{"id":2132,"date":"2017-04-21T07:58:08","date_gmt":"2017-04-21T06:58:08","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2132"},"modified":"2017-05-19T08:06:47","modified_gmt":"2017-05-19T07:06:47","slug":"wieder-in-afrika-tag-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wieder-in-afrika-tag-14\/","title":{"rendered":"Wieder in Afrika &#8211; Tag 14"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe das Gef\u00fchl, dass die Luftfeuchtigkeit von Tag zu Tag zunimmt. Gestern gab es auch einen kurzen Regenguss und hin und wieder Gewitterwolken. Asye meint, dass die Regenzeit wohl bald kommen w\u00fcrde, da die sonst \u00fcbliche Erfrischung nach einem Gewitter jetzt nicht mehr da w\u00e4re.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die Mosquitos, am ersten Abend fast keine, am zweiten sehr viele, in der dritten Nacht wieder etwas weniger. Leider schaffen sie es trotz eines sehr guten Netzes irgendwie hinein zu kommen. Sie warten dann auf der Innenseite des Netzes bis ich schlafen gehe. Dann h\u00f6re ich ein vielstimmiges Sirren vor allem von au\u00dferhalb des Netzes. Als es mir zu bl\u00f6d wird st\u00e4ndig auf Gelsenjagd zu gehen, hole ich mir einen Spray und r\u00e4uchere sie aus. Tierliebe darf Grenzen kennen.<br \/>\nZudem schmerzt eine Stelle am R\u00fccken, die ich gestern vergessen habe einzuschmieren. Die Sonne ist hier so stark, dass es ohne entsprechenden Sonnenschutzfaktor (30 aufw\u00e4rts) einfach nicht geht, vor allem f\u00fcr Bleichgesichter nach einem langen Winter.<\/p>\n<p><em>Exkurs: \u00d6kologie auf Sansibar<br \/>\nDie Menge an Plastikm\u00fcll ist hier nicht ganz so drastisch wie in Kenia, aber auch nicht sehr viel weniger. Vor allem am Strand liegt jede Menge davon herum, in erster Linie Plastikflaschen, alte Flip-Flops, Aludosen und noch einiges mehr. Ich habe niemand gesehen, der den M\u00fcll wegr\u00e4umen w\u00fcrde, nur vor den Ressorts rechen sie den Tang weg und vergraben ihn im Sand.<br \/>\nIch habe die Vermutung, dass das gleiche gilt wie in Kenia: Plastik ist irgendwie &#8222;not in their mind&#8220;, sie sehen es nicht oder es ist ihnen egal. Ich wei\u00df auch nicht, was sie mit ihrem Hausm\u00fcll machen &#8211; wahrscheinlich landet er auf einer Deponie oder wird einfach verbrannt.<br \/>\nIhr Wasser beziehen sie aus der omin\u00f6sen H\u00f6hle, von der ich schon berichtet habe. Der Strom kommt angeblich vom Festland und wird \u00fcber eine Untersee-Leitung auf die Insel gebracht. Wie er in Tansania erzeugt wird, konnte mir niemand sagen.<br \/>\nUmweltschutz ist kein wirkliches Thema, wenngleich sie immerhin f\u00fcr ihren Strand k\u00e4mpfen, indem sie die Parzellen in der ersten Reihe an finanzkr\u00e4ftige Ausl\u00e4nder verkauft haben. Allerdings d\u00fcrfen Ausl\u00e4nder hier kein Land besitzen und deswegen l\u00e4uft das \u00fcber Strohm\u00e4nner &#8211; unser Pandu ist z.B. so einer.<br \/>\nWas mir noch aufgefallen ist: Es gibt fast keine neuen Kokospalmen. Diese pr\u00e4gen sehr das Bild, aber die meisten sind schon relativ gro\u00df und somit \u00e4lter. Kokospalmen spenden nicht nur Schatten und liefern vielseitig verwendbare N\u00fcsse, sondern st\u00fctzen auch den Strand vor Auswaschung. Das wird in den n\u00e4chsten Jahren noch ein wichtiges Thema, nicht nur hier auf Sansibar.<\/em><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/m\u00fcll\" title=\"m\u00fcll\" alt=\"m\u00fcll\" \/><\/center><br \/>\nBild: M\u00fcll am Strand<\/p>\n<p>Heute ist Schnorcheln am Programm. Asye hat gute Kontakte zu Captain Dulla (eigentlich Abdullah) und ich bin schon sehr gespannt, wie die Lagune aussieht. Wir fahren mit einer Dhau hinaus, das ist immer wieder eine spannende Sache, denn die Einb\u00e4ume mit ihren zwei Auslegern fahren sich recht witzig. Am besten bedient man sie zu zweit und die Dinger sind immer noch so konstruiert wie schon vor hunderten von Jahren. Damals waren die Dhaus die einzigen Segelboote, die aufkreuzen konnten. Die Europ\u00e4er hatten dagegen keine Chance, weil sie immer nur mit dem Wind segeln konnten.<br \/>\nDie optimale Zeit ist zwischen Ebbe und Flut, in diesem Fall um 09:30 am Vormittag, also nach dem guten Fr\u00fchst\u00fcck.