{"id":1620,"date":"2014-07-16T13:56:10","date_gmt":"2014-07-16T12:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1620"},"modified":"2014-08-25T21:28:16","modified_gmt":"2014-08-25T20:28:16","slug":"der-ronny-ist-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/der-ronny-ist-nicht-mehr\/","title":{"rendered":"Der Ronny ist nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ich bin eine Northern Soul Schlampe&#8220; hat der Ronny manchmal gesagt. Und gegrinst. Und einen Schluck von seinem Bier genommen und einen tiefen, genussvollen Zug von seiner Zigarette. <\/p>\n<p>Montag Abend hat er sich in den Northern Soul-Vespa-Lambretta-Mod-Himmel abgeseilt &#8211; oder eigentlich eher aufgeseilt, denn sein Blick ging die letzten Stunden seines Lebens nach oben.<\/p>\n<p>Irgendwann vor ca. zehn Jahren hat mir mein lieber Freund Schubi im Vespa-Gespr\u00e4ch geraten: geh doch zum Ronny! Er h\u00e4tte eine Werkstatt in der Heiligenst\u00e4dter Stra\u00dfe und w\u00fcrde mir sicher bei meinen Vespa-Problemen helfen. Damals konnte ich noch nicht zangeln. Ich kannte ja den Ronny noch nicht, oder zumindest fast nicht, wie sich bald herausstellen sollte.<br \/>\nAlso rief ich ihn an und er meinte, ich solle doch einfach am Abend vorbei kommen, er w\u00e4re eh da. &#8222;Servas, i bin der Ronny. Schieb einfach deine Vespa herein.&#8220; Als ich die Sprint das erste Mal \u00fcber die Schwelle der Galeria hievte, wusste ich noch nicht, welch gute Freundschaft in den n\u00e4chsten Jahren mein Leben bereichern w\u00fcrde.<br \/>\n&#8222;Pfau, da schau i oba&#8220; waren Ronnys Worte, als er die Sprint in ihrem Mod-Style sah.<br \/>\nDann war es eine Sache von Minuten bis wir wussten, dass Ronny ein Jugendfreund meines Bruders war und ich ihn damals nat\u00fcrlich auch kannte, wenngleich so fl\u00fcchtig, dass die Erinnerungen nur sehr vage waren oder \u00fcberhaupt dem Wunschdenken entsprangen.<br \/>\nRonny war Mod. Ronny war Vespa-Fahrer. Und ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mensch. Au\u00dferdem war er noch Bilanzbuchhalter, liebevoller Vater, einer der besten Zangler auf Lambretta und Vespa, und auch starker Raucher. Leider.<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich und ernst, launisch und beruhigend, sanft und brutal &#8211; Ronny war ein Mensch mit breitem Spektrum, den nicht nur seine Roller, sondern auch das Leben schon ordentlich durchgebeutelt hatten. Vor etwas mehr als zehn Jahren musste er mit dem Tod seines Vaters zurecht kommen. Diese Breitseite hat er irgendwie nie ganz verkraftet, vielleicht begann damals sein Lieb\u00e4ugeln mit dem Tod.<br \/>\nEr war auch ein Suchender &#8211; lange Jahre nach der richtigen Frau, selbstverst\u00e4ndlich st\u00e4ndig nach guten, raren Lambretta-Teilen, dem n\u00e4chsten k\u00fchlen Bier, der n\u00e4chsten Tschik und nach so etwas wie dem Sinn des Lebens. In den letzten Jahren nahm seine Spiritualit\u00e4t best\u00e4ndig zu, an langen Abenden zu zweit in der Galeria durfte ich hin und wieder in der ersten Reihe vor der B\u00fchne von Ronnys Leben Platz nehmen.<br \/>\nDie Suche bringt Sucht, zumindest manchen Menschen. Er war einer von diesen und sein Bruder Bobby meinte gestern: &#8222;Der Ronny hat sein Leben viele Jahre mit Vollgas gelebt.