{"id":1913,"date":"2015-08-22T07:14:10","date_gmt":"2015-08-22T06:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1913"},"modified":"2015-08-22T09:00:46","modified_gmt":"2015-08-22T08:00:46","slug":"mit-der-vespa-nach-kroatien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/mit-der-vespa-nach-kroatien\/","title":{"rendered":"Mit der Vespa nach Kroatien"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Tod vom alten Herrn Kudlicka m\u00f6chte ich sein Grab in Rijeka besuchen. Selbstverst\u00e4ndlich geht das nur mit einer alten Vespa, also plane ich seit mehr als zwei Jahren eine Tour an\u00b4s Meer.<br \/>\nAlbert Kudlicka wurde 81 Jahre alt und stand bis wenige Monate vor seinem Tod noch im Gesch\u00e4ft. Vespa war sein Leben. Ich durfte ihn ca. eine Woche vor seinem Ableben in der Palliativ im Wilhelminenspital besuchen, wo er mir etliche interessante Geschichten aus seinem Leben erz\u00e4hlte &#8211; etwa seine Vergangenheit als M\u00fcnzsammler. Er legte so die Basis f\u00fcr sein sp\u00e4teres Einkommen und stammt &#8211; wenn ich mich richtig erinnere &#8211; aus einem kleinen Ort namens Bakar etwas s\u00fcdlich von Rijeka.<br \/>\nIch durfte mir ca. eine halbe Stunde ein Video von seinem traumhaften Haus in Medveja ansehen, w\u00e4hrend er schlief und dann eine Suppe a\u00df, die ihm sein Mechaniker ins Krankenzimmer geschmuggelt hatte (&#8222;viel besser als das, was sie hier haben&#8220;).<\/p>\n<p>Eine Woche sp\u00e4ter schied er aus dem Leben und ich hatte die Ehre, eine kleine Rede auf seiner Seelenmesse am Ottakringer Friedhof zu halten. Links sa\u00df die Familie, rechts sa\u00dfen die Vespafahrer. Herr Kudlicka wurde einge\u00e4schert und dann am Friedhof von Rijeka beigesetzt. <\/p>\n<p>Ich war in den 1990er oft in Kroatien und erinnere mich noch gut an das erste Wochenende, als ich mit meinen Freunden Gabor und HiHo im ausgeborgten Audi meines Vaters nach Istrien fuhr. Ein Freund von Gabor hatte damals ein kleines Bauernhaus gekauft, in dem wir die zwei N\u00e4chte wohnen durften. Es lag in &#8222;Sveti Anton&#8220; (St. Anton), einem winzigen Bergdorf oberhalb von Mosenicka Draga. Als wir damals im Sommer 1993 dort ankamen, stellte es sich als bessere Ruine heraus, ohne Sanit\u00e4reinrichtungen, Wasser oder Strom. Wir waren aber zum Tauchen dort und au\u00dferdem ein wenig j\u00fcnger als heute und hielten es auch ohne Luxus gut aus.<br \/>\nAm letzten Tag spazierten wir durch Medveja und Gabor sah sich ein sch\u00f6nes Schiff n\u00e4her an. Es lag an der Mole und er lernte Jani kennen, einen Slowenen, der mit seiner Wiener Frau eine Tauchbasis betrieb. Das Schiff (die &#8222;Vranjak&#8220;) hatte er gepachtet und unternahm damit Tauchsafaris an der dalmatinischen K\u00fcste.<br \/>\nAuf diesem Bild sieht man die Mole, an der die Vranjak damals lag:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/susmel4.jpg\" title=\"susmel4.jpg\" alt=\"susmel4.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Die traumhafte Villa oberhalb der Mole ist die Villa Susmel, wahrscheinlich das sch\u00f6nste Haus in der ganzen Gegend, weil sie in unglaublich toller Lage liegt, genau am n\u00f6rdlichen Kap der Bucht von Medveja, mit riesigen Grundst\u00fcck und eigenem Meerzugang.<br \/>\nJani hatte auch diese Villa gemietet und wir verbrachten dort einige Tauchurlaube und sogar Silvester 1994.<br \/>\nCa. 1997 musste Jani die Villa aufgeben, danach befand sich darin eine Computerfirma und heute ist sie in privater Hand. Hier ein Bild, das ich von der Stra\u00dfe aus geschossen habe:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/susmel.jpg\" title=\"susmel.jpg\" alt=\"susmel.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Viele Jahre lang wollte ich wieder nach Kroatien fahren und versuchte immer wieder eine Kreuzfahrt auf der Vranjak zu organisieren, die inzwischen von Jani\u00b4s Sohn betrieben wird, doch es wurde nie was draus.<br \/>\nDann hatte ich die Gelegenheit am 40. Geburtstags meines lieben Vespa-Freundes Hannes ausf\u00fchrlich mit Sergio zu plaudern, dem Schwiegersohn von Albert Kudlicka. Ich kannte ihn bisher nur als eher m\u00fcrrischen Typen, seines Zeichens seit immer schon die Nr. 2 im Gesch\u00e4ft vom alten Kudlicka. Viele glauben bis heute, dass er der &#8222;Radakovits&#8220; ist, der ehemalige Gesch\u00e4ftspartner, mit dem der Kudkicka seinerzeit in den 1970ern das Gesch\u00e4ft gegr\u00fcndet hat.<br \/>\nIch erfuhr, dass die Familie von Sergio aus Sveti Anton stammt und er selbst ein Haus in Mosenicka Draga hat. Und dass die Villa vom Albert Kudlicka keine 100 Meter neben der Villa Susmel steht. So schlie\u00dfen sich die Kreise und so entstand auch der Gedanke &#8211; sch\u00e4tzungsweise im Fr\u00fchjahr 2013 &#8211; wieder einmal dorthin zu fahren.<br \/>\nIn den darauf folgenden beiden Sommern klappte es nicht, denn ich h\u00e4tte jeweils alleine fahren m\u00fcssen und au\u00dferdem hatte ich keinen Motor in meiner Vespa, dem ich ausreichend vertraut h\u00e4tte. Nach der stressigen Rom-Reise 2012 hatte ich au\u00dferdem beschlossen, dass ich so weite Strecken nicht mehr allein fahren m\u00f6chte. Dazu kamen letztes Jahr noch die drei bitteren Todesf\u00e4lle in meinem Freundeskreis, die mich im Sommer besch\u00e4ftigten.<br \/>\nUnd dann kam 2015. Schon im Fr\u00fchling schrieb ich mein Interesse an der Tour ins Internet und etliche Freunde meinten, da w\u00fcrden sie gerne mitfahren. Da wir aber in einer Zeit der Unverbindlichkeit leben, blieb am Schluss wieder ich alleine \u00fcbrig.<br \/>\nDoch dann fiel der Entschluss: ich fahre! Da der von mir neu aufgebaute Polini-Motor zwar sehr gut lief, sich aber trotzdem irgendwie nicht gut anf\u00fchlte (schwierig zu beschreiben, &#8222;\u00fcberlastet&#8220; obwohl er es nicht sein sollte, viel zu helle Z\u00fcndkerze&#8230;) beschloss ich am Vortag noch einen Standard-200er einzubauen. Den hatte ich startfertig daheim liegen und vor zwei Jahren auch schon getestet. Damals lief er problemlos<\/p>\n<p>An dieser Stelle wird ein kleiner Einschub f\u00e4llig, zumindest f\u00fcr diejenigen, die meine Rom-Reise nicht kennen. Alte Vespas sind tendenziell anf\u00e4llig, weil die modernen Ersatzteile oft von schlechter Qualit\u00e4t sind und sich au\u00dferdem hin und wieder Fehler einschleichen. Auf meiner Rom-Reise hatte ich insgesamt 11 Pannen und das wollte ich um jeden Preis vermeiden. Die Sprint-Vespa ist mein Tourenfahrzeug und soweit gut in Schuss. Blieb noch die Frage nach dem richtigen Motor.