{"id":1825,"date":"2015-04-29T06:21:07","date_gmt":"2015-04-29T05:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1825"},"modified":"2015-04-29T06:21:18","modified_gmt":"2015-04-29T05:21:18","slug":"kenia-von-nord-nach-sued-tag-2-die-vorbereitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/kenia-von-nord-nach-sued-tag-2-die-vorbereitungen\/","title":{"rendered":"Kenia von Nord nach S\u00fcd &#8211; Tag 2: Die Vorbereitungen"},"content":{"rendered":"<p>Die erste Nacht schlafe ich meistens schlecht, weil die Klimaumstellung nicht sofort funktioniert. Diesmal war es aber ganz okay und das Fr\u00fchst\u00fcck wartete schon. Ich liebe afrikanisches Fr\u00fchst\u00fcck, es hat immer einen leichten englischen Kolonialtouch (Tee, Toast) und es gibt frische Fr\u00fcchte.<br \/>\nLeider war \u00fcber meinem Fruchtsalatteller Joghurt, worauf ich mangels Joghurtleidenschaft diesen wieder zur\u00fcck schicken musste. Ich hatte es zwar vorher gesagt, aber die Botschaft war nicht bis zur K\u00fcche durchgedrungen.<br \/>\nDas stellte die Logistik vor ernsthafte Probleme, denn offensichtlich hatten sie die letzte Banane in meinen Fruchtsalat geschnitten und konnten jetzt keinen neuen mehr zubereiten. Ich h\u00e4tte ihn auch ohne Bananen genommen, aber das konnte ich der Kellnerin nicht kommunizieren, weil ich es erstens nicht wusste und sie sich zweitens eine halbe Stunde lang nicht blicken lie\u00df. Ich konnte recherchieren, dass sie in der Zwischenzeit irgendwie versuchten eine Banane aufzutreiben. Da Warten f\u00fcr die Afrikaner kein nennenswertes Problem darstellt, war diese L\u00f6sung wohl einfacher als mir einfach zu sagen, dass die Bananen aus w\u00e4ren.<br \/>\nAlso bekam ich mit Verz\u00f6gerung meinen Fruchtsalat und war zufrieden. Die Moskitos hatten sich aufgrund der Trockenzeit in der Nacht in Grenzen gehalten und das Auto von Peter stand startbereit da. Also nicht ganz startbereit nat\u00fcrlich, wir mussten noch den Wassertank f\u00fcllen, was mittels eines im Hof von Chris herumliegenden Schlauches und Thomys Improvisationsgeschick problemlos gelang \u2013 immerhin fasst dieser 140 Liter, das dauert eine Zeit.<br \/>\nDie kleine H\u00fcrde zuvor (wo sind die verdammten Schl\u00fcssel f\u00fcr den Wassertank, am Schl\u00fcsselbund sind sie nicht und am zweiten auch nicht) nahmen wir mit Bravour und auch das Gep\u00e4ck war schnell eingeladen.<br \/>\nDann ging es um das Carnet, das ist sozusagen das Herzst\u00fcck des Autos und das wichtigste Dokument f\u00fcr die Fahrt. Es wird in \u00d6sterreich von der Hilfsbeh\u00f6rde \u00d6AMTC ausgestellt und besteht aus einer Unzahl von Bl\u00e4ttern, von denen bei einem Grenz\u00fcbertritt jeweils eines herausgerissen wird. So kann man etwa quer durch Afrika fahren, was mein Bruder vor nicht langer Zeit auch getan hat (Nairobi-Kapstadt und retour). Mindestens einmal im Jahr muss man aber eine Grenze \u00fcberschreiten und au\u00dferdem gilt ein Carnet nur f\u00fcr ein Jahr. Also brachte ich ein neues mit, das von Chris abgestempelt wurde. Das Besondere ist die Erlaubnis, die Chris f\u00fcr diesen hochoffiziellen Akt hat und das macht ihn und seine Jungle-Junction auch so wertvoll f\u00fcr die Overlander und f\u00fcr uns.