{"id":2503,"date":"2018-08-03T07:57:07","date_gmt":"2018-08-03T06:57:07","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2503"},"modified":"2019-02-24T13:24:30","modified_gmt":"2019-02-24T12:24:30","slug":"nach-27-jahren-wieder-im-zillertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/nach-27-jahren-wieder-im-zillertal\/","title":{"rendered":"Nach 27 Jahren wieder im Zillertal"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist tats\u00e4chlich schon so lange her. Anfang der 1990er war ich mit Freunden eine Woche Mountainbiken in F\u00fcgen im Zillertal, am Asterhof der Familie Steinberger.<br \/>\nDie Maria Daigl ist jetzt 94 Jahre alt. Kurz nach dem Krieg ist meine Oma quasi zum &#8222;Aufp\u00e4ppln&#8220; ins sch\u00f6ne Zillertal gekommen, da es dort &#8211; im Gegensatz zu Wien &#8211; gen\u00fcgend zu essen gab. Es entstand eine Freundschaft, die 70 Jahre lang halten sollte. Die &#8222;Mariedl&#8220;, wie sie genannt wird, ist heute noch eine r\u00fcstige alte Frau, die den Haushalt im alten Bauernhof fast alleine schupft, geistig erstaunlich fit ist und die ich auch besuchen will.<br \/>\nIhre Kinder Lisl und Karl sind mit meiner Mutter befreundet und so kam ich in den fr\u00fchen 1980er Jahren auch ins Zillertal &#8211; allerdings auf Urlaub und gut gen\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Irgendwann war ich dann ein paar Jahre lang nicht dort und aus den paar Jahren wurden fast drei Jahrzehnte &#8211; so vergeht die Zeit. Ich wollte immer wieder hinfahren und dann ist doch nichts draus geworden.<br \/>\nDoch jetzt ist es anders. Drei Tage wandern mit Susanne, einer lieben alten Freundin und Kollegin, sind f\u00fcr den Sommer geplant. Irgendwohin, ins Waldviertel oder in die Steiermark. Warum mir nicht sofort das Zillertal eingefallen ist, wei\u00df ich nicht. Es k\u00f6nnte daran liegen, dass die Pension meist schon ein halbes Jahr vorher ausgebucht ist, oft auch noch l\u00e4nger. Und irgendwie w\u00e4re es schade, wenn ich nicht am Asterhof sein k\u00f6nnte, wo ich viele sch\u00f6ne Tage und Wochen verbracht habe. In irgendeiner Pension &#8211; das ist wenig reizvoll.<\/p>\n<p>Doch dann erz\u00e4hlt mir meine Mutter, dass sie gerade dort war, auch weil ein neuer Golfplatz im Zillertal gebaut wurde und sie leidenschaftlich Golf spielt.<br \/>\nUnd auf einmal kommt die Idee &#8211; ich k\u00f6nnte ja anrufen und fragen. Wahrscheinlich m\u00fcssen wir woanders wohnen, aber das darf diesmal kein Grund sein nicht ins Zillertal zu fahren.<\/p>\n<p>Die Telefonnummer stimmt nicht mehr &#8211; es ist einfach zu lange her, dass ich dort angerufen habe. Die Website www.asterhof.at gibt aber Auskunft. Dort sehe ich, dass sich alles massiv weiterentwickelt hat. Inzwischen hat die \u00e4ltere Tochter von Lisl, die Anni, die Pension gemeinsam mit ihrem Mann Patrick \u00fcbernommen und sie haben auch schon zwei S\u00f6hne, von denen der \u00e4ltere gerade den L17-F\u00fchrerschein macht.<\/p>\n<p>Als ich anrufe, hebt Monika ab, die j\u00fcngere Tochter von Rudl und Lisl. Sie erinnert sich tats\u00e4chlich an mich und als ich es wage um ein Zimmer zu fragen, meint sie, dass wir Gl\u00fcck haben &#8211; zwar nicht von Dienstag bis Samstag, aber von Mittwoch bis Sonntag w\u00e4re ein Zimmer frei.<br \/>\nSo schnell hab ich noch nie was gebucht. So viel Gl\u00fcck hatte ich auch schon lange nicht mehr. Und mehr Wink vom Schicksal geht auch nicht. Es ist Zeit f\u00fcr\u00b4s Zillertal.<\/p>\n<p>Die Freude ist gro\u00df und ich plane sofort die Bergtouren, die wir machen werden. In Erinnerung habe ich die majest\u00e4tischen Gletscher der hohen Berge am Hauptalpenkamm. Von dort gehen die Seitent\u00e4ler weg, die in Mayrhofen zusammentreffen. Einige, fast alle davon, sind seit Jahrzehnten mit Speicherseen verbaut. Von dort aus kann man diverse Bergh\u00fctten besuchen, die jeweils ein spannendes Panorama bieten. Und nat\u00fcrlich wollen wir den Hausberg von F\u00fcgen besuchen, das Spieljoch. Die Bahn dort hinauf f\u00fchrt nahe am Asterhof vorbei. Ich bin schon gespannt, welche Touren es dann tats\u00e4chlich sein werden.<\/p>\n<p>DER MITTWOCH<\/p>\n<p>Mittwoch Mittag, Abfahrt. Wir fahren mit dem Auto von Susanne und hoffen auf nicht allzu viel Verkehr. Das funktioniert auch bis Salzburg, dort erwartet uns dann ein Stau am Walserberg. Ich hasse Stau und beschlie\u00dfe \u00fcber das kleine deutsche Eck zu fahren, vers\u00e4ume aber die Abfahrt. Es ist auch schon ewig her, dass ich hier gefahren bin.<br \/>\nAlso stehen wir im Stau, gl\u00fccklicherweise nur eine halbe Stunde. Danach geht es bei dichtem Verkehr bis Rosenheim und dann weiter \u00fcber Kufstein bis Abfahrt ins Zillertal.<br \/>\nDort hat man einen Tunnel gebaut, der einen Abschneider ins Tal bietet, bei viel Tourismusverkehr aber von Zeit zu Zeit gesperrt ist, weil man Blockabfertigung machen muss.<br \/>\nWir haben Gl\u00fcck, Mittwoch Nachmittag ist nicht viel los.<\/p>\n<p>In F\u00fcgen besuche ich noch die Tourismusinformation und kaufe mir eine gute Wanderkarte. Einen F\u00fchrer gibt es gratis dazu, auch eine Karte vom vorderen Zillertal kostet nichts. Das Service ist gut und ich erinnere mich an einen Film, den wir quasi zur Einstimmung ein paar Tage vorher angesehen haben: Die Piefke-Saga, Teil 4. Der ORF traut sich nur selten diesen Teil auszustrahlen, er stellt eine Dystopie dar und wurde Anfang der 1990er-Jahre gedreht. Genau zu dieser Zeit war ich auch das letzte Mal im Zillertal und der Film spielt dort, genauer gesagt in Mayrhofen, das im Film &#8222;Fahnenberg&#8220; hei\u00dft.<br \/>\nMein Fazit: Nat\u00fcrlich ist nicht alles so eingetroffen wie es Felix Mitterer damals dargestellt hat. Einige Details sind jedoch erschreckend gut getroffen und ich werde darauf noch eingehen.