{"id":2296,"date":"2017-07-17T19:35:35","date_gmt":"2017-07-17T18:35:35","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2296"},"modified":"2017-07-17T19:35:35","modified_gmt":"2017-07-17T18:35:35","slug":"sarajevo-3-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/sarajevo-3-tag\/","title":{"rendered":"Sarajevo, 3. Tag"},"content":{"rendered":"<p>Heute geht es nach Mostar. Viel wei\u00df ich nicht von dieser Stadt, nur dass es eine alte Br\u00fccke gegeben hat, die im Krieg zerschossen und danach wieder aufgebaut wurde. Nicht sehr \u00fcppig, aber das kann sich ja heute \u00e4ndern.<br \/>\nWeil Peters alter T4-Bus schon \u00fcber 300.000 km am Buckel hat und gerne etwas hei\u00df wird, mieten wir uns einen Skoda Rapid, der kann alles, was wir brauchen, um bequem nach Mostar zu kommen, das ca. 160 km entfernt ist.<br \/>\nWir brechen schon um 7 Uhr auf, um die K\u00fchle des Morgens mitnehmen zu k\u00f6nnen und der Beginn der Fahrt f\u00fchrt uns \u00fcber das brandneue St\u00fcck Autobahn. Die Gegend sieht aus wie die Steiermark, nur die Dichte der Golf-2-Modelle ist ungleich h\u00f6her oder so wie in den fr\u00fchen 1990-er Jahren in der Steiermark.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/sara.jpg\" title=\"sara.jpg\" alt=\"sara.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Autobahn bei Sarajevo<\/p>\n<p>Die Autobahn endet an den Schluchten des Balkan. Sie sehen so aus wie man sie sich aus den Karl-May-B\u00fcchern vorstellt und hinter jeder Ecke k\u00f6nnte der Schut auftauchen.<br \/>\nDe facto tauchen nur Autos auf, die daf\u00fcr aber gerne mal die Kurve schneiden. Die Stra\u00dfe ist aber gut ausgebaut, wenngleich man als Motorradfahrer aufpassen muss, weil die alten Kisten gerne \u00d6l verlieren und da liegst du schneller als du &#8222;Shit&#8220; sagen kannst.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/schlucht.jpg\" title=\"schlucht.jpg\" alt=\"schlucht.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 2: Weiter geht es auf der Landstra\u00dfe durch die Schluchten des Balkan<\/p>\n<p>Von Sarajevo nach Mostar k\u00f6nnte man auch mit dem Skateboard fahren, denn es geht st\u00e4ndig nur bergab. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt durch die Schluchten immer an Fl\u00fcssen entlang, die mehr oder weniger st\u00e4ndig aufgestaut sind. Ich wei\u00df nicht wie viel Strom sie erzeugen, aber angeblich wird Mostar mit solchem Strom versorgt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/stausee.jpg\" title=\"stausee.jpg\" alt=\"stausee.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 3: Einer der vielen Stauseen<\/p>\n<p>Hier eine Autobahn zu bauen w\u00e4re so irrwitzig teuer und w\u00fcrde unfassbare Zerst\u00f6rung der Landschaft bedeuten, dass ich ganz froh bin, dass dies nicht gebaut wird. Es geht auch ohne, denn nach 2 bis 2,5 Stunden ist man auch so am Ziel.<br \/>\nDie Schluchten h\u00f6ren ganz pl\u00f6tzlich auf und \u00f6ffnen eine weite Hochebene, in die mehrere T\u00e4ler zusammenkommen. Ganz pl\u00f6tzlich \u00e4ndert sich auch das Klima, es wird sofort w\u00e4rmer, die Landschaft ist karstig und trocken. Auch hier sieht man die uralte Vermischung der Kulturen, in manchen D\u00f6rfern dominiert eine kleine Kirche, in anderen wieder eine Moschee. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/flach.jpg\" title=\"flach.jpg\" alt=\"flach.