{"id":2122,"date":"2017-04-20T07:19:12","date_gmt":"2017-04-20T06:19:12","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2122"},"modified":"2017-05-19T08:04:36","modified_gmt":"2017-05-19T07:04:36","slug":"wieder-in-afrika-tag-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wieder-in-afrika-tag-13\/","title":{"rendered":"Wieder in Afrika &#8211; Tag 13"},"content":{"rendered":"<p>Trotz Wind war es eine hei\u00dfe Nacht und ein paar Moskitos haben mich auch erwischt. Daf\u00fcr ist das Wetter wundersch\u00f6n, das Meer rauscht nur wenige Meter weit entfernt und in der K\u00fcche wird bereits eifrig das Fr\u00fchst\u00fcck vorbereitet.<br \/>\nWir haben in dem Haus drei Zimmer gemietet, was 135 Dollar pro Nacht kostet, ein gutes Fr\u00fchst\u00fcck inklusive. Dabei g\u00f6nnen wir uns den Luxus von Doppelbetten, um das Geld (bzw. ein klein wenig mehr) k\u00f6nnen auch drei P\u00e4rchen \u00fcbernachten. Das Haus ist traumhaft in Schuss und mehr oder weniger auf westlichen Standard gebracht. Gl\u00fccklicherweise gibt es keine Klimaanlage, aber es ist so gebaut, dass die Luft gut durchziehen kann und durch das Makuti-Dach wird eine Art nat\u00fcrliche Klimatisierung erreicht.<br \/>\nLeider muss diese Art von Dach ca. alle f\u00fcnf Jahre erneuert werden und deswegen k\u00f6nnen sich nur Reiche ein Makuti-Dach leisten. Alle anderen haben Wellblechd\u00e4cher.<br \/>\nDie weniger sch\u00f6ne Seite von Jambiani sind die zahlreichen Ruinen, die aus ca. 50 cm hohen Mauern bestehen. Es gibt hier ein Plot-Gesetz, nach dem man ein Grundst\u00fcck innerhalb einer gewissen Zeit entwickeln (bebauen) muss, weil es sonst dem Staat verf\u00e4llt. Der Bau von Grundmauern gen\u00fcgt aber scheinbar und so sieht das oft recht trist aus.<br \/>\nDie Stra\u00dfe durch den Ort ist eine Sandpiste, es gibt keine Stra\u00dfenbeleuchtung, die meisten H\u00e4user haben aber Strom, einige auch Wasser, das angeblich aus einer H\u00f6hle kommt, die einige Kilometer entfernt ist. \u00dcber Pumpen werden zwei Leitungen bedient, und je nachdem, ob beide Pumpen gerade funktionieren, hat man Wasser oder auch nicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr unser Fr\u00fchst\u00fcck und das Haus ist Asya verantwortlich, eine junge Frau aus dem Ort, die immer lustig ist und &#8222;Hau di iba d\u00b4Heisa&#8220; sagen kann. Wir haben mit ihr ausgemacht, dass wir gerne frische Fr\u00fcchte, Tee, Kaffee, Toast und Marmelade sowie ein gro\u00dfes Omelett mit Zwiebel, Paprika und Paradeiser h\u00e4tten. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/asye.jpg\" title=\"asye.jpg\" alt=\"asye.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Asya in der K\u00fcche<\/p>\n<p>Gespeist wird quasi am Strand vor dem Haus. Genau genommen ist das noch nicht der Strand, sondern eine Art erh\u00f6hter Terrasse, die aber auch aus Sand besteht plus Kokospalmen und diversen bunten Tropenpflanzen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/fr\u00fch.jpg\" title=\"fr\u00fch.jpg\" alt=\"fr\u00fch.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Thomy kurz bevor er sich ein ordentliches Fr\u00fchst\u00fcck reinhaut. Danach l\u00e4chelt er auch mehr.