{"id":2204,"date":"2017-07-16T13:11:38","date_gmt":"2017-07-16T12:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2204"},"modified":"2017-07-16T13:11:38","modified_gmt":"2017-07-16T12:11:38","slug":"sarajevo-2-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/sarajevo-2-tag\/","title":{"rendered":"Sarajevo, 2. Tag"},"content":{"rendered":"<p>Das Bett bequem, die Luft k\u00fchl und frisch &#8211; auch wenn es in Sarajevo tags\u00fcber im Sommer sehr hei\u00df ist, so k\u00fchlt es in der Nacht aufgrund der Seeh\u00f6he ausreichend ab, vor allem weil von den H\u00fcgeln k\u00fchle Luft hinabstreicht.<br \/>\nPeter hat mir f\u00fcr heute einen F\u00fchrer engagiert, er hei\u00dft ebenfalls Tarek und ist 21 Jahre alt. Er studiert an der Uni von Sarajevo und spricht ausreichend gut Englisch. Seinen eigenen Renault hat er seinem Vater geborgt, der damit nach Kroatien auf den Campingplatz gefahren ist. Wir fahren mit einem alten Polo mit 255.000 km herum, den er sich von seinem Gro\u00dfvater geborgt hat. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/tarek.jpg\" title=\"tarek.jpg\" alt=\"tarek.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Tarek, er studiert Jus und Wirtschaft<\/p>\n<p>Da mir mehr oder weniger wurscht ist, in welcher Sch\u00fcssel ich herumgefahren werde, steht einem spannenden Tag nichts im Wege.<br \/>\nIch erkenne schnell, dass Tarek ein guter Autofahrer und ein sehr netter Kerl, leider aber kein Fremdenf\u00fchrer ist. Er kann mich dorthin fahren, wo ich hin will und antwortet bereitwillig auf alle Fragen, sofern er die Antwort kennt, aber von sich aus erz\u00e4hlt er nichts.<br \/>\nDa ich fast keine Ahnung habe, was es in Sarajevo zu sehen gibt, versuche ich ihm Sehensw\u00fcrdigkeiten zu entlocken. Das klappt einigerma\u00dfen und so machen wir uns auf den Weg zum &#8222;Tunnel of Hope&#8220;.<br \/>\nSarajewo war ja von 1992 bis 1995 fast 3,5 Jahre lang belagert &#8211; etwas, das ich damals nicht so mitbekommen habe, da die Medien nur bruchst\u00fcckhaft berichtet haben. Hin und wieder hat der Fritz Orter seinen zerzausten Lockenkopf in die Kamera gehalten und die eine oder andere Schreckensnachricht gebracht, aber so richtig verstanden habe ich erst zwanzig Jahre sp\u00e4ter, was da passiert ist. Die schon erw\u00e4hnte Doku hat ausf\u00fchrlich gezeigt, welchen Wahnsinn die EinwohnerInnen dieser alten Kulturstadt aushalten mussten.<br \/>\nIch komme noch einmal auf das Kochl\u00f6ffelbeispiel zur\u00fcck: Nur die untere Spitze des Stiels war damals die r\u00e4umliche Verbindung zu Bosnien-Herzegowina, alles andere rundherum war von den Serben besetzt. Sie platzierten auf den H\u00fcgeln rund um die Stadt ihre Armee und die Artillerie schoss bequem ihre Granaten in die Stadt hinunter. Das hatte verheerende Folgen, denn man musste immer und \u00fcberall darauf gefasst sein von einer Granate getroffen oder erschossen zu werden. Daf\u00fcr gab es die Sniper, die serbischen Scharfsch\u00fctzen, die auch gerne Kinder und Frauen auf\u00b4s Korn nahmen.<br \/>\nAuch Tareks Vater wurde von einem Sniper erwischt, der ihm von hinten in den Hals schoss. Die Kugel ist dann in seinem Mund explodiert, interessanterweise hat er das \u00fcberlebt und ist nach inzwischen neun plastischen Operationen wieder einigerma\u00dfen hergestellt. Er sp\u00fcrt halt seinen Unterkiefer nicht und braucht ein bisschen mehr Urlaub als andere Menschen, vor allem weil er einen anstrengenden Management-Job hat, deswegen auch der sommerliche ausf\u00fchrliche Aufenthalt in Kroatien am Meer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Tarek mir das alles erz\u00e4hlt, erreichen wir das Museum, das f\u00fcr den Tunnel gebaut wurde. Weil die Stadt ja eingeschlossen war und man den genau