{"id":1828,"date":"2015-04-30T15:59:28","date_gmt":"2015-04-30T14:59:28","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1828"},"modified":"2015-05-02T07:17:15","modified_gmt":"2015-05-02T06:17:15","slug":"kenia-von-nord-nach-sued-tag-3-die-fahrt-zum-mount-kenya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/kenia-von-nord-nach-sued-tag-3-die-fahrt-zum-mount-kenya\/","title":{"rendered":"Kenia von Nord nach S\u00fcd &#8211; Tag 3: Die Fahrt zum Mount Kenya"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben nur ein ganz kleines Fr\u00fchst\u00fcck eingeplant, aber Marion l\u00e4sst es sich nicht nehmen ein gr\u00f6\u00dferes daraus zu machen.<br \/>\nAu\u00dferdem entdecken wir, dass der K\u00fchlschrank nicht funktioniert. Das ist allerdings ein Problem, das wir noch l\u00f6sen m\u00fcssen, denn ohne K\u00fchlschrank funktionieren die beiden Campingwochen nicht.<br \/>\nLuis zeigt seine Mechanikerk\u00fcnste, er improvisiert einen Stecker und einen Anschluss und siehe da \u2013 der K\u00fchlschrank funktioniert.<br \/>\nSo wird es recht sp\u00e4t als wir endlich wegkommen und hoffen, Nairobi ohne allzu gro\u00dfe Verkehrsprobleme hinter uns lassen zu k\u00f6nnen. Bis auf einen kleinen Stau in Westlands funktioniert das sehr gut und wir befinden uns bald auf dem sechsspurigen Thika-Highway. Man darf sich das getrost als sehr breite Stra\u00dfe vorstellen, eine Art Stadtautobahn mit allen Schikanen. Eine dieser Schikanen sind pl\u00f6tzlich auftauchende Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberg\u00e4nge. Sie haben zwar an ein oder zwei Stellen Br\u00fccken \u00fcber den Highway gebaut, aber es gibt davon zu wenige und die Leute bevorzugen es \u00fcber die Bande zu springen und die Autobahn zu \u00fcberqueren. Daher empfiehlt sich langsames Fahren, zumindest bis zur Stadtgrenze.<br \/>\nBesonders t\u00fcckisch sind die Zu- und Abfahrten vom Thika-Highway. Sie sind g\u00e4nzlich anders konstruiert als unsere heimischen Zufahrten, denn es fehlt die Beschleunigungsspur. Luis hat uns gewarnt, dass es hier jede Menge Unf\u00e4lle gibt, die er oft bis in seine Werkstatt hin\u00fcber h\u00f6rt. Die Chinesen bauen schnell, aber ihre Stra\u00dfen sind oft nicht ganz durchdacht.<br \/>\nBei den zahlreichen Police-Checks werden wir seltsamerweise durchgewunken und der Verkehr h\u00e4lt sich in Grenzen, weil am Sonntag weniger LKW unterwegs sind.<br \/>\nWenn wir schon bei der Sicherheit sind: Am Vortag hat mich noch mein Vater angerufen und gemeint, dass das \u00f6sterr. Au\u00dfenministerium eine Reisewarnung f\u00fcr Marsabit ausgesprochen habe. Ich kann das nicht ganz glauben und tippe eher darauf, dass eine uralte Meldung einfach nicht gel\u00f6scht worden war.<br \/>\nJedenfalls wollen wir uns noch absichern und rufen bei Henry an, dessen Kontaktdaten wir von Luis in Nairobi bekommen haben.<br \/>\nEr ist Schweizer, hat angeblich 15 Kinder und betreibt ein Camp neben dem Marsabit-Park. Er ist zwar \u201eout\u201c, aber eine nette Frauenstimme beteuert, dass der Weg sicher sei und Marsabit sowieso. Wir m\u00fcssten auch nicht gro\u00df reservieren und k\u00f6nnten einfach vorbeikommen.<br \/>\nNun stellt sich die Frage, wie relevant das f\u00fcr uns ist. Woher hat das Au\u00dfenministerium diese Information und wie alt ist sie? Ich beschlie\u00dfe bei Henry anzurufen, um seine Einsch\u00e4tzung direkt vor Ort zu bekommen. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass die Al-Shabab im Niemandsland auf uns wartet und dort oben gibt es enorm viel Gegend und nur ganz wenige Menschen, die meisten davon Hirten vom Volk der Samburu oder Rendile. Die Terroristen brauchen \u00d6ffentlichkeit, deswegen haben sie ja auch ein belebtes Einkaufszentrum der Oberschicht attackiert. Au\u00dferdem rede ich noch mit Peter Baumgartner, ebenfalls ein Schweizer und ein guter Freund von Luis, der sich dort oben sehr gut auskennt. Er beschwichtigt: dort w\u00e4re noch nie ein Tourist zu Schaden gekommen, es sei so friedlich wie immer.