{"id":1857,"date":"2015-05-03T06:46:48","date_gmt":"2015-05-03T05:46:48","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1857"},"modified":"2015-05-13T06:15:18","modified_gmt":"2015-05-13T05:15:18","slug":"kenia-von-nord-nach-sued-tag-14-die-fahrt-nach-mombasa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/kenia-von-nord-nach-sued-tag-14-die-fahrt-nach-mombasa\/","title":{"rendered":"Kenia von Nord nach S\u00fcd &#8211; Tag 14: Die Fahrt nach Mombasa"},"content":{"rendered":"<p>Meine innere Uhr stellt sich als zuverl\u00e4ssiger heraus als der Wecker, der schlicht und einfach nicht l\u00e4utet. Es ist 03.59 Uhr und wir trinken einen schnellen Tee. Die am Vortag im Sarit Center gekauften Donuts stellen sich als steinhart heraus, aber ich habe sowieso keinen Hunger. Erstens ist es zu fr\u00fch, zweitens hat sich doch ein gewisses Reisefieber eingestellt und drittens will ich einfach nur weg. Jede Minute ist eine Verz\u00f6gerung, von der wir nicht wissen, ob sie sich nicht am Ende bitter r\u00e4cht.<br \/>\nSchlie\u00dflich schaffen wir es um 04.40 tats\u00e4chlich beim Tor hinaus zu fahren und die k\u00fchle, aber angenehme Nachtluft empf\u00e4ngt uns. Es ist ein Erlebnis der anderen Art Nairobi um diese Zeit zu durchqueren und es geht unglaublich schnell.<br \/>\nZu allem \u00dcbel ist uns am Abend noch der Blinker ausgefallen. Wir haben zwar noch am Relais ger\u00fcttelt und die Sicherung angesehen, aber wir konnten auch mit Luis Hilfe den Blinker nicht reparieren.<br \/>\nDas ist zwar unangenehm, aber es muss halt ohne gehen.<br \/>\nUm Punkt f\u00fcnf Uhr fahren wir \u00fcber den letzten Kreisverkehr am Uhuru-Highway und verlassen Nairobi. Wir haben noch mehr als 1,5 Stunden Fahrt in der Dunkelheit vor uns \u2013 etwas, das man nur mit viel Routine auf Kenias Stra\u00dfen tun sollte. Zu viele Wahnsinnige und Betrunkene sind in der Nacht unterwegs und die Stra\u00dfen halten das eine oder andere Schlagloch oder sonstige \u00dcberraschungen bereit.<br \/>\nNun wird es spannend: wie viel LKW-Verkehr wird es geben? Wir haben die Information, dass die LKW erst bei Sonnenaufgang Richtung Mombasa aufbrechen. Das stellt sich als grundfalsch heraus, sie fahren die ganze Nacht. Wir befinden uns auf der Hauptverkehrsroute von Mombasa Richung Uganda und manchmal treffen wir auf ganze LKW-Kolonnen.<br \/>\nDas ist m\u00fchsam und stressig, denn man muss sie \u00fcberholen. Viele fahren gerade mal 30 km\/h \u2013 manche, weil sie nicht schneller k\u00f6nnen, andere aus welchem Grund auch immer.<br \/>\nWir haben ein linksgesteuertes Auto und in Kenia ist Linksverkehr. \u00dcberholen ist \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur mit einem entsprechend guten Beifahrer m\u00f6glich, im Idealfall ist man exzellent aufeinander eingespielt.<br \/>\nDa Thomy und ich seit 2000 nun schon das f\u00fcnfte Mal gemeinsam unterwegs sind, wissen wir wie es l\u00e4uft: \u201eLangsam raus\u201c hei\u00dft, dass ich etwas nach rechts fahre, so dass Thomy sieht, ob etwas entgegen kommt. \u201eSteig drauf\u201c hei\u00dft: raus und Vollgas!