{"id":2073,"date":"2017-04-13T12:18:47","date_gmt":"2017-04-13T11:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2073"},"modified":"2017-04-13T12:18:47","modified_gmt":"2017-04-13T11:18:47","slug":"wieder-in-afrika-tag-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wieder-in-afrika-tag-6\/","title":{"rendered":"Wieder in Afrika &#8211; Tag 6"},"content":{"rendered":"<p>Au\u00dfer uns hat nur ein P\u00e4rchen auf der Makalia Falls Campsite \u00fcbernachtet. Die d\u00fcrften gut eingespielt sein, denn bei Sonnenaufgang hatten sie schon gefr\u00fchst\u00fcckt, das Zelt und alles andere eingepackt und sind weggefahren.<\/p>\n<p>Wir gehen es gem\u00fctlicher an, die Nacht war sehr laut &#8211; schreiende Paviane und jede Menge andere Viecher &#8211; kurz vor dem Schlafengehen habe ich noch eine Ginsterkatze gesehen, die nicht weit von uns die Nacht erkundet hat. Ein sehr seltenes Erlebnis.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/makalia.jpg\" title=\"makalia.jpg\" alt=\"makalia.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Unser Zeltplatz mit Philipp, der gerade aus dem Duschhaus kommt. Der Game-Ranger Felix holt Wasser.<\/p>\n<p>Wir fahren durch den Park nach Norden, der Gamedrive ist aber sehr unspektakul\u00e4r und wir sehen mehr oder weniger nichts. In Nakuru decken wir uns mit frischen Lebensmitteln ein, vor allem Bier und Kenya Cane, da es das in Narok (als letzter Ort, wo man etwas einkaufen kann) angeblich nicht gibt.<br \/>\nDie Strecke f\u00fchrt uns jetzt in n\u00f6rdwestlicher Richtung aus Nakuru hinaus und hinauf auf das Mau-Escarpment. Die Stra\u00dfe ist gut und wir ersparen uns so die etwas m\u00fchsame Rough-Road, auf der wir vor zwei Jahren die Berge erklommen haben.<br \/>\nUm von der gro\u00dfen Hauptstra\u00dfe, die von Nakuru weiter nach Uganda f\u00fchrt, nicht falsch abzubiegen, wende ich meine altbew\u00e4hrte Fragetechnik an. Thomy ist davon zwar jedes Mal genervt, muss aber anerkennen, dass es hin und wieder richtig viel Zeit und Kilometer spart. Ich frage immer zwei bis drei Mal, m\u00f6glichst unterschiedliche Menschen. Wenn sie alle das gleiche sagen, vertraue ich darauf und fahre in die angegebene Richtung. Das ist notwendig, weil es in Kenia fast keine Wegweiser gibt.<br \/>\nAm Weg hinauf \u00fcberholen wir einen Motorradfahrer mit wagemutiger Beladung. (Den haben wir nicht nach dem Weg gefragt.)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/transport.jpg\" title=\"transport.jpg\" alt=\"transport.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Alles l\u00e4sst sich mit etwas gutem Willen mit einem Motorrad transportieren. Wirklich alles, zumindest in Afrika<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren noch nicht da &#8211; ganz pl\u00f6tzlich steht oben am Escarpment eine Plantage mit Gew\u00e4chsh\u00e4usern, nicht gerade klein. Das kann man &#8211; je nach Sichtweise &#8211; als Fortschritt betrachten, oder aber als Fehlentwicklung. Meist wird das Land den kleinen Farmern abgenommen, die produzierte Ware kann billig nach Europa oder sonstwohin exportiert werden und ein paar Leute werden reich. Eventuelle Umweltzerst\u00f6rung muss als Kostenfaktor nicht eingepreist werden.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/plantage.jpg\" title=\"plantage.jpg\" alt=\"plantage.