<br \/>\nNachdem der eben frisch reparierte K\u00fchlschrank bezahlt war, konnten wir aufbrechen. Den ersten Teil des Weges fuhr Frank mit uns, ein in Kenia lebender Deutscher, der in Nairobi mit dem Motorrad unterwegs war und es gerade bei Chris zur Reparatur abgeliefert hatte: eine BWM R 80 GS, eines der alten, robusten Modelle. Frank selbst sah auch etwas alt aus, allerdings nicht mehr sehr robust. Wahrscheinlich fr\u00f6nte er wie die meisten dort lebenden Europ\u00e4er ein heimlich dem Alkohol. Oder unheimlich, wer wei\u00df.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.22_Kenia\/hofchris.jpg\" title=\"hofchris.jpg\" alt=\"hofchris.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 2: Hof von Chris mit Frank und Motorrad<\/p>\n<p>Von Chris hatte ich beim morgendlichen Tratsch noch eine f\u00fcr mich ganz besonders wichtige Information erhalten. Wir hatten n\u00e4mlich geplant nach der Charity-Geschichte am Mount Kenia gleich dort oben zu bleiben und weiter in den Norden zu fahren, eventuell in den Samburu-Nationalpark.<br \/>\nPl\u00f6tzlich tauchte die Idee mit Marsabit auf. Das ist f\u00fcr mich seit \u00fcber zwanzig Jahren ein fast mystischer Name und eines der wenigen gr\u00f6\u00dferen Ziele, die ich mir noch nicht erf\u00fcllen konnte. Christ meinte, von Isiolo w\u00e4re fast alles bis Marsabit asphaltiert. Das war mir neu, sehr neu sogar und ich sp\u00fcrte sofort das Kribbeln des Abenteuers. Bisher war das eine sehr beschwerliche Reise auf einer schlechten Stra\u00dfe, fast so schwierig wie hinauf auf den Turkana-See.<br \/>\nMarsabit ist ein Nationalpark und besteht aus ein paar Vulkanen mit Kraterseen und Nebelwald. Von dort stammt Ahmed, der gr\u00f6\u00dfte jemals gesichtete Elefant in Kenia. Er wurde nach seinem Tod ausgestopft und steht seitdem im Museum in Nairobi.<br \/>\nDort wollte ich immer schon hin, und jetzt gab es die Chance dazu. Thomy war nicht ganz so erfreut, denn er ahnte, dass das mit einer langen Fahrt verbunden sein w\u00fcrde. Wir hatten diesmal geplant nicht viele Kilometer zu fressen, weil wir das seit den letzten beiden Afrika-Touren satt hatten und eigentlich den Ball flach halten wollten. Dazu kam noch die Aussicht auf die gar nicht lustige \u00dcberstellung des Toyota nach Mombasa, die auch wieder viel Fahrerei bedeuten w\u00fcrde.<br \/>\nAber ich war Feuer und Flamme und wollte dorthin. \u201eAsphalt bis fast nach Marsabit\u201c war eine tolle Nachricht, von der wir allerdings nicht wussten, ob sie so auch stimmte. Chris lebt schon seit vielen Jahren in Afrika und die Stra\u00dfenangaben von Afrikanern entsprechen nicht immer dem, was wir uns darunter vorstellen.<br \/>\nJetzt aber machten wir uns auf den Weg nach Lake View, denn es gab heute viel zu tun. Die Fahrtstrecke hatte ich mir in Wien schon herausgesucht und ausgedruckt, denn wir mussten Nairobi im Westen umfahren bzw. in den westlichen Teilen durchfahren, wegen des unm\u00f6glichen Verkehrs im Zentrum.<br \/>\nBis zur Ngong-Road ging das auch sehr fl\u00fcssig, doch dann wurde der Verkehr immer dichter und irgendwann hatten wir dann genau den Stau, den wir vermeiden wollten. Andererseits waren wir noch ganz gut in der Zeit und es ging immer wieder was weiter. Nach dem Dagoretti-Corner konnten wir auf kleine Stra\u00dfen ausweichen und schl\u00e4ngelten uns bis nach Westlands durch. Unsere erste Adresse war Luis, bei dem wir unser Gep\u00e4ck zwischenlagern und auch die n\u00e4chste Nacht verbringen konnten.