{"id":2409,"date":"2018-01-22T17:35:59","date_gmt":"2018-01-22T16:35:59","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2409"},"modified":"2018-01-22T17:35:59","modified_gmt":"2018-01-22T16:35:59","slug":"neues-von-der-geplanten-obsoleszenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/neues-von-der-geplanten-obsoleszenz\/","title":{"rendered":"Neues von der geplanten Obsoleszenz"},"content":{"rendered":"<p>Geplante Obsoleszenz bedeutet nicht immer, dass der Hersteller eine bewusste Sollbruchstelle einbaut, die nach einer gewissen, geplanten Zeit das Ger\u00e4t so funktionsunf\u00e4hig macht, dass der Besitzer ein neues kaufen muss.<br \/>\nEs geht auch subtiler.<br \/>\nMein erstes Beispiel heute ist der Langhaarschneider, den ich seit vielen Jahren besitze und der mir immer treue Dienste geleistet hat. Seit ein paar Jahren kann ich ihn nicht mehr nur per Akku betreiben, weil eben dieser Akku schon zu schwach geworden ist.<br \/>\nDas macht aber nichts, ich stecke ihn halt \u00fcber das Ladeger\u00e4t an und schon habe ich volle Leistung.<\/p>\n<p>Bis neulich. Da ging auf einmal nichts mehr, oder besser: nur mehr dann und wann. Ich fand heraus, dass das Kabel irgendwo in der N\u00e4he des Steckers einen Wackelkontakt haben muss, denn wenn ich daran wackle, funktioniert es manchmal und manchmal nicht.<br \/>\nIch habe das Ladeger\u00e4t samt Kabel immer sorgsam behandelt und es ist auch sehr robust gebaut. Trotzdem funktionierte es nur mehr, wenn ich das Kabel in einem gewissen Winkel abknickte und dann fest hielt. Auf die Dauer keine L\u00f6sung.<br \/>\nAlso zerlegte ich das Ger\u00e4t, was sich als keine leichte Aufgabe erwies, denn das Zerlegen ist nicht vorgesehen. Man kann es trotzdem tun, aber dann brechen kleine Plastiklaschen ab, die daf\u00fcr verantwortlich sind, dass die beiden Geh\u00e4useh\u00e4lften nicht auseinander fallen.<br \/>\nDie Hersteller sparen so Geld, weil sie keine Metallschrauben verwenden und bezahlen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Am ersten Bild sieht man das zerlegte Ger\u00e4t, das aus nur wenigen Teilen besteht: Das zweiteilige Geh\u00e4use, eine Plastikhalterung f\u00fcr den Akku, den kleinen Elektromotor plus zwei L\u00f6tplatinen und noch 2-3 kleinere Teile wie die Schneidescheren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.01.22_Obsoleszenz\/bild1.jpg\" title=\"bild1.jpg\" alt=\"bild1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Zerlegter Langhaarschneider<\/p>\n<p>Der Motor ist in China gefertigt, der Akku h\u00f6rt auf den witzigen Namen &#8222;Emmerich&#8220; und ist ein Nickel-Metallhyridakku mit 700 Milliamperestunden Leistung, gefertigt in P.R.C., was wahrscheinlich &#8222;Peoples Republic of China&#8220; hei\u00dft.<br \/>\nDas Ger\u00e4t ist \u00fcbrigens ein Philips-Haarschneider.<\/p>\n<p>All das ist noch kein Problem und hier erkenne ich nat\u00fcrlich die Intention des Herstellers, durch die erschwerte Reparierbarkeit eine Reparatur zu verhindern, auf dass der Kunde ein neues Ger\u00e4t kaufe, was wahrscheinlich die meisten Kunden auch tun.<br \/>\nF\u00fcr mich wurde es erst haarig, als ich die k\u00fchne Idee entwickelte, das Ladeger\u00e4t zu reparieren. Es war schnell klar, dass ein anderes Ladeger\u00e4t nicht passen w\u00fcrde &#8211; so viel habe ich im laufe meines Konsumentenlebens schon gelernt. Aber den Stecker tauschen &#8211; das m\u00fcsste doch m\u00f6glich sein. Der ist n\u00e4mlich nicht sehr kompliziert aufgebaut und die zwei Kabeln sind schnell neu zusammengel\u00f6tet oder mittels einer Blockklemme verbunden. Das muss ja nicht sch\u00f6n ausschauen, nur funktionieren.