. Ich m\u00f6chte \u00fcber etwas anderes schreiben. Neben unserem Hirn gibt es noch eine weitere gro\u00dfe Ansammlung von Nervenzellen, und die befinden sich in unserem Darm. Dieser ist wiederum im Bauch und daher kommt der Begriff des &#8222;Bauchgef\u00fchls&#8220;. Es meldet sich oft zu Wort, allerdings haben wir gelernt, ihm keine Aufmerksamkeit zu schenken.<br \/>\nIch habe aber aus Erfahrung gelernt, dass das schlecht ist. Man kann n\u00e4mlich das Bauchgef\u00fchl zu Hilfe nehmen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht immer einfach, denn es meldet sich immer nur ganz kurz und sehr &#8222;leise&#8220;. Der Kopf ist lauter, st\u00e4rker, dr\u00e4ngender. Das Bauchgef\u00fchl, den Instinkt muss man trainieren. Eine M\u00f6glichkeit geht so: Immer wenn man an eine Stra\u00dfenkreuzung kommt, versucht man das erste Gef\u00fchl zu erhaschen, das einem sagt, in welche Richtung man fahren sollte. Das funktioniert am besten im innerst\u00e4dtischen Bereich, wenn man etwa zwei gleich gut erscheinende Alternativen hat &#8211; links \u00fcber die gro\u00dfe Stra\u00dfe, rechts \u00fcber die drei kleinen &#8211; oder so \u00e4hnlich.<br \/>\nNat\u00fcrlich entsteht hier ein Evalulierungsproblem, denn wie kann ich im nachhinein feststellen, ob ich die bessere Entscheidung getroffen habe, so ganz auf meinen Instinkt h\u00f6rend? Wenn nicht am Abend im Fernsehen ein Bericht \u00fcber einen schweren Unfall oder eine Feuersbrunst gebracht wird, die genau zu dem Zeitpunkt auf der Alternativroute stattgefunden haben, werde ich es nie erfahren.<br \/>\nAber darum geht es nicht, sondern darum, den kurzen Moment zu erfassen, in dem das Bauchgef\u00fchl sich meldet und mir quasi eine Botschaft schickt. Der Kopf setzt sich sofort und kurz danach auf jeden Fall durch, man hat also nur eine kurze Chance, den Instinkt entscheiden zu lassen.<br \/>\nIch wei\u00df auf jeden Fall, dass die Bauchentscheidungen meist eine f\u00fcr mich positive, vorteilhafte Auswirkung haben. Der im nachhinein betrachtete Weg war stets ein guter, und zwar fast ausnahmslos.<br \/>\nAlso habe ich vor einiger Zeit beschlossen, das Bauchgef\u00fchl zu trainieren und noch mehr darauf zu achten &#8211; sowohl privat als auch beruflich. Auch in diesem Fall sollte es mir den richtigen Weg weisen, hin zu dem alten Bauernhaus. Ich konnte es evaluieren, indem ich sagen kann: &#8222;Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass ich diese Variante gew\u00e4hlt habe.&#8220; Das rechtfertigt die Entscheidung allemal.<br \/>\nWie das genau funktioniert und woher mein Darmhirn wei\u00df, was es mir raten soll, wei\u00df ich nicht. Vielleicht zapft es andere, erg\u00e4nzende Informationsquellen an. Nat\u00fcrlich hatte ich das Bauernhaus schon bei der Vorbeifahrt gesehen und wer wei\u00df, welche Informationen auf welchen Ebenen hier geliefert wurden, durch welche &#8222;Schwingungen&#8220; ich hindurch gefahren war. Ich habe keine Ahnung von den Kr\u00e4ften, die hier walten, aber das macht nicht &#8211; Hauptsache, ich kann sie zu meinen Gunsten nutzen.<br \/>\nInstinktgef\u00fchle sind Schwachstrom, im Gegensatz zu den Kopfgedanken, die eher dem Starkstrom zuzuordnen sind. Das macht es so schwierig, dem Schwachstrom seinen Wert zu geben und seine Kr\u00e4fte zwischen den starken der Vernunft und der Gedanken herauszufiltern. Dazu kommt noch, dass das Bauchgef\u00fchl nach &#8222;Kairos&#8220; funktioniert, also nach der &#8222;Qualit\u00e4t der Zeit&#8220; auch &#8222;richtiger Augenblick&#8220; genannt, ganz im Gegenteil zu &#8222;Chronos&#8220;, der Quantit\u00e4t der Zeit, die unser heutiges Leben so stark bestimmt und die wir st\u00e4ndig mit Chronometern messen.