{"id":2305,"date":"2017-07-18T17:12:28","date_gmt":"2017-07-18T16:12:28","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2305"},"modified":"2017-07-18T17:17:51","modified_gmt":"2017-07-18T16:17:51","slug":"sarajevo-4-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/sarajevo-4-tag\/","title":{"rendered":"Sarajevo, 4. Tag"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Tag bricht an und wir haben uns vorgenommen ihn gem\u00fctlich anzugehen. Ein bisschen Restwirkung vom Vorabend ist noch zu sp\u00fcren, aber nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck brechen wir auf um den Leihwagen in der N\u00e4he des Flughafens zur\u00fcckzubringen. Dann fahren wir mit dem Bus weiter hinauf in die Berge, genauer gesagt w\u00fcrde ich gerne die Reste der alten Bobbahn von den olympischen Winterspielen 1984 sehen &#8211; das waren \u00fcbrigens die aus \u00f6sterr. Sicht medaillenm\u00e4\u00dfig schlechteste aller Zeiten, wir haben gerade mal eine Bronzene gemacht, ich glaube in der Herren-Abfahrt oder so.<\/p>\n<p>Wir fahren durch den serbischen Teil von Sarajevo und dann steil in die Berge hinauf. Das Land ist hier sehr l\u00e4ndlich, mit Feldern und kleinen Weihern, Nadelw\u00e4ldern und kleinen T\u00e4lern.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/berge.jpg\" title=\"berge.jpg\" alt=\"berge.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Der Berg im Hintergrund ist ca. 1.500 Meter hoch und dort fand ein Teil der Alpinbewerbe statt. Man kann heute noch Skifahren, es gibt einige Liftanlagen und mein Bruder hat es im Winter schon ausprobiert.<\/p>\n<p>Der Bus wird wieder ein bissl hei\u00df, aber schon naht ein gro\u00dfer Parkplatz mit einem neuen Restaurant. Daneben stehen ca. f\u00fcnf Meter der alten Bobbahn. &#8222;Mehr gibt es davon nicht mehr zu sehen&#8220; meint Peter, ich bin mir aber nicht sicher, dass das wirklich so ist.<br \/>\nAlso fahren wir ein St\u00fcck links eine asphaltierte Stra\u00dfe hinunter, einem anderen Auto folgend. Nach ca. 200 Metern ein weiterer Parkplatz und da ist sie, die alte Bobbahn, ungef\u00e4hr so wie ich sie mir vorgestellt habe. Im Krieg war dort eine Frontlinie und es wurde ordentlich gek\u00e4mpft, kaputt d\u00fcrfte sie aber schon vorher gewesen sein. Nach dem Ende der olympischen Spiele war nicht mehr viel los in Sarajevo und auch die Sportst\u00e4tten wurden nicht mehr gut erhalten.<br \/>\nW\u00e4hrend Peter ein l\u00e4ngeres Telefonat mit seinem Schatzi f\u00fchrt, entere ich die Bobbahn und gehe bergab. Ich bin noch nie in einer Bobbahn gegangen und finde das irgendwie lustig. Die Sonne knallt schon ziemlich runter, es wird heute wieder ein sehr hei\u00dfer Tag, hier gibt es aber immer wieder schattige Abschnitte. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/bob1.jpg\" title=\"bob1.jpg\" alt=\"bob1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 2: Links im Bild die gro\u00dfe Bob-Bahn, daneben eine f\u00fcr Rodeln oder Skeleton oder was auch immer. <\/p>\n<p>Die Bahn sieht nicht vollkommen zerst\u00f6rt aus, wobei die Schaumstoff-Isolierung nur mehr bruchst\u00fcckhaft zu sehen ist. Hier wird wohl nie wieder ein Bob hinunter fahren.<br \/>\nEs gibt mehrere Verzweigungen und ich entdecke, dass es offensichtlich mehrere verschiedene Bahnen gab. (Recherchen ergeben, dass es die einzige Bahn der Welt mit drei Strecken war.) Hinter einer Kurve h\u00f6re ich ein Klopfen. Es stammt von einem jungen Mann, der an der Bobbahn arbeitet. Ich frage ihn was er da macht und erfahre, dass die Bobbahn von ihm und einer Anzahl Kollegen wieder befahrbar gemacht wird, allerdings nur f\u00fcr Trainingsfahrten im Sommer. Sie f\u00fcllen die Ritzen mit Zement und klopfen die Bahn nach losen Stellen ab. Er meint, dass sie fast fertig w\u00e4ren und sich schon sehr auf das Fahren freuen w\u00fcrden. Die bosnische Regierung unterst\u00fctzt sie genau gar nicht, sie machen das alles in ihrer Freizeit und unentgeltlich. Sie wollen einfach wieder besser Bobfahren k\u00f6nnen und dazu brauchen sie eine gut erreichbare Trainingsstrecke.