{"id":2002,"date":"2016-08-21T18:34:45","date_gmt":"2016-08-21T17:34:45","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2002"},"modified":"2016-08-21T18:37:08","modified_gmt":"2016-08-21T17:37:08","slug":"die-jungen-maenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/die-jungen-maenner\/","title":{"rendered":"Die jungen M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p>Die geneigten Leserinnen und Leser m\u00f6gen sich auf einen l\u00e4ngeren Artikel einstellen, da ich die Problematik von mehreren Seiten beleuchten muss, in guter philosophisch-kritischer Tradition.<br \/>\nDies ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern ein Weblog-Beitrag und soll auch als solcher verstanden werden: als Anreiz zu diskutieren und sich seine eigene Meinung zu bilden.<\/p>\n<p>Die Ideen dazu habe ich schon seit Jahren, bekam aber erst durch einen Artikel den Fokus darauf. Ein weiterer Ausl\u00f6ser war eine Diskussion mit meinem lieben Freund Allan, der meinte, der Islam per se sei eine echte Bedrohung f\u00fcr unsere Kultur &#8211; ein bisschen \u00fcbertrieben k\u00f6nnte man sagen: In ein paar Jahren gibt es keine Kirchen mehr, sondern nur mehr Moscheen und wir werden alle gezwungen zum Islam zu konvertieren.<\/p>\n<p>Ich habe da so meine Zweifel und war eher instinktiv der Meinung, dass da etwas ganz anderes dahinter steckt. Und dann kam der Artikel, der vieles, wenn auch nicht alles recht brauchbar zusammenfasst. Hier ist der Link dazu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/articleeo5x7-1.76650\">http:\/\/www.nzz.ch\/articleeo5x7-1.76650<\/a><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich habe ich den Artikel (er ist eigentlich ein Interview) ans Ende dieses Beitrags geh\u00e4ngt (u.a. weil ich nicht wei\u00df, wie lange der Artikel online bleibt) und empfehle, nach dem akademischen Prinzip (zuerst lesen, dann mitreden) vorzugehen und ihn jetzt gleich zu lesen (also einfach runterscrollen bis zur \u00dcberschrift).<br \/>\nF\u00fcr alle, die das nicht gleich lesen wollen, hier eine Zusammenfassung:<\/p>\n<p><em>Heinsohns These zu Krieg und Gewalt<\/p>\n<p>Sind in einer Gesellschaft mehr als 30 Prozent aller M\u00e4nner zwischen 15 und 29 Jahre alt, so kommt es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Gewalt, in Form von Bandenkriminalit\u00e4t, Revolutionen, B\u00fcrgerkriegen, Genoziden oder Eroberungskriegen. So lautet die These des deutschen V\u00f6lkermordforschers Gunnar Heinsohn. \u00abYouth Bulge\u00bb nennt er das Ph\u00e4nomen. Das englische Wort bulge steht f\u00fcr die entsprechende Beule in der Bev\u00f6lkerungspyramide.<br \/>\nHeinsohn wendet die These auch historisch an: Europas M\u00fctter h\u00e4tten zwischen 1500 und 1914 so viele S\u00f6hne gehabt wie heute die M\u00fctter Afrikas. Deshalb h\u00e4tten sich die Europ\u00e4er neben ihren Kriegen daheim auch noch gewaltt\u00e4tig 90 Prozent der Erde geholt. Ein Youth Bulge sei auch die Ursache gewesen f\u00fcr die Phase der Diktaturen und Guerillas in Lateinamerika. Die \u00fcbersch\u00fcssigen S\u00f6hne h\u00e4tten sich damals wegget\u00f6tet &#8211; als Guerilleros f\u00fcr die Freiheit oder Soldaten f\u00fcr das Gesetz. Und zur Situation in den islamischen L\u00e4ndern sagt Heinsohn: \u00abSeit 1950 haben M\u00fctter in islamischen L\u00e4ndern drei bis vier S\u00f6hne, die oft als Islamisten f\u00fcr einen noch reineren Glauben vorwiegend andere Muslime t\u00f6ten, aber &#8211; wie zuvor die Europ\u00e4er &#8211; auch Imperien aufbauen wollen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Grob zusammengefasst enth\u00e4lt der Artikel folgende These: Der Islam ist nur ein Vehikel zur Radikalisierung junger M\u00e4nner. Sie sind das eigentliche Problem, wenn sie in zu gro\u00dfer Zahl auftreten &#8211; egal wo, wann und warum.<\/p>\n<p>Zu Beginn m\u00f6chte ich meinen eigenen Zugang darstellen. Er setzt sich aus einer Vielzahl von Beobachtungen zusammen, die ich in den letzten Jahren beruflich und privat gemacht habe.<\/p>\n<p><strong>1.) Die Betriebs\u00fcbergabe von Familienunternehmen<\/strong><br \/>\nEin Betrieb wurde aufgebaut und es kommt der Zeitpunkt der \u00dcbergabe. Drei S\u00f6hne und zwei T\u00f6chter sind vorhanden, alle haben das gleiche Recht auf ein Erbe. Wenn es neben dem Betrieb noch entsprechend viel Verm\u00f6gen gibt, ist eine Einigung meistens m\u00f6glich. Wenn dies nicht der Fall ist, m\u00fcsste der (unteilbare) Betrieb verkauft und der (teilbare) Erl\u00f6s aufgeteilt werden. Dann ist aber die bisherige Ern\u00e4hrungsgrundlage fort.<br \/>\nT\u00f6chter kann man oft noch verheiraten, S\u00f6hne bleiben da, au\u00dfer man kann f\u00fcr sie eine Alternative finden, bei der sie nichts erben. Fr\u00fcher hat man sie z.B. in ein Kloster geschickt oder eben in den Krieg.<br \/>\nAuf dieses Problem sto\u00dfe ich immer wieder und es hat schon oft zum Scheitern der Betriebs\u00fcbergabe gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>2.) Die Grundwiderspr\u00fcche<\/strong><br \/>\nEs gibt f\u00fcr uns Menschen vier Grundwiderspr\u00fcche, die nicht aufl\u00f6sbar sind und unser Leben beeinflussen: m\u00e4nnlich-weiblich, Eines-Vieles, Leben-Tod und alt-jung.