<\/p>\n<p>Also zum Bauernhaus. Vielleicht war ja jemand da, der mir helfen konnte, auf welche Art auch immer. Ich konnte von dort immerhin Hilfe holen, denn mein Handy funktionierte und ich hatte ja die Notfallnummer des \u00d6AMTC. Dort k\u00f6nnte ich auch eine Adresse angeben, denn &#8222;irgendwo auf der S3 ca. 55 km vor Rom&#8220; w\u00e4re m\u00f6glicherweise zu ungenau.<\/p>\n<p><strong>Antonio<\/strong><\/p>\n<p>Also schob ich die Vespa zu dem Haus und nach ein paar hundert Metern in der flirrenden Hitze hatte ich es geschafft. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/schatten.jpg\" title=\"schatten.jpg\" alt=\"schatten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Endlich Schatten<\/p>\n<p>Ich stand da und sah mich um, als pl\u00f6tzlich ein \u00e4lterer Mann auftauchte, mit einer Handvoll gerade geernteter Melanzani im Arm, die er in einen Korb legte. Das war Antonio, ein umbrischer Bauer in Pension, und er sah mich skeptisch-neugierig an. Ich muss ein seltsamer Anblick gewesen sein, schwitzend mit meinem wei\u00dfen Klapphelm und der schwarzen Jacke, mit der chromblitzenden Vespa und irgendwie v\u00f6llig fertig.<br \/>\n&#8222;Vespa kaputt&#8220; meinte ich und er fragte, ob mir nur das Benzin ausgegangen w\u00e4re. Ich erkl\u00e4rte, dass dem leider nicht so w\u00e4re, sondern dass der Motor streiken w\u00fcrde.<br \/>\nAntonio ging ins Haus und holte erst mal eine Flasche Wasser und einen Becher. Dann erz\u00e4hlte ich ihm ein wenig von meinen Problemen und er meinte, ich solle die Vespa einmal starten.<br \/>\nSie sprang auch an und lief etwas r\u00f6chelnd im Leerlauf. Beim Hochdrehen stotterte sie und ich stellte sie wieder ab. Antonio hatte genug geh\u00f6rt und griff sich an den Hals mit W\u00fcrgebewegungen. &#8222;Aero&#8220; meinte er und deutete auf den Vergaser: &#8222;Filtro&#8220;. Nat\u00fcrlich konnte er kein Wort Englisch aber mit H\u00e4nden, F\u00fc\u00dfen, meinen Italienisch-Brocken und mit Hinzeigen auf die jeweiligen Teile konnten wir uns ziemlich gut verst\u00e4ndigen.<br \/>\nAntonio ist klein, vom Alter her nicht leicht sch\u00e4tzbar, er ist quirlig und zugleich Ruhe ausstrahlend, in sich ruhend, sehr bestimmt und ein wenig bestimmend, immer mit einer gewissen Distanz zu sich selbst, sehr freundlich und liebenswert.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/antonio.jpg\" title=\"antonio.jpg\" alt=\"antonio.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Antonio<\/p>\n<p>Irgendwas hatte mich zu ihm gef\u00fchrt und es war gut. Antonio versteht n\u00e4mlich was von alten Zweitaktmotoren. Mit ziemlicher Sicherheit hatte er fr\u00fcher auch eine Vespa und er erz\u00e4hlte mir auch, das sein Sohn fr\u00fcher als Vespa-Mechaniker gearbeitet hatte. Ich zerlegte also wieder einmal das Fahrzeug und Antonio beobachtete mich dabei. Seine Diagnose: der Luftfilter w\u00e4re verstopft und m\u00fcsse durchgeblasen werden, denn so bek\u00e4me die Vespa keine Luft.<br \/>\nIch war mir noch nicht ganz sicher, ob wir das Problem damit gefunden hatten, aber ich beschloss, Antonio zu glauben und ihm zu vertrauen. Er lie\u00df mich noch die Z\u00fcndkerze ausbauen und betrachtete sie eingehend. Als ich die Kerzenb\u00fcrste hervorkramte, lehnte er ab und verschwand noch einmal im Haus. Nach einiger Zeit kam er wieder und hatte eine K\u00fcchenrolle und eine dicke Nadel von einer Spritze dabei. Damit reinigte er die Kerze in dem Bereich, den ich noch nie in meinem Leben betrachtet hatte, n\u00e4mlich in dem Loch, aus dem der Dorn herausragt. Ich dachte stets, nur die Spitzen w\u00e4ren interessant und m\u00fcssten halt entsprechend sauber und in der richtigen Farbe sein.