{"id":1480,"date":"2014-02-01T16:52:33","date_gmt":"2014-02-01T15:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1480"},"modified":"2014-02-01T17:25:35","modified_gmt":"2014-02-01T16:25:35","slug":"mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-10-moderne-sklaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/mein-dutzend-gruende-fuer-politisches-engagement-10-moderne-sklaven\/","title":{"rendered":"Mein Dutzend Gr\u00fcnde f\u00fcr politisches Engagement: 10 &#8211; Moderne Sklaven"},"content":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen.<br \/>\nIch habe ein Dutzend Gr\u00fcnde gefunden um mich politisch zu engagieren. Heute ist der zehnte Grund an der Reihe, es geht diesmal um die Sklavenarbeit f\u00fcr die Rohstoffgewinnung.<\/p>\n<p>Wieder einmal ist eine Arte-Doku Ausl\u00f6ser f\u00fcr meine \u00dcberlegungen. &#8222;Sklavenarbeit&#8220; hei\u00dft der Film von Tillman Achtnich und beschreibt den Weg der Rohstoffe, die wir in unseren elektronischen Ger\u00e4ten haben. Ich \u00fcbrigens auch.<br \/>\nGesch\u00e4tzt 100 Millionen Menschen arbeiten weltweit in kleinen Minen, die meisten davon unter sehr schlechten Bedingungen. Sie sind als Tagel\u00f6hner besch\u00e4ftigt, haben keinerlei soziale Absicherung und verdienen so wenig, dass sie gerade mal \u00fcberleben k\u00f6nnen. Sie schuften dazu noch unter extrem gef\u00e4hrlichen Bedingungen, weil bei all diesen Minen am Thema Sicherheit gespart wird. Au\u00dferdem ist die Arbeit fast zur G\u00e4nze manuell und ohne Maschinen zu erledigen.<\/p>\n<p>Okay, das ist jetzt nichts Neues und wenn man voller Vorfreude zwischen Android und iPhone gustiert, dann m\u00f6chte man nicht wissen, woher die darin verbauten Rohstoffe kommen.<br \/>\nUnd genau da gilt es anzusetzen. Wieso ist die Ausbeutung der Menschen in diesem Bereich weniger schlimm als in der Landwirtschaft? Sie arbeiten unter gleich schlechten oder noch schlechteren Bedingungen. <\/p>\n<p>Ich wage mich an die Ursachen, die nat\u00fcrlich schwer beweisbar sind, aber die Indizien sprechen daf\u00fcr:<br \/>\n1.) Die elektronischen Ger\u00e4te wecken Begehrlichkeit. Sie sind sch\u00f6n, man kann sie verwenden und sie schaffen gesellschaftlichen Status. Wer das neueste Handy hat ist der tollste Hecht im Teich, das gilt vor allem bei den jeweiligen Zielgruppen.<br \/>\n2.) Die Sklaven sind weit weg, im Falle von Bolivien fast am anderen Ende der Welt. Man kennt sie nicht und wer sich nicht sp\u00e4tabends die Doku ansieht, erf\u00e4hrt auch nichts von ihnen.<br \/>\n3.) Es ist nichts zu essen, daher geht es uns k\u00f6rperlich nicht so &#8222;nahe&#8220; wie Lebensmittel. Die Gifte oder Problemstoffe, die in elektronischen Ger\u00e4ten enthalten sind, gelangen nicht offensichtlich in mich hinein. Daher ist mir die Herstellung auch nicht so wichtig.<br \/>\n4.) Vielfach handelt es sich um Gebrauchsgegenst\u00e4nde, die wie selbstverst\u00e4ndlich zu unserem Leben geh\u00f6ren. Niemand m\u00f6chte auf seine Waschmaschine verzichten. Man achtet eventuell noch auf den Stromverbrauch oder &#8211; selten &#8211; auf die Haltbarkeit, eher schon auf das Design und die Marke, mit der man am Stammtisch punkten kann. Niemand interessiert sich f\u00fcr das Zehntelgramm Gold, das drinnen auf einer unsichtbaren Platine verbaut ist.<\/p>\n<p>Der interessanteste Aspekt ist f\u00fcr mich die Verbindung vom K\u00e4ufer zum Sklaven. Was steckt da dazwischen?<br \/>\nDie Antwort ist auch hier eigentlich gar nicht so schwer: der Markt bestimmt die Regeln. Ob ein Hersteller elektronischer Ger\u00e4te das Wolfram aus einer modernen Industriemine in den USA bezieht oder aus der Kooperative in Bolsa Negra, Bolivien, ist ausschlie\u00dflich eine Frage des Preises. Da den Kunden die Herstellungsbedingungen egal sind und der Hersteller ein ausschlie\u00dflich profitgetriebenes Unternehmen ist, fallen die Entscheidungen nicht schwer. Die Konkurrenzsituation sowie die Gier der KonsumentInnen nach billigeren Ger\u00e4ten ist der Motor f\u00fcr die immer weiter drehende Spirale: Wer auf die sozialen Bedingungen achtet, kauft teurer, produziert teurer und hat somit einen h\u00f6heren Preis. Das macht man maximal ein Mal, wenn man es \u00fcberhaupt \u00fcberlebt.