{"id":1302,"date":"2013-07-11T06:56:35","date_gmt":"2013-07-11T05:56:35","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1302"},"modified":"2013-07-11T06:56:35","modified_gmt":"2013-07-11T05:56:35","slug":"was-ist-mit-der-autoindustrie-los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/was-ist-mit-der-autoindustrie-los\/","title":{"rendered":"Was ist mit der Autoindustrie los?"},"content":{"rendered":"<p>Gleich zu Beginn ein Zitat aus pressetext.com:<\/p>\n<p>&#8222;Die weltweit 18 gr\u00f6\u00dften Autobauer haben im ersten Halbjahr 2013 in den USA mehr Wagen zur\u00fcckrufen m\u00fcssen als sie abgesetzt haben. Die durchschnittliche Quote ist in den vergangenen sechs Monaten bei 142 Prozent gelegen. Das hei\u00dft, dass die Fahrzeugriesen um 42 Prozent mehr Autos wegen M\u00e4ngel zur\u00fcck geholt haben als neu zugelassen wurden. Das ist das Ergebnis einer heute, Mittwoch, ver\u00f6ffentlichten Studie des Center of Automotive Management http:\/\/auto-institut.de an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zahlen sind alarmierend oder wirken zumindest so oder sollten es zumindest sein. Wahrscheinlich werden sie kein Umdenken bewirken, weil ein solches Umdenken nicht erw\u00fcnscht ist und so lange man sich sicher sein kann, dass man in jedem Fall mit Steuergeldern am Leben erhalten wird, ist es einfach nicht notwendig.<\/p>\n<p>Bis gestern wunderte ich mich \u00fcber die scheinbare Prosperit\u00e4t der wieder erwachten US-Autoindustrie: noch gr\u00f6\u00dfere Kisten mit noch st\u00e4rkeren Motoren und noch mehr Verbrauch. Und die Menschen kaufen die Dinger wie verr\u00fcckt, Pick-ups und Vans, SUVs etc. &#8211; je gr\u00f6\u00dfer, desto besser, je \u00f6fter, desto lieber. Ein Land in Endzeitgigantomanie.<\/p>\n<p>Hier der Rest der Pressetextmeldung:<br \/>\n&#8222;Im Gespr\u00e4ch mit pressetext f\u00fchrt Automobil-Experte und Studienleiter Stefan Bratzel diesen &#8222;relativ hohen Wert&#8220; in erster Linie auf strukturelle Gr\u00fcnde zur\u00fcck.<br \/>\n&#8222;Die steigende technische Komplexit\u00e4t und der hohe Kostendruck bei einer gleichzeitigen Verk\u00fcrzung der Produktlebenszyklen sind die Hauptfaktoren, die zu diesen 42 Prozent f\u00fchren&#8220;, so Bratzel. Hinzu komme das sogenannte Baukastensystem. Immer mehr gleiche Teile werden aus Kostengr\u00fcnden in unterschiedliche Modelle eingebaut. Von Zulieferern begangene Fehler betreffen dadurch mehr Autos als noch vor einigen Jahren.<br \/>\nInsgesamt wurden zwischen Los Angeles und New York 11,3 Mio. Wagen zur\u00fcck in die Werkstatt beordert. 2012 lag dieser Wert noch bei 4,8 Mio. St\u00fcck. Das ist ein Anstieg um 230 Prozent und zeigt, dass der Negativrekord von 18 Mio. zur\u00fcckgerufenen Autos aus dem Gesamtjahr 2010 wohl \u00fcberboten wird. Zu den h\u00e4ufigsten M\u00e4ngeln z\u00e4hlen Probleme bei der Innenschutzeinrichtung, bei elektrischen Baugruppen und beim Motor.<br \/>\nUnter den besonders flei\u00dfigen &#8222;R\u00fcckrufern&#8220; finden sich Toyota mit 208 Prozent, Honda mit 265 Prozent und Hyndai mit 294 Prozent. Sie werden nur noch von Chrysler mit 314 Prozent und BMW mit 334 Prozent \u00fcbertrumpft. Am besten haben hingegen VW, Suzuki, Tata, Volvo, Madza und Mercedes abgeschnitten. Ihre R\u00fcckrufquote tendiert gegen null.<br \/>\nAuch in Deutschland gibt es zahlreiche R\u00fcckholaktionen. Im Jahr 2012 hat das Kraftfahrtbundesamt http:\/\/kba.de wegen erheblicher M\u00e4ngel 824.000 Fahrzeughalter angeschrieben. &#8222;Aufgrund des hohen Verwundbarkeitsrisikos muss die Produktqualit\u00e4t \u00fcber Wachstumsziele der Unternehmen gestellt werden&#8220;, fordert Bratzel. Neben sicherheitstechnischen Minimalanforderungen verlangt er die Definition und Implementierung von globalen Standards f\u00fcr die Marken.