<br \/>\nAntonio wusste scheinbar mehr und holte eine Menge \u00d6l-Ru\u00df-Schlamm hervor. Dann baute ich die Kerze wieder ein und die ganze Vespa zusammen, um zur n\u00e4chsten Tankstelle zu fahren. Das war genau die, an der ich schon einige Zeit verbracht hatte. Dort, so meinte Antonio, h\u00e4tten sie Pressluft und w\u00fcrden mir den Luftfilter reinigen.<br \/>\nIch bedankte mich und startete das Fahrzeug. Leider nahm sie auch mit ausgebautem Filter (F\u00fcr kurze Strecken kann man das riskieren, l\u00e4ngere Zeit sollte man nicht ohne Luftfilter fahren, denn Dreck kann ungehindert durch den Luftschieber direkt in das Kurbelwellengeh\u00e4use gelangen. Das f\u00fchrt dann im schlechtesten Fall zu einem kapitalen Motorschaden.) nur schlecht bis gar nicht Gas an. Ich meinte zu Antonio, dass ich es so nicht einmal bis zur Tankstelle schaffen w\u00fcrde. Au\u00dferdem k\u00f6nne es nicht am Luftfilter liegen, weil sonst m\u00fcsste sie ja jetzt hochdrehen.<br \/>\nSie bek\u00e4me keinen Sprit. Ich zog ich mich wieder aus und zerlegte noch einmal alles. Als ich schon den Tank ausbauen wollte, um den Benzinschlauch zu kontrollieren, stoppte mich Antonio und rief: &#8222;Carburatore&#8220;. Also noch einmal der Vergaser.<br \/>\nIch hatte zu diesem Zeitpunkt auch wieder Hoffnung gesch\u00f6pft und das lag an Antonio. Er war genau die Hilfe, die ich zu diesem Zeitpunkt dringend brauchte. Er hatte eine andere Sicht auf die Dinge und so kam auch ich auf neue Gedanken. Es erschien mir auf einmal gar nicht mehr so unm\u00f6glich, dass wir den Fehler finden und reparieren konnten. Und ich war nicht mehr so alleine mit meinem Problem. Seine ruhige und sichere Art f\u00e4rbte auf mich ab, ich war nicht mehr nur der verzweifelte Gestrandete, sondern hatte wieder mehr Kraft und eine Perspektive. Ich war nicht mehr irgendwo auf der Landstra\u00dfe und die Autos zischten an mir vorbei und die LKW hupten mich an. Ich war wo hin gekommen, an einem Ort, an dem ich als Wildfremder und doch als Gast verweilen konnte.<br \/>\nAntonio meinte, ich solle in Zukunft nur zu AGIP Tankstellen fahren, alle anderen w\u00e4ren Gauner und w\u00fcrden Diesel in den Benzin mischen. Auch das k\u00f6nnte eine Ursache f\u00fcr meine Motorprobleme sein.<br \/>\nIch war zwar skeptisch, aber Antonio war sich seiner Sache sehr sicher. Doch was war wirklich mein Motorproblem? Als ich den Vergaserwannendeckel plus Luftfilter demontiert hatte, sah ich auf einmal die Bescherung: Der Schwimmerkammerdeckel hatte sich gel\u00f6st und hing nur mehr locker an den beiden Schrauben.<br \/>\nDamit war alles klar. An der Unterseite des Deckels ist der Schwimmer befestigt und der Deckel selbst ist mit zwei Schrauben am Vergaser befestigt. Dazwischen ist eine Papierdichtung, die auch dringend notwendig ist, weil der gesamte Sprit in eine kleine Kammer ganz oben am Schwimmerkammerdeckel gesaugt wird und erst von dort in die D\u00fcsen geht.