{"id":1966,"date":"2015-12-06T00:20:35","date_gmt":"2015-12-05T23:20:35","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=1966"},"modified":"2015-12-06T00:20:35","modified_gmt":"2015-12-05T23:20:35","slug":"saturday-night-freezing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/saturday-night-freezing\/","title":{"rendered":"Saturday Night Freezing"},"content":{"rendered":"<p>Ein tadelloser Abend &#8211; ich treffe mich mit Bernhard im Bettler um ein wenig \u00fcber die letzten zwei Wochen zu plaudern und ein Bierchen zu trinken. Die Honda bringt mich problemlos wie immer in die Johannesgasse, abstellen, Zeug ins Topcase, rein in\u00b4s Lokal.<\/p>\n<p>Moment, wo ist der Honda-Schl\u00fcssel? Ich hab ihn abgezogen und das Topcase aufgesperrt und ihn dann dort auch abgezogen und eigentlich m\u00fcsste er in der Hosentasche sein, dort steck ich ihn n\u00e4mlich immer ein.<br \/>\nIst er aber nicht.<br \/>\nWo dann?<br \/>\nShit. <\/p>\n<p>Im Topcase. Und das ist zu. Wie krieg ich das jetzt auf? Mit dem Schl\u00fcssel. Shit.<br \/>\nAllerdings lass ich mir davon den Abend nicht verderben, denn ich kann ja morgen die Honda abholen und au\u00dferdem kann ich dann heute entweder mit Car2Go heimfahren oder mit der Bim &#8211; die \u00d6ffis funktionieren ja immer vorbildlich, Dank an die rot-gr\u00fcne Stadtregierung.<br \/>\nSo muss ich auch nicht darauf achten ob ich ein Bier mehr oder weniger trinke. Fast bin ich mir selbst dankbar, dass ich den depperten Schl\u00fcssel eingesperrt habe.<\/p>\n<p>Was ich allerdings noch eingesperrt habe, sind der Haus- und der Wohnungsschl\u00fcssel. Die sind n\u00e4mlich in der Jacke. Und die ist im Topcase. A pro pos Jacke &#8211; es ist Dezember und ich hab grad mal ein d\u00fcnnes Hemd an. Mehr brauch ich auch nicht. im Lokal.<br \/>\nGeh leck!<\/p>\n<p>Auch davon lass ich mir den Abend nicht verderben, denn meine Nachbarin hat einen Schl\u00fcssel von meiner Wohnung und den kann ich von ihr abholen, wenn ich heim komme. Oder sie legt ihn mir im Haus irgendwo hin und ich sperre mit dem Hausschl\u00fcssel auf, der im Schl\u00fcsselsafe ist. Alles kein Problem. Au\u00dfer die Nachbarin ist bei ihrem Freund in Scheibbs.<br \/>\n&#8222;Servus Erika. Bist du in Wien?&#8220;<br \/>\n&#8222;Nein, in Scheibbs.&#8220;<br \/>\n(Ich wollte jetzt schon &#8222;Schei\u00dfe&#8220; schreiben, aber die Political-Correctnes-Green-App hat das verhindert und statt dessen &#8222;Scheibbse&#8220; vorgeschlagen. Auch recht.)<\/p>\n<p>Erika k\u00f6nnte auch in Nebraska sein &#8211; wurscht, auf jeden Fall hab ich jetzt keinen Wohnungsschl\u00fcssel, denn den anderen hat mein Vater. Der ist nicht in Scheibbs, sondern in Kenia.<br \/>\nWurscht, mit so was lass ich mir den Abend nicht verderben. <\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gehen immer T\u00fcren auf wenn andere zu gehen. Erika meint, dass ihr Sohn Bernhard heute noch vielleicht im Haus vorbei schauen w\u00fcrde. Also rufe ich ihn an und tats\u00e4chlich: er f\u00e4hrt noch vorbei und legt mir den Schl\u00fcssel im Haus so hin, dass ich ihn finde.<br \/>\nVaterland gerettet, Schlacht gewonnen, der Abend ist gerettet.<\/p>\n<p>Okay, so die richtige M\u00f6rderstimmung kommt irgendwie nicht auf und um 22.30 beschlie\u00dfe ich den Abend abzubrechen. Mit der App am iPhone ist das n\u00e4chste Car2Go einfach, bequem und schnell reserviert.