<br \/>\nDie Arbeiter und Arbeiterinnen sind \u00fcbrigens echte Lohnsklaven, Menschenmaterial, das man nach Gebrauch entsorgt. Sie halten die Arbeit nur aus indem sie Koka-Bl\u00e4tter kauen und Schnaps trinken. Sie werden oft und schnell krank oder sterben bei bzw. durch die Arbeit. Es gibt keine Krankenh\u00e4user, keine warme Kleidung, keine Pension und keine Arbeitslose. Es gibt nur die t\u00e4gliche Arbeit bis es nicht mehr geht. Daher versuchen diese Menschen so viel zu arbeiten, dass zumindest ihre Kinder diesem Schicksal entrinnen.<br \/>\nUnd wir freuen uns, dass es das neue iPhone jetzt im Sonderangebot gibt. Und ja, die direkte Verbindung zu den leidenden und als Sklaven schuftenden Menschen ist gegeben, auch wenn uns das nicht gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Ein zweiter Antreiber ist die Suche nach Kostenminimierung: Wo bekomme ich etwas, das ich f\u00fcr meine Gesch\u00e4fte brauche, billig oder gratis? Ein Gro\u00dfteil der Wirtschaft lebt von der Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen. Das ist auch im Bergbau nicht anders. Meistens geh\u00f6ren diese Ressourcen eigentlich allen, aber einige wenige bekommen (wie auch immer und woher auch immer) das Recht sie auszubeuten, abzubauen oder zu ernten. Eigentlich w\u00fcrden die Gewinne auch allen geh\u00f6ren, aber die wenigen Menschen, die davon reich werden, verwenden diesen Reichtum, um daf\u00fcr zu sorgen, dass die Allgemeinheit nichts davon bekommt.<br \/>\nIn S\u00fcd-Kivu hat etwa die Kanadische Bergbaugesellschaft die Sch\u00fcrfrechte und streift somit alle Gewinne ein. S\u00fcd-Kivu liegt aber nicht in der Provinz Alberta und auch nicht in der N\u00e4he von Ottawa, sondern im Kongo. Wem bringt es etwas, dass die Rohstoffe somit nicht den Kongolesen, sondern einer kanadischen Firma geh\u00f6ren? Die Antwort ist einfach: einigen korrupten Politikern sowie den Eigent\u00fcmern der kanadischen Firma. Das war es auch schon, denn die Bev\u00f6lkerung im Kongo profitiert nicht davon. Hier z\u00e4hlt auch nicht das Argument, dass die Kanadier Arbeitspl\u00e4tze schaffen w\u00fcrden, denn die g\u00e4be es ohne die Kanadier auch, da diese hier nichts investieren, sondern nur ausbeuten und abkassieren. <\/p>\n<p>Warum wehren sich die Leute nicht, vertreiben die Kanadier samt Politikern und bauen selbst einen florierenden und sicheren Bergbau auf? Die Antwort besteht aus mehreren Faktoren, die zusammen kommen:<br \/>\n1.) Es fehlt den Menschen an Bildung um sich professionell zu organisieren.<br \/>\n2.) Sie sind in einer Schuldenspriale und k\u00f6nnen nicht einfach aufh\u00f6ren, weil sie sonst von korrupten Polizisten oder Milit\u00e4rs verpr\u00fcgelt oder umgebracht werden. Somit fehlt es ihnen auch an Geld um sich zu wehren. Wer nicht genug zu Essen hat, ist auch zu schwach um sich zu wehren.<br \/>\n3.) Es gibt in all diesen L\u00e4ndern keine Demokratie und wenn, dann ist sie nicht echt. Die Menschen haben entweder kein Wahlrecht oder keine Wahl.<\/p>\n<p>Das ist diesmal meine politische Forderung: <strong>Was allen geh\u00f6rt, soll auch allen was bringen. Wer Ressourcen abbaut oder erntet, hat ein Recht auf ordentliche Entlohnung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik ist die Kunst der Gesellschaft. Menschen leben nur dann friedlich in Gemeinschaften, wenn ihre unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden. Diese Vermittlungst\u00e4tigkeit nennt man meinem Verst\u00e4ndnis nach &#8222;Politik&#8220;. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen. 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