<\/p>\n<p>Jetzt freue ich mich einfach wieder hier zu sein und wir finden auch auf Anhieb den Asterhof, wenngleich sich der Weg dorthin massiv ver\u00e4ndert hat. Der Ort ist den Berg hinauf gewachsen, es gibt eine gro\u00dfe Zahl neuer H\u00e4user, meist Pensionen, alle in stattlicher Gr\u00f6\u00dfe. Und der Schiestl ist jetzt ein riesiges Hotel &#8211; er war damals eine kleine Pension, in die wir am Abend \u00f6fter essen gegangen sind. Der &#8222;Waldfriede&#8220;, einst das mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Haus am Pankratzberg, f\u00e4llt nicht mehr auf. Auch die Spielhochbahn ist komplett modernisiert worden und die Stra\u00dfe nach Hochf\u00fcgen hat man in einem gro\u00dfen Bogen rundherum gebaut.<\/p>\n<p>Als wir beim Hubertus rechts Richtung Asterhof abbiegen, bin ich zun\u00e4chst verwirrt &#8211; wo ist das Haus? Dann entdecken wir es hinter einem gro\u00dfen, neuen Haus, das gleich daneben gebaut wurde. Fr\u00fcher war da Wiese.<br \/>\nAuch der Hof hat sich ver\u00e4ndert, wurde vergr\u00f6\u00dfert, erneuert, sch\u00f6ner gemacht. Aus dem winzigen Bach, der fr\u00fcher zwischen Pension und dem alten Bauernhof vorbei geflossen ist und den wir immer wieder aufgestaut haben, wurde ein sch\u00f6n gefasster Brunnen mit einer kleinen Terrasse daneben.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Brunnen.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Brunnen.jpg\" alt=\"Brunnen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Brunnen<\/p>\n<p>Es gibt eine neue Rezeption, ein Stock wurde draufgesetzt und auch sonst einiges umgestaltet. Trotzdem ist der Ort noch immer sch\u00f6n, was aber nicht nur am \u00e4u\u00dferst gepflegten Geb\u00e4ude liegt, sondern an den Menschen, die dort leben.<br \/>\nAnni winkt schon vom Balkon und ich freue mich riesig sie wieder zu sehen. Ihren Mann Patrick lernen wir auch gleich kennen, Monika und die Eltern etwas sp\u00e4ter.<br \/>\nDer Asterhof unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von anderen Hotels bzw. Pensionen. Anni und ihre Familie sind unglaublich flei\u00dfig und arbeiten seit Jahrzehnten hart an Aufbau und Verbesserung ihrer Lebensgrundlage. Daf\u00fcr geh\u00f6rt ihnen auch all das, was sie aufgebaut haben. Das ist seltener der Fall als man glaubt, viele Hotels geh\u00f6ren der Bank und die Besitzer sind maximal Verwalter.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Asterhof.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Asterhof.jpg\" alt=\"Asterhof.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 2: Asterhof<\/p>\n<p>Die Familie Plattner ist eigenst\u00e4ndig und gestaltet Ihr Apart-Hotel nach ihren eigenen Vorstellungen. Das macht sie so erfolgreich, dass die G\u00e4ste gerne und oft wiederkommen &#8211; manche schon seit Jahrzehnten. Das erm\u00f6glicht eine gute Auslastung und eine gewisse Planbarkeit. Das kostet aber auch enorm viel Kraft, denn Urlaub ist oft jahrelang ein Fremdwort und die Tage beginnen fr\u00fch und enden sp\u00e4t. Trotzdem haben sie es geschafft eine gute Balance zu finden, was sich massiv auf den Geist, auf die Seele des Asterhofs auswirkt. Das ist das eigentliche Geheimnis: gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die G\u00e4ste, die trotzdem auf keinen Komfort verzichten m\u00fcssen. Sie werden nicht durchgeschleust, sondern m\u00f6glichst individuell betreut.<\/p>\n<p>Wir wollen uns nach der langen Fahrt noch ein wenig die Beine vertreten und bekommen von Patrick den Tipp f\u00fcr eine kleine halbst\u00fcndige Runde. Sie f\u00fchrt an zwei H\u00e4usern vorbei an den Waldrand, dort auf dem Wanderweg Richtung Spieljoch durch den Wald bergan und dann wieder links hinunter in einer Runde auf die Wiese oberhalb des Hofs.<br \/>\nIch bin gl\u00fccklich wieder diese Luft riechen zu d\u00fcrfen. Kaum sind wir im Wald, wachsen links die Himbeeren, geradeaus die Brombeeren und rechts die Heidelbeeren. Preiselbeeren g\u00e4be es auch noch, die sind aber noch nicht reif.<br \/>\nIrgendwie ist das unglaublich und wirkt wie aus einem Film. Es ist aber echt, der Reichtum der Natur ist im Zillertal noch vorhanden, sein Herz ist noch nicht gebrochen und hoffentlich passiert das auch noch nicht so bald.<br \/>\nEs wird an den Tirolern liegen ihre Heimat zu erhalten.<\/p>\n<p>Wir schaffen es vor einem Regenguss rechtzeitig wieder zur\u00fcck zu sein und planen das Abendessen. Meine Mutter hat mir vom W\u00f6scherhof vorgeschw\u00e4rmt. Dieser befindet sich im Nachbarort Uderns und geh\u00f6rt der Familie Daigl. Gef\u00fchrt wird er von Sabine, der Cousine von Anni und Monika, die ich seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gesehen habe. Das Essen in diesem inzwischen gro\u00dfen Hotel soll hervorragend sein und wir beschlie\u00dfen, diesem Tipp nachzugehen.<\/p>\n<p>Das Hotel ist wirklich beeindruckend und das Essen h\u00e4lt was es verspricht. Sabine h\u00e4tte ich nicht wiedererkannt und sie mich auch nicht. Trotzdem freuen wir uns und sie erz\u00e4hlt mir, wie sie damals als kleines M\u00e4dchen mit auf die Berliner H\u00fctte gegangen ist. Ich hatte das vergessen, aber jetzt f\u00e4llt es mir wieder ein. Ein paar Erinnerungsfetzen sind noch da. Heute ist sie eine erwachsene Frau mit einer fast erwachsenen Tochter und f\u00fchrt ein Hotel als Familienbetrieb. Wir sitzen nach dem Essen noch lange an der Bar und ich g\u00f6nne mir den einen oder anderen &#8222;Zirbenen&#8220;. Irgendwann taucht auch Andreas auf, ihr Bruder. Er ist mir als kleiner, lockiger Bub in Erinnerung, der unbedingt einmal Bauer werden wollte.