{"id":1473,"date":"2014-01-27T15:13:53","date_gmt":"2014-01-27T14:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1473"},"modified":"2014-02-01T16:54:32","modified_gmt":"2014-02-01T15:54:32","slug":"mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-8-schon-wieder-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-8-schon-wieder-essen\/","title":{"rendered":"Mein Dutzend Gr\u00fcnde f\u00fcr politisches Engagement: 9 &#8211; schon wieder Essen"},"content":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen.<br \/>\nIch habe ein Dutzend Gr\u00fcnde gefunden um mich politisch zu engagieren. Heute ist der achte Grund an der Reihe, es geht diesmal um Fisch.<\/p>\n<p>53% der Fischbest\u00e4nde sind am Limit, 30% sind \u00fcberfischt. Daher stammt ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil aus Aquakulturen. Diese sind alles andere als umweltfreundlich. Hier ein paar Zahlen aus einer spannenden Doku auf arte (&#8222;Auf der Suche nach dem gl\u00fccklichen Fisch&#8220;).<\/p>\n<p>25% des weltweiten Fischbestandes landet in der Fischmehlproduktion, am meisten in Peru und Chile. Dort sind auch die riesigen Aquakulturen, die daf\u00fcr sorgen, dass wir in Europa im Supermarkt den Lachs kaufen, von dem wir glauben, dass er von feschen Fischern in glasklaren Fl\u00fcssen mittels Fliegenfischen gefangen wurde.<br \/>\nDie Wahrheit sieht leider anders aus.<\/p>\n<p>80% der Makrelenbest\u00e4nde weltweit sind kollabiert oder nahe dran. Die Aquakulturen l\u00f6sen das \u00dcberfischungsproblem nicht, sie verst\u00e4rken es. Fischmehlerzeugung ist ineffizient, aber sie unterliegt keinerlei Fangbeschr\u00e4nkungen, ganz im Gegenteil zum klassischen Fischfang. Um 1 Kilo Lachs zu bekommen, muss man 6 Kilo Fisch zuf\u00fcttern.<\/p>\n<p>Die Lachsfarmen bringen das Meer um. Es gibt zu viele und sie bauen so dicht, dass es keinen Wasseraustausch mehr gibt. Die Fische ersticken, das Meer wird zu einer stinkenden Kloake und die hochprofitable Industrie zieht eine Bucht weiter. Ihr geht es ausschlie\u00dflich um Profitmaximierung, der Schaden an der Umwelt muss von ihr nicht bezahlt werden und erh\u00f6ht somit den Profit.<\/p>\n<p>Es geht \u00fcbrigens auch anders. In Frankreich etwa gibt es bio-Fischzucht. Das ist zwar nicht so bio wie ich mir das vorstelle, aber ein deutlicher Unterschied zu Chile. F\u00fcr 1 Kilo Wolfsbarsch oder Dorade braucht man 1,5 kg Futter, das zu ca. 50% aus Fischmehl besteht, der Rest ist Getreide. Somit entsteht mehr Fisch als Fisch zugef\u00fcttert wird. Immerhin, ein deutlicher Fortschritt.<br \/>\nDer eigentliche Trick besteht jedoch darin, dass die Umgebung mit einbezogen wird. Durch die wesentlich geringere Dichte sind die Fische in den K\u00e4figen nicht gestresst. Das Futter, das sie nicht fressen, f\u00e4llt nach unten und wird dort von wild lebenden Fischschw\u00e4rmen verwertet. Diese kommen nur, weil das Wasser klar ist und weil sie dort nicht gefischt werden. Daf\u00fcr sorgen die Z\u00fcchter und so entsteht eine Win-Win-Situation.<br \/>\nNat\u00fcrlich wollen die Bio-Z\u00fcchter auch Geld verdienen, aber sie schauen eben nicht NUR auf den kurzfristigen Profit sondern auch darauf, dass sie an einem Ort lange bleiben k\u00f6nnen. Das geht nur, wenn man ihn nicht zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Noch klarer wird der Unterschied, wenn man sich das Marketing ansieht. Im Gegensatz zu Wildfang wissen die K\u00e4ufer, wo der Fisch herkommt, wann er gefangen wurde und sie k\u00f6nnen mit gleich bleibender Qualit\u00e4t rechnen. Spitzenk\u00f6che ver\u00e4ndern ihre Vorlieben und kaufen diese Art von Fisch. Daher kann ein Kilo auch 25 Euro kosten. Hier ist endlich auch einmal ein klarer Qualit\u00e4tsunterschied im Preis erkennbar &#8211; um 4 Euro das Kilo kann es einfach keinen Lachs aus nachhaltiger Zucht geben. Diese verwendet \u00fcbrigens keine Antibiotika und andere Chemikalien, die in der industriellen Fischzucht nicht nur \u00fcblich, sondern Teil des Prozesses sind.<\/p>\n<p>Eine weitere Alternative ist die Fischzucht an Land, in so genannten Kreislaufanlagen. Vorteile: Keine Meeresverschmutzung, keine Antibiotika, daf\u00fcr aber Nachteile wie hohe Energiekosten und nach wie vor der Einsatz von Fischmehl, wenngleich durch Forschungen hier auch schon Bio-Abf\u00e4lle zum Einsatz kommen, etwa aus der Raps\u00f6lproduktion.<\/p>\n<p>Es wird nicht leicht sein, diese Dynamik zu beenden. Meine politische Forderung ist auch hier eine nach Transparenz und Aufkl\u00e4rung. Ich m\u00f6chte, dass auf der Verpackung erkennbar ist, woher der Fisch kommt, womit er gef\u00fcttert wurde, welche und wie viele Medikamente zum Einsatz kamen, die zus\u00e4tzlichen Chemikalien (Rosa Farbstoff beim Lachs etc.) sowie die Art und Weise des Transports. Dann k\u00f6nnte ich entscheiden, was ich kaufen will und was nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen. 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