{"id":1282,"date":"2013-05-20T08:14:53","date_gmt":"2013-05-20T07:14:53","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1282"},"modified":"2014-09-07T08:02:21","modified_gmt":"2014-09-07T07:02:21","slug":"lob-aber-nicht-gerade-uber-den-grunen-klee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/lob-aber-nicht-gerade-uber-den-grunen-klee\/","title":{"rendered":"Lob, aber nicht gerade \u00fcber den gr\u00fcnen Klee"},"content":{"rendered":"<p>Leicht windschief mit einer leicht \u00fcberforderten Kellnerin, die den Ausflugsg\u00e4sten vor allem Cordon bleu und Berner W\u00fcrstl servierte &#8211; das war der Hanslteich. Ich war fr\u00fcher entweder im Zuge einer Mountainbike-Tour zu Gast oder an besonders hei\u00dfen Tagen im Sommer, denn in der Senke samt Teich gab es stets angenehme K\u00fchlung.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.05.20_hanslteich\/oma.jpg\" title=\"oma\" alt=\"oma\" \/><\/center><\/p>\n<p>Jetzt ist alles anders. Laut meiner Oma geh\u00f6rt das Wirtshaus jetzt der Nichte vom Herrn Wlaschek. &#8222;Da steckt viel Geld dahinter&#8220; meint sie und daher h\u00e4tte man nicht nur gro\u00dfz\u00fcgig umgebaut, sondern auch noch jede Menge Werbung in der Kronen Zeitung und sonstwo investiert.<br \/>\nGestern, am Pfingstsonntag, lud mich meine Oma zum Essen ein. Ich folgte einer Eingebung und rief um 11 Uhr an um zu reservieren (davor ging noch niemand zum Telefon). Ein motivierter Herr meinte, dass sie ausreserviert w\u00e4ren, vor allem am Wasser, aber ein paar Tische w\u00fcrden nicht vergeben und wenn wir rechtzeitig vor zw\u00f6lf Uhr da w\u00e4ren, dann sollte sich das schon irgendwie ausgehen.<\/p>\n<p>Die Website (www.kleeamhanslteich.at) ist smart, sieht sehr professionell aus und zeigt, dass die H\u00fctte jetzt &#8222;Klee am Hanslteich&#8220; hei\u00dft. Der Bus f\u00e4hrt einmal st\u00fcndlich dort vorbei und spielt keine Rolle, denn das Publikum f\u00e4hrt mit Porsche Panamera und Bentley vor. Angeblich w\u00e4ren aber auch G\u00e4ste willkommen, die nur etwas trinken wollen, meinte meine Oma. <\/p>\n<p>Es w\u00e4re nun \u00fcbertrieben, wenn ich die &#8222;Location&#8220; als &#8222;Schickimicki-H\u00fctte&#8220; bezeichne, aber es besteht nat\u00fcrlich die Gefahr, dass sie sich so entwickeln k\u00f6nnte. Es hat sich jedoch viel ge\u00e4ndert. Der Betreiber ist eine anonyme Gesellschaft (MW Gastronomie Gmbh) in 1010 Wien, es gibt keinen Ruhetag und es herrscht das ganze Jahr \u00fcber Betrieb. Die Investitionen waren sicherlich hoch und der Aufwand ist es auch. Man hat angeblich Platz f\u00fcr 400 Personen (drinnen und drau\u00dfen), das Lokal wurde jedenfalls entsprechend vergr\u00f6\u00dfert und ausgebaut. Eine neue Terrasse mit elektrischen Sonnenmarkisen, die H\u00e4lfte der Tische aber im Freien. Ein paar der alten B\u00e4ume wurden gef\u00e4llt, viele jedoch blieben gl\u00fccklicherweise stehen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.05.20_hanslteich\/Terrasse.jpg\" title=\"Terrasse\" alt=\"Terrasse\" \/><\/center><\/p>\n<p>Das Ambiente ist jedenfalls exzellent und der Standort prinzipiell sehr gut, wenn man die fehlende \u00d6ffi-Anbindung ber\u00fccksichtigt, was jedoch dem Publikum egal ist. Der Parkplatz wurde ebenfalls massiv vergr\u00f6\u00dfert, ist aber derzeit noch eine Gatschw\u00fcste, zumindest der erweiterte Teil.<br \/>\nVon &#8222;Gefahr&#8220; spreche ich deswegen, weil es das m\u00f6glicherweise angepeilte Publikum immer nur eine Zeit wo aush\u00e4lt. Dann zieht der Tross weiter und mit ihm auch sein Geld. Durch das Image und die hohen Preise gehen diese Lokale dann sehr schnell Pleite, so ist es in Wien schon \u00f6fter passiert, etwa mit dem babu oder diversen Buddha-Bars.<br \/>\nDie Szene braucht st\u00e4ndig etwas Neues, um sich selbst in Szene setzen zu k\u00f6nnen. Ich hoffe, dass dem &#8222;neuen Klee&#8220; dieses Schicksal erspart bleibt, denn die Grundvoraussetzungen f\u00fcr einen langfristigen Erfolg sind gegeben.<\/p>\n<p><strong>Wait to be seated<\/strong><br \/>\nBei der Ankunft sehen wir einen Tresen mit Computer und Telefon. Vor uns stehen zwei verdreckte Mountainbiker und fragen etwas unsicher, ob man noch einen Platz f\u00fcr sie h\u00e4tte &#8211; sie w\u00fcrden eh nicht lange bleiben. Die 200.000 Euro-Autos am Parkplatz verschrecken die Menschen, die fr\u00fcher nie gez\u00f6gert h\u00e4tten. Da das Lokal derzeit exzellent ausgebucht ist, f\u00e4llt das nicht auf. Zumindest derzeit.