<br \/>\nDas Bild, das ich noch im Kopf habe, ist ein Traktor, bei dem Andreas neben seinem Vater Karl sitzt. Heute ist er tats\u00e4chlich Bauer, unterst\u00fctzt Sabine mit dem Hotel, ist leider geschieden und hat zwei Kinder. Daneben f\u00fchrt er eine Landwirtschaft, geht die K\u00fche melken, wenn es sein Vater gerade nicht tun kann. Am Abend spielt er in einer gro\u00dfen Blaskapelle. Dazu muss ich anmerken, dass alle Mitglieder dieser gro\u00dfen Familie \u00e4u\u00dferst musikalisch sind. Anni und Monika sind \u00fcber die Landesgrenzen f\u00fcr ihr Harfenspiel bekannt und meine Mutter versucht seit vielen Jahren sie nach Wien zu locken bzw. abzupassen, wenn sie irgendwie in der N\u00e4he einen Auftritt haben.<br \/>\nEs hat den Eindruck, als h\u00e4tten die Zillertaler mehr als nur 24 Stunden pro Tag zur Verf\u00fcgung. Trotzdem geht sich ein Schnapsl mit G\u00e4sten aus und die Herzlichkeit ist echt. Hier hat Felix Mitterer nur einen Teil der Realit\u00e4t gezeigt.<\/p>\n<p>Hundem\u00fcde fallen wir ins Bett, gespannt auf den n\u00e4chsten Tag, an dem wir zur Olperer H\u00fctte wandern wollen. Patrick meint, der Wirt vom Furtschaglhaus sei unfreundlich und Sabine meint, von der Olperer H\u00fctte aus h\u00e4tte man sowieso einen sch\u00f6neren Ausblick. Mir ist das egal, ich lerne gerne was Neues kennen.<\/p>\n<p>DER DONNERSTAG<\/p>\n<p>Nach einem exzellenten Fr\u00fchst\u00fcck mit hausgemachter Butter und ebenso hausgemachter Heidelbeer-Marmelade machen wir uns auf den Weg. Dieser ist leider ziemlich weit, denn wir m\u00fcssen nicht nur bis zum Ende des Zillertals fahren, sondern dort noch \u00fcber 20 Kilometer auf einer schmalen Stra\u00dfe bis hinauf zum Schlegeis-Speicher, dem gr\u00f6\u00dften im Zillertal.<\/p>\n<p>Bei der Mautstellen m\u00fcssen wir 15 Minuten warten, da der dahinter liegende Tunnel nur einspurig befahrbar ist. Die Maut kostet sportliche 12,50- Euro, wobei die Erhaltung dieser Stra\u00dfe sicher nicht billig ist.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Staumauer.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Staumauer.jpg\" alt=\"Staumauer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 3: Die gewaltige Staumauer des Schlegeis-Speichers<\/p>\n<p>Die Staumauer ist beeindruckend, der Speicher hat aber relativ wenig Wasser, was zum Teil dem sehr trockenen Fr\u00fchsommer geschuldet ist.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Speicher.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Speicher.jpg\" alt=\"Speicher.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 4: Schlegeisspeicher<\/p>\n<p>Wir parken uns ein und beginnen mit dem steilen Anstieg zur H\u00fctte. Patrick hat gemeint, das sei in einer Stunde zu bew\u00e4ltigen und das Essen oben w\u00e4re sehr gut.<br \/>\nEs tr\u00f6pfelt leicht und schwere Wolken ziehen hin und her, dazwischen gibt es immer wieder sonnige Abschnitte. F\u00fcr eine Regenjacke ist es zu wenig, nur das T-Shirt ist aber auch zu wenig.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Schlegeis.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Schlegeis.jpg\" alt=\"Schlegeis.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 5: Wetterstimmung \u00fcber dem Schlageis-Speicher<\/p>\n<p>Egal &#8211; der Anstieg f\u00fchrt durch Bergwald und dann durch Latschenkiefer steil bergauf. Wir \u00fcberholen einige kleinere Wandergruppen, einige kommen uns auch entgegen, sie d\u00fcrften auf der H\u00fctte \u00fcbernachtet haben.<\/p>\n<p>Dann pl\u00f6tzlich liegt die H\u00fctte vor uns, nach einer Stunde und f\u00fcnf Minuten &#8211; wir waren gar nicht so langsam. Es waren immerhin 585 H\u00f6henmeter.<br \/>\nDie H\u00fctte selbst ist gut besucht und bietet einen wundersch\u00f6nen, gro\u00dfen Gastraum mit Panoramascheiben. Junge Studentinnen von \u00fcberall bedienen flott und nett, wir bestellen eine Portion Kaiserschmarren und Susanne eine zweite Portion Apfelmus dazu.<br \/>\nIch bin erstaunt \u00fcber die niedrigen Preise. DAs kostet nicht mehr als unten im Tal, obwohl sie alles mangels Materialseilbahn mit dem Hubschrauber hinauf fliegen m\u00fcssen &#8211; j\u00e4hrlich 75 Tonnen in insgesamt 100 Fl\u00fcgen. Ein dicker Prospekt gibt dar\u00fcber und noch \u00fcber vieles anderes Auskunft.<br \/>\nHier hat sich einiges ver\u00e4ndert. Fr\u00fcher gab es das ber\u00fchmte &#8222;Skiwasser&#8220; &#8211; ein mit Wasser verd\u00fcnnter Dicksaft. Dazu Speckbrot und vielleicht noch Linsen mit Speck oder ein K\u00e4sebrot. Heute gibt es eine umfangreiche Speisekarte und man kann zwischen mehreren Bieren w\u00e4hlen oder eine gute Flasche franz\u00f6sischen Rotwein bestellen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Olpererhuette.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Olpererhuette.jpg\" alt=\"Olpererhuette\" \/><\/center><br \/>\nBild 6: Olpererh\u00fctte<\/p>\n<p>Der Kaiserschmarren ist k\u00f6stlich und die Portion reicht f\u00fcr zwei. Wir sind zufrieden mit dem tollen Tipp von Patrick, einzig und allein die Aussicht ist zwar sch\u00f6n, jedoch nicht vergleichbar mit dem spektakul\u00e4ren Blick vom Furtschaglhaus auf die &#8211; einstmals &#8211; m\u00e4chtigen Gletscher von Hochfeiler, Hochferner und Gro\u00dfem M\u00f6seler.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Moeseler.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Moeseler.jpg\" alt=\"Moeseler.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 7: Der Gro\u00dfe M\u00f6seler<\/p>\n<p>Auch wenn diese heute fast verschwunden sind (dazu sp\u00e4ter noch mehr), so war es doch ein beeindruckender Anblick, wenn wir damals einen Gletscher beim &#8222;kalben&#8220; sehen durften. Dabei brechen gro\u00dfe Eismassen ab und den lauten Knall dazu h\u00f6rt man erst ein paar Sekunden nachdem man das Schauspiel gesehen hat.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Bild sieht man wo sich das Furtschaglhaus befindet und die rote Linie zeigt, wie weit die Gletscher vor 30 Jahren gereicht haben.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Furtschagl.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Furtschagl.jpg\" alt=\"Furtschagl.