{"id":1328,"date":"2013-08-22T10:19:21","date_gmt":"2013-08-22T09:19:21","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1328"},"modified":"2014-08-27T22:56:34","modified_gmt":"2014-08-27T21:56:34","slug":"die-mariahilferstrasse-in-echt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/die-mariahilferstrasse-in-echt\/","title":{"rendered":"Die Mariahilfer Stra\u00dfe &#8211; in echt"},"content":{"rendered":"<p>Unmengen an Infos, Phantasien, Geraunze und Gejammere rund um den Umbau von Wiens wichtigster Einkaufsstra\u00dfe. Was ist wirklich dran? Um das herauszufinden, habe ich mich selbst in die H\u00f6hle des L\u00f6wen geschickt, quasi mit vollem Risiko. Meine erste echte, gef\u00e4hrliche Fact-Finding-Mission, im Auftrag der Gr\u00fcnen Wirtschaft. Ich komme mir vor wie wenn ich nach Mogadischu m\u00fcsste, um dort von einem blutigen B\u00fcrgerkrieg zu berichten.<br \/>\nDie Mariahilferstra\u00dfe als Fu\u00dfg\u00e4ngerzone \u2013 laut Medienberichten reinste Anarchie, wildes Chaos und der Untergang des Abendlandes.<\/p>\n<p>Also setze ich meinen Helm auf, ziehe die Protektoren-Mountainbikehandschuhe an und begebe mich an den Ort des Schreckens.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/1.jpg\" title=\"1\" alt=\"1\" \/><\/center><\/p>\n<p>Der zeigt sich auf den ersten Blick eher friedlich, aber vielleicht ist das nur die Ruhe vor dem Sturm, wer wei\u00df?<br \/>\nAuf zahlreichen Schildern wird aufgekl\u00e4rt, dass die markierten Zonen keine Parkpl\u00e4tze w\u00e4ren, sondern Halte- und Parkverbot zu beachten seien.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/2.jpg\" title=\"2\" alt=\"2\" \/><\/center><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/3.jpg\" title=\"3\" alt=\"3\" \/><\/center><\/p>\n<p>Allein die scheinbare Notwendigkeit dieser Schilder plus die wenigen, aber doch vorhandenen herumirrenden und sichtlich verwirrten Autofahrer mit N\u00d6-Kennzeichen zeigt sehr gut, dass Ver\u00e4nderungen punkto ihrer Akzeptanz Zeit brauchen. Die Mariahilferstra\u00dfe war Jahrzehnte lang eine reine Einkaufsmeile und soll jetzt ihre Charakteristik vollst\u00e4ndig ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Dass das nicht in ein oder zwei Tagen vollst\u00e4ndig gelingen kann, sollte auch den eher schlichten Gem\u00fctern einleuchten. Derzeit gibt es in den Medien und auch im \u201eSocial-Media-Bereich\u201c erhitzte Gem\u00fcter, viel hei\u00dfe Luft und ein Mords-Trara, wie der Wiener sagt.<\/p>\n<p>Ich fahre die Mariahilferstra\u00dfe zur Mittagszeit ca. 1,5 Stunden lang ab, plaudere mit Passanten und Mitarbeitern der MA 28 und nehme mir Zeit um die Stimmung aufzunehmen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/6.jpg\" title=\"6\" alt=\"6\" \/><\/center><\/p>\n<p>Die Eindr\u00fccke sind vielf\u00e4ltig und ich greife den wichtigsten heraus: Die Charakteristik hat sich schlagartig ver\u00e4ndert. Ich bin die Stra\u00dfe in den letzten Jahren mit Fahrrad und Motorroller oft entlang gefahren, heute war es radikal anders.