{"id":1897,"date":"2015-08-22T08:46:55","date_gmt":"2015-08-22T07:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1897"},"modified":"2015-11-24T12:09:01","modified_gmt":"2015-11-24T11:09:01","slug":"so-funktioniert-propagandistische-hetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/so-funktioniert-propagandistische-hetze\/","title":{"rendered":"So funktioniert propagandistische Hetze"},"content":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick nicht leicht zu durchschauen, aber genau darum geht es ja.<\/p>\n<p>Seit einigen Tagen kreist ein Spruch auf Facebook, der von manchen Menschen gerne &#8222;geteilt&#8220; wird. (F\u00fcr alle, die sich mit Facebook nicht auskennen: Das ist eine Social-Media-Plattform, bei der man sich mit Freunden online vernetzen kann. Dort kann man etwas &#8222;posten&#8220; also ein Bild einstellen oder eine Nachricht oder eine Statusmeldung. Wenn man ein hochgeladenes Bild sieht, kann man es &#8222;teilen&#8220; und dann sehen es alle Leute, mit denen man selbst vernetzt ist.)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.22_propaganda\/propaganda.jpg\" title=\"propaganda.jpg\" alt=\"propaganda.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Dieser Spruch sieht auf den ersten Blick irgendwie stimmig aus, das Problem liegt im Detail und daher m\u00fcssen wir uns das auch detailliert ansehen. <\/p>\n<p>1.) Die Verst\u00e4rkung<br \/>\nPropaganda erzeugt keine Stimmung, sie verst\u00e4rkt eine schon vorhandene. Sie schmarotzt sozusagen. Wo nichts ist, kann sie auch nicht viel ausrichten. Wo aber ein N\u00e4hrboden da ist, kann sie sich pr\u00e4chtig entfalten und zwar in Form von Vermehrung. Oben angesprochenes &#8222;Teilen&#8220; in einem sozialen Medium ist so eine Art der Vermehrung.<br \/>\nDer N\u00e4hrboden f\u00fcr diesen Spruch ist die Debatte rund um &#8222;Asylanten&#8220;, Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge und Schwarzafrikaner, die man auf dem Bild auch gut sehen kann. <\/p>\n<p>2.) Das Spiel mit der Angst<br \/>\nWahrscheinlich seit Beginn der Menschheit bzw. auf jeden Fall seit Beginn der Sesshaftigkeit haben Menschen Angst vor Fremden. Diese Angst ist evolutionsbiologisch auch sinnvoll, denn das Fremde kennt man nicht und kann es daher auch nicht einsch\u00e4tzen, es ist unbekannt und man wei\u00df nicht, ob von ihm Gefahr ausgeht oder nicht.<br \/>\nDie Propaganda n\u00fctzt diese Angst indem sie verst\u00e4rkend wirkt. Besondere Angst haben in unseren Breiten viele Menschen vor &#8222;Negern&#8220;, die man heute &#8222;Schwarzafrikaner&#8220; nennt. Dazu eine kleine Anekdote, die mir mein lieber Freund Gerhard Ziegler erz\u00e4hlt hat:<br \/>\nKurz nach dem zweiten Weltkrieg hatte seine Oma in Ober\u00f6sterreich einen Unfall. Das n\u00e4chst gelegene Krankenhaus war ein US-Milit\u00e4rhospital, in das sie gebracht wurde. Als sie aufwachte, sah sie einen amerikanischen Arzt mit schwarzer Hautfarbe, der sich gerade \u00fcber sie beugte. Voller Entsetzen rief sie aus &#8222;Jessas, der Teufel!&#8220;<br \/>\nDas ist die Urangst vor dem &#8222;schwarzen Mann&#8220;, die in erster Linie daraus entsteht, dass man erstens den schwarzen Mann nicht kennt &#8211; selbst wenn man mit Neckermann in Mombasa Strandurlaub gemacht hat &#8211; und zweitens &#8222;Neger&#8220; aufgrund der Hautfarbe ganz besonders fremd wirken, anders, als man selbst ist oder zu sein glaubt.<br \/>\nIn diesem Spruch verwendet die Propaganda ganz bewusst diese Angst und zeigt &#8222;schwarze M\u00e4nner&#8220;.<br \/>\nDies wird noch dadurch verst\u00e4rkt, dass nur junge M\u00e4nner gezeigt werden, also keine alten Frauen oder etwa kleine Kinder. Die Fl\u00fcchtlinge sind aber nicht nur junge M\u00e4nner, wenngleich es verst\u00e4rkt so ist.<br \/>\nDas ist einerseits logisch, weil kleine Kinder oder alte Menschen selten Revolution\u00e4re und somit auch keine Regimegegner sind. Die Jugend demonstriert bzw. entwickelt Widerstand, in der Nazi-Zeit waren die meisten Widerstandsk\u00e4mpfer auch junge M\u00e4nner und nicht Babies oder Greise.<br \/>\nIn allen Kulturen dieser Welt und in allen Zeiten waren und sind die K\u00e4mpfer einer Bev\u00f6lkerung die jungen M\u00e4nner, weil sie jung und stark sind. Fast immer werden sie von alten M\u00e4nnern in den Krieg geschickt, deren Manneskraft schon erlahmt ist.<br \/>\nDiese alte &#8222;Regel&#8220; macht sich hier die Propaganda zunutze und zeigt junge, starke M\u00e4nner. Damit weckt sie die Assoziation, dass es Krieger sind, die zu uns geschickt werden. Es kommt sozusagen eine ganze Armee und f\u00e4llt in unser sch\u00f6nes Land ein. Eine riesige Armee schwarzer M\u00e4nner &#8211; wenn das kein Grund zur Angst ist!