{"id":1261,"date":"2013-03-18T20:53:08","date_gmt":"2013-03-18T19:53:08","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1261"},"modified":"2013-03-18T20:53:08","modified_gmt":"2013-03-18T19:53:08","slug":"clean-tech-ein-zukunftsmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/clean-tech-ein-zukunftsmodell\/","title":{"rendered":"Clean Tech &#8211; ein Zukunftsmodell?"},"content":{"rendered":"<p>In einer spannenden Folge des Zukunftsmagazins \u00fcber:morgen ging es um &#8222;Clean Tech&#8220; als Modell der Zukunft. Auf den ersten Blick sah das etwas abgedroschen aus. Saubere Technologie ist ja gut und sch\u00f6n, aber ersten teuer und zweitens ein Luxus-Nebenprodukt, das nicht massenmarkttauglich ist.<\/p>\n<p>Die Erl\u00e4uterungen waren jedoch spannend, weil sie bis auf die soziologische Ebene reichten. Es geht etwa darum, dass das Wohl der Gemeinschaft h\u00f6her als das Wohl des Einzelnen anzusiedeln ist, damit die Menschheit in Zukunft existieren kann.<br \/>\nDas deckt sich mit meinen bisherigen Erkenntnissen, dass der Wohlstand einiger weniger Menschen nicht den Wohlstand aller garantiert. Reiche sind nicht sozial, sondern geben maximal \u00dcbersch\u00fcsse ab, die wie Reste von einem \u00fcbervollen Tisch zu den Armen hinunterfallen. Manchmal f\u00e4llt mehr runter, dann wieder weniger, ganz nach Belieben derjenigen, die sich oben vollfressen.<br \/>\nDie Menschen unten wollen paradoxerweise nicht, dass die oben runterkommen, sondern sie wollen selbst hinauf. Die &#8222;five minutes of fame&#8220; sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Die meisten Menschen wollen einmal im Licht stehen, sich nach oben abheben von Ihresgleichen, etwas Besonderes sein. Deswegen himmeln sie den Adel an und beten Gott an.<br \/>\nImmer dann wenn viele nach oben kommen, f\u00fchrt das zum Kollaps, weil oben nur Platz f\u00fcr ganz wenige ist &#8211; zumindest wenn man die Welt stark nach oben und unten streckt, sie sozusagen nicht breiter sondern h\u00f6her macht. Das passiert, wenn eine Gesellschaft sich dehnt und auseinanderklafft wie die sich \u00f6ffnende Schere. Ein &#8222;hoch oben&#8220; (Menschen, die Abermilliarden an Geld zur freien Verf\u00fcgung haben) gibt es nur, wenn es auch ein &#8222;ganz unten&#8220; (Menschen, die ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen, hungern, frieren etc.) gibt. Ein &#8222;hoch oben f\u00fcr alle&#8220; ist nicht denkbar, zumindest nicht mit den Ressourcen einer Erde.<\/p>\n<p>Jetzt kommen die Chinesen ins Spiel. Seit Jahren haben wir Angst vor ihnen: Es gibt weit \u00fcber eine Milliarde und wenn die dort so eine Dichte an privaten PKW haben wie wir, so vermuten selbst hartgesottene Verweigerer jeglicher Umweltproblematik dass es doch Probleme geben k\u00f6nnte &#8211; selbstverst\u00e4ndlich global, allein schon wegen des Klimas.<\/p>\n<p>Daher &#8211; und das ist eines der interessanten Ergebnisse der ORF-Sendung &#8211; werden die Chinesen die Clean Tech in die Welt tragen m\u00fcssen. Europa oder die USA werden hier keine gro\u00dfe Rolle spielen. Auch das zentral organisierte Staatsmodell Chinas l\u00e4sst dies zu, da es geballte Kr\u00e4fte mobilisieren kann und somit die M\u00f6glichkeit hat, die (\u00fcbertriebenen?) Individualbed\u00fcrfnisse besser abzud\u00e4mpfen als das bei uns m\u00f6glich ist.<br \/>\nHier treffen sich zwei Weltanschauungen:<br \/>\n1.) Wenn es mir gut geht, dann geht es allen gut &#8211; oder anders: Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann geht es allen gut.<br \/>\n2.) Wenn es allen gut geht, dann geht es mir gut &#8211; wenn es allen gut geht, dann geht es auch der Wirtschaft gut.<\/p>\n<p>Das ist nicht mehr der Kampf links gegen rechts oder Kapitalismus gegen Kommunismus. Es geht um weitaus mehr, n\u00e4mlich um das grundlegende Verh\u00e4ltnis von Individuum und Gesellschaft, um einen der zentralen vier Widerspr\u00fcche des menschlichen Lebens: Eines vs. Vieles.<\/p>\n<p>Wenn etwa ein 3D-Printer ganze H\u00e4user ausdrucken kann und das noch mit Rohstoffen, die der Boden hergibt, auf dem die H\u00e4user dann stehen werden, so verschiebt sich das Machtverh\u00e4ltnis von einigen wenigen Steuernden zu vielen autarken und somit auch autonomen Menschen.