{"id":138,"date":"2009-03-31T22:23:02","date_gmt":"2009-03-31T21:23:02","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=138"},"modified":"2009-03-31T22:23:02","modified_gmt":"2009-03-31T21:23:02","slug":"nicht-kaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/nicht-kaufen\/","title":{"rendered":"Nicht kaufen!"},"content":{"rendered":"<p>Klingt nicht sehr fein und auch nicht sehr erstrebenswert: Nur Menschen, die kein Geld haben, konsumieren nicht.<br \/>\nOder?<br \/>\nVielleicht w\u00e4re das ja einen Selbsttest wert. Man nimmt sich einige Prospekte, die (zumindest bei mir) t\u00e4glich ins Haus flattern, und sucht sich ein paar sch\u00f6ne Dinge heraus, die erstens gefallen und zweitens leistbar sind.<br \/>\nUnd dann kauft man sie nicht. Einfach: nicht!<\/p>\n<p>Das hat immense Vorteile, die ich aufz\u00e4hlen darf:<\/p>\n<p>1. CO2-Ersparnis. Auch wenn man darauf nichts gibt, schaden kann es nicht. Keine Autoabgase, auch keine von einem Postzusteller \u2013 sehr sauber, sehr fein, das alles. Auch die CO2-Belastung bei der Herstellung des Produktes f\u00e4llt weg, ein Umweltsieg auf der ganzen Linie! Auch sonstige Umweltverschmutzungen werden reduziert, ich will das Argument hier nicht auf CO2 reduziert wissen.<\/p>\n<p>2. Kein Stress. Man muss nirgends hinfahren, sich durch den Stau qu\u00e4len und ewig Parkplatz suchen. Auch der Stinker in der Stra\u00dfenbahn muss jemand anders anstinken. Wie unangenehm!<\/p>\n<p>3. Keine Warterei auf den Botendienst, der genau immer dann kommt, wenn man nicht zuhause ist.<\/p>\n<p>4. Keine Abf\u00e4lle, weder von der Verpackung noch von den Gegenst\u00e4nden selbst, die man ja nicht gekauft hat. Das erspart eine der beiden M\u00fclltonnen, f\u00fcr die man ja auch zahlt, wobei wir schon beim n\u00e4chsten Punkt sind.<\/p>\n<p>5. Mehr Geld in der B\u00f6rse oder am Konto \u2013 f\u00fcr viele eine durchaus neue und erfreuliche Erfahrung. In der heutigen, krisengesch\u00fcttelten Zeit generell ein Vorteil.<\/p>\n<p>6. Keine Qualit\u00e4tsprobleme, man \u00e4rgert sich nicht, weil das Produkt nicht dem entspricht, was man kaufen wollte oder was einem die Werbung versprochen hat.<\/p>\n<p>7. Kein \u00c4rger mit Reklamationen, unfreundlichen Call-Centern und \u00e4hnlichem. Nicht gekaufte Gegenst\u00e4nde verursachen in Folge keinen \u00c4rger. Da die meisten Hersteller auf die Kosten schauen und ihre Produkte in der Qualit\u00e4t stark herunterfahren, wird dieses Thema in den n\u00e4chsten Jahren wachsen \u2013 au\u00dfer f\u00fcr diejenigen, die solche minderwertigen Artikel nicht gekauft haben. Dann ist man der lachende Dritte, Vierte und F\u00fcnfte zugleich.<\/p>\n<p>8. Keine Haltbarkeitsprobleme. Gegenst\u00e4nde, die man nicht hat, k\u00f6nnen auch nicht kaputt werden. Wer jemals ein Auto in Afrika besessen hat, kann davon ein Lied singen. Dort ist man \u2013 im Gegensatz zu unseren Breiten \u2013 froh \u00fcber jede Ausstattung, die das Auto NICHT hat, weil sie dann auch nicht kaputt werden kann. Wir reden hier von Radios, Klimaanlagen und elektrischen Features wie Fensterheber, verstellbare Sitze oder Spiegelheizungen. Die Erfahrung zeigt, dass dort alles irgendwann kaputt wird, was kaputt werden kann. Unter Garantie! Je weniger man hat, desto weniger Reparaturen. Sehr praktisch.<\/p>\n<p>9. Keine Platzprobleme. Man kann den entstehenden Platz v\u00f6llig frei n\u00fctzen bzw. die ganz Schlauen kommen sogar mit weniger Platz aus, manche sogar mit einer kleineren Wohnung, die weniger Miete kostet. Das bringt wiederum etwas f\u00fcr Punkt 5 (mehr Geld).<\/p>\n<p>10. Keine Putzprobleme. Gegenst\u00e4nde, die man nicht hat, k\u00f6nnen nur schwer verstauben. Das verschafft uns entweder Freizeit oder Geld, je nachdem, ob man selbst putzt oder eine Reinigungskraft hat. Man braucht auch kein schlechtes Gewissen haben, weil man der Putzfrau den Job wegnimmt \u2013 es gibt gen\u00fcgend andere Menschen, die viel zu putzen haben und au\u00dferdem st\u00f6hnt meine Putzfrau immer, weil sie ohnehin sehr ausgelastet ist und lieber nicht zu mir putzen k\u00e4me.