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Plantage<\/p>\n<p><em>Exkurs: China ist \u00fcberall<br \/>\nAuch wenn es in Kenia nicht zu so immensen Landgrabbing-Aktionen kommt wie in \u00c4thiopien und die Inder schon seit Ewigkeiten die Handelswelt im gesamten Land beherrschen, die Chinesen sind inzwischen auch hier \u00fcberall. Sie bauen Lodges und Fabriken und alle sehen gleich aus und sind auf den ersten Blick als chinesisch identifizierbar. Mitten im Rift Valley, gegen\u00fcber der alten amerikanischen Satellitenstation haben sie eine solche Fabrik aus dem Boden gestampft. Hohe Mauern, viele Gitter, bunt bemalt und mit chinesischen Schriftzeichen, aber alles sehr steril. Wenn ich daran denke, was sie dort alles bereits machen, kommt mir das Fr\u00f6steln.<br \/>\nIn Kenia gibt es in den St\u00e4dten relativ wenige motorisierte Zweir\u00e4der, ganz im Gegenteil zu Asien. Das mag daran liegen, dass es auch innerst\u00e4dtisch viele tiefe Schlagl\u00f6cher gibt, die vor allem in der Nacht eine immense Gefahr darstellen. Es wird jedoch mehr, vor allem in l\u00e4ndlichen Gegenden fahren Unmengen an chinesischen Motorr\u00e4dern herum &#8211; alles 125er bis 250er, sicher sehr robust und mit einfacher, reparierbarer Technik. Ich habe zwar nicht erfahren, was die Dinger kosten, wir d\u00fcrfen von einem ausgesprochen g\u00fcnstigen Preis ausgehen, der f\u00fcr kenianische Verh\u00e4ltnisse aber immer noch eine gro\u00dfe Summe bedeutet.<br \/>\nDazu gibt es jetzt arabische Tankstellen. Das erscheint mir zwar logisch, ist aber auch eine Entwicklung der letzten Jahre. Davor gab es &#8222;Kobil&#8220; (die kenianische Mobil) und viele namenlose Tankstellen, dazu noch Shell und Texaco.<\/em><\/p>\n<p>Oben im Ort Mau Narok f\u00e4ngt ein St\u00fcck Rough Road an, das uns schon vor zwei Jahren als \u00e4u\u00dferst beschwerlich aufgefallen ist. Davor ist die Stra\u00dfe gut, danach ist sie bis Narok sensationell, dazwischen eine Katastrophe. Staubig, steinig, zerfurcht und zum Gl\u00fcck nur 31 Kilometer lang. Diesmal wussten wir das schon, vor zwei Jahren hatten wir noch die Bef\u00fcrchtung, dass es so bis Narok weitergeht.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/esel.jpg\" title=\"esel.jpg\" alt=\"esel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: In den S\u00e4cken wird meist Holzkohle transportiert, die zum Kochen verwendet wird. Gas k\u00f6nnen sich hier die wenigsten leisten. <\/p>\n<p>Das Escarpment ist eine fruchtbare Gegend, in der es viele kleine Streusiedlungen und einige kleine D\u00f6rfer gibt. Eine Gegend, in die nur sehr selten Touristen kommen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/dorf.jpg\" title=\"dorf.jpg\" alt=\"dorf.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wir fahren durch ein Dorf kurz bevor die Asphaltstra\u00dfe wieder beginnt. Das ist ein typisches Bild f\u00fcr Afrika: eine staubige Hauptstra\u00dfe, an deren Rand sich das Leben abspielt &#8211; hier mit einer Art Dauermarkt.<\/p>\n<p>Wir kommen am fr\u00fchen Nachmittag in Narok an und wissen, dass wir es in absehbarer Zeit bis in die Maasai Mara schaffen werden. Mein Bruder hat mir allerdings berichtet, dass wir von Narok bis zur Parkgrenze die doppelte Zeit als \u00fcblich rechnen sollten, da sie Stra\u00dfe komplett kaputt sei.<br \/>\nWir stellen uns auf das Schlimmste ein, sind dann aber sehr positiv \u00fcberrascht, denn die Stra\u00dfe hat sich in den letzten zwei Jahren nicht ver\u00e4ndert und ist in akzeptablem Zustand.