&#8220; Wir konnten uns dann einigen, dass er &#8222;in echt&#8220; ca. 70 Jahre alt wurde.<br \/>\nTrotzdem sind uns die 46, die es dann doch waren, deutlich zu wenig. Er ist zu fr\u00fch gegangen, zumindest aus der Sicht der Zur\u00fcckbleibenden. Es w\u00e4re nicht fair, meinte Bobby, dass Ronny gehen musste und nicht er. Das Schicksal kennt aber keine Fairness.<\/p>\n<p>Vor einem halben Jahr erfuhr ich, dass mein lieber Freund Christian schwer an Krebs erkrankt war. Noch am selben Tag rief mich Ronny an und meinte, er m\u00fcsse mir leider mitteilen, dass er Speiser\u00f6hrenkrebs h\u00e4tte.<br \/>\nRonny war der beste B\u00e4cker der Stra\u00dfe.<br \/>\nChristian war der beste Zuckerb\u00e4cker der Stra\u00dfe und hatte viel von Ronny gelernt.<br \/>\nUnd ich habe viel von beiden gelernt, Tipps und Tricks &#8211; eigentlich das meiste, was ich heute kann, wenn ich an Vespas herumzangle. Durch ihn kam ich \u00fcberhaupt erst auf den Geschmack, durch die zahllosen Abende in der Galeria, wo wir bei einem guten Bier Motoren zusammen bauten und Elektrik-Probleme diskutierten, bis die K\u00f6pfe rauchten. Im folgenden Bild sehen wir Ronny beim Nacht-Lackieren des Lamy-Lenkerkopfs, im Scheinwerferkegel meiner Honda.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/lackieren.jpg\" title=\"lackieren\" alt=\"lackieren\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ohne seine Anleitungen und Tricks, f\u00fcr die er nie einen Cent verlangte, w\u00e4re in mir vielleicht nie die Leidenschaft entstanden. Wie oft habe ich ihn angerufen und er hat mir erkl\u00e4rt, wie ich etwas richtig einbauen oder Kabel korrekt anstecken kann. Er wusste eigentlich immer was zu tun war, konnte ein Problem gut analysieren, eingrenzen und hatte jede Menge spezielle M\u00f6glichkeiten. Seine Schwei\u00dfn\u00e4hte waren nie sch\u00f6n &#8211; aber immerhin, er konnte schwei\u00dfen:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/schweissen.jpg\" title=\"schweissen\" alt=\"schweissen\" \/><\/center><\/p>\n<p>Notfalls funktionierte immer das Universalwerkzeug, wie auf dem folgenden Bild:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/hammer.jpg\" title=\"hammer\" alt=\"hammer\" \/><\/center><\/p>\n<p>Martina wurde die Mutter seiner Tochter Ani, die jetzt gute drei Jahre alt ist. Ein zuckers\u00fc\u00dfes Dirndl, dessen Erwachsenwerden Ronny gerne miterlebt h\u00e4tte. Sehr gerne, daher hat er auch nicht aufgegeben, als ihn die \u00c4rzte &#8211; genauer gesagt: die Schulmediziner &#8211; aufgegeben hatten.<br \/>\nJammerschade, dass er den anderen Weg nicht mehr rechtzeitig einschlagen konnte. Erst nachdem sie ihn aufgeschnitten hatten, fing der Krebs in seinem D\u00fcnndarm zu wuchern an, was schlie\u00dflich seinen K\u00f6rper so zerst\u00f6rte, dass auch die alternativen Versuche nichts mehr n\u00fctzten. Binnen weniger Wochen ging es zu Ende.<br \/>\nRonny ist einer der zahlreichen F\u00e4lle, die den G\u00f6ttern in wei\u00df zeigen, wo ihre Grenzen sind und dass sie bei manchen Erkrankungen besser die Finger davon lassen sollten.