<br \/>\n&#8222;Angst essen Seele auf&#8220; hei\u00dft ein ber\u00fchmter Film und genau das ben\u00fctzt die Propaganda. Die Seele ist der Sitz des Gewissens und wenn sie aufgegessen wurde, fehlt ebendieses. Dann sind die Menschen bereit grausame Dinge zu tun oder zumindest wegzuschauen. Wer also grausame Dinge tun will, isst vorher die Seelen der Menschen auf. Die Propaganda bereitet genau das vor. <\/p>\n<p>3.) Die Umdeutung von Begriffen<br \/>\nPropaganda spielt mit Worten und meist tut sie das sehr clever. Der hier diskutierte Spruch ist so ein typischer Fall. Das erste Wort, das hier umgedeutet wird, ist &#8222;Asylanten&#8220;. Das sind Menschen, die von irgendwo fl\u00fcchten, weil dort ihr Leben bedroht ist. Sie k\u00f6nnen dorthin nicht zur\u00fcckkehren und beantragen daher woanders Asyl. Im Idealfall dort, wo genau diese Bedrohung nicht vorhanden ist.<br \/>\nAlle L\u00e4nder, die die Charta der Menschenrechte unterschrieben haben, m\u00fcssen Asyl gew\u00e4hren. Das ist keine Gnade, sondern ein Menschenrecht, und somit au\u00dferhalb der Diskussion: Asyl MUSS gew\u00e4hrt werden, wenn es sich um jemand handelt, dessen Leben dort bedroht ist, wo er\/sie herkommt.<br \/>\nDas Wort &#8222;Asylant&#8220; ist genau genommen ein k\u00fcnstlich geschaffenes, das ungef\u00e4hr so viel bedeutet wie &#8222;Mensch, dessen Wesen (ev. sogar Beruf) darin besteht Asyl zu suchen bzw. zu verlangen&#8220;. Das ist aber nicht das Wesen eines Menschen, sondern eine Situation, in die er ger\u00e4t. Das ist eine Ausnahmesituation, die nur durch die \u00f6sterr. B\u00fcrokratie f\u00fcr manche Menschen zur Dauersituation wird, wenn sie n\u00e4mlich bis zu zehn Jahre warten m\u00fcssen und sich in dieser Zeit in einer Grauzone befinden.<br \/>\nDer ber\u00fchmteste \u00f6sterr. Fl\u00fcchtling war Bruno Kreisky. &#8222;Wenn Sie mich jetzt zur\u00fcckschicken, liefern Sie mich den Leuten aus, denen ich gerade entkommen bin.&#8220; &#8211; Kreisky appellierte 1938 an die d\u00e4nischen Beh\u00f6rden, ihn nicht ins an Nazi-Deutschland angeschlossene \u00d6sterreich zur\u00fcckzuschicken, sondern nach Schweden weiterreisen zu lassen.<br \/>\nEine andere Zeit? Nicht vergleichbar? Kreisky ist ja kein Neger? Die Nazis waren M\u00f6rder, eine verbrecherische Kultur sozusagen? Aber Kreisky war Teil dieser Kultur, so wie die Schwarzafrikaner Teil ihrer Kultur sind. Und nat\u00fcrlich nehmen sie diese mit, genauso wie Kreisky die Nazi-Kultur nach D\u00e4nemark exportiert h\u00e4tte.<br \/>\nJa, das ist vergleichbar, denn jeder Mensch ist nat\u00fcrlich irgendwie Teil der Kultur, in der er lebt. Und hat sie irgendwie &#8222;in sich&#8220;. Aber genau hier ist das Problem mit der Propaganda. Sie nimmt etwas scheinbar Wahres und verdreht es, bis es wie ein genau passender Baustein in das erw\u00fcnschte Konzept passt.<br \/>\nKreisky hat nat\u00fcrlich keine Nazi-Kultur exportiert, denn er war ja Gegner dieser Kultur. Er war Teil der Gegen-Kultur sozusagen und genau deswegen musste er ja fl\u00fcchten.<br \/>\nHier passiert sehr schnell die Vermischung von Kultur und Politik. Am besten k\u00f6nnen wir das auseinander halten, wenn wir &#8222;Kultur&#8220; richtig definieren, n\u00e4mlich als &#8222;die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen&#8220;. Politik hingegen ist die &#8222;Kunst des Interessenausgleichs in einer Gesellschaft zum Zwecke des friedlichen Miteinanders.&#8220;<br \/>\nBeides kann man missbrauchen, so wie vieles auf dieser Welt.<\/p>\n<p>4.) Die Bildsprache und die Phantasie<br \/>\nDer Spruch wird durch ein Bild verst\u00e4rkt, das sehr genau ausgew\u00e4hlt ist. Als erste Person springt einem der &#8222;Neger&#8220; leicht rechts der Mitte ins Auge. Es handelt sich um einen mehr oder weniger jungen Mann in dunkler Kleidung. Die M\u00fctze, die er am Kopf tr\u00e4gt, verwenden manchmal auch Einbrecher, ebenso die neutralen, dunklen Jacken. Das Bild d\u00fcrfte im Winter aufgenommen worden sein, deswegen tragen viele der Menschen eine Kopfbedeckung. Es befinden sich ausschlie\u00dflich M\u00e4nner auf dem Bild, die eher jung erscheinen. Was tun die da? Sie stehen herum und unterhalten sich. Wor\u00fcber reden sie? Besprechen sie gerade, wie sie in Zukunft Drogen an Kinder vor unseren Schulen verkaufen werden, um damit steinreich zu werden? Oder checken sie Informationen f\u00fcr die n\u00e4chste Einbruchserie? Vielleicht planen sie ja einen terroristischen Anschlag bei uns, ein paar von den Typen sehen arabisch aus. Die Gesichter sind unscharf, die Menschen sind schwer als Menschen zu erkennen. Es wird auch nicht erkl\u00e4rt, woher das Bild stammt und wer hier tats\u00e4chlich zu sehen ist. Die Information zu dem Bild ist der Spruch darunter.