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 8: Gletscherlandschaft<\/p>\n<p>Wir beschlie\u00dfen auch noch den zweiten Tipp von Patrick umzusetzen und die &#8222;Neumarkter Runde&#8220; zu gehen, die uns in einer gro\u00dfen Linksrunde wieder zur\u00fcck zum Speichersee bringen wird.<\/p>\n<p>Es ist immer noch bew\u00f6lkt und wir freuen uns, dass die nette Kellnerin das zweite Apfelmus nicht berechnen wollte. Im Gegenzug k\u00f6nnen wir die Olperer H\u00fctte w\u00e4rmstens empfehlen.<br \/>\nEs geht weiter \u00fcber eine Art von Weg wie ich ihn noch nie gesehen bzw. begangen habe. Fr\u00fcher stieg man einfach \u00fcber das Ger\u00f6ll, heute wirkt der Weg als w\u00e4re er von einem Designer angelegt worden. Gro\u00dfe Steinplatten wurden kunstvoll so geschlichtet, dass man \u00e4u\u00dferst bequem \u00fcber die gro\u00dfen Ger\u00f6llfelder gehen kann.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Steinplatten.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Steinplatten.jpg\" alt=\"Steinplatten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 9: Die Platten auf der Neumarkter Runde<\/p>\n<p>Als ich Patrick sp\u00e4ter frage, wie das gemacht wird, kommt er selbst an die Grenzen seines Wissens. &#8222;Sie verwenden einen Hupfer, das ist so ein Bagger auf spinneif\u00f6rmigen Auslegern&#8220; meint er. Das erscheint plausibel, denn auch viele Menschen k\u00f6nnten die meisten Platten bzw. Felsen nicht heben und schon gar nicht so schlichten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Abstiegplatten.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Abstiegplatten.jpg\" alt=\"Abstiegplatten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 10: Die Platten am Weg<\/p>\n<p>Dass es so etwas gibt, war mir neu. Wir sind hier sicher an der Grenze des Sinnvollen angekommen und es ist schwer zu sagen, was mehr z\u00e4hlt: die Bequemlichkeit der Touristen oder die Unber\u00fchrtheit der Berge. Letztere gibt es zwar sowieso nicht mehr, aber es ist immer noch eine Entscheidung m\u00f6glich wie weit man gehen m\u00f6chte.<br \/>\nWir finden dann noch ein Steinschild, auf dem erkl\u00e4rt wird, was hier getan wurde:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Wegebau.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Wegebau.jpg\" alt=\"Wegebau.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 11: Wegabschnitt der Neumarkter Runde<\/p>\n<p>Es geht somit gut voran und ich entdecke, dass es die alten Orientierungshilfen, die Steinmandln, noch immer gibt<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Steinmandl.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Steinmandl.jpg\" alt=\"Steinmandl.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 12: Neben einem gro\u00dfen Steinmandl<\/p>\n<p>Dann geht es hinab in einen Talkessel, der fr\u00fcher einmal sehr beeindruckend gewesen sein muss. Als es noch Gletscher gab, deren k\u00fcmmerliche Reste wir bewundern k\u00f6nnen.<br \/>\nAlso gehen wir weiter und begegnen im Ausl\u00e4ufer des Talkessels einer deutschen Familie. Der Vater fragt uns, wie weit es noch bis zur Olperer H\u00fctte ist.<br \/>\nHinter ihm wandern seine Frau und zwei Kinder, die kleine Tochter vielleicht neun Jahre alt. Er hat eine ganz brauchbare Ausr\u00fcstung, seine Frau schon weniger und die Kinder sind fast gar nicht f\u00fcr den Berg ger\u00fcstet. Das Schlimmste sind die Hella-Kitty-Schuhe der Kleinen, mit Klettverschl\u00fcssen und fast ganz glatten Sohlen. Alle wirken schon m\u00fcde und die Mutter zeigt etwas Erleichterung, als wir darlegen, wie weit es noch bis zur H\u00fctte und vor allem wie dann der Abstieg beschaffen ist.<br \/>\nDer Vater hat Ehrgeiz, er m\u00f6chte zur H\u00fctte. Leider versteht er nicht, dass sie sich in hochalpinem Gel\u00e4nde bewegen und weit entfernt davon sind die richtige Ausr\u00fcstung dabei zu haben.<br \/>\nSelbst wenn die Kleine den Weg bis zur H\u00fctte schafft, muss sie danach noch den steilen Abstieg bew\u00e4ltigen. Genau genommen ist es fahrl\u00e4ssig so etwas auch nur zu probieren.<br \/>\nUnten im Tal sieht alles recht leicht aus, man marschiert \u00fcber eine nette Almwiese auf einem breiten Weg, der dann zwar schm\u00e4ler und steiler wird, aber nicht ahnen l\u00e4sst, was oben noch kommt.<br \/>\nWir hoffen, dass die Familie rechtzeitig umdreht, bevor ein \u00fcbles Wetter kommt oder die Kleine nicht mehr weiter kann. Bisher dachte ich, diese Art von Touristen gibt es nur in Filmklischees, aber uns sollten noch einige von dieser Sorte begegnen.<\/p>\n<p>Es gab zwar immer schon Menschen, die in Sandalen ins Hochgebirge gegangen sind, und nicht alle waren Deutsche (okay, sehr viele, aber das liegt daran, dass es auch sehr viele gibt). Ich habe aber den Eindruck, dass es mehr geworden sind. M\u00f6glicherweise ist die Ursache die Anpassung der alpinen Welt an die st\u00e4ndig steigende Bequemlichkeitssucht der Menschen. Statt einem Schlepplift muss es ein Sessellift sein und statt eines Sessellifts eine Gondelbahn. Statt der Gondelbahn eine noch gr\u00f6\u00dfere, schnellere und klimatisierte Gondelbahn und auf der Bergstation eine perfekt ausgestattete Erlebniswelt, idealerweise mit Hallenbad und Wellness-Bereich.<br \/>\nWas &#8211; das habt ihr nicht? Dann fahren wir halt woanders hin.<\/p>\n<p>Wer w\u00fcrde in so einem Disneyland schon an alpine Gefahren denken? Diesmal hat Felix Mitterer ins Schwarze getroffen, als er in seiner Piefke-Saga im Alpendorf Mayrhofen eine moderne Tiefgarage bauen lie\u00df. Diese gibt es heute wirklich. Und noch vieles mehr.<\/p>\n<p>Wir steigen ab und kommen wieder zur\u00fcck zum Auto. Bergab haben wir Gl\u00fcck mit der Ampel und beschlie\u00dfen noch einen Sprung bei der alten Mariedl vorbei zu schauen &#8211; mehr auf Gl\u00fcck, vielleicht ist sie ja da.