<br \/>\nSo kann man ganze Kolonnen \u00fcberholen, aber es ist sehr sehr anstrengend und nicht ungef\u00e4hrlich: es kann jederzeit ein Auto aus einem Querweg kommen oder ein gerade \u00dcberholter schert aus \u2013 das Schreckensszenario ist breit gef\u00e4chert.<br \/>\nDazu kommt die dauernde Hoffnung, dass es irgendwann weniger LKW werden, leider bleibt sie lange Zeit unerf\u00fcllt.<br \/>\nDie Stra\u00dfe ist sehr gut und hat auf beiden Seiten eine Art Pannenstreifen, der jedoch sehr schmal ist und den man vor allem in der Dunkelheit nicht befahren sollte. Es kann jederzeit ein Radfahrer auftauchen oder ein Moped, beide nat\u00fcrlich unbeleuchtet. Oder ein LKW hat eine Panne oder ist aus sonst einem Grund am Rand abgestellt. Auch er unbeleuchtet. Es gibt in Kenia auch nur selten Pannendreiecke. Wer eine Panne hat, reisst ein paar Zweige vom n\u00e4chsten Baum und dekoriert die Gefahrenstelle rund um das Auto. Wenn es der Fahrer schlau macht, dann legt er noch ein oder zwei Zweige hinter die n\u00e4chste Kurve.<br \/>\nDie Mombasa-Road ist ab Nairobi eine l\u00e4ngere Zeit ziemlich bergig und un\u00fcbersichtlich. Das ist besonders in der Nacht eine Herausforderung, ich habe sie jedenfalls wesentlich gerader und lang nicht mit so viel auf und ab in Erinnerung. Damals war nat\u00fcrlich wesentlich weniger Verkehr, allerdings war auch die Stra\u00dfe in einem schlechteren Zustand.<br \/>\nThomy reicht mir immer wieder mal die Wasserflasche, ansonsten machen wir l\u00e4ngere Zeit keine Pause. Es ist eine Horrorvorstellung, dass bei einer Pause all die LKW, die wir gerade m\u00fchsam \u00fcberholt haben, wieder an uns vorbei fahren.<br \/>\nEs sind viele LKW, eigentlich sogar sehr viele. Manchmal gibt es ein oder zwei Minuten eine leere Strecke, aber dann f\u00e4hrt man auf die n\u00e4chste Kolonne auf. Daf\u00fcr halten die Reifen und wirken sehr vertrauenserweckend. Das beruhigt uns ein wenig.<\/p>\n<p>Dann d\u00e4mmert es langsam, im Osten zeigt sich ein oranger Lichtschimmer und langsam wird es hell. Das ver\u00e4ndert alles, denn jetzt sind die Autos sichtbarer und auch der Stra\u00dfenrand wird besser \u00fcberschaubar. So ist das Fahren ein bisschen weniger anstrengend, aber wir haben nach zwei Stunden Fahrt noch immer nicht allzu viele Kilometer zur\u00fcck gelegt. Die Stra\u00dfe wird jetzt auch flacher, wir kommen langsam aus den Bergen in die Ebene. Leider habe ich keine Augen f\u00fcr die teilweise grandiose Landschaft, der Verkehr verlangt volle Konzentration.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.03.05_Kenia\/morgenr\u00f6te.jpg\" title=\"morgenr\u00f6te.jpg\" alt=\"morgenr\u00f6te.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 98: Morgenr\u00f6te<\/p>\n<p>Irgendwann machen wir eine kurze Pinkelpause und essen zwei Bananen, doch dann treibt uns der Zeitdruck voran und wir hoffen bald die H\u00e4lfte des Weges geschafft zu haben.<br \/>\nBesonders gef\u00e4hrlich sind die Overland-Busse. Das sind riesige Fernbusse, in denen jede Menge Menschen sitzen und vorne ein irrer Fahrer. Die Fahrer von Overland-Bussen sind allesamt irre, ich darf das sagen, weil ich hatte mit ihnen zu tun, in diesem Fall 500 Kilometer lang.