{"id":1190,"date":"2012-08-21T14:29:18","date_gmt":"2012-08-21T13:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1190"},"modified":"2017-08-23T10:32:25","modified_gmt":"2017-08-23T09:32:25","slug":"rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/rom-mit-einer-39-jahre-alten-vespa-tag-11\/","title":{"rendered":"Rom mit einer 39 Jahre alten Vespa &#8211; Tag 11"},"content":{"rendered":"<p>Dunkle Wolken h\u00e4ngen \u00fcber den Bergen in der Richtung, die ich nehmen werde. Ich hatte zehn Tage Wettergl\u00fcck, aber heute k\u00f6nnte sich das Blatt wenden. Davor hatte ich ein wenig Angst, weil hinten der Reservereifen oben ist, ein sechs Jahre alter Michelin S1, der sich auf der Fahrt \u00fcberhaupt nicht abgen\u00fctzt hat, also hart wie Holz ist. Damit w\u00e4re jede Regenfahrbahn eine Rutschpartie.<br \/>\nIch nahm mir vor, bei beginnendem Regen sofort einen Unterschlupf zu suchen. Im schlimmsten Fall w\u00fcrde ich einen Tag zus\u00e4tzlich brauchen, das w\u00e4re okay. Und es w\u00e4re fein, wenn es mich nicht gerade mitten auf der Pack erwischt.<\/p>\n<p>Aber noch bin ich nicht so weit und noch regnet es nicht. Klagenfurt habe ich schnell hinter mich gelassen und steuere auf der Bundesstra\u00dfe Richtung V\u00f6lkermarkt. Ich kenne diese Stra\u00dfe gut, auch wenn ich sie lange nicht mehr gefahren bin. Zu meinen Studienzeiten an der Uni Klagenfurt gab es in den ersten Jahren noch keine Autobahn und man musste ab Wolfsberg \u00fcber den Griffen und dann \u00fcber V\u00f6lkermarkt nach Klagenfurt fahren.<br \/>\nDas ist \u00fcber zwanzig Jahre her und f\u00fcr mich so eine Art Nostalgieroute. Auch \u00fcber die Pack bin ich vor knapp zehn Jahren das letzte Mal gefahren, mit der Aprilia Pegaso, einer Stra\u00dfenenduro.<\/p>\n<p>Ein paar Kilometer vor V\u00f6lkermarkt ist es dann soweit. Der Motor f\u00e4ngt wieder an zu stottern und nimmt kein Gas mehr an. Also fahre ich rechts ran und beginne in bew\u00e4hrter Manier zu zerlegen. Jetzt wei\u00df ich immerhin schon, wo ich suchen soll und ziehe die Schrauben des Schwimmerkammerdeckels noch einmal nach. Das hilft zwar nur mehr bedingt, weil die eine Schraube komplett ins Leere f\u00e4hrt, aber die andere l\u00e4sst sich noch etwas fester ziehen. Sie geht nachher noch eine Zeit lang schlecht, dann aber bessert sich die Gasannahme und ich hoffe, dass der Motor bis Wien durchh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Pack ist von der S\u00fcdseite noch steiler als auf der Nordseite und ich fahre recht gem\u00e4chlich hinauf, schlie\u00dflich habe ich es nicht sehr eilig, da ich schon um 07:55 aus Klagenfurt abfahren konnte. Es ist auch nicht mehr hei\u00df und ich habe wieder die Windjacke \u00fcbergezogen.<br \/>\nDann ist es geschafft, die letzte ernstzunehmende Steigung ist erledigt, ich mache auf der Abfahrt in Edelschrott eine Pause. Dort ist ein Supermarkt und ich decke mich mit einem Vorrat Wurstsemmeln ein plus Wasser.<br \/>\nIch merke, dass es hier empfindlich k\u00fchler ist und au\u00dferdem leicht zu nieseln beginnt. Unten im Tal scheint die Sonne und ich beeile mich mit der Weiterfahrt. <\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Problem wird die Umfahrung von Graz. Ich m\u00f6chte mich nicht quer durch die Stadt qu\u00e4len m\u00fcssen und eine echte Umfahrung gibt es nicht, au\u00dfer auf der Autobahn.<br \/>\nAbgeh\u00e4rtet von Italien beschlie\u00dfe ich bei Unterpremst\u00e4tten auf die Autobahn zu fahren und bis Gleisdorf durchzuziehen. Kontrollen sind erfahrungsgem\u00e4\u00df selten und ich bin es gewohnt zu riskieren. Bl\u00f6d w\u00e4re es nur dann, wenn mir die Kiste auf der Autobahn eingeht. Dann w\u00e4re ich in Erkl\u00e4rungsnot, aber ich hoffte, dass das nicht passiert.<br \/>\nNacken und Hintern schmerzen unvermindert und lassen das Ziel Wien ausgesprochen erstrebenswert erscheinen. <\/p>\n<p>Alles geht gut und ich fahre in Gleisdorf unerwischt von der Autobahn ab. Die 25 Kilometer haben mir mindestens eine halbe Stunde gebracht und die Sprint hat die Lassnitzh\u00f6he locker und mit viel Durchzug in der Vierten genommen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.23_Rom\/141.jpg\" title=\"141.jpg\" alt=\"141.