<br \/>\nIch war noch nie vorher bei ihm und die Adresse war nicht ganz einfach zu finden, schlie\u00dflich schnappte ich mir das Handy und rief ihn an. So konnte ich erfahren, dass wir ohnehin gerade vor seinem Tor standen. Er bewohnt ein kleines Haus auf einem Herrschaftsgrundst\u00fcck, das einer 83j\u00e4hrigen Lady geh\u00f6rt, der schon vor langer Zeit der Mann gestorben war. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.22_Kenia\/beilouis.jpg\" title=\"beilouis.jpg\" alt=\"beilouis.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 3: Haus von Luis<\/p>\n<p>So wohnt sie jetzt in einem riesigen Haus mit mehreren Angestellten und in einem der Nebengeb\u00e4ude wohnt Luis mit seiner Freundin Marion. Sie ist eine Kikuyu und stammt aus Naro Moru, dem Ort am Fu\u00df des Mount Kenia, zu dem wir am n\u00e4chsten Tag fahren wollten.<br \/>\nIhre Schwester Judy ist Bergf\u00fchrerin und unsere Schnittstelle f\u00fcr die Charity-Aktion, die ich kurz erl\u00e4utern m\u00f6chte.<\/p>\n<p>W\u00e4rme f\u00fcr die Menschen am Ende der Welt<\/p>\n<p>Im Februar 2012 machten Thomy und ich eine Trekking-Tour durch die Mondberge in der Grenzregion Uganda \u2013 Kongo. Das Gebirge hei\u00dft auch Ruwenzori und das wiederum hei\u00dft \u201eRegenmacher\u201c und ist bezeichnend f\u00fcr das Klima. Die Touren dauern mindestens sechs Tage und man braucht einen Menge Tr\u00e4ger, F\u00fchrer und K\u00f6che. Der Generalveranstalter ist das Ruwenzori Mountaineering Service (RWS). Es ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Erhaltung der Wege und H\u00fctten und es engagiert auch die vielen lokalen Hilfskr\u00e4fte, die man f\u00fcr so eine Expedition braucht.<br \/>\nNun ist das RWS gewinnorientiert und hat daher wenig Interesse an teuren Investitionen. Am besten sparen kann man an den Hilfskr\u00e4ften, also bei Tr\u00e4gern, K\u00f6chen und F\u00fchrern. Diese bekommen keine eigene Ausr\u00fcstung und m\u00fcssen sich diese beim RWS mieten. Das k\u00f6nnen sie sich bei dem Hungerlohn, den sie sie bekommen, aber nicht leisten und daher frieren sie.<br \/>\nDer Ruwenzori ist einer von drei Orten in Afrika (neben Mount Kenia und Kilimandscharo), an dem es Gletscher gibt. Wir reden hier vom Hochgebirge \u00fcber 5.000 Metern. Die Hilfskr\u00e4fte m\u00fcssen bis ca. 4.800 Meter hinauf und dort herrschen immer Temperaturen um den Gefrierpunkt oder auch deutlich darunter.<br \/>\nWer da keine warme und gute Ausr\u00fcstung hat, ist eine arme Sau. Und die haben bis auf wenige Ausnahmen alle keine gute Ausr\u00fcstung, vor allem keine warmen Jacken und keine Schlafs\u00e4cke.<br \/>\nDie Touristen schlafen in H\u00fctten, die Hilfskr\u00e4fte machen sich unter einem Felsvorsprung ein Feuer und kauern sich die ganze Nacht lang davor, manchmal gibt es auch alte Schaumgummimatratzen und hin und wieder Blechh\u00fctten, in denen es aber mangels Feuer noch k\u00e4lter ist.<br \/>\nIch habe einige Tr\u00e4ger gesehen, die hatten \u00fcberhaupt nur mehrere T-Shirts \u00fcbereinander und froren erb\u00e4rmlich.<br \/>\nDie L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem w\u00e4re einfach: Das RWS m\u00fcsste nur im Vorfeld der Buchungen eine kurze Nachricht an die Bergtouristen schicken, dass jede(r) ein einziges warmes Kleidungsst\u00fcck mitnimmt. Wir haben davon alle jede Menge daheim, meist in hervorragendem Zustand, weil wir uns l\u00e4ngst was Neues gekauft und das alte in den Keller getragen haben.