<br \/>\nWenn sie entgegenkommen und \u00fcberholen, dann bleiben sie einfach drau\u00dfen. Du siehst, dass sich das nicht ausgeht und realisierst: zur\u00fcck kann er nicht mehr und wenn er am Gas bleibt, geht sich das nie und nimmer aus. Keine Chance, niemals!<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.03.05_Kenia\/lkw2.jpg\" title=\"lkw2.jpg\" alt=\"lkw2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 99: LKW \u00fcberholen<\/p>\n<p>Was tun? Du hast eigentlich keine Zeit um eine Entscheidung zu treffen, sondern musst einfach handeln. Das bedeutet, du musst rechtzeitig seinen \u00dcberholvorgang bemerken und sofort runter vom Gas gehen, manchmal auch bremsen. Wenn du langsam genug bist, schleichst du dich nach links runter von der Fahrbahn. Sofern dort etwas ist, wo du dich hinschleichen kannst.<br \/>\nDann donnert er vorbei und du kannst deine Fahrt wieder fortsetzen. Die Fahrer wissen genau, dass sie st\u00e4rker sind und k\u00f6nnen dich damit zwingen von der Stra\u00dfe zu weichen. Wer das mit 80 probiert, ist wahrscheinlich um ein paar \u00dcberschl\u00e4ge reicher.<br \/>\nIch m\u00f6chte nirgends auf der Welt einen Unfall haben, aber hier ganz besonders nicht. Es gibt zwar eine Ambulanz, aber ob die kommt und wann und was die dann mit dir tut oder wohin sie dich bringt, das findet man besser nicht heraus.<br \/>\nSomit ist vorausschauendes Fahren das Gebot der Stunde und f\u00fcr uns des ganzen Tages. <\/p>\n<p>Dann erreichen wir den Tsavo-Nationalpark, den die Mombasa-Road in \u201eTsavo East\u201c und \u201eTsavo West\u201c teilt. Der Park ist der gr\u00f6\u00dfte in Kenia und besteht aus einer einzigen, riesigen Ebene. F\u00fcr Safari kann ich ihn nicht so wirklich empfehlen, trotzdem ist er beliebter Zielort f\u00fcr billige Safaris von Mombasa aus.<br \/>\nHier entdecken wir auch das n\u00e4chste Gro\u00dfprojekt. Ich wei\u00df nicht was die Chinesen hier bauen, aber es wird gewaltig. Sie sch\u00fctten Unmengen rote Erde zu einer hohen, breiten Trasse auf, die neben der Stra\u00dfe verl\u00e4uft. Wird das ein neuer Mombasa-Highway? Die Menge des Verkehrs w\u00fcrde das erfordern. Auf jeden Fall wird hier eine Unmenge an Material bewegt.<br \/>\nLeider setzt Kenia voll auf den Autoverkehr. Die alten Bahnverbindungen wurden entweder stillgelegt oder sie werden wenig ben\u00fctzt. Wir sehen auf der gesamten Strecke gerade mal einen G\u00fcterzug mit Containern, der Rest f\u00e4hrt auf der Stra\u00dfe. Dass die Eisenbahnstrecke nicht elektrifiziert wurde, brauche ich nicht extra erw\u00e4hnen.<br \/>\nImmer wieder stehen am Stra\u00dfenrand Crash-Denkm\u00e4ler. Das sind vollkommen zerst\u00f6rte Unfallautos, die auf ein Podest gestellt werden, meist garniert mit einem Sinnspruch gegen Raserei.<br \/>\nIch sch\u00e4tze, dass die genauso viel wirken wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Wir jedenfalls sind uns der Gefahren durchaus bewusst und fahren mit 80, maximal 90 Richtung Mombasa.<br \/>\nIrgendwann erreichen wir Mtito Andei, dann Voi und jetzt wird es punkto Tanken interessant. Wir d\u00fcrfen maximal 25% Tankinhalt haben, wenn wir das Auto abgeben. Also gilt es die Liter zu berechnen, denn wir wollen noch genug Sprit f\u00fcr meinen Bruder drin lassen, vor allem, weil der hier ja deutlich billiger ist als in Europa. An jedem Stop sieht man nat\u00fcrlich LKW ohne Ende.