<\/p>\n<p>Ich finde das alte Bauernhaus fast auf Anhieb und l\u00e4ute an der versperrten T\u00fcr. Als ich schon wieder gehen will, wird sie pl\u00f6tzlich aufgesperrt und die Mariedl steht vor uns. Es dauert ein bisschen bis sie mich genau zuordnen kann, aber dann werden wir herein gebeten und sie freut sich sichtlich \u00fcber Besuch.<br \/>\nWir haben auch nicht ewig Zeit, denn sie hat in einer Stunde eine Massage-Termin, wegen ihrem R\u00fccken und weil sie vor einiger Zeit gest\u00fcrzt ist.<br \/>\nSie hat sich aber gut erholt und wirkt recht frisch und munter. Alte Zeiten tauchen auf und wir schwelgen gemeinsam in Erinnerungen und denken an meine Omi, die vor vier Jahren im ebenfalls stolzen Alter von 92 gestorben ist.<br \/>\nNur die verdammten Batterien vom H\u00f6rger\u00e4t, die muss sie noch schnell tauschen, meint Mariedl und serviert uns einen Saft. Dass sie extra wegen uns eine Kuchen auftaut k\u00f6nnen wir gerade noch verhindern.<br \/>\nDann taucht auch noch Karl auf, ihr Sohn, der auch schon um die Siebzig ist, aber kurz danach hin\u00fcber in den Stall muss die K\u00fche melken.<\/p>\n<p>Wir verabschieden uns und fahren zum Asterhof, ersch\u00f6pft vom langen Tag, aber gl\u00fccklich \u00fcber das Erlebte. Und wir haben Hunger, und zwar nach Zillertaler Essen. Gestern war es zwar k\u00f6stlich, aber recht international, wenngleich der Hirsch aus dem Zillertal war, wie Sabine beteuert hat.<\/p>\n<p>Zillertaler Krapfen &#8211; ich erinnere mich mit Sehnsucht an diese lokale K\u00f6stlichkeit. Und Moschbeernockn &#8211; das ist die zweite Spezialit\u00e4t. Beides ist leider nirgends zu bekommen, Anni macht ein paar vergebliche Anfragen, muss dann aber passen. Was wir aber bekommen k\u00f6nnten, w\u00e4re die dritte Zillertaler Spezialit\u00e4t, n\u00e4mlich Ofenleber. Die g\u00e4be es beim Gasthof Linde in Stumm, keine zehn Kilometer das Tal hinein. Und wir erfahren von Anni, dass es doch noch eine Chance auf Zillertaler Krapfen gibt &#8211; am Samstag w\u00e4re n\u00e4mlich Sommerfest in Stumm und da g\u00e4be es normalerweise einen Stand, an dem man Krapfen bekommen k\u00f6nnte. Wir speichern das einmal f\u00fcr Samstag ab und mir rinnt beim Gedanken an diese K\u00f6stlichkeit schon das Wasser im Mund zusammen.<\/p>\n<p>Also fahren wir nach Stumm und setzen uns dort in den Garten des uralten Gasthofs, der voll mit Obstb\u00e4umen ist. \u00c4pfel und Birnen &#8211; das braucht man, um hier einen erstklassigen Obstler zu erzeugen. Der Nachteil des idyllischen Gartenplatzes sind die Birnen, von denen eine beschlie\u00dft, mir einen kurzen Besuch abzustatten. Mit einem lauten Knall zerspringt sie am Tisch direkt vor mir und ich bekomme eine Ladung Birnensaft und Birnenst\u00fccken ab. Alles nicht tragisch und als Malheur gleich wieder vergessen.<\/p>\n<p>Das Essen ist gut, die Portionen k\u00f6nnten einen Hauch gr\u00f6\u00dfer sein, passen aber letztlich, weil wir noch Marillenkn\u00f6del als Nachtisch bestellen.<br \/>\nDer stellt sich als genau ein St\u00fcck Kn\u00f6del heraus, wenngleich es recht gro\u00df war. Und mit Marillenspiegel und Lavendeleis. Beides recht nett, aber gute Marillenkn\u00f6del leben von ihrem Eigengeschmack, die brauchen kein Klimbim rundherum.<br \/>\nWir teilen uns den Kn\u00f6del und fahren wieder heim, ersch\u00f6pft und zufrieden von einem wundersch\u00f6nen und erlebnisreichen Tag.<\/p>\n<p>DER FREITAG<\/p>\n<p>Der Muskelkater in den Wadln mittelpr\u00e4chtig, ebenso das Wetter. Kurz wolkenlos, aber noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck wird klar, dass es auch ein wenig regnen k\u00f6nnte. Sicher ist da gar nix, hier in den Alpen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es wieder einen guten Tipp von Patrick &#8211; diesmal werden wir noch einen der f\u00fcnf Talgr\u00fcnde erkunden, die Wahl f\u00e4llt auf den Stillupgrund. Auch dort war ich schon, kann mich aber nicht mehr erinnern, wie die Tour genau ausgesehen hat. Ist ja schon mehr als drei\u00dfig Jahre her.<br \/>\nPatrick meint, wir sollten bis zum Wasserfallboden fahren, also zur Stauseemauer, und von dort weiter mit dem Shuttle bis zur Gr\u00fcne Wand H\u00fctte. Dann hinauf zur Kasseler H\u00fctte.<br \/>\nDass diese H\u00fctten alle deutsche Namen tragen hat damit zu tun, dass sie erstens am Berliner H\u00f6henweg liegen und zweitens dem Deutschen Alpenverein geh\u00f6ren. Warum der dort H\u00fctten gebaut hat und nicht der \u00d6sterreichische Alpenverein entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber auch egal.<\/p>\n<p>Wir versuchen wieder m\u00f6glichst zeitig aufzubrechen, da es aber erst ab acht Uhr Fr\u00fchst\u00fcck gibt, verz\u00f6gert sich die Anfahrt zur Bergtour naturgem\u00e4\u00df.<br \/>\nVon Mayerhofen geht es nach Bezahlung einer Maut von acht Euro eine schmale Stra\u00dfe hinauf bis zum Speicher Stillup. Der ist anders als alle anderen, weil es vom Untergrund her nicht m\u00f6glich war eine Betonmauer zu bauen. Daher hat man eine Art Erdwall errichtet, der jedoch einen festen Beton-Asphaltkern hat.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Stillup.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Stillup.jpg\" alt=\"Stillup.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Die Staumauer des Stillup-Speichers<\/p>\n<p>Die Stauseeingenieure haben meine Bewunderung f\u00fcr diese Meisterwerke, wenngleich der ewige Konflikt Natur-Kultur hier immer einseitig gel\u00f6st wird. Aber wir wollen alle Strom und hier wird er erzeugt. Die zahlreichen gro\u00dfen und kleinen Stauseen plus den dazu geh\u00f6rigen Kraftwerken geh\u00f6ren dem Verbund und sind auch miteinander durch ein ausgekl\u00fcgeltes Rohrsystem verbunden. So kann man zwischen den Seen das Wasser hin- und herleiten und sich aussuchen, wann und wo man wieviel Strom erzeugen will. Das ist sehr praktisch, hat aber auch seine Kehrseiten. Der Verbund kauft z.B. an der Leipziger Stromb\u00f6rse billig Atomstrom und betreibt damit Pumpen, die Wasser von unten in die Stauseen hinaufpumpen.