<br \/>\nZuerst wusste ich nicht, was da so seltsam war, dann fiel mir auf, dass sich die Ger\u00e4uschkulisse vollst\u00e4ndig ver\u00e4ndert hat. Es war teilweise fast gespenstisch leise, und das lag nicht an den dort einkaufenden und spazierenden Menschen, sondern einzig und allein am fehlenden Autoverkehr. Hin und wieder fuhr ein Klein-LKW durch oder ein Taxi, aber kein Vergleich mit fr\u00fcher.<br \/>\nEs war als w\u00fcrde die Stra\u00dfe warten, nur worauf? Vielleicht auf eine Art Wiedergeburt als Lebensstra\u00dfe, als ein Ort, an dem man sich gerne aufh\u00e4lt und nicht nur von einem Gesch\u00e4ft zum anderen hetzt. Daf\u00fcr war die alte Mariahilferstra\u00dfe optimiert und auch durchaus optimal, mit Kurzparkzonen, die einen hohen KFZ-Umsatz erzeugten.<br \/>\nJetzt ist das anders, sehr anders sogar. Die Autos wirken bereits wie Fremdk\u00f6rper, wenngleich die Fahrbahnen immer noch frei von Fu\u00dfg\u00e4ngern sind, als w\u00fcrden sie die R\u00fcckkehr der Autos erhoffen. Oder bef\u00fcrchten. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/4.jpg\" title=\"4\" alt=\"4\" \/><\/center><\/p>\n<p>Dass die Fu\u00dfg\u00e4ngerInnen die ehemaligen Fahrbahnen noch nicht in Besitz nehmen, hat meiner Ansicht nach mehrere Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>a.) Das dauert. Jahrzehntelang angelerntes Verhalten \u00e4ndert sich nicht von einem Moment auf den anderen. Ehrfurcht und Angst vor den tonnenschweren Blechkisten und ihren darin von der Umwelt abgeschotteten (Klimaanlage, get\u00f6nte Scheiben, Ger\u00e4uschd\u00e4mmung etc.) Besitzern lassen sich nicht so schnell absch\u00fctteln.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/11.jpg\" title=\"11\" alt=\"11\" \/><\/center><\/p>\n<p>b.) Die vorhandenen baulichen Trennungen. Sie sind ja nach wie vor existent und verst\u00e4rken Punkt a.) Die Fahrbahnen sehen aus wie Fahrbahnen und werden daher nur von RadfahrerInnen ben\u00fctzt. Die haben daf\u00fcr Platz wie noch nie und n\u00fctzen den auch f\u00fcr erh\u00f6htes Tempo aus \u2013 nat\u00fcrlich nicht alle, aber auch mich hat es gereizt in die Pedale zu treten, so ohne st\u00f6rende Autos und LKW und Ampeln. Das ist ein weiterer Grund f\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4ngerInnen, die ehemalige Fahrbahn nicht in L\u00e4ngsrichtung zu ben\u00fctzen und in Querrichtung laut angelerntem Verhalten zu warten und Sicherungsblicke in beide Seiten zu werfen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/8.jpg\" title=\"8\" alt=\"8\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tze, dass sich bei mehr Betrieb langsam eine Ver\u00e4nderung einstellen wird. Die Gehsteige waren in der Vergangenheit schon recht dicht begangen, das k\u00f6nnte sich auflockern, vor allem wenn sich die Gesamtcharakteristik \u00e4ndert und die Menschen l\u00e4nger dort verweilen. Die neu gepflanzten B\u00e4ume w\u00fcrden das zus\u00e4tzlich und gemeinsam mit den nett gestalteten Sitzgruppen f\u00f6rdern. Wenn dann noch die geplanten baulichen Entwicklungen abgeschlossen sind, wird sich das Antlitz der Stra\u00dfe massiv ver\u00e4ndert haben. Ich bin durchaus gespannt, welche Art von Lebensraum hier entsteht. <\/p>\n<p>c.) Die Busse. Sie sind gro\u00df und rot und fahren zwar langsam, aber sie fahren und da traut sich niemand so einfach auf die Fahrbahn (nein, es ist keine mehr, aber es ist eben schon noch eine) zu h\u00fcpfen.