<br \/>\nDem Mail\u00fcfterl drau\u00dfen fehlt es ein wenig an Mai, sprich an Plus-Graden. Ein ordentliches L\u00fcfterl w\u00e4re ja vorhanden, eher ein wenig in Richtung schneidig und mit verdammt wenig Mai.<br \/>\nDoch der Weg zum Car2Go ist nur zwei Gassen und ich komme ein wenig unterk\u00fchlt dort an. Als ich die Karte an das Leseger\u00e4t halte, meint dieses lakonisch &#8222;Karte ung\u00fcltig. Verwenden Sie die App.&#8220;<\/p>\n<p>Wieso? Warum? Die Karte hat immer funktioniert! Ihr \u00c4rsche! Was soll das? Ich friere und will heimfahren. Also rufe ich die Notrufnummer und lande in einem Callcenter irgendwo in Norddeutschland. Dort sitzt ein gelangweilter Student und kl\u00e4rt mich auf, dass ich jetzt eine App brauche, die Karte k\u00f6nnte ich mir in die Haare schmieren, sie w\u00e4re seit der Umstellung ung\u00fcltig.<br \/>\nOkay, ich habe die neueste Version der App geladen, sonst h\u00e4tte ich die Kiste ja gar nicht reservieren k\u00f6nnen. Au\u00dferdem stehe ich in einer Hausecke und friere eher doch ziemlich.<br \/>\nNach einigem hin- und her meint Norddeutschland, dass ich wohl ein \u00e4lteres Betriebssystem habe und die notwendige App mit der Funktion &#8222;Miete starten&#8220; auf meinem Handy nicht funktionieren w\u00fcrde. Ich k\u00f6nnte ja ein neues Betriebssystem laden und dann die App und dann k\u00f6nnte ich auch Car2Go wieder n\u00fctzen.<br \/>\nWas mir nix n\u00fctzt, jetzt hier an der eisigen Hausecke im d\u00fcnnen Hemd.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick hat mich Car2Go als Kunde verloren, denn ich werde mir kein neues Handy kaufen, nur um Car2Go n\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Norddeutschland bedauert das zwar, kann mir aber leider nicht helfen und ich sattle um auf \u00d6ffi-Heimtransport. Rot-gr\u00fcn erm\u00f6glicht mir jederzeit auf das teure Taxi zu verzichten und einen Fahrschein hab ich auch eingesteckt, f\u00fcr Notf\u00e4lle. Also f\u00fcr jetzt.<br \/>\nDer Ring ist nicht weit und ich kann dort in die n\u00e4chste Bim steigen, die mich zum Schottentor bringt. Von dort geht der 40er oder der 41er bis zum Kutschkermarkt. Dann ist es nur mehr fast so weit wie bis zum Nordpol. Also sommerhemdtauglich. Fast.<\/p>\n<p>Am Ring bemerke ich, dass die einzige Bim, die hier f\u00e4hrt, der &#8222;2er&#8220; ist und der f\u00e4hrt nach Ottakring, wo ich eher nicht hin will. Au\u00dferdem kommt er erst in 8 Minuten und bis dorthin bin ich ein durchgefrorener Eiszapfen, der umfallen und laut klirrend am Trottoir zerschellen wird.<br \/>\nUnd ich muss Lulu. Und zwar bald. Genau genommen eher sehr bald.<br \/>\nDas ist jetzt irgendwie bl\u00f6d, denn das n\u00e4chste Beisl mit an H\u00e4usl is halt irgendwo, nur ned bei der Linie zwo&#8230; (Frei nach der Kurt Gober Band).<\/p>\n<p>Ich betrete das Cafe Schwarzenberg und beschlie\u00dfe &#8222;schwarz&#8220; auf\u00b4s Klo zu gehen, also ohne im Lokal was zu konsumieren. Das ist deswegen kein Problem, weil ich ja nur ein Hemd anhabe und daher wirke wie ein Gast. Au\u00dferdem hei\u00dfe ich &#8222;Schwarz&#8220; und was soll da schon passieren?