in der L\u00fccke liegenden Flughafen nicht oder nur mit sehr gro\u00dfem Risiko \u00fcberqueren konnte, beschloss man einen Tunnel zu bauen. Das gelang tats\u00e4chlich und so konnte \u00fcber l\u00e4ngere Zeit ein gewisser unentdeckter Waren- und Personentransfer durchgef\u00fchrt werden. Man baute Schienen in den niedrigen Tunnel und p\u00f6lzte Decke und W\u00e4nde mit dem ab, was gerade zur Verf\u00fcgung stand. Kleine W\u00e4gelchen waren als Krankentrage ausgef\u00fchrt oder als Warentransportmittel. Lustigerweise wurden die Eing\u00e4nge lange Zeit nicht entdeckt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/runway.jpg\" title=\"runway.jpg\" alt=\"runway.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 2: Das leuchtende Band quer dr\u00fcber ist der Tunnelverlauf<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/tunnel.jpg\" title=\"tunnel.jpg\" alt=\"tunnel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 3: Der nachgebaute Tunnel<\/p>\n<p>Heute steht ungef\u00e4hr an der Stelle des s\u00fcdlichen Ausgangs ein kleines Museum und man hat ca. 15 Meter des Tunnels nachgebaut, so dass die Besucher das Feeling einigerma\u00dfen nachvollziehen k\u00f6nnen. Es gibt Video-Installationen und im Garten des Grundst\u00fccks auf der Wiese eine kleine Ausstellung \u00fcber Minen und Sprengfallen.<br \/>\nIch sehe mir das alles an und entdecke eine Wasserpumpe (um den Stollen freizuhalten) der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck, hergestellt von Rosenberger. Das ist alles nicht lange her, echt nicht lang.<br \/>\nNeben dem Museum ist ein geschotterter Platz, den man als Parkplatz ben\u00fctzen kann. Dort steht ein Typ herum, der Geld daf\u00fcr kassiert. Tarek meint, er ist sich \u00fcberhaupt nicht sicher, ob der offiziell dort steht oder einfach nur eine unbesetzte Einkommensquelle entdeckt hat. Egal, das Geld ist es mir wert.<br \/>\nDanach fahren wir nicht weit an den Fu\u00df des s\u00fcdlichen H\u00fcgels &#8211; eigentlich ein Berg, an dessen Fu\u00df ein Park ist, in dem die Quelle des Flusses Bosna zu sehen ist, der f\u00fcr das Land namensgebend ist. Auch dort gibt es einen Parkw\u00e4chter, also genau genommen zwei, einen f\u00fcr den Parkplatz und einen am Eingang zum Park, beide sind zu bezahlen, wenngleich es sich hier um Summen wie einen oder zwei Euro handelt.<br \/>\nDer Tag ist jetzt schon hei\u00df und wir sind froh unter die k\u00fchlen B\u00e4ume des Parks zu kommen. Dort ist es wirklich sehr angenehm und es gibt auch eine nette Anzahl an Besuchern, vor allem Familien, die den hei\u00dfen Tag zum Teil hier verbringen.<br \/>\nDie Quelle ist beeindruckend, das Wasser sehr k\u00fchl und die gesamte Atmosph\u00e4re ausgesprochen einladend. In den zahlreichen Teichen schwimmen Schw\u00e4ne und es gibt Bankerln, auf denen man sich ausruhen kann.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/Quelle.jpg\" title=\"Quelle.jpg\" alt=\"Quelle.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 4: Die Quelle ist gro\u00df und flie\u00dft stark<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/teich.jpg\" title=\"teich.jpg\" alt=\"teich.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: Die Teiche haben glasklares Wasser, Schw\u00e4ne erg\u00e4nzen die Idylle<\/p>\n<p>Tarek erz\u00e4hlt mir, dass er bald mit ein paar Freunden nach Griechenland auf Urlaub fahren wird, seine Freundin d\u00fcrfe leider nicht mitfahren, weil ihr strenger Vater das verbietet &#8211; vollj\u00e4hrig hin oder her.<br \/>\nJungen Menschen haben es generell nicht leicht, denn die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Perspektiven daf\u00fcr niedrig. Tarek meint, dass er es nach dem Studium ev. mit Hilfe seines Vaters schaffen wird einen Job zu finden. &#8222;Prinzipiell kann jeder einen Job finden, aber dann arbeitest du als fertiger Akademiker oder Facharbeiter halt als Kellner&#8220;, erz\u00e4hlt er mir am Weg zur\u00fcck in die Stadt.