<br \/>\nDie Busfahrer selbst fahren langsam, aber sie steigen immer wieder mal so ganz leicht aufs Gas, fast unmerklich, aber doch sp\u00fcrbar. Dr\u00fccken sie damit ihren Unwillen aus, trotz freier Stra\u00dfe nicht ordentlich und in entsprechender Geschwindigkeit fahren zu k\u00f6nnen? Vielleicht hat das auch ganz andere Gr\u00fcnde, aber die Stra\u00dfe ist nun mal so herrlich frei und sie haben so wunderbar viele PS unterm Hintern&#8230; Menschen sind schwach, Busfahrer sind auch nur Menschen.<br \/>\nEin knallig roter Streifen verst\u00e4rkt das noch: Das ist mein Revier und ich bin gro\u00df und stark oder zumindest st\u00e4rker als Du!<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/12.jpg\" title=\"12\" alt=\"12\" \/><\/center><\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise war dieser rote Streifen keine sehr gute Idee. Vielleicht war er auch eine wirklich schlechte, ich jedenfalls wei\u00df nicht, wie das zustande gekommen ist. Angeblich wird schon eine neue Routenwahl \u00fcberlegt.<br \/>\nDie vielbeschworenen platt gefahrenen Fu\u00dfg\u00e4nger habe ich heute nicht gesehen und der nette junge Mann von der MA 28 hat mir auch versichert, dass es sie (noch) gar nicht gibt. Genau genommen will das auch keiner, au\u00dfer vielleicht die oppositionsnahe Boulevard-Presse, die dringend Stoff gegen die Mariahilferstra\u00dfe bzw. ihren Umbau braucht.<\/p>\n<p>Ich stelle mir gerade vor, welche Grausbirnen manchen Politikern aufsteigen w\u00fcrden, wenn sich das neue Konzept bew\u00e4hrt. Das k\u00f6nnte dann sogar abf\u00e4rben, vielleicht will dann die W\u00e4hringer Stra\u00dfe auch FuZo werden, oder gar die Lerchenfelderstra\u00dfe, oder die Taborstra\u00dfe oder oder oder&#8230;<br \/>\nSchwei\u00dfgebadet wachen sie vielleicht heute schon aus ihren Alptr\u00e4umen auf, wer wei\u00df.<\/p>\n<p>Ich bleibe beim aktuellen Thema und fahre langsam weiter. Die Schanig\u00e4rten sind voll und auch sonst herrscht in etwa das \u00fcbliche Treiben. Scheinbar haben die Gesch\u00e4fte noch keine schlimmen R\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen und m\u00f6glicherweise l\u00f6st sich das von Frau Pr\u00e4sidentin Jank gezeichnete Schreckgespenst ja auch in Luft auf.<br \/>\nEinige Ampeln sind inzwischen au\u00dfer Betrieb, das d\u00fcrfte aber niemand st\u00f6ren. Erst nach einiger Zeit f\u00e4llt mir auf, dass es keine Zebrastreifen mehr gibt. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/18.jpg\" title=\"18\" alt=\"18\" \/><\/center><\/p>\n<p>Auch das funktioniert erstaunlich gut und ich beginne mich zu fragen, ob wir diese starken Regulierungen wirklich immer und \u00fcberall brauchen. Muss jeder Meter vorgezeichnet sein? Bei den Radstreifen in ganz Wien ist mir das bis heute unklar, was die bringen sollen, au\u00dfer dass die motorisierten ZweiradfahrerInnen daran gehindert werden rechts an den stehenden Kolonnen vorbei zu fahren. Das ist f\u00fcr mich \u00fcbrigens keine sehr gr\u00fcne L\u00f6sung, die maximal die Autofahrer freut.