{"id":1550,"date":"2014-05-18T23:16:54","date_gmt":"2014-05-18T22:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1550"},"modified":"2014-08-27T14:32:07","modified_gmt":"2014-08-27T13:32:07","slug":"welcome-to-the-hotel-california-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/welcome-to-the-hotel-california-2\/","title":{"rendered":"Welcome to the Hotel California!"},"content":{"rendered":"<p>Also eigentlich war ich ja gar nicht in Kalifornien, sondern in Mayerling. Das ist der Ort, an dem sich schon Kronprinz Rudolf die Kugel gegeben hat und seine Mary Vetsera hat er gleich mitgenommen in die ewigen Jagdgr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Ich war dort um zu arbeiten, genauer gesagt um eine Klausur zu moderieren. Mayerling im Mai &#8211; leider zu den Eisheiligen, was aber wenig Auswirkungen hatte, denn die Klausur fra\u00df sowieso die gesamte Zeit auf.<\/p>\n<p>Ich war vor zehn Jahren schon einmal dort, im damals brandneu er\u00f6ffneten Hotel Hanner. Das war irgendwie ein bizarrer Besuch, denn es gab derma\u00dfen viele St\u00f6rf\u00e4lle, dass wir eine halbe Stunde des Seminars opferten, um die gr\u00f6bsten Schnitzer des Hotels zu sammeln. Ich habe sie sp\u00e4ter der Wirtin geschickt und bekam sogar einen Essensgutschein f\u00fcr zwei Personen, den ich leider mangels passender Begleitung nie eingel\u00f6st habe.<\/p>\n<p>Ich war gespannt, was daraus geworden war. Die Lage ist malerisch, im h\u00fcgeligen Alpenvorland, eigentlich noch mitten im Wienerwald bzw. seine s\u00fcdlichen Ausl\u00e4ufern. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/1.jpg\" title=\"1\" alt=\"1\" \/><\/center><\/p>\n<p>Es wurde inzwischen umbenannt, und zwar in &#8222;Relais &#038; Chateaux Hanner&#8220; &#8211; was auch immer das zu bedeuten hat. Das &#8222;Chateau&#8220; ist jedenfalls das Schloss, das in diesem Fall noch ein &#8222;X&#8220; dazu bekommen hat. Ein &#8222;Relais&#8220; ist eigentlich eine Staffel (im Sinne von Staffellauf). Die Verbindung bedeutet eigentlich gar nichts, aber &#8222;Relais &#038; Chateaux&#8220; ist ein Marketingprogramm verschiedener Hotelrestaurants auf der ganzen Welt (&#8222;500 von Charme gepr\u00e4gte Hotels und Gourmet-Restaurants, um die Welt zu entdecken&#8220;). Der Hanner ist Teil davon.<br \/>\nMarketing und der sch\u00f6ne Schein ist alles. Oder aber man findet folgenden Balkon &#8222;charmant&#8220;:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/2.jpg\" title=\"2\" alt=\"2\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ich geh\u00f6re nicht zu diesen Menschen, sehr wohl aber zu der Gruppe, die gutes Essen zu sch\u00e4tzen wei\u00df. Und wir haben die beiden Tage (2 x Mittag, 1 x Abend, 1x Fr\u00fchst\u00fcck) sehr gut gegessen. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es Br\u00fcstchen an Sch\u00e4umchen, das ist nun einmal so in der Gourmet-K\u00fcche. Ein wenig Chi-Chi mit Verzierungen hier und kleinen H\u00e4ppchen dort. Winzige Portionen, extrem aufw\u00e4ndig zubereitet, wenngleich ich fairnesshalber sagen muss, dass ich nie hungrig geblieben bin. Am Abend lag das an meinem Tischnachbarn, der kein Fleisch isst. Ich durfte es erben und mir einwerfen.<br \/>\nDie K\u00fcche hat ihren guten Ruf eindeutig zu Recht, wenngleich die Bedienung ein wenig zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Das Servierpersonal ist in eine Art schwarzen Shogun-Dress gekleidet, aber nur selten zu Gesicht zu bekommen, vor allem zwischen den Mahlzeiten.<br \/>\nPunkto Essenszeiten erwies sich das Hotel als flexibel, auch hier darf Lob nicht fehlen.