<br \/>\nAlle vier spielen in unserem Thema eine Rolle: Es geht um junge M\u00e4nner, die im Gegensatz zu Frauen ein spezielles Problem darstellen, es geht um Individuum versus Gemeinschaft, denn die jungen M\u00e4nner sind nur ein Problem, wenn sie in einer Vielzahl auftreten, und es geht auch fast immer um die Existenz, also um den Grundwiderspruch zwischen Leben und Tod.<br \/>\nVor allem aber geht es um das Thema alt &#8211; jung. Als ich vor vielen Jahren in Nieder\u00f6sterreich am Begr\u00e4bnis eines Onkels war, konnte ich zwei Schilder entdecken, die links und rechts vom Friedhofseingang angebracht waren. Auf einem stand geschrieben &#8222;Ihr seid, was wir waren&#8220; und am anderen &#8222;Wir sind, was ihr werdet.&#8220;<br \/>\nMich haben diese Spr\u00fcche ber\u00fchrt und zum Nachdenken gebracht. Das Junge und das Alte k\u00f6nnen nicht miteinander, sie sind einander in ewiger Feindschaft zugetan. Die Jungen beneiden die Alten f\u00fcr das, was sie haben (Geld, Macht, Recht, Erfahrung) und die Alten k\u00f6nnen den Gedanken schwer ertragen, dass den Jungen die Zukunft geh\u00f6rt. Dieser Widerspruch ist aus meiner Wahrnehmung umso st\u00e4rker, je patriarchaler eine Gesellschaft ist. Mit anderen Worten: Je mehr Macht alte M\u00e4nner haben, desto mehr Angst gibt es vor jungen M\u00e4nnern.<br \/>\nWenn dann die Eigentumsschere noch stark auseinander klafft, so wirkt dies noch als zus\u00e4tzlicher Verst\u00e4rker: Es gibt wenige, sehr reiche alte M\u00e4nner und sehr viele arme, junge M\u00e4nner. Wobei &#8211; das stimmt nicht ganz, sie sind auch reich: an Zukunft, an Potenz, an Energie und an Ver\u00e4nderungsbereitschaft &#8211; all das haben die alten M\u00e4nner nicht mehr.<br \/>\nDas f\u00fchrt dazu, dass die alten M\u00e4nner ihre Macht noch weiter absichern wollen. Am besten gelingt das, wenn sie m\u00f6glichst viele junge M\u00e4nner t\u00f6ten. Da sie das nicht selbst tun k\u00f6nnen, erschaffen sie Strukturen, um sie gegeneinander aufzuhetzen, bis sie sich gegenseitig umbringen. So ziemlich alle Kriege der letzten 10.000 Jahre haben so funktioniert. Es geht dabei oft \u00fcberhaupt nur mehr darum, die jungen M\u00e4nner loszuwerden. Das beste Beispiel ist die &#8222;Blutpumpe von Verdun&#8220;. Auf dem Schlachtfeld von Verdun starben im 1. Weltkrieg im Zeitraum von 1,5 Jahren t\u00e4glich im Schnitt 1.000 junge M\u00e4nner, ohne dass dies auch nur irgendeinen anderen Effekt hatte &#8211; kein Schlachtensieg, kein Land- oder Territoriumsgewinn, kein Strategievorteil f\u00fcr irgendeine Seite &#8211; gar nichts, absolut nichts, au\u00dfer junge, tote M\u00e4nner.<br \/>\nIrgendwo, stets hinter den Linien in Sicherheit entscheiden ausschlie\u00dflich alte M\u00e4nner \u00fcber das Schicksal der jungen M\u00e4nner &#8211; da kann ich nur schwer an Zufall glauben. Mir f\u00e4llt immer der alte L\u00f6we ein, dessen letztes St\u00fcndlein naht, wenn er den Kampf gegen einen jungen Rivalen verliert. Hier wie dort geht es um die Weibchen\/Frauen.<br \/>\nDer alte L\u00f6we hat nicht die M\u00f6glichkeit zu verstehen, dass er sich bereits erfolgreich fortgepflanzt hat und dass es jetzt sinnvoll w\u00e4re, einem jungen Platz zu machen. Er versucht so lange an der Macht zu bleiben, bis es nicht mehr geht. Alte M\u00e4nner verhalten sich hier meistens genauso, obwohl sie die F\u00e4higkeit h\u00e4tten, diese Muster zu verstehen und ihrem Alter einen anderen Sinn zu geben.<br \/>\nAlso versuchen sie ihre Potenz zu erhalten so lange es geht &#8211; entweder mit Viagra oder mit der von ihnen erschaffenen Ersatzpotenz, dem Geld. Damit k\u00f6nnen sie sich &#8211; vorausgesetzt, sie besitzen genug davon &#8211; jede Menge junge Frauen kaufen und sich mit diesen umgeben. Das bringt ihnen zwar keine Potenz zur\u00fcck, sehr wohl jedoch gesellschaftliche Bewunderung und somit Status bzw. Macht.<\/p>\n<p><strong>3.) Die Fl\u00fcchtlingskrise 2015<\/strong><br \/>\nIm Sommer 2015 kamen ziemlich viele Menschen aus Krisengebieten in Afrika und dem Nahen Osten. Darunter waren viele Familien, der Gro\u00dfteil bestand jedoch aus jungen, kr\u00e4ftigen M\u00e4nnern. Die schwachen waren schon irgendwo am Weg nach Europa zugrunde gegangen oder gar nicht erst losgezogen. Die Medien erkl\u00e4rten sogleich die jungen M\u00e4nner zur Gefahr und versuchten die Angst vor ihnen zu sch\u00fcren. Das funktionierte hervorragend, ein Freund erz\u00e4hlte mir etwa, dass er Angst h\u00e4tte mit seinen Kindern auf die Stra\u00dfe zu gehen. Wir reden hier nicht von den Slums in Sao Paolo, sondern vom friedlichen Aumannplatz in Wien W\u00e4hring. Und er hatte auch keine Angst vor jungen M\u00e4nnern auf ebendiesem Aumannplatz (die gab und gibt es da n\u00e4mlich gar nicht), sondern vor denen, die angeblich zu Silvester in K\u00f6ln Frauen begrapscht hatten. Er hatte also Angst vor etwas, was angeblich 1.000 Kilometer weit weg stattgefunden hatte. Sp\u00e4ter stellte sich \u00fcbrigens heraus, dass das meiste davon frei erfunden war.