<br \/>\nBeim bisher eingebauten Polini-Motor hatte ich nie ein wirklich gutes Gef\u00fchl. Das bedeutet, dass ich beim Fahren st\u00e4ndig auf den Motor h\u00f6re: kreischt da etwas? Scheppert da irgendwo was? Klingelt der Motor? Stottert er oder vibriert er mehr als \u00fcblich? F\u00fchlt er sich zu hei\u00df an? Was ist auf einmal dieses komische Dr\u00f6hnen? Was wird an der n\u00e4chsten Steigung passieren?<br \/>\nDiese und noch mehr \u00c4ngste und Gedanken machen mich fertig. So will ich nicht weite Strecken fahren. Rund um Wien &#8211; kein Problem, da kann ich mir immer irgendwo helfen. Wenn aber irgendwo in Slowenien mitten im Nirgendwo der Motor seinen Geist aufgibt &#8211; so etwas hatte ich schon, so etwas will ich nicht mehr. Nat\u00fcrlich geht die Welt nicht unter und ein gewisses Risiko bleibt immer, aber bereits in Wien mit einem Motor wegfahren, dem ich \u00fcberhaupt nicht vertraue &#8211; sicher nicht.<br \/>\nAlso wurde umgebaut, mein lieber Freund Bobby half mir dabei und nach drei Stunden war die Vespa reisefertig. Als Auspuff w\u00e4hlte ich einen gebrauchten SIP Road 1. Serie, den ich gut kenne und der ein wenig kerniger klingt und geht als der originale.<\/p>\n<p>MITTWOCH<\/p>\n<p>Mittwoch fr\u00fch, ich stehe gegen 06.30 auf und komme ca. um 07.15 weg. Die geplante Route f\u00fchrt mich ohne Autobahn bis nach Klagenfurt, meinem heutigen Tagesziel. Die Vespa springt gut an und schnurrt brav dahin, wenngleich ich jetzt schon merke, dass der Kraftverlust gegen\u00fcber dem Polini-Motor erheblich ist. Das st\u00f6rt aber nicht, denn ich habe sowieso vor eher gem\u00fctlich zu fahren, also so 80 km\/h mit Tendenz leicht nach oben, schlie\u00dflich will ich irgendwann auch ankommen.<br \/>\nIch muss noch zwei B\u00fccher zur Post bringen, doch die hat noch zu und ich verlasse Wien. <\/p>\n<p>Enorm ist der Temperaturunterschied zwischen der Stadt und au\u00dferhalb. Ich bin wie seinerzeit bei der Rom-Reise nur mit meiner Airflow-Jacke bekleidet, die unglaublich genial bei Hitze und unfahrbar bei K\u00e4lte ist. Ich fahre diesmal mit sehr wenig Gep\u00e4ck, die dichte Regenjacke ist aber dabei und leistet jetzt gute Dienste.<br \/>\n\u00dcber Auhof fahre ich nach Wolfsgraben, dann \u00fcber Gruberau und Klausen-Leopoldsdorf meine Rom-Route von vor drei Jahren. Dann jedoch schlage ich eine andere Route ein und fahre \u00fcber Laaben und die Klammh\u00f6he nach Hainfeld. Dort l\u00e4uft mir ein freundlicher Postler \u00fcber den Weg und wenige Minuten sp\u00e4ter ist der letzte Ballast weg, die Fahrt kann weitergehen.<br \/>\nEs wartet die ber\u00fchmte Kalte Kuchl, vor der viele Motorradfahrer seit vielen Jahren Respekt haben, weil es dort erstens eine 70er-Beschr\u00e4nkung gibt und diese zweitens sehr rigoros \u00fcberwacht wird. An sonnigen Sonntag-Nachmittagen kann man einen ganzen Haufen geparkter Motorr\u00e4der finden, die alle ohne Nummerntafel herumstehen.<br \/>\nMich interessiert das wenig, denn mit der Vespa komme ich eh nicht \u00fcber die 70. Die Fahrt ist angenehm, ganz jedoch kann ich meine Angewohnheit, irgendwie st\u00e4ndig oder zumindest \u00f6fter auf den Motor zu h\u00f6ren, nicht ganz ablegen. Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit gibt und sich Vertrauen in den Originalmotor einstellt.<br \/>\nHier ein Bild von meiner kurzen Rast in der Kalten Kuchl. Vespas sind hier eher selten zu sehen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/KalteKuchl.jpg\" title=\"KalteKuchl.jpg\" alt=\"KalteKuchl.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Die H\u00f6chstgeschwindigkeit der Sprint liegt bei knapp \u00fcber 90 und sogar da wirkt sie schon am absoluten Ende der Fahnenstange. Der Motor dreht im 2. und 3. Gang gut rauf, nur oben ist dann Schluss, die Vierte dreht lange nicht so frei wie sie m\u00fcsste (trotz 118 Hauptd\u00fcse, eh klein f\u00fcr den SIP Road). Mein Verdacht richtet sich gegen den Auspuff &#8211; wenn der verlegt ist, ergibt es genau diese Symptome. Spielt aber keine Rolle, ich kann das jetzt eh nicht \u00e4ndern. Vielleicht putzt er sich ja frei.<\/p>\n<p>\u00dcber St. Aegyd am Neuwalde geht es nach Mariazell, wo der erste Tankstopp f\u00e4llig wird. Bisher ist es eine v\u00f6llig problemlose Fahrt \u00fcber eine absolut empfehlenswerte Strecke. Die Vespa mit ihrer Gep\u00e4ckrolle hinten drauf ruft fast \u00fcberall freundliche Gesichter hervor, sogar ein paar schnelle Motorradfahrer haben mich gegr\u00fc\u00dft.<br \/>\n\u00dcber Gu\u00dfwerk geht es weiter nach Wildalpen. Das ist eine meiner alten Motorrad-Lieblingsstrecken, eine Kurvenorgie ohne Ende. Weniger spannend ist dann das Ges\u00e4use und in Admont wird es Zeit f\u00fcr eine Mittagspause. Beim Nah&#038;Frisch sind alle mit mir per Du und ich merke, dass ich schon echt weit weg bin von Wien.<br \/>\nNach einer eher kurzen Pause treibt es mich weiter. \u00dcber eine tolle Bergstra\u00dfe geht es nach Trieben. Auf der Passh\u00f6he befindet sich ein kleines Skigebiet, das scheinbar gerade f\u00fcr eine Beschneiungsanlage umgebaut wird. Das ist ein unglaublicher Eingriff in die Naturlandschaft, nicht nur der riesige Wasserspeicher, das folgende Bild zeigt nur einen Ausschnitt der gro\u00dffl\u00e4chigen Zerst\u00f6rung:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/Liftanlagen.jpg\" title=\"Liftanlagen.jpg\" alt=\"Liftanlagen.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Schon in Mariazell hab ich das erste Mal meinen Nacken gesp\u00fcrt. Ich kenne das leider schon von der Romreise, dass sich durch die Sitzhaltung bei meiner Gr\u00f6\u00dfe und der f\u00fcr Italiener gebauten Vespa die Nackenmuskeln verspannen und dann bis zum Ende des Tages schmerzen. Ich mache immer wieder kleine Entspannungs\u00fcbungen, aber das hilft nur wenig. Eine zeitweise Ver\u00e4nderung der Sitzposition bringt auch ein wenig, aber eben nicht viel. In Trieben wird der n\u00e4chste Tankstopp f\u00e4llig, danach geht es auf die gro\u00dfe Bundesstra\u00dfe Richtung Hohentauern. Diese Strecke habe ich viel weniger steil und auch weniger kurvig in Erinnerung &#8211; aber ich bin sie das letzte Mal vor \u00fcber zehn Jahren mit einer Aprilia Pegaso gefahren und der Vergleich ist nur bedingt sinnvoll.