{"id":158,"date":"2009-06-10T08:07:13","date_gmt":"2009-06-10T07:07:13","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=158"},"modified":"2009-06-10T08:07:13","modified_gmt":"2009-06-10T07:07:13","slug":"die-ganze-welt-ist-eine-werbeplattform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/die-ganze-welt-ist-eine-werbeplattform\/","title":{"rendered":"Die ganze Welt ist eine Werbeplattform!"},"content":{"rendered":"<p>In der Werbebranche wird gejammert, dass die Konsumenten immer weniger auf Werbung reagieren. Es wird aber nicht nur gejammert, sondern man erfindet neue Formen bzw. &#8222;verbessert&#8220; alte.<\/p>\n<p>Das Ziel: Doch noch Aufmerksamkeit zu erregen (wirkt auf mich schon etwas h\u00e4nderingend: bitte, bitte, bemerkt doch unsere neuen Werbungen &#8211; &#8222;kauft doch&#8220; trauen sie sich eh schon fast nicht mehr sagen), aus der Flut der anderen Werbungen herauszustechen, nach dem allerletzten USP zu suchen.<\/p>\n<p>Hier eine Zusammenfassung der Trends und Initiativen:<\/p>\n<p>1.) Gr\u00f6\u00dfer, NOCH GR\u00d6\u00dfER &#8211; wenn das Kleine nicht mehr wirkt, macht man es gr\u00f6\u00dfer, dann sollten die Konsumenten es doch bemerken. Beispiel: Die Trevision-Fassadentapete &#8211; H\u00e4userfassaden werden gro\u00dffl\u00e4chig angepinselt oder mit mobilen, eingef\u00e4rbten Stoffbahnen versehen. Ein anderes Beispiel sind &#8222;Inflatables&#8220;, also \u00fcberdimensionale Plastikpuppen, die im Wind wackeln und durch Gr\u00f6\u00dfe und Bewegung f\u00fcr Aufmerksamkeit sorgen sollen. Allen bekannt sind die sogenannten &#8222;Megaboards&#8220;, wo allein der Name schon ausdr\u00fcckt, dass der Effekt durch die Gr\u00f6\u00dfe erzielt werden soll.<\/p>\n<p>2.) Neue Fl\u00e4chen finden &#8211; Beispiele sind:<\/p>\n<p>Parkh\u00e4user (dort wird das &#8222;Kommunikationsfl\u00e4chen&#8220; genannt)<\/p>\n<p>Supermarktkassen (der ber\u00fchmte Point Of Sale), Einkaufswagerl,<\/p>\n<p>WCs (der Point Of Shit sozusagen, also Werbung am H\u00e4usl &#8211; in der Fachsprache &#8222;Real Live Marketing&#8220; &#8211; die Werbefachleute sind ganz begeistert und schw\u00e4rmen vom &#8222;werbearmen Umfeld&#8220;, in dem eine &#8222;hohe Aufmerksamkeit garantiert wird&#8220; und die Zielgruppe &#8222;punktgenau und ohne Streuverlust&#8220; erreicht wird),<\/p>\n<p>Autos (LaudaMotion als Beispiel),<\/p>\n<p>Wartezimmer bei \u00c4rzten und in Gesundheitszentren (sehr fies, da muss man hin und kann irgendwie nicht aus),<\/p>\n<p>Bahnh\u00f6fe (ich frage mich, wann die Friedh\u00f6fe entdeckt werden),<\/p>\n<p>Haltestellen (die Werbebildschirme werden &#8222;Infoscreens&#8220; genannt und man bildet sich ein, dass man deswegen von den Konsumenten als &#8222;Informationsmedium&#8220; wahrgenommen wird. Jubelschreie \u00fcber die Reichweite ert\u00f6nen &#8211; kein Wunder, man z\u00e4hlt einfach, wie viele Leute an einer U-Bahn-Haltestelle stehen, summiert das und hat die Reichweite, ganz egal, ob die das wahrnehmen oder nicht) <\/p>\n<p>Musikfestivals (eh schon immer, aber jetzt wird gro\u00dffl\u00e4chig geworben, mit Netzen vor den Lautsprecheranlagen, so dass man gar nicht mehr vorbeischauen kann)<\/p>\n<p>3.) Alle Sinne ansprechen &#8211; Werbefl\u00e4chen werden mit D\u00fcften versehen (irgendwie stinkt mir das) und die Lautsprecherwerbung in den Superm\u00e4rkten wird immer penetranter und lauter (oder bilde ich mir das nur ein?), &#8222;alles da, da, da&#8220; pl\u00e4rrt es mir in Dauerberieselung im Interspar entgegen, was meine Halbwertszeit im Supermarkt deutlich reduziert (so schnell wie meinereiner schafft es inzwischen niemand durch die G\u00e4nge zu flitzen!) In der Fachsprache werden diese penetranten Methoden \u00fcbrigens &#8222;intelligente Werbemittel&#8220; genannt und man bildet sich ein, dass die Kunden so noch vor dem grandiosen, eigentlichen Einkaufserlebnis bereits auf ebendieses &#8222;eingestimmt&#8220; werden. Bei mir l\u00f6st das \u00fcbrigens Ver-stimmung aus.<\/p>\n<p>Die Werbebranche jubelt: Leere Fl\u00e4chen g\u00e4be es noch genug!<\/p>\n<p>4.) Aktiv auf die Menschen zugehen &#8211; man bekommt an jedem Eck einen Flyer in die Hand gedr\u00fcckt, der irgendwas bewirbt. Bewirken tun diese Flyer meist \u00fcbervolle Papierk\u00f6rbe in der Verteilungsumgebung. <\/p>\n<p>Ich habe das Gef\u00fchl, dass bald die halbe Welt bunt angepinselt, &#8222;gebrandet&#8220;, beklebt, beduftet bzw. bestunken und beschallt wird &#8211; und hoffe, dass sich dieser Trend nicht durchsetzt. Mir pers\u00f6nlich geht das eher auf die Nerven, als dass es mich dazu anregt, die Produkte zu kaufen, die da beworben werden. <\/p>\n<p>Aber vielleicht bin ich ja nicht die Zielgruppe.<\/p>\n<p>Was die Werber vergessen oder gerne \u00fcbersehen: Mehr und gr\u00f6\u00dfer bedeutet nicht besser. Zitat von Mark Twain: &#8222;Als wir den Weg aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen&#8220; &#8211; irgendwann tritt auch bei Riesenplakaten oder Multi-Sinnes-Bombardierung eine S\u00e4ttigung ein, man nimmt das dann einfach nicht mehr wahr. Vielleicht sollte man \u00fcber die Sinnhaftigkeit nachdenken, vielleicht f\u00fchrt ja die Krise auch zu einer quasi &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Reduktion des Irrsinns. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Werbebranche wird gejammert, dass die Konsumenten immer weniger auf Werbung reagieren. Es wird aber nicht nur gejammert, sondern man erfindet neue Formen bzw. &#8222;verbessert&#8220; alte. 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