{"id":1240,"date":"2013-01-09T15:13:55","date_gmt":"2013-01-09T14:13:55","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1240"},"modified":"2013-01-09T15:13:55","modified_gmt":"2013-01-09T14:13:55","slug":"zur-heeresdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/zur-heeresdebatte\/","title":{"rendered":"Zur Heeresdebatte"},"content":{"rendered":"<p>Weil schasaugat war ich &#8222;7-er-tauglich&#8220;. Mittels Vitamin P kam ich zu den Kraftfahrern, leider bei der Garde. Wie m\u00fchsam das werden sollte, konnte ich bei meiner Einr\u00fcckung noch nicht erahnen. Eigentlich h\u00e4tte ich kein Kraftfahrer werden d\u00fcrfen, weil ich eine Brille hatte. Mein Wunsch war es jedoch den LKW-Schein beim Bundesheer zu machen und ihn dann auf einen Zivilf\u00fchrerschein umzuschreiben. Das war damals m\u00f6glich.<br \/>\nLeider steckten sie mich dann zu den PKW-Fahrern und ich wurde Kommandantfahrer. So habe ich alle Arschl\u00f6cher in weitem Umkreis pers\u00f6nlich kennen gelernt: Sadisten, Kriecher, Dummk\u00f6pfe.<br \/>\nUnd ich habe einiges gelernt:<br \/>\nIch kann ohne Zur\u00fcckrollen am steilen Berg anfahren, mit einem alten Typ-2-VW-Bus und in riesigen Milit\u00e4rstiefeln.<br \/>\nIch kann Betten machen und H\u00e4usel putzen.<br \/>\nIch kann ein Fahrwerk abschmieren und wei\u00df, was eine 15er-Klemme ist. Und wo sie ist. Und dass ein Auto nach einiger Zeit abstirbt, wenn hinterh\u00e4ltige Kameraden die Klemme gel\u00f6st haben.<br \/>\nIch konnte ein 58er Sturmgewehr zerlegen, putzen und wieder zusammenbauen. Das kann ich heute nicht mehr, es geht mir aber auch nicht ab. Ich zerlege, putze und baue lieber Vespas zusammen. Das erscheint mir wesentlich sinnvoller.<\/p>\n<p>Ansonsten habe ich nicht viel gelernt in den acht Monaten. Ich habe keine Ahnung von Landesverteidigung und war nur einmal schie\u00dfen. Das war ein Gl\u00fcck damals, weil man nach dem Schie\u00dfen das Gewehr putzen musste und sp\u00e4ter aus der Kaserne kam.<br \/>\nUnd das war das Schlimmste, was passieren konnte: Am Wochenende in der Kaserne bleiben m\u00fcssen, wenn (fast) alle anderen nach Hause fahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ich war ein \u00e4u\u00dferst ungezogener Soldat. Und musste mit sehr vielen Wochenenden in der Kaserne daf\u00fcr bezahlen. Sehr vielen. Gehorsam lernte ich nicht, sondern eher die Verachtung von Vorgesetzten. Insofern habe ich doch was f\u00fcr mein Leben gelernt, n\u00e4mlich Menschen, die mir unterlegen sind, nicht als Autorit\u00e4ten bzw. Chefs zu akzeptieren.<br \/>\nDie einzigen Vorgesetzten, vor denen ich Respekt hatte, waren die Fahrlehrer in der Heeresfahrschule. Die konnten mir etwas beibringen und die mussten auch nicht st\u00e4ndig den Sadisten raush\u00e4ngen lassen, weil sie respektiert wurden. Alle anderen Offiziere ohne Ausnahme taten das. Zumindest bei der Garde.<br \/>\nSeitdem habe ich f\u00fcr Offiziere entweder Spott, Mitleid, Verachtung oder Geringsch\u00e4tzung \u00fcbrig. Ich habe keine anderen kennen gelernt. Leider? Vielleicht. Ich verachte seitdem zutiefst Menschen, die andere qu\u00e4len, nur weil sie selbst eine h\u00f6here hierarchische Position haben. Und ich habe eine ganze Menge davon kennen gelernt.<br \/>\nDie Qu\u00e4lereien hatten immer nur den einen Sinn: Gehorchen, egal was befohlen wurde. Etwa eine Stunde in einer Ecke stramm stehen. Das hat keinen Sinn f\u00fcr irgend etwas, au\u00dfer um zu lernen, das zu tun, was ein anderer sagt, weil er es sagt. Egal ob das gescheit oder bl\u00f6d ist. Und ganz definitiv auch dann, wenn es klarerweise bl\u00f6d ist. Gerade dann zeigt sich blindes Gehorchen. Deswegen hei\u00dft es ja so.