<\/p>\n<p>Kurz nach Narok f\u00e4hrt man durch Ewaso Ngiro, ein kleiner Ort, der sich nicht zu seinem Vorteil weiterentwickelt hat. Links und rechts der Stra\u00dfe ist alles voll mit Plastikm\u00fcll. Dieser passt in die Gegend wie die Faust auf\u00b4s Aug, und genau in dem Auge tut es auch weh das zu sehen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/dreck.jpg\" title=\"dreck.jpg\" alt=\"dreck.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Plastikm\u00fcll<\/p>\n<p>Ich bin immer wieder erstaunt warum die Menschen das nicht wegr\u00e4umen. Eine konzertierte Aktion und binnen eines Tages w\u00e4re alles sauber. Es scheint aber so als w\u00fcrde das absolut niemand interessieren. Ich habe den Verdacht, dass es sich hier um das gleiche Ph\u00e4nomen handelt wie bei den L\u00f6wen. Wenn man mit dem Auto an ein L\u00f6wenrudel heranf\u00e4hrt, das gerade gem\u00e4chlich unter einem Baum Siesta h\u00e4lt, so interessieren sich die L\u00f6wen genau \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr das Auto und die Insassen. Sie nehmen den Menschengeruch nicht wahr, weil er von den verschiedenen Ger\u00fcchen des Autos \u00fcberdeckt wird. Das Auto wiederum ist ihnen egal, es ist evolutionsgeschichtlich f\u00fcr die L\u00f6wen gerade eben erst aufgetaucht und sie k\u00f6nnen damit nichts anfangen. Sie nehmen es gar nicht wirklich wahr.<br \/>\nVielleicht ist es mit dem Plastik so \u00e4hnlich &#8211; die Menschen nehmen es m\u00f6glicherweise nicht wahr, es passt nicht in ihr Schema, denn sie haben in den letzten Jahrtausenden gelernt, dass man Abf\u00e4lle einfach in die Gegend werfen kann, weil sie sowieso schnell verrotten.<\/p>\n<p>Nach Ewaso Ngiro gibt es noch ein paar Kilometer Asphalt, dann beginnt eine staubige Wellblechpiste. Entgegenkommende Fahrzeuge kann man anhand ihrer Staubfahne schon kilometerweit erkennen, wenn sie n\u00e4her kommen empfiehlt es sich das Fenster zu schlie\u00dfen. Genau genommen macht das nicht sehr viel Unterschied, denn am Abend ist sowieso alles staubig. Oder schlammig &#8211; das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Nichts gibt es nicht, man hat die Auswahl zwischen Staub und Schlamm.<br \/>\nDiesmal haben wir Staub am Programm, daf\u00fcr geht es z\u00fcgig dahin, denn 65 ist die richtige Geschwindigkeit f\u00fcr den Toyota auf Wellblech.<br \/>\nDie ber\u00fchmten Wellblechpisten in Kombination mit dem Staub sind auch der Grund warum man mit einem modernen SUV, aber auch mit modernen Gel\u00e4ndew\u00e4gen hier keine Chance h\u00e4tte. Klimaanlage, Elektronik &#8211; sie geben nach kurzer Zeit den Geist auf, der Rest des Autos folgt mit geringem Abstand. Deswegen f\u00e4hrt hier auch kein Mensch mit solchen Fahrzeugen.<br \/>\nTrotzdem sieht man hin und wieder eine \u00dcberraschung<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/bully.jpg\" title=\"bully.jpg\" alt=\"bully.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Ein VW-Bus (Typ 2) als Rechtslenker. Keine Ahnung wie der hierher kommt, aber fr\u00fcher gab es mehrere von den alten Bussen. Dieser hat sogar eine alte Camping-Ausstattung, wie man an dem Ausstelldach sieht. Gleiche Felgen sind \u00fcbrigens \u00fcberbewertet.<\/p>\n<p>Nach nur einer Stunde und vierzig Minuten erreichen wir den Ort, an dem wir James treffen. Ich habe von Narok aus mit ihm telefoniert und er erwartet uns an der Stra\u00dfe, um uns in ein neues Maasai-Camp zu geleiten, weil das Semadep-Camp gerade renoviert wird.