<br \/>\nWir glauben den lokalen Experten und beschlie\u00dfen hinauf zu fahren. Vorher m\u00fcssen wir aber noch nach Naro Moru und das \u2013 wenn m\u00f6glich \u2013 vor der Dunkelheit.<br \/>\nDie Fahrt verl\u00e4uft unspektakul\u00e4r und ich erinnere mich wieder an die Route, die ich das letzte Mal vor 9 Jahren gefahren war.<br \/>\nIn einem Ort im Hochland \u00fcberqueren wir eine alte Schmalspur-Bahnstrecke. Sie ist schon seit Jahrzehnten aufgelassen und erinnert daran, dass Ostafrika fr\u00fcher sehr gut durch die Bahn erschlossen war. Heute sind fast alle Linien stillgelegt und alles setzt auf den st\u00e4ndig wachsenden Autoverkehr.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/bahnbuben.jpg\" title=\"bahnbuben.jpg\" alt=\"bahnbuben.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 6: Buben an einer l\u00e4ngst aufgelassenen Bahnstrecke<\/p>\n<p>Der Mount Kenya empf\u00e4ngt uns fast wolkenfrei und in Naro Moru warten sie schon auf uns mit einem \u00fcppigen, wenn auch deutlich versp\u00e4teten Mittagessen. Wir sind zu Gast auf der Farm der Familie, irgendwo auf einem Grundst\u00fcck neben einer nicht sehr belebten, staubigen Stra\u00dfe. Aber irgendwie ist es sehr nett hier, wir werden freundlich begr\u00fc\u00dft und lernen Heather kennen, die ca. vierj\u00e4hrige Nichte von Judy und Marion. Die Kleine nimmt mich und Thomy sofort an der Hand und beschlie\u00dft uns nicht mehr loszulassen.<br \/>\nDie Farm ist so wie man sich so eine Farm vorstellt. Hendln rennen herum und fliegen am Abend in einen gro\u00dfen Avocado-Baum, wo jede ihre Schlafst\u00e4tte hat und in dem sie gegen Raubtiere gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/avocados.jpg\" title=\"avocados.jpg\" alt=\"avocados.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 7: so wachsen Avocados<br \/>\nEs gibt Flie\u00dfwasser aus einem Schlauch, der Strom ist aufgrund eines Defekts an der Solaranlage ausgefallen und es gibt eine Handvoll K\u00fche, etliche Schafe und Ziegen und eine Menge Kinder.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/kids.jpg\" title=\"kids.jpg\" alt=\"kids.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 8: In Kenya gibt es jede Menge Kinder<\/p>\n<p>Der Tag ist etwas ganz Besonderes, denn wir sind zu Gast bei einer Bauernfamilie am Fu\u00dfe des Mount Kenia. Als wir ankommen steht bereits ein gutes Essen parat: H\u00fchnchen, ein Gem\u00fcseeintopf, Salat, Fladenbrot und ein f\u00fcr diese Gegend typisches Gericht namens \u201eMukimo\u201c aus Erd\u00e4pfeln, Erbsen und Mais und Spinat, das zu einer Art festem Brei verarbeitet wird. Wir haben es schon am Vortag im Homeland bekommen und es ist eine sehr gute Beilage, die von den Kikuyu auch gerne als Hauptspeise gegessen wird. Man bekommt sie in keinem Touristenlokal, so wie die meisten kenianischen Speisen. Essen die Touristen das nicht, weil sie es nicht bekommen oder bekommen sie es nicht, weil sie es nicht essen? Diese Frage konnte ich noch nicht kl\u00e4ren, aber ich finde es sehr schade, weil es gibt exzellente Gem\u00fcsesorten, die ich tw. nicht einmal vom Namen kenne. Vor allem die zahlreichen Knollen sind nahrhaft und \u2013 richtig zubereitet \u2013 einfach k\u00f6stlich.<br \/>\nIch glaube, dass hier zwar kein bewusster Keil zwischen die Essenskulturen getrieben wird, aber die Tourismusindustrie tut auch absolut nichts um den breiten Graben zu \u00fcberwinden. Davon werde ich sp\u00e4ter noch berichten.