<br \/>\nDie fehlende Information \u00fcber das Bild ist Teil der Propaganda. Sie zwingt uns die einzige Informationsquelle anzuzapfen, die uns immer und \u00fcberall uneingeschr\u00e4nkt zur Verf\u00fcgung steht: die Phantasie. Diese wiederum wird gesteuert durch unsere Erfahrungen, mehr aber noch durch die Informationen, die wir bekommen. Das ist \u00fcbrigens der n\u00e4chste Wirkmechanismus der Propaganda.<\/p>\n<p>5.) Die selbstreferentielle Verst\u00e4rkung<br \/>\nWir h\u00f6ren, lesen, sehen etwas und nehmen die Information, die darin enthalten ist, selektiv auf. Damit ist gemeint, dass wir ausw\u00e4hlen, was wir wichtiger finden (und uns daher besser merken) und was nicht. Weil es einfacher ist, tendieren wir dazu diejenigen Informationen als wichtiger zu erachten, die in unser bisheriges Bild passen. Dieses Bild ist immer das, bei dem wir uns am wohlsten f\u00fchlen. Damit ist aber nicht gemeint, dass es ein positives Bild ist, manchmal f\u00fchlen wir uns bei negativen Bilder wohl, etwa wenn sie eine gerne gepflegte und geliebte Angst widerspiegeln oder verst\u00e4rken. Das ist der Grund, warum sich viele Menschen gerne Horrorfilme ansehen bzw. Thriller. Der &#8222;Thrill&#8220; ist \u00fcbersetzt die &#8222;Angstlust&#8220; und geh\u00f6rt zu unserem Menschsein dazu. Einzig und allein die Dosierung macht es hier aus.<\/p>\n<p>Bei unserem Bild werden bereits vorhandene Vorurteile best\u00e4rkt und gesch\u00fcrt und genau das ist das Ziel. Es macht aus keinem angstfreien Menschen einen \u00e4ngstlichen, sondern es macht aus einem \u00e4ngstlichen einen noch \u00e4ngstlicheren. Das funktioniert \u00fcber die darin enthaltenen Halbwahrheiten. Es ist nie ganz falsch, denn es k\u00f6nnte ja tats\u00e4chlich den einen oder anderen Drogendealer oder Einbrecher unter diesen Menschen geben. Sie sind auch nicht alle ehrlich und flei\u00dfig, genauso wie wir alle. Propaganda, die komplett auf L\u00fcgen aufbaut, funktioniert nicht oder nicht gut &#8211; mit einer Einschr\u00e4nkung: Wenn der N\u00e4hrboden bereits sehr fruchtbar ist, dann kann die Propaganda mit frei erfundenen Informationen und Bildern arbeiten, dann sind alle D\u00e4mme hinweggesp\u00fclt und dann geht es sprichw\u00f6rtlich den Bach runter.<br \/>\nDas ist dann der Schritt zum eigentlich geplanten Ziel, n\u00e4mlich die Zerst\u00f6rung eines differenzierten (z.B. demokratischen) Systems zugunsten eines autorit\u00e4ren Systems.<\/p>\n<p><strong>UPDATE 15. September 2015<\/strong><\/p>\n<p>Die derzeitige Fl\u00fcchtlingsdebatte reisst nicht ab und im Gegenzug dazu nimmt die Hetzpropaganda zu. Besonders gef\u00e4hrlich getarnt kommt sie als &#8222;Erlebnisbericht&#8220; &#8211; also scheinbar aus erster Hand, tats\u00e4chlich vor Ort erlebt und scheinbar objektiv. Wie sie funktioniert kann man erkennen, wenn man die Semantik zu Hilfe ruft. Hier ein gutes Beispiel:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.22_propaganda\/hass2.jpg\" title=\"hass2.jpg\" alt=\"hass2.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ein junger Mann berichtet von seiner Zeit am Hauptbahnhof (wahrscheinlich als Polizist, was der ganzen Sache noch einen prek\u00e4ren Touch gibt). Dieses Posting m\u00fcssen wir uns genauer ansehen. Vorher aber noch die Bemerkung, dass dieser junge Mann wahrscheinlich die genauen Regeln und Werkzeuge der Propaganda gar nicht kennt. Das ist aber auch nicht notwendig, um eine solche zu machen.<br \/>\nEr schreibt &#8222;es gab erste Rangeleien unter den Fl\u00fcchtlingen&#8220;. Was bedeutet das und wieso schreibt er es? Dort haben sich auch Menschen umarmt, wieso schreibt er dar\u00fcber nichts?<br \/>\nHier finden wir ein Werkzeug der Propaganda: <strong>Mach Angst<\/strong>!<br \/>\nIn diesem Fall werden die Fl\u00fcchtlinge als gewaltt\u00e4tig dargestellt. Man wei\u00df, dass sie Fremde sind, allein das ist f\u00fcr viele Menschen schon ein Grund Angst zu haben. Und gewaltt\u00e4tige Fremde &#8211; das will man dann schon gar nicht.<br \/>\nDann schreibt er von als Fl\u00fcchtlinge verkleideten Caritas-Helfern, die zusammenr\u00e4umen bevor das Fernsehteam zu drehen beginnt. Damit unterstellt er der Caritas Unredlichkeit und wir haben hier ein weiteres Werkzeug der Propaganda: <strong>Diffamiere deinen Gegner als unehrlich und unredlich.