<br \/>\nWir wissen nicht, ob Ronny noch leben w\u00fcrde, w\u00e4re er an dem Tag nicht ins Krankenhaus gefahren. Er war kr\u00e4ftig, voller Tatendrang und hatte noch schnell mit Christian Bosich seine Lambretta fertig gebaut &#8211; oder zumindest fast fertig, aber sie lief schon. Das ist ein Bild davon, mit diesem Roller wollte er nach seiner Genesung den Jakobsweg fahren, wie er mir vor einiger Zeit sehr emotionsgeladen erz\u00e4hlt hatte:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/lamy.jpg\" title=\"lamy\" alt=\"lamy\" \/><\/center><\/p>\n<p>Nach der Operation hatte er eine riesige Wunde im Bauch, einen Krankenhauskeim (lange Zeit unentdeckt) und erholte sich nie wieder. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle nicht all das erz\u00e4hlen, was ich im AKH alles mit ihm erlebt habe, es macht nur w\u00fctend und traurig. \u00dcber den Zynismus, mit dem sie Menschen sterben schicken, nur weil sie selbst mit ihren Methoden am Ende sind, werde ich ein andermal hier in diesem Weblog schreiben.<br \/>\nRonny war auch w\u00fctend und entt\u00e4uscht, er f\u00fchlte sich allein gelassen und mies behandelt. Als er dann ins St. Elisabeth Spital auf die Palliativstation kam, wurde das anders. Dort behandelten sie ihn menschlich und mit der W\u00e4rme, die schwer kranken Menschen zusteht. Vor seinem Fenster stand ein gro\u00dfer Maulbeerbaum und die Schwestern k\u00fcmmerten sich r\u00fchrend um ihn.<br \/>\nWir hatten die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben und ich schmiedete mit ihm gemeinsam Pl\u00e4ne, wie wir die Lamy durchs Pickerl bekommen und danach anmelden k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Ronny war Mod. Nicht einfach nur irgend ein Mod, sondern einer der zentralen Figuren in der Szene der 1980er, rund um den Donnerbrunnen. Kaum einer, der Ronny nicht kannte. Er lebte &#8222;Modernist&#8220; sein durchgehend, mit feinen Anz\u00fcgen aus den Sixties, Parka und Motorroller.<br \/>\nDas folgende Foto zeigt ihn vor der Galeria bei einem Fototermin f\u00fcr einen Kurier-Artikel:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/parka.jpg\" title=\"parka\" alt=\"parka\" \/><\/center><\/p>\n<p>Er fuhr zu zahllosen Scooterruns bis nach Schottland und sonstwohin. Er schlief im Stra\u00dfengraben, eingewickelt in seinen Parka und achtete darauf, dass der feine Anzug nicht verknitterte. Er hasste Skinheads und Neonazis und hatte in seiner Jugend so manche Pr\u00fcgelei \u00fcberstehen m\u00fcssen, einsteckend und austeilend. Mod sein ist eine Stilfrage und Ronny hatte Stil, zweifellos. Selbst ein Trainingsanzug hatte bei ihm etwas stilvolles, wie auch immer er das anstellte. Hier ein Foto vom Donnerbrunnen, als sich die &#8222;Alt-Mods&#8220; zu einem kleinen Stelldichein versammelten:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/donnerbrunnen.jpg\" title=\"donnerbrunnen\" alt=\"donnerbrunnen\" \/><\/center><\/p>\n<p>Nicht vergessen d\u00fcrfen wir auf die Musik, die spielt im Leben der Mods eine gro\u00dfe Rolle. Neben den Klassikern der Mod-Szene der 1980er (The Who, Madness etc.) ist das vor allem die Northern Soul Musik. Die Soul-Musik war in den Urzeiten der Modbewegung, also in den 1950ern, die eigentlich stilpr\u00e4gende Musik, die sp\u00e4ter dann von modernerer Musik abgel\u00f6st wurde. Nur im Norden von England sprach sich das nicht so schnell herum und dort wurde weiterhin die Soul-Musik in der Fr\u00fchvariante gespielt, daher nannte man sie dann eben &#8222;Northern Soul&#8220;.