{"id":1223,"date":"2012-12-03T23:21:33","date_gmt":"2012-12-03T22:21:33","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1223"},"modified":"2012-12-03T23:21:33","modified_gmt":"2012-12-03T22:21:33","slug":"die-ausbeutung-afrikas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/die-ausbeutung-afrikas\/","title":{"rendered":"Die Ausbeutung Afrikas"},"content":{"rendered":"<p>Wir tun es jeden Tag und die meisten von uns wissen es gar nicht. Wir leben auf Kosten anderer, ohne wenn und aber. Ein spannender Doku-Film (wie \u00fcblich auf ARTE) zeigte die besonders unsch\u00f6nen Seiten.<\/p>\n<p>Er beginnt in R\u00fcschlikon, der reichsten Gemeinde der Schweiz. Es gibt dort keine Arbeitslosigkeit und enorm viele sehr wohlhabende oder reiche Menschen, unter anderem den Chef eines riesigen Bergbaukonzerns (Glencore, 180 Mrd. Dollar Jahresumsatz), der vor zwei Jahren in den Ort zog. Darauf erh\u00f6hten sich die Steuereinnahmen um 50 Millionen Franken und der B\u00fcrgermeister schlug eine Steuersenkung um 7 % vor.<\/p>\n<p>Ein B\u00fcrger wandte ein, dass man doch 5 % machen k\u00f6nnte und das restliche Geld, ca. 2 Millionen Franken, nach Afrika als Entwicklungshilfe schicken k\u00f6nnte. Der Bergbaukonzern ist in Sambia aktiv und beutet dort die Menschen aus. Kein einziger Rappen der 50 Millionen Steuergeld wurde in der Schweiz erwirtschaftet und schon gar nicht in R\u00fcschlikon.<\/p>\n<p>Die Abstimmung im Ort ergab eine extrem hohe Mehrheit gegen die 5 %. Das Geld, so meinte man, solle im Ort bleiben. Was man hat, gibt man nicht mehr her.<\/p>\n<p>Ist diese kleine Schweizer Gemeinde eine Ausnahme? Eine Analyse ergab, dass die meisten der Einwohner von den Zust\u00e4nden in Afrika keine Ahnung hatten.<br \/>\nPsychologische Experimente haben herausgefunden, dass Menschen umso weniger gerne was hergeben, je mehr sie haben. Um das zu wissen, br\u00e4uchte man allerdings nur in der Bibel nachbl\u00e4ttern: Eher passt ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr als dass ein Reicher in den Himmel kommt.<\/p>\n<p>Sambia geh\u00f6rt zu den zwanzig \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt, obwohl es enorme Reicht\u00fcmer an Bodensch\u00e4tzen hat. Zwischen 2001 und 2008 hat sich der Kupferpreis weltweit vervierfacht. Da die internationalen Gro\u00dfkonzerne, die das Kupfer abbauen, jedoch in Sambia keine Steuern zahlen, profitieren nur einige wenige Privilegierte von deren Reichtum. Das erh\u00f6ht den Gewinn der Schweizer Firma Glencore und den Preis zahlen die Sambier. <strong>Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 1.<\/strong><\/p>\n<p>Diejenigen, die am meisten von den Reicht\u00fcmern profitieren, zahlen also keine Steuern. Wieso l\u00e4sst sich die Bev\u00f6lkerung das gefallen?<br \/>\nHier kommt der alte Spruch zum tragen: &#8222;The king said to the priest: You keep them stupid, I keep them poor.&#8220;<br \/>\nWer keine Bildung hat, kann das System nur schwer durchschauen und hat auch nicht die Ausdrucksmittel um seiner Stimme Gewicht zu geben &#8211; sofern er \u00fcberhaupt in dem politischen System eine hat.<br \/>\nWenn die Machthaber auch die Medien beherrschen, ist das System perfekt. <\/p>\n<p>Glencore bekam einen hohen Kredit (50 Mio. Dollar) von der europ\u00e4ischen Investitionsbank und verwendete diesen um die Produktion der Kupferminen zu erh\u00f6hen. In den Umweltschutz wurde nichts investiert, daher gibt es verseuchtes Wasser, verseuchtes Land und verpestete Luft. Das erh\u00f6ht den Gewinn von Glencore und den Preis bezahlen die Sambier. <strong>Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 2.<\/strong><\/p>\n<p>Wie kommt Glencore eigentlich dazu, die Kupferminen Sambias zu besitzen? Vor einigen Jahren waren die Minen staatlich und trotz Verschwendung landete doch einiges an Geld in den Staatskassen. Leider hatte Sambia viele ausl\u00e4ndische Kredite und als der Kupferpreis nach unten ging, konnten sie die Kredite nicht mehr zur\u00fcckzahlen. Also verlangte man (IWF und Weltbank) von ihnen die Privatisierung und den Verkauf der Minen, und zwar um den l\u00e4cherlichen Betrag von 46 Millionen Dollar. Die j\u00e4hrliche F\u00f6rdermenge stellt einen Wert von 6 Milliarden Dollar dar. Dazu kam ein korrupter, konsums\u00fcchtiger Pr\u00e4sident und schon hatte Glencore ein Schn\u00e4ppchen gemacht.<\/p>\n<p>Kredite geben, dann wirtschaftlich unter Druck setzen und wenn sie die Kredite nicht mehr bedienen k\u00f6nnen: Kaufen und ausbeuten. <strong>Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 3.<\/strong><\/p>\n<p>Wie hat im Film &#8222;Let\u00b4s make money&#8220; ein Nigerianer gesagt: &#8222;H\u00f6rt auf uns auszubeuten, sonst kommen wir zu euch. Und dann w\u00fcnsche ich euch viel Gl\u00fcck beim Bau einer Mauer rund um Europa.&#8220;<\/p>\n<p>Ja, ein Teil unseres Wohlstandes beruht darauf, dass wir die Afrikaner ausbeuten. Es ist genau der Teil des Wohlstandes, der uns nicht gl\u00fccklich macht. Er verschafft uns diejenigen Produkte, die wir nicht brauchen, die kein Bed\u00fcrfnis befriedigen, sondern ein Begehren. Und das wird durch seine Befriedigung gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir tun es jeden Tag und die meisten von uns wissen es gar nicht. Wir leben auf Kosten anderer, ohne wenn und aber. Ein spannender Doku-Film (wie \u00fcblich auf ARTE) zeigte die besonders unsch\u00f6nen Seiten. 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