<br \/>\nHeute wird gerne argumentiert, dass junge M\u00e4nner den Wehrdienst brauchen um irgendwie f\u00fcr das Leben was zu lernen oder reif oder zum Manne zu werden oder so \u00e4hnlich. &#8222;Zur Entwicklung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit.&#8220; Ich wei\u00df jetzt, was diese Leute (derzeit etwa der Spindelegger) damit meinen: Sie brauchen Menschen, die blind gehorchen, egal was man von ihnen verlangt.<br \/>\nDas d\u00fcrfte das Menschenwunschbild der \u00d6VP sein, oder zumindest das vom Spindelegger.<\/p>\n<p>Das lehne ich aus obigen Erfahrungen heraus zutiefst ab. Mein Menschenwunschbild ist das von freien Menschen, die lernen, wie man sich zwischen zwei Alternativen entscheiden kann und was man daf\u00fcr tun muss. Das ist das exakte Gegenteil von blindem Gehorsam. Es gibt \u00fcbrigens Milit\u00e4rsysteme, in denen diese andere Form auch schon praktiziert wird, etwa in den USA. In Situationen, die schnelle Entscheidungen verlangen, werden diese auch durch einen Kommandant getroffen. Nur vertrauen ihm seine Kameraden, weil sie ihn kennen und wissen, dass hinter seinen Entscheidungen genaue \u00dcberlegungen stehen, die auch in ihrem Sinne sind.<\/p>\n<p>Eigentlich will ich weder ein Milizheer (das habe ich kennen gelernt) noch ein Berufsheer, sondern gar keines. Da das aber nicht zur Debatte steht, will ich ein Heer, in dem die Soldaten ihren Vorgesetzten vertrauen k\u00f6nnen, weil diese keine Sadisten sind.<br \/>\nDie Sadisten, die ich kennen gelernt habe, waren \u00fcbrigens alles Berufssoldaten. Beim \u00f6sterr. Bundesheer sind das ja heute schon alle au\u00dfer den Pr\u00e4senzdienern. Und die kann man sich getrost sparen. Sie w\u00e4ren in einem Ernstfall nichts als Kanonenfutter. Sie lernen normalerweise nicht mehr als ich gelernt habe. Und das war punkto Landesverteidigung genau gar nichts. Null, nicht einmal die grundlegendsten Dinge. Ein wenig im Schlamm kriechen und Exerzieren, das war es. Und blind gehorchen, damit ich im Ernstfall drauf los st\u00fcrme. Wohin eigentlich? Normalerweise ausschlie\u00dflich in den Tod. Zumindest lehren mich das die Geschichtsb\u00fccher, wo im Krieg die einfachen Soldaten stets willk\u00fcrlich verheizt wurden. Wie Spielfiguren hin- und hergeschoben und dann geopfert. &#8222;And the Anzio Bridgehead was hold for the price of a few hundred ordinary lifes. singen Pink Floyd (When the tigers broke free).<\/p>\n<p>Berufssoldaten bekommen eine milit\u00e4rische Ausbildung, die denen der Milizsoldaten automatisch \u00fcberlegen ist, weil die haben gar keine. Vielleicht lassen sie sich dann nicht blindlings opfern, weil sie selbst eine Ahnung von der Sache haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil schasaugat war ich &#8222;7-er-tauglich&#8220;. Mittels Vitamin P kam ich zu den Kraftfahrern, leider bei der Garde. Wie m\u00fchsam das werden sollte, konnte ich bei meiner Einr\u00fcckung noch nicht erahnen. Eigentlich h\u00e4tte ich kein Kraftfahrer werden d\u00fcrfen, weil ich eine<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1240","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-analytisches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1240"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1241,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1240\/revisions\/1241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}