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 4: Kurz vor Mostar<\/p>\n<p>Wir erreichen Mostar und Peter sucht einen Weg durch die Stadt, um m\u00f6glichst nah der Altstadt einen Parkplatz zu finden. Da auch diese Stadt im Krieg ordentlich was abbekommen hat, sehen wir jede Menge Ruinen, aber auch ein palastartiges Geb\u00e4ude, von dem ich nicht genau herausfinden konnte, was sein Zweck ist, ich sch\u00e4tze eine Beh\u00f6rde ist dort einquartiert. Sch\u00f6n und h\u00e4sslich liegen hier nah beeinander.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/palast.jpg\" title=\"palast.jpg\" alt=\"palast.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: Top restauriert erinnert der Stil an die Bibliothek in Sarajevo<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/ruine.jpg\" title=\"ruine.jpg\" alt=\"ruine.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 6: Ruinen und davor der obligate 2er-Golf<\/p>\n<p>Viel Verkehr ist nicht und wir finden einen kleinen Parkplatz, auf dem noch was frei ist. Das Haus daneben ist eines von den zerschossenen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/loecher.jpg\" title=\"loecher.jpg\" alt=\"loecher.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 7: Man sieht einen ausgebesserten Granateinschlag und zahllose Maschinengewehrsalven<\/p>\n<p>Als wir aussteigen kommt ein Typ auf uns zu, der sich als lokaler Fremdenf\u00fchrer herausstellt. Er h\u00e4ngt hier ab und wartet bis Touristen kommen, denen er eine Tour aufschwatzen m\u00f6chte.<br \/>\nDa Peter zwar schon \u00f6fter hier war, selbst aber auch nicht alle Infos hat, willigen wir ein und gehen los. Alen Kuko hei\u00dft unser F\u00fchrer, hat viele Jahre in Deutschland gelebt und spricht flie\u00dfend Deutsch. Er berichtet auch vom Krieg und zeigt sein Ohr, von dem ein kleines St\u00fcck fehlt, das ihm im Krieg angeblich von einem Granatsplitter abgeschossen wurde. 220.000 Menschen seien damals in ganz Bosnien umgekommen, davon 5.000 in Mostar, das heute ca. 120.000 EinwohnerInnen hat. Er selbst war damals 15 Jahre alt.<br \/>\n70 Mark soll die F\u00fchrung kosten, was ein durchaus stolzer Preis f\u00fcr die dortigen Verh\u00e4ltnisse ist. Alen meint, er h\u00e4tte hungrige Kinder zu ern\u00e4hren und m\u00fcsste all das Geld im Sommer verdienen. Soll sein.<br \/>\nWir marschieren an einem schnuckeligen Hotel vorbei, in dem Peter meist \u00fcbernachtet, wenn er beruflich in Mostar ist. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/hotel.jpg\" title=\"hotel.jpg\" alt=\"hotel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 8: Das alte, aber sehr gute Hotel<\/p>\n<p>Daneben ist die &#8222;Crooked Brigde&#8220;, eine uralte Br\u00fccke, die es schon vor der legend\u00e4ren anderen Br\u00fccke gab. Dieser Teil der Altstadt war im Krieg sehr kaputt, wurde aber wieder sehr sch\u00f6n aufgebaut.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/crooked.jpg\" title=\"crooked.jpg\" alt=\"crooked.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 9: Die alte Crooked Bridge<\/p>\n<p>Dann marschieren wir durch einen kleinen Basar mit Touristenzeugs zur gro\u00dfen Br\u00fccke. Sie wird von zwei kleinen Wehrt\u00fcrmen geflankt und ist wahrhaftig eine Sehensw\u00fcrdigkeit. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/turm.jpg\" title=\"turm.jpg\" alt=\"turm.