<br \/>\nWenn der Deckel lose ist, funktioniert das gesamte Vergasermanagement nicht mehr. Es war \u00fcberhaupt nicht verwunderlich, dass sie kein Gas mehr annahm &#8211; ganz im Gegenteil, es war ein Wunder, dass ich \u00fcberhaupt so weit gekommen war. Das erkl\u00e4rte nat\u00fcrlich auch die \u00d6l-Sauerei, die sich hinten am Motor und innen an der Karosserie gebildet hatte. Und auch den gestiegenen Verbrauch. Es hatte einfach durch den losen Deckel jede Menge Benzin in die Vergaserwanne geblasen und von dort durch das Einstellschraubenloch nach hinten ins Freie. Antonios Verdacht mit dem Luftfilter war nat\u00fcrlich auch nicht falsch, denn diese Spritmengen sind weit mehr als der Blowback und kommen noch dazu von au\u00dfen auf den Filter. <\/p>\n<p>Nun hatte ich eine realistische Chance, doch noch nach Rom zu kommen. Ich schraubte den Schwimmerkammerdeckel wieder drauf, die beiden Schrauben waren gl\u00fccklicherweise noch vorhanden. Eine davon lie\u00df sich nicht mehr wirklich festziehen, der Deckel w\u00fcrde wohl mit der anderen halten m\u00fcssen. Die kaputte Schraube hatte es samt dem Gewinde nach oben gerissen und auch die andere, noch bessere Schraube war nicht mehr wirklich taufrisch.<\/p>\n<p>Ich plauderte noch ein wenig mit Antonio, w\u00e4hrend ich alles wieder an- und festschraubte. Er erz\u00e4hlte mir, dass er seit \u00fcber zwanzig Jahren einen Rechtsstreit mit den Italienischen Beh\u00f6rden f\u00fchre und dass alle, aber wirklich alle Politiker korrupt bis in die Knochen w\u00e4ren. Er nannte die &#8222;Magistratura&#8220; die ganze Zeit nur &#8222;Hydra&#8220; und f\u00fchrte mich zu einem alten Feigenbaum, um mir zu zeigen, dass die Hydra genauso viele Arme wie der Baum h\u00e4tte. Man h\u00e4tte ihm ein Patent gestohlen und viele Leute w\u00e4ren damit reich geworden. Er h\u00e4tte auf ganzer Linie verloren, weil die Beteiligten alle korrupt w\u00e4ren.<br \/>\nDann lud er mich noch kurz in sein Haus ein und zeigte mir ein dickes Buch, in das er seit zwanzig Jahren die gesamte Geschichte eingetragen hatte. Er w\u00e4re schon fast fertig, so meinte Antonio, und es st\u00fcnde alles, aber auch wirklich alles drin, was in der Geschichte des Streits passiert w\u00e4re. Inklusive aller Namen der Beteiligten.<br \/>\nWenn die Geschichte fertig w\u00e4re, w\u00fcrde er sich ein gro\u00dfes Gewehr organisieren und alle korrupten Schweine erschie\u00dfen und am Schluss sich selbst. Er w\u00e4re alt und sie w\u00fcrden ihm nicht zutrauen, dass er das noch schafft und sich traut. Antonio baute sich vor mir auf und rief: &#8222;Ich bin alt, aber ich bin ein starker und ehrlicher Italiener. Die werden sich noch wundern!&#8220;<br \/>\nDann schenkte ich Antonio die Flasche Wein, die ich von Helga bekommen hatte, denn sonst hatte ich nichts, was ich ihm schenken konnte. Ich war ihm \u00fcberaus dankbar, denn er ist ohne \u00dcbertreibung als mein Retter in der Not zu bezeichnen.<br \/>\nAntonio verschwand und kam ebenfalls mit einer Flasche Wein wieder. Er bestand darauf, dass ich sie annehme und mir wurde klar, dass ich mich gegen einen umbrischen Bauern nicht zur Wehr setzen konnte und wollte.<br \/>\nAntonio kam ins Plaudern und zeigte mir noch die Sammlung seiner Familienbilder und erkl\u00e4rte, dass er ein &#8222;Poeta&#8220; w\u00e4re und auch viele Gedichte geschrieben h\u00e4tte.<br \/>\nEr wohnte scheinbar allein in dem alten, aber sch\u00f6nen Bauernhaus, das auch innen so typisch italienisch aussah, mit warmen Farben und dunklem Holz.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich wurde es langsam Zeit mich zu verabschieden und Richtung Rom weiterzufahren. Jetzt hatte ich eine gute Chance, mein Ziel doch noch zu erreichen.<br \/>\nIch verabschiedete mich von Antonio, startete die Vespa und Antonio schaute noch darauf, dass ich sicher wieder auf die Hauptstra\u00dfe kam. Langsam wurde er im R\u00fcckspiegel kleiner und ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Stra\u00dfe.