<br \/>\nDie Gesamtfahrzeit heute betr\u00e4gt 6,5 Stunden und wir sind froh endlich an einem der sch\u00f6nsten und interessantesten Pl\u00e4tze der Welt angekommen zu sein. Wir folgen James in den Busch, das Camp liegt am Rande eines H\u00fcgels mitten in einem kleinen W\u00e4ldchen. Es ist zwar nicht so sch\u00f6n angelegt wie das Semadep-Camp, daf\u00fcr aber besser ausgestattet. Es gibt die schon bekannten gro\u00dfen gr\u00fcnen Hauszelte mit gemauertem Badezimmer. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/zelte.jpg\" title=\"zelte.jpg\" alt=\"zelte.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Zwei der gro\u00dfen Zelte, mit gepflastertem Weg, alles sehr gepflegt<\/p>\n<p>Alles ist sauber und sehr ordentlich, mehr Komfort braucht man hier wirklich nicht. Es gibt eine hei\u00dfe Dusche und jede Menge Wasser, weil sie eine Quelle n\u00fctzen k\u00f6nnen, die am H\u00fcgel entspringt. Das ist in dieser Gegend keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, aber sehr erfreulich.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/bad.jpg\" title=\"bad.jpg\" alt=\"bad.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Unser Bad<\/p>\n<p>Mittels Solarstrom und Batterien haben sie eine Handyladestation gebaut und es gibt eine Art \u00fcberdachten Aufenthaltsraum, der sich auch als K\u00fcche verwenden l\u00e4sst.<br \/>\nIch mache wieder einen Fruchtsalat und bin nach kurzer Zeit von drei Hunden umringt, die zwar sehr sympathisch sind, jedoch den Verdacht sch\u00fcren, dass sich der eine oder andere Floh an ihnen finden l\u00e4sst.<br \/>\nSie leben offensichtlich in guter Kooperation mit ein paar Pavianen, die scheinbar unbeteiligt durch das Camp spazieren. Man ignoriert einander.<\/p>\n<p><em>Exkurs: Die Afrikaner<br \/>\nGenau genommen ist es nicht sehr sinnvoll von &#8222;den Afrikanern&#8220; zu sprechen, da sie so verschieden sind wie &#8222;die Europ\u00e4er&#8220; oder &#8222;die Amerikaner&#8220;. Ich schreibe von den Ostafrikanern, was auch schon eine Verk\u00fcrzung darstellt.<br \/>\nSie sind Menschen genau wie wir und doch so anders. Ich m\u00f6chte das anhand einer sehr unvollst\u00e4ndigen Liste an Ph\u00e4nomenen erkl\u00e4ren, die nur f\u00fcr uns Ph\u00e4nomene sind, f\u00fcr die Ostafrikaner sind sie ganz normal. Die Liste ist der Einfachheit halber pauschalisiert, selbstverst\u00e4ndlich gibt es immer Ausnahmen.<br \/>\n1.) Keine Haken<br \/>\nEgal wohin wir fahren, es gibt keine Haken. Du kannst nichts aufh\u00e4ngen, in keinem Hotelzimmer, in keinem Privatzimmer, in keinem Camp findest du auch nur einen einzigen Haken, an dem du dein Gewand aufh\u00e4ngen kannst. Ich habe noch nicht herausfinden k\u00f6nnen, warum das so ist. Sie haben dort auch Sachen, die wohin geh\u00e4ngt werden m\u00fcssen, daran liegt es nicht. Es kann auch keine Frage der Finanzierung sein oder des Platzes und bleibt f\u00fcr mich r\u00e4tselhaft.<br \/>\n2.) Der H\u00e4ndedruck<br \/>\nIch bilde mir ein, dass ich noch nie von einem Afrikaner einen festen H\u00e4ndedruck bekommen habe. Bisher kenne ich nur die Varianten &#8222;sanftweich&#8220; und &#8222;supersanftweich-flapp&#8220;.<br \/>\n3.) Die Kleidungskombinationen<br \/>\nTeurer dunkler Business-Anzug und dazu neonfarbene Schuhe. Solche und so \u00e4hnliche Kombinationen sind f\u00fcr die Afrikaner irgendwie ganz normal und fallen ihnen scheinbar gar nicht auf. Das Ph\u00e4nomen entdecke ich \u00fcbrigens fast nur bei M\u00e4nnern.