<br \/>\nDas spielt f\u00fcr ihn aber keine Rolle, er f\u00fcrchtet sich seit \u00fcber einem Jahr vor diesen jungen M\u00e4nnern, die irgendwann kommen k\u00f6nnten. Er ist selbst ein sportlicher, kr\u00e4ftiger Riese von \u00fcber zwei Metern, beruflich erfolgreich und abgesichert und kein Fl\u00fcchtling wird ihm voraussichtlich jemals irgend einen Nachteil bringen oder Schaden zuf\u00fcgen. Die Angst ist also komplett irreal und doch hat er sie. Vielleicht erwachen hier archaische Muster, die seit Jahrzehntausenden in uns schlummern &#8211; das ist meines Wissens noch nicht wirklich erforscht.<\/p>\n<p><strong>4.) Die realen Ereignisse<\/strong><br \/>\nS\u00e4mtliche Attent\u00e4ter und Amokl\u00e4ufer sind ohne Ausnahme junge M\u00e4nner oder zumindest solche im besten Alter (damit ist \u00fcbrigens das beste Alter zur Fortpflanzung gemeint). Meist sind sie jedoch zwischen 17 und 35. Das l\u00e4sst sich nicht leugnen und muss einen Grund haben. \u00dcbrigens werden auch sie von alten M\u00e4nnern in den Tod geschickt, meines Wissens auch hier ohne Ausnahme.<br \/>\nDiese Fakten sind bekannt und auch wenn sich die Frage der Fortpflanzung bei diesen M\u00e4nnern nicht mehr stellt, so eignen sie sich bestens als Angstverst\u00e4rker. Pl\u00f6tzlich erscheint jeder junge Mann mit arabischem Aussehen wie ein potenzieller Attent\u00e4ter. Diese Angst schleicht sich sehr subtil ein und ich kann hier sogar ein eigenes Erlebnis beisteuern. Als ich letztes Jahr eine Nacht lang in einer Erstaufnahmestelle in einem Pavillon der Baumgartner H\u00f6he aushalf, gab es auch dort einige junge M\u00e4nner. Einer davon fiel mir besonders auf, ein hagerer Typ mit finsterem Gesicht. Ich versuchte zu ihm besonders freundlich zu sein, doch er wirkte misstrauisch und abweisend.<br \/>\nMein Gedanke war pl\u00f6tzlich: Was will der \u00fcberhaupt hier? Alle wollen ihm helfen und er schaut finster drein. Und vor allem: Sind seine Ziele so finster wie sein Gehabe?<br \/>\nIch werde nie erfahren, was in ihm vorgegangen ist, all diese Fl\u00fcchtlinge wollten nur m\u00f6glichst schnell nach Deutschland weiterreisen, aber in mir blieben zwei mulmige Gef\u00fchle zur\u00fcck: eines ihn betreffend und ein zweites mich selbst betreffend: Wie konnte ich so schnell der Propaganda anheim fallen? Wie muss es erst Menschen gehen, die in einer viel engeren Welt als der meinen leben? Die wenig Bildung und noch weniger interkulturelle Erfahrungen haben. Die in einer xenophoben Umgebung leben und vielleicht selbst Existenz\u00e4ngste haben, etwa durch Armut und Arbeitslosigkeit.<br \/>\nDass diese Menschen f\u00fcr die Demagogen leichte Beute sind, ist nicht schwer zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>5.) Der Umgang mit den jungen M\u00e4nnern<\/strong><br \/>\nDerzeit werden sie als Asylwerber in Lagern interniert und d\u00fcrfen nicht arbeiten und sich auch nicht weiterbilden. Meiner Meinung nach ist das einer der schwersten Fehler, den wir derzeit begehen. Man zwingt diese jungen M\u00e4nner dazu den ganzen Tag lang herumzusitzen und nichts zu tun. Sie sind aber jung, kr\u00e4ftig, voller Energie und halten das nicht lange durch. Zumindest ein Teil von ihnen bricht aus dieser Gefangenschaft aus und dann kommt es zu genau den Szenen, vor denen die Menschen Angst haben, n\u00e4mlich zu kriminellen Taten aller Art. Wahrscheinlich lie\u00dfe sich deren Zahl sogar ausrechnen, wenn sich jemand die M\u00fche antun w\u00fcrde.<br \/>\nWer also in \u00d6sterreich Angst und Sorge sch\u00fcren will, etwa um seine eigenen Ziele durchzusetzen, braucht nur daf\u00fcr sorgen, dass viele junge M\u00e4nner auf engem Raum zum Nichtstun gezwungen werden und braucht dann nur darauf warten, bis das Pulverfass explodiert.<br \/>\nDiese jungen M\u00e4nner sind irgendwann nach einigen Wochen oder Monaten der Internierung f\u00fcr jeden Strohhalm dankbar, der sich ihnen bietet. Dies kann nun ein guter oder ein schlechter sein und genau hier liegt das Problem.<br \/>\nWir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass sie nahezu alle eine schlimme Zeit hinter sich haben. Entweder mussten sie Krieg, Elend und Terror oder Hunger und Repressalien erdulden, viele flohen vor Bomben, andere vor der v\u00f6lligen Perspektivenlosigkeit, die Heinsohn in seinem Artikel beschreibt und die viele Millionen junger M\u00e4nner in den bev\u00f6lkerungsreichen Staaten Afrikas betrifft. Das ist wahrscheinlich das gr\u00f6\u00dfte Pulverfass, das es derzeit auf dieser Welt gibt.<br \/>\nDazu kommt noch, dass sie aus ihren Kulturen herausgerissen wurden und mit der Kultur des neuen Landes wenig anfangen k\u00f6nnen. Viele haben einen geringen Bildungsgrad und sehr viele von ihnen sind in muslimischem Glauben aufgewachsen. Ich m\u00f6chte einmal behaupten, dass die meisten dieser jungen M\u00e4nner daheim mit ihrer Religion nicht sehr viel mehr anfangen konnten als es die jungen M\u00e4nner bei uns k\u00f6nnen.