<\/strong><br \/>\nBeweise daf\u00fcr bleibt er schuldig, aber das ist egal, denn diejenigen Menschen, auf die die Propaganda wirken soll, erwarten genau das und wollen es gar nicht hinterfragen. Damit sind wir bei einer weiteren, sehr allgemeinen Propagandaregel: <strong>Gie\u00dfe Wasser auf deine M\u00fchlen.<\/strong><br \/>\nDer n\u00e4chste Satz geh\u00f6rt auch in diese Kategorie: &#8222;Selbst Caritas Mitarbeiter sehen ein, dass mindestens 70% junge M\u00e4nner sind.&#8220;<br \/>\nDies ist nur verst\u00e4ndlich, wenn man wei\u00df, dass fr\u00fchere Propaganda schon Angst vor jungen M\u00e4nnern gemacht hat: Diese sind jung und kr\u00e4ftig und risikobereiter als andere und &#8211; so wird gerne argumentiert &#8211; auch krimineller und gewaltbereiter als z.B. alte Frauen oder Babies.<br \/>\nHier zeigt sich das n\u00e4chste Propaganda-Werkzeug: <strong>Nimm das K\u00f6rnchen Wahrheit und blase es auf.<\/strong><br \/>\nUnd zwar muss es so aufgeblasen werden, dass es den anderen, gr\u00f6\u00dferen Teil vollst\u00e4ndig verdeckt. Jeder, der dann auf die anderen Aspekte hinweist, kann als L\u00fcgner oder Irrer hingestellt werden.<br \/>\nDieser Satz ist aber doppelt propagandabehaftet. Es wird behauptet, dass der <strong>Gegner seine Meinung bereits ge\u00e4ndert hat<\/strong>, weil die scheinbaren Fakten ihn \u00fcberzeugt haben &#8211; und zwar sieht sogar der sch\u00e4rfste Gegner es bereits ein, ausgedr\u00fcckt durch das Wort &#8222;Selbst&#8220;.<br \/>\nGenau genommen ist noch ein drittes Element dabei, denn es wird von &#8222;mindestens 70%&#8220; gesprochen. Damit wird behauptet, dass es eher mehr sein k\u00f6nnten und der Phantasie des Lesers bleibt es \u00fcberlassen sich die &#8222;wahre&#8220; Zahl zu \u00fcberlegen. Wenn man nun schon auf den Propaganda-Zug aufgesprungen ist, dann liegt es nahe, diesen Prozentsatz m\u00f6glichst hoch anzusetzen, also eher bei 80 oder 90 Prozent. Damit ist das Ziel der Propaganda erreicht: Fast alle (oder vielleicht doch eher alle) Fl\u00fcchtlinge sind junge, gewaltt\u00e4tige oder gewaltbereite M\u00e4nner.<br \/>\nDas soll vor allem Frauen Angst machen, denn vor solchen M\u00e4nnern hat man eher Angst, dass sie Frauen vergewaltigen als es andere tun. M\u00e4nner haben wiederum Angst um ihre Potenz &#8211; entweder tats\u00e4chlich oder wirtschaftlich. Junge M\u00e4nner nehmen alten M\u00e4nnern irgendwann die Frauen weg, n\u00e4mlich dann, wenn die alten M\u00e4nner impotent geworden sind. Und wer in seinem Innersten wei\u00df, dass er eigentlich eher faul ist und irgendwie ohne eigene Leistung wie die Made im Speck lebt, der wird Angst vor jungen, kr\u00e4ftigen M\u00e4nnern haben, die eine anstrengende, riskante Reise geschafft haben. <\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Satz sticht das erste Wort heraus: Hassprediger.<br \/>\nHier sind wir beim n\u00e4chsten Propaganda-Werkzeug: <strong>Wirf das, was du selbst machst, deinem Gegner vor.<\/strong><br \/>\nAlso wer selbst Hass predigt, wirft anderen vor Hassprediger zu sein. Vielleicht funktioniert es ja, auf jeden Fall wirkt es ablenkend von der eigenen Hasspredigt. Wenn man jemandem ins Auto hinein gefahren ist, dann steigt man aus und schreit &#8222;Warum sind sie mir ins Auto hinein gefahren??!!&#8220; Selber Mechanismus.<\/p>\n<p>Dass die Hassprediger &#8222;augenscheinlich ihre Sch\u00fctzlinge suchen&#8220; ist ein weiteres Element. Es spielt mit der Angst vor radikal-islamistischen Menschen, die zu uns kommen, um a.) ihre radikale Religion auszubreiten und b.) irgendwelche sonstigen b\u00f6sen Dinge zu planen und durchzuf\u00fchren. Vielleicht sogar Terroranschl\u00e4ge?<br \/>\nDiese Hassprediger suchen also ihre Sch\u00fctzlinge. Es sind also scheinbar mehrere da, die alle zu den Hasspredigern geh\u00f6ren. Eine Art geheime Organisation? Wie viele von den Fl\u00fcchtlingen geh\u00f6ren dazu? Sehr viele vielleicht?<br \/>\nAuch hier wird viel der Phantasie \u00fcberlassen, die generell eher verst\u00e4rkend wirkt, vor allem bei Menschen, die sowieso schon Angst haben und f\u00fcr die eine Verst\u00e4rkung ihrer bisherigen Linie gerade recht kommt, denn es zeigt, dass man selbst die &#8222;richtige&#8220; Meinung hat.<br \/>\nInteressant ist auch das Wort &#8222;augenscheinlich&#8220; &#8211; es suggeriert, dass sich die Hassprediger gar nicht mehr verstecken m\u00fcssen, sie k\u00f6nnen bereits ganz offen ihre Strukturen zeigen. Scheinbar sind sie sich ihrer Sache sehr sicher und scheinbar unternimmt bei uns niemand was dagegen. Stecken die mit denen unter einer Decke? Alles wird offen gelassen und scheint m\u00f6glich.