<br \/>\nTrotzdem: bisher eine gro\u00dfartige Strecke und der Motor h\u00e4lt, wenngleich er auch bergab nicht \u00fcber 110 zu bringen ist, das ist eindeutig um 10 bis 15 km\/h zu langsam f\u00fcr einen Standard-200er. Wie auch immer, ich kann es nicht \u00e4ndern und will auch nicht anfangen, irgendwo herumzuschrauben.<br \/>\nDann geht es auf der mir gut bekannten Strecke nach Scheifling und hinauf zum Perchauer Sattel. In Neumarkt zweige ich links ab und fahre nicht die normale Route nach Klagenfurt, weil die eher fad ist. Von Neumarkt geht es \u00fcber Br\u00fcckel eine sehr nette Strecke bis direkt nach Klagenfurt &#8211; absolut empfehlenswert. Besonders interessant: Gef\u00fchlterma\u00dfen geht es nur bergab, ich hatte den Eindruck, ich k\u00f6nnte selbst bei einem Motorschaden fast bis Klagenfurt rollen.<br \/>\nBei der Ortseinfahrt hupt mich ein Autofahrer an. Als ich mich umdrehe, zeigt er mir den Daumen nach oben &#8211; das sind die kleinen Momente, wo die Schmerzen im Nacken nachlassen und auch der Hintern nicht mehr so weh tut.<br \/>\nDie Regenjacke habe ich bis nach Hohentauern getragen, jetzt ist es sehr warm und die Airflow-Jacke erledigt ihren Job bravour\u00f6s. Nur bei der knielangen Hose bin ich mir nicht sicher, ob ich mir nicht das eine oder andere Insekt einfange, das w\u00e4re eher weniger angenehm, so ein Wespenstich in die Weichteile&#8230;<br \/>\nEgal, ich riskiere das einfach.<\/p>\n<p>Ein bis zwei Mal hatte ich heute schon leichte Warmstartprobleme, aber die sind jetzt auch verschwunden, der Motor hat gut bis Klagenfurt gehalten und zeigt keine Ver\u00e4nderung, was ich als gutes Zeichen interpretiere.<br \/>\nMeine Gastgeber Norbert und Ute haben mich lange nicht gesehen und gemeinsam fahren wir noch mit dem Radl am L\u00e4ndkanal bis zum Loretto-Strandbad, um ein k\u00fchles Bad im W\u00f6rthersee zu nehmen. Das entspannt auch den Nacken ein wenig und ich bin froh, den ersten Tag gut \u00fcberstanden zu haben.<br \/>\nIm Gegensatz zu Wien k\u00fchlt es in Klagenfurt in der Nacht ein wenig ab und so schlafe ich gut und fest.<\/p>\n<p>DONNERSTAG<\/p>\n<p>Ich merke leichtes Reisefieber, das wirkt sich bei mir in absoluter Appetitlosigkeit aus. Gl\u00fccklicherweise brauche ich bis zu Mittag kein Essen und breche gegen 8 Uhr auf. Die Luft ist k\u00fchl und erfrischend, diesmal habe ich die Regenjacke schon bei der Abfahrt angezogen. Jetzt wartet der Loibl-Pass auf mich, den ich das letzte Mal vor 19 Jahren gefahren bin. Damals sind wir von einer langen Tauchtour zur\u00fcck gekommen und ausnahmsweise \u00fcber Klagenfurt heimgefahren. Es war mitten in der Nacht und es gab keine Grenzposten &#8211; die hatten sich alle schlafen gelegt. Wir blieben stehen, warteten eine Weile und fuhren dann einfach weiter.<br \/>\nDer Loibl ist sehr steil und kurvig, aber sch\u00f6n zu fahren. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/Loibl.jpg\" title=\"Loibl.jpg\" alt=\"Loibl.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Auf der slowenischen Seite gibt es ein Kriegsdenkmal, denn die Stra\u00dfe wurde seinerzeit mit Zwangsarbeitern errichtet. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/denkmal.jpg\" title=\"denkmal.jpg\" alt=\"denkmal.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Auf dem Parkplatz davor steht ein uralter Opel Rekord Caravan (ein &#8222;C-Rekord&#8220;), mit einem H\u00e4nger, auf dem zwei Mopeds stehen. Das junge P\u00e4rchen versucht gerade die Kiste wieder flott zu bekommen und der holl\u00e4ndische Fahrer erz\u00e4hlt mir, dass sich die G\u00e4nge nicht mehr schalten lassen. Au\u00dferdem w\u00fcrden sich st\u00e4ndig die Ventile verstellen, aber er bek\u00e4me das schon in den Griff. Schlie\u00dflich m\u00fcssten sie heute nur noch bis Holland und er meint, wenn er unter das Auto kriecht, kann er den dritten Gang manuell einlegen und dann damit durchfahren. Ich erkl\u00e4re ihm, dass es bis zur Passh\u00f6he nicht mehr weit ist und gebe ihm noch Info \u00fcber die Stra\u00dfenbeschaffenheit danach.<br \/>\nDann geht es hinunter nach Kranj, die Stra\u00dfen sind sehr gut und ich habe mir eine Route quer durch Slowenien ausgesucht. Auch diesmal werde ich nicht entt\u00e4uscht, es sieht ein wenig aus wie in der Steiermark, alles ist sehr sauber, gepflegt und die Landschaft ist durch kleinstrukturierte Landwirtschaft gepr\u00e4gt. In jedem gr\u00f6\u00dferen Ort gibt es einen Hofer, einen Lidl, einen Spar und eine OMV-Tankstelle. Oft auch eine Burg.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/burg.jpg\" title=\"burg.jpg\" alt=\"burg.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ich durchquere einige kleinere Orte (Skofia Loka, Gorenja vas und Ziri) und muss mit dem einzig schlechten Stra\u00dfenst\u00fcck \u00fcberhaupt k\u00e4mpfen (zwischen Ziri und Logatec). Mein Zwischenziel ist Postojna, wo ich auch den n\u00e4chsten Tankstopp einlege. Ab da brauche ich die Regenjacke nicht mehr, es ist wieder sehr hei\u00df und ich fahre ab jetzt direkt in s\u00fcdlicher Richtung. Bei Pivka gibt es eine kleine Abzweigung, die zu einer ziemlich bekannten Abk\u00fcrzung f\u00fchrt, n\u00e4mlich durch den slowenischen Karst rund um den Ort Knezak. Diese Abk\u00fcrzung sind wir in den 1990ern immer gefahren, manchmal auch in der Dunkelheit, was irgendwie eine ganz eigene Atmosph\u00e4re hat. Etwa in der Mitte der Strecke f\u00e4hrt man auf einen einsamen Friedhof zu und kurz davor kommt eine scharfe Kurve &#8211; es ist wie in einem Videospiel. Die Abk\u00fcrzung geht bis Ilirska Bistrica und ist 16 km lang. Irgendwo auf der Strecke mache ich Mittagspause und esse eine Wurstsemmel. Die Nackenschmerzen sind verl\u00e4sslich und p\u00fcnktlich zur Stelle und weigern sich wieder abzuhauen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/knezak.jpg\" title=\"knezak.jpg\" alt=\"knezak.