<br \/>\nNat\u00fcrlich schmeckt es anders und tw. auch ungewohnt. Als uns David, der Bruder von Judy am Abend noch einmal Mukimo zubereitet, warnt er uns vor scharfen Knochensplittern. Er hat \u2013 wie hier durchaus \u00fcblich \u2013 einfach H\u00fchnerteile klein gehackt und das darin enthaltene Fett als Basis f\u00fcr die Zubereitung verwendet. So muss man sehr vorsichtig essen, um die Knochensplitter entfernen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich mache den Vorschlag den restlichen Nachmittag zu n\u00fctzen und die Stra\u00dfe bis zur Grenze des Nationalparks hinauf zu fahren. Ich war seit neun Jahren nicht mehr dort und der Mount Kenya ist einer meiner Lieblingsberge. Wir werden diesmal zwar nicht hinauf gehen, aber zumindest war ich dann dort, mehr oder weniger halt.<br \/>\nJudy und ihre Schwester fahren mit und wir beschlie\u00dfen, nicht zu sp\u00e4t wieder zur\u00fcck zu fahren, schlie\u00dflich muss ich noch mein Zelt aufbauen und das funktioniert bei Licht deutlich einfacher.<br \/>\nDie Fahrt ist einfach, ich kenne die Strecke ja recht gut und wir passieren ein paar D\u00f6rfer am Weg bergan.<br \/>\nAuch der Mount Kenya National Park ger\u00e4t inzwischen unter Druck durch die st\u00e4ndig wachsende Bev\u00f6lkerung, die Acker- und Weideland braucht sowie viel, sehr viel Holz zum Kochen.<br \/>\nDaher treiben die Hirten ihre Herden hoch hinauf in den Bergwald.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/schafeMtKenya.jpg\" title=\"schafeMtKenya.jpg\" alt=\"schafeMtKenya.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 9: Schafe und K\u00fche im Bergwald, vor ein paar Jahren noch Dickicht mit Wildtieren<\/p>\n<p>Am folgenden Bild sieht man die K\u00fcche unserer Gastgeber \u2013 gekocht wird mit Holz und T\u00f6pfen, das w\u00e4re soweit alles.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/k\u00fcche.jpg\" title=\"k\u00fcche.jpg\" alt=\"k\u00fcche.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 10: K\u00fcche<\/p>\n<p>An der Parkgrenze sehe ich, dass es den alten Hangar f\u00fcr das Rettungsflugzeug zwar noch gibt, Judy erkl\u00e4rt mir jedoch, dass es schon seit vielen Jahren nicht mehr da sei, sondern jetzt auf der anderen Seite des Berges. Das stimmt mich leicht melancholisch, denn ich habe noch das Dia von Gabor vor mir, als wir 1992 an der gleichen Stelle stehen geblieben und den Hangar samt Flugzeug fotografiert haben.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/hangar.jpg\" title=\"hangar.jpg\" alt=\"hangar.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 11: der leere Flugzeughangar<\/p>\n<p>Es soll nicht das letzte Mal sein, dass ich die Ver\u00e4nderungen von Jahrzehnten leicht schmerzlich zu Gesicht bekomme.<br \/>\nAls wir uns ein wenig die Beine vertreten kommt eine Fuhre Tr\u00e4ger von oben \u2013 sie sind stets wesentlich schneller als die Touristen und haben wieder eine Tour bew\u00e4ltigt. Ich w\u00fcrde jetzt sehr gerne auf den Berg gehen, auch das Wetter w\u00fcrde passen. Da wir aber weder Ausr\u00fcstung noch Zeit mitgebracht und au\u00dferdem andere Pl\u00e4ne haben, wende ich mich wieder ab vom Mount Kenia.<\/p>\n<p>Wir fahren wieder hinunter und Judy zeigt uns noch den Betrieb, in dem sie arbeitet. Dort hat ein Amerikaner einen Hochseilgarten gebaut und wir sehen uns das Gel\u00e4nde an. F\u00fcr eine \u00dcbernachtung nahe am Berg w\u00e4re das gar nicht \u00fcbel, es gibt viel Platz um zu campen und auch die notwendige Infrastruktur. Und es ist wie ausgestorben. Judy meint, dass gerade keine G\u00e4ste da w\u00e4ren und das stimmt mich nachdenklich.<br \/>\nWie sieht es aus mit dem Tourismus? Schlie\u00dflich leben hier sehr viele Menschen davon, \u00e4hnlich wie in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Die Fahrt zum Grundst\u00fcck von Judys Eltern ist insofern ein Hallo, als wir von der Hauptstra\u00dfe, die von der Naro Moru River Lodge zum Parkeingang f\u00fchrt, abzweigen m\u00fcssen. Das machen Touristen normalerweise nicht und so sind die \u201eMuzungus\u201c (Wei\u00dfe) die Attraktion. Es hat sich herumgesprochen, dass wir da sind und wir schauen in viele neugierige, aber freundliche Gesichter.