<br \/>\nIch werde Antonio nicht so schnell vergessen. Er war meine wichtigste Begegnung auf dieser doch recht einsamen Reise. Seine Weisheit bestand darin, mir genau das zu geben, was ich brauchte. In diesem Punkt ist er ein sehr weiser Mann und ich w\u00fcnsche ihm noch ein gutes und langes Leben, in seinem alten Bauernhaus, das nur ca. 3 km neben dem Tiber steht.<\/p>\n<p>Die Vespa ging wie noch nie und ich zog durch die H\u00fcgel Umbriens. Die Geschwindigkeitsbeschr\u00e4nkungen verstand ich eher als freundliche Empfehlungen, die Landschaft war wundersch\u00f6n und nach der langen Pause tat mir mein Nacken auch nicht so weh.<br \/>\nLangsam kehrten die Lebensgeister wieder und die Hoffnung \u00fcberwog. Alle paar Kilometer stand nun klar und deutlich das Schild &#8222;Rom&#8220; und ich folgte der S3, die mich bis ins Herz der ewigen Stadt f\u00fchren sollte. Nur das Scheppern war noch da und wurde langsam immer st\u00e4rker. Aber darauf achtete ich jetzt nicht, ich w\u00fcrde es reparieren, wenn es mich zum Stehen br\u00e4chte.<\/p>\n<p><strong>Rom<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer knappen Stunde Fahrzeit erreichte ich Rom und die S3 wurde zu einer Art Stadtautobahn. Ich wusste, dass ich sie fast bis zum Ende fahren musste, aber wie weit tats\u00e4chlich, das konnte ich noch nicht herausfinden. Theoretisch immer geradeaus, aber es gab so viele Abzweigungen, Schleifen, Einm\u00fcndungen, Auf- und Abfahrten, dass ich wieder einmal nicht wusste, wohin ich wirklich fahren sollte.<br \/>\nAn einer Kreuzung blieb neben mir ein Rollerfahrer stehen und ich fragte ihn nach der Via Appia Nuova. Er \u00fcberlegte kurz und bat mich dann ihm zu folgen. Er scherte rechts aus und fuhr \u00fcber eine Rampe auf eine Hochstra\u00dfe, wo er rechts stehen blieb. Dann meinte er, das w\u00e4re die &#8222;Tangentiale est&#8220; und ich solle sie einfach fahren bis zur Abfahrt &#8222;San Giovanni&#8220;. Dort w\u00e4re dann fast der Beginn der Appia Nuova.<br \/>\nIch fragte ihn noch, wie das mit der 125ccm-Beschr\u00e4nkung w\u00e4re und er schaute mich mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck an: &#8222;Egal, fahr einfach, das passt schon&#8220; meinte er und gab mir auch da die Zuversicht, die ich gerade brauchte.<br \/>\nDanke an diesen unbekannten Rollerfahrer &#8211; Du hast mir sehr geholfen.<\/p>\n<p>Auf der Tangentiale est spielt es sich an einem Freitag Abend ordentlich ab. Der Verkehr ist gewaltig, man kann sich das wie die S\u00fcdost-Tangente vorstellen, etwa in dem Ausma\u00df, nur mit viel mehr Ab- und Zufahrten und viel kurviger. Links und rechts zischen Rollerfahrer vorbei und auch die Autos sind sehr schnell unterwegs. Ich fahre nun mit einer Mischung aus Angst und Wurschtigkeit, ich hatte heute schon so viel erlebt, da war schon alles egal.<\/p>\n<p>Ich fand die Abfahrt San Giovanni und weil es sich heute schon bew\u00e4hrt hatte, fragte ich wieder einen Rollerfahrer an einer Kreuzung um die Via Appia Nuova. Er war sehr nett und meinte, er f\u00fchre in die Richtung und wo ich denn genau hin wollte. Bei meiner Antwort, dass ich zur Bahnstation in Ciampino wollte, rief seine Beifahrerin &#8222;Da m\u00fcssen wir auch hin, ich wohne genau gegen\u00fcber vom Bahnhof.&#8220;<br \/>\nAlso meinte er, ich solle ihm einfach nachfahren.<br \/>\nEinem R\u00f6mer. Mit einem starken Roller. Am Freitag Abend, auf einer der gro\u00dfen Ausfallstra\u00dfen Roms. Wer das macht, ist danach entweder ein Held oder tot.