<br \/>\nHier zwei von Ronnys Lieblingsnummern:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"720\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2mddNf54qAY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"720\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aMh6csHRFL8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Wiener Northern Soul Szene (ja, die gibt es!) wird ihn fast genauso vermissen wie die Rollerszene. Die Galeria war einer der Geheimtipps, wo man an Dienstag Abenden vorbei schauen konnte und mindestens einen guten Tipp bekam, oft wurde spontan einfach der eine oder andere Roller repariert. Wenn ein Ersatzteil n\u00f6tig war, dann hatte Ronny es wahrscheinlich in einer der zahllosen Kisten, die so ungeordnet aussahen, aber das Genie beherrscht das Chaos. Alle anderen brauchen Ordnung. Auch Ronny wollte zum Schluss Ordnung haben und so heiratete er wenige Tage vor seinem Tod noch Martina. Im St. Elisabeth Spital ist das eine der leichteren \u00dcbungen, da es sich um ein Ordensspital handelt. Ronny behielt auch mit der Magensonde, durch die er einen Schlauch aus der Nase h\u00e4ngen hatte, die notwendige W\u00fcrde. Der Schlauch wurde f\u00fcr solche F\u00e4lle ganz einfach hinter das Ohr geklemmt, so what!<br \/>\nIm \u00f6sterreichischen Recht ist das eine wichtige Sache, damit seine Frau und die Tochter ordentlich versorgt sind. Ronny k\u00e4mpfte in den letzten Jahren mit wechselnden Arbeitgebern und auch einer Phase der Arbeitslosigkeit, die er jedoch durch einen guten und nicht unspannenden neuen Job \u00fcberwinden konnte. Er war ein Bilanzbuchhalter der besonderen Sorte und h\u00e4ngte sich immer ordentlich ins Zeug. Er war ein sehr wertvoller, weil ungew\u00f6hnlicher Buchhalter, nicht nur vom Aussehen, auch von der Art der eigenen Auffassung seiner T\u00e4tigkeit. Er schaffte es meistens erfolgreich mit der Steuer zu verhandeln, was ihm Anerkennung einbrachte.<\/p>\n<p>Seine Familie war ihm wichtig, vor allem sein Bruder Bobby, auf den er auch noch in der Zeit seiner Erkrankung aufpasste und mit strenger Miene meinte, ich solle ein ernstes W\u00f6rtchen mit seinem Arbeitgeber reden, auf dass ihn dieser auch ordentlich und p\u00fcnktlich bezahle.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/brueder.jpg\" title=\"brueder\" alt=\"brueder\" \/><\/center><\/p>\n<p>Seine Tochter Ani ist ein entz\u00fcckendes kleines Ding mit einem L\u00e4cheln, das Eisberge verdampfen kann.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/ana.jpg\" title=\"ana\" alt=\"ana\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ihr galt auch seine Aufmerksamkeit und gemeinsam wohnten sie mit Martina im zweiten Bezirk, mit all den H\u00f6hen und Tiefen, die so ein Familienleben zu bieten hat.<br \/>\nDas Bild hab ich beim Holl\u00e4nder aufgenommen, sozusagen Ronnys Stammbeisl:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/stammtisch.jpg\" title=\"stammtisch\" alt=\"stammtisch\" \/><\/center><\/p>\n<p>We watched our friends grow up together<br \/>\nand we saw them as they fell.<br \/>\nSome of them fell into heaven<br \/>\nand some of them fell into hell.