<\/p>\n<p>Als ich vor zehn Jahren meine Liste abgab, war einer der Punkte die Beschilderung der Zimmer und Stockwerke. Die gab es damals nur auf Englisch und auf meine Frage, ob hier auch G\u00e4ste willkommen w\u00e4ren, die nicht Englisch sprechen, gab es gro\u00dfes Schweigen. Aber sie haben gelernt, zumindest was diesen Punkt betrifft:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/3.jpg\" title=\"3\" alt=\"3\" \/><\/center><\/p>\n<p>Damals war alles unfassbar erschlagen von Design. An jeder Ecke etwas noch Originelleres als in der Ecke daneben. Mit den Ecken haben sie es sowieso, keine Ahnung warum. Und leider manchmal st\u00f6rend, etwa wenn die Funktion eine schwere k.o.-Niederlage gegen das Design erlebt. Beispiele daf\u00fcr sind zahlreich und an jeder Ecke zu bestaunen. Hier etwa die Duschecke:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/4.jpg\" title=\"4\" alt=\"4\" \/><\/center><\/p>\n<p>Man kann es auf dem Bild nicht ganz erkennen, aber die Dusche ist in eine Ecke gebaut, und zwar absichtlich, denn man h\u00e4tte es dort auch anders bauen k\u00f6nnen. So muss sich der Duschwillige in eine Ecke zw\u00e4ngen, um etwas Wasser abzubekommen. Das \u00fcbrigens lauwarm war, und zwar auch in anderen Zimmern. Daf\u00fcr war der Duschkopf enorm designed.<br \/>\nDem Fass den Boden schl\u00e4gt seit zehn Jahren die Glasscheibe zwischen Bett und Dusche aus. Vielleicht war ja der Architekt seinerzeit unsterblich verliebt, jedenfalls m\u00fcssen seitdem die G\u00e4ste ihren Frauen oder M\u00e4nnern beim Duschen zusehen, in manchen Zimmern auch beim Sche&#8230;, denn da ist das Klo ins Bad integriert.<\/p>\n<p>Wer das eckige Duscherlebnis hinter sich bringt, darf im Anschluss daran gleich kneipen. Da es zwischen Dusche und dem restlichen Bad keinerlei Hindernis f\u00fcr das Wasser gibt, schwimmt alles binnen einer Minute und rinnt auch nicht so schnell wieder ab.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/5.jpg\" title=\"5\" alt=\"5\" \/><\/center><\/p>\n<p>Als Ausgleich gibt es zwei Duschgels. Das eine in einer kleinen Flasche, das andere in einer Art Seifenspender direkt unter der Dusche. Man kommt also duschwillig ins Bad, sieht die Fl\u00e4schchen, reisst eines auf und sieht anschlie\u00dfend den Duschgelspender. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/6.jpg\" title=\"6\" alt=\"6\" \/><\/center><\/p>\n<p>Mein Lieblingsdesignfehler ist der um 90 Grad vesetzte Spiegel zum Rasieren. Normalerweise h\u00e4ngt er oberhalb des Waschbeckens und erlaubt eine Genussrasur. Im Hanner h\u00e4ngt er einen knappen Meter entfernt ums Eck. Rasieren ist nur mehr was f\u00fcr Zirkusk\u00fcnstler. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.05.18_hanner\/7.jpg\" title=\"7\" alt=\"7\" \/><\/center><\/p>\n<p>Wieder einmal gilt der alte Spruch: Man sollte Architekten dazu zwingen eine Zeit lang in den Geb\u00e4uden zu wohnen, die sie selbst entworfen haben.<br \/>\nIch konnte auch diesmal wieder eine Verbesserungsidee deponieren: Es w\u00e4re fein, wenn es am Fr\u00fchst\u00fcckstisch einen Beh\u00e4lter g\u00e4be, in den man den Teebeutel und andere Tischabf\u00e4lle hinein werfen k\u00f6nnte. Er wurde dankend angenommen und ich freue mich schon darauf, wenn ich in zehn Jahren wieder zu Gast bin. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also eigentlich war ich ja gar nicht in Kalifornien, sondern in Mayerling. Das ist der Ort, an dem sich schon Kronprinz Rudolf die Kugel gegeben hat und seine Mary Vetsera hat er gleich mitgenommen in die ewigen Jagdgr\u00fcnde. 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