<br \/>\nDem RWS ist das egal, die tun einfach nichts. Daher haben wir am Ende unserer Tour m\u00f6glichst viel Gewand hergeschenkt und beschlossen, in \u00d6sterreich eine Sammelaktion zu starten.<br \/>\nEs gibt eine entsprechende Facebook-Gruppe mit \u00fcber 370 Mitgliedern und im Jahr 2012 konnte ich \u00fcber 120 kg warme Kleidung und Schlafs\u00e4cke sammeln. Dann verpackte ich das alles in eine riesige Holzkiste, in der ein Freund einen alten Roller aus Asien geschickt bekam.<br \/>\nLeider funktionierte der Transport nicht, mein Kontakt zur \u00f6sterr. Post konnte leider nicht helfen, die Post bringt zwar allen was, nicht aber den armen Leuten am Ende der Welt. Nach fast 9 Monaten warten bekam ich die Nachricht, dass man leider nicht helfen k\u00f6nne.<br \/>\nMit einer Spedition konnte ich die Kiste auch nicht schicken, denn die Kosten h\u00e4tten den Wert der Kleidung deutlich \u00fcberschritten und au\u00dferdem h\u00e4tte ich sie nie und nimmer aus dem Zoll bekommen.<br \/>\nAlso beschloss ich beim n\u00e4chsten Afrika-Urlaub die Sachen selbst in Sees\u00e4cken mitzunehmen, in den Toyota zu laden und eigenh\u00e4ndig nach Uganda zu bringen. Die Grenzformalit\u00e4ten w\u00fcrde ich mit meiner Erfahrung locker packen und die lange Fahrt dorthin hatte ich ja schon einmal gemacht.<br \/>\nLeider spielten bestimmte Faktoren nicht mit und ich konnte weder im Februar 2013 noch 2014 nach Afrika fliegen. Allerdings konnte mein Bruder mit seinem Freund Markus etwa die H\u00e4lfte der Sachen schon nach Kenia bringen, weil sie viel Freigep\u00e4ck hatten. <\/p>\n<p>Dann \u00e4nderte sich die Situation noch einmal gewaltig: Ich verlor den Kontakt nach Uganda, irgendwann kam auf meine Mails keine Antwort mehr und ich ahnte, dass ich die Sachen wohl nicht ans Ende der Welt w\u00fcrde bringen k\u00f6nnen.<br \/>\nWar das das Ende der ganzen Aktion? War die viele Arbeit umsonst? Genau zu diesem Zeitpunkt (Herbst 2014) erfuhr ich von meinem Vater von Marion und Judy. Das er\u00f6ffnete ganz neue Perspektiven, denn auch am Mount Kenia gibt es ein \u00e4hnliches Problem f\u00fcr die vielen Tr\u00e4ger und F\u00fchrer, wenngleich diese etwas besser ausgestattet sind als die Kollegen in Uganda.<br \/>\nAlso fassten wir den Plan: mein Vater w\u00fcrde im Dezember 2014 das schon in Kenia befindliche Gewand nach Naro Moru bringen und dort an die Tr\u00e4ger, F\u00fchrer und K\u00f6che verschenken, die Judy informieren und zusammentrommeln k\u00f6nnte.<br \/>\nIm Februar w\u00fcrden dann Thomy und ich den Rest mitnehmen und ebenfalls nach Naro Moru fahren, um alles zu verteilen.<br \/>\nSo k\u00f6nnte alles noch ein gutes Ende nehmen.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert sind noch die Schattenseiten dieser Aktion. Durch die massive \u00dcberproduktion von Kleidung f\u00fcr die westliche Konsumgesellschaft besitzen die meisten Menschen bei uns wesentlich mehr als sie je verwenden k\u00f6nnen. Dazu dr\u00e4ngt die Industrie darauf st\u00e4ndig neue Teile zu verkaufen und ist durch den damit verbundenen Modeschm\u00e4h (\u201eIiiih, das ist ja vom letzten Jahr, wie kannst du diese Farbe HEUER tragen, sch\u00e4m dich&#8230;\u201c) auch sehr erfolgreich.<br \/>\nDaher landen die alten Sachen entweder im M\u00fcll und werden verbrannt oder sie lagern in diversen Kellern, Abstellr\u00e4umen etc. Fast immer sind die Kleidungsst\u00fccke neuwertig oder in sehr gutem Zustand. Vieles davon ist auch in recht guter Qualit\u00e4t gefertigt, wenngleich das in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat, an dieser Stelle ein Dankesch\u00f6n an die geplante Obsoleszenz, die \u00fcbrigens mit der Erfindung der Nylonsstr\u00fcmpfe gleich miterfunden wurde.