<br \/>\nWenn aber jetzt in dieser aussichtslosen Situation jemand kommt und ein Heilsversprechen abgibt, wenn er ihnen geistigen Halt und eine Perspektive bietet, dann ist der Schritt, den sie gehen m\u00fcssen, m\u00f6glicherweise nur ein ganz kleiner.<br \/>\nDies kann nun a.) ein islamischer Hassprediger sein oder b.) eine Patenfamilie. Diese Wahl haben wir und derzeit sieht es nicht aus, als ob unsere Politik die Variante b.) unterst\u00fctzen w\u00fcrde. <\/p>\n<p><strong>Zum Artikel von Gunnar Heinsohn:<\/strong><\/p>\n<p>Was Heinsohn in seinen Ausf\u00fchrungen nicht anspricht ist die Frage, was mit den vielen jungen Frauen passiert, die es bei starker Geburtenrate nat\u00fcrlich auch gibt &#8211; n\u00e4mlich genauso viele wie junge M\u00e4nner.<br \/>\nIn vielen Gesellschaften wurde das in der Vergangenheit so geregelt, dass M\u00e4dchen verschiedene Karrierem\u00f6glichkeiten hatten: als Sklavin, Magd oder in einem Harem. All das setzt nat\u00fcrlich voraus, dass es die daf\u00fcr notwendigen Ressourcen gibt. Alle drei &#8222;Berufe&#8220; sind einkommensfrei, der Patriarch brauchte also die Arbeitskraft nur mit Kost und Logis vergelten und das war meist \u00f6konomisch m\u00f6glich.<br \/>\nIn manchen Gesellschaften wurden die M\u00e4dchen auch einfach get\u00f6tet, unauff\u00e4llig gleich nach der Geburt, weil sie dort als &#8222;Schande&#8220; galten, schlie\u00dflich wollte der Vater einen gesunden Sohn und M\u00e4dchen waren teuer, weil man sie zuerst gro\u00dfziehen und dann mit gro\u00dfem Aufwand verheiraten musste. Diese \u00dcberbleibsel dieses kulturellen Drucks merken wir heute auch bei uns noch (wenngleich auch selten), wenn sich Paare ein ganz bestimmtes Geschlecht w\u00fcnschen und bitter entt\u00e4uscht sind, wenn das nicht funktioniert (&#8222;Jetzt haben wir schon drei M\u00e4dchen und h\u00e4tten total gerne noch einen Buben&#8220;- oder umgekehrt.).<\/p>\n<p>DER L\u00d6SUNGSANSATZ<\/p>\n<p>Genau genommen gibt es keine triviale L\u00f6sung, au\u00dfer der, die Heinsohn vorschl\u00e4gt: Lasst sie sich einfach umbringen, das Problem l\u00f6st sich von selbst. Das war in Zeiten nicht vorhandener Mobilit\u00e4t m\u00f6glich, wird aber in Zukunft nicht mehr funktionieren. So lange es Menschen gibt, die mit Motorbooten gutes Geld verdienen k\u00f6nnen, werden Kriege und deren Folgen zu uns kommen, zumindest nach Europa, die USA ist hier wesentlich besser gesch\u00fctzt. Wir werden daher fast die gesamte Migration aus Afrika abbekommen und einen Gro\u00dfteil des Nahen Ostens.<br \/>\nIn vergangenen Jahrhunderten kannten die Menschen dort Europa gar nicht und hatten auch keinerlei M\u00f6glichkeit dorthin zu gelangen. Jetzt gibt es Internet, Fernsehen, Handy, LKWs und Motorboote. Und deswegen werden sie kommen, einfach weil es m\u00f6glich ist. Menschen sind Fluchtwesen, sie hauen ab, wenn es brenzlig wird. Und die ersten, die abhauen, sind die jungen M\u00e4nner &#8211; wer sonst?<br \/>\nDie Menschen sind seit ihrer Entstehung migriert und haben schon vor 500.000 Jahren fast die ganze Welt erobert &#8211; warum soll es pl\u00f6tzlich anders sein? Das d\u00fcrfte als archaisches Gesellschaftsmuster ganz tief in uns stecken.<br \/>\nEs ist jetzt egal, welche L\u00f6sungen wir hier f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge finden &#8211; wenn zu viele nachkommen, dann funktioniert es irgendwann nicht mehr, und zwar nicht wegen des Islam, sondern weil die fehlende Logistik und die dann noch mehr aufgeheizte Stimmung gute L\u00f6sungen verhindern werden.<\/p>\n<p>Somit ergeben sich logische notwendige Schritte:<\/p>\n<p>a.) Stopp der Ausbeutung<br \/>\nSpeziell die afrikanischen L\u00e4nder werden von Europa derzeit immer st\u00e4rker ausgebeutet. Wir nehmen ihnen ohne Gegenleistung die Rohstoffe weg und zwingen sie f\u00fcr uns Produkte zu erzeugen &#8211; es ist schlimmer als im Kolonialismus, weil zu dieser Zeit wurde dort wenigstens Infrastruktur aufgebaut, die den Menschen zumindest teilweise zugute kam.<br \/>\nHeute dr\u00fccken wir Freihandelsabkommen durch, die ihnen jede Entwicklungsm\u00f6glichkeit nehmen. Dabei nehmen wir ihnen die Rohstoffe weg und verwenden dann ihre L\u00e4nder als Exportm\u00e4rkte f\u00fcr unseren M\u00fcll. Dass auch Indien und China das so machen, entschuldigt gar nichts von dem, was wir als EU tun.<br \/>\nWir m\u00fcssten mit dieser Politik radikal aufh\u00f6ren und die afrikanischen L\u00e4nder schlicht und einfach in Ruhe lassen bzw. Handel auf Augenh\u00f6he treiben. Derzeit f\u00f6rdern wir dort nur die korrupten Eliten und holen uns was m\u00f6glich ist. \u00d6sterreich zahlt meines Wissen nach immer noch Budgethilfe, das ist die finanzielle Unterst\u00fctzung korrupter afrikanischer Regime ohne jede Kontrolle, was mit dem Geld geschieht.<\/p>\n<p>b.) Weltweite Waffenexportregelung<br \/>\nDerzeit verdienen vor allem die USA, China, Russland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Deutschland hervorragend am Waffenexport in Krisenregionen. Das ist ein unglaublich lukratives Gesch\u00e4ft, denn im Gegensatz zu friedlichen Regionen werden die Waffen dort schnell verbraucht und es besteht somit st\u00e4ndige Nachfrage.