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/bob2.jpg\" title=\"bob2.jpg\" alt=\"bob2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 3: Der junge Mann beim Ausbessern der Bahn. Sein Englisch war tadellos und es war ein sehr angenehmes Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/bob3.jpg\" title=\"bob3.jpg\" alt=\"bob3.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 4: Eine der ausgebesserten Stellen. Die Bahn wird mit Zement wieder glatt und f\u00fcr Sommertraining befahrbar gemacht.<\/p>\n<p>Auch das ist Bosnien, hier tut sich was und ich erinnere mich an das Genozid-Museum, das ebenfalls von jungen Studenten in Eigenregie aufgebaut wurde und erhalten wird.<br \/>\nIch w\u00fcnsche dem jungen Mann viel Erfolg und wandere weiter. Die Bahn geht in vielen Kurven talw\u00e4rts und ich komme beim R\u00fcckweg ganz ordentlich ins Schwitzen. Ein Seitenast ist schon ziemlich \u00fcberwachsen, hin und wieder marschieren andere Besucher \u00fcber die Bahn und ich erinnere mich an die Warnung meines Bruders, einfach so in den Wald hinein zu gehen, da es immer wieder Minenunf\u00e4lle gibt. Gl\u00fccklicherweise hat \u00d6sterreich vor ein paar Jahren z\u00e4hneknirschend zugestimmt keine Anti-Personen-Minen mehr zu bauen. Davor haben wir an dem einen oder anderen zerfetzten bosnischen Kind sehr gut verdient und ich kann das Argument &#8222;Wenn wir es nicht bauen und verkaufen, dann verdient wer anderer das Geld&#8220; nicht mehr h\u00f6ren, echt nicht.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/bob4.jpg\" title=\"bob4.jpg\" alt=\"bob4.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: Eine Stelle, an der sich die Natur die Bahn langsam zur\u00fcck holt. Immerhin ist der Bau schon 34 Jahre her.<\/p>\n<p>Ich kann den Besuch der alten Bobbahn empfehlen, es herrscht eine eigene Stimmung dort im Wald auf der H\u00f6he und zeigt einen ganz anderen Blick auf Sarajevo.<br \/>\nBeim Hinunterfahren zeigt mir mein Bruder noch die Stellungen, von denen die Serben damals die Stadt unter Beschuss nahmen. Ein paar Ruinen stehen noch dort, daneben gibt es eine moderne Sommerrodelbahn.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/blick.jpg\" title=\"blick.jpg\" alt=\"blick.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 6: Der Blick hinunter auf die Stadt.<\/p>\n<p>Als wir wieder in Peters Haus sind, fehlt mir Bewegung. Also vertrete ich mir noch ein wenig die Beine und marschiere den H\u00fcgel bergauf. Die Stra\u00dfen sind unfassbar steil, so etwas w\u00e4re bei uns nicht m\u00f6glich und ich habe nicht die geringste Idee wie die das im Winter machen, wenn viel Schnee liegt. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/steil.jpg\" title=\"steil.jpg\" alt=\"steil.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 7: Die Steilheit ist am Bild nicht so gut zu erkennen, aber es ist sehr steil.<\/p>\n<p>Links und rechts ist alles voll mit Einfamilienh\u00e4usern, es sieht ein bisschen aus wie am Klosterneuburger \u00d6lberg, nur sind die H\u00e4user weniger protzig, es gibt halbfertige Buden, Rohbauten, dazwischen die eine oder andere kleine Moschee, Ruinen, aber auch sehr sch\u00f6ne H\u00e4user. Bauvorschriften d\u00fcrfte es hier nicht geben, es baut jeder was er will und wie er will &#8211; nur das rote Ziegeldach, das haben alle gemeinsam, wenngleich die alte Regel (Giebeldach Christen, Pyramidenf\u00f6rmiges Dach Muslime) nicht mehr gilt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/friedhof.jpg\" title=\"friedhof.jpg\" alt=\"friedhof.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 8: Einer der zahlreichen kleinen Friedh\u00f6fe. Die muslimischen kann man daran erkennen, dass alle Grabsteine wei\u00dfe Stelen sind. Dieser d\u00fcrfte nicht sehr gepflegt sein.