<br \/>\nDiese Unmengen an Kleidung werden nun zu einem Teil \u00fcber Hilfsaktionen nach Afrika gebracht und ruinieren dort die ans\u00e4ssige Textilindustrie. Gar nicht wenige Unternehmen in Kenia und Tansania sind schon pleite gegangen, weil sie sich gegen den Preisdruck der Gratiskleidung nicht wehren konnten. Manche Hilfsorganisationen verlangen zwar etwas f\u00fcr die Second-Hand-Ware, aber die AfrikanerInnen haben l\u00e4ngst entdeckt, dass die gebrauchte und billige Ware aus Europa und USA teilweise von besserer Qualit\u00e4t ist als die im Land erzeugte.<br \/>\nIch selbst habe noch einige \u201eTinga Tinga T-Shirts\u201c aus der Zeit guter Qualit\u00e4t, da gibt es nicths daran auszusetzen. Wenn aber die afrikanischen Firmen sich dem Preisdruck stellen m\u00fcssen, so sind sie gezwungen mit der Qualit\u00e4t runter zu gehen und dann k\u00f6nnen sie erst recht nicht mit der Konkurrenz mithalten.<br \/>\nUnsere Aktion streift diese Problematik nur am Rand, da es wirklich warme Kleidung in Afrika nicht gibt, und zwar mangels niedriger Temperaturen, die gibt es hier nur ganz selten.<\/p>\n<p>Also packten wir unsere Sachen aus und fuhren dann zu unserem Haus in Lake View. Dort empfing uns Helge, ein Deutscher, der das Haus meines Vaters gemietet hat, da dieser nur ca. 4 Monate im Jahr dort verbringt und es den Rest der Zeit nicht n\u00fctzt.<br \/>\nWir packten das noch fehlende Camping-Equipment in den Toyota und ich holte mein in Nairobi in zwei Kisten lagerndes Gewand und sonst noch einige Dinge, die man f\u00fcr zwei Wochen Safari braucht.<br \/>\nDanach fuhren wir wieder zu Luis, der nur sieben Minuten entfernt wohnt und dann mit ihm gemeinsam zu seiner Werkstatt und anschlie\u00dfend ins \u201eHomeland\u201c. Das ist ein Lokal am Thika-Highway, das mir bisher g\u00e4nzlich unbekannt war. Dort kommen fast nur Einheimische hin und man kann g\u00fcnstig und gut kenianisch essen. Das bekommt man in keinem einzigen Touristen-Lokal, selbst wenn man es will.<\/p>\n<p>Der neue Konsum<\/p>\n<p>Am Nachmittag fuhren wir in den Village-Market um f\u00fcr die Safari einzukaufen. Das ist ein riesiges Einkaufszentrum, wie sie in Nairobi in den letzten 25 Jahren in gr\u00f6\u00dferer Zahl entstanden sind. Im nobelsten davon gab es vor nicht allzu langer Zeit den Terroranschlag der Al-Shabab, einer Art Ableger der Al-Kaida oder der Taliban oder des IS oder von allen zusammen.<br \/>\nIm Einkaufszentrum am Parkplatz sahen wir dann eine staunende Menge, die einen giftgr\u00fcnen Lamborghini Aventador bewunderte. Dieser Supersportwagen passt nach Nairobi wie Mangos auf den Nordpol und ist nur auf wenigen Strecken \u00fcberhaupt fahrbar, da er mangels Bodenfreiheit weder Bumps noch Schlagl\u00f6cher aush\u00e4lt. Das Ding kostet deutlich \u00fcber 300.000 Euro und hatte ein Kennzeichen aus dem Kongo. Nur ein Schelm w\u00fcrde hier Blutdiamanten oder andere Sauereien vermuten.<br \/>\nDie Schere zwischen arm und reich ist hier noch wesentlich gr\u00f6\u00dfer als bei uns. In Nairobi fahren die Porsches neben den Lastkarren, die mangels Zugtieren von den Menschen selbst gezogen werden \u2013 oft mitten auf der Stra\u00dfe, weil es im Stra\u00dfengraben daneben schlicht und einfach nicht m\u00f6glich ist.