<br \/>\nAuch \u00d6sterreich mischt hier flei\u00dfig mit. Hier ein Link dazu:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/netzfrauen.org\/2016\/07\/04\/die-maerkte-des-todes-handel-mit-henkern-milliarden-ruestungsdeal-mit-saudi-arabien-und-katar-2\">https:\/\/netzfrauen.org\/2016\/07\/04\/die-maerkte-des-todes-handel-mit-henkern-milliarden-ruestungsdeal-mit-saudi-arabien-und-katar-2<\/a><\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem sind hier die USA und China, weil die verdienen nicht nur am meisten, sondern haben auch keinerlei Interesse damit aufzuh\u00f6ren, da sie von den Folgen nicht direkt betroffen sind.<br \/>\nW\u00fcrde man der Argumentation von Heinsohn folgen, dann w\u00e4re diese Politik sogar logisch: je mehr Waffen man ihnen schickt, desto schneller werden sie sich gegenseitig umgebracht haben und das Problem ist gel\u00f6st. Ich pers\u00f6nlich glaube nicht, dass diese Rechnung aufgeht, denn die dazu notwendige Abschottung Europas wird nicht funktionieren. Mir ist dabei ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit einem Westafrikaner in guter Erinnerung, der vor weit \u00fcber zehn Jahren gesagt hat, dass er uns viel Gl\u00fcck beim Bau einer zigtausend Kilometer langen Mauer rund um Europa w\u00fcnscht, dass uns diese aber auch nichts n\u00fctzen w\u00fcrde. Die sonst noch denkbare Alternative (systematisches Bombardement aller Fl\u00fcchtlingsboote) w\u00fcrde uns wohl endg\u00fcltig in die Barbarei zur\u00fcckwerfen, und zwar genau dorthin, wo wir derzeit den Islam so gerne vermuten.<\/p>\n<p>c.) Aufnahme der Fl\u00fcchtlinge<br \/>\nIn einer durch\u00f6konomisierten Welt, in der die Politik weltweit von der Wirtschaft gesteuert wird, ist jeder Fl\u00fcchtling ein Wirtschaftsfl\u00fcchtling &#8211; so einfach ist das. Wir werden wohl keine Alternative haben, als die Menschen, die zu uns kommen, ordentlich aufzunehmen. Platz haben wir in Europa genug, ganze Landstriche sind schon halb entv\u00f6lkert, ich denke dabei nicht nur an Th\u00fcringen oder Sachsen-Anhalt, sondern auch an das Waldviertel.<br \/>\nJe besser wir ihnen Perspektiven und Lebensm\u00f6glichkeiten geben, desto eher werden sie friedlich bleiben und wahrscheinlich sogar zu unserem Wohlstand beitragen. Wer ein sinnerf\u00fclltes Leben f\u00fchrt, braucht keine radikale Religion.<\/p>\n<p><strong>DER ARTIKEL AUS DER NZZ:<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>\u00abWo es zu viele junge M\u00e4nner gibt, wird get\u00f6tet\u00bb<br \/>\n<\/strong><br \/>\nNicht Religionen oder Hunger sind die Ursachen f\u00fcr Kriege. Zu Gewalt komme es dort, wo es einen \u00dcberschuss an jungen M\u00e4nnern gebe, sagt der V\u00f6lkermordforscher Gunnar Heinsohn. So gesehen bleiben die islamischen L\u00e4nder auch ohne Islam noch einige Zeit brandgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Interview 19.11.2006, 09:01 Uhr<\/p>\n<p>NZZ am Sonntag: Sie haben eine Art Weltformel der Geschichte entwickelt. \u00abYouth Bulge\u00bb heisst die Theorie, die Sie auch zur Analyse der Gegenwart benutzen. Wie lautet sie?<\/p>\n<p>Gunnar Heinsohn: Ich habe den Versuch einer Weltformel aufgegriffen, die der Franzose Gaston Bouthoul 1970 vorgelegt hat. Ich habe sie weiterentwickelt und an \u00fcber 70 L\u00e4ndern empirisch \u00fcberpr\u00fcft. Das Resultat: Immer dort, wo M\u00fctter \u00fcber Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte im Schnitt 6 bis 8 Kinder haben, also 3 bis 4 S\u00f6hne, da wird es brenzlig. Nur ein, h\u00f6chstens zwei S\u00f6hne k\u00f6nnen mit gesellschaftlichen Positionen versorgt werden. Die \u00fcbersch\u00fcssigen dritten und vierten Br\u00fcder, ehrgeizig und im besten Kampfesalter, emigrieren &#8211; oder holen sich ihre Position mit Gewalt. Wo es zu viele junge M\u00e4nner gibt, wird get\u00f6tet. Das f\u00fchrt zu Kriminalit\u00e4t, zu B\u00fcrgerkriegen, zu Genoziden an Minderheiten, Revolutionen, internationalen Kriegen oder Kolonisierungen. So lange, bis der \u00dcberschuss an J\u00fcnglingen wegget\u00f6tet ist und die Geburtenzahl sinkt.<\/p>\n<p>Wieso heisst die Theorie Youth Bulge?<\/p>\n<p>Wenn von allen M\u00e4nnern einer Gesellschaft mindestens 30 Prozent der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren oder mindestens 20 Prozent der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren angeh\u00f6ren, dann ist das ein Youth Bulge. Bulge bedeutet auf Englisch Ausbuchtung, gemeint ist die Beule in der Bev\u00f6lkerungspyramide. Europa wies von 1500 an vier Jahrhunderte lang fortw\u00e4hrend einen Youth Bulge auf. Nachdem die Pest die Bev\u00f6lkerung dramatisch reduziert hatte, wurde in Europa demographisch aufger\u00fcstet. Die beginnende Hexenverfolgung rottete Hebammen und so das meiste Wissen \u00fcber Verh\u00fctung aus. Die Geburtenrate stieg von 2 bis 3 Kindern pro Frau im Mittelalter auf konstant 7 bis 8 Kinder.<\/p>\n<p>Mit welchen Folgen?