<br \/>\n4.) Modern und traditionell<br \/>\nAuch bei uns gibt es Menschen, die in der Lederhose das Smartphone tragen. Aber hier sieht man den Maasai mit Kanga (das sind die bunten, meist rot-gemusterten T\u00fccher, die so typisch f\u00fcr das Bild der Maasai sind und eine Art traditionelle Tracht darstellen), Speer und Smartphone.<br \/>\n5.) Die fr\u00f6hlichen Kinder<br \/>\nIn diesem Reisebericht gibt es einige Bilder von fr\u00f6hlichen Kindern. Die gibt es bei uns nat\u00fcrlich auch, aber in Ostafrika erscheinen sie mir noch ein wenig fr\u00f6hlicher und stellen unser Konsumgl\u00fcck massiv in Frage. Meist besitzen sie wenig Spielzeug und auch das ist improvisiert &#8211; ein St\u00fcck eines alten Autoreifens, eine ausrangierte Fahrradfelge, ein kleines, aus Draht gebogenes Auto. Oftmals haben sie gar kein Spielzeug und nehmen einen Ast oder spielen mit ihren Zehen. Sie laufen irgendwo im Dorf herum oder am Strand, sind neugierig und lachen fast immer.<br \/>\nSie sind ein unglaublicher Kontrast zu den &#8222;overprotected kids&#8220;, die ich bei uns immer h\u00e4ufiger antreffe, die nicht mehr ins Freie d\u00fcrfen, au\u00dfer vielleicht im eigenen Garten, gegen alles und jedes drei Mal geimpft sind und t\u00e4glich zwei Mal geduscht oder gebadet werden. Dass ihnen trotz Bergen an Spielzeug das Lachen vergeht, wundert mich nicht wirklich.<br \/>\n6.) Die technischen L\u00f6sungen<br \/>\nDen Umgang k\u00f6nnte man als &#8222;locker&#8220;, jederzeit aber auch als &#8222;fahrl\u00e4ssig&#8220; bezeichnen. Das betrifft die Fahrt\u00fcchtigkeit der Autos, aber auch die Elektrik und andere Dinge.<\/em><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/klemmen.jpg\" title=\"klemmen.jpg\" alt=\"klemmen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wenn die professionellen Ressourcen fehlen, dann muss es ohne funktionieren. Dass man aber nicht einmal Blockklemmen hat, sondern die Elektrokabeln einfach zusammenzwirbelt, das ist dann schon etwas schr\u00e4g. <\/p>\n<p><em>Die Art und Weise wie sie Probleme l\u00f6sen l\u00e4sst mich manchmal sprachlos zur\u00fcck, oder es kommen Begriffe wie &#8222;naiv&#8220; oder &#8222;kindlich&#8220;, die aber einer herrschaftlich-arrogant-\u00fcberheblichen Sichtweise entstammen, \u00fcber deren Unangemessenheit ich mir bewusst bin. Sie enthalten oft eine subtile Form von Humor, die unsere eigene Lebensweise karikiert und ganz und gar nicht als kindlich zu bezeichnen ist. Das folgende Beispiel l\u00e4sst dies erahnen:<\/em><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/zone.jpg\" title=\"zone.jpg\" alt=\"zone.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das ist die Raucherzone des Camps. Sie ist hervorragend ausgestattet und verf\u00fcgt \u00fcber einen Plastiksessel (Standardware) und eine Art Tischchen, das auch als Sitzbank verwendet werden kann. Aschenbecher gibt es keinen, schlie\u00dflich kann man nicht an alles denken. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.09_Afrika\/smoking.jpg\" title=\"smoking.jpg\" alt=\"smoking.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Als das Schild angefertigt werden sollte, gab es einen, der schreiben konnte und einen, der malen konnte. Deswegen hat der, der schreiben konnte, dem, der malen konnte, eine Vorlage rechts unten auf das Schild gemalt. So konnte sicher gestellt werden, dass kein Fehler passiert.