<br \/>\nBei der Einfahrt in den streng bewachten Parkplatz des Village Market wurden wir durchleuchtet, das Auto wurde an der Unterseite mit Spiegeln untersucht und wir mussten \u00e4hnliche Kontrollen \u00fcber uns ergehen lassen wie am Flughafen.<br \/>\nDas war vor dem Anschlag allerdings auch schon und hat nichts gen\u00fctzt. Wenn drei\u00dfig Wahnsinnige mit Maschinenpistolen kommen, laufen auch die Security-Leute weg oder werden erschossen.<br \/>\nDer Nakumatt-Supermarkt ist etwa mit dem Interspar vergleichbar und f\u00fchrt fast alles, was wir brauchten, auch wenn ich die m\u00fchsam erstellte Einkaufsliste bei Luis liegen gelassen hatte.<br \/>\nLeider kann man die Verschlechterung der Qualit\u00e4t vor allem bei den Lebensmitteln gut beobachten. Ein Beispiel ist das Fleisch, das bis vor einiger Zeit stets gute Qualit\u00e4t hatte. Jetzt schrumpft es pl\u00f6tzlich beim Braten auf die H\u00e4lfte zusammen. Bisher war das nicht der Fall und somit ist klar, dass auch in Kenia die europ\u00e4isch-amerikanischen Tierfabriken am Vormarsch sind.<br \/>\nDas Gem\u00fcse ist wie immer, nur konnte ich beobachten, dass es jetzt auf einmal mehrere Sorten \u00c4pfel gibt. Dazu muss man wissen, dass \u00c4pfel kein afrikanisches Obst sind. Damit sie dort wachsen, muss man 1x im Jahr den B\u00e4umen h\u00e4ndisch die Bl\u00e4tter abzupfen, damit sie einen Winter vorgegaukelt bekommen. Ich finde das unn\u00f6tig, es gibt dort so viel hervorragendes einheimisches Obst und die paar Europ\u00e4er, die unbedingt \u00c4pfel wollen, sollen diese als Importware bekommen.<br \/>\nLeider betrifft die Ver\u00e4nderung auch das Bier. Bisher gab es vor allem Flaschenbier, jetzt sind die Dosen am Vormarsch. Damit die KonsumentInnen umstellen, werden die Pfandflaschen ab sofort nicht mehr zur\u00fcck genommen. So einfach geht das und schon ist alles wieder voller Aluminium: umweltsch\u00e4dlich, teuer, weil energieaufw\u00e4ndig in der Herstellung und die Recyclingquote betr\u00e4gt null Prozent. Da es in Kenia so etwas wie eine gr\u00fcne Umweltbewegung nicht gibt, haben die internationalen Konzerne samt ihrer Profitgier freie Hand.<br \/>\nEs gibt in Kenia und besonders in Nairobi eine wachsende Schicht reicher Kenianer, die ungebremst und unhinterfragt die Konsumgier des Westens \u00fcbernehmen. Die bis vor einiger Zeit wirtschaftlich dominierenden Inder sind etwas in den Hintergrund geraten, daf\u00fcr werden jetzt in der Phase steigenden afrikanischen Selbstbewusstseins die Wei\u00dfen, speziell die Europ\u00e4er und Amerikaner attackiert. Es ist derzeit sogar von Landenteignung die Rede, wenngleich ich nicht wei\u00df, ob das ernst gemeint ist.<br \/>\nDaher sind die Einkaufszentren voll mit kauflustigen Kenianern, die auch das Geld dazu besitzen. Das wiederum f\u00f6rdert den Ausbau der gro\u00dfen Handelsketten, ein relativ neuer Player am Markt ist \u201eTuskys\u201c. Selbst in der bis vor einiger Zeit noch vertr\u00e4umten Maasai-Stadt Narok hat man ein riesiges Einkaufszentrum aus dem Boden gestampft. Die Stadt ist nicht wiederzuerkennen und hier sieht man gut, dass sich die Bev\u00f6lkerung in den letzten Jahrzehnten verdoppelt hat.