<\/p>\n<p>Also kramte ich meine Kiste mit den alten Ladeger\u00e4ten hervor. Bei der Suche nach dem geeigneten Stecker musste ich entdecken, dass jedes, aber auch wirklich jedes Ladeger\u00e4t einen anderen Stecker hat, untereinander \u00fcberhaupt nicht kompatibel.<br \/>\nEs ist als h\u00e4tten sie sich abgesprochen und eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Vielzahl an Steckern entwickelt, damit die Ger\u00e4te nur ja nicht untereinander austauschbar sind.<\/p>\n<p>Am zweiten Bild sieht man die vielen verschiedenen Stecker, oder besser gesagt eine kleine Auswahl davon:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.01.22_Obsoleszenz\/bild2.jpg\" title=\"bild2.jpg\" alt=\"bild2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Verschiedene Stecker<\/p>\n<p>Also wegwerfen und einen neuen kaufen. Schade, denn das Ger\u00e4t war v\u00f6llig in Ordnung. Die Suche nach einem passenden Ladeger\u00e4t h\u00e4tte aber so lange gedauert, dass mir die Zeit daf\u00fcr leider zu kostbar war.<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel ist mein K\u00fchlschrank, den ich mir damals bei Bezug der Wohnung gekauft hatte. Ein Liebherr mit 3 Gefrierladen und einem f\u00fcr mich v\u00f6llig ausreichenden, eigentlich sogar perfekt passenden K\u00fchlteil, also eine sogenannte &#8222;K\u00fchl- und Gefrierkombi&#8220;.<br \/>\nDieser K\u00fchlschrank steht bei mir jetzt seit 27 Jahren, was auf einer wirklich gute Qualit\u00e4t schlie\u00dfen l\u00e4sst. Einmal, nach ca. 10 Jahren, war der Thermostat des K\u00fchlteils kaputt und wurde an Ort und Stelle ausgetauscht. Seitdem wei\u00df ich, dass so etwas kaputt gehen kann und die Reparatur aber keine Hexerei ein kann, da dies damals sehr flott ging.<\/p>\n<p>Neulich war es dann soweit: K\u00fchlschrank aufmachen &#8211; drinnen ist die gleiche Temperatur wie drau\u00dfen. Da der Gefrierteil noch funktionierte, fiel mein Verdacht auf den Thermostat. Mittels 4 Schrauben l\u00e4sst sich die gesamte Einheit abschrauben und wenn man die vier Flachstecker abzieht und zwei davon verbindet, kann man den Thermostat kurzschlie\u00dfen, was ich auch kurzerhand tat. Siehe da &#8211; der K\u00fchlschrank l\u00e4uft.<br \/>\nAlso muss ein neuer Thermostat her. Auf der Website der Firma Liebherr gibt es eine Servicenummer, die aber ins Leere f\u00fchrt und nicht mehr existiert.<br \/>\nBei der weiteren Suche stolperte ich \u00fcber eine Liebherr-Niederlassung in Osttirol. Ein Anruf brachte mich zu einem Gespr\u00e4ch mit einer netten Dame, die wahrscheinlich in einem Call-Center sitzt, m\u00f6glicherweise aber auch direkt im dort ans\u00e4ssigen Werk. Sie konnte mir zuerst keine Auskunft \u00fcber die Lieferbarkeit des Thermostats geben, fand dann aber nach einer Nachfrage bei einem fachkundigen Kollegen heraus, dass es den Thermostat f\u00fcr den Gefrierteil noch gibt, den f\u00fcr den K\u00fchlteil aber nicht mehr, wie sie zu ihrem und meinem Bedauern feststellte.<\/p>\n<p>Noch wollte ich nicht aufgeben. Auf dem alten Thermostat steht der Name des Herstellers: Ranco.<br \/>\nAlso rufe ich in Deutschland bei Ranco an, nachdem ich auf deren Website bereits eine sehr lange Liste mit Thermostaten gefunden hatte, die alle so aussehen wie mein alter.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Bild sieht man das gute St\u00fcck. Das wei\u00dfe Kabel ist in Wahrheit ein biegsames Alu-R\u00f6hrchen, in dem eine Fl\u00fcssigkeit steckt. Am Ende des R\u00f6hrchens bewirkt die Au\u00dfentemperatur, dass die Fl\u00fcssigkeit drinnen sich ausdehnt oder zusammenzieht, je nachdem, wie warm es ist.