{"id":2048,"date":"2017-04-08T08:29:37","date_gmt":"2017-04-08T07:29:37","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2048"},"modified":"2017-04-08T08:29:37","modified_gmt":"2017-04-08T07:29:37","slug":"wieder-in-afrika-tag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wieder-in-afrika-tag-2\/","title":{"rendered":"Wieder in Afrika &#8211; Tag 2"},"content":{"rendered":"<p>Die erste Nacht ist nie perfekt, denn mein K\u00f6rper und mein Geist m\u00fcssen sich beide auf Afrika einstellen. Und doch wache ich unglaublich gerne durch das Schreien der heiligen Ibisse auf, die jeden Morgen auf ihre Insel in Lake View einfliegen und ein ordentliches Get\u00f6se machen.<br \/>\nWir sind heute zum Fr\u00fchst\u00fcck bei Louis eingeladen, unserem steirischen Mechaniker, der nur ca. f\u00fcnf Autominuten entfernt in einem kleinen Haus lebt, das sich auf dem riesigen Grundst\u00fcck einer alten Dame befindet. Dort treffen wir auch meinen Vater, die Frau von Louis (Marion) und deren Schwester Judy, die seit ca. zwei Jahren meinen Vater auf Safari betreut, denn er ist schlie\u00dflich keine 70 mehr und braucht ein wenig Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Wir haben den heutigen Tag zum Ankommen und zur Vorbereitung auf die morgen startende Safari. Da wir komplett Selbstversorger sind, m\u00fcssen wir gut darauf achten, das Richtige einzukaufen und einzupacken. Der Toyota Landcruiser ist seit Jahren das beste Auto, das ich mir f\u00fcr Afrika vorstellen kann und wir mieten ihn von meinem Vater.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.05_Afrika\/toyota.jpg\" title=\"toyota.jpg\" alt=\"toyota.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Toyota Landcruiser HZJ 78<\/p>\n<p>Das Auto hat ein aufstellbares Schlafdach und sicherheitshalber die Mud-Terrain-Reifen, falls uns die Regenzeit erwischt. Wetter und Auto &#8211; das waren \u00fcber Jahrzehnte die gr\u00f6\u00dften Unsicherheitsfaktoren bei einer Safari. (Das ist \u00fcbrigens ein Wort auf Suaheli und hei\u00dft nichts anderes als Reise.)<br \/>\nSeit dem Toyota bleibt nur mehr das Wetter \u00fcbrig, trotzdem wird der Wagen noch gr\u00fcndlich durchgecheckt: Wassertank voll, Batterien gut in Schuss &#8211; vor allem achte ich darauf, dass die Starterbatterie von den Campingbatterien getrennt ist, die den K\u00fchlschrank betreiben. Wenn man die nicht trennt, kann es passieren, dass der K\u00fchlschrank die Starterbatterie leersaugt und dann ist meist Schluss mit lustig &#8211; immer abh\u00e4ngig davon, wo man sich gerade befindet.<\/p>\n<p><em>Exkurs: Campingk\u00fchlschr\u00e4nke<br \/>\nEin eigener Exkurs f\u00fcr einen K\u00fchlschrank? Ja, weil das ein seit ewigen Zeiten ungel\u00f6stes Problem f\u00fcr die Safari in Afrika ist. Zugegeben &#8211; es ginge auch ohne, aber am Abend nach einer anstrengenden Tour ein k\u00fchles Bier, das kann schon was. Au\u00dferdem er\u00f6ffnet sich mit K\u00fchlschrank die M\u00f6glichkeit Fleisch und Butter, K\u00e4se und Wurst mitzunehmen. Also qu\u00e4len wir uns seit Beginn mit Campingk\u00fchlschr\u00e4nken herum. Die Menschheit kann in ferne Galaxien blicken, zum Mond fliegen und winzige Hochleistungscomputer bauen. Was sie nicht kann: funktionierende Campingk\u00fchlschr\u00e4nke herstellen. Oder auch verst\u00e4ndliche Lautsprecherdurchsagen in U-Bahnstationen technisch auf die Reihe bringen. Geht einfach nicht, keine Ahnung warum.<br \/>\nBleiben wir bei den K\u00fchlschr\u00e4nken. Sie sehen aus wie kleine Tiefk\u00fchltruhen, sind also von oben zu bef\u00fcllen, weil die Haus-Variante eines K\u00fchlschranks (mit Schrankt\u00fcr) f\u00fcr das Camping unbrauchbar ist, da bei jedem \u00d6ffnen die kalte Luft nach unten rausstr\u00f6mt. Das ist daheim egal, wenn man aber Energieknappheit hat, macht das einiges aus.