{"id":2043,"date":"2017-04-07T11:17:27","date_gmt":"2017-04-07T10:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2043"},"modified":"2017-04-07T11:17:27","modified_gmt":"2017-04-07T10:17:27","slug":"wieder-in-afrika-tag-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wieder-in-afrika-tag-1\/","title":{"rendered":"Wieder in Afrika &#8211; Tag 1"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Reisebericht besteht aus dem Bericht selbst, den dazu geh\u00f6rigen Fotos sowie kleinen Exkursen \u00fcber Randthemen.<\/p>\n<p><strong>Tag 1 &#8211; die Anreise<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Jahre ohne Ostafrika sind einfach zu viel. Zu lang. Zu schwierig. Ich brauche eine gewisse regelm\u00e4\u00dfige Dosis dieser &#8222;dunkel lockenden Welt&#8220; (so nannte Tania Blixen ihren Roman, der sp\u00e4ter als &#8222;Jenseits von Afrika&#8220; verfilmt wurde und dessen Schaupl\u00e4tze ich gerne besuche).<br \/>\nNun ist es wieder soweit. Die Helden von heute hei\u00dfen Thomas, Philipp und Guido, wobei Thomas bereits im Jahr 2000 vom Afrika-Fieber gepackt wurde und diesmal auch schon das sechste Mal mitf\u00e4hrt. Philipp hingegen ist Neuling und entsprechend gespannt auf das, was ihn erwartet.<\/p>\n<p><em>Exkurs: Die Deppensteuer<br \/>\nIch zahle immer Deppensteuer. Das ist Geld, das ich aufgrund eigener Bl\u00f6dheit oder weil ich reingelegt werde einfach verpulvere. Weil ich das wei\u00df, habe ich in jedem Reisebudget einen Posten f\u00fcr die Deppensteuer. Ich zahle selten zwei Mal die gleiche, aber die Afrikaner lassen sich immer was Neues einfallen.<br \/>\nDiesmal ist es anders, denn ich zahle sie schon vor Reiseantritt, quasi als Vorschuss. Die erste Summe entsteht durch meinen Schlendrian punkto Reisepass. Ich habe viel Zeit, weil die G\u00fcltigkeit noch bis August 2017 reicht und die Reise schon im M\u00e4rz ist. Das glaube ich zumindest bis drei Tage vor dem Abflug, denn dann entdecke ich auf der Website des Konsulats den Hinweis, dass der Reisepass noch sechs Monate G\u00fcltigkeit haben muss. Dummerweise haben wir den Urlaub wegen Thomys Terminproblemen vom Februar in den M\u00e4rz verschoben und so fehlen gerade mal zwei Wochen. Bl\u00f6d, aber nicht tragisch, denn in der heutigen Zeit ist ein Reisepass blitzschnell ausgestellt.<br \/>\nSo die Theorie. Der Blick auf die Website des Passamts belehrt mich eines besseren: F\u00fcnf Tage bis eine Woche dauert ein neuer Reisepass, der 80 Euro kostet. Gl\u00fccklicherweise kann man sich auch einen Express-Reisepass ausstellen lassen, das kostet nur 20 Euro mehr und dann bekommt man ihn in drei Tagen.<br \/>\nDas k\u00f6nnte sich knapp ausgehen, aber eigentlich ist das Risiko zu gro\u00df. Gl\u00fccklicherweise geht es in dringenden F\u00e4llen noch schneller, n\u00e4mlich mit einem 1-Tages-Pass. Den bekommt man schon am n\u00e4chsten Tag, daf\u00fcr kostet er sportliche 220 Euro. Das w\u00e4ren dann die ersten 140 Euro Deppensteuer, ganz ohne afrikanische Beteiligung \u00fcbrigens.<br \/>\nDie Dame am Magistrat ist sehr nett und achtet penibel darauf, dass das Foto genau stimmt und alle Formalit\u00e4ten zwei Mal \u00fcberpr\u00fcft sind, damit ich auch tats\u00e4chlich am n\u00e4chsten Tag den neuen Pass bekomme.<br \/>\nDer wird auch geliefert und zwar von einem speziellen Botendienst, der mittels Handy recht genau terminisierbar ist und an Flexibilit\u00e4t nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Kostet ja auch genug.