<\/p>\n<p>Ronnys dunkle Seite geh\u00f6rte auch zu seinem Leben. Bier bis Oberkante Unterlippe, manchmal an der Grenze des Ertr\u00e4glichen. Und nat\u00fcrlich die Zigaretten. Es waren viele, sehr viele und das \u00fcber sehr viele Jahre. Bis die schw\u00e4chste Stelle nicht mehr konnte, und das war die Speiser\u00f6hre. Und dann der D\u00fcnndarm. Jeder von uns lebt sein Leben und niemand wei\u00df, welche Faktoren mehr wirken und welche weniger. Manche werden hundert Jahre und andere reisst es noch vor der H\u00e4lfte von uns weg. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/amc2010.jpg\" title=\"amc2010\" alt=\"amc2010\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ob Ronny noch leben k\u00f6nnte, wenn er rechtzeitig mit dem Rauchen aufgeh\u00f6rt h\u00e4tte? Was ist rechtzeitig? Diese Fragen werden wir nie beantworten k\u00f6nnen und manchmal ist das auch gut so, denn niemand sollte seinen Todeszeitpunkt kennen. Martina hat gestern gemeint, hier stirbt ein Mensch am Krebs und in Pal\u00e4stina werden gerade junge, gesunde Menschen dem politischen Wahnsinn geopfert und in den Tod geschickt.<br \/>\nWas hat Ronny hin\u00fcbergezogen, bis sein K\u00f6rper nicht mehr konnte?<\/p>\n<p>Als ich Montag Mittag zu ihm ins Spital fuhr, ging es ihm schon recht mies. Trotzdem plauderten wir und ich fuhr mit gemischten Gef\u00fchlen wieder weg. W\u00fcrde er es schaffen? Die n\u00e4chste Zeit wird kritisch, so viel war klar.<br \/>\nAm Abend rief mich dann Martina an und fragte, ob ich zu ihm fahren k\u00f6nnte und wollte. Es st\u00fcnde sehr schlecht um ihn und so machte ich mich auf einen schweren Weg. Um 22 Uhr kam dann Bobby und gemeinsam wachten wir \u00fcber unseren Gef\u00e4hrten, der langsam immer schwerer atmete. Ich besprach mit Bobby noch die Idee ihm ein wenig Musik zu g\u00f6nnen, weil er schon ziemlich weggetreten war.<br \/>\n&#8222;Love Reign O\u00b4er Me&#8220; aus Quadrophenia schien mir passend und mit diesen Kl\u00e4ngen in den Ohren verstarb Ronny am Montag, 14. Juli 2014 um 22.20 Uhr. Er ist sehr sanft und friedlich hin\u00fcber geglitten, wohin auch immer.<br \/>\nMit seiner Lamy, ein paar Northern Soul Platten und seinem Parka macht er sich jetzt auf die lange Reise, die uns allen irgendwann bevorsteht. Bei ihm f\u00fchrt sie auf jeden Fall dorthin, wo alle guten Menschen ein gro\u00dfes Ganzes bilden, wie auch immer das gestaltet sein mag und das wir nur sehr unzureichend mit dem Wort &#8222;Himmel&#8220; beschreiben.<br \/>\nDer Ronny ist ein Teil davon. Auch wenn er &#8222;Hope I\u00b4ll die before I get old&#8220; wohl ein bisschen zu w\u00f6rtlich genommen hat.<\/p>\n<p><strong>Ronnys Begr\u00e4bnis<\/strong><\/p>\n<p>Er wurde am 25. Juli am Stammersdorfer Zentralfriedhof bestattet. Irgendwie war allen klar, dass es sich hier nicht um irgend ein Begr\u00e4bnis handelt. Es wurde bewusst inszeniert und ich glaube, es h\u00e4tte ihm gefallen. Vielleicht hat es das ja, wer wei\u00df schon, ob und wie er uns zugesehen hat.