<br \/>\nDa mir nichts anderes \u00fcbrig blieb, als ihm zu folgen, verdr\u00e4ngte ich alle Gedanken an ein H\u00e4ngenbleiben mit meiner breiten Gep\u00e4ckrolle zwischen zwei Autos und \u00e4hnliches. Ich gab einfach Gas und wechselte in den &#8222;Italienermodus&#8220;. Das bedeutet, dass man sich einfach immer und \u00fcberall vorschl\u00e4ngelt, egal ob die Kolonne gerade steht oder f\u00e4hrt. Man wechselt einfach zwischen den Spuren und schaut, dass man an der Kreuzung weit vorne steht. Der nette Italiener fuhr wie ein Irrer, aber ich schaffte es zu folgen &#8211; wie wei\u00df ich nicht, aber gl\u00fccklicherweise hatte die Vespa wieder ihre volle Kraft.<br \/>\nEs kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber in Wahrheit waren wir in ca. zwanzig Minuten in Ciampino. Der Vorteil am r\u00f6mischen Verkehr besteht darin, dass so enorm viele Zweir\u00e4der unterwegs sind. Die Autofahrer haben gelernt, ihnen den Weg nicht zuzumachen und auf sie zu achten. Das verringert das Unfallrisiko enorm.<\/p>\n<p>Dann waren wir da, am Bahnhof in Ciampino. Ich bedankte mich bei meinen Helfern und konnte noch ein Foto machen:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.14_Rom\/paar.jpg\" title=\"paar.jpg\" alt=\"paar.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: mein Wegweiser und seine s\u00fc\u00dfe Freundin<\/p>\n<p>Einen Anruf sp\u00e4ter war Michele da und begr\u00fc\u00dfte mich freudig. Ich folgte ihm durch Ciampino bis in die kleine Gasse, wo das Haus lag. Wie immer gab es hier auch kein Sicherheitsproblem und ich konnte die Vespa in die gut versperrte Garage stellen. Dort sollte sie bis zu meiner Abreise stehen bleiben. Ich hatte keine wie auch immer geartete Lust die n\u00e4chsten Tage aufzusteigen. Bus und Bahn sowie meine F\u00fc\u00dfe waren jetzt gefragt.<br \/>\nAllerdings nicht mehr heute. Es war 18 Uhr 45 und somit der bisher l\u00e4ngste Tag auf der Stra\u00dfe. Ich bezog mein Zimmer und lernte noch das nette brasilianische P\u00e4rchen kennen, das auch dort f\u00fcr eine Nacht blieb. Michele meinte, ich k\u00f6nnte drei N\u00e4chte bleiben, danach m\u00fcsste ich aber raus, weil neue G\u00e4ste reserviert h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Nach einer Entspannungsphase erkl\u00e4rte mir Michele, dass es drei empfehlenswerte Restaurants f\u00fcr den Abend g\u00e4be und ich doch heute gleich in die Trattoria ums Eck gehen k\u00f6nnte. Dort g\u00e4be es gutes Essen.<br \/>\nDa ich den ganzen Tag nichts als einen Apfel gegessen hatte, knurrte jetzt schon der Magen. Bei Sonnenuntergang machte ich mich auf den kurzen Fu\u00dfweg und durfte erleben, dass es in Italien tats\u00e4chlich noch eine fantastische Essenskultur gibt.<br \/>\nVon dieser Trattoria erz\u00e4hle ich morgen mehr. F\u00fcr heute ist einfach Schluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrde ich es \u00fcberhaupt bis Rom schaffen? Vielleicht sogar heute? Im riesigen Fr\u00fchst\u00fcckssaal war ich der einzige. Der Fernseher lief und das Buffet war nicht gerade ansprechend, au\u00dferdem h\u00e4tte ich sowieso nichts hinunter gebracht, das Reisefieber war wieder da, st\u00e4rker<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1059","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reiseberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1059"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2352,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions\/2352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}