<\/p>\n<p>Wenn man durch eine kleine T\u00fcre und ein paar Stufen hinunter geht, ist man direkt am Strand. Die Flut kommt auch bis zu der kleinen Mauer, die hier alle H\u00e4user haben und ohne die es den Strand hier nicht mehr g\u00e4be. Das liegt am gestiegenen Meeresspiegel (ca. 20 cm seit 1900 und 1,5 cm seit 2014). Die Einheimischen haben vor einigen Jahren die Grundst\u00fccke am Strand an Wei\u00dfe verkauft, weil sie sich den Bau der Schutzmauern nicht h\u00e4tten leisten k\u00f6nnen. Sie sind in die zweite Reihe oder noch weiter nach hinten gezogen und deswegen stehen in der ersten Reihe jetzt lauter sehr sch\u00f6ne Ferienh\u00e4user plus ein paar Hotels, etliche weitere sind in Bau.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Es ist paradiesisch sch\u00f6n hier. Der bl\u00fctenwei\u00dfe Sandstrand, das luluwarme Meer, die Kokospalmen &#8211; und das alles mit nur 1-2 Stunden Zeitdifferenz. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/strand.jpg\" title=\"strand.jpg\" alt=\"strand.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Der Strand von Jambiani<\/p>\n<p>Leider sind wir vielleicht die letzten, die dieses traumhafte Haus mieten k\u00f6nnen. Es geh\u00f6rt einem Wiener P\u00e4rchen, die es aber nach 15 Jahren jetzt verkaufen, die ersten Interessenten sind schon in diesen Tagen zur Besichtigung gekommen. Der kolportierte Preis ist \u00fcbrigens 150.000 Dollar, eigentlich ein Schn\u00e4ppchen, da sich das Haus in erstklassigem Zustand befindet und 5 Schlafzimmer hat, jeweils mit Bad.<\/p>\n<p>Der Sandstrand selbst ist ca. zwanzig Kilometer lang und hat ein vorgelagertes Hausriff, das leider vor ein paar Jahren durch den El Ninjo hart getroffen wurde. Die meisten Korallen sind durch die Korallenbleiche zugrunde gegangen. Dazu morgen noch mehr.<\/p>\n<p>Wir lassen uns das Fr\u00fchst\u00fcck gut schmecken und beschlie\u00dfen, an diesem Tag einfach herumzuh\u00e4ngen. Daf\u00fcr bieten sich einige Strandliegen an, die unter Schirmen aus Makuti-Dach stehen, oder auch die praktische H\u00e4ngematte, die ich gleich in Beschlag nehme. Hier ist alles auf relaxen ausgelegt und das nehmen wir nach der anstrengenden Safari gerne in Anspruch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/hammock.jpg\" title=\"hammock.jpg\" alt=\"hammock.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die H\u00e4ngematte<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/matten.jpg\" title=\"matten.jpg\" alt=\"matten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die Liegen im Vorgarten<\/p>\n<p>Nur herumh\u00e4ngen und lesen (Thomy schafft ein ganzes Buch) wird aber auch fad und so beschlie\u00dfen wir einen kleinen Strandspaziergang. Ich schmiere mich dazu mit Sonnencreme ein, was ich hasse, weil das Zeug den ganzen Tag an mir klebt und wenn dann noch der Sand dazu kommt&#8230; nein, das werde ich nie m\u00f6gen, aber jetzt gibt es leider keine Alternative.<br \/>\nEs ist Mittagszeit und unglaublich hei\u00df. Deswegen sind wir auch die einzigen Idioten, die einen Strandspaziergang machen. In der Ferne ziehen ein paar Gewitterwolken auf, die allerdings auch dort bleiben, zumindest vorerst.