<br \/>\nDahinter steckt gut sichtbar der Ruf nach jemandem, der etwas dagegen unternimmt.<\/p>\n<p>Dieses Werkzeug wird gleich recycled, denn angeblich hat der Poster von einem Caritas-Helfer erfahren, dass die Fl\u00fcchtlinge aus &#8222;allen Ecken dieser Welt&#8220; kommen. Das n\u00e4chste Propaganda-Werkzeug ist die <strong>\u00dcbertreibung<\/strong>: &#8222;alle&#8220; Ecken sind es n\u00e4mlich nicht, aber es soll suggerieren, dass die Fl\u00fcchtlinge gar nicht aus Gebieten kommen, aus denen man fl\u00fcchten muss. Sie sind daher gar keine Fl\u00fcchtlinge, sondern Migranten.<br \/>\nIm n\u00e4chsten Absatz finden wir bereits ein weiteres Werkzeug, das besonders gern verwendet wird: die <strong>Nachrichtenquellen<\/strong> werden als <strong>unseri\u00f6s<\/strong> bzw. tendenzi\u00f6s und einseitig dargestellt &#8211; in diesem Fall der ORF. Im Idealfall kann man sich selbst dann noch in die Opferrolle begeben &#8211; man ist so arm, weil die <strong>Medien<\/strong> ja <strong>falsch berichten<\/strong>. Das ist ausgesprochen praktisch, denn man kann dann selbst ungest\u00f6rt falsch berichten. Wenn das auffliegt, kann man sich jederzeit auf die Medien ausreden, die ja falsch berichtet h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter wird es noch viel subtiler: Der Poster berichtet von &#8222;seltsamen Konstellationen&#8220; der Familien, die scheinbar anders sind als unsere Familien. Das &#8222;Seltsame&#8220; ist das Unbekannte, das abgelehnt wird. Im Hintergrund schwingt jedoch noch etwas anderes mit: da sind sicher irgendwelche Inzucht-Sauereien im Spiel! Fazit: Die sind nicht normal, also abnormal, pervers &#8211; oder sie t\u00e4uschen die Familienstrukturen nur vor, dann sind sie L\u00fcgner und Betr\u00fcger. Die Propaganda gelangt langsam an ihr Ziel, denn die Fl\u00fcchtlingen haben jetzt nur mehr zwei M\u00f6glichkeiten: pervers zu sein oder betr\u00fcgerisch.<br \/>\nDas ist \u00fcbrigens auch ein aus der Nazi-Zeit gut bekanntes Propaganda-Mittel, n\u00e4mlich die <strong>Sexualit\u00e4t<\/strong> und die <strong>Familienstruktur<\/strong> der Gegner als <strong>abartig<\/strong> darzustellen. Hier wird es allerdings nur sehr subtil angedeutet.<\/p>\n<p>Nun kommt allerdings der Kern des Postings: Die Exekutive &#8222;steht quasi nur Zentimeter von den Fl\u00fcchtlingen, welche Krankheit aus allen L\u00e4ndern mitbringen, ohne Schutz.&#8220;<br \/>\nDas ist eines der kr\u00e4ftigsten Propaganda-Werkzeuge von Joseph Goebbels, der im Nazi-Reich oberster Propagandaminister war. Damals wurden die Juden angeklagt, die <strong>\u00dcbertr\u00e4ger aller gef\u00e4hrlichen Krankheiten<\/strong> zu sein.<br \/>\nIn diesem Posting l\u00e4uft es exakt nach diesem Muster, fast wie aus der Maschinerie des Dritten Reichs \u00fcbernommen. Die Fl\u00fcchtlinge bringen nicht nur eine Krankheit mit, sondern viele, weil aus &#8222;allen L\u00e4ndern&#8220;. Sie sind quasi Gef\u00e4\u00dfe f\u00fcr alle gef\u00e4hrlichen Krankheiten, die es auf dieser Welt gibt. Und sie bringen sie nicht nur mit in unsere &#8222;gesunde&#8220; Gesellschaft zu unseren &#8222;gesunden&#8220; Menschen, sondern \u00fcbertragen sie auch noch &#8211; deswegen br\u00e4uchten wir Schutz, der aber nicht vorhanden ist.<br \/>\nDie Fl\u00fcchtlinge sind quasi mobile Bio-Waffen, die jederzeit unsere gesunde, saubere Gesellschaft infizieren und t\u00f6ten k\u00f6nnen &#8211; t\u00f6ten deswegen, weil unter Krankheiten aus allen L\u00e4ndern auch die gef\u00e4hrlichen dabei sind. Sie sind es \u00fcbrigens alle, denn es sind &#8222;die Fl\u00fcchtlinge&#8220; und nicht nur einige &#8211; sie sind es quasi als Art, also von ihrem Wesen her.<\/p>\n<p>Was kann man dagegen tun? Eine Bio-Waffe muss man vernichten, und zwar am besten aus der Ferne und mit gro\u00dfer Hitze, weil da die \u00dcbertr\u00e4ger und Keime absterben. In Filmen wird so etwas \u00fcblicherweise mit Flammenwerfern gemacht. Bio-Bomben sind \u00fcbrigens keine Menschen mehr und genau das soll die Propaganda bewirken: die Fl\u00fcchtlinge sollen als entmenschlicht dargestellt werden &#8211; wie Zombies, die man vernichten muss, damit man selbst nicht vernichtet wird. Vielleicht waren die Fl\u00fcchtlinge ja einmal Menschen (daheim n\u00e4mlich) &#8211; so wie Zombies einmal Menschen waren, aber jetzt sind sie es nicht mehr.