<br \/>\nLuis hat dem Vater seiner Freundin Marion ein Grundst\u00fcck abgekauft und plant, dort einmal ein Haus zu bauen. Wasser gibt es in Form einer Leitung, die vom Berg kommt. Ansonsten gibt es nichts, zumindest noch nicht. Aber wir k\u00f6nnen unser Zelt aufschlagen, wobei wir die Aufteilung diesmal so machen, dass Thomy im Auto schl\u00e4ft und ich im Zelt. Der Toyota hat ein Hochdach, in dem theoretisch zwei Personen schlafen k\u00f6nnen, aber gem\u00fctlich ist es nur f\u00fcr eine, zumindest wenn sie so gro\u00df ist wie wir.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/zeltplatz.jpg\" title=\"zeltplatz.jpg\" alt=\"zeltplatz.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 12: Unser Zeltplatz<\/p>\n<p>Leider ist der Toyota ziemlich verbaut. Das Hochdach ist unpraktisch, weil es fix ist und nicht, so wie bei unserem anderen Toyota, ein Hubdach, das man f\u00fcr die Fahrt einklappen kann. Von den Mechanikern von Luis wird der Wagen liebvoll \u201eThe Egg\u201c genannt. Au\u00dferdem hat das Hochdach keine Fenster und ist nur mit akrobatischen Verrenkungen zug\u00e4nglich. Die Dachluke hat eine wackelige Schlie\u00dfkonstruktion und muss w\u00e4hrend der Fahrt gegen spontanes Aufklappen gesichert werden.<br \/>\nMit dem Auto f\u00e4llt man immer und \u00fcberall auf. Den Toyota gibt es dort wie Sand am Meer, aber nicht mit Hochdach. Wir haben au\u00dferdem einen gro\u00dfen \u00d6sterreich-Aufkleber vorne drauf und das mag einer der Gr\u00fcnde sein, warum wir von Zeit zu Zeit bei einem Police-Check aufgehalten werden. Davon sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Als es dunkel wird marschieren wir wieder die hundert Meter zum Bauernhaus hinauf. Dort werden all die Kleidungsst\u00fccke, die wir mitgebracht haben, vorsortiert. Die Familienmitglieder d\u00fcrfen sich nat\u00fcrlich ein paar besonders sch\u00f6ne St\u00fccke aussuchen, den Vogel schie\u00dft eindeutig der Bruder von Judy ab, der ein wei\u00dfes Gala-Sakko der Wiener Polizeimusik bekommt \u2013 es passt ihm \u00fcbrigens sehr gut. Alle haben eine Riesenfreude, Judy und ihre Schwester bekommen zwei erstklassige Tagesrucks\u00e4cke und auch f\u00fcr die Kinder ist etwas da.<br \/>\nMorgen fr\u00fch werden die Tr\u00e4ger, F\u00fchrer und K\u00f6che zusammengetrommelt, die gerade nicht am Berg sind. Jetzt jedoch ist es Zeit f\u00fcr ein gutes Bier und wir versammeln uns in dem Raum, den man mit etwas Phantasie als Wohnzimmer bezeichnen kann. Er ist auch Esszimmer und es finden sich eine Couch und zwei Sofas plus zwei Tische \u2013 ausreichend f\u00fcr uns und die Familie plus noch zwei oder drei Freunde.<br \/>\nDer Abend ist gesellig, wenngleich die Solaranlage einen Defekt hat und wir uns das Licht aus einer brustschwachen, stinkenden Petroleumlampe plus unseren Taschenlampen erzeugen m\u00fcssen.<br \/>\nBis sp\u00e4t in den Abend werden Geschichten erz\u00e4hlt \u2013 einmal wir, dann wieder sie. Es geht um Politik, Kultur und das Leben ganz allgemein. Das ist auch etwas, das man als normaler Tourist schlicht und einfach niemals erlebt, denn das Zusammentreffen mit den hier lebenden Menschen geschieht nur in streng vorgeplanten Formen: beim Besuch einer Touristen-Manyatta (Lehmh\u00fcttendorf der Maasai) oder wenn man mit Servierpersonal oder Zimmerm\u00e4dchen zu tun hat \u2013 meist jedoch sind auch das nur sehr kurze Begegnungen.