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/rohbau.jpg\" title=\"rohbau.jpg\" alt=\"rohbau.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 9: Ein typischer Rohbau, wie man ihn am ganzen Balkan findet. Niemand wei\u00df, ob dieses Haus jemals fertig gebaut wird. Das Auto davor ist auch typisch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/blumen.jpg\" title=\"blumen.jpg\" alt=\"blumen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 10: Moschee, Rohbau, Blumen in einem gepflegten Vorgarten &#8211; die Mischung ist typisch f\u00fcr die H\u00fcgelkette rund um Sarajevo.<\/p>\n<p>Ich wandere bis zum Grat hinauf, wo eine kleine Stra\u00dfe verl\u00e4uft. Direkt dahinter ist Sarajevo zu Ende, auf der anderen Seite f\u00e4llt der H\u00fcgel relativ steil ab und ich sehe hinten ein riesiges Gewitter aufziehen. Noch schnell ein paar Fotos von einer Ecke, die von Zigeunern bewohnt sein d\u00fcrfte, die gibt es relativ h\u00e4ufig in Bosnien.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/wolken.jpg\" title=\"wolken.jpg\" alt=\"wolken.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 11: Schwere Wolken ziehen auf, vor mir ein Autowrack und hinten eine M\u00fcllhalde. Das ist auch Bosnien.<\/p>\n<p>Dann marschiere ich wieder zur\u00fcck und ruhe mich den Rest des Nachmittags ein wenig aus. Am Abend wollen wir mit einer Kollegin von Peter auf einen der H\u00fcgel in ein besonders gutes Restaurant fahren. Ich freu mich schon drauf!<\/p>\n<p>Besagtes Restaurant h\u00e4lt was es verspricht. Es gibt &#8211; leicht zu erraten &#8211; wieder Fleisch, diesmal Pleskjavica mit Pita und Salat, alles hervorragend. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/essen.jpg\" title=\"essen.jpg\" alt=\"essen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 12: Mahlzeit!<\/p>\n<p>\u00dcber den Abend gibt es sonst nichts zu berichten und ich werde diesen Blog auch mit dieser Eintragung beschlie\u00dfen, denn es gibt auch \u00fcber den n\u00e4chsten Tag nichts Aufregendes zu berichten. Mein Bruder f\u00fchrt mich auf den Flughafen, der Check-in mittels Handy funktioniert gut, der Flughafen ist klein und hat nur f\u00fcnf Gates in einer Abflughalle, was aber vollkommen ausreichend ist.<br \/>\nWieder fliegen ausgesprochen viele Kinder mit, von 6 bis 14 Uhr gehen insgesamt 9 Fl\u00fcge, das ist \u00fcberschaubar.<br \/>\nDer Flug selbst ist okay, der Pilot berichtet uns, dass es in Wien heiter ist bei 21 Grad. Als wir um neun Uhr landen, hat es 25 Grad und sch\u00fcttet in Str\u00f6men. Als ich das Flughafengeb\u00e4ude verlasse hat der Regenguss jedoch gerade aufgeh\u00f6rt und ich kann einigerma\u00dfen trocken mit dem Roller nach Hause fahren.<\/p>\n<p>Mein Fazit: In Sarajevo sollte man einmal gewesen sein. Eine ganze Woche muss es nicht sein, aber die knapp vier Tage waren ideal, um alles zu sehen, was wichtig ist. Die Preise sind g\u00fcnstig und es gibt eine Welt zu entdecken, die ich in dieser Form sonst noch nirgends erlebt habe. Vielleicht komme ich ja einmal wieder.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2017.07.09_Sarajevo\/tuer.jpg\" title=\"tuer.jpg\" alt=\"tuer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 13: Ein so genanntes &#8222;Schwiegermuttert\u00fcrl&#8220;, hier in der bosnischen Variante. Irgendwie auch ein passendes Abschlussbild zu dieser Reise, keine Ahnung warum. Vielleicht einfach nur, weil es das letzte war, das ich aufgenommen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Tag bricht an und wir haben uns vorgenommen ihn gem\u00fctlich anzugehen. Ein bisschen Restwirkung vom Vorabend ist noch zu sp\u00fcren, aber nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck brechen wir auf um den Leihwagen in der N\u00e4he des Flughafens zur\u00fcckzubringen. 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