<br \/>\nZugleich geht die Schere von Arm und Reich weiter auseinander, denn der immer noch sehr schmalen Oberschicht steht eine riesige bettelarme Unterschicht gegen\u00fcber, die allerdings ausschlie\u00dflich davon tr\u00e4umt irgendwann einen Aufstieg zu machen. Daher hat sich auch eine bewundernde Menschenmenge rund um den teuren Sportwagen versammelt.<\/p>\n<p>Unser Einkauf ist auch nicht billig, etwa 20.000 Kenia-Schilling legen wir f\u00fcr Essen und ein paar Safari-Kleinigkeiten hin. Das sollte f\u00fcr einige Tage reichen. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck bei Luis packen wir die Kisten f\u00fcr die morgige Abfahrt. Judy wird uns begleiten und gemeinsam werden wir nach Naro Moru fahren, wo ihre Familie lebt. Sie sind Kikuyu-Bauern und wie die meisten Familien mit einer zahlreichen Kinderschar gesegnet. <\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.22_Kenia\/packen.jpg\" title=\"packen.jpg\" alt=\"packen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 4: Packlogistik<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Luis checken wir den Toyota f\u00fcr die lange Reise. Der linke T\u00fcrschloss-Schnapper funktioniert nicht und Luis zerlegt die Seitenverkleidung, um den Fehler zu finden. Bis auch ein paar Kleinigkeiten ist das Auto jedoch in sehr gutem Zustand und fahrbereit. Wir haben die harten, aber widerstandsf\u00e4higen Reifen vom Toyota meines Vaters montiert und unser Equipment ist vollst\u00e4ndig \u2013 bis auf die tolle Camping-Lampe, die Thomy in Wien vergessen hat, was ihn seitdem st\u00e4ndig wurmt. Irgendwann ist das Auto dann voll \u2013 eigentlich brauchen wir zu zweit nur wenig Gep\u00e4ck, aber erstens tendiert ein gro\u00dfes Auto mehr Gep\u00e4ck aufzunehmen als ein kleines und zweitens haben wir ja mehrere Sees\u00e4cke mit dem Charity-Gewand mit.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.22_Kenia\/vollesAuto.jpg\" title=\"vollesAuto.jpg\" alt=\"vollesAuto.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: voller Toyota<\/p>\n<p>Nach der Reparatur des T\u00fcrschlosses sind wir fertig und auch hungrig. Also beschlie\u00dfen wir noch nach Westlands ins \u201eGipsys\u201c zu fahren und eine Kleinigkeit zu essen. Die gute Dusche davor beschr\u00e4nkt sich auf ein kalt-hei\u00dfes Tr\u00f6pferlbad, denn auch Luis ist auf die Elektrodusche umgestiegen, allerdings ist sein Fabrikat noch ein wenig bescheidener. Nur durch das schnelle Wechseln zwischen hei\u00df und kalt kann man eine Art unechten Durchschnitt erzeugen, was das Duscherlebnis merklich einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Im Gipsys ist die Musik viel zu laut, \u00fcberall h\u00e4ngen Flachbildschirme, auf denen englische Fu\u00dfballspiele gezeigt werden. Wir entscheiden uns f\u00fcr Cheeseburger und bekommen durchaus erw\u00e4hnenswertes Essen mit guter Qualit\u00e4t. Judy und ihre Schwester Marion tauchen auch noch auf und Thomy bestellt sein erstes Gin Tonic und sicherheitshalber auch gleich sein zweites, aber bei weitem nicht letztes in diesem Urlaub.<br \/>\nDa uns die M\u00fcdigkeit bald einholt fahren wir zur\u00fcck zu Luis und beenden diesen doch recht anstrengenden Tag. Als kleiner Abschluss f\u00e4llt noch die Armaturenbrettbeleuchtung des Toyota aus, kann aber mittels neuer Sicherung repariert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Nacht schlafe ich meistens schlecht, weil die Klimaumstellung nicht sofort funktioniert. Diesmal war es aber ganz okay und das Fr\u00fchst\u00fcck wartete schon. 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