<br \/>\nDieses Propaganda-Ph\u00e4nomen kann man \u00fcbrigens auch bei einem der meistgelesenen Autoren des 20. Jhd. finden, n\u00e4mlich bei J.R.R. Tolkien. In seiner Mythologie sind die Orks auch ehemals edle Elben gewesen, bevor sie entartet wurden. Auch bei ihm kommen die Krankheiten aus dem S\u00fcdosten seiner Welt.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich auch endlich die Erkl\u00e4rung f\u00fcr ein Ph\u00e4nomen, das mir lange Kopfzerbrechen gemacht hat. Im Sommer gab es den Fall der kleinen Dunja &#8211; ein Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchen, das von einem Fotografen im Zustand gro\u00dfer Freude abgelichtet wurde. Es entstand bei einer Aktion einer freiwilligen Feuerwehr in Ober\u00f6sterreich, die an einem besonders hei\u00dfen Tag ausr\u00fcckte und in einem Fl\u00fcchtlingsheim mit Spritzen und Wasserw\u00e4nden den Fl\u00fcchtlingen Spa\u00df und Abk\u00fchlung brachte.<br \/>\nDaraufhin postete ein junger Welser Lehrling (17 Jahre alt), dass man statt Wasserwerfern wohl besser Flammenwerfer h\u00e4tte ben\u00fctzen sollen. Das l\u00f6ste einen Sturm der Entr\u00fcstung aus und der junge Mann wurde von seinem Arbeitgeber rausgeschmissen.<\/p>\n<p>Hier ist das Bild, das f\u00fcr den jungen Welser Lehrling der Ausl\u00f6ser f\u00fcr seinen Hass war:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.22_propaganda\/Dunja.jpg\" title=\"Dunja.jpg\" alt=\"Dunja.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Wer dieses Bild sieht stellt sich normalerweise die Frage: wie kann man dieses kleine M\u00e4dchen so hassen, dass man ihr den qualvollen Tod durch einen Flammenwerfer w\u00fcnscht?<br \/>\nMich hat diese Frage nicht losgelassen und die Erkl\u00e4rung, dass das einfach aus Gedankenlosigkeit geschehen ist, war mir \u00fcberhaupt nicht ausreichend. Jetzt wei\u00df ich, dass es aufgrund der ausgefeilten Propaganda entstanden sein k\u00f6nnte. Wenn alle Fl\u00fcchtlinge Bio-Bomben sind, dann muss man sie mit Flammenwerfern aus der Ferne vernichten, auch die kleinen Bio-Bomben, also die Kinder. Da sie ja keine Menschen mehr sind, darf man sie ruhig t\u00f6ten.<\/p>\n<p>So verheerende Wirkung kann Propaganda haben und leider gehen ihr scheinbar viele Menschen auf den Leim.<br \/>\nDer Poster hat sein Ziel fast schon erreicht, er legt am Schluss noch einmal eins drauf und agiert mit einem der wirkungsvollsten Propaganda-Werkzeuge, die es gibt, n\u00e4mlich der <strong>Angst vor \u00dcberflutung<\/strong>. Das ist in der Faschismus-Theorie ein bestens bekanntes Ph\u00e4nomen, dass vor allem M\u00e4nner Angst vor der gro\u00dfen Flut haben, die ihre gepanzerten K\u00f6rperd\u00e4mme durchbricht.<br \/>\nDer Poster n\u00fctzt dies geschickt (wenn auch nicht unbedingt bewusst) und berichtet von so einer Flut, die laut seiner einfachen Rechnung zu erwarten ist. Damit ruft er indirekt auf D\u00e4mme zu bauen, um die Flut aufzuhalten, was an unseren Grenzen Mauer, Zaun und Stacheldraht entspricht.<\/p>\n<p>Genau das passiert derzeit in Europa. Die Propaganda hat gewirkt und tut es weiter.<\/p>\n<p>UPDATE 1. NOVEMBER 2015<\/p>\n<p>Allerorts geschieht es und gl\u00fccklicherweise gibt es viele Menschen, die propagandistische Hetze erkennen und auch aufzeigen. Ein besonders unappetitliches Exemplar ist der Artikel von Christoph Biro, inzwischen abgesetzter Chefredakteur der Steirischen Kronen Zeitung. Es lohnt sich genauer anzusehen, was er hier schreibt.<\/p>\n<p>**** ACHTUNG, AKTUELL AM 24. NOVEMBER: BIRO IST AUS DEM URLAUB WIEDER ZUR\u00dcCK UND SOMIT AUCH ZUR\u00dcCK VOM R\u00dcCKTRITT. ALLES WIE VORHER. DIESER BLOG-ARTIKEL BLEIBT SOMIT AKTUELL ***<br \/>\nhttp:\/\/derstandard.at\/2000026245826\/Christoph-Biro-kehrte-am-Montag-in-Krone-Redaktion-zurueck<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.22_propaganda\/biro.jpg\" title=\"biro.jpg\" alt=\"biro.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Beginnen wir ganz vorne: &#8222;Die Stimmung ist ja l\u00e4ngst gekippt.&#8220;<br \/>\nNun, was hei\u00dft denn dieser Satz? &#8222;L\u00e4ngst gekippt&#8220; bedeutet, dass scheinbar viele Menschen denken, dass es keine freundliche Stimmung gg\u00fc. den Fl\u00fcchtlingen mehr gibt. Und Biro gibt vor, das zu wissen. Er versucht gleich zu Beginn die Weichen zu stellen: Wie kann man noch f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sein, wenn doch die Mehrheit l\u00e4ngst dagegen ist? Offensichtlich haben die Leute ja einen Grund, warum sie die Stimmung pro Fl\u00fcchtlinge nicht mehr haben. Die n\u00e4chsten S\u00e4tze untermauern das noch: Es ist zu viel passiert! Scheinbar was negatives &#8211; und zwar &#8222;zu viel&#8220; davon, also eine ganze Menge. Mit diesen S\u00e4tzen