<br \/>\nJambiani ist ein mehrere Kilometer lang gezogener Ort, am Strand befinden sich kleine Restaurants, Privath\u00e4user und Hotels bzw. Lodges. Einige davon haben ein Swimmingpool, insgesamt wirkt es jedoch nicht sehr entwickelt, wobei sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat. So wurde etwa die Asphaltstra\u00dfe erst vor kurzem bis nach Jambiani gef\u00fchrt, davor war es wesentlich schwerer zu erreichen.<br \/>\nAm Strand finden sich ebenfalls ein paar Ruinen, darunter das \u00e4lteste Hotel im Ort, das angeblich von seiner Struktur veraltet war und somit nicht mehr funktioniert hat.<\/p>\n<p>Als wir zur\u00fcckkommen treffen wir Juma, der gerade von seinem Rennrad steigt. Er hat ein T-Shirt vom Sport Nora in Hernals und ich bin gespannt, wie es dazu gekommen ist.<br \/>\nJuma ist eine Art Trainer, der hier in Sansibar Radfahrer trainiert, vor allem Jugendliche. Und er war schon ein oder zwei Mal in \u00d6sterreich bzw. hat auch eine Tour durch Europa gemacht.<br \/>\nEr ist ein lustiger Kerl, der eines der Zimmer bewohnt und meistens 2-3x am Tag trainieren geht. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/juma.jpg\" title=\"juma.jpg\" alt=\"juma.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Juma, mit echter Hernalser Kopfbedeckung<\/p>\n<p>Was er genau arbeitet und womit er sein Geld verdient, habe ich leider nicht eruieren k\u00f6nnen, aber er ist hier geboren und lebt zumindest jetzt hier. Bei seinem \u00d6sterreichbesuch war er Teil einer Gruppe von Rennradfahrern, die sich regelm\u00e4\u00dfig bei der L\u00f6wenbr\u00fccke (hei\u00dft in Wien auch &#8222;Schemerlbr\u00fccke&#8220;) in D\u00f6bling treffen und von dort aus Trainingstouren fahren, bis zu 200 Kilometer an guten Tagen. Sie haben das Motto &#8222;wir warten auf niemanden&#8220; und somit war klar: wer abreisst, ist weg.<br \/>\nJuma kannte damals keine Berge und irgendwann war er es, der zur\u00fcckblieb. &#8222;Ich war ziemlich fertig&#8220; meinte er. Da er sich in der Gegend (westlicher Wienerwald) nicht auskannte, wollte er irgendwie zur\u00fcck nach Wien finden &#8211; dass er dorthin musste, wusste er. Also fuhr er einfach drauflos bis er ein Schild fand, auf dem &#8222;Wien&#8220; geschrieben stand.<br \/>\nEr folgte dem Schild und fuhr auf die gro\u00dfe Stra\u00dfe, h\u00f6chst erfreut, wie gut und schnell diese zu befahren war. &#8222;Ich bin noch nie in meinem Leben so schnell mit dem Rad gefahren, die Stra\u00dfe war perfekt daf\u00fcr&#8220; meinte er. Und er wurde auch st\u00e4ndig von Autofahrern angefeuert, die beim \u00dcberholen das Fenster runterkurbelten und ihm etwas zuschrieen.<br \/>\nNach einiger Zeit kam dann ein Auto, das ihn abstoppte. Das stellte sich als eine Polizeistreife heraus, die von ihm wissen wollte, was zum Teufel er hier machte.<br \/>\n&#8222;Ich habe meine Radgruppe verloren und fahre jetzt zur\u00fcck nach Wien&#8220; meinte Juma. Er wurde dann aufgekl\u00e4rt, dass er sich auf der Autobahn bef\u00e4nde und dass das verboten sei. &#8222;Ich fahre immer auf der besten Stra\u00dfe, die es gibt. Bei uns in Sansibar machen das alle &#8211; Mopeds, Ochsenkarren, Lastw\u00e4gen und nat\u00fcrlich auch Radfahrer.