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen ein wenig am echten Leben einer kenianischen Familie teilhaben und das ist interessant und lehrreich. Diese Menschen sind sicher nicht ungl\u00fccklicher als wir, obwohl sie wesentlich weniger materielle G\u00fcter besitzen. <\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.02.23_Kenia\/Bauernhof.jpg\" title=\"Bauernhof.jpg\" alt=\"Bauernhof.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 13: Bauernhof<\/p>\n<p>Die Familie von Judy ist nicht reich, nicht einmal kenianischer Mittelstand, aber sie leben ein gen\u00fcgsames Leben in einer fruchtbaren Gegend, die sie mit allem versorgt, was lebensnotwendig ist. Und selbstverst\u00e4ndlich hat jeder ein Handy, das ist in Kenia mindestens genauso wichtig wie bei uns.<br \/>\nDurch das Mobiltelefon hat sich unglaublich viel ver\u00e4ndert. Die meisten Kenianer haben zwar (noch) kein Smartphone, aber das Telefonnetz ist gut ausgebaut und die Tarife sind niedrig. Kenia und auch die anderen afrikanischen Staaten sind bev\u00f6lkerungsreich und somit interessante M\u00e4rkte f\u00fcr die gro\u00dfen Mobilfunkfirmen. Es gibt inzwischen eine ganze Menge davon, die bekannteste ist \u201eSafaricom\u201c. Auch wir haben so ein lokales Mobiltelefon und es funktioniert fast \u00fcberall gut. Nur die Daten\u00fcbertragung ist da und dort noch nicht m\u00f6glich oder funktioniert nur tempor\u00e4r.<br \/>\nDie Menschen in Kenia lachen mehr als die in \u00d6sterreich, so viel ist klar. Offensichtlich kann man auch ohne Flatscreen und Auto gl\u00fccklich sein, wenngleich sich die meisten Kenianer auch solche Konsumgegenst\u00e4nde w\u00fcnschen und durchaus der Meinung sind, dass sie dadurch gl\u00fccklicher werden k\u00f6nnten. Doch auch dort gilt: mehr zu haben als der Nachbar ist das eigentliche Ziel und so k\u00f6nnen sie mit wesentlich weniger gl\u00fccklich werden, weil die anderen auch nicht mehr haben.<br \/>\nWerden sie, sofern es dort irgendwann einen \u00e4hnlichen Konsumrausch gibt wie bei uns, dadurch wirklich gl\u00fccklicher? Oder bauen sie dann auch hohe Z\u00e4une und Mauern, um den Besitz gegen andere zu sichern? Diese hohen Mauern gibt es jetzt schon \u00fcberall in Kenia und gef\u00fchlterma\u00dfen ein Viertel aller Kenianer arbeitet irgendwo als Security, um Besitz \u2013 meist von Firmen \u2013 gegen die anderen drei Viertel zu sch\u00fctzen.<br \/>\nIch hoffe nicht, dass die Zukunft dieses wundersch\u00f6nen Landes so aussieht. Noch ist es nicht zu sp\u00e4t, die Menschen wirken dort noch gl\u00fccklich, auch wenn sie nicht so viel Dinge besitzen wie wir.<\/p>\n<p>In Kenia muss man den Tagesrhythmus umstellen, sonst erlebt man keine sch\u00f6ne Zeit. Man geht mit der Sonne schlafen und steht mit der Sonne wieder auf. Das muss man zwar nicht so genau nehmen, aber wir sind meist gegen 22 Uhr schlafen gegangen und lange vor dem Morgengrauen aufgewacht. In Wien gehe ich selten vor Mitternacht schlafen, wache dann aber meist auch nicht so fr\u00fch auf. <\/p>\n<p>Als wir das Farmhaus verlassen, ist es drau\u00dfen auf einmal eiskalt. Unter Tags hatte es \u00fcber drei\u00dfig Grad, jetzt vielleicht noch zehn. Wir haben nur T-Shirts an und beeilen uns Richtung Schlafsack. Den brauchen wir diese Nacht auch dringend, ich meinerseits habe aus Bequemlichkeit das \u00dcberzelt nicht aufgebaut und hoffe, dass es in der Nacht nicht regnet. Dem ist auch so, aber in der Fr\u00fch ist trotzdem alles nass, weil erheblich Tau gefallen ist. Sobald jedoch die Sonne herau\u00dfen ist, trocknet alles blitzschnell und einem fr\u00fchen Aufbruch sollte nichts im Wege stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben nur ein ganz kleines Fr\u00fchst\u00fcck eingeplant, aber Marion l\u00e4sst es sich nicht nehmen ein gr\u00f6\u00dferes daraus zu machen. Au\u00dferdem entdecken wir, dass der K\u00fchlschrank nicht funktioniert. 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