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Vor vier Jahren sind wir zur exakt gleichen Zeit nach Krk zum Tauchen gefahren, Mario, mein Bruder und ich. Damals dachten wir beim Stau in Ilirska Bistrica an eine Ampel, eine Baustelle oder einen Unfall, bis wir feststellen mussten, dass es der bis hierher zur\u00fcck reichende Grenzstau war, satte zehn Kilometer im Schritttempo. Das werde ich nie vergessen.<br \/>\nDiesmal ist alles frei, wobei mich ein Stau mit der Vespa eh nicht interessiert h\u00e4tte. Aber so denke ich mir, dass es nicht schwer sein wird in Baska (mein Zielort f\u00fcr heute) ein Quartier zu finden. Vor vier Jahren waren wir mitten im Ferragosto und hatten Problem unser reserviertes Quartier auch zu bekommen.<br \/>\nAn der Grenze gibt es noch zwei echte Passkontrollen, dann bin ich in Kroatien. Weil ich nicht auf der Autobahn fahren will, w\u00e4hle ich die schlecht beschilderte Abfahrt und hoffe, dass ich richtig liege.<br \/>\nDie Kroaten und auch die Slowenen wollen mit ihrer Beschilderung offensichtlich bewirken, dass man auf der mautpflichtigen Autobahn f\u00e4hrt bzw. bleibt. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken und finde die richtige Bundesstra\u00dfe (Nr. 8), die mich hinunter nach Rijeka f\u00fchrt. Aber auch dort gerate ich am s\u00fcdlichen Ende der Stadt in die Autobahnfalle und bin pl\u00f6tzlich in einem Zubringertunnel. Ich muss an dieser Stelle erw\u00e4hnen, dass ich mit der alten Vespa \u00e4u\u00dferst ungern Autobahn fahre. Erstens kostet es sinnlose Maut und zweitens ist es bei einer Panne irgendwie noch unangenehmer als auf einer Landstra\u00dfe. In diesem Fall ist es doppelt bl\u00f6d, weil ich keine Vignette habe und im Falle einer Panne dadurch wahrscheinlich ein ernsthafteres Problem.<br \/>\nIch komme jedoch ungeschoren bis zur n\u00e4chsten Abfahrt und nehme diese, um wieder auf die Bundesstra\u00dfe zu kommen. Ich kenne sie noch von vor vier Jahren und fahren hinunter nach Bakar, dem eigentlichen Heimatort von Albert Kudlicka. Dort ist es nicht sehr lauschig, weil es ein gr\u00f6\u00dferes \u00d6llager gibt und die gesamte Bucht nach Mineral\u00f6l riecht. Genau dort unten befindet sich der kleine Ort Bakarac, in dem ich eine kleine Pause einlege.<br \/>\nEs ist inzwischen extrem hei\u00df und ich g\u00f6nne mir eine kalte Flasche Mineralwasser. Der nette Kellner grinst und bringt mir eine R\u00f6merquelle.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/AmMeer.jpg\" title=\"AmMeer.jpg\" alt=\"AmMeer.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Endlich am Meer! Ich wei\u00df, dass es bis Krk nicht mehr weit ist und w\u00e4hne mich schon am Ziel. Genau genommen ist dieses Ziel der &#8222;Saloon&#8220;, ein sensationelles kroatisches Lokal, dessen Essen reichlich, hervorragend und g\u00fcnstig ist. Dort haben wir vor vier Jahren vorz\u00fcglich gespeist und dort ist mein heutiges Etappenziel.<br \/>\nAlso nichts wie hin. Die Vespa l\u00e4uft sehr brav und ich komme zur Mautstelle an der Br\u00fccke, die \u00fcber den Velebitkanal f\u00fchrt und Krk mit dem Festland verbindet. Der nette Kassier fragt mich, ob ich mit der Vespa aus \u00d6sterreich bis hierher gefahren bin und sch\u00fcttelt l\u00e4chelnd den Kopf.<br \/>\nDie Stra\u00dfen sind auf Krk hervorragend, was sich in den letzten vier Jahren deutlich ver\u00e4ndert hat, ist die enorm gestiegene Anzahl an Shoppingcentern, die \u00fcberall zu finden sind (es gibt dort einen KONZUM).<br \/>\nDie Strecke nach Baska zieht sich, vor allem weil ich hinter einigen Wohnw\u00e4gen hertuckern muss. Doch irgendwann habe ich den schmalen Pass \u00fcberwunden, hinter dem es nach Baska hinunter geht. Ich erreiche mein Ziel, parke die Vespa gegen\u00fcber des &#8222;Saloon&#8220; und entdecke den Chefkellner, an den ich mich noch erinnere.<br \/>\nIch frage ihn, ob es den Chef noch gibt und er deutet auf einen Tisch. Ich erkenne ihn erst auf den zweiten Blick, es ist ein witziger Typ, der einen unglaublich dicken Bauch hat. Er dirigiert dieses Lokal indem er davor steht und die G\u00e4ste empf\u00e4ngt. Er erkennt schon von weitem die Nationalit\u00e4t der G\u00e4ste und spricht sie in ihrer Sprache an. Die H\u00fctte ist immer ausnahmslos zum Bersten voll und trotzdem bekommt man irgendwie einen Platz. Er fragt sofort &#8222;wie viele?&#8220; und wenn man drau\u00dfen ein wenig warten muss, dann bekommen die Kinder einen Schlecker und die Eltern einen Schnaps.<br \/>\nAls ich ihm erz\u00e4hle, dass ich jetzt Quartier suchen werde, bricht der ganze Tisch in schallendes Gel\u00e4chter aus, was mir ein wenig Flauheit im Magen verschafft. Andererseits: das muss zu schaffen sein, ein billiges Quartier f\u00fcr eine Person, ohne jeden Komfort, ich brauche nur ein Bett und eine Dusche.<br \/>\nAlso mache ich mich auf die Suche nach einer Pension. Die ersten drei Agenturen winken freundlich ab und meinen, dass das hier genau am st\u00e4rksten Wochenende sehr schwierig sein w\u00fcrde.<br \/>\nAber ich solle am besten noch in anderen Agenturen fragen oder in ein Hotel gehen, davon g\u00e4be es zwei hier in Baska (plus noch eines mit Zimmern ab 250,- pro Nacht, was doch \u00fcber meinem Budget liegt).<br \/>\nAlso frage ich bei anderen Agenturen und einigen privaten H\u00e4usern. Die erste Frage lautet immer &#8222;wie viele Personen&#8220; und die zweite Frage &#8222;f\u00fcr wie lange&#8220;.<br \/>\nAlleine und f\u00fcr eine Nacht hat man die Arschkarte, so viel stellt sich heraus, als mir das Tischgel\u00e4chter im Ohr nachklingt, meine Dehydrierung langsam zu- und mein Energielevel abnimmt.<br \/>\nDas darf doch nicht wahr sein! Ich beschlie\u00dfe zum kleineren der beiden Hotels zu fahren. Dort sitzt ein eher unfreundlicher Typ, der meint, er h\u00e4tte noch ein Zimmer und das w\u00fcrde 75 Euro kosten, inklusive Halbpension. Auf meine Frage, ob ich es auch nur mit Fr\u00fchst\u00fcck haben k\u00f6nnte, meint er &#8222;das ist der Preis &#8211; wie auch immer.&#8220;<br \/>\nIch beschlie\u00dfe noch in das andere Hotel zu schauen und vielleicht noch in 2-3 Agenturen. Aber auch dort habe ich kein Gl\u00fcck und bin inzwischen genervt und kaputt. Also dann doch das teure Hotelzimmer.