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.03.05_Kenia\/lkw.jpg\" title=\"lkw.jpg\" alt=\"lkw.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 100: LKW<\/p>\n<p>Die erste Tankstelle, die wir ansteuern, hat keinen Diesel. Die zweite hat zwar Diesel, aber eine lange Warteschlange. Wir stellen uns hinten an und beobachten, wie die LKW, die wir gerade m\u00fchsam \u00fcberholt haben, an uns vorbei ziehen, einer nach dem anderen. Kurz bevor wir an der Reihe sind, meint der Tankwart, dass der Diesel leider aus w\u00e4re.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise ist gleich daneben noch eine weitere Tankstelle und sie haben Diesel, daf\u00fcr aber keine Warteschlange.<br \/>\nIrgendwann ver\u00e4ndert sich die Stra\u00dfe und wird schlechter. Das ist jetzt die Mombasa-Road, wie ich sie von fr\u00fcher kenne: eng und mit Schlagl\u00f6chern.<br \/>\nBesonders prickelnd wird es, wenn man einen LKW \u00fcberholt, der genau dann einem Schlagloch ausweicht. Da es viele LKW gibt und auch jede Menge Schlagl\u00f6cher und alle LKW allen Schlagl\u00f6chern ausweichen, fahren wir etliche Kilometer Schlangenlinie. Das ist noch anstrengender als sonst und ich merke, wie die 7 Stunden fahrt ohne nennenswerte Pause langsam an meinen Kr\u00e4ften zehren. Auch Thomy geht es nicht viel besser, denn er muss sich fast genauso konzentrieren. Wir merken es daran, dass wir langsam aggressiv werden und uns gegenseitig da und dort sinnlose Vorw\u00fcrfe machen.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise sind wir ein wirklich gut eingespieltes Team und k\u00f6nnen diese kleine Krise bew\u00e4ltigen.<br \/>\nIrgendwann wird die Ebene noch flacher und wir ahnen, dass Mombasa nicht mehr fern ist. Die Landschaft hat sich auch ver\u00e4ndert, seit einiger Zeit sieht man die ber\u00fchmten Baobab-B\u00e4ume und es wird auch st\u00e4ndig hei\u00dfer.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.03.05_Kenia\/baobab.jpg\" title=\"baobab.jpg\" alt=\"baobab.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 101: Baobab-B\u00e4ume<\/p>\n<p>Dann ist es soweit, wir merken, dass wir uns Mombasa ann\u00e4hern, weil der Verkehr dichter wird. Er wird sogar sehr dicht und wir fahren langsam durch die Vororte. Diese sind im Laufe der letzten zwanzig Jahre sehr gewachsen und so dauert es relativ lang.<br \/>\nWir sind trotzdem guter Dinge, denn es ist erst 12.30 Uhr und wir haben noch gen\u00fcgend Zeit um Mombasa zu durchqueren.<br \/>\nDas stellt sich allerdings als gar nicht leicht heraus. Wir befinden uns in einer Art Donnerstag-Mittag-Stau und der ist nicht von schlechten Eltern: LKW, Minibusse, PKW und jede Menge Motorr\u00e4der und nat\u00fcrlich Tuk-Tuks. Das sind die kleinen Motor-Rikschas, die aus dem asiatischen Raum kommen und urspr\u00fcnglich in Italien erfunden wurden. Dort hat sie die Firma Piaggio als \u201eApe\u201c gebaut, als Lastendreirad, das auch menschliche Last bef\u00f6rdern kann.