<br \/>\nDeswegen gehen viele junge Leute nach Deutschland, weil sie dort als KrankenpflegerIn um die 1.600 Euro verdienen, hier allerdings nur 300 bis 400, bei zwar geringeren Lebenserhaltungskosten, aber der Unterschied ist trotzdem betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Wir fahren am Fluss auf der gro\u00dfen Hauptstra\u00dfe (der schon erw\u00e4hnten Sniper Alley) in Richtung Altstadt. Neben uns f\u00e4hrt die Stra\u00dfenbahn, die Triebw\u00e4gen und Waggons sind aus verschiedenen L\u00e4ndern zusammengeschnorrt, auch die eine oder andere Wiener Garnitur f\u00e4hrt hier herum. Das ist mit den Autos und den O-Bussen nicht anders, Bosnien war und ist der Wiederverwertungsort f\u00fcr ausgemusterte Technik aus ganz Europa. Nur bei den Autos haben sie einen Riegel vorgeschoben, die d\u00fcrfen f\u00fcr den Import nicht mehr \u00e4lter als zehn Jahre sein. Mit Abgaswerten oder so d\u00fcrfte das nichts zu tun haben, das spielt de facto keine Rolle, ebenso wie der technische Zustand der Autos generell. Da ist Bosnien noch viele Jahre hinter dem EU-Standard.<br \/>\nDie meisten Leute hier fahren \u00fcbrigens recht r\u00fccksichtsvoll und die neu gebauten Stra\u00dfen oder Kreisverkehre sehen aus wie bei uns &#8211; viel wurde und wird \u00fcbrigens mit EU-Geld gebaut, so wie das ca. 25 km lange Autobahnst\u00fcck von Sarajevo Richtung Mostar, das genau dort aufh\u00f6rt, wo die Berge und Schluchten beginnen. Diese Autobahn ist mautpflichtig und somit fast immer leer. Sie waren aber so schlau den letzten, bei Sarajevo gebauten Teil mautfrei zu machen, so dass die Menschen dieses St\u00fcck gratis ben\u00fctzen d\u00fcrfen &#8211; schlauer als bei uns in Wien, wo die Nordbr\u00fccke nur mit Pickerl zu befahren ist.<\/p>\n<p>Geparkt wird allerdings \u00fcberall und irgendwo, auf Gehsteigen, Gr\u00fcnstreifen, im Kreuzungsbereich &#8211; ein Ticket kostet umgerechnet 40 Mark und wenn man es binnen sieben Tagen bezahlt nur die H\u00e4lfte, da bleiben also 10 Euro \u00fcbrig, das ist f\u00fcr viele bequemer als sich umst\u00e4ndlich einen freien Parkplatz zu suchen oder auf einen kostenpflichtigen zu fahren. Die Polizei ist meistens recht entspannt, mein Bruder berichtet, dass sie ihn, wenn er mit der Suzuki f\u00e4hrt, noch anfeuern, dass er schneller fahren soll.<br \/>\nRoller oder Motorr\u00e4der gibt es fast keine, ich habe gerade mal eine einzige Vespa gesehen, die Motorr\u00e4der waren meist Tourenfahrer aus Europa. Auch Fahrr\u00e4der gibt es wenige und wenn, dann nur unten am Talgrund. Die Stra\u00dfen hinauf auf die H\u00fcgel sind steil bis unglaublich steil, hier werden erst E-Bikes eine Ver\u00e4nderung bringen und das wird vermutlich noch dauern. Bis dahin staut man fr\u00f6hlich durch die oft sehr engen Gassen und alle fahren mit dem Auto. Die Stadt w\u00e4chst die H\u00fcgel hinauf und alle, die sich hier neu ansiedeln, tun das mit Auto und Garage.<\/p>\n<p>Wir parken auf einem der Parkpl\u00e4tze linksseitig des Flusses. Genau gegen\u00fcber ist die Bibliothek, die von den Serben in Brand gesteckt wurde. Dabei wurden ca. 2 Millionen B\u00fccher und Schriften vernichtet, viele davon waren uralte Einzelst\u00fccke, in Summe war dies die Bosnische Geschichte, die von den Serben erfolgreich ausradiert wurde, eine Art konzentrierte B\u00fccherverbrennung.<br \/>\nNachdem die Bibliothek jahrelang als Ruine herumstand, wurde sie vor ein paar Jahren sehr aufw\u00e4ndig wieder aufgebaut. Es sieht etwas kitschig aus, ist in Summe aber stimmig. Heute befindet sich darin keine Bibliothek mehr, es gibt Ausstellungen und Konferenzr\u00e4ume.