<br \/>\nAls ich ankomme, merke ich schon am Blick des Unfreundlichen, dass was nicht stimmt. &#8222;Ich habe das Zimmer gerade einer jungen Familie gegeben, tut mir leid.&#8220; meint er.<br \/>\nDann erbarmt er sich insofern als er mir eine Brosch\u00fcre mit Hotels und Pensionen auf ganz Krk gibt. Ich solle es im Ort Krk probieren, denn im Nachbarort Punat (wo wir vor 4 Jahren gewohnt haben) w\u00e4re auch alles voll, aber auf Krk g\u00e4be es insgesamt mehr Betten.<\/p>\n<p>Ich setze mich in ein Kaffeehaus und trinke einen halben Liter Wasser auf ex. Leichte Entt\u00e4uschung und Verzweiflung tauchen auf &#8211; muss ich wieder zur\u00fcck fahren, und wenn ja, bis wohin? Ich sehe mich schon irgendwo hinter einem Busch im Staub \u00fcbernachten und greife zum Telefon. Im kleinen Ort Silo gibt es leider auch kein Quartier mehr, ich telefoniere alle Agenturen durch, keine Chance. Nur einen Wohnwagen g\u00e4be es, f\u00fcr 60 Euro.<br \/>\nDann beschlie\u00dfe ich nach Krk zu fahren. Am Weg dorthin bleibe ich noch in zwei Ortschaften vor Baska stehen und klappere ein halbes Dutzend Agenturen und Privatquartiere ab. Einzig eine nette Dame meint, sie h\u00e4tte noch ein Kellerapartment und wenn bis 9 Uhr Abends niemand k\u00e4me, dann k\u00f6nnte ich es haben, f\u00fcr 60 Euro.<br \/>\nDas ist mir zu unsicher und ich starte die Vespa. Schade, aus dem Abendessen im Saloon wird nichts, das ist irgendwie ein pers\u00f6nlicher R\u00fcckschlag.<br \/>\nDazu habe ich jetzt noch das Problem, dass mir der Sprit ausgeht. In Baska gibt es n\u00e4mlich keine Tankstelle und damit habe ich nicht gerechnet. Jeden Moment erwarte ich, dass ich auf Reserve schalten muss &#8211; und ich habe noch den Pass vor mir und etliche Kilometer. Gl\u00fccklicherweise habe ich einen Reservekanister mit 1,8 Litern Sprit dabei, doch das Einf\u00fcllen ist m\u00fchsam und ich bin eh schon fix und foxi.<\/p>\n<p>Doch ich schaffe es bis zur Tankstelle und somit auch nach Krk. Im ersten Hotel, das ich finde, gibt es eine nette, junge Rezeptionistin namens Veronika, die aber leider auch kein Zimmer f\u00fcr mich hat. Als ich ihr erz\u00e4hle, dass ich eigentlich keine Kraft mehr habe um alles abzusuchen, erbarmt sie sich meiner und ruft die anderen 3-4 Hotels an. Leider ohne Erfolg, sie meint, in Krk w\u00fcrde ich nichts mehr finden, vielleicht in Malinska, ca. 15 km von hier.<br \/>\nIch bin kaputt und beschlie\u00dfe von der Hotellobby in Malinska anzurufen. Das erste ist das Hotel Adria, wo ein netter Herr abhebt und tats\u00e4chlich meint, er h\u00e4tte noch ein Zimmer. Es w\u00fcrde 75 Euro kosten und ein Motorradparkplatz direkt vor dem Haus w\u00e4re auch dabei.<br \/>\nIch beschlie\u00dfe, ihm sofort um den Hals zu fallen und starte schnellstens die Vespa, obwohl er meint, dass er mir das Zimmer gerne reservieren kann.<\/p>\n<p>In Malinska angekommen f\u00e4llt mir ein Stein vom Herzen. Endlich ein Zimmer, endlich ein Bett, eine Dusche &#8211; herrlich! Und das mit dem Parkplatz stimmt auch, sogar Free WLAN gibt es.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/parkplatz.jpg\" title=\"parkplatz.jpg\" alt=\"parkplatz.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Nach einer kurzen Ruhepause mache ich einen Spaziergang, kaufe eine Flasche Wasser und gehe am Strand schwimmen. Es gibt in Malinska eine kleine Marina, alles wirkt ausgesprochen sauber und die Strandpromenade ist sehr durchdacht angelegt. Es ist trotzdem kein Ort, an dem ich eine Woche Urlaub verbringen m\u00f6chte &#8211; zu neckerm\u00e4nnisch ist hier alles. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/malinska.jpg\" title=\"malinska.jpg\" alt=\"malinska.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Au\u00dfer der Ausstellung direkt an der Promenade. \u00dcber 60 gro\u00dfe Tafeln, auf denen historische Fotos von 1900 bis 1930 zu sehen sind, alle aus Kroatien und eine wirklich interessante Zeitdokumentation.<br \/>\nDie Promenade ist gut gef\u00fcllt, vor allem viele Familien sind zu sehen, die noch einen Abendspaziergang machen. Ich bin wirklich erleichtert und bekomme sch\u00f6n langsam Hunger. Ich habe mich schon seit Wien auf das gute kroatische Essen gefreut und daher w\u00e4hle ich gleich das Hotel-Restaurant. Man sitzt im Freien und die Pleskjavica schmecken hervorragend. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/essen.jpg\" title=\"essen.jpg\" alt=\"essen.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ich lasse den Abend ruhig ausklingen, surfe noch ein wenig auf Facebook und lege mich dann schlafen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/sunset.jpg\" title=\"sunset.jpg\" alt=\"sunset.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>In der Nacht bekomme ich Durst und habe leider kein Wasser mehr. Aus dem Wasserhahn kommt sehr kaltes, klares Wasser und ich riskiere es, davon zu trinken. Wird schon gut gehen.<\/p>\n<p>FREITAG<\/p>\n<p>Ich wei\u00df zwar nicht warum, aber ich bekomme kein Fr\u00fchst\u00fcck runter, nicht einmal ein St\u00fcck Marmeladebrot. Das Reisefieber m\u00fcsste eigentlich schon weg sein, aber ich habe nicht sehr gut geschlafen. Es war dr\u00fcckend hei\u00df und ich f\u00fchle mich nicht allzu toll. Auschecken, Vespa satteln und ab geht es nach Rijeka, wo ich das zweite Ziel meiner Reise erreichen m\u00f6chte: das Grab von Albert Kudlicka.<br \/>\nDie Fahrt geht z\u00fcgig voran, die Vespa l\u00e4uft problemlos und die R\u00fcckfahrt \u00fcber die Br\u00fccke ist erstaunlicherweise mautfrei.<br \/>\nIm Zentrum von Rijeka, das \u00fcbrigens architektonisch durchaus reizvoll ist, im Gegensatz zum Hafen und den Betonsilos rundherum, aktiviere ich das erste Mal mein Navi, damit es mich zur Stra\u00dfe namens &#8222;Petra Kotalka&#8220; f\u00fchrt, wo der Eingang zum Friedhof ist &#8211; im STadtteil Kozala, ziemlich weit oben am Berg und direkt unterhalb der Autobahn. Ein guter Hinweis (Danke an Rainer Derx) ist das T-Mobile-Hochhaus, weil sich direkt daneben der Friedhofseingang befindet.