<br \/>\nEine niederl\u00e4ndische Firma hat hier die Konsequenzen gezogen und ihre (sonst eigentlich immer geheim gehaltene) Technologie einfach mit den Chinesen geteilt. Sie meinen, dass sie so das eigentliche Ziel (Verbreitung der Technologie m\u00f6glichst weit und schnell) viel besser wenn nicht \u00fcberhaupt erst erreichen k\u00f6nnen. Ihre erste Sorge gilt nicht der Erhaltung des Wissensmonopols (in Zeiten des World Wide Web m\u00f6glicherweise sowieso eine Illusion, dar\u00fcber werden Google und Facebook stolpern) oder dem eigenen Gewinn, sondern dem \u00fcbergeordneten Ziel der maximalen Verbreitung notwendiger Technologien. Sie haben durchschaut, dass ihr Wissensvorsprung in einer kaputten Welt nichts mehr wert ist.<\/p>\n<p>In L\u00e4ndern wie China oder Indien hat man schon durchschaut, dass nicht jeder Mensch immer alles und das sofort haben kann. Dieses Denken fehlt uns noch. <\/p>\n<p>Wo die Sendung aufh\u00f6rt zu denken, fange ich an: Noch einen Schritt weiter in der Entwicklung kommen wir nach Clean Tech nur mit dem, was Afrika zu bieten hat, n\u00e4mlich den Schritt in die Postwachstums\u00f6konomie. Dort ist gutes Leben nicht von Wachstum abh\u00e4ngig oder zumindest nicht von dem, was bei uns unter Wirtschaftswachstum verstanden wird. Unsere Gen\u00fcgsamkeit wird wachsen m\u00fcssen, unser Sozialempfinden braucht dringend Wachstum. Unsere Autos hingegen brauchen kein Wachstum mehr und unsere Anzahl an Baguettesorten auch nicht.<br \/>\nDer &#8222;Konsument&#8220; ist \u00fcbersetzt der &#8222;Verbraucher&#8220;. Ich kann aber nur Dinge verbrauchen, die f\u00fcr mich verbrauchbar sind &#8211; und die Anzahl derer ist endlich. Unser vielfach beschworenes und als Allheilmittel bejubeltes Wirtschaftswachstum ben\u00f6tigt jedoch KonsumentInnen, die nicht nur verbrauchen, sondern auch in steigender Zahl Dinge kaufen, die sie gar nicht verbrauchen k\u00f6nnen. Wir alle haben hunderte oder sogar tausende dieser Dinge zuhause liegen. Hin und wieder gebrauchen wir eines davon und manchmal verbrauchen wir auch, aber in Summe haben die meisten von uns zu viel. Wir horten die Dinge und wenn wir keinen Platz mehr haben, schmei\u00dfen wir sie weg.<br \/>\nWir entsorgen sie dorthin, wo wir sie nicht mehr sehen. Sie sind dann jedoch nicht weg, sondern nur woanders. Sie werden manchmal einer Wiederverwertung zugef\u00fchrt, meist jedoch deponiert oder verbrannt oder in die dritte Welt verschifft.<\/p>\n<p>Irgendwo hat jedoch jeder Mensch genug. Dann ist alles so vollger\u00e4umt und das st\u00e4ndige Wegwerfen erf\u00fcllt uns auch zunehmend nicht mehr mit Freude, weil die stattdessen gekauften neuen Dinge meist von schlechterer Qualit\u00e4t sind als ihre Vorg\u00e4nger. Sie sind meist auch teurer und ihre Funktionen brauchen wir nicht oder nur einen Teil davon. Wir kaufen zunehmend M\u00fcll, den wir m\u00f6glichst schnell wieder entsorgen um neuen M\u00fcll zu kaufen. Irgendwann f\u00fchlen wir uns selbst wie M\u00fcll, in den ganzen M\u00fcllbergen, die uns umgeben und die wir nicht einmal alle sehen oder sp\u00fcren &#8211; siehe Plastikstrudel in den Weltmeeren. Wir machen langsam das kaputt was uns ern\u00e4hrt und einige von uns haben dabei auch kein gutes Gef\u00fchl mehr. Sie sp\u00fcren die Verkrampfung, die sich immer schwerer l\u00f6sen l\u00e4sst. Sie sp\u00fcren das noch leise aber doch h\u00f6rbar \u00c4chzen unserer Erde, die vielen sterbenden Tier- und Pflanzenarten und die Menschen, die mit zunehmend leeren Augen durch die immer buntere Plastikwelt staksen.<\/p>\n<p>Ganz langsam beschleicht diese Menschen der Verdacht, dass ein Ende mit Schrecken vielleicht sogar einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen ist. Den Preis m\u00fcssen wir sowieso zahlen &#8211; warum nicht bald und dann mit neuer Perspektive starten?<br \/>\nWir haben aber auch aus gutem Grund Angst unsere Entwicklung mit einem scharfen Schnitt zu beenden. Zu lange leben wir schon in dieser bunten Konsumwelt, als dass wir sie aufzugeben bereit sind. Zu gut schmecken die Schnitzel und zu bequem ist die Couch vor dem Breitbild-Flachfernseher (oder so \u00e4hnlich).<\/p>\n<p>Hoffen wir, dass diese Entwicklung gut f\u00fcr uns endet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer spannenden Folge des Zukunftsmagazins \u00fcber:morgen ging es um &#8222;Clean Tech&#8220; als Modell der Zukunft. Auf den ersten Blick sah das etwas abgedroschen aus. 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