<br \/>\nNun, mir k\u00f6nnte z.B. die Brille anlaufen, weil es herinnen warm und drau\u00dfen sehr kalt ist. Dann finde ich das Klo nicht, denn mit angelaufener Brille sehe ich nix und ohne Brille auch nicht. Und komisch schaut es auch aus, so als Gast, dem urpl\u00f6tzlich die Brille anl\u00e4uft.<br \/>\nWarten bis die Brille de-kondensiert geht auch nicht, weil dann f\u00e4hrt mir die Bim davon.<\/p>\n<p>Mich beschleicht der Verdacht, dass das irgendwie nicht mein Abend wird und es doch keine sooo gute Idee war den Schl\u00fcssel im Topcase einzusperren.<br \/>\nAber der Klogang verl\u00e4uft ohne weitere Zwischenf\u00e4lle und ich erwische auch die Bim, die mich nach einer Station in Richtung U2 entl\u00e4sst, mit der ich zum Schottentor komme. Es dauert zwar ein wenig, daf\u00fcr ist es in den U-Bahn-Sch\u00e4chten nicht so eisig und ich erreiche die Umsteigstelle ganz locker und easy. Au\u00dferdem entdecke ich, dass ich von dort mit dem 40A fahren kann, der mich fast bis nach Hause bringt. <\/p>\n<p>Das Schild an der Station zeigt &#8222;15 Minuten&#8220; Wartezeit an. Shit! Das \u00fcberlebe ich nicht, schlie\u00dflich hei\u00dfe ich weder Amundsen noch Scott und bin nicht polarm\u00e4\u00dfig ausger\u00fcstet.<br \/>\nAlso umdrehen, wieder hinunter zur U-Bahn und die ganze Station zur\u00fcck latschen bis zum Jonas-Reindl. Dort k\u00fcndigt sich ein 41er an, der in drei Minuten da sein soll. Ich w\u00e4hle diese Option und werfe den Passanten b\u00f6se Blicke zu, weil sie so aussehen, als w\u00fcrden sie sich dar\u00fcber lustig machen, dass da einer frierend im Hemd steht. Es geht nichts \u00fcber eine kleine, feine Privatparanoia.<\/p>\n<p>Der 41er bringt mich bis zum Kutschkermarkt, von dem ich es nicht mehr weit nach Hause hab. Also, zumindest bisher war das so, im Mai oder im August. Jetzt pfeift eine steife Brise durch die kalten, grauen H\u00e4userschluchten und ich w\u00e4re gern schon daheim.<\/p>\n<p>Aber auch das geht vorbei, ich nehme den Haustorschl\u00fcssel aus dem Schl\u00fcsselsafe und hole den Wohnungsschl\u00fcssel aus dem Versteck, in dem Bernhard ihn deponiert hat. Stiegen hinauf, Gittert\u00fcre aufsperren, Wohnungst\u00fcre aufsperren und schon bin ich in meiner warmen, gem\u00fctlichen Wohnung. <\/p>\n<p>Leider sperrt der Schl\u00fcssel nur das Haustor und nicht das neue Gittertor. Es gibt n\u00e4mlich zwei verschiedene Haustorschl\u00fcssel und ich hab den falschen.<\/p>\n<p>Oidaaaaa!<br \/>\nAlso rufe ich meinen Nachbarn Christian an, denn der kann rauskommen und mir aufsperren. Au\u00dfer er ist nicht daheim oder die Mailbox ist aktiv.<br \/>\nOidaaaaa!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich noch einmal Bernhard anrufe, kommt mir die Idee, dass am Schl\u00fcsselsafe-Schl\u00fcssel ja auch ein Haustorschl\u00fcssel drauf ist, und zwar der, mit dem ich gerade das Haustor aufgesperrt habe.<br \/>\nJetzt wird es spannend: Sperrt er auch das Gittertor?<\/p>\n<p>Er tut es. Und ich komme in meine warme, gem\u00fctliche Wohnung und kann diese Geschichte in die Tasten tippen. Schlie\u00dflich lass ich mir ja nicht den Abend verderben. Saturday Night Freezing!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein tadelloser Abend &#8211; ich treffe mich mit Bernhard im Bettler um ein wenig \u00fcber die letzten zwei Wochen zu plaudern und ein Bierchen zu trinken. 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