<br \/>\nMit nur einmal falsch fahren finde ich den Eingang und stelle die Vespa ab. Es ist bereits enorm hei\u00df und ich hoffe im dort befindlichen Blumengesch\u00e4ft Hilfe zu bekommen. Die j\u00fcngere der beiden Verk\u00e4uferinnen spricht Englisch und erkl\u00e4rt sich sofort und sehr freundlich bereit meinen Helm und den Nierengurt f\u00fcr mich aufzubewahren und einen Blick auf die Vespa zu werfen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/grab1.jpg\" title=\"grab1.jpg\" alt=\"grab1.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ich kaufe eine gro\u00dfe Kerze und bekomme von ihr noch Z\u00fcndh\u00f6lzer, dann mache ich mich auf den Weg Rainer war ca. drei Wochen vorher schon dort und hat eine genaue Fotodokumentation vom richtigen Weg zum Grab gemacht &#8211; das ist jetzt ausgesprochen hilfreich.<br \/>\nNach wenigen Minuten stehe ich am Grab und habe mein zweites Reiseziel erreicht.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/grab2.jpg\" title=\"grab2.jpg\" alt=\"grab2.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Der Friedhof ist sehr sch\u00f6n und ruhig, man h\u00f6rt gar nichts von der benachbarten Autobahn. Alles ist sehr gr\u00fcn und gepflegt. Das Grab vom alten Kudlicka ist klassisch angelegt und passt zu den anderen Gr\u00e4bern. Nur eine Sache stimmt halt \u00fcberhaupt nicht. Ein Steinmetz hat in eine Platte einen Roller eingraviert. Was genau passiert ist, kann ich nicht sagen (und muss Sergio bei Gelegenheit danach fragen), aber statt einer Vespa ist eine Lambretta eingraviert. Irgendwie ist das so als w\u00fcrde man am Grabstein von Enzo Ferrari einen Maserati eingravieren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/grab3.jpg\" title=\"grab3.jpg\" alt=\"grab3.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Eigentlich sollte man die Platte austauschen. Aber das w\u00e4re eine gr\u00f6\u00dfer angelegte Aktion. Ich z\u00fcnde noch die Kerze an und mache mich dann wieder auf den Weg. Heute habe ich gl\u00fccklicherweise keinen so weiten Weg. Ich muss nur noch durch Rijeka durchfahren und dann an der kroatischen Riviera entlang durch die Orte Opatija, Lovran und Medveja nach Mosenicka Draga, meinem dritten Reiseziel.<br \/>\nAn Hochh\u00e4usern vorbei fahre ich hinunter zur Hafenstra\u00dfe und dann qu\u00e4le ich mich durch den dichten Verkehr an der kleinen K\u00fcstenstra\u00dfe. Mit der Vespa komme ich jedoch gut voran, weil ich \u00fcberall \u00fcberholen und mich vorbeischl\u00e4ngeln kann.<br \/>\nIn Medveja bleibe ich kurz stehen und sehe mir die Villa Susmel an. Sie ist wundersch\u00f6n hergerichtet und der neue Besitzer d\u00fcrfte sie gut pflegen.<br \/>\nHier ist das Geld daheim, das sieht man auf den ersten Blick. Nur 50 Meter weiter befindet sich die Villa vom Albert Kudlicka &#8211; das habe ich seinerzeit, als wir \u00f6fter in der Villa Susmel waren, nat\u00fcrlich nicht gewusst.<br \/>\nIch starte die Vespa und fahre nach Mosenicka Draga. Dort versuche ich in einem dieser zahlreichen Touristenb\u00fcros, die es auch hier wie Sand am Meer gibt, ein Zimmer zu bekommen. Sergio meinte lakonisch, dass das \u00fcberhaupt kein Problem w\u00e4re, es g\u00e4be viele Pensionen und er w\u00fcrde auch alle Leute hier kennen.<br \/>\nLeider hat er nicht bedacht, dass ich alleine bin und maximal drei Tage bleibe. Der nette junge Mann im Tourismusb\u00fcro meint, dass ich doch um 17 Uhr noch einmal kommen solle, vielleicht k\u00f6nnte er mir dann ein Quartier beschaffen.<br \/>\nMir ist das nach meinen Erlebnissen in Baska viel zu unsicher und so fahre ich in den Ortskern, wo es zwei Hotels gibt. Im ersten empf\u00e4ngt mich die h\u00fcbsche Rezeptionistin zwar mit freundlichen Worten, meint aber nach einem Blick in den Computer, dass sie auch kein Zimmer f\u00fcr mich h\u00e4tte.<br \/>\nGeht das jetzt wieder los? Das kann doch nicht wahr sein!<br \/>\nNach R\u00fccksprache mit dem Chef sieht sie eine gewisse Chance und bittet mich noch ein wenig zu warten. Man m\u00fcsse nur ein wenig disponieren und dann k\u00f6nnte ich eventuell ein Zimmer bekommen.<br \/>\nIch warte drau\u00dfen und passe auf die Vespa auf, denn angeblich kommt nach sp\u00e4testens 20 Minuten ein Polizist und dann muss man wegfahren.<br \/>\nVorher kommt aber noch die Rezeptionistin und berichtet mir freudig, dass ich das Zimmer h\u00e4tte, nur k\u00f6nnte ich es erst um 14 Uhr beziehen. Aber mein Gep\u00e4ck k\u00f6nnte ich trotzdem da lassen.<br \/>\nIch habe vorher schon mit Sergio telefoniert, der sich bereits am Strand von Medveja befindet (warum auch immer dort und nicht hier in seinem Ort) und meinte, ich solle doch gleich zum Strand fahren, sie h\u00e4tten einen guten Schluck zu trinken dort.<\/p>\n<p>Ich erfahre von der Rezeptionistin, dass sie noch einmal umdisponiert h\u00e4tten und ich das Zimmer jetzt gleich haben k\u00f6nnte. Mir ist inzwischen alles recht, ich werde nie durchschauen, was da in Kroatien zimmerm\u00e4\u00dfig wirklich abgeht. Jetzt fahre ich einmal hin\u00fcber nach Medveja, aber ohne das ganze Gep\u00e4ck.<br \/>\nAm Strand angekommen finde ich Sergio nicht. Ein kurzes Telefonat kl\u00e4rt, dass er sich auf der anderen Seite der Bucht befindet, die gl\u00fccklicherweise nicht sehr gro\u00df ist.<br \/>\nDann habe ich ihn gefunden, und seine Kumpels gleich mit dazu und au\u00dferdem noch seine Sohn Sebastian mit dessen Freundin und Adriana, die Tochter vom alten Kudlicka und Frau von Sergio.<br \/>\nSie sind hier alle entweder aufgewachsen oder seit Ewigkeiten Stammg\u00e4ste. Adriana und Sergio beginnen sofort einen kleinen Streit dar\u00fcber, ob ich gleich ein Bier trinken muss oder vorher noch einen gespritzen Apfelsaft trinken darf. Adriana gewinnt und ich bekomme meinen Saft.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/medveja3.jpg\" title=\"medveja3.jpg\" alt=\"medveja3.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Danach g\u00f6nne ich mir auch noch eine Erfrischung im Meer und fange dann langsam an mich zu entspannen, also zumindest bis zum Bier, das Sergio mir unter reger Anteilnahme seiner Kumpanis blitzschnell organisiert hat. Ich mag Bier, aber wenn ich an dem Tag noch nichts gegessen habe, es erst fr\u00fcher Nachmittag ist und die Sonne runterknallt, ist das nur eine m\u00e4\u00dfig gute Idee.