<\/p>\n<p>Das Camp ist eines von mehreren, die alle in Sichtweite des Parkeingangs angelegt sind. Unseres existiert seit 1990 und geh\u00f6rt einem Kikuyu, betrieben wird es aber ausschlie\u00dflich von Maasai. Wie auch die anderen Camps wird es st\u00e4ndig umgebaut und erweitert, die notwendige Anzahl an G\u00e4sten fehlt jedoch. Ich habe James schon vor zwei Jahren eine Handvoll Tipps gegeben, wie er das Camp noch attraktiver machen kann und auch diesmal sitzen wir l\u00e4nger zusammen und erz\u00e4hlen uns was es Neues gibt.<br \/>\nIch habe vor zwei Jahren begonnen einem jungen, sehr aufgeweckten Maasai-Buben das Schulgeld zu bezahlen. Seit einigen Jahren ist die Primary-School in Kenia gratis, was jedoch nicht ganz stimmt, denn die Eltern m\u00fcssen zwar kein Schulgeld mehr bezahlen, trotzdem kommen einige Kosten auf sie zu, wenn sie ein Kind in die Schule schicken. Mit 13 kann man dann in die Secondary-School gehen und Emmanuel befindet sich jetzt im dritten Jahr. Ich lasse mir regelm\u00e4\u00dfig seine Zeugnisse schicken, die leider nicht allzu tolle Noten aufweisen. James wei\u00df auch nicht warum, betont aber, dass Emmanuel die Schule auf jeden Fall abschlie\u00dfen kann und wird und dass es sich um eine sehr gute Schule handelt, die jede Menge zuk\u00fcnftige Studenten produziert.<br \/>\nIch bin mir zwar nicht ganz sicher, ob ich nicht einem Riesenschwindel aufliege, aber das geh\u00f6rt zum Risiko dazu. Ich werde (einige sehr liebe Freunde von mir helfen \u00fcbrigens mit, vielen Dank daf\u00fcr) Emmanuel auch noch das vierte Jahr bezahlen. Wenn schon, denn schon.<br \/>\nIch muss und will einfach darauf vertrauen, dass alles mit rechten Dingen zu geht.<\/p>\n<p>Wir kochen uns eine Riesenportion Nudeln mit Sauce, f\u00fcr die wir eine Basissauce gekauft haben, die jetzt mit Zwiebeln, Knoblauch, Paradeiser und Paprika verfeinert wird. Das macht ordentlich satt und f\u00fcr einen der Nachtw\u00e4chter, die in der Mitte vom Camp ein ordentliches Feuer errichtet haben, ist auch noch genug \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Es wirkt immer als w\u00e4re es schon lang nach Mitternacht als wir schlafen gehen. Dieser Eindruck t\u00e4uscht, es ist gerade mal halb elf, was unter anderem damit zusammen h\u00e4ngt, dass die Sonne schon um 18:30 untergeht.<br \/>\nIn der Nacht jaulen weit weg die Hy\u00e4nen und pl\u00f6tzlich l\u00e4sst sich auch Donnergrollen vernehmen. Es kommt langsam n\u00e4her und dann beginnt ein ordentliches Gewitter, das ca. drei Stunden andauert. Wir sind sehr froh, dass wir in einer komplett gesch\u00fctzten Unterkunft sind und nicht im Freien von diesem Regen erwischt werden.<br \/>\nAb morgen sieht das anders aus, da werden wir uns sehr gut \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob wir das gro\u00dfe Hauszelt aufstellen, in dem wir zur Not auch kochen und vor allem w\u00e4hrend eines l\u00e4ngeren Regengusses auch sitzen k\u00f6nnen.<br \/>\nHeute Nacht ist auf jeden Fall alles okay und wir freuen uns f\u00fcr die Natur und die Menschen, dass jetzt endlich etwas Regen kommt. James hat uns erz\u00e4hlt dass durch die lange Trockenheit schon einige K\u00fche der Maasai gestorben sind.<\/p>\n<p>Wieder geht ein langer Tag dem Ende zu und wir freuen uns schon sehr auf die Maasai Mara.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Au\u00dfer uns hat nur ein P\u00e4rchen auf der Makalia Falls Campsite \u00fcbernachtet. 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