<br \/>\nDie zweite Deppensteuer schmerzt genauso. Als ich die Fl\u00fcge buche, lasse ich zwecks Vergleich mehrere Masken am Bildschirm offen. Dann kaufe ich den ersten Flug (von Nairobi nach Sansibar) und auch den zweiten (von Sansibar nach Dar Es Salaam). Leider f\u00e4llt mir nicht rechtzeitig auf, dass ich zwei Mal den gleichen Flug buche, weil ich die falsche Maske erwische. F\u00fcr drei Personen. Mit Kreditkarte bezahlt, also weg.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise war es nur der kurze und relativ billige Flug von Sansibar nach Dar Es Salaam, aber weh tut das trotzdem. Macht \u00fcbrigens 265 Euro Deppensteuer. (Thomy und Philipp sind allerdings so nett und bereit ihre doppelten Fl\u00fcge selbst zu zahlen).<br \/>\nDie Fluglinie hei\u00dft \u00fcbrigens &#8222;Precision Air&#8220; und wird von Insidern &#8222;Unprecision Air&#8220; genannt, angeblich aus gutem Grund. Den erfahre ich jetzt auch, denn mehrere Mails an die Fluglinie bringen genau gar keine Antwort.<br \/>\nIch stehe also noch vor Reiseantritt bei 225 Euro oder mehr und bin gespannt, was noch alles dazu kommt.<\/em><\/p>\n<p>Da der Flug mit der Swiss nach Nairobi \u00fcber Z\u00fcrich schon um sechs Uhr in der Fr\u00fch geht, machen wir einen Vorabend-Checkin. Das hat sich bew\u00e4hrt, weil man erstens eine gr\u00f6\u00dfere Auswahl an Sitzpl\u00e4tzen hat und zweitens in der Fr\u00fch keinen Stress, da man nur mehr hinf\u00e4hrt, durch die Passkontrolle geht und ins Flugzeug steigt.<br \/>\nThomy reist aus Klosterneuburg mit einem eigenen Flughafentaxi an, Philipp und ich w\u00e4hlen ein Car2Go, was wegen des schon aufgegebenen Gep\u00e4cks eine reizvolle Alternative darstellt.<br \/>\nDas klappt hervorragend und kostet hei\u00dfe 20 Euro, die wir uns teilen. Am Flughafen gibt es ein eigenes Parkdeck, dessen Schranken die kleinen Smarts automatisch erkennt und durchfahren l\u00e4sst. <\/p>\n<p>Der Flug nach Z\u00fcrich ist unspektakul\u00e4r und dann ist mir auch noch das Sitzplatzgl\u00fcck hold. Ich kann einen Gangsitz ergattern, dessen Nachbarsitz frei bleibt. Ich bin zu gro\u00df und auch etwas zu breit f\u00fcr die Sitze in der Holzklasse, die jedes Jahr um gef\u00fchlte 2-3 cm enger und schm\u00e4ler werden. Auf Langstreckenfl\u00fcgen (7 Stunden und 40 Minuten bis Nairobi) ist das ein wichtiges Kriterium, vor allem in der Nacht, wo ich zusammengequetscht und gefaltet und auch sonst komplett geknechtet normalerweise kein Auge zutun kann.<br \/>\nDas Visum holen wir uns bei der Einreise, die ich im Verdacht habe eine afrikanische Aussenstelle der amerikanischen NSA zu sein. Fingerabdr\u00fccke, ein eigenes Bild und skeptisch dreinblickende Polizisten lassen bei mir die Frage auftauchen, was zum Henker die mit all unseren Daten machen.<br \/>\nDann endlich haben wir unser Gep\u00e4ck und marschieren in die warme, duftende und zirpende ostafrikanische Luft hinaus, um unser vorbestelltes Taxi zu entern. Wie immer stehen gesch\u00e4tzte hundert Typen mit gro\u00dfen Namensschildern herum, doch unsere Namen sind nicht dabei. Ich habe extra zwei Mails an die Reiseb\u00fcrofirma Amicabre Travel geschickt, die zweite bereits mit der Bitte um Antwort bzw. Best\u00e4tigung. Ich kenne die Firma schon sehr lange und habe bisher immer gute Erfahrungen gemacht. Erst im Dezember haben sie meinen Bruder abgeholt und da habe ich auch keine Best\u00e4tigungsmail erhalte. Also dachte ich, dass das diesmal auch so w\u00e4re.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise stehen ohnehin jede Menge Taxis herum und wir finden eines, das uns um 3.000 Khs nach Lake View bringt, was etwa so weit ist wie von Schwechat nach Neuwaldegg (wer\u00b4s kennt).<br \/>\nDas ist um 1.500 Khs weniger als das Taxi von Amicabre Travel gekostet h\u00e4tte und ich habe langsam den Verdacht, dass ich f\u00fcr die letzten Jahre mein Deppensteuerbudget nachtr\u00e4glich noch aufstocken muss.