<br \/>\nDas interessiert Sergio aber genau original gar nicht und so kippe ich mir das Bier hinein. Darminfektion, Stress, ein hei\u00dfer Tag &#8211; das k\u00f6nnte sich noch zu einer Herausforderung auswachsen.<\/p>\n<p>Generell ist die Lage jedoch sehr entspannt. Die Vespa hat ohne Probleme gehalten, ich habe ein teures, aber gutes Quartier und frage mich, ob ich die geplanten weiteren zwei Tage noch hier bleiben werde. Adriana meint, dass leider f\u00fcr den n\u00e4chsten oder \u00fcbern\u00e4chsten Tag schwere Unwetter angesagt seien, die nach der wochenlangen Hitze und Trockenheit auch ein klein wenig heftig ausfallen k\u00f6nnten. Ich schiebe diese Probleme weg und trinke das n\u00e4chste Bier.<br \/>\nDann \u00fcberkommt mich ein Anfall von Nostalgie und ich marschiere nach vorne zum Kap, das die Bucht auf der linken Seite begrenzt. Dort thront \u00fcber allem die Villa Susmel. Herunten auf der Mole gibt es ein Lokal und ich finde den Einstieg wieder, von dem aus wir vor \u00fcber zwanzig Jahren unseren Silvestertauchgang absolviert haben. Das hat sich nicht merklich ver\u00e4ndert und doch wird mir langsam klar, wie lange das alles schon zur\u00fcck liegt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/susmel2.jpg\" title=\"susmel2.jpg\" alt=\"susmel2.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Damals hatte niemand oder fast niemand meiner Freunde schon Kinder, das Leben war wirklich unbeschwert und wir verbrachten einige sch\u00f6ne Wochenenden hier in Istrien. Jetzt bin ich alleine hier und denke an die alten Zeiten.<br \/>\nDanach marschiere ich zur\u00fcck zur lustigen Runde und verbringe noch eine Zeit mit ihnen, bevor ich nach Mosenicka Draga zur\u00fcck fahre. Als es Abend wird, folge ich dem Tipp von Thomas aus der lustigen Runde und finde das von ihm angepriesene Lokal. Leider gilt auch hier das gleiche wie bei den Zimmern: wer alleine unterwegs ist, hat Pech gehabt.<br \/>\nDoch eine nette Kellnerin findet einen kleinen Tisch f\u00fcr mich und ich bestelle Calamari und ein gutes Bier. Ich freue mich auch schon sehr auf die Palatschinken und erinnere mich, wie gut die damals in den 1990ern waren &#8211; und wie billig. Damals war der Tourismus nach dem Balkankrieg gerade erst wieder im Aufschwung, alles war g\u00fcnstiger und irgendwie gem\u00fctlicher. Jetzt blinkt einem an jeder Ecke der Kommerzg\u00f6tze entgegen, alles ist mit Schranken abgesperrt bzw. sonstwie gegen freie Ben\u00fctzung gesichert. Der Zauber des Ortes ist verschwunden oder zumindest zur\u00fcck gegangen.<br \/>\nAuch bei mir verschwindet der Zauber und die Palatschinken schmecken irgendwie gar nicht mehr gut. Ich merke, wie sich Magen und Darm gar nicht wohl f\u00fchlen und marschiere schnell zum Hotel zur\u00fcck, das gl\u00fccklicherweise nicht weit weg ist. Da der Supermarkt bis 22 Uhr offen hat und am n\u00e4chsten Tag ein Feiertag ist, kaufe ich noch eine gro\u00dfe Wasserflasche.<br \/>\nMein morgiger Plan besteht darin mit dem Bus nach Opatija zu fahren und dann den &#8222;Lungomare&#8220; zu marschieren, die wundersch\u00f6ne und ber\u00fchmte Strandpromenade. Am Nachmittag w\u00fcrde ich dann wieder der lustigen Runde am Strand Gesellschaft leisten und wahrscheinlich am Tag darauf &#8211; also am Sonntag &#8211; nach Klagenfurt fahren, um meinen alten Freund Rudi zu besuchen. <\/p>\n<p>Im Hotel zieht es mich zuerst auf\u00b4s WC und dann merke ich, dass es mir irgendwie gar nicht so gut geht. Die Belastungen der letzten Tage holen mich ein und mir wird auch klar, dass das Wasser im Hotel von Malinska gar nicht gut gewesen sein d\u00fcrfte. Ich nenne es &#8222;Titos Rache&#8220; (als Pendant zu Montezumas Rache) und bef\u00fcrchte, dass das bis zum n\u00e4chsten Tag wohl nicht wieder verschwunden sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dann gibt mir der Wetterbericht den Rest. Angesagt ist in Inferno oder noch schlimmer, und zwar f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Tage, von Slowenien \u00fcber K\u00e4rnten bis Wien.<br \/>\nDas schmei\u00dft all meine Pl\u00e4ne auf einen Sitz \u00fcber den Haufen, denn eines ist klar: ich will und werde nicht im Regen quer durch Slowenien und \u00d6sterreich fahren, ganz sicher nicht.<br \/>\nDer n\u00e4chste Tag verspricht noch Sonnenschein und ich \u00fcberlege, was ich tun soll: hier bleiben, auf die Gefahr hin, dass es mich mehrere Tage einregnet und ich alleine in einem kleinen Hotelzimmer sitze &#8211; oder eine Gewalttour von hier direkt nach Wien unternehmen. Ich habe die Wahl. Das w\u00fcrde allerdings bedeuten die Autobahn zu w\u00e4hlen, was ich echt nicht gerne mache. Als Vespafahrer bist du genau in der Geschwindigkeit der LKW und das f\u00fcr viele viele Stunden.<br \/>\nIch beschlie\u00dfe den Sonnenaufgang abzuwarten, aber eigentlich habe ich den Entschluss schon gefasst. Die Nacht wird trotzdem nicht angenehm und kurz vor dem Morgengrauen graut nicht nur wieder einmal meinem Magen, sondern es f\u00e4ngt auch leicht zu regnen an.<br \/>\nDoch der Regen dauert nur wenige Minuten und wirkt etwas sp\u00e4ter, als h\u00e4tte es ihn nie gegeben. <\/p>\n<p>SAMSTAG<\/p>\n<p>Als die Sonne aufgeht packe ich meine Sachen und marschiere zur Rezeption. Wenn sie mir jetzt zwei N\u00e4chte verrechnen, habe ich Pech gehabt. Mich beutelt leichter Sch\u00fcttelfrost, die Knie sind weich und ich habe ganz sicher keine Kraft um zu streiten. Doch es geht alles gut, ich zahle eine Nacht und haue ab.<br \/>\nAls ich auf der Vespa sitze, f\u00e4llt wieder etwas von dem Druck ab, den ich mir gemacht habe. Der Morgen ist wundersch\u00f6n, die Wolken haben sich verzogen und es f\u00e4ngt sogar jetzt um 06.30 Uhr bereits an warm zu werden. Irgendwo in Lovran \u00fcberholt mich dann ein Wiener PKW und irgendwie habe ich den Verdacht, der Fahrer will was von mir. Er blinkt auff\u00e4llig links und biegt dann vor mir ab. Ich fahre einfach weiter, schlie\u00dflich kenne ich hier niemanden und bin mir auch sicher, dass ich nichts verloren habe. Das Gep\u00e4ck ist jedenfalls noch da. (Viel sp\u00e4ter erfahre ich, dass das Sergio war, der f\u00fcr mich v\u00f6llig unerwartet schon so fr\u00fch auf den Beinen war&#8230;)<\/p>\n<p>Ich fahre hinauf in die Berge und w\u00e4hle die Landstra\u00dfe bis zur Grenze, die ich teilweise ja schon hinunter gefahren war. Dann bin ich wieder in Slowenien und nehme wie immer die Abk\u00fcrzung \u00fcber Knezak. Es ist interessant wie anders eine Strecke aussieht, wenn man sie in der Gegenrichtung f\u00e4hrt.