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 10: Blick von der Br\u00fccke auf einen der T\u00fcrme, die auch wieder aufgebaut wurden.<\/p>\n<p>\u00dcber der eigentlichen Pflasterung liegen Steinleisten quer, die fr\u00fcher den Pferden als Rutschsicherung gedient haben, meint unser F\u00fchrer. Er kann erkennen, ob es ein Einheimischer ist, der \u00fcber die Br\u00fccke geht oder ein Tourist &#8211; erstere gehen auf den Leisten, letztere dazwischen. Peter und ich gehen jetzt nur mehr auf den Leisten und machen die obligaten Fotos. Wir sind relativ fr\u00fch dran und daher ist die Br\u00fccke zwar nicht leer, aber auch nicht so voll wie etwas sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/stufen.jpg\" title=\"stufen.jpg\" alt=\"stufen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 11: Die Querleisten auf der Br\u00fccke<\/p>\n<p>Es gibt die Br\u00fcckenspringer &#8211; das sind junge M\u00e4nner, die sich 30 Euro von irgendwelchen Touristen bezahlen lassen, damit sie von der Br\u00fccke 25 Meter in die Tiefe springen. Da gerade niemand das zahlen will, sehen wir keinen springen.<br \/>\nDie Br\u00fccke selbst wurde im Krieg von den Kroaten gesprengt und von 2002 bis 2004 von den T\u00fcrken wieder aufgebaut, davor gab es eine provisorische H\u00e4ngebr\u00fccke.<br \/>\nVor dem Krieg gab es in Mostar 1\/3 Kroaten, 1\/3 Moslems und 1\/3 orthodoxe Serben. Letztere gibt es jetzt fast nicht mehr, auch Juden gibt es hier nur wenige.<br \/>\nAuf der anderen Seite f\u00fchrt uns Alen in eine spezielles Lokal, das in einer gro\u00dfen Felsh\u00f6hle liegt. Dort w\u00e4re es auch an hei\u00dfen Tagen sehr k\u00fchl, da sie dort aber laute Disko-Musik spielen, gehen wir wieder zur\u00fcck \u00fcber die Br\u00fccke, um ein nettes, schattiges Caf\u00e9 (Kaffee Karma, mit Gratis-WLAN) unterhalb der gro\u00dfen Br\u00fccke zu suchen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/bar.jpg\" title=\"bar.jpg\" alt=\"bar.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 12: Die Disko in der H\u00f6hle<\/p>\n<p>Dort lassen wir Alen noch ein wenig erz\u00e4hlen, wobei er jetzt schon etwas hin- und herzappelt und wir den Verdacht haben, dass er zur\u00fcck zum Parkplatz m\u00f6chte, um neue Touristen zu finden.<br \/>\nDieser Verdacht stellt sich als richtig heraus, er meint, dass wir den Rest selbst ansehen k\u00f6nnten und 45 Minuten eh schon vorbei w\u00e4ren. Au\u00dferdem meint er, dass wir ihm ruhig 100 Mark geben k\u00f6nnten.<br \/>\nLeider merkt er nicht, dass er den Bogen gerade \u00fcberspannt. Wir geben ihm die versprochenen 70 Mark und er trollt sich. Leider k\u00f6nnen wir ihn somit nur bedingt weiterempfehlen. Ob dieses Gesch\u00e4ftsmodell schlau ist, d\u00fcrfen andere bewerten.<\/p>\n<p>Wir trinken noch unseren guten Kaffee aus und marschieren wieder \u00fcber die Br\u00fccke, um die dahinter liegende Moschee zu finden, auf deren Minarett man angeblich steigen kann. Der Weg durch die Altstadt ist von unz\u00e4hligen Ramschbuden ges\u00e4umt, in Summe aber recht malerisch. In und vor den Gesch\u00e4ften sitzen meist junge Verk\u00e4uferinnen und pflegen sich zu langweilen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/moschee.jpg\" title=\"moschee.jpg\" alt=\"moschee.