<\/p>\n<p>Europas Geschichte wurde ungemein blutig. Der Sohnes\u00fcberschuss erkl\u00e4rt, wieso j\u00e4hrlich in den Krieg gezogen wurde, wieso es ohne Unterlass zu B\u00fcrgerkriegen, Revolutionen, Ausrottungen kam und wieso Europa in dieser Zeit die Welt eroberte und christlich motiviert in 400 Jahren 90 Prozent der Erde ausmordete und unterwarf. In Spanien wurden Kolonisatoren sogar \u00absecundones\u00bb genannt, Zweitgeborene. Gemeint waren auch dritte oder vierte \u00fcbersch\u00fcssige Br\u00fcder, die in S\u00fcdamerika Gemetzel und Genozid veranstalteten. Die Schweiz wiederum exportierte \u00fcbersch\u00fcssige S\u00f6hne als S\u00f6ldner nach halb Europa.<\/p>\n<p>Und was tun die T\u00f6chter?<\/p>\n<p>\u00dcberz\u00e4hlige T\u00f6chter haben sich erstmals im 20. Jahrhundert an Gewalt beteiligt. Als Lateinamerika seine Phase von Diktaturen und Guerillas durchlief, von 1950 bis 2000, und so seinen Youth Bulge abtrug, da haben zum ersten Mal auch M\u00e4dchen als Guerilleras mitget\u00f6tet. Quantifiziert man ihren T\u00f6tungsanteil, so betrug der aber nicht mehr als 5 Prozent. Das deckt sich etwa mit dem Frauenanteil an den wegen T\u00f6tungen verurteilten H\u00e4ftlingen in den Gef\u00e4ngnissen.<\/p>\n<p>Friedensforscher sehen die Ursache von Krieg eher in Hunger und Elend.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re sch\u00f6n, weil wir dann mit S\u00e4ttigung eine L\u00f6sung h\u00e4tten. Aber die von einem Youth Bulge befeuerte Gewalt hat nichts mit Hunger zu tun. Im Gegenteil: Wer sich an T\u00f6tungen beteiligt, ist meist gut gen\u00e4hrt. Um Brot wird gebettelt, um gesellschaftliche Positionen wird geschossen.<\/p>\n<p>Es geht also bloss um Testosteron?<\/p>\n<p>\u00dcbersch\u00fcssiges Testosteron hat auch der einzige Sohn, wenn er in die Pubert\u00e4t kommt, die Eltern verachtet und mit dem Vater streitet. Und Wettbewerb gibt es auch in vergreisenden L\u00e4ndern wie in Deutschland oder der Schweiz, um den besseren Job, den besseren Gedanken, das sch\u00f6nere Bild &#8211; aber: Er wird unblutig ausgetragen. Neben Testosteron und Konkurrenz braucht es f\u00fcr einen gewaltt\u00e4tigen Youth Bulge zus\u00e4tzlich die Situation, dass es f\u00fcr zehn junge M\u00e4nner nur eine Position gibt. Auch sexuelle Frustration kann eine Rolle spielen, wenn es in der betreffenden Gesellschaft Sex nur als Fortpflanzungsakt in der Ehe zu haben gibt, f\u00fcr eine Eheschliessung aber zuerst eine gesellschaftliche Position errungen werden muss.<\/p>\n<p>Und irgendwelche Ideen sind Ihrer Ansicht nach f\u00fcr politische Bewegungen und Konflikte v\u00f6llig irrelevant?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst kommen junge M\u00e4nner in Bewegung, es treibt sie m\u00e4chtig voran. Sie wollen an Positionen ran, und das geht nur, wenn andere weggeschafft werden. Im Zweifelsfall mit T\u00f6ten. Das macht ihnen Angst. Denn es sind junge Leute mit einem normalen moralischen Ger\u00fcst. Die wissen, was gut und was b\u00f6se ist. Sie brauchen f\u00fcr ihr Tun &#8211; unbewusst &#8211; eine Idee, einen Vorwand, im Englischen pretext genannt. Und passende Texte und Ideen finden sich immer. Sei es die Bibel, der Koran, sei es Marx. Ideologien und Religionen l\u00f6sen das Problem, weil sie sagen: Du t\u00f6test nicht, du richtest. Da ist etwas B\u00f6ses, Ungl\u00e4ubiges, das ausgetilgt werden muss. Und die jungen M\u00e4nner t\u00f6ten f\u00fcr ein frommes Land, f\u00fcr ein gerechtes Land, f\u00fcr ein grosses Land.<\/p>\n<p>Islamismus, Sozialismus &#8211; das ist, marxistisch gesprochen, der \u00dcberbau? Die alles gestaltende Triebkraft ist die demographische Situation?<\/p>\n<p>So ist es. Eine passende Idee f\u00fcr die Gewalt junger M\u00e4nner hat sich noch immer gefunden. Auch die Bibel taugt dazu. Als die Spanier damals f\u00fcr Gold, Ruhm und Evangelium nach S\u00fcdamerika gingen, hielten sie dem Inka-F\u00fchrer Atahualpa die Bibel hin und sagten: Das ist das Wort Gottes, nimm es an, sonst stehst du im Krieg mit dem Hause Habsburg. Er horcht am Buch und schmeisst es in den Staub, worauf 180 Spanier ziemlich selbstm\u00f6rderisch 5000 Inkas niedermetzeln. Ja glauben Sie denn, wenn Atahualpa \u00fcbergetreten w\u00e4re zum Katholizismus, w\u00e4ren die Spanier mit seligem L\u00e4cheln \u00fcber die Bekehrung nach Hause gesegelt?<\/p>\n<p>Und heute sind es nicht Bibel-, sondern Koran-Sch\u00e4ndungen, die als Anlass f\u00fcr Youth-Bulge-motivierte Gewalt und T\u00f6tungen dienen?<\/p>\n<p>Hier ist die Parallele sehr auff\u00e4llig. Als damals \u00fcber Koran-Sch\u00e4ndungen berichtet wurde, hat ja die gesamte westliche Presse sofort gesagt: Wenn ein heiliges Buch so gesch\u00e4ndet wird, dann m\u00fcssen die im Irak und in Afghanistan nat\u00fcrlich nochmals versch\u00e4rft Attentate und Morde begehen, das ist ja selbstverst\u00e4ndlich. Es wird einfach nicht erkannt, dass der Islamismus nur Vorwand ist.<\/p>\n<p>Sie glauben also, der heutige Nahe Osten w\u00e4re auch ohne \u00d6l, ohne Islam und ohne koloniale Vergangenheit eine unruhige Gegend?