<br \/>\nNun entsteht m\u00f6glicherweise der eigentliche Kern des Konzepts: Die Menschen beginnen zu lernen, dass es wesentlich besser funktioniert, wenn man das tut, was jeder Fahrsch\u00fcler in der ersten Stunde lernt: Kontakt mit anderen aufnehmen, Blickkontakt n\u00e4mlich. Wer sich sieht, f\u00e4hrt normalerweise nicht zusammen. Das gilt f\u00fcr Radfahrer wie f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger wie f\u00fcr Autofahrer. Und alle \u2013innen nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nDie Autoindustrie macht es den Autofahrern hier schwer, Stichwort die schon erw\u00e4hnte Abschottung nach au\u00dfen. Wenn die Umwelt nur noch Kulisse zu sein scheint, wozu soll ich mit ihr Kontakt aufnehmen? Wenn die Personen drau\u00dfen wie ein Videospiel erscheinen, wozu soll ich auf sie R\u00fccksicht nehmen?<\/p>\n<p>Auf der neuen Mariahilferstra\u00dfe kann man jetzt entdecken, wie das anders funktionieren kann. Jetzt kann das Recht auf Vorfahrt der Verhandlung weichen. Ich lasse dich fahren und an der n\u00e4chsten Kreuzung l\u00e4sst jemand anderer mich fahren \u2013 eine ganz neue Erfahrung in einem vielleicht schon sehr \u00fcberreglementierten Verkehr. Jeder Blickkontakt ist eine Begegnung, wenn auch nicht der dritten Art. Vielleicht ist das ja der tiefere Gedanke einer \u201eBegegnungszone\u201c. So k\u00f6nnte ja auch ein Aufrei\u00dferlokal hei\u00dfen und vielleicht entwickelt sich die Mariahilferstra\u00dfe ja auch noch in diese Richtung. Die Schanig\u00e4rten werden wahrscheinlich wachsen und noch mehr Menschen anlocken, weil man jetzt gen\u00fcgend Platz zum Flanieren hat.<br \/>\nDie Begegnungszonen sind jedenfalls ausreichend beschildert, wer das nicht sieht, will es nicht sehen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/15.jpg\" title=\"15\" alt=\"15\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ganz wichtig sind dabei die Sitzzonen, von denen es ja schon ein paar gibt. Sie waren heute schon gut gebucht und die Lokale werden sich damit anfreunden m\u00fcssen, dass es sie gibt und dass die Menschen dort sitzen k\u00f6nnen ohne etwas konsumieren zu m\u00fcssen.<br \/>\nDas Museumsquartier hat es vorgezeigt, dass hier ein Miteinander durchaus m\u00f6glich ist. Dort gibt es freie Sitzm\u00f6glichkeiten und Lokale \u2013 beide k\u00f6nnen existieren, ohne den jeweils anderen Bereich zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/20.jpg\" title=\"20\" alt=\"20\" \/><\/center><\/p>\n<p>Das schlimme und menschenverachtende Gegenteil dieses Konzepts kann man seit ein paar Jahren zunehmend in Bahnh\u00f6fen beobachten, wo die letzten Sitzgelegenheiten demontiert werden, damit die Menschen gezwungen sind, ihre Wartezeit in einem Lokal plus Konsum zu verbringen.<br \/>\nDie Freir\u00e4ume k\u00f6nnten die Stra\u00dfe zu einem sehr lebenswerten Raum machen, der aus der ganzen Stadt Menschen anzieht.<br \/>\nWahrscheinlich werden diese Menschen auch auf die Idee kommen die zahlreichen Gesch\u00e4fte zu besuchen. So kann es durchaus zu einer Umsatzsteigerung kommen. Vielleicht werden nicht alle Gesch\u00e4fte \u00fcberleben, das ist durchaus denkbar. Aber das h\u00e4tten sie ohne den Umbau m\u00f6glicherweise auch nicht getan.