bereitet Biro seine Beispiele vor. <\/p>\n<p>&#8222;Wir erfahren&#8220; gibt vor, dass nicht nur Biro hier seine Ansichten herausw\u00fcrgt, sondern dass viele andere auch das erfahren haben, was er jetzt berichtet. Und zwar die erste Bombe: &#8222;junge, tesosteron-gesteuerte Syrer&#8220; &#8211; sofort erschauern wir alle und vor allem das m\u00e4nnliche Publikum, das nicht mehr jung und nicht mehr testosteron-gesteuert ist. Jetzt wird es gef\u00e4hrlich, und zwar f\u00fcr die M\u00e4nner, denn hier kommt junge Konkurrenz, die auch nicht lange \u00fcberlegt (weil testosteron- und nicht von Vernunft gesteuert), sondern sich sofort die heimischen Frauen holt. Biro versucht hier ganz direkt \u00c4ngste \u00fcber Phantasien zu sch\u00fcren. Wenn er schreibt, dass er es eh nur &#8222;harmlos ausdr\u00fcckt&#8220;, dann suggeriert er, dass er erstens mehr wei\u00df, es aber nicht schreiben will &#8211; weil es zu schlimm ist, um es zu schreiben. Was mag das sein, das schlimmer ist als &#8222;\u00e4u\u00dferst aggressive sexuelle \u00dcbergriffe&#8220;? Diese jungen Syrer m\u00fcssen ja wirklich schlimm sein, richtige Tiere!<\/p>\n<p>Auch die Afghanen bekommen ihr Fett ab und werden zu Gewaltt\u00e4tern, die nicht einen, nicht zwei oder drei, sondern &#8222;die Sitze&#8220; in \u00d6BB-Waggons aufschlitzen. Also das Eigentum unserer \u00d6BB, die ja unser Eigentum ist. Die Afghanen schlitzen sozusagen unseren Besitz auf &#8211; und wir k\u00f6nnen froh sein, dass sie nicht uns selbst aufschlitzen. Dann schreibt er noch, dass sie &#8222;nicht nur ihre Notdurft&#8220; verrichten. Wieder ein Versuch unsere Phantasie zu stimulieren: Was k\u00f6nnte noch schlimmer, noch grauslicher sein, als wenn Aufschlitzer ihre Notdurft verrichten?<br \/>\nDann kommt ein Angriff auf unsere Religion, die ja bekanntlich christlich ist. Und wieder haben wir eine Verallgemeinerung: &#8222;sagen sie&#8220; &#8211; also nicht einer oder wenige, sondern quasi alle.<br \/>\nBiro bleibt in der F\u00e4kalabteilung und behauptet, dass &#8222;sie&#8220; neben die Muschel scheissen und dann &#8222;weibliche Hilfskr\u00e4fte&#8220; auffordern, das wegzuputzen. Wieder eine Verallgemeinerung, wieder der Vorwurf, dass &#8222;sie&#8220; unkultiviert, grauslich und frauenfeindlich w\u00e4ren. Und sie tun es &#8222;just&#8220; &#8211; also absichtlich, was scheinbar auf ihren miesen Charakter hinweisen soll.<\/p>\n<p>Dann kommt ein Teil, in dem Biro berichtet, dass &#8222;Horden&#8220; die Superm\u00e4rkte st\u00fcrmen, Packungen aufreissen, sich nehmen, was sie wollen, und wieder verschwinden. Hier greift er auf ein Angstpotenzial zu, das bei uns durch die &#8222;Vandalen&#8220; gut bekannt ist und seit Jahrtausenden in Europa immer wieder aktiviert wird: In immer neuen Wellen kamen V\u00f6lker nach Mitteleuropa, meist aus dem Osten, irgendwo aus Asien. Davor hatten die Menschen Angst &#8211; obwohl sie selbst zu genau diesen V\u00f6lkern geh\u00f6rten &#8211; nur halt zu denen, die ein wenig davor kamen. Das war und ist vollkommen normal, seitdem es Menschen gibt, wandern V\u00f6lker. Und seitdem hatten immer die Sesshaften Angst vor den Neuen. Meistens hat man sich einfach vermischt und so ziemlich alle Mitteleurop\u00e4er, die auf eine l\u00e4ngere Ahnentafel in Europa blicken k\u00f6nnen, sind eine Mischung aus all den V\u00f6lkern, die da im Laufe der Jahrhunderte kamen.<br \/>\nEs sind \u00fcbrigens &#8222;Horden&#8220; &#8211; was wohl eine leichte \u00dcbertreibung darstellen d\u00fcrfte, aber es soll ja die Angst sch\u00fcren, und da ist es am besten, wenn man sich eine Horde statt einem kleinen Gr\u00fcppchen vorstellen kann. Und sie st\u00fcrmen nicht einen Supermarkt, sondern &#8222;die Superm\u00e4rkte&#8220; &#8211; also scheinbar alle. Das m\u00fcssen unglaublich viele Horden sein, in Summe zigtausende Menschen, die alle Vandalen sind, und nat\u00fcrlich R\u00e4uber. Und sie verschwinden wieder, wobei Biro schreibt, dass die Polizei machtlos ist.<br \/>\nWas soll das nun schon wieder? Ich finde hier leider nur eine einzige sinnvolle Erkl\u00e4rung: Er m\u00f6chte einen Polizei- und Milit\u00e4rstaat, in dem an jeder Ecke eine Polizeihorde wartet, um gegen die Fl\u00fcchtlingshorden einzuschreiten.<br \/>\nSie k\u00f6nnen jetzt nur verschwinden, weil die Polizei machtlos ist &#8211; und warum ist sie machtlos? Weil es zu wenige Polizisten gibt und weil sie nicht die entsprechenden M\u00f6glichkeiten zum Einschreiten haben. Ein Schie\u00dfbefehl auf alle Menschen, die wie Fl\u00fcchtlinge aussehen &#8211; das w\u00e4re die angedachte L\u00f6sung. Das unterstelle ich dem Herrn Biro an dieser Stelle jetzt einfach einmal.