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist die Spitze des Eisbergs. Toyota galt noch vor ein paar Jahren als Firma, der die Qualit\u00e4t ihrer Produkte nicht v\u00f6llig egal ist. Ich glaube \u00fcbrigens, dass auch die Marken mit wenig R\u00fcckholaktionen das nicht lange halten werden, denn sie schwimmen letztlich auf der gleichen Welle wie die anderen. Das gilt auch f\u00fcr Mercedes, die fr\u00fcher ein Synonym f\u00fcr Langlebigkeit waren. Auch sie wollen heute m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst viele neue Autos verkaufen. Das geht in einem ges\u00e4ttigten oder sogar \u00fcbers\u00e4ttigten Markt nur, wenn man die Haltbarkeit verk\u00fcrzt. Die Milit\u00e4rindustrie braucht schlie\u00dflich auch alle paar Jahre irgendwo einen Krieg, der die gelagerten Waffen vernichtet, damit sie neue verkaufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Herr Bratzel ist leider ein Tr\u00e4umer, wenn auch mit netten Tr\u00e4umen. Die Wachstumsziele der Unternehmen k\u00f6nnen nicht hinterfragt werden, weil sie nicht hinterfragt werden d\u00fcrfen. Das ist Frevel, Gottesl\u00e4sterung, ein Tabu. Dass sie sowieso nicht erreicht werden und gar nicht erreicht werden k\u00f6nnen, spielt dabei keine Rolle, ganz im Gegenteil: Wenn so ein hoch gestecktes Ziel nicht erreicht wird, dann muss man das n\u00e4chste noch h\u00f6her stecken, vielleicht motiviert das ja die Beteiligten mehr Leistung zu bringen und sich mehr anzustrengen.<br \/>\nDas einzige, was unkontrolliert und ma\u00dflos w\u00e4chst, ist \u00fcbrigens der Krebs. Ein seltsames Vorbild, das die Konsumindustrie da hat.<\/p>\n<p>Ich setze dem die Philosophie von Leopold Kohr entgegen: Optimales Wachstum &#8211; das hei\u00dft, alles w\u00e4chst bis zu seiner optimalen Gr\u00f6\u00dfe und nicht weiter. In der Wirtschaft streben die meisten jedoch nach maximalem Wachstum und das ist krank. Genauso krank wie der Gedanke, dass etwas ewig wachsen kann. Das schafft \u00fcbrigens nicht einmal der Krebs, der sich letztlich selbst vernichtet. \u00dcbrigens umso schneller je schneller er w\u00e4chst, indem er seinen Wirt umbringt. Und das ohne sich vermehrt zu haben, wie das andere Parasiten wenigstens schaffen.<br \/>\nIn unserer Wirtschaft muss alles ewig wachsen. In \u00d6sterreich etwa bekommt man keinen Gewerbeschein wenn man bei der Gr\u00fcndung der Firma nicht ewiges Wachstum schw\u00f6rt. Wer hineinschreibt, dass er nach X Jahren plant die Firma wieder zuzusperren, bekommt aus ethischen (!) Gr\u00fcnden eine Ablehnung. So etwas kann nicht ein, weil es nicht sein darf. Man muss zumindest den Willen zu ewigem Wachstum haben. De facto gehen die meisten Firmen ohnehin weit vor ihrem sinnvollen Ende zugrunde. Aber zumindest der Schein muss aufrecht erhalten werden.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die Autoindustrie: Sie muss scheinbar wachsen und es muss ihr immer blendend gehen. 60 % Neuwagenverkaufsr\u00fcckgang in Italien und Spanien, 80 % in Griechenland? Das kann nur ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen sein eine kleine Wolke vor den strahlenden Aussichten, die gleich wieder vorbeigezogen ist. Demn\u00e4chst geht es wieder steil bergauf und man wird Neuw\u00e4gen wie verr\u00fcckt verkaufen!<br \/>\nDas ist \u00fcberall zu lesen und zu h\u00f6ren und es schafft bei mir die Gewissheit, dass es nirgends so gro\u00dfe Illusionen gibt wie in der Autoindustrie. Was tun, wenn das Wachstum in Europa nicht zur\u00fcckkehrt? Dann wird man es irgendwo anders auf der Welt schaffen, ganz sicher. In Afrika oder China. Oder sonstwo. Hauptsache Wachstum. Und alle Kritiker sind Spinner, die nichts verstanden haben und nur maulen wollen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir&#8230; eigentlich nichts, denn ich wei\u00df auch nicht wie dieses Problem zu l\u00f6sen ist. Die KonsumentInnen werden wohl nicht auf eine neue Qualit\u00e4tslinie umschwenken, zu geil und gem\u00fctlich ist die derzeitige Situation (&#8222;Ich will alles und das jetzt gleich&#8220;) und die Autoindustrie wird sich h\u00fcten, das zu tun, und sich auf den Druck der Konkurrenz ausreden. Die Politik wird auch keinen Finger r\u00fchren und die kaputten Autofirmen mit zig Milliarden Steuergeld &#8222;retten&#8220;, so wie sie es immer getan hat und auch jetzt verspricht und wie es in USA in gro\u00dfem Stil passiert ist.<\/p>\n<p>Wohin das f\u00fchrt will selbst ich mir nicht ausmalen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich zu Beginn ein Zitat aus pressetext.com: &#8222;Die weltweit 18 gr\u00f6\u00dften Autobauer haben im ersten Halbjahr 2013 in den USA mehr Wagen zur\u00fcckrufen m\u00fcssen als sie abgesetzt haben. 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