<\/p>\n<p>Es ist nicht alles eitel Wonne, das darf nicht verschwiegen werden. Es wird zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fu\u00dfg\u00e4ngern kommen, das ist anzunehmen. Hier wird man eventuell nachbessern m\u00fcssen. Es war heute schon so, dass die Radfahrer ganz bewusst oder auch instinktiv die Mitte der Stra\u00dfe gew\u00e4hlt haben. Sie werden auch in Zukunft nicht mitten durch die Menschenmassen fahren, allein schon deswegen, weil das gar nicht geht. Sie legen auch Wert auf eigene k\u00f6rperliche Unversehrtheit und die geht beim Radfahren nun einmal Hand in Hand mit der Unversehrtheit der anderen. Bei einem Zusammensto\u00df gewinnen beide nicht, ganz im Gegenteil zum Auto, wo der Sieger immer vorher schon feststeht.<br \/>\nInmitten der Menge kann man das Rad nur schieben, kein Mensch kann so langsam durchfahren. Also werden die Radfahrer tendenziell getrennt von den Fu\u00dfg\u00e4ngermengen bleiben und auch die Fu\u00dfg\u00e4nger werden sich daran gew\u00f6hnen, dass in der Mitte viele Radfahrer schneller unterwegs sind. Es wird immer Raser geben, aber die gab es bisher auch schon. Und es mag durchaus sein, dass sie die Lust am Rasen verlieren werden. <\/p>\n<p>Die L\u00f6sung mit den verhinderten Querungen ist vielleicht auch nicht wirklich durchdacht. Besonders provokant wirkt sie bei der Kreuzung mit der Schottenfeldgasse. Da konnte man von oben nach unten queren, jetzt muss man links abbiegen und wird in eine Einbahnspirale gelotst. Das hat schon manchen Autofahrer zur Verzweiflung gebracht und ich halte das f\u00fcr eine m\u00e4\u00dfig brauchbare P\u00e4dagogik.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/19.jpg\" title=\"19\" alt=\"19\" \/><\/center><\/p>\n<p>Drei bis vier Querungen w\u00fcrden nicht weh tun, auch nicht dem gr\u00fcnen Gedanken. Selbstverst\u00e4ndlich br\u00e4uchte es dazu bauliche Ma\u00dfnahmen wie gute Schwellen, um die Autofahrer am Durchrasen zu hindern. F\u00fcr mich w\u00e4re eine L\u00f6sung ohne Ampeln und auch ohne Zebrastreifen durchaus sinnvoll. Man w\u00fcrde eben eine ganz spezielle Zone durchqueren und h\u00e4tte darauf R\u00fccksicht zu nehmen. Die Botschaft k\u00f6nnte eine friedliche sein: \u201eWerter Autofahrer, wir wollen dir dein Recht auf Durchfahrt nicht nehmen. Nimm Du uns daf\u00fcr nicht unser Recht auf eine beruhigte Zone. Danke!\u201c<br \/>\nDas w\u00e4re ein anderes Signal als Einbahnschnecken und Behinderungsl\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht sollte es nach drei Monaten eine ehrliche Evaluierung und daran anschlie\u00dfend Nachbesserungen geben. Und nach sechs Monaten noch einmal. Und dann noch einmal nach einem weiteren Jahr.<br \/>\nUnd ich glaube nicht, dass man sich um die Wirtschaft Sorgen machen muss, da sieht es in anderen Stra\u00dfen Wiens wesentlich trauriger aus. Es wird vielleicht sogar dringende Initiativen geben m\u00fcssen um andere sterbende Stra\u00dfen wiederzubeleben, weil die Mariahilferstra\u00dfe eventuell zu einem noch st\u00e4rkeren Magneten wird. Das wird die Aufgabe der Politik sein, die m\u00f6glicherweise auch die etwas zahnlos und hilflos wirkenden Wiener Einkaufsstra\u00dfen neu definieren muss.