<br \/>\nDiese Fl\u00fcssigkeit dr\u00fcckt dann auf eine Membrane und diese wiederum wird von einem Sensor abgenommen, der den Druck in elektrische Spannung \u00fcbersetzt, die wiederum den Motor steuert. In dem K\u00e4stchen sitzt auch der Drehregler, mit dem man die Temperaturstufen regelt.<br \/>\nHier ein Bild davon:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.01.22_Obsoleszenz\/bild3.jpg\" title=\"bild3.jpg\" alt=\"bild3.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Thermostat<\/p>\n<p>Der Herr am anderen Ende der Leitung ist nicht nur geduldig, sondern sehr freundlich, hilfsbereit und vor allem bereit, sich wirklich mit meinem Problem auseinander zu setzen. Es stellt sich n\u00e4mlich heraus, dass es eine Unzahl an sehr \u00e4hnlichen Thermostaten gibt, dass ich aber genau den richtigen brauche. Der ist gar nicht leicht zu finden, denn die Modellbezeichnungen haben sich seit der letzten Reparatur mehrfach ge\u00e4ndert.<br \/>\nGemeinsam r\u00e4tseln wir, welcher nun passen k\u00f6nnte. Auf dem alten ist ein Aufkleber mit einer Liebherr-Produktnummer, die jedoch nicht zur eingestanzten Produktnummer des Thermostats passt.<br \/>\nNach einiger Zeit wird klar, dass genau dieser Thermostat bei Ranco nicht mehr lieferbar ist. <\/p>\n<p>Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte, denn w\u00e4hrend unseres Telefonats hat der nette Herr im Internet die Nummer gegoogelt und ist auf eine eBay-Seite gekommen, wo genau dieser Thermostat angeboten wird. Er sieht auch genauso aus und hat die richtige L\u00e4nge des F\u00fchlers.<br \/>\nEr empfiehlt mir das Ding auf eBay zu kaufen und ich verabschiede mich mit passenden Dankesworten.<\/p>\n<p>Dann bestelle ich das Ding auf eBay, es kostet 11 Euro plus 16 Euro Versand macht insgesamt 27 Euro. Was bleibt ist aber die Unsicherheit, ob das Ding dann auch funktioniert. Das werde ich aber erst wissen, wenn es eingebaut ist.<\/p>\n<p>Nach exakt einer Woche und einer kleinen Unstimmigkeit wegen des Trackings (die Deutsche Post schreibt, dass sie auf das Ding wartet, die Firma schreibt, dass sie es bei der Post abgegeben hat) ist der neue Thermostat dann da.<br \/>\nDer Einbau gelingt und der K\u00fchlschrank springt wieder an. Mit ein bisschen Gl\u00fcck habe ich den K\u00fchlschrank noch ein paar Jahre. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass er l\u00e4nger h\u00e4lt als ein neuer halten w\u00fcrde, der dann noch dazu nicht mehr reparabel w\u00e4re, denn bei den meisten neuen Ger\u00e4ten wird der Thermostat in das Geh\u00e4use eingesch\u00e4umt und ist nicht mehr austauschbar.<\/p>\n<p>Sonst k\u00f6nnte ja jeder kommen und sich um 27 Euro den K\u00fchlschrank reparieren. Und das ist etwa das letzte, was die Hersteller wollen.<\/p>\n<p>So arbeitet die Industrie kontinuierlich und sehr erfolgreich daran, uns zu Idioten zu erziehen, zu vereinzelten Menschen, die nichts mehr selber tun k\u00f6nnen und sollen und irgendwann auch nicht mehr wollen. Dann werden sie ihr Ziel erreicht haben und ich habe das Gef\u00fchl, dass das schon sehr bald sein k\u00f6nnte.<br \/>\nIch werde jedenfalls so lange ich kann Widerstand dagegen leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geplante Obsoleszenz bedeutet nicht immer, dass der Hersteller eine bewusste Sollbruchstelle einbaut, die nach einer gewissen, geplanten Zeit das Ger\u00e4t so funktionsunf\u00e4hig macht, dass der Besitzer ein neues kaufen muss. Es geht auch subtiler. Mein erstes Beispiel heute ist der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-analytisches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2409"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2411,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409\/revisions\/2411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}