<\/p>\n<p>11. Keine Entsorgungsprobleme, wenn das Produkt irgendwann kaputt ist oder einem nicht mehr gef\u00e4llt. Letztlich auch keine Entsorgungskosten, die zwar im Moment noch nicht anfallen, in den n\u00e4chsten Jahren jedoch auch f\u00fcr Gegenst\u00e4nde jenseits von K\u00fchlschrank und Tiefk\u00fchltruhe auf uns warten.<\/p>\n<p>12. Keine ver\u00e4rgerten Erben, denen man am Ende seines Lebens lauter Dinge hinterl\u00e4sst, die sie weder wollen noch gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>13. Umzugsprobleme geh\u00f6ren der Vergangenheit an. Wir werden zwar nicht wie die Indianer gerade mal das Tipi samt ein paar Fellen mitnehmen, aber die Menge wird \u00fcberschaubarer, der Umzug geht schneller und ist billiger.<\/p>\n<p>14. Diebstahl sowie die damit verbundene bisher weitverbreitete Angst geh\u00f6ren der Vergangenheit an. Wer nichts hat, dem wird nichts gestohlen, weil es nicht geht. Weniger Dinge, weniger Risiko, weniger Angst \u2013 so einfach ist das. Wer im Urlaub nur einen Rucksack mithat und nicht sieben Taschen, muss auch nur auf einen aufpassen. <\/p>\n<p>15. Keine Entscheidungsprobleme. Auch wenn das ein bitter-s\u00fc\u00dfes Argument ist und vielleicht eher M\u00e4nner trifft: ein herrliches Gef\u00fchl, sich nicht mehr zwischen dem einen oder dem anderen Produkt entscheiden zu m\u00fcssen, mit der Angst, dann doch das schlechtere zu kaufen. Wer keines von beiden kauft, kann sich das alles sparen.<\/p>\n<p>16. Keine Neider. Was ich nicht besitze, darum kann mich auch niemand beneiden. Wobei auch dieses Argument ist zweischneidig, denn in Zukunft werden diejenigen beneidet, die weniger besitzen, nicht umgekehrt. Auf Reisen ist das tw. jetzt schon so: Flink hirscht der Abenteurer mit seinem leichten, kleinen Rucksack an uns vorbei, die wir an alles gedacht haben, nur nicht an die Leichtigkeit des Seins. Jedenfalls lebt es sich manchmal ohne Neider besser.<\/p>\n<p>17. Mehr Zeit. Nicht zuletzt verschaffen uns Gegenst\u00e4nde, die wir nicht haben, mehr von der kostbaren Zeit. Wir m\u00fcssen nicht an sie denken, sie nicht pflegen, nicht verteidigen, nicht reparieren lassen und vor allem nicht ben\u00fctzen. Wie viele Gegenst\u00e4nde besitzen wir, die wir nur ben\u00fctzen, weil wir sie haben, nicht weil wir sie brauchen? Eben. Das spart enorm und wir k\u00f6nnen uns anderen Dingen widmen, wie etwa unseren Mitmenschen.<\/p>\n<p>18. Mehr Fokus auf das Vorhandene. Wer nur wenige Dinge besitzt, lernt diese zu sch\u00e4tzen. Man achtet schon beim Kauf auf ihre Qualit\u00e4t und geht sorgsam mit ihnen um. Das sch\u00e4rft die F\u00e4higkeit, auch mit unseren Mitmenschen sorgsamer umzugehen. Wir passen besser auf sie auf, pflegen sie und setzen uns mehr mit ihnen auseinander. Wir lernen sie besser kennen und m\u00f6gen sie mehr. Das gilt f\u00fcr Dinge wie f\u00fcr Menschen.<\/p>\n<p>19. Mehr Geld f\u00fcr wichtige Dinge. Mit dem durch Nicht-Konsum ersparten Geld kann man das kaufen, was wirklich wichtig ist, auch wenn es etwas teurer ist. Das st\u00fctzt wiederum die Wirtschaft, die von manchen als verloren dargestellt wird, wenn sich der Nicht-Konsum durchsetzt. Ein Irrtum.<\/p>\n<p>20. Mehr Freude am Konsum. Klingt komisch, so als kr\u00f6nender Abschluss, ist aber ernst gemeint. Wer weniger konsumiert, kann sich beim \u00fcbrig bleibenden, ohnehin unbestrittenen Konsum mehr freuen. <\/p>\n<p>Wer kann diese Liste fortsetzen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klingt nicht sehr fein und auch nicht sehr erstrebenswert: Nur Menschen, die kein Geld haben, konsumieren nicht. Oder? Vielleicht w\u00e4re das ja einen Selbsttest wert. 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