{"id":1764,"date":"2014-09-23T21:24:05","date_gmt":"2014-09-23T20:24:05","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1764"},"modified":"2014-09-23T21:24:05","modified_gmt":"2014-09-23T20:24:05","slug":"kennen-sie-romans-sur-isere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/kennen-sie-romans-sur-isere\/","title":{"rendered":"Kennen Sie Romans-sur-Is\u00e8re?"},"content":{"rendered":"<p>Das macht nichts, denn die Trends gegen die Beschleunigung sind schwer zu erkennen, sie sind nicht so grellbunt und schreien nicht so laut. Aber es gibt sie und sie werden mehr. Sie entstehen aus dem Bed\u00fcrfnis dem Wahnsinn zu entkommen, sich Inseln der Ruhe und Beschaulichkeit zu suchen, und zwar im Alltagsleben.<br \/>\nIn dieser kleinen franz\u00f6sischen Stadt gibt es jetzt eine Komplement\u00e4rw\u00e4hrung. Sie hei\u00dft \u201eMesure\u201c und man kann damit nur in kleinen, innerst\u00e4dtischen Gesch\u00e4ften bezahlen, nicht in den gro\u00dfen Shopping-Malls am Rande der Stadt.<br \/>\nDiese W\u00e4hrung wurde von einer B\u00fcrgerinitiative ins Leben gerufen und das ist wohl bei vielen Entwicklungen, die \u201evon unten\u201c kommen, der Fall. Menschen mit einem Bed\u00fcrfnis suchen sich Gleichgesinnte und versuchen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Sie bilden Gemeinschaft und suchen nach L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Probleme.<br \/>\nVon \u201eoben\u201c gibt es solche Trends nicht, die Gemeinde oder der Staat k\u00e4men nie auch nur auf den Gedanken so etwas einzurichten, zu erfinden, umzusetzen. Sie sind nie aktiv, sondern immer nur reaktiv.<br \/>\nEntwicklungen wie Komplement\u00e4rw\u00e4hrungen sind den Gemeinden und dem Staat suspekt, weil sie an ihrer Zentralmacht r\u00fctteln. Machtsysteme investieren viel Geld und Energie in den Erhalt ihrer eigenen Macht.<br \/>\nIn Romans-sur-Is\u00e8re interessiert das die B\u00fcrgerinitiative nicht. Sie vergr\u00f6\u00dfern ihr Netzwerk und haben Freude daran, ihre kleinen Strukturen selbst aufzubauen und zu pflegen.<br \/>\nDie lokale W\u00e4hrung funktioniert, weil sie an Kriterien gebunden ist: Man kauft damit nicht irgendwas irgendwo bei irgendwem, sondern in einem regionalen Verbund, einem so genannten \u201eLebensbecken\u201c.<br \/>\nSo lernt man lokale Strukturen wieder zu sch\u00e4tzen und denkt nicht mehr so intensiv an Gro\u00dfbanken, Shopping-Malls und Lebensmittelindustrie.<br \/>\nDurch die Lokalw\u00e4hrung wird die Wirtschaft re-lokalisiert und aktiviert. Ganz automatisch f\u00f6rdert das die guten Strukturen wie Qualit\u00e4t, Gemeinschaft und Sorgsamkeit. Man achtet pl\u00f6tzlich genauer darauf, wer etwas herstellt und wie es gemacht wird. Die Umgebung bekommt wieder einen Wert, der durch die Dis-Lokalit\u00e4t gro\u00dfer Strukturen zerst\u00f6rt wurde. Damit bekommen auch die Dinge wieder einen Wert.<br \/>\nIn der Gemeinschaft bekommen auch die Menschen, die B\u00fcrger wieder einen Wert und eine Aufgabe. Sie m\u00fcssen jetzt die Wirtschaft selbst steuern und sich \u00fcberlegen, wie man das am besten macht.<br \/>\nDas Ergebnis ist fast ein Paradigmenwechsel: Die Wirtschaft dient jetzt wieder den Menschen und ihrer Versorgung mit notwendigen G\u00fctern \u2013 und nicht umgekehrt. \u201eGeht es der Wirtschaft gut, dann geht es den Menschen gut\u201c \u2013 dieser seltsame Werbespruch ruft in Romans-sur-Is\u00e8re nur Kopfsch\u00fctteln hervor: hier stehen die Menschen im Vordergrund und an erster Stelle, nicht die Wirtschaft als abstraktes Gebilde, das nur sich selbst und seine eigene Macht zu perpetuieren pflegt, genau genommen parasit\u00e4r am Wohl der Menschen h\u00e4ngend.<br \/>\nDie Menschen machen dort die Wirtschaft und werden aktiv \u2013 ganz im Gegensatz zur passiven Rolle, die wir gemeinhin gewohnt sind, wo wir uns der Wirtschaft gegen\u00fcber als klein und machtlos empfinden, ihren Gesetzen scheinbar schutz- und machtlos ausgeliefert. Wir erschauern vor Ehrfurcht oder Angst, wenn wir h\u00f6ren, was \u201eder Markt\u201c schon wieder will und dass die \u201eGesetze des Marktes\u201c \u00fcber allem stehen.<br \/>\nDas ist \u201emerde\u201c, wie die Franzosen zu sagen pflegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das macht nichts, denn die Trends gegen die Beschleunigung sind schwer zu erkennen, sie sind nicht so grellbunt und schreien nicht so laut. Aber es gibt sie und sie werden mehr. 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