{"id":1790,"date":"2015-01-08T00:56:56","date_gmt":"2015-01-07T23:56:56","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1790"},"modified":"2015-01-08T01:06:17","modified_gmt":"2015-01-08T00:06:17","slug":"charlie-ging-zu-seiner-hinrichtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/charlie-ging-zu-seiner-hinrichtung\/","title":{"rendered":"Charlie ging zu seiner Hinrichtung"},"content":{"rendered":"<p>Als die Mitarbeiter von Charlie Hebdo heute fr\u00fch einer nach dem anderen in ihr B\u00fcro kamen, wussten sie nicht, dass sie zu ihrer eigenen Hinrichtung gingen. <\/p>\n<p>Derzeit spricht man von zw\u00f6lf Toten, ermordet von drei M\u00e4nnern mit Maschinenpistolen, mitten in Paris, der Stadt der Liebe. Ich kannte Charlie Hebdo bis heute nicht, obwohl ich Karikaturen und Cartoons sehr sch\u00e4tze und in meiner Jugend selbst gerne Karikaturist geworden w\u00e4re &#8211; leider fehlt mir die n\u00f6tige Begabung, daher habe ich mich auf\u00b4s Schreiben verlegt.<br \/>\nDiese Menschen mussten sterben, weil sie Kritiker waren. Sie haben auf ihre eigene Art Kritik an Systemschw\u00e4chen ge\u00e4u\u00dfert und gepflegt. Seit der Aufkl\u00e4rung hat der politische Cartoon in Frankreich Tradition und ist ein durchaus wichtiger Teil der Kultur. Mit &#8222;Kultur&#8220; ist die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen gemeint.<br \/>\nIhre letzte Karikatur haben die Redakteure, Cartoonisten und Angestellten von Charlie Hebdo in Form einer Skulptur gebildet: die blutigen Leichen geben ihrer Arbeit einen tragischen, aber w\u00fcrdevollen Abschluss. Ihr Tod zerst\u00f6rt ihre Arbeit genauso wenig wie die B\u00fccherverbrennungen der Nazis den Widerstand brechen konnten.<br \/>\nDer Grund daf\u00fcr liegt in der Menschlichkeit der Menschen, die ohne Kritik und Kritiker keine solche w\u00e4re. Die M\u00f6rder der Kritiker m\u00fcssen sich den Vorwurf der Unmenschlichkeit gefallen lassen, er klebt an ihren H\u00e4nden bis zum Ende ihres Lebens.<\/p>\n<p>Wikipedia ist enorm schnell, hier ein Auszug aus der Aktualisierung vom 7. J\u00e4nner 2015:<br \/>\n&#8222;Bei einem Terroranschlag auf das Redaktionsb\u00fcro von Charlie Hebdo wurde am 7. Januar 2015 fast die gesamte Redaktion der Zeitschrift get\u00f6tet. Der Radiosender Radio France, die Tageszeitung Le Monde und die \u00f6ffentlich-rechtliche Sendeanstalt France T\u00e9l\u00e9visions k\u00fcndigten daraufhin in einem gemeinsamen Statement an, das \u00dcberleben der Satirezeitschrift durch Mitarbeiter und andere Mittel zu sichern.[4] Es sei ein gemeinsamer Akt notwendig, um Unabh\u00e4ngigkeit, Meinungsfreiheit und die Grundprinzipien der Demokratie zu verteidigen.&#8220;<\/p>\n<p>Die &#8222;kritik\u00e9 techn\u00e9&#8220; (griechisch) ist die Kunst der &#8222;Unterscheidung, Trennung&#8220; und somit eine Grundkategorie des Denkens \u00fcberhaupt. Wenn sie zerst\u00f6rt wird, gibt es auch kein Denken und somit keine Menschlichkeit mehr. Erst Kritik erm\u00f6glicht die Urteilsbildung.<br \/>\nDie Kritik als politische Kategorie erm\u00f6glicht die Trennung des einen vom anderen und macht somit Politik als Kunst des Managements von Interessensunterschieden \u00fcberhaupt erst denkbar und durchf\u00fchrbar. Immer dann, wenn &#8222;eh alle Parteien&#8220; gleich sind, muss die Unterscheidung umso deutlicher vorgenommen werden, sie muss also mit dem Mittel der \u00dcbertreibung arbeiten. Die Karikatur ist daf\u00fcr eine von vielen guten Methoden.<\/p>\n<p>Heute wurden mehrere gute &#8222;Unterscheider&#8220; get\u00f6tet. Ihre Lebenskraft ist erloschen, ihre politische Kraft lebt in ihrem Verm\u00e4chtnis weiter, und zwar auch in der Unsterblichkeit des Humors. Dieser wiederum geht ihren M\u00f6rdern ab, die dadurch keinerlei dauerhaftes Verm\u00e4chtnis hinterlassen werden. <\/p>\n<p>Zum Abschluss m\u00f6chte ich noch den Link zu den Reaktionen vieler anderer Cartoonisten anbieten, die zur Feder gegriffen haben und in beeindruckender Weise auf den Angriff antworten:<br \/>\nhttp:\/\/www.buzzfeed.com\/ryanhatesthis\/heartbreaking-cartoons-from-artists-in-response-to-the-ch?bftw&#038;utm_term=4ldqpfp#.tr3K5xg05<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Mitarbeiter von Charlie Hebdo heute fr\u00fch einer nach dem anderen in ihr B\u00fcro kamen, wussten sie nicht, dass sie zu ihrer eigenen Hinrichtung gingen. 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