<br \/>\nHier haben sie sich auch durchgesetzt und es gibt Millionen davon. Sie haben kleine, nicht allzu abgasfreundliche Zweitakter, sind robust und mit sehr einfacher Technik ausgestattet. Die Fahrer sind so wie die meisten Taxifahrer bei uns nicht die Eigent\u00fcmer der Tuk-Tuks. Sie dr\u00e4ngen sich in jede kleinste L\u00fccke und sind wahre Meister im L\u00fcckenfinden. Selbst wenn es beim besten Willen keine L\u00fccke mehr gibt, ist noch Platz f\u00fcr ein Tuk-Tuk. Oder auch zwei. Bei drei ist dann allerdings wirklich Schluss, vor allem, nachdem sich das vierte und f\u00fcnfte hineingedr\u00e4ngt hat.<br \/>\nWir bewahren die Nerven, unser Toyota hat vorne einen Rammschutz, der auch von Tuk-Tuk-Fahrern problemlos respektiert wird.<\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.03.05_Kenia\/mombasastau.jpg\" title=\"mombasastau.jpg\" alt=\"mombasastau.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 102: Stau in Mombasa<\/p>\n<p>Nach langer Zeit im hei\u00dfen Auto kommen wir bei einem Geb\u00e4ude an, das uns als Treffpunkt von Frank genannt wurde. Leider kann man davor nicht anhalten und schon gar nicht parken, daher fahren wir einmal rundherum bis an die R\u00fcckseite des Hauses. Dort befindet sich eine kleine Stra\u00dfe, in der wir provisorisch parken k\u00f6nnen. Das ist zwar sicher nicht erlaubt, aber wir sind m\u00fcde, ersch\u00f6pft, durstig und verschwitzt. Wir bleiben hier jetzt einfach stehen. Sie k\u00f6nnen uns ja wegtragen, wenn sie wollen.<br \/>\nEs kommt aber niemand und die W\u00e4chter des Parkhauses daneben meinen nur, wir sollten zwei Meter weiter nach vorne fahren, dann k\u00e4men alle Parkenden vorbei und niemand h\u00e4tte ein Problem damit.<br \/>\nIch rufe Frank an und er meint, er w\u00e4re in zwanzig Minuten da. Ich rechne daher nicht vor einer halben Stunde mit ihm, eher in 45 Minuten.<br \/>\nEs ist hei\u00df und wir finden gl\u00fccklicherweise heraus, dass doch noch etwas Wasser im Tank ist. Einmal Banane essen und H\u00e4nde waschen l\u00f6st durchaus Entz\u00fccken aus. Noch viel sch\u00f6ner w\u00e4re es allerdings, wenn uns Frank nicht warten lie\u00dfe, inzwischen ist eine knappe Stunde vergangen und ich frage mich, warum wir wie die Verr\u00fcckten LKW \u00fcberholt haben, wenn wir jetzt in einer staubigen, hei\u00dfen Nebengasse auf Frank warten m\u00fcssen.<br \/>\nIch rufe ihn an und er meint, er w\u00e4re gleich da und wo wir denn seien.<br \/>\nNa, auf der R\u00fcckseite des ausgemachten Hauses, exakt auf der R\u00fcckseite, nicht zu verfehlen. Was soll die Frage?<br \/>\nFrank meint, dass alles klar w\u00e4re und ich ihm noch die Autonummer sagen solle, damit er anhand des Autos uns finden k\u00f6nne.<br \/>\nIch denke mir, dass ich es mit einem Irren zu tun habe. Was ist an \u201eBackside\u201c nicht verst\u00e4ndlich? Der Idiot wird wohl in der Lage sein die R\u00fcckseite eines ihm gut bekannten Hauses zu finden. \u201eBackside, do you know what a backside is?\u201c frage ich ihn und er bejaht.<br \/>\nDann fragt er noch einmal nach der Autonummer und ich beschlie\u00dfe, ihn langsam zu meucheln, vorausgesetzt er kommt auf die Backside.