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/libro.jpg\" title=\"libro.jpg\" alt=\"libro.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 6: Die wiederaufgebaute Bibliothek<\/p>\n<p>Interessanterweise ist mir ein Haus aufgefallen, das genau neben unserem Parkplatz steht und irgendwie sehr nett aussieht. Ich habe erst sp\u00e4ter erfahren, dass es eine bewegte Geschichte im w\u00f6rtlichen Sinne hat. Es stand n\u00e4mlich fr\u00fcher dort, wo jetzt die Bibliothek steht und der damalige Besitzer weigerte sich es zu verkaufen. Man h\u00e4tte ihn einfach davonjagen k\u00f6nnen, aber in der k.u.k-Monarchie gab es Gesetze, die jedem das gleiche Recht einr\u00e4umten. Also konnte er nicht einfach enteignet werden und man bot ihm an, das Haus auf die andere Seite hin\u00fcber zu versetzen. Auf dieses Angebot ging er schlie\u00dflich ein und heute ist das Haus ein schmuckes Restaurant.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/inat.jpg\" title=\"inat.jpg\" alt=\"inat.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 7: Inat Kuca, das kleine Restaurant gegen\u00fcber der Bibliothek<\/p>\n<p>Dann marschieren wir in die Altstadt. Im muslimischen Teil gibt es besonders viele Moscheen und einen Bazar, der allerdings sehr touristisch ausgelegt ist. Man kann hier vor allem Kupfergegenst\u00e4nde kaufen, ein Stand reiht sich an den n\u00e4chsten. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/tand.jpg\" title=\"tand.jpg\" alt=\"tand.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 8: Alles was der Touristen Herz begehrt<\/p>\n<p>Es gibt aber auch einen uralten Bazar in einer Halle, allerdings findet man auch dort Gucci-Handtaschen und fast echte Rolex-Uhren. Jede Menge kleine Restaurants reihen sich in einer langen Stra\u00dfe aneinander, die als Fu\u00dfg\u00e4ngerzone angelegt ist. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/viertel.jpg\" title=\"viertel.jpg\" alt=\"viertel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 9: Die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone mit Einkehrm\u00f6glichkeit ohne Ende<\/p>\n<p>In der Altstadt gibt es fast keine Plattenbauten und sie wurde im Krieg auch wesentlich weniger kaputtgeschossen. Trotzdem finden sich noch an jedem f\u00fcnften Haus Einschussl\u00f6cher der Maschinengewehrsalven. Die unz\u00e4hligen Granattrichter wurden aber gro\u00dfteils ausgebessert, die Stellen sind aber oft noch gut sichtbar. Es muss grauenvoll gewesen sein, die Sch\u00e4ndung einer uralten und sehr sch\u00f6nen Stadt.<br \/>\nEs ist sehr hei\u00df und an einem zentralen Platz gibt es eines der Wahrzeichen von Sarajevo, einen holzverkleideten Brunnen mit Trinkwasser. Dort sehe ich auch die einzige Ansammlung an verschleierten Frauen, es d\u00fcrfte sich um arabische Touristinnen handeln, von denen es ja hier jede Menge gibt. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/brunnen.jpg\" title=\"brunnen.jpg\" alt=\"brunnen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 10: Der Brunnen<\/p>\n<p>Wir schlendern durch die Gassen und erreichen den Teil der Altstadt, der stark an Wien erinnert &#8211; Gr\u00fcnderzeith\u00e4user, Pflastersteine, Caf\u00e9s &#8211; in eines davon setzen wir uns und beobachten bei einem Meinl-Kaffee die zahlreichen Vorbeischlendernden. Es gibt an jeder Ecke Eis zu kaufen, bei den Palatschinken zeigt sich allerdings, dass Jugoslawien seinerzeit zu Recht zum Ostblock gerechnet werden konnte. Es gibt sie mit Nutella (mag ich nicht) oder mit Marmelade. Das mag ich, au\u00dfer Erdbeermarmelade. Der Kellner sinniert kurz und meint dann, es g\u00e4be nur eine Marmelade, n\u00e4mlich &#8222;mixed&#8220; und da w\u00e4re auch Erdbeer drin. Also lasse ich es. (Die Geschichte geht sp\u00e4ter noch weiter.)