<br \/>\nDie Biker bekommen einen Tisch und auch wir werden von einer feschen jungen Dame zu &#8222;Tisch 16&#8220; geleitet.<br \/>\nAlles sieht sehr modern aus, durchgestyled, professionell und eben auch teuer.<br \/>\nWir haben Gl\u00fcck und bekommen einen Tisch im Schatten, was vor allem meine Gro\u00dfmutter erfreut, die ist mit ihren 91 Jahren schon ein wenig heikel in diesen Dingen. Es war eine gute Idee zu reservieren.<\/p>\n<p><strong>Die Karte<\/strong><br \/>\nEs gibt nicht allzu viel Auswahl und das ist gut so. Kein Mensch braucht 100 Hauptspeisen und mir pers\u00f6nlich ist es lieber, sie haben wenig Auswahl und daf\u00fcr sind die Speisen frisch gemacht.<br \/>\nAnsonsten zieht sich der moderne Stil auch durch die Karte. Das Cordon und die Berner von fr\u00fcher sind Geschichte, jetzt gibt es Mangalitza-Speck mit Morchelschaum und Saibling an Lemongras-Parfait-Sorbet plus nat\u00fcrlich irgendein Sch\u00e4umchen. Das braucht man heute scheinbar.<br \/>\nIch w\u00e4hle bodenst\u00e4ndig einen Tafelspitz und meine Oma das Kalbswiener. <\/p>\n<p><strong>Das Service<\/strong><br \/>\nSehr aufmerksam, fast schon extrem aufmerksam, jung, dynamisch, fesch und alle in schwarzer Uniform. Nett und sehr freundlich, ganz in einer Linie mit Aumann, Rochus und Blaustern. Es gibt jede Menge davon und wir werden sehr schnell bedient. Da gibt es nichts zu meckern, es fehlt lediglich jeglicher Wiener Charme, das Servierpersonal k\u00f6nnte auch in Barcelona oder Santa Monica servieren.<\/p>\n<p><strong>Das Essen<\/strong><br \/>\nDer Tafelspitz war ein Tafelspitz. Die R\u00f6sti im separaten Gef\u00e4\u00df, ebenso der Apfelkren und die Schnittlauchsauce, die eher nicht frisch gemacht wurde. Hier ist doch ein deutlicher Unterschied zu den Spezialisten wie dem Plachutta erkennbar. Aber es war gut und von der Portion her f\u00fcr den mittleren Hunger geeignet.<br \/>\nBeim Schnitzel meiner Oma h\u00e4tte ich eine Wette eingehen k\u00f6nnen: Geschmack und Konsistenz 100% Schwein. Ich k\u00f6nnte es schw\u00f6ren, st\u00fcnde da nicht auf der Karte, dass es vom Kalb ist. Ich werde es nie erfahren, ob ich diese Wette gewonnen h\u00e4tte.<br \/>\nDas Dessert lie\u00df auf sich warten, wobei hier unsere Auswahl auf den Schoko-Auflauf fiel. Das Vanilleeis aus der TK-Packung, der Rest gut, wenn man das mag. Klassische Mehlspeisen (Apfel- oder Topfenstrudel) gibt es nicht, auch hier dominieren Lemon-Tarte und andere Tartes.<br \/>\nMit wirklich riesigem Hunger sollte man nicht hingehen, aber die Portionen sind auch nicht so winzig wie das in der T\u00fct\u00fc-K\u00fcche oft der Fall ist. Der Erd\u00e4pfelsalat war ebenfalls international &#8211; gut, aber ohne den Touch, sprich den kleinen Schuss Zucker, den ich an der Wiener K\u00fcche so sch\u00e4tze.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.05.20_hanslteich\/Schoko.jpg\" title=\"Schoko\" alt=\"Schoko\" \/><\/center><\/p>\n<p><strong>Das Publikum<\/strong><br \/>\nSehr gemischt, wie das bei einer Neuer\u00f6ffnung wohl immer so ist. \u00c4ltere Herrschaften, einige Familien, etliche \u00e4ltere Herren mit wei\u00dfer Hose und sockenlosen Mokassins plus Audi-Cabrio-Schl\u00fcssel am Tisch, einige kichernde junge Damen mit Sonnenbrillen gr\u00f6\u00dfer als das Gesicht. Man wird sehen, wie sich das entwickelt.<\/p>\n<p><strong>Die Preise<\/strong><br \/>\nWir zahlten zu zweit 50 Euro, mit je einer Hauptspeise, einer gemeinsamen Nachspeise und je einem Apfelsaft gespritzt plus einem Kaffee f\u00fcr die Oma. Die Hauptspeisen bewegen sich zwischen 12 und 26 Euro, die Vorspeisen gibt es um 7 bis 12 Euro. Das f\u00e4llt f\u00fcr mich in die Kategorie &#8222;sch\u00f6n essen gehen, aber nicht jede Woche&#8220;.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.05.20_hanslteich\/Hanslteich.jpg\" title=\"Hanslteich\" alt=\"Hanslteich\" \/><\/center><\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDurchaus empfehlenswert, immer noch mit tollem Ambiente, engagierter Bedienung und gutem Essen f\u00fcr die mitteldicke B\u00f6rse. Das &#8222;neue Klee&#8220; ist eine Bereicherung f\u00fcr die Lokalszene am Rande Wiens. Ob es sich mit diesem Konzept halten kann und die hohen Kosten hereinspielt, wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leicht windschief mit einer leicht \u00fcberforderten Kellnerin, die den Ausflugsg\u00e4sten vor allem Cordon bleu und Berner W\u00fcrstl servierte &#8211; das war der Hanslteich. 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