<br \/>\nFrank d\u00fcrfte ein gutes Gesp\u00fcr haben und beschlie\u00dft sich dumm zu stellen. Ich schicke Thomy aus um ihn zu suchen, was vor allem deswegen schwierig ist, weil wir ja keine Ahnung haben wie der Typ aussieht. Okay, er d\u00fcrfte Afrikaner sein, aber das reicht hier als Erkennungsmerkmal nicht wirklich aus.<br \/>\nIch rufe ihn noch einmal an und frage ihn, wo er denn sei, denn wir w\u00fcrden bei ihm vorbei kommen, egal wo er ist, das w\u00e4re einfacher.<br \/>\nEr meint, dass er fast bei uns w\u00e4re, es k\u00f6nne sich nur mehr um Augenblicke handeln. Ich glaube ihm kein Wort und bestehe darauf, dass er mir verr\u00e4t, wo er sich aufh\u00e4lt. H\u00e4tte ich jetzt eine Cruise Missile und seinen Standort, er w\u00e4re geliefert.<br \/>\nLeider habe ich weder das eine noch das andere und so \u00fcberlebt Frank diesen Tag. Irgendwann reiche ich entnervt dem netten Parkw\u00e4chter das Handy und er verspricht, dem wahnsinnigen Frank zu erkl\u00e4ren, wo wir denn seien.<br \/>\nDas funktioniert tats\u00e4chlich und Frank taucht auf. Ich bin gl\u00fccklich und beschlie\u00dfe, ihn ein anderes Mal zu lynchen.<br \/>\nSein Office ist nur wenige Schritte entfernt, wir fahren trotzdem mit dem Auto hin und parken uns auf der Stra\u00dfe ein.<br \/>\n\u201eHatschieh\u201c ist der \u00fcbliche Gru\u00df in H\u00e4usern mit Klimaanlage. Wir betreten genau so ein Haus und werden auf der Stelle schockgefroren. Ich halte so etwas nicht sehr gut aus und hasse daher Klimaanlagen. Drau\u00dfen hat es 36 Grad, herinnen 16 \u2013 das ist nicht lustig.<br \/>\nWir werden seinem Chef vorgestellt und ich hoffe, dass jetzt alles gut und reibungslos verl\u00e4uft. Wir \u00fcberreichen das Carnet und er macht ein paar Telefonate.<br \/>\nDann erfahren wir, dass alles soweit okay sei und wir nun bestimmte Kosten begleichen m\u00fcssten. Das ist okay, denn darauf hat mich mein Bruder vorbereitet. Frank meint, dass wir das Auto dann in zwei Tagen abliefern sollten.<br \/>\nMoment, Halt, Stop: es war ausgemacht, dass wir das Auto heute abliefern. Erstens wollen wir nicht mehr damit herumfahren, zweitens sind wir wie zwei Wahnsinnige gerade acht Stunden \u00fcber eine der gef\u00e4hrlichsten Stra\u00dfen der Welt gefahren, nur um hier zu erfahren, dass wir erst in zwei Tagen da sein m\u00fcssten?<br \/>\nIch beschlie\u00dfe, meine Mordpl\u00e4ne wieder auszupacken. Frank beruhigt und meint, ihnen w\u00e4re es nur um das Original des Carnets gegangen, das Auto w\u00e4re sozusagen egal.<br \/>\nFrank hat Gl\u00fcck an diesem Tag, gro\u00dfes Gl\u00fcck sogar. Ob er das wei\u00df?<br \/>\nWir erkl\u00e4ren ihm unmissverst\u00e4ndlich, dass wir genau original keinen Meter mehr mit dem Toyota fahren w\u00fcrden. Das \u00fcberzeugt ihn und er meint, wir m\u00fcssten dann nur drei Tage Parkgeb\u00fchr zahlen, das w\u00e4ren 1.050 Khs, also umgerechnet zehn Euro.<br \/>\nAu\u00dferdem w\u00fcrde er uns gerne das Carnet zukommen lassen und zwar durch einen Boten. Das w\u00e4re deswegen m\u00f6glich, weil der Zoll das Carnet nicht mehr brauchen w\u00fcrde, n\u00e4mlich ab Morgen Nachmittag.<br \/>\nWir vereinbaren, dass er es gleich direkt an meinen Bruder in \u00d6sterreich schickt, was noch einmal 50 Dollar kostet.