<br \/>\nDann kann er &#8222;gr\u00fcnen&#8220; Strom durch Wasserkraft erzeugen. Das geht sogar so weit, dass bei Strom\u00fcberschuss &#8211; etwa wenn viel Sonne scheint und viel Wind weht &#8211; der Verbund sogar noch Geld bekommt, wenn er den \u00fcbersch\u00fcssigen Strom abnimmt. Das ist \u00f6konomisch sehr sinnvoll, \u00f6kologisch l\u00e4sst sich dar\u00fcber streiten.<br \/>\nIm Zillertal erkauft man sich diese flexiblen Stromerzeugungsma\u00dfnahmen durch eine Unzahl an Umspannwerken und riesigen Stromleitungen samt den dazu geh\u00f6rigen Masten, die das Tal durchziehen &#8211; eine davon l\u00e4uft ja direkt \u00fcber dem Asterhof und summt auch brav, wenn man darunter steht und ihr zuh\u00f6rt.<br \/>\nEines der gro\u00dfen Umspannwerke steht mitten in Mayrhofen und dort f\u00e4hrt man auch vorbei, wenn man zu den gro\u00dfen Speicherseen hinauff\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Am Parkplatz ist ein Schild mit einer Telefonnummer. Dort kann man anrufen und fragen, wann das n\u00e4chste Shuttle f\u00e4hrt. Abheben tut der Wasserfall-Hans, ein uriger Typ, der meint, es geht in ein paar Minuten los.<br \/>\nNeben uns wartet schon eine deutsche Partie mit einem Organisator, allesamt aus Kassel. Sie sind &#8211; no na &#8211; am Weg zur Kasseler H\u00fctte.<\/p>\n<p>Der Wasserfall-Hans kommt und wir fahren gemeinsam den Talgrund entlang. Die Asphaltstra\u00dfe gibt es seit ca. 30 Jahren, ich kannte sie also damals noch nicht und muss irgendwann meine Mutter fragen, was war seinerzeit gemacht haben. Den gesamten Talgrund zu durchwandern &#8211; es sind 8 Kilometer &#8211; dauert n\u00e4mlich etwa zwei Stunden und dann beginnt erst der eigentliche Aufstieg zur H\u00fctte.<\/p>\n<p>Das Tal ist wundersch\u00f6n, mit zahlreichen Almen, die auch noch bewirtschaftet sind. Links und rechts st\u00fcrzen \u00fcber steile Bergh\u00e4nge zahlreiche Wasserf\u00e4lle, die es wahrscheinlich in ein paar Jahren so nicht mehr geben wird &#8211; dann n\u00e4mlich, wenn oben die gro\u00dfen (inzwischen kleinen) Gletscher ganz verschwunden sind. Dann wird sich nicht nur das Panorama \u00e4ndern, sondern das Leben all der Leute, die jetzt in der Wasserreichweite der Gletscher leben und arbeiten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"GrueneWand.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/GrueneWand.jpg\" alt=\"GrueneWand.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Gr\u00fcne Wand H\u00fctte<\/p>\n<p>Wir kommen schon um 09:50 an der Gr\u00fcne Wand H\u00fctte an und starten sofort los, gleich hinter uns die Gruppe aus Kassel. Vorher haben wir noch mit dem Hans ausgemacht, dass wir um 15:30 wieder zur\u00fcck fahren, k\u00f6nnen aber auch noch das Shuttle um 16:45 nehmen, wenn sich das erste nicht ausgeht.<br \/>\nDie Sonne scheint und es geht auf einer Schotterstra\u00dfe bergan bis zum Talschluss, danach links hinauf bis zur H\u00fctte. Zeit ist keine angegeben, der Weg scheint aber eindeutig.<\/p>\n<p>Ein massiver Unterschied zu fr\u00fcher sind die zahlreichen Radfahrer, die hier hinauffahren, viele \u00fcbrigens schon von Mayrhofen, was ein ordentliches St\u00fcck Arbeit ist. Die meisten haben Leihr\u00e4der mit Elektrounterst\u00fctzung und ziehen mit ordentlicher Geschwindigkeit den Berg hinauf. Seitdem die neueste Li-Ion-Akkugeneration eingebaut ist, kann man einen ganzen Tag elektrisch unterst\u00fctzt fahren. Das erfreut sich scheinbar gro\u00dfer Beliebtheit und auch am Osterhof kann man solche E-Bikes mieten. wir haben leider keine Radausr\u00fcstung dabei und bleiben beim Wandern.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Guelle.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Guelle.jpg\" alt=\"Guelle.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: G\u00fcllerutsche<\/p>\n<p>Wir kommen an einer Alm vorbei, die eine G\u00fcllerutsche hat, wo der Kuhdung hinuntergelassen wird. Darunter befindet sich eine G\u00fcllegrube. Susanne bietet mir f\u00fcnf Euro, wenn ich die Rutsche ben\u00fctze, ich muss aber dankend ablehnen.<\/p>\n<p>Die Sonne knallt ziemlich herunter und ich bin froh, dass ich mich mit Sonnencreme eingeschmiert habe, obwohl ich das klebrige Zeug hasse. Die Deutschen bleiben deutlich hinten und wir erreichen das Ende der Stra\u00dfe, an dem die Talstation der Materialseilbahn zur H\u00fctte liegt. Das ist immer noch die wesentlich \u00f6kologischere und nat\u00fcrlich g\u00fcnstigere Variante als der Hubschrauber.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Anmarsch.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Anmarsch.jpg\" alt=\"Anmarsch.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Anmarsch zur Kasseler H\u00fctte<\/p>\n<p>Der Weg ist traumhaft und ich kann diese Tour nur w\u00e4rmstens weiterempfehlen. Warm ist uns \u00fcbrigens auch, links und rechts wachsen in Unmengen die reifen Heidelbeeren und nach einem eher kurzen Waldst\u00fcck geht es in den Hang hinein, der Anstieg ist steil, aber gut ausgebaut. Die Tourismusverb\u00e4nde und Alpenvereine k\u00fcmmern sich hervorragend um die Wege, das muss man ihnen lassen. Bei steilen Abbr\u00fcchen gibt es eine Absperrung, bei ausgesetzten Stellen ein kleines Seil und \u00fcberall die gelben Schilder, die den richtigen Weg anzeigen. Nur die alten farblichen Markierungen gibt es nicht mehr, jetzt findet man nur noch rot-wei\u00df-rote Markierungen auf den Steinen, die den richtigen Weg anzeigen. Also nix mehr mit gelber, blauer oder roter Markierung.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"WegKassel.