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich. Usama bin Ladin erw\u00e4hnt ja neuerdings nur noch die Jugend Allahs. Er hat auch mitgekriegt, dass die Muslime sich von 1,5 Millionen auf 1,5 Milliarden verzehnfacht haben &#8211; innerhalb von 100 Jahren. In der islamischen Welt gab es etwa um 1950 herum durchschnittlich 6 bis 8 Kinder pro Frau. Das heisst, 3 bis 4 S\u00f6hne pro Frau. Wenn die 1950 geboren worden sind, sind sie 1970 zwanzig Jahre alt. In diesem Zeitraum, zwischen 1970 und 1990, da beginnen in diesen L\u00e4ndern die grossen internen Unruhen, da beginnt das T\u00f6ten in den islamischen L\u00e4ndern. Libanon zeigt dies geradezu klassisch: Da gibt es zwischen 1975 und 1990 einen B\u00fcrgerkrieg mit 150 000 Toten in einem Land mit 3 Millionen Einwohnern. Klar existieren dort rund sechs verschiedene Religionsgruppen, welche die Jungm\u00e4nnerwut noch zus\u00e4tzlich zugespitzt haben. Aber die gab es vorher, und die gibt es nachher. Wieso kommt das T\u00f6ten 1990 an ein Ende? Die hohen Sohneszahlen gingen zur\u00fcck. Die Geburtenrate ist von fast 6 auf heute 1,95 Kinder pro Frau gesunken. Es ist kein Personal mehr da zum Toben und Kriegen.<\/p>\n<p>In den pal\u00e4stinensischen Gebieten ist dagegen das Personal weiterhin da?<\/p>\n<p>Der pal\u00e4stinensische Youth Bulge ist einer der heftigsten \u00fcberhaupt. Aus einem Sondergrund: Alle Pal\u00e4stinenser, die in Lagern wohnen, sind Fl\u00fcchtlinge. Und alle ihre Kinder, die dort geboren werden, ein erstes oder ein zehntes, sind automatisch auch Fl\u00fcchtlinge und werden vom Fl\u00fcchtlingswerk der Weltgemeinschaft gef\u00fcttert, ausgebildet und medizinisch versorgt. Aber was der Westen bei seiner freundlichen Haltung nicht bedenkt: Dass er zwar die Entbindungskliniken bezahlt, aber keine Strukturen besorgen kann, wo die jungen M\u00e4nner unterkommen k\u00f6nnen. Das heisst, es stehen dort junge M\u00e4nner bereit, gut gebildet und gen\u00e4hrt, die in einer aussichtslosen Lage sind. Der interne Konflikt blieb bis jetzt relativ unblutig, weil das Gewaltpotenzial zwar gegen Israel gelenkt werden kann, Israel aber nicht wahllos draufschl\u00e4gt, sondern einigermassen gezielt. Mit dem R\u00fcckzug Israels aus dem Gazastreifen gibt es bereits Anzeichen, dass die Gewalt sich k\u00fcnftig vermehrt intern in einem B\u00fcrgerkrieg unter Pal\u00e4stinensern entladen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Kann ein Youth Bulge nicht einfach auch unblutig absorbiert werden, etwa wenn durch Wirtschaftswachstum gen\u00fcgend neue Positionen entstehen?<\/p>\n<p>Meist geht es umgekehrt. Die wirtschaftliche Entwicklung f\u00fchrt zu einem R\u00fcckgang der Geburtenrate. Es gibt kein effektiveres Verh\u00fctungsmittel als die Verlohnarbeiterung &#8211; der M\u00e4nner, aber auch der Frauen.<\/p>\n<p>Sie sprechen kommende Woche vor britischen Milit\u00e4rspitzen zu den strategischen Herausforderungen bis 2020. Was werden Sie ihnen sagen?<\/p>\n<p>In den islamischen L\u00e4ndern gibt es heute 300 Millionen S\u00f6hne, die unter 15 sind. Die sind alle schon geboren, das ist keine Prognose. Die werden in den n\u00e4chsten 15 Jahren 15 bis 30 Jahre alt. Von denen werden im besten Fall 100 Millionen zu Hause unterkommen. 200 Millionen bilden aber ein Gewaltpotenzial. H\u00f6chstwahrscheinlich in den L\u00e4ndern selbst, eventuell aber auch international. Das ist die Lage in den n\u00e4chsten 15 Jahren. Danach wird sich die Lage entspannen.<\/p>\n<p>Wenn die Geburtenrate sinkt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, daf\u00fcr gibt es Anzeichen. Ein s\u00e4kularer Trend hat die Geburtenrate auch in einigen islamischen L\u00e4ndern gedr\u00fcckt. In Tunesien etwa. Oder in Algerien, wo die Rate von 7 auf 2 Kinder pro Frau gesunken ist &#8211; \u00fcbrigens ein Grund daf\u00fcr, wieso der Youth-Bulge-befeuerte B\u00fcrgerkrieg in Algerien zwischen Islamisten und Milit\u00e4rregierung zu Ende ging. Auch in Iran ist die Geburtenrate von 7 auf 2 gesunken. Im Irak noch nicht. Da liegt sie bei 5, in Afghanistan bei 7, in Pakistan bei knapp 5 Kindern pro Frau. Diese L\u00e4nder bleiben neben Jemen und Saudiarabien vorderhand die heissen Gebiete.<\/p>\n<p>Was raten Sie den britischen Gener\u00e4len denn konkret?<\/p>\n<p>Sich ja nicht einzumischen, wenn irgendwo ein Youth-Bulge-Konflikt abgeht. Das tut der Westen ja bereits. In Darfur etwa, wo viele meinen, es laufe ein Rassenkrieg, Schwarz gegen Arabisch. Die Trennungen in Rassen und Religionen sind jedoch Vorwand. Auch aus Liberia und Sierra Leone hat man sich eisern rausgehalten. In einem Youth-Bulge-Konflikt k\u00f6nnen die Guten von heute schnell die B\u00f6sen von morgen sein. Man m\u00fcsste zur Beruhigung der Lage dauerhaft sehr viele Soldaten hinstellen &#8211; und die hat der Westen nicht. Er hat pro Familie maximal einen Sohn, und den kann er \u00fcberhaupt nicht, nicht eine Sekunde, entbehren. Wenn der stirbt, hat er keinen mehr. Aber die Dritte Welt erwartet, dass die Erste Welt ihren einzigen Sohn schickt, um dort dritte und vierte Br\u00fcder vom T\u00f6ten abzuhalten. Eine k\u00fchne Forderung.