<br \/>\nDer Umrechnungskurs ist derzeit extrem praktisch, denn 100 Kenia-Schillinge sind 1 Euro und gut 1 Dollar. So l\u00e4sst es sich leicht rechnen.<\/p>\n<p>Die Fahrt in die Stadt hinein hat f\u00fcr mich immer etwas Magisches, auch wenn sie \u00fcber eine Art Autobahn f\u00fchrt und nicht sehr romantisch ist. Aber es sind die ersten Meter wieder in einem Land, das ich sehr ins Herz geschlossen habe, die ersten hupenden Autos, das erste Mal nach meist langer Zeit die afrikanische Luft, die so ganz anders ist als die europ\u00e4ische. Und doch ist es jedes Mal anders, weil sich die Stadt sehr schnell ver\u00e4ndert, nachdem sie jahrzehntelang eher konstant war. Sie w\u00e4chst ungeheuer schnell und die Industrieviertel und Gewerbebauten reichen inzwischen bis fast an den Flughafen, w\u00e4hrend vor ein paar Jahren hier noch da und dort ein Schrottplatz oder ein paar kleine H\u00fctten zu sehen waren. Und es blitzt st\u00e4ndig. Die Blitze kommen von zahlreichen Masten, die \u00fcber die Stra\u00dfe montiert sind. Auf meine Frage werde ich aufgekl\u00e4rt, dass es das seit dem Besuch von Obama gibt und dass jeder Blitz ein Foto w\u00e4re. Eine Sicherheitsma\u00dfnahme, die aber jetzt au\u00dfer Betrieb w\u00e4re &#8211; es w\u00fcrde zwar noch geblitzt, aber dahinter w\u00e4ren keine Server mehr, die alles speichern w\u00fcrden.<br \/>\nIch habe keine Ahnung ob das so ist, aber es wirkt etwas bedrohlich und verst\u00f6rend.<\/p>\n<p>Weniger verst\u00f6rend ist die Aussicht auf einen tollen Urlaub. Weil es vom ersten Tag keine interessanten Bilder gibt, f\u00fcge ich hier jetzt eines ein, quasi als Vorschuss auf die vielen Bilder der n\u00e4chsten Tage. Es handelt sich um eine Thompson-Gazelle, die es in ganz Ostafrika gibt und die sich dadurch auszeichnet, dass sie besonders flink ist. Und sie schmeckt gut, zumindest Geparden, die sie gerne jagen. Davon wird sp\u00e4ter noch zu lesen sein.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.11_Afrika\/thompson.jpg\" title=\"thompson.jpg\" alt=\"thompson.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Thompson-Gazelle<\/p>\n<p>Wir kommen gut voran, der \u00fcbliche Stau ist nicht vorhanden, was einerseits an der Zeit liegt (Samstag Abend) und andererseits an der gro\u00dfen Ringautobahn, die jetzt fast schon ganz Nairobi umfasst, gerade mal im Nordwesten fehlen noch einige Kilometer, die aber schon in Bau sind. So wird der enorme Schwerverkehr umgeleitet, der von Mombasa kommt, Richtung Uganda weiter geht und fr\u00fcher komplett durch die Stadt fahren musste. Die Staus waren legend\u00e4r und zum Teil sind sie das heute noch, da das Stra\u00dfennetz in den 1960er und 70er Jahren angelegt wurde und auf 1\/10 des heutigen Verkehrs ausgelegt ist.<\/p>\n<p>Nach nur 45 Minuten sind wir in Lake View und beziehen zwei Apartments in den &#8222;Lake View Studios&#8220;. Irgendwie ist noch Durst \u00fcbrig und so entern wir den bereit stehenden Toyota und fahren nach Westlands, um uns dort das eine oder andere Gin Tonic zu g\u00f6nnen. Davor finden wir noch ein indisches Restaurant, das punkto K\u00fcche okay ist, als einzige G\u00e4ste vermissen wir aber doch ein wenig Flair.<\/p>\n<p>Der erste Tag war anstrengend und geht hiermit zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Reisebericht besteht aus dem Bericht selbst, den dazu geh\u00f6rigen Fotos sowie kleinen Exkursen \u00fcber Randthemen. Tag 1 &#8211; die Anreise Zwei Jahre ohne Ostafrika sind einfach zu viel. Zu lang. Zu schwierig. 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