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich finde den Anfang durchaus vielversprechend und empfehle allen, die jetzt schon wissen, dass das niemals funktionieren kann und wird, einfach einen Besuch auf dieser wirklich neuen Stra\u00dfe. Oder wie ein alter Kabarettist gemeint hat: Schau\u00b4n Sie sich das an!<br \/>\nSo eine Geburt erlebt man nicht alle Tage! Und das Eis beim Bortolotti schmeckt immer noch ganz gut.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2013.08.22_mahue\/14.jpg\" title=\"14\" alt=\"14\" \/><\/center><\/p>\n<p>UPDATE 3 WOCHEN SP\u00c4TER: Ein Haus ohne Dach<\/p>\n<p>Es sind nur drei Wochen, aber es zeichnet sich bereits ab was gut funktioniert und was nicht:<\/p>\n<p>1.) Schwer einsch\u00e4tzbar ist das Geraunze der Wirtschaftskammer, die als Fast-Monopolbetrieb des \u00d6VP-Wirtschaftsbundes nat\u00fcrlich Wahlkampf betreibt und st\u00e4ndig unzufriedene Gewerbetreibende hervorzaubert, die mit unpassenden Ausdr\u00fccken (&#8222;Berliner Mauer&#8220;) Agitation betreiben. Das ist deswegen unangenehm, weil dadurch die berechtigten Anliegen und Schwachstellen nicht konstruktiv diskutiert werden k\u00f6nnen &#8211; Emotion siegt.<br \/>\nEs wird auch klar, dass die Planer auf die Interessen der Gewerbetreibenden nicht ausreichend R\u00fccksicht genommen haben. <\/p>\n<p>2.) Die elende Diskussion um die Querungen. Die Gr\u00fcnen rechtfertigen sich damit, dass das rote Mariahilf und das gr\u00fcne Neubau sich nicht auf ein gemeinsames Konzept einigen konnten. Und dass man doch die Schleichwege verhindern wollte.<br \/>\nIch h\u00e4tte da einen konstruktiven Vorschlag: Aufdoppelung bei den 3-4 notwendigen Querungen plus Speed-Bumps, und zwar richtige. Die Vorbilder findet man z.B. in Nairobi, die Afrikaner sind uns da einen Schritt voraus. Wer schnell dr\u00fcber brettert, hat nachher entweder keine Plomben mehr im Mund oder ein kaputtes Auto. Oder beides. Plus Hinweistafeln: Achtung, Schrittgeschwindigkeit, Sie queren eine Begegnungszone!<br \/>\nUnd dann schaut man, wie es sich entwickelt. Am Graben gibt es auch eine Querung und die funktioniert. Ich m\u00f6chte das ideologiefrei diskutieren, denn es geht meiner Ansicht nach nicht darum den Bezirk autofrei zu bekommen, das ist sowieso eine Illusion. Es geht darum die notwendigen Fahrten zu erleichtern und die nicht notwendigen zu unterbinden, so einfach ist das Grundkonzept.<\/p>\n<p>3.) Die Umbauten. Katastrophal geregelt. Wie ein Haus ohne Dach, in dem will auch niemand wohnen. Die Menschen bekommen in der Verkehrserziehung seit fr\u00fchester Kindheite eingebl\u00e4ut, dass sie eine Fahrbahn nur mit eingeschaltetem inneren Warnsignal betreten d\u00fcrfen. Und eine Fahrbahn erkennt man daran, dass sie wie eine Fahrbahn aussieht, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob da gerade etwas f\u00e4hrt. Das ist Verkehrspsychologie f\u00fcr Anf\u00e4nger und die PlanerInnen der Mariahilfer Stra\u00dfe haben das entweder nicht gewusst oder geflissentlich \u00fcbersehen. Die Menschen K\u00d6NNEN dort nicht in Ruhe flanieren. Da rennt st\u00e4ndig die Alarmglocke: &#8222;Achtung, runter von der Fahrbahn, bevor was Schnelles, Gro\u00dfes daher kommt. Das ist verboten! Das ist gef\u00e4hrlich!