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/cafe.jpg\" title=\"cafe.jpg\" alt=\"cafe.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 11: Weil es sehr hei\u00df ist, verspr\u00fcht man Wasserdampf zur K\u00fchlung.<\/p>\n<p>Gleich um\u00b4s Eck befindet sich eine weitere Markthalle aus der \u00f6sterreichischen Zeit, die vor kurzem renoviert wurde. Dort wird vor allem Fleisch verkauft.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/halle.jpg\" title=\"halle.jpg\" alt=\"halle.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 12: Die Fleischhalle<\/p>\n<p>Nur wenige Meter weiter, etwas versteckt im ersten Stock eines alten Hauses, befindet sich das Genozid-Museum. Man muss l\u00e4uten, dann wird ge\u00f6ffnet und in einer gro\u00dfen ehemaligen Wohnung befindet sich das Museum, das man jedoch nur mit guten Nerven besichtigen sollte. Betrieben wird es von drei Studenten, die \u00fcber die Gr\u00e4ueltaten im Krieg ihre Abschlussarbeit an der Uni geschrieben und dann gleich in die Praxis umgesetzt haben. Es kostet wohlfeile 10 Mark (also 5 Euro, Tarek muss als F\u00fchrer nichts bezahlen) Eintritt und beherbergt eine Vielzahl an Artefakten und Schautafeln, vor allem \u00fcber die zahllosen Kriegsverbrechen, die im ganzen Land begangen wurden. Die Tafel mit den Konzentrationslagern (mehrere hundert in ganz Bosnien-Herzegowina) ist beeindruckend und ich merke, wie viel ich bisher nicht wusste. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/lager.jpg\" title=\"lager.jpg\" alt=\"lager.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 13: Die Standorte der Lager<\/p>\n<p>Das galt schon vor Jahren f\u00fcr die Genozid-Museen in Kambodscha und Ruanda, dieser B\u00fcrgerkrieg fand jedoch vor unserer Haust\u00fcre statt, mehr oder weniger.<br \/>\nEs gibt ersch\u00fctternde Videos und das gesamte Museum ist sehr sorgf\u00e4ltig aufgebaut. Ich kann seinen Besuch durchaus empfehlen. Die wirklich schrecklichen Bilder von Folter, Verst\u00fcmmelung und den zahlreichen Massengr\u00e4bern erspare ich meinen LeserInnen jedoch an dieser Stelle.<br \/>\nDer Staat Bosnien hat \u00fcbrigens kein Museum \u00fcber die Zeit und unterst\u00fctzt die drei Studenten auch nicht, was ich pers\u00f6nlich f\u00fcr eine Schande halte.<\/p>\n<p>Hier sehen wir auch den Stabilisator der Granate, die 1993 auf einem zentralen Gem\u00fcsem\u00e4rkte in der Altstadt eingeschlagen ist und 60 Menschen get\u00f6tet und Unz\u00e4hlige verletzt hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/granate.jpg\" title=\"granate.jpg\" alt=\"granate.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 14: Der Stabilisator der Granate<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/markt.jpg\" title=\"markt.jpg\" alt=\"markt.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 15: Der Markt wurde wieder aufgebaut, ist heute aktiv und \u00fcberdacht<\/p>\n<p>Wer Lust hat, kann sich ein Post-it schnappen und eine Botschaft drauf schreiben und den Zettel dann an die Wand pinnen:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/zettel.jpg\" title=\"zettel.jpg\" alt=\"zettel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 16: Zahlreiche bunte Zettel zeugen von der Anteilnahme der BesucherInnen<\/p>\n<p>Eine katholische Kirche, daneben eine serbisch-orthodoxe, daneben eine Moschee und ich glaube, eine Synagoge haben sich auch noch &#8211; das ist Sarajevo, Jahrhunderte lang ein Ort f\u00fcr alle, jedenfalls bis in die 1990er-Jahre.<br \/>\nWir marschieren weiter, nachdem ich im Internet den Ort des Attentats von 1914 herausgefunden habe &#8211; Tarek wusste das n\u00e4mlich nicht. Er befindet sich bei einer Br\u00fccke am Fluss und ist nicht sehr spektakul\u00e4r. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/bruecke.jpg\" title=\"bruecke.jpg\" alt=\"bruecke.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 17: Die Br\u00fccke und das Museum<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahrzehnte wurden immer wieder Heldenmonumente f\u00fcr den Attent\u00e4ter Gavrilo Princip aufgestellt und wieder abmontiert. Heute steht dort eine Glasplatte, auf der ein Monument abgebildet ist. Und an der Ecke gibt es ein kleines Museum und das war es dann auch schon, obwohl hier nat\u00fcrlich europ\u00e4ische Geschichte geschrieben wurde, wenn auch auf sehr unr\u00fchmliche Art. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/princip.jpg\" title=\"princip.jpg\" alt=\"princip.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 18: Die Tafel, die an das Attentat erinnert<\/p>\n<p>Dazu f\u00e4llt mir folgende Geschichte ein:<\/p>\n<p>Der arme Mann w\u00fcnscht sich so sehnlich eine Fee herbei, die ihm drei W\u00fcnsche erf\u00fcllen kann. Pl\u00f6tzlich ein Knall &#8211; vor ihm steht tats\u00e4chlich eine Fee und gew\u00e4hrt ihm die drei W\u00fcnsche.<br \/>\n&#8222;Also, ich m\u00f6chte ein sch\u00f6ner Prinz sein und eine sch\u00f6ne Prinzessin zur Frau haben und in einem gro\u00dfen Schloss m\u00f6chte ich wohnen.&#8220;<br \/>\nEin weiterer Knall &#8211; und der Mann wacht auf in einem riesigen Himmelbett in einem riesigen Schloss. Die T\u00fcre geht auf, eine sch\u00f6ne Prinzessin kommt herein und sagt:<br \/>\n&#8222;Aufstehn, Franz-Ferdinand, heut m\u00fcss\u00b4 ma nach Sarajevo!&#8220;<\/p>\n<p>Um 14:30 fahren wir dann noch hinauf auf einen der H\u00fcgel, der am Ende des Talkessels liegt. Vorbei am Friedhof, auf dem Izedbegovic, der erste bosnische Pr\u00e4sident nach dem Krieg, begraben liegt, geht es steil bergan bis auf die H\u00fcgelkuppe, wo ein nettes Kaffeehaus liegt, von dem aus man einen grandiosen Blick \u00fcber die Stadt hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/blick.jpg\" title=\"blick.jpg\" alt=\"blick.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 19: Gestatten: Sarajevo<\/p>\n<p>Am Heimweg besuche ich dann noch die Bibliothek, die am Vormittag wegen eines Staatsbesuches gesperrt war. Die Architektur innen ist beeidruckend.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.07_Sarajevo\/biblio.jpg\" title=\"biblio.jpg\" alt=\"biblio.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 20: Innenansicht &#8211; das muss seinerzeit als Bibliothek auch grandios gewesen sein.<\/p>\n<p>Den sp\u00e4teren Nachmittag ruhe ich mich bei Peter im Haus aus und verarbeite die vielen Eindr\u00fccke dieser interessanten Stadt. Am Abend beschlie\u00dfen wir die Reste der Grillerei vom Vortag aufzufuttern &#8211; da ist noch mehr als reichlich vorhanden, auch die \u00dcppigkeit ist ein Teil Bosniens.<br \/>\nEs ist ruhig hier, nur die Kinder der Araber aus dem Nachbarhaus d\u00fcrfen bis Mitternacht im Freien spielen und machen entsprechenden Krawall. Irgendwann ist auch das vorbei und ich genie\u00dfe meine zweite Nacht in Bosnien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bett bequem, die Luft k\u00fchl und frisch &#8211; auch wenn es in Sarajevo tags\u00fcber im Sommer sehr hei\u00df ist, so k\u00fchlt es in der Nacht aufgrund der Seeh\u00f6he ausreichend ab, vor allem weil von den H\u00fcgeln k\u00fchle Luft hinabstreicht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-2204","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reiseberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2204"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2295,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2204\/revisions\/2295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}