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 13: Die gesuchte Moschee<\/p>\n<p>Es hat inzwischen 37 Grad und wir finden die Moschee, die man um 6 Euro besichtigen kann. Dass wir Ungl\u00e4ubige sind spielt keine Rolle, denn in der Moschee wurde ein Bereich abgegrenzt, den man betreten darf ohne die Schuhe ausziehen zu m\u00fcssen. Das Innere der Moschee reist mir nix aus, aber auch sie ist ein Nachbau, inklusive dem besteigbaren Minarett.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/moschee2.jpg\" title=\"moschee2.jpg\" alt=\"moschee2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 14: In der Moschee<\/p>\n<p>Die Wendeltreppe ist superschmal, zwei Leute k\u00f6nnen unm\u00f6glich aneinander vorbei und es gibt genau genommen auch keine Ausweichm\u00f6glichkeit. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/aufgang.jpg\" title=\"aufgang.jpg\" alt=\"aufgang.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 15: Die enge Wendeltreppe hinauf auf\u00b4s Minarett<\/p>\n<p>Wir haben aber das Gl\u00fcck, dass gerade niemand hinabsteigt und erreichen die kleine Plattform. F\u00fcr mich ist das auch deswegen interessant, weil ich noch nie auf einem Minarett war. Ich kann aber gut verstehen, dass ein Aufseufzen durch die muslimische Welt ging, als die Lautsprecher erfunden wurden. Davor musste jeder Muezzin f\u00fcnf Mal am Tag dort hinauf koffern, um von oben sein Gebet runterzubr\u00fcllen. Heute dr\u00fcckt er von unten bequem auf einen Knopf und oben schallt es heraus.<br \/>\nDas, was da schallt, ist \u00fcbrigens immer das Gleiche, und zwar geht das so:<\/p>\n<p>&#8211; Allah is the Greatest. (4x)<br \/>\n&#8211; I bear witness that there is no god except Allah. (2x)<br \/>\n&#8211; I bear witness that Muhammad is the messenger of Allah. (2x)<br \/>\n&#8211; Come to prayer. (2x)<br \/>\n&#8211; Come for salvation. (2x)<br \/>\n&#8211; Allah is the Greatest. (2x)<br \/>\n&#8211; There is no god except Allah. <\/p>\n<p>Der Neuigkeitswert h\u00e4lt sich in Grenzen, wenn du dir das 5x am Tag und das wiederum jeden Tag anh\u00f6ren musst. Au\u00dferdem kommt mir der Verdacht, dass die Typen selbst nicht glauben, dass es nur einen Gott gibt. Warum wiederholen sie es sonst so oft?<br \/>\nDer Blick hinunter auf die Br\u00fccke von Mostar ist jedenfalls fantastisch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/blick.jpg\" title=\"blick.jpg\" alt=\"blick.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 16: Blick vom Minarett hinunter<\/p>\n<p>Wir marschieren wieder runter und g\u00f6nnen uns eine kleine Pause in dem netten und schattigen Garten der Moschee. Auch hier gibt es wieder einen Trinkbrunnen, das ist eine der angenehmen Seiten des Islam.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/brunnen.jpg\" title=\"brunnen.jpg\" alt=\"brunnen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 17: Einer von vielen Brunnen im Garten einer Moschee<\/p>\n<p>Die in Sarajevo gekauften Converse waren \u00fcbrigens eine erstklassige Wahl, sie sind \u00e4u\u00dferst bequem und ich schwitze darin weniger als in den super-antitranspirant-hightech-Geox-Latschen, viel weniger sogar.<br \/>\nEs ist 12:30 und machen wir uns auf den Weg zur\u00fcck. F\u00fcr Mostar brauchst du zwei Stunden, dann hast du alles gesehen, mehr gibt es nicht wirklich. Deswegen ist das auch ein so beliebtes Ausflugsziel bei den Touristen von der dalmatinischen K\u00fcste, weil man es schnell und ohne gro\u00dfen Aufwand erledigen kann.