<br \/>\nIch habe meine eigene Taucherbrille mit (geschliffen wegen der Kurzsichtigkeit), aber keine Flossen. Dulla hat die gr\u00f6\u00dften mitgenommen, die er finden konnte, aber sie sind mir zu klein und nach einer halben Stunde ziehe ich sie aus und schnorchle einfach ohne Flossen weiter.<br \/>\nDas Meer ist ruhig und die 10 Dollar waren eine gute Investition. Ich sehe viele alte Korallenbl\u00f6cke, die abgestorben sind, aber von neuen Korallen wieder besiedelt werden. Zumindest an dieser Stelle in der Lagune sieht es gar nicht so schlecht aus, auch der Reichtum an Korallenfischen ist ganz okay, wenngleich auch nichts gegen das, was es fr\u00fcher gab.<br \/>\nIrgendwann f\u00e4ngt es zu regnen an, was beim Schnorcheln ein witziges Gef\u00fchl erzeugt, wenn der Regen auf den R\u00fccken prasselt. Es ist schon etwas mehr als nur ein kurzes Gewitter und als ich bei der Dhau auftauche, sehe ich Dulla wie er gerade gen\u00fcsslich Z\u00e4hne putzt. Sein Kollege h\u00e4lt derweilen unter dem Segel ein kleines Nickerchen, alles ist hier eigentlich immer entspannt, ober und unter Wasser.<br \/>\nEs gibt f\u00fcr die Schnorcheltour auch kein Zeitlimit, als ich genug habe, segeln wir einfach wieder zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Am Strand kann ich mir die Seaweed-Plantage genauer ansehen. Sie wirkt zum Teil nicht sehr gepflegt und auf Nachfrage erfahre ich, dass das sehr von dem Engagement der Frauen abh\u00e4ngt, ob eine Plantage gut oder schlecht betreut wird. Es handelt sich dabei um einer schwierige Aufgabe: kleine B\u00fcschel werden mit Nylonschn\u00fcren an l\u00e4ngsgespannte Tr\u00e4gerschn\u00fcre angebunden und wachsen dann bis zur Ernte. Kleine Ableger k\u00f6nnen als Setzlinge verwendet werden. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/seegras.jpg\" title=\"seegras.jpg\" alt=\"seegras.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Seetang-Plantage <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.03.16_Afrika\/gras.jpg\" title=\"gras.jpg\" alt=\"gras.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Einzelne Seaweed-B\u00fcschel<\/p>\n<p><em>Exkurs: Seaweed<br \/>\nMein Nachbar hat zuf\u00e4llig die Seetang-Projekte mit aufgebaut und mich \u00fcber die Hintergr\u00fcnde und Details aufgekl\u00e4rt. Ein Schweizer hat die Idee vor vielen Jahren nach Sansibar gebracht und l\u00e4ngere Zeit geforscht, bis er herausgefunden hatte, welche Seetangsorte wo am besten w\u00e4chst. Wobei &#8211; genau genommen sind es ja Algen.<br \/>\nDie gr\u00f6\u00dften Pflanzungen sind auf der n\u00f6rdlich gelegenen Insel Pemba, aber es gibt sie auch in Jambiani. Es arbeiten ca. 25.000 Frauen in der Seaweed-Industrie, insgesamt sch\u00e4tzt man, dass ca. 150.000 Menschen davon leben. Das ist eine Menge, doch leider ist dieses aufkeimende und eigentlich zukunftsweisende Gesch\u00e4ft durch die Meereserw\u00e4rmung ernsthaft gef\u00e4hrdet.<br \/>\nDie urspr\u00fcngliche Herausforderung bestand vor allem darin, dass die M\u00e4nner es nur sehr ungern sahen und tw. immer noch sehen, wenn die Frauen eigenst\u00e4ndig Geld verdienen. Es dauerte lang, bis hier erste Schritte m\u00f6glich waren und mit einem Boot zu den besseren Pflanzgr\u00fcnden hinausfahren d\u00fcrfen sie bis heute nicht. Reich werden sie ohnehin nicht &#8211; f\u00fcr ein Paket bekommen sie gerade mal 400 Shilling, das sind ca. 20 Euro-Cent.<br \/>\nEs ist jedoch nicht nur die Emanzipation der Frauen, auch das Potenzial des Seetangs selbst macht den Anbau h\u00f6chst sinnvoll. Er kann f\u00fcr viele verschiedene Stoffe als erstklassiger Ersatz dienen, nicht zuletzt f\u00fcr Palm\u00f6l. Hoffen wir, dass dies auch in Sansibar von den richtigen Leuten erkannt wird.<\/em><\/p>\n<p>Auch heute wird die Suche nach einem offenen und guten Restaurant zur Herausforderung. Wie immer gibt es Fisch nur in kleinen St\u00fccken und wir finden auch heraus, was dahinter steckt: In den K\u00fcchen haben sie meistens keinen Strom und nur einen ein- oder zweiflammigen Gaskocher. Sie sind logistisch einfach \u00fcberfordert.<br \/>\nTrotzdem essen wir gut und freuen uns auf den n\u00e4chsten Tag, an dem wir eine Spicefarm besichtigen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe das Gef\u00fchl, dass die Luftfeuchtigkeit von Tag zu Tag zunimmt. Gestern gab es auch einen kurzen Regenguss und hin und wieder Gewitterwolken. 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