<br \/>\nSeit Jahrzehnten k\u00f6nnen diese K\u00fchlschr\u00e4nke (also die besseren) sowohl mit 220 Volt (also daheim), wie auch mit 12 Volt (im Auto \u00fcber den Zigarettenanz\u00fcnderanschluss) und mit Gas betrieben werden.<br \/>\n12 Volt sind immer etwas brustschwach und kann oft nur die Temperatur halten, aber nicht ordentlich runterk\u00fchlen. Daher machen wir es meist so, dass wir den K\u00fchlschrank vor der Safari im Haus gut vork\u00fchlen und dann versuchen, mit der Autobatterie und mit Gas die Leistung einigerma\u00dfen hinzubekommen.<br \/>\nSeit Solarzellen leistungsf\u00e4higer sind, funktioniert die K\u00fchlung mittels der Autobatterie deutlich besser, im Landcruiser meines Bruders konnten wir sehr gute Leistungen erzielen ohne mit Gas betreiben zu m\u00fcssen. Das setzt aber leider voraus, dass man unter Tags viel f\u00e4hrt, denn dann kommt die Energie aus der Lichtmaschine und l\u00e4dt die Batterie ordentlich auf, so dass man \u00fcber die Nacht kommt.<br \/>\nGanz schlecht ist es, wenn das Auto 2-3 Tage an einem Platz steht, vielleicht noch im Schatten. Dann funktioniert kein K\u00fchlschrank mehr, vor allem, wenn es drau\u00dfen 30 Grad oder mehr hat.<br \/>\nDas gr\u00f6\u00dfte Problem war aber immer der Gasbetrieb. Man muss ausreichend Gasflaschen mitnehmen, deren F\u00fcllstand man nie wirklich \u00fcberpr\u00fcfen kann. Die Gewichtsprobe kann aussagekr\u00e4ftig sein oder auch nicht. Die Ventile m\u00fcssen funktionieren, die Schl\u00e4uche dicht sein und vor allem muss der K\u00fchlschrank immer komplett waagrecht stehen. Da der Gasbrenner eine Kontrollflamme braucht, darf auch kein st\u00e4rkerer Wind wehen, sonst bl\u00e4st er die Flamme aus und der K\u00fchlschrank funktioniert nicht mehr. Man muss ihn also am Abend aus dem Auto r\u00e4umen, sauber aufstellen und dann unten durch ein kleines Loch mit einem langen Z\u00fcndholz die Flamme anz\u00fcnden und gew\u00e4hrleisten, dass sie brennen bleibt. Das hat viele Jahre lang bedeutet, dass wir in der Nacht immer wieder mal aufstehen und die depperte Flamme kontrollieren mussten, vor allem bei Wind und Regen. Da \u00fcberlegt man sich ob es ohne knechtenden K\u00fchlschrank nicht viel entspannter w\u00e4re. Das Bier braucht man dann um den K\u00fchlschrankstress wieder loszuwerden.<br \/>\nDem Erfinder eines einfachen und robusten Campingk\u00fchlschranks garantiere ich den Nobelpreis und den ewigen Dank aller bierdurstigen Camper weltweit.<\/em><\/p>\n<p>Mein Vater hat uns schon ein gro\u00dfes Hauszelt eingepackt, das wir aber nur brauchen, wenn Regen in Sicht ist. Dann ist es allerdings wirklich wichtig, weil wir bei einem l\u00e4nger dauernden Regenguss sonst nur im Auto sitzen k\u00f6nnten. Falls das Wetter sch\u00f6n bleibt, reicht ein Kuppelzelt f\u00fcr Philipp und mich, Thomy schl\u00e4ft wie immer im Toyota oben im Aufstelldach.<\/p>\n<p>Es ist sehr hei\u00df in Nairobi und wir machen bei unserem Haus in Lake View eine kleine Pause. Mein Vater geht im See schwimmen &#8211; dieser See ist der Hauptgrund weshalb er das Haus im Jahr 2000 gemietet hat. Weil der Inder, dem es geh\u00f6rt, ein ziemlicher Raffzahn ist, kostet das Haus inzwischen so viel Miete, dass mein Vater es an eine amerikanische Familie untervermietet hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.05_Afrika\/Lake.jpg\" title=\"Lake.jpg\" alt=\"Lake.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Am See<\/p>\n<p>Wir h\u00e4ngen ein wenig mit Louis im Garten herum und \u00fcberlegen, was wir noch alles einpacken sollten und was wir nicht brauchen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.05_Afrika\/dreiJungs.jpg\" title=\"dreiJungs.jpg\" alt=\"dreiJungs.