<br \/>\nIn der Fr\u00fch fuhr ich nach Langenzersdorf zu unserem lieben Freund Sempal, denn mit ihm hatte ich am Vortag die Lammy in den Bus eingeladen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/einladen.jpg\" title=\"einladen\" alt=\"einladen\" \/><\/center><\/p>\n<p>Gemeinsam machten wir uns auf den Weg nach Stammersdorf und trafen dort Bobby. Gemeinsam luden wir die Lambretta aus und die ausgesprochen netten Pompfuneberer erlaubten uns sie neben den Sarg in die kleine Kapelle zu stellen, gleich neben das Bild von Ronny, im Anzug tanzend, bei irgend einem Northern-Soul-Fest.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/lammy.jpg\" title=\"lammy\" alt=\"lammy\" \/><\/center><\/p>\n<p>Das folgende Bild zeigt dieses Tanzfoto, auf dem auch Christian drauf ist, dessen Begr\u00e4bnis erst vor zwei Wochen war.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/tanzend.jpg\" title=\"tanzend\" alt=\"tanzend\" \/><\/center><\/p>\n<p>Dann ging es zum Schachtelwirt auf die Br\u00fcnner Stra\u00dfe, wo sich die Rollerfahrer f\u00fcr den Korso treffen sollten. Zehn waren schon da, bald waren es zwanzig. Irgendwann drei\u00dfig, vierzig, bei der Abfahrt waren es gute 50 Roller, eine stattliche Anzahl, wenn man bedenkt, wie viele wegen Urlaub oder anderen Verpflichtungen nicht mitfahren konnten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/treffen.jpg\" title=\"treffen\" alt=\"treffen\" \/><\/center><\/p>\n<p>Jeder Roller bekam ein schwarzes Band und wir machten uns auf den kurzen Weg zum Friedhof. Bei der Kreuzung zur Stammersdorfer Stra\u00dfe versagte pl\u00f6tzlich die Schaltung meiner Sprint. Ein wenig schwammig war sie in den Tagen davor schon gewesen, aber ich dachte mir: nachstellen ist nach dem neuen Einbau des Motors eine Kleinigkeit, die ich irgendwann erledigen k\u00f6nnte.<br \/>\nJetzt ging gar nichts mehr und ich war gerade im 4. Gang. Also ordentlich am Gas bleiben, ein wenig mit der Kupplung arbeiten, vor allem wegen des Schleichers im Auto vor mir. Parkplatz erreicht, passt!<br \/>\nErst am sp\u00e4ten Nachmittag konnte ich den Schaden finden: Das Gangseil war im Lenkerkopf abgerissen, nur mehr das Nipperl war da &#8211; so etwas passiert eigentlich nie. Eigentlich.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/nipperl.jpg\" title=\"nipperl\" alt=\"nipperl\" \/><\/center><\/p>\n<p>Vor der Kapelle waren schon viele Leute, jetzt noch mehr als 50 RollerfahrerInnen &#8211; gl\u00fccklicherweise hatte Ronny gutes Wetter bestellt und so konnten etwa die H\u00e4lfte der Trauerg\u00e4ste die Feier vor der Kapelle mitverfolgen und wurden \u00fcber Lautsprecher zumindest akustisch gut versorgt.<br \/>\nLouis Armstrong: We have all the time in the world &#8211; eine alte Lieblingsnummer von Ronny, bei der die ersten seiner Freunde, die nah am Wasser gebaut sind, bereits fr\u00fchzeitig ausschieden.<br \/>\nEin Kranz in Form eines Mod-Targets von Nivin und J\u00fcrgen, auch das h\u00e4tte Ronny mit &#8222;coool&#8220; kommentiert. Einen besonderen Platz hatte seine alte Kutte, mit der er zahllose Scooterruns erlebt hatte. Bei jedem kam ein Aufn\u00e4her drauf &#8211; Ronny hatte so viele, dass er sie auf der Innenseite anbringen musste. Diese Kutte zierte auf seinem letzten Weg seinen Sarg. Fast konnte man sein breites Grinsen sehen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/kutte.jpg\" title=\"kutte\" alt=\"kutte\" \/><\/center><\/p>\n<p>Der Priester war der gleiche wie bei seiner Hochzeit, die nur zwei Wochen zur\u00fcck lag. Vor seiner Predigt hatte ich die Ehre im Namen seiner Freunde ein paar Worte zu sprechen.