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Noch 141 Kilometer, Endspurt quasi<\/p>\n<p>Jetzt geht es \u00fcber die mir schon bekannte Bundesstra\u00dfe durch die h\u00fcgelige Steiermark weiter. Eine Mittagsrast lege ich noch ein und dann ziehe ich bis zum Wechsel durch. Das ist quasi die letzte Steigung, der letzte Berg, den es zu \u00fcberwinden gilt.<br \/>\nAuch hier zeigt sich: Hinweg ist nicht gleich R\u00fcckweg. Der Anstieg bis M\u00f6nichkirchen erscheint mir ewig, aber schlie\u00dflich ist auch das geschafft. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.23_Rom\/wechsel.jpg\" title=\"wechsel.jpg\" alt=\"wechsel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wechsel, die letzte Steigung ist geschafft<\/p>\n<p>Allerdings nicht ohne eine weitere Panne, die Scheinwerferlampe ist ausgefallen. Mir ist das jetzt komplett egal, das Standlicht brennt noch und ich werde nicht in die Dunkelheit kommen.<br \/>\nNoch eine Tankf\u00fcllung in Grimmenstein und dann geht es schon Richtung Wr. Neustadt, wo ich mich auch nicht lange aufhalte. Dann r\u00fcckt Wien immer n\u00e4her und somit das Ziel der Reise, zumindest der R\u00fcckreise. Wenn ich jetzt noch eine Panne habe, dann ist das nicht so schlimm, dann holen mich Freunde mit einem Lieferwagen samt der Vespa ab.<\/p>\n<p>Doch es passiert nichts und ich fahre \u00fcber die Altmannsdorfer Stra\u00dfe auf die Westroute in den 18. Bezirk. Am Lidlberg wei\u00df ich, dass ich es geschafft habe, denn von hier k\u00f6nnte ich fast bis nach Hause rollen.<\/p>\n<p>Es ist ein sch\u00f6ner Moment, als ich die Sprint vor meinem Haus abstelle und das letzte Foto von dieser Tour schie\u00dfe. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.08.23_Rom\/daheim.jpg\" title=\"daheim.jpg\" alt=\"daheim.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Sprint zuhause<\/p>\n<p>Zeit f\u00fcr ein Fazit:<\/p>\n<p>Es war ausgesprochen anstrengend, aber erfolgreich.<br \/>\nIch werde so eine Gewalttour sicher nicht mehr unternehmen.<br \/>\nAuf der Habenseite stehen gutes Wetter, kein Sturz, kein Diebstahl und ein Motor, der im Kern gehalten hat.<br \/>\nAuf der Sollseite stehen 11 Pannen, die mir teilweise enorm viel Kraft geraubt haben, die falsche Sitzwahl und der stark schmerzende Nacken.<br \/>\ndie Abk\u00fcrzung der Tour beruht auf den k\u00f6rperlichen Schmerzen, aber auch auf der psychischen Belastung des allein Reisens sowie der zerm\u00fcrbenden Sucherei nach den richtigen Stra\u00dfen.<br \/>\nVon den gesteckten Zielen habe ich fast alle erreicht, nur das Piaggio-Museum in Pontedera und die Toskana m\u00fcssen ein andermal mit mir vorlieb nehmen. Das ist verschmerzbar.<\/p>\n<p>So sieht die Statistik aus:<br \/>\nGesamte Fahrzeit inkl. Pannen und Mittagspausen: 62,5 Stunden<br \/>\nGefahrene Kilometer: knapp 2.800<br \/>\nVerbrauch: 103 Liter Benzin und 2 Liter Zweitakt\u00f6l<br \/>\nDurchschnittsverbrauch: 3,81 Liter<br \/>\nDurchschnittsgeschwindigkeit inkl. Pausen und Pannen: ca. 50 Kilometer pro Stunde<br \/>\nFahrtage: 9<br \/>\nGesamtdauer der Reise: 11 Tage<br \/>\nPannen: 11, davon 8 auf der Hinfahrt<br \/>\nKosten: F\u00fcr Sprit und \u00d6l habe ich etwa gleich viel ausgegeben wie f\u00fcr meine eigene Nahrung: je 200 Euro. Die \u00dcbernachtungskosten lagen bei ca. 275 Euro. Die restlichen Kosten betrugen etwa 200 Euro (Ersatzteile, F\u00e4hren etc.) Gesamtkosten somit ca. 850 Euro.<\/p>\n<p>Deutlich auf der Habenseite stehen die vielen netten Begegnungen mit wertvollen Menschen, denen ich teilweise viel zu verdanken habe. Und es gibt reichlich Material f\u00fcr das Buch, das schon halb fertig ist und auf die vielen Geschichten und Bilder wartet.<\/p>\n<p>Ich habe mir meinen Traum erf\u00fcllt und war mit der Vespa in Rom. Und ich war auf der Via Appia Antica und habe dort meine Panini gegessen und meine Wasserflasche getrunken.<br \/>\nM\u00f6ge mir nie was Schlechteres passieren.<\/p>\n<p>Damit ist der Reisebericht zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dunkle Wolken h\u00e4ngen \u00fcber den Bergen in der Richtung, die ich nehmen werde. Ich hatte zehn Tage Wettergl\u00fcck, aber heute k\u00f6nnte sich das Blatt wenden. 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