<\/p>\n<p>Das klingt ziemlich zynisch.<\/p>\n<p>Das klingt nicht nur zynisch. Es ist sogar gef\u00e4hrlich, weil die Menschheit seit 1948 ein internationales Gesetz gegen V\u00f6lkermord kennt, das jede einzelne Nation verpflichtet, einen V\u00f6lkermord zu verhindern. Ein Abseitsstehen ist streng genommen sogar eine Rechtsverletzung. Deshalb werden Genozide lieber als B\u00fcrgerkriege bezeichnet und laut, aber folgenlos verurteilt.<\/p>\n<p>Im Irak und in Afghanistan ist der Westen einmarschiert. Es sollten auch Staaten repariert und Demokratien errichtet werden. Bis heute sieht es danach aus, als ob das scheitern w\u00fcrde. Warum?<\/p>\n<p>Man hatte die sch\u00f6ne Politik des runden Tisches vor Augen, so wie in der Ukraine, in Georgien oder in andern osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Dort gab es ermutigende Fortschritte, und man dachte: Mensch, wir brauchen nur einen deutschen Philosophen wie Habermas mit seiner Dialog-Theorie, dann geht das. Es lag aber nicht an Habermas und auch nicht an der Mentalit\u00e4t oder der Klugheit der Osteurop\u00e4er. Es lag daran, dass dies implodierende und vergreisende V\u00f6lker sind. Jeder, der dort an den runden Tisch kam, der hatte sp\u00e4ter auch einen Spitzenjob im Land. Im Irak oder in Afghanistan k\u00e4mpfen aber schon f\u00fcnf junge M\u00e4nner darum, \u00fcberhaupt am runden Tisch zu sitzen. Hat sich ein Youth Bulge aber einmal abgebaut, dann kommt die Demokratie fast wie von selbst. Das hat man gut in Lateinamerika gesehen, nachdem sich Marxisten und Faschisten gegenseitig dezimiert hatten und die Geburtenrate wieder gesunken war.<\/p>\n<p>Wie sieht es denn in Europa aus? Ist Europa derzeit nur so friedlich, weil es so wenige junge M\u00e4nner gibt?<\/p>\n<p>Wenn wir uns in Deutschland vermehrt h\u00e4tten wie die Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen, g\u00e4be es heute 550 Millionen Deutsche. Und es w\u00e4ren 80 Millionen J\u00fcnglinge zwischen 15 und 30 Jahren. Glauben Sie denn, die 80 Millionen jungen deutschen M\u00e4nner w\u00e4ren zehnmal so pazifistisch wie die 7 Millionen, die wir heute haben? Oder w\u00fcrden die nicht viel eher in Prag und Danzig und Breslau Bomben werfen und &#8211; \u00e4hnlich wie die Pal\u00e4stinenser &#8211; sagen: Das ist doch unser Gebiet, das hat man uns weggenommen wegen historischer Ereignisse, f\u00fcr die wir nichts k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Dann haben Sie also keine Angst vor deutschen Neonazis?<\/p>\n<p>Nein, gar nicht. Die sorgen zwar f\u00fcr Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Aber das liegt daran, dass man den alten Faschismus schon nicht verstanden hat. Man meinte, der sei durch b\u00f6se Gedanken entstanden. Obwohl es der letzte deutsche Youth Bulge von 1900 bis 1914 war, der die Ereignisse auf den Strassen der Weimarer Republik befeuerte. Heute gibt es in Deutschland etwa 7000 aktive Neonazis und 270 000 Mann bei der Polizei, da kann nicht mehr viel passieren.<\/p>\n<p>Sie haben den letzten deutschen Youth Bulge von 1900 bis 1914 erw\u00e4hnt. Gab es denn nicht noch sp\u00e4ter einen Youth Bulge, der die 1968 ausgel\u00f6st hat?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren es 1968 auch junge M\u00e4nner, die auf Positionen vorr\u00fccken wollten. Und ein kleines bisschen wurde auch get\u00f6tet, etwa bei den Baader-Meinhof-Leuten. Aber es war ein Babyboom, nur ein ganz kleiner Youth Bulge. Die zornigen jungen M\u00e4nner von 1968 haben schnell gemerkt, dass es f\u00fcr alle gen\u00fcgend akzeptable Positionen im gesellschaftlichen Geflecht gibt. Sie haben das K\u00e4mpfen eingestellt &#8211; und das T\u00f6ten erst recht.<\/p>\n<p><strong>Ende<\/strong><\/p>\n<p>Gunnar Heinsohn, 63, promovierte mit Bestnote sowohl in Soziologie und Wirtschaftswissenschaften. 1984 wurde er f\u00fcr eine Professur auf Lebenszeit an die Universit\u00e4t Bremen berufen, wo er 1993 mit dem Raphael-Lemkin-Institut f\u00fcr Xenophobie- und Genozidforschung die vergleichende V\u00f6lkermordforschung in Europa etablierte. Heinsohn besch\u00e4ftigt sich mit Theorie und Geschichte der Zivilisation, in neuerer Zeit vor allem mit dem Ph\u00e4nomen des Youth Bulge. Der Franzose Gaston Bouthoul (1970), der Amerikaner Jack Goldstone (1991) und der Deutsche Hartmut Diessenbacher (1998) waren Pioniere dieser Denkrichtung. Heinsohn hat sie mit reichem empirischem Material weiterentwickelt.<br \/>\nGunnar Heinsohns Buch \u00abS\u00f6hne und Weltmacht\u00bb (bei Orell F\u00fcssli) von 2003 gewinnt an Schuss. Es hat j\u00fcngst in sechs Wochen vier neue Auflagen erfahren. Heinsohns Auftritt vom Oktober in der TV-Sendung \u00abDas philosophische Quartett\u00bb mit Peter Sloterdijk d\u00fcrfte da mitgeholfen haben. (tis.)<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geneigten Leserinnen und Leser m\u00f6gen sich auf einen l\u00e4ngeren Artikel einstellen, da ich die Problematik von mehreren Seiten beleuchten muss, in guter philosophisch-kritischer Tradition. 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