<br \/>\nDann passiert das Unerwartete: Frank meint, wir w\u00e4ren fertig. Wir m\u00fcssten nur noch die pers\u00f6nlichen Sachen aus dem Auto holen und dann w\u00fcrde er uns helfen ein Taxi zu finden, das uns nach Kilifi f\u00fchrt.<br \/>\nIch hatte schon mehrfach mit Johanna telefoniert, sie erwartet uns schon und hat uns au\u00dferdem verraten, dass wir ins \u201eBofa Beach Resort\u201c gehen sollten, das w\u00fcrde sie kennen und es w\u00e4re sehr nett.<br \/>\nWir holen unsere Taschen aus dem Toyota und ich schenke einem der Parkw\u00e4chter meine Schuhe. Vielleicht passt er ja dann besser auf das Auto auf, einen Versuch ist es wert.<\/p>\n<p>Frank organisiert uns ein Tuk-Tuk, mit dem wir zum Taxi fahren k\u00f6nnen. Es gibt zwei verschiedene Gr\u00f6\u00dfen von Tuk-Tuks und wir brauchen ein gr\u00f6\u00dferes, das auch nach kurzer Zeit verf\u00fcgbar ist.<br \/>\nDie Tuk-Tuks bestehen eigentlich nur aus lackierten Rohren mit einem Motor und gl\u00fccklicherweise einer Plane, die vor der Sonne sch\u00fctzt. Sie sind billig, aber einen Unfall darf man damit auf keinen Fall haben.<br \/>\nWir erreichen die Taxi-Firma und erkl\u00e4ren, dass wir nach Kilifi wollen. Ich habe von Johanna in weiser Voraussicht den \u00fcblichen Fahrpreis erfragt und kann daher verhandeln, denn sie wollen 7.000 KHS bis nach Kilifi und ich wei\u00df, dass wir maximal 5.000 zahlen m\u00fcssen. Einige Leute stecken einige Zeit die K\u00f6pfe zusammen und raunen Dinge, die ich nicht wissen will. Dann kostet es auf einmal 5.000 Khs und wir marschieren los zum Auto.<br \/>\nDer Fahrer hei\u00dft \u201eAmos\u201c und hat die \u00fcppigste Unterlippe, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Er hat au\u00dferdem eine sehr tiefe Stimme und spricht langsam und nicht sehr laut. Aber er ist ein guter Fahrer und wir genie\u00dfen es sehr, nicht selbst fahren zu m\u00fcssen.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist auch jetzt sehr viel Verkehr und Amos k\u00e4mpft sich durch.<br \/>\nMombasa h\u00f6rt im Norden an der K\u00fcste nicht einfach auf, sondern es setzt sich in kleinen, aneinander gereihten Orten fort. Es gibt nur eine K\u00fcstenstra\u00dfe und sie ist \u00fcberlastet. Wir fahren an den ersten Hotels vorbei, die irgendwie alle den Namen \u201eBeach\u201c haben. Wir m\u00fcssen aber noch weit in den Norden, ca. 80 Kilometer. Amos f\u00e4hrt bed\u00e4chtig und wir haben es nicht sehr eilig. Ich war noch nie hier an der Nordk\u00fcste von Mombasa und sauge die Eindr\u00fccke auf.<br \/>\nNach etwa zwei Stunden Fahrt kommen wir in Kilifi an. Rechts an der K\u00fcstenstra\u00dfe entlang, gleich m\u00fcssten wir da sein.<br \/>\nDann biegen wir links ab und Thomy ist entt\u00e4uscht, denn er hat sich ein Hotel direkt am Strand erwartet, mit wei\u00dfem Sandstrand, Palmen und jeder Menge Gin Tonics, die ihm an den Liegestuhl serviert werden.<br \/>\nDas Bofa Beach Resort liegt auf der anderen Seite der Stra\u00dfe und hat nur ein kleines Swimmingpool. Die Anlage ist nett, aber unspektakul\u00e4r und die Dame, die uns empfangt, ist nicht allzu motiviert.