<br \/>\nMinarette gibt es jedenfalls gen\u00fcgend hier in Mostar.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/minarette.jpg\" title=\"minarette.jpg\" alt=\"minarette.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 18: Wo bei uns Kircht\u00fcrme stehen, sind dort Minarette<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt ist angenehm und unspektakul\u00e4r, der Verkehr h\u00e4lt sich in Grenzen und wir machen noch einen Halt an einem der vielen Stauseen, um zu baden. Das Wasser ist k\u00fchl und erfrischend und der am Ufer wachsende Feigenbaum hat zwar Fr\u00fcchte, die sind aber ungenie\u00dfbar. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/see.jpg\" title=\"see.jpg\" alt=\"see.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 19: Stausee mit Badem\u00f6glichkeit<\/p>\n<p>Die Zikaden machen mediterranen L\u00e4rm und wir bekommen langsam Hunger, den wir in einem der zahlreichen Lokale befriedigen k\u00f6nnen, die am Stra\u00dfenrand liegen, meist mit Blick auf einen Stausee.<br \/>\nDort drehen sich riesige Spie\u00dfe mit kleinen, unschuldigen L\u00e4mmern, die als lokale Spezialit\u00e4t angeboten werden. Dazu gibt es interessante Salatvarianten und das \u00fcbliche Fladenbrot. Es ist etwas teurer, aber sehr gut und wir sind schlie\u00dflich erstens im Urlaub, zweitens ist es f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse immer noch billig und drittens befinden wir uns in so etwas wie einer Autobahnrastst\u00e4tte.<br \/>\nKurz vor der Autobahn kaufe ich bei einem Tankstopp von einem H\u00e4ndler am Stra\u00dfenrand noch zwei Gl\u00e4ser mit Honig und bin schon gespannt, wie er schmeckt. Angeblich ist er lokal erzeugt und kostet 5 Euro pro Kilo. <\/p>\n<p>Die Fahrt ist kurzweilig und ich kann noch ein paar Heumandln fotografieren, die es bei uns schon l\u00e4nger nicht mehr gibt. Hier ist auch die Landwirtschaft vor allem in den Bergen ein paar Jahre oder Jahrzehnte hinterher. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/heu.jpg\" title=\"heu.jpg\" alt=\"heu.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 20: Heumandln, bei uns sind das inzwischen in Plastik eingeschwei\u00dfte Riesenrollen.<\/p>\n<p>Dann sind wir wieder in Sarajevo und ruhen uns erst mal aus, denn wir wollen am Abend noch in die Stadt fahren und uns ein gutes Bier g\u00f6nnen oder zwei.<br \/>\nIn Bosnien l\u00e4uft alles ein wenig gem\u00fctlicher ab und der Autovermieter hat keine Zeit den Skoda abzuholen, daher machen wir uns locker f\u00fcr morgen Vormittag die \u00dcbergabe aus. Wir k\u00f6nnen also mit dem kleinen Auto in die Stadt fahren und m\u00fcssen nicht die VW-Bus-Kiste nehmen.<br \/>\nEs geht wieder vorbei an den immer noch zerschossenen Plattenbauten, in denen die nicht so wohlhabenden Leute wohnen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/kaputt.jpg\" title=\"kaputt.jpg\" alt=\"kaputt.