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Thomy, Philipp und Louis<\/p>\n<p>Am trockenen Rasen kann man gut erkennen, dass wir noch mitten in der Trockenzeit sind und wir hoffen, dass sie noch zwei Wochen anh\u00e4lt.<br \/>\nDie Einkaufstour gestaltet sich m\u00fchsam, da in meinem alten Lieblingssupermarkt die H\u00e4lfte der notwendigen Dinge nicht zu bekommen ist. Also fahren wir in den Village-Market um den Rest zu besorgen. Wir werden uns vor allem von Gem\u00fcse und Obst ern\u00e4hren, beides gibt es hier in sensationeller und mit der europ\u00e4ischen Ware nicht vergleichbarer Qualit\u00e4t.<br \/>\nNach den diversen Terroranschl\u00e4gen der letzten Jahre gibt es in den Einkaufszentren verst\u00e4rkte Sicherheitskontrollen &#8211; oder sagen wir besser: es sollte sie geben. De facto m\u00fcsste man als potenzieller Terrorist schon sehr ungeschickt sein um sich davor abschrecken zu lassen. Wir treffen aber keine Terroristen und allen k\u00fcnftigen Kenia-Urlaubern und Urlauberinnen darf gesagt sein, dass es sich um ein sehr friedliches Land handelt. Nairobi w\u00fcrde ich von der Gef\u00e4hrlichkeit in einer Reihe sehen mit M\u00fcrzzuschlag, Mitterstockstall am Wagram und der Axamer Lizum.<\/p>\n<p>Am Weg in den Village Market kommen wir an der Baustelle f\u00fcr den Northern Bypass vorbei. Dort bauen sie den noch fehlenden Teil der Ringautobahn rund um Nairobi. Das wird sehr dringend gebraucht und wird (wahrscheinlich unter Mithilfe der Chinesen) auch nicht mehr lange dauern. Die Schneise wird einfach mitten durch die Gegend gezogen. Ich glaube nicht, dass Enteignungsverfahren hier lange dauern und statt dem Gericht entscheidet hier ein Weisenrat aus Caterpillar, Planierraupe und Abrissbirne. Afrika ist anders und die Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung noch nicht erfunden.<br \/>\nDie Umweltzerst\u00f6rung ist in und um Nairobi sowieso immens, es wird \u00fcberall gebaut wie verr\u00fcckt, der Wald wird gerodet und Hochh\u00e4user werden in k\u00fcrzester Zeit in die H\u00f6he gezogen. Das verursacht in mir eine Mischung aus Wehmut und Schwindel.<\/p>\n<p>Noch jongliere ich mit meinen drei Geldb\u00f6rsen (Kenia-Shilling, Dollar, Euro), aber bald wird sich noch eine vierte (Tansania-Shilling) hinzugesellen.<br \/>\nNach den Eink\u00e4ufen sind wir etwas erledigt, gehen aber am Abend noch gemeinsam mit Louis, Marion und Judy \u00e4thiopisch essen. Das gibt es bei uns zwar auch, in Nairobi hat es allerdings eine andere Qualit\u00e4t. Das Lokal liegt sehr versteckt und wirkt mit seinen Plastiksesseln und Plastiktischen ein wenig uncharmant. Das Essen ist jedoch sensationell und so viel, dass wir es trotz gro\u00dfem Hunger nicht aufessen k\u00f6nnen.<br \/>\nAuf einem gro\u00dfen Tablett liegt eine riesige Flade, die an eine dickere Palatschinke mit vielen kleinen L\u00f6chern erinnert &#8211; sie ist \u00fcbrigens sauer. Darauf werden die Zutaten verschiedenster Art gelegt und man isst sie mit der Hand, indem man ein St\u00fcck einer Flade abreisst und die Zutaten damit ergreift. Das ist gar nicht so schwierig und ein echtes Erlebnis.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Abends macht ein Besuch im Gipsys, einer Bar, die an diesem Sonntag jedoch fast leer ist. Die Getr\u00e4nke sind deutlich teurer als in anderen, vergleichbaren Lokalen und wir werden in Zukunft wohl woanders hinfahren.<\/p>\n<p>Ein langer Tag geht zu Ende, aber morgen geht es auf Safari.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Nacht ist nie perfekt, denn mein K\u00f6rper und mein Geist m\u00fcssen sich beide auf Afrika einstellen. 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