<br \/>\nWir bekommen ein Zelt und bemerken, dass wir die einzigen G\u00e4ste sein d\u00fcrften. Ich bin fix und foxi und falle erst mal ins Bett, um ein wenig auszuruhen.<br \/>\nUnser Quartier besteht aus einem riesigen Zelt mit zwei gro\u00dfen Betten, von denen das eine leider viel zu kurz ist und selbst mit Querliegen eigentlich nicht bequem. Es gibt gute Moskitonetze und die Duschen sind auch in Ordnung.<br \/>\nThomy sucht den Strand und findet ihn nicht. Das hat einerseits damit zu tun, dass es hier keinen breiten, klassischen Strand gibt und zweitens damit, dass gerade Flut ist.<br \/>\nDas frustriert ihn \u00fcber die Ma\u00dfen und er meint, wir sollten hier schnellstens wieder abhauen. Ich beschwichtige und meine, dass wir heute genau \u00fcberhaupt nirgends mehr hinfahren w\u00fcrden und morgen k\u00f6nnten wir das dann diskutieren.<br \/>\nHeute brauchen wir noch ein gutes Essen und ein gutes Bett.<br \/>\nW\u00e4hrend ich Johanna anrufe, organisiert Thomy sich ein Gin Tonic. Also er versucht es, leider haben sie an der Bar zwar Gin, aber kein Tonic. Daher kauft er eine kleine Flasche Gin in der Hoffnung, dass wir irgendwo noch Tonic auftreiben w\u00fcrden.<br \/>\nWir fahren zu Johanna ins Pub. Das liegt in Tuk-Tuk-Reichweite und ist irgendwie ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben. Es liegt n\u00e4mlich nicht am Strand, sondern ein paar hundert Meter im Hinterland. Nach einer eher abenteuerlichen Fahrt quer um etliche H\u00e4user auf Wegen, die in der Regenzeit eher nicht befahrbar w\u00e4ren, erreichen wir das \u201eDanube Pub\u201c, f\u00fchlen uns allerdings nicht wie an der Donau.<br \/>\nJohanna ist sehr nett und freut sich riesig \u00fcber Besuch aus \u00d6sterreich. Ich habe eine Kiste mit hausgemachten Marmeladen quer durch Afrika transportiert und kann diese jetzt los werden.<br \/>\nDas Pub ist geschmackvoll eingerichtet und wir bestellen Oktopus und Curry. Als das Essen kommt, sind wir mehr als nur positiv \u00fcberrascht. Wir bekommen so ziemlich das beste Essen, das ich in Afrika je gegessen habe. Die Portionen sind riesig und die Beilagen exzellent. Wir k\u00f6nnen alles mit einem guten, kalten Tusker runtersp\u00fclen und unseren B\u00e4renhunger befriedigen.<br \/>\nDann sitzen wir satt im Pub und tauschen Geschichten mit Johanna und ihrem afrikanischen Mann Evan aus. Er hat das Pub selbst gebaut, vor allem hat er den tiefen Brunnen geschlagen, den alle anderen rundherum nicht haben. Das f\u00fchrt leider zu Neid bei den Nachbarn, denn sie h\u00e4tten alle gerne so einen Brunnen, der Zugang zu frischem Wasser erm\u00f6glicht.<br \/>\nDieses flie\u00dft in Form eines kleinen Baches rund um das Lokal und ist viel weniger kitschig als man es sich genau jetzt vorstellt.<br \/>\nWir plaudern bis lange in die Nacht hinein und nehmen uns dann ein Tuk-Tuk zu unserem Quartier.<br \/>\nDer bisher l\u00e4ngste und anstrengendste Tag neigt sich dem Ende zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine innere Uhr stellt sich als zuverl\u00e4ssiger heraus als der Wecker, der schlicht und einfach nicht l\u00e4utet. Es ist 03.59 Uhr und wir trinken einen schnellen Tee. 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