&#8220;<br \/>\nDie \u00dcberholenden hatten ihn wohl doch nicht angefeuert &#8211; diese Erkenntnis kam Juma dann auch recht bald. Die Polizeistreife googelte dann nach dem Irren, der angeblich Radfahrer w\u00e4re, da sie ihn mangels Ausweis nicht ordentlich kontrollieren konnten. Nachdem klar wurde, dass seine Geschichte stimmt und einer der Polizisten auch schon einmal auf Sansibar Urlaub gemacht hatte, bekam er keine Strafe und wurde au\u00dferdem noch von der Polizei bis zur n\u00e4chsten Ausfahrt eskortiert.<br \/>\n&#8222;Ich mag \u00d6sterreich&#8220; meinte Juma und ich wusste, dass ich wieder eine gute afrikanische Geschichte geh\u00f6rt hatte.<br \/>\nJuma wirkt ein wenig naiv, das hat aber damit zu tun, dass das Leben in \u00d6sterreich so g\u00e4nzlich anders abl\u00e4uft als in Sansibar. Eines Tages ging Juma zum Billa einkaufen. Er sammelte die Ware in seinen Korb und ging zur Kassa. Die Kassiererin scannte alles ein und dann erschien der Preis von 19,50 Euro am Display.<br \/>\nJuma zog seine B\u00f6rse und meinte, er w\u00e4re bereit 6 Euro zu bezahlen. Die Dame an der Kassa war erstaunt und entgegnete, dass das ein fixer Preis sei und nicht verhandelbar. Also bot ihr Juma 8 Euro, um noch ein wenig erh\u00f6hen zu k\u00f6nnen (er hatte 10 Euro eingesteckt).<br \/>\nIrgendwann wurde ihm klar, dass das so nicht funktioniert und dass er wohl nur das mitnehmen kann, was dem Wert von 10 Euro entspricht. In Sansibar l\u00e4uft das nun einmal anders, da muss man immer bei allem verhandeln.<\/p>\n<p>Es gibt in Jambiani nur ganz wenig Infrastruktur, eine Handvoll kleiner L\u00e4den, in denen man das Allern\u00f6tigste f\u00fcr den Haushalt kaufen kann, auch Fruchts\u00e4fte, die wir dringend brauchen um unsere Sundowner zu mixen &#8211; wir hatten vorsichtshalber zwei Flaschen Kenya Cane mitgenommen, weil irgendjemand geschrieben hatte, dass man auf der rein muslimischen Insel keinen Alkohol bek\u00e4me, zumindest keinen Schnaps.<br \/>\nDie Fruchts\u00e4fte stellen sich als Nektar heraus, also eher wenig Fr\u00fcchte bei eher viel Wasser und Zucker, kein Vergleich mit dem, was man in Kenia bekommt.<br \/>\nBier erh\u00e4lt man in den Restaurants schon, bei manchen steht es aber nicht auf der Karte, weil es offiziell nicht erlaubt ist. <\/p>\n<p>Am Abend besuchen wir ein anderes Restaurant und merken, dass man Fisch scheinbar nur in kleinen St\u00fccken bekommt. Eigentlich wollten wir einen ganzen Fisch essen, den wir uns vorher zeigen und dann zubereiten lassen. Das funktioniert aber aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht. Fisch ja, ganze Fische nein. Dazu bekommt man Fritten, Reis und Gem\u00fcse &#8211; alles gut, aber ohne jede Raffinesse. Ich finde das schade, denn die Speisekarten sind leider sehr westlich orientiert und ich h\u00e4tte gerne das, was die Einheimischen essen.<br \/>\nZumindest heute sollte ich dazu leider keine Gelegenheit bekommen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Wind war es eine hei\u00dfe Nacht und ein paar Moskitos haben mich auch erwischt. Daf\u00fcr ist das Wetter wundersch\u00f6n, das Meer rauscht nur wenige Meter weit entfernt und in der K\u00fcche wird bereits eifrig das Fr\u00fchst\u00fcck vorbereitet. 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