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 21: Ein Granateinschlag und zahlreiche Einsch\u00fcsse sind gut sichtbar, sie wirken wie Narben im Gesicht der Stadt<\/p>\n<p>Bosnien ist nicht besonders reich an Bodensch\u00e4tzen, auch Landwirtschaft ist eher kleinfl\u00e4chig m\u00f6glich, es gibt Holz, Wasser, ein bisschen Wein und Honig, aber im gro\u00dfen und ganzen sind wir hier im eher kargen Balkan. Daher ist auch die Arbeitslosigkeit hoch und der Wunsch vieler Menschen, irgendwo im Ausland das Gl\u00fcck zu versuchen und dann in der Pension wieder hier zu leben &#8211; so wie das die Nachbarn machen, genau gegen\u00fcber, in ihrem mehrst\u00f6ckigen Haus. Sarajevo ist nicht unangenehm, durch die H\u00f6henlage ist das Klima aushaltbar, nur im Winter haben sie &#8211; \u00e4hnlich wie Wien &#8211; \u00f6fter Inversionslage mit schlechter Luft. Da musste vor einiger Zeit sogar der Autoverkehr eingeschr\u00e4nkt werden, was sie aufgrund der hohen Motorisierung doch trifft.<\/p>\n<p>Heute ist es aber sch\u00f6n und wir parken in einem Parkhaus mitten in der Altstadt, was f\u00fcr den gesamten Abend ca. 5 Euro kostet. Eine Bekannte hat uns zwei Lokaltipps gegeben, der erste scheitert daran, dass es kein Bier gibt. Also marschieren wir in den &#8222;christlichen&#8220; Teil und setzen uns in ein Pub, also genau genommen davor in den Gastgarten. Auf der Stra\u00dfe fahren aufgemotzte BMW und VW vorbei, m\u00f6glichst laut, mit t\u00e4towierten Testosteronis drinnen, ganz wie bei uns.<br \/>\nDas Bier ist gut und wir genie\u00dfen den lauen Abend. Danach marschieren wir noch beim &#8222;ewigen Feuer&#8220; vorbei, das am Ende der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone an einer Hausecke brennt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/feuer.jpg\" title=\"feuer.jpg\" alt=\"feuer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 22: Guido am Feuer<\/p>\n<p>Ach ja &#8211; hier sehe ich, wie anders die Uhren gehen. In Wien verhandle ich mit dem Magistrat usw. \u00fcber Gehsteig-Mindestbreiten. Dar\u00fcber k\u00f6nnen die hier maximal schmunzeln.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/gehsteig.jpg\" title=\"gehsteig.jpg\" alt=\"gehsteig.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 23: DAS ist ein schmaler Gehsteig. Wenn der Bewohner ein Fenster aufmacht, muss er sich vorher vergewissern, dass keine Bim kommt.<\/p>\n<p>Die H\u00e4user erinnern an Wien und nicht nur in einem ist unten eine Raiffeisenbank oder ein dm-Markt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/alteshaus.jpg\" title=\"alteshaus.jpg\" alt=\"alteshaus.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 24: Eines von vielen alten H\u00e4usern mit sch\u00f6ner Fassade<\/p>\n<p>Nicht weit davon der zweite Lokaltipp, der sich als Volltreffer herausstellen sollte. Eine kleine Bar &#8211; oder nennen wir es einfach &#8222;Lokal&#8220;, es ist so speziell, dass ich es schwer beschreiben kann.<br \/>\nWir treten ein, die wenigen Tische in gem\u00fctlichen Ecken sind besetzt, es ist eng hier herin, aber auf den ersten Blick gem\u00fctlich. Gerade mal vor der Theke ist ein Tisch nur mit einem wei\u00dfhaarigen Herrn besetzt, doch der steht auf und deutet uns, dass wir den Tisch haben k\u00f6nnen. Er schaut unendlich m\u00fcrrisch drein und als gelernter Wiener habe ich den Verdacht, dass es sich dabei um den Chef handelt. Die entz\u00fcckende Kellnerin best\u00e4tigt das, w\u00e4hrend sich der Wei\u00dfhaarige trollt.<br \/>\nDas Lokal hei\u00dft &#8222;Zlatna Ribica&#8220; und d\u00fcrfte international nicht ganz unbekannt sein &#8211; auch auf Facebook ist es zu finden. Es ist ein bisschen wie ein Wohnzimmer, \u00fcberf\u00fcllt mit tausenden Gegenst\u00e4nden, die \u00fcberall herumstehen. Das Auge ist \u00fcberfordert, irgendwo spielen sie auf Bildschirmen uralte Filme und es gibt keinen Gegenstand zwei Mal. Wenn du drei Bier bestellst, bekommst du sie in verschiedenen Gl\u00e4sern. Auch die Untersetzer sind verschieden. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/bar1.jpg\" title=\"bar1.jpg\" alt=\"bar1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 25: F\u00fcr\u00b4s Auge<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/bar3.jpg\" title=\"bar3.jpg\" alt=\"bar3.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 26: In einem alten Radio ist der Bildschirm, von dem aus sie MP3s spielen<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/tesla.jpg\" title=\"tesla.jpg\" alt=\"tesla.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 27: Zuerst dachte ich schon, sie haben ein Bild von Gavrilo Princip aufgeh\u00e4ngt, aber die Kellnerin kl\u00e4rte mich dann auf, dass es Nicola Tesla ist.<\/p>\n<p>Der optische Irrsinn l\u00e4sst deine eigenen Gedanken wirr werden, ich bestelle das erste Mal in meinem Leben Walnusslik\u00f6r (&#8222;Orahovac&#8220; steht auf der Rechnung), keine Ahnung warum. Er wird in kleinen Zinnbechern serviert, alles ist irgendwie unfassbar schr\u00e4g.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/bar2.jpg\" title=\"bar2.jpg\" alt=\"bar2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 28: Getr\u00e4nke<\/p>\n<p>Selbst das WC wirkt wie einem LSD-Tripp entsprungen, vielleicht ist es das ja auch. Es gibt einen winzigen Fernseher und jede Menge Toilette-Artikel, woher auch immer. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.08_Sarajevo\/bar4.jpg\" title=\"bar4.jpg\" alt=\"bar4.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 29: Das WC, mit Fernseher und sonst noch so einigem<\/p>\n<p>Und das Zlatna Ribica ist extrem kommunikativ. Nach kurzer Zeit setzt sich ein d\u00e4nisches P\u00e4rchen zu uns, mit dem wir uns l\u00e4ngere Zeit ausgezeichnet unterhalten. Die Themen und die Gedanken sind so vielf\u00e4ltig wie das Lokal, als wir rausmarschieren ist es auf einmal nach Mitternacht.<br \/>\nWenn man das Zlatna Ribica googelt, so findet man unter dem gleichen Namen auch ein Fachgesch\u00e4ft f\u00fcr Fischereizubeh\u00f6r, ein Restaurant in Serbien, eine Raiffeisenbank in Kroatien und wahrscheinlich noch viel anderes Unerwartetes &#8211; irgendwie ist das stimmig. Einmal eingefangen, ist nicht klar, ob man sich in einem Wohnzimmer befindet oder in einem Lokal, irgendwie wechselt das dauernd. Ich kann es am ehesten mit dem Kleinsasserhof am Millst\u00e4dtersee vergleichen, der hat einen \u00e4hnlichen Spirit, allerdings l\u00e4ngst nicht so gem\u00fctlich.<br \/>\nWer einen Abend in der Altstadt von Sarajevo verbringt, sollte dorthin gehen, am besten zum Abh\u00e4ngen, ohne Stress und mit guter Laune. Wir jedenfalls fahren bestens gelaunt nach Hause und verbringen eine angenehme Nacht, denn in der letzten gab es ein ordentliches Gewitter, heute ist es aber trocken und ich freue mich auf den letzten Tag, den Sonntag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute geht es nach Mostar. Viel wei\u00df ich nicht von dieser Stadt, nur dass es eine alte Br\u00fccke gegeben hat, die im Krieg zerschossen und danach wieder aufgebaut wurde. Nicht sehr \u00fcppig, aber das kann sich ja heute \u00e4ndern. 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