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/WegKassel.jpg\" alt=\"Wegkassel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Der Weg auf die Kasseler H\u00fctte<\/p>\n<p>Auch hier flie\u00dfen \u00fcberall B\u00e4che hinunter, an denen man seine Wasserflasche auff\u00fcllen kann. Sie sind wirklich glasklar und kalt und pr\u00e4gen die Alpen und den Gesamteindruck einer wasserreichen Gegend.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Wasser.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Wasser.jpg\" alt=\"Wasser.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Gebirgsbach<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Kasselerhuette.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Kasselerhuette.jpg\" alt=\"Kasselerhuette.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Die Kasseler H\u00fctte<\/p>\n<p>Nach 1:55 erreichen wir die Kasseler H\u00fctte und marschieren gleich einmal schnurstracks in die K\u00fcche, aus der uns eine resolute Kellnerin hinauskomplimentiert. Die Terrasse ist aber eh viel sch\u00f6ner und wir machen es uns gem\u00fctlich, nachdem wir die durchgeschwitzten Leiberln vor der H\u00fctte auf einen gro\u00dfen Stein zum Trocknen aufgelegt haben.<br \/>\nAuch wenn schon erste Wolken aufziehen ist das Wetter trotzdem sehr sch\u00f6n und das Panorama immer noch beeindruckend. Hoch oben befindet sich die beeindruckende Laienscharte, durch die der Weg von der Greizer H\u00fctte auf die Kasseler H\u00fctte f\u00fchrt. Beim Aufstieg haben wir eine deutsche Gruppe getroffen, die vier Tage den Berliner H\u00f6henweg gegangen ist, dann jedoch vor dem Weg zur letzten H\u00fctte (Edelh\u00fctte) kapituliert hat. Das w\u00e4ren neun Stunden Marsch gewesen, ohne H\u00fctte dazwischen.<\/p>\n<p>Wir bestellen wieder einen Kaiserschmarrn &#8211; das ist die Spezialit\u00e4t der Kasseler H\u00fctte, es wird extra vor den gro\u00dfen Portionen gewarnt und wir nehmen wieder einen zu zweit.<br \/>\nEs gibt ihn hier mit oder ohne Rosinen und je nach Jahreszeit auch mit anderen Zutaten. Wir w\u00e4hlen den mit Moosbeeren und die Kellnerin meint, das k\u00f6nnte klappen.<br \/>\nAls sie ihn bringt, werden all unsere Erwartungen bei weitem \u00fcbertroffen. Es ist der beste Kaiserschmarren, den ich seit Ewigkeiten gegessen habe. Und die Portion ist tats\u00e4chlich \u00fcppig, der Preis mit 12 Euro mehr als fair.<br \/>\nNur daf\u00fcr zahlt es sich schon aus heraufzumarschieren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Kaiserschmarren.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Kaiserschmarren.jpg\" alt=\"Kaiserschmarren.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Kaiserschmarren mit Moosbeeren<\/p>\n<p>Nicht so toll in Schuss sind die Gletscher. Genau genommen handelt es sich um eher erb\u00e4rmliche \u00dcberreste, die m\u00e4chtigen Gletscherb\u00e4che donnern auch nicht mehr zu Tal, sondern flie\u00dfen recht unspektakul\u00e4r hinunter. Ich hatte ein bisschen Angst vor diesem Anblick, denn er zeigt, womit wir in Zukunft zu rechnen haben.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Gletscher.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Gletscher.jpg\" alt=\"Gletscher.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Gletscherr\u00fcckgang<\/p>\n<p>Auch wenn mir die drei\u00dfig Jahre recht lang erscheinen &#8211; genau genommen spielt sich der Klimawandel hier in unglaublicher Geschwindigkeit ab und ich f\u00fcrchte, dass man sich nicht mehr lange auf irgend eine Form von nat\u00fcrlichem Klimavorgang wird ausreden k\u00f6nnen, um die eigene Bequemlichkeit uneingeschr\u00e4nkt zu erhalten. Wobei die meisten Menschen sie ja nicht erhalten, sondern noch deutlich ausbauen wollen.<\/p>\n<p>Auch die Tiroler f\u00fchren gerne die &#8222;Kleine Eiszeit&#8220; im 16. bis 19. Jahrhundert an, bei der sich auch binnen weniger Jahrzehnte das Klima ver\u00e4ndert hat. Wikipedia sagt dazu folgendes:<\/p>\n<p>&#8222;Als Ursachen f\u00fcr die Kleine Eiszeit gelten haupts\u00e4chlich verst\u00e4rkter Vulkanismus und eine geringere Aktivit\u00e4t der Sonne. F\u00fcr Wiederbewaldung, die durch Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang oder durch regionale Klima\u00e4nderungen hervorgerufen worden sein k\u00f6nnte, sowie ver\u00e4nderte Meeresstr\u00f6mungen wird eine verst\u00e4rkende Rolle vermutet. Zus\u00e4tzlich zu diesen \u00fcber Zeitr\u00e4ume von Jahrzehnten wirkenden Einfl\u00fcssen gab es einen geringen, \u00fcber Jahrtausende reichenden Abk\u00fchlungstrend, der durch \u00c4nderungen der Erdumlaufbahn bewirkt wurde.[20]<br \/>\nDie mit dem Ende der Kleinen Eiszeit einsetzende Wiedererw\u00e4rmung ist f\u00fcr die ersten Jahrzehnte wahrscheinlich teilweise auf die \u00c4nderung von Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren, die die Kleine Eiszeit verursachten. So nahm bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Intensit\u00e4t der Sonnenstrahlung wieder zu. Die globale Erw\u00e4rmung der letzten Jahrzehnte dagegen ist h\u00f6chstwahrscheinlich durch menschliche Treibhausgasemissionen verursacht und nicht durch weggefallene Ursachen der Kleinen Eiszeit erkl\u00e4rbar.[21] &#8220;<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, wir werden uns da nicht mehr rausreden k\u00f6nnen und ich w\u00fcnsche den Tirolerinnen und Tirolern, dass die Auswirkungen nicht so hart werden wie bef\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>Nach einer guten halben Stunde treffen die Kasseler ein und nach einer Stunde machen wir uns wieder auf den Weg ins Tal. Zuvor bewundern wir noch den kleinen Kr\u00e4utergarten, den die H\u00fcttenwirte angelegt haben:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Garten.