<br \/>\nBobby schob die Lammy vor dem Sarg den ganzen Weg bis zum Grab &#8211; sicher nicht das schwerste auf diesem Weg. Eine stattliche Anzahl von ca. 120 Personen folgte ihm. Mods mit Anz\u00fcgen und Parkas, Scooterboys, die Crazy Ducks, jede Menge alte Freunde aus Lockenhaus, aus seiner Jugend, die Galleria-Freunde und noch viele mehr. Insgesamt eine vielf\u00e4ltige, gro\u00dfe Schar an Freunden, die einander oft seit Jahrzehnten nicht gesehen hatten und durchwegs meinten, eine andere Gelegenheit w\u00e4re ihnen deutlich lieber gewesen.<br \/>\nSeine kleine Familie ging hinter dem Sarg, Martina mit ihren beiden Kindern und nat\u00fcrlich die Tante Wanda.<br \/>\nWie bei Rollerfahrerbegr\u00e4bnissen \u00fcblich landeten auch diesmal wieder einige seltsame Gegenst\u00e4nde im Grab: Gasgriffe, Z\u00fcndkerzen und noch einiges mehr. Wenn in ein paar tausend Jahren hier einmal Ausgrabungen stattfinden, wird man sich sehr wundern, welche Rituale die Menschen damals hatten.<br \/>\nAls alle Trauerg\u00e4ste sich von Ronny verabschiedet hatten, stand die Lammy einsam an seinem Grab, als ob sie ihn bewachen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/einsame-lammy.jpg\" title=\"einsame-lammy\" alt=\"einsame-lammy\" \/><\/center><\/p>\n<p>Danach durfte sich Ani noch auf den Roller setzen. Wer wei\u00df, vielleicht wird sie irgendwann eine kesse Modette mit einer feschen Lambretta.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/ani.jpg\" title=\"ani\" alt=\"ani\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ein Heurigenbesuch in Stammersdorf &#8211; dort gab es auch Bier, was Ronny gut gefallen h\u00e4tte. Der Leichenschmaus samt einem guten Schluck dient seit ewigen Zeiten dazu wieder ins Leben zur\u00fcck zu finden. In ein Leben, das der Ronny sehr viele Jahre in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen konnte, mit H\u00f6hen und Tiefen, Schicksalsschl\u00e4gen und gro\u00dfartigen Ereignissen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2014.08.16_ronny\/heuriger.jpg\" title=\"heuriger\" alt=\"heuriger\" \/><\/center><\/p>\n<p>Da und dort tauchte die erste Anekdote aus Ronnys Leben auf, gefolgt von noch einer und noch einer. So viele Freunde hatten so viele Erlebnisse in ihren Erinnerungen, da h\u00e4tten zehn Heurigenbesuche nicht ausgereicht. Im Laufe des Nachmittags l\u00f6ste sich die Trauergemeinschaft dann auf, die Vespas und Lambrettas wurden gestartet und alle gingen ihrer Wege.<br \/>\nVielleicht nimmt ja jeder ein St\u00fcck von Ronny mit, in seinen\/ihren Erinnerungen und auch in den Rollern, die in gar nicht geringer Zahl irgendwann durch Ronnys H\u00e4nde gingen. Er bleibt uns aber nicht nur als Zangler in Erinnerung, sondern als guter Freund und Kamerad, als lustiger Geselle, als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mensch, den zu kennen niemandem je zur Schande gereicht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich bin eine Northern Soul Schlampe&#8220; hat der Ronny manchmal gesagt. Und gegrinst. Und einen Schluck von seinem Bier genommen und einen tiefen, genussvollen Zug von seiner Zigarette. 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