&#8220; Das ist anerzogen, ein notwendiger Reflex, gegen den man sich nicht einfach wehren kann indem man sagt: das ist jetzt erlaubt. Es sieht zwar super-verboten aus, aber es ist erlaubt.<br \/>\nDas funktioniert leider nicht.<br \/>\nDazu noch ein Beispiel: Vor etlichen Jahren hat BMW einen Motorroller mit Dach gebaut. In dem war man angeschnallt und musste keinen Helm tragen. F\u00fcr den Fall eines Unfalls war von BMW vorgesehen, dass die Fahrer die Beine am Trittbrett lassen und die H\u00e4nde am Lenker. Dann gab es \u00fcble Verletzungen, weil der Mensch einen eingebauten Reflex hat, sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen bei einem Sturz abzust\u00fctzen. BMW wollte die Reflexe verbieten und ist damit gescheitert, das Projekt wurde wieder eingestellt.<\/p>\n<p>Sie haben ein sch\u00f6nes Haus gebaut, nur leider ohne Dach. Und jetzt wundern sie sich dar\u00fcber, warum niemand einziehen will.<br \/>\nOhne Umbauten bleibt die Stra\u00dfe ein Gerippe ohne Fleisch.<\/p>\n<p>4.) Das leidige Thema Radfahrer. Nat\u00fcrlich fahren die flott durch, ich w\u00fcrde das auch machen und habe es bei meinem letzten Besuch nur deswegen nicht gemacht, weil ich mir mantrahaft st\u00e4ndig &#8222;langsam, langsam&#8220; vorgesagt habe. Das ist unnat\u00fcrlich, weil die Fahrbahn ist eine Fahrbahn und sie ist breit und sch\u00f6n und die wenigen querenden Fu\u00dfg\u00e4nger st\u00f6ren nicht. Radfahrer sind so freie Strecken in der Stadt nicht gewohnt, sie m\u00fcssen sich mit super schmalen Radwegen und fotografierenden Touristen herumschlagen sowie mit AutofahrerInnen, denen sie komplett egal sind, weil die in ihren hermetisch abgeschirmten Kisten gerade SMS tippen oder telefonieren oder laut Musik h\u00f6ren. Ich kann durch abgedunkelte Scheiben einen Radfahrer auch nicht sehen.<br \/>\nAlso genie\u00dfen sie die gerade, freie Strecke. Auch hier fehlen die Umbauten, die den K\u00f6pfen signalisieren: Achtung, das ist eine andere Art von Stra\u00dfe. Am Graben w\u00fcrde &#8211; wenn Radfahren dort erlaubt w\u00e4re und ich habe es schon ein paar Mal verbotenerweise probiert &#8211; niemand durchrasen, denn da rennen \u00fcberall quer die Fu\u00dfg\u00e4nger hin und her. Die m\u00fcssen auf Radfahrer auch nicht aufpassen und das ist gut so. Ich rolle dort langsam durch, nur einen Hauch schneller als ein Fu\u00dfg\u00e4nger, ungef\u00e4hr so flott wie ein Jogger. Allen ist klar: der passt auf!<\/p>\n<p>Vielleicht war das Konzept einmal gut. Aber dann haben die Bezirke hinein regiert und sonst noch einige Interessensgruppen. Und jetzt ist ein Gerippe da ohne Fleisch, ein Haus ohne Dach.<br \/>\nWenn das nicht schleunigst repariert wird, besteht die Gefahr, dass das Konzept tats\u00e4chlich schief geht. Und das m\u00fcssen die Gr\u00fcnen dann fressen, auch wenn sie jammern, dass sie nicht selbst Schuld sind, sondern die b\u00f6sen Anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unmengen an Infos, Phantasien, Geraunze und Gejammere rund um den Umbau von Wiens wichtigster Einkaufsstra\u00dfe. Was ist wirklich dran? Um das herauszufinden, habe ich mich selbst in die H\u00f6hle des L\u00f6wen geschickt, quasi mit vollem Risiko. 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