<\/p>\n<p>Das perfide an dieser Behauptung von Herrn Biro ist jedoch, dass das alles erstunken und erlogen ist. Es gab niemals Horden, die Superm\u00e4rkte gest\u00fcrmt haben. Auch keine Gruppen, keine Gr\u00fcppchen, und es gab keinen einzigen Supermarkt, wo so etwas passiert ist. Die &#8222;machtlose&#8220; Polizei hat das klar dementiert.<br \/>\nDas ist einfach Hetzpropaganda, sonst nichts &#8211; frei erfunden, und das von einem Chefredakteur der gr\u00f6\u00dften Tageszeitung \u00d6sterrreichs. Es verwundert nicht, dass das sogar denjenigen zu viel geworden ist, die eigentlich Herrn Biros Meinung sind.<\/p>\n<p>Biro macht weiter: &#8222;Integration? Ein sch\u00f6nes Wort, mehr nicht. Integration kann bestenfalls in Einzelf\u00e4llen funktionieren.&#8220;<br \/>\nDamit meint er, dass sie de facto nicht funktioniert. Und da man nicht-integrierte Menschen nicht will, muss man sie also wieder loswerden. Am besten gar nicht reinlassen.<br \/>\nNein, damit macht Christoph Biro noch nicht Schluss. Er muss noch das eine oder andere Sch\u00e4uferl nachlegen, weiterz\u00fcndeln, weiter aufstacheln. Nun schreibt er, dass &#8222;s\u00e4mtliche Ordnungskr\u00e4fte einfach \u00fcberrannt wurden&#8220; und dass &#8222;Tausende wie auf Kommando \u00fcber unsere Grenze trampeln&#8220; &#8211; allein die Wortwahl ist hier so delikat-abscheulich, dass mir die Spucke wegbleibt. Gl\u00fccklicherweise brauche ich f\u00fcr diese Analyse keine Spucke.<br \/>\nBiro erzeugt Bilder in unserem Kopf: Wir sehen hier freundliche Ordnungskr\u00e4fte, die nur ordnen wollen &#8211; und was muss man ordnen? Nat\u00fcrlich das Ungeordnete, das Chaos, das scheinbar in Gestalt der Fl\u00fcchtlinge in unser so wunderbar geordnetes Land kommt. Und diese armen Ordnungskr\u00e4fte, in denen wir uns selbst erkennen, weil wir ja auch alle gerne Ordnung haben, lieber als dieses grausliche Chaos, die werden jetzt &#8222;einfach \u00fcberrannt&#8220; &#8211; und zwar scheinbar niedergetrampelt, wie er einen Halbsatz sp\u00e4ter schreibt. Ich glaube, dass hier ganz bewusst die N\u00e4he der \u00fcberrannten Ordnungskr\u00e4fte mit dem Wort &#8222;niedergetrampelt&#8220; erzeugt wird. Wir alle werden somit \u00fcberrannt und niedergetrampelt, und zwar von Horden, die das noch dazu &#8222;auf Kommando&#8220; tun &#8211; also scheinbar geordnet.<br \/>\nDas ist besonders fies, denn er unterstellt, dass es Kommandanten gibt, die das Niedertrampeln der \u00d6sterreicher pr\u00e4zise planen und die &#8222;Horden&#8220; dann dazu verwenden, um unser \u00d6sterreich niederzutrampeln, also unser sch\u00f6nes Land und uns alle. Wie lieben unsere kleinen Gartenz\u00e4une, die wir als klare Grenzen zum Nachbargarten aufbauen und hegen und pflegen und ein sch\u00f6ner Ausdruck f\u00fcr unseren Wunsch sind, uns abzugrenzen, sogar von unseren n\u00e4chsten Nachbarn und daher sowieso von allem, was noch weiter weg ist. Die werden jetzt niedergetrampelt.<\/p>\n<p>Dann kommt Biro zu seinem fulminanten Schluss und schreibt, dass uns ALLEN (JA, DA VERWENDET ER AUCH GROSSBUCHSTABEN) klar geworden ist, dass sie Grenzen dicht gemacht werden m\u00fcssen. Jetzt ist es heraus, worum es ihm im ganzen Artikel geht: Grenzen dicht. Warum will er das? Vielleicht leidet er unter einer kleinen, aber fiesen Inkontinenz, zumindest im Kopf, wir wissen es nicht. Und wir sind vielleicht durchaus froh, das auch nicht erfahren zu m\u00fcssen. Ich zumindest bin es.<\/p>\n<p>Er schreibt noch, dass es gilt eine &#8222;humanit\u00e4re Katastrophe&#8220; zu vermeiden, und zwar eine, die den \u00d6sterreichern und ihrem Land droht. Witzigerweise hat er ganz zum Schluss sogar recht: es w\u00e4re eine humanit\u00e4re Katastrophe f\u00fcr uns, wenn wir uns davon trennen humanit\u00e4r zu sein und Maria und Josef wegweisen. Interessanterweise kommen die meisten Fl\u00fcchtlinge genau aus diesem Raum, in dem Maria und Josef gelebt haben.<br \/>\nDiese humanit\u00e4re N\u00e4chstenliebe, die die eigentliche Basis unseres Christentums darstellt, w\u00fcrden wir verlieren, wenn wir uns ein- und andere aussperren. <\/p>\n<p>Herr Biro hat seinen Schlusssatz wohl anders gemeint. Daf\u00fcr geh\u00f6rt ihm vor allem mein Mitleid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick nicht leicht zu durchschauen, aber genau darum geht es ja. Seit einigen Tagen kreist ein Spruch auf Facebook, der von manchen Menschen gerne &#8222;geteilt&#8220; wird. 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