<br \/>\nIn Knezak geht der Sprit zur Neige und ich finde gl\u00fccklicherweise eine Tankstelle im Ort. Und dazu auch das passende \u00d6rtchen, denn mein Darm meldet sich zur Stelle.<br \/>\nDanach geht es z\u00fcgig nach Postojna, wo die Autobahn beginnt. Die slowenische Autobahnvignette kostet 7,50 Euro (die \u00f6sterr. \u00fcbrigens 5 Euro) und ist an einer Tankstelle zu haben.<br \/>\nDas Wetter ist gut und ich hege berechtigte Hoffnung ohne Regen bis nach Wien zu kommen. Wie wird sich die Sprint auf der Autobahn machen? Ich bin noch nie so eine lange Strecke gefahren und bin schon gespannt.<\/p>\n<p>Mein Gl\u00fcck: Heute ist Feiertag und es sind keine LKW unterwegs. Die w\u00e4ren tempom\u00e4\u00dfig n\u00e4mlich genau in meiner Preisklasse und ihre Abwesenheit erleichtert mir die Sache ungemein. Ganz im Gegensatz zu meinem Genick, das eigentlich keine schmerzfreie Position mehr kennt. Ich mache alle paar Minuten die wildesten Verrenkungen, um die Muskeln irgendwie zu entspannen, aber das hilft immer nur f\u00fcr ein paar Momente.<br \/>\nAuch der Hintern f\u00e4ngt an weh zu tun, obwohl die Sitzbank ihr Bestes gibt. Ich wechsle die Sitzposition von ganz vorne bis ganz hinten &#8211; f\u00fcr die Autofahrer muss das ein lustiges Bild abgegeben haben, ich fand es weniger aufregend.<br \/>\nDoch die Zeit verging und ich erreichte Laibach, bekam von der Stadt aber maximal ihre Stadtautobahn mit. Es gibt in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Mautkontrollstationen, bei denen man aber nur die Geschwindigkeit ein wenig drosseln muss. Also die Autos m\u00fcssen sie drosseln, ich bin schon langsam. Genau genommen bin ich der Langsamste \u00fcberhaupt. Ich werde auf der gesamten Autobahnstrecke ununterbrochen \u00fcberholt, und zwar von allem, was dort f\u00e4hrt. Besonders m\u00fchsam sind die Italiener mir Lieferw\u00e4gen. Die schneiden vor mir so dicht hinein, dass es mich jedes Mal einen halben Meter versetzt. Warum sie sich da so versch\u00e4tzen bleibt mir ein R\u00e4tsel.<br \/>\nIrgendwann \u00fcberholt mich eine Gruppe tschechischer Motorradfahrer. jeder von ihnen streckt nach dem \u00dcberholen kurz den rechten Fu\u00df nach rechts hinaus. Ich entwickle drei Theorien, was sie mir damit sagen wollen:<\/p>\n<p>a.) Du miese Ratte, an der n\u00e4chsten Tankstelle treten wir dich von deiner Dose.<br \/>\nb.) Sei gegr\u00fc\u00dft!<br \/>\nc.) L\u00e4ssiges Moped, gute Fahrt!<\/p>\n<p>Ich entscheide mich f\u00fcr Variante c.) und fahre meinen Stiefel weiter, und zwar bis Celje, dort muss ich tanken. Die Stra\u00dfe ist hier nass, vor kurzem muss es ordentlich geregnet haben, obwohl keine wirklich bedrohlichen Wolken zu sehen sind und der Himmel schon wieder blau schimmert.<br \/>\nIch beschlie\u00dfe einfach weiterzufahren und komme endlich wieder nach \u00d6sterreich. Jetzt sind es noch ca. 230 km bis Wien, das ist schon noch ein ordentliches St\u00fcck. Aber es geht gut voran, bis auf die k\u00f6rperlichen Schmerzen bin ich guter Dinge und das Wetter d\u00fcrfte auch halten. <\/p>\n<p>Bei Graz wird es wieder Zeit auf den Sprit zu achten. Ich merke, dass ich noch immer nicht auf Reserve schalten musste und daher noch eine gute Zahl an Kilometern weit komme. Die Rastst\u00e4tte Gleisdorf ist gerade mal 15 km entfernt, das geht sich locker aus.<br \/>\nAllerdings sehe ich es nicht mehr ganz so locker als ich entdecke, dass ich nach dem letzten Tankvorgang den Hebel auf Reserve gelassen habe. Das k\u00f6nnte jetzt eng werden, niemals jedoch tragisch, da ich ja den Reservekanister dabei habe.<br \/>\nAls ich die Rastst\u00e4tte dann erreiche, sieht man im Tank schon die Befestigungsmutter des Benzinhahns frei liegen. Echt weit w\u00e4re ich nicht mehr gekommen.<br \/>\nWirklich interessant ist f\u00fcr mich die Politik der Autobahnsteigungen. Sie d\u00fcrfte einem internationalen Vereinbarung unterliegen und sie sind alle so flach, dass ich vom vierten Gang nicht zur\u00fcck schalten muss. Das ist ausgesprochen angenehm und so \u00fcberwinde ich auch die letzte gro\u00dfe Steigung am Wechsel. Bergab g\u00f6nne ich mir dann die letzte Pause, mit einem Apfel und einem guten Schluck Wasser. Die Chancen, pannenfrei bis nach Wien zu kommen, steigen best\u00e4ndig.<br \/>\nAm folgenden Bild mache ich gerade die letzte Rast vor Wien, im Hintergrund ist der Wechsel zu sehen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2015.08.16_kroatien\/AmWechsel.jpg\" title=\"AmWechsel.jpg\" alt=\"AmWechsel.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ab Wr. Neustadt bin ich in &#8222;Rettungsreichweite&#8220;, d.h. es gibt diverse Vespa-Freunde, die mich von dort abholen k\u00f6nnen, wenn die Kiste eingeht. Es sieht aber nicht danach aus, der Motor schnurrt und &#8211; was sehr angenehm ist &#8211; saftelt auch nicht.<br \/>\nAuf der Triester Stra\u00dfe wird noch einmal getankt, dann geht es \u00fcber den G\u00fcrtel nach Hause. Immerhin 8 Stunden Fahrzeit, denn die Pausen waren kurz und haben sich mehr oder weniger auf\u00b4s Tanken beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>FAZIT<\/p>\n<p>Eine ausgesprochen anstrengende Tour, die ich so nicht mehr machen m\u00f6chte, gepr\u00e4gt von Durchfall und Genickschmerzen. Trotzdem werden nach einiger Zeit die sch\u00f6nen Erinnerungen dominieren und ich habe letztlich auch mit dem Motor die richtige Entscheidung getroffen. Im Gegensatz zur Romreise bin ich ohne die kleinste Panne durchgekommen, wenngleich es auch nur halb so viele gefahrene Kilometer waren. Das bringt mich zur Statistik:<\/p>\n<p>Gefahrene Kilometer: 1.328<br \/>\nVerfahrenes Benzin: 55 Liter (Schnitt 4,14 auf 100 km)<br \/>\nGesamtkosten: 300 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Tod vom alten Herrn Kudlicka m\u00f6chte ich sein Grab in Rijeka besuchen. Selbstverst\u00e4ndlich geht das nur mit einer alten Vespa, also plane ich seit mehr als zwei Jahren eine Tour an\u00b4s Meer. 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