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Garten.jpg\" alt=\"Garten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Kleiner Kr\u00e4utergarten vor gro\u00dfer Kulisse<\/p>\n<p>Am Weg bergab begegnen uns noch zahlreiche Wanderer, die zur H\u00fctte ansteigen. Wieder befinden sich Touristen darunter, die mit komplett ungeeigneter Ausr\u00fcstung hinaufsteigen. Meistens sind die Schuhe das erschreckendste Merkmal daf\u00fcr, wie sich die Leute die Verh\u00e4ltnisse am Berg vorstellen. Das Klischee vom Deutschen in Sandalen ist keines, wir sehen t\u00e4glich die Realit\u00e4t hier in den Bergen.<br \/>\nVor allem Kinder und Jugendliche sind oft extrem schlecht ausger\u00fcstet, meist hat nur der Vater einen kleinen Rucksack. Wenn da jemand bergab umkn\u00f6chelt, ist es durchaus ein Segen, dass dort oben \u00fcberall Handyempfang ist. Wie viel Eins\u00e4tze die Bergrettung tats\u00e4chlich hat, wei\u00df ich aber nicht.<br \/>\nWas sich \u00fcbrigens verbreitet durchgesetzt hat und auch sehr sinnvoll ist, sind Wanderstecken. Sie helfen besonders beim Abstieg wenn man m\u00fcde wird und ich verwende sie vor allem in Afrika, wenn ich auf einen hohen Berg gehe. Diesmal funktioniert es auch ohne sehr gut, vor allem, weil ich meine robusten Wanderschuhe trage, wenngleich ich auch mit ihnen beim steilen Abstieg auf einer geraden Fl\u00e4che (Stra\u00dfe) an die Grenzen komme und mit den Zehen ansto\u00dfe. Eigentlich passen sie, mir ist das ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Als wir bei der H\u00fctte ankommen, sitzt der Wasserfall-Hans gerade mit ein paar Leuten bei einem erfrischenden Getr\u00e4nk. Wir vereinbaren, dass wir noch ein St\u00fcck zu Fu\u00df Richtung Parkplatz gehen, denn das Tal ist wirklich wundersch\u00f6n. Er klaubt uns dann ca. eine Stunde sp\u00e4ter auf. Die einfache Fahrt mit dem Shuttle kostet \u00fcbrigens 5 Euro, die Hin- und R\u00fcckfahrt 7.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrt jetzt leicht bergab \u00fcber eine asphaltierte Stra\u00dfe. Links und rechts rauschen Wasserf\u00e4lle \u00fcber sehr steile Felsw\u00e4nde, das Tal ist gr\u00fcn und es gibt jede Menge K\u00fche, die vor allem zur Milchwirtschaft verwendet werden.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Stilluptal.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Stilluptal.jpg\" alt=\"Stilluptal.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Das Stilluptal<\/p>\n<p>Bei einer Alm bleiben wir stehen und bewundern den mehrere Jahrhunderte alten Holzbau. Ob das nur mehr Folklore ist oder die Milchkannen tats\u00e4chlich noch in Verwendung sind, konnten wir nicht eruieren. Die Almen sind aber alle noch bewirtschaftet und auch wenn wir an einem traumhaften Sommertag da sind, so darf dies nicht dar\u00fcber hinweg t\u00e4uschen, dass das Leben hier nicht einfach ist. Die zahlreichen technischen Hilfen, die es heute gibt &#8211; vom Traktor bis zur Melkmaschine &#8211; machen es zwar einfacher, aber faul darf man hier wirklich nicht sein.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"AlmDetail.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/AlmDetail.jpg\" alt=\"AlmDetail.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Alte Milchkannen<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Alm.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Alm.jpg\" alt=\"Alm.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Uralte Alm<\/p>\n<p>Irgendwo kommen wir an einem Minikraftwerk vorbei. der Bach wird ein St\u00fcck weiter oben in einem Reservoir gefasst, von dort geht eine Druckleitung hinunter und treibt eine kleine Turbine an, die Strom erzeugt. Dieser wird dann zu den benachbarten H\u00e4usern geleitet.<br \/>\nEines dieser H\u00e4user ist besonders sch\u00f6n und hat ein Foto verdient:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Blumen.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Blumen.jpg\" alt=\"Blumen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Haus auf einer Alm im Stilluptal<\/p>\n<p>Nach ca. einer Stunde Fu\u00dfmarsch klaubt uns der Hans dann auf und wir sind ein paar Minuten sp\u00e4ter wieder am Parkplatz. Dann geht es ab nach Hause, wir sind rechtschaffen m\u00fcde von der langen Tagestour.<br \/>\nAls wir in F\u00fcgen zur\u00fcck sind, genehmigen wir uns erst einmal eine Kneippkur. Der Asterhof hat vor einiger Zeit ein eigenes Kneippbecken bekommen, das mit dem hofeigenen, eiskalten Quellwasser betrieben wird. Das tut den F\u00fc\u00dfen mehr als nur gut.<br \/>\nDanach stellt sich erneut die Frage, wohin wir Abendessen gehen. Anni schl\u00e4gt eine Alm am Weg Richtung Hochf\u00fcgen vor, knappe zehn Minuten Autofahrt, denn f\u00fcr das Fahrrad sind wir heute zu m\u00fcde.<br \/>\nWir m\u00fcssten uns allerdings beeilen, denn warmes Essen g\u00e4be es nur bis sieben Uhr. Also flitzen wir hinauf und direkt an der Stra\u00dfe befindet sich die Schellenberg-Alm mit einer einigerma\u00dfen urigen H\u00fctte. Wir sind allerdings die einzigen G\u00e4ste und der Wirt wirkt nicht allzu motiviert uns noch zu bedienen, ist aber nicht unfreundlich.<br \/>\nWir g\u00f6nnen uns K\u00e4ssp\u00e4tzle und ich schiele schon nach dem hausgemachten Apfelkuchen, voll der Erinnerung an den sensationellen gedeckten M\u00fcrbeteig-Apfelkuchen von Mariedl vor 30 Jahren.<br \/>\nDie Sp\u00e4tzle sind okay &#8211; nicht mehr und nicht weniger. Der ger\u00f6stete Zwiebel ist aus dem Packerl, der Mais und die Karotten im Salat aus der Dose.<br \/>\nUnd der Apfelkuchen stellt sich als R\u00fchrteigkuchen heraus, der oben eine ganz d\u00fcnne Schichte mit einem Hauch von Apfel hat. Nicht schlecht, aber kein Vergleich mit dem, was ich erwartet habe.<\/p>\n<p>Der Wirt m\u00f6chte zusperren und sich noch mit seinen Jagerskollegen \u00fcber den morgigen Ansitz unterhalten, daher machen wir uns auf den Weg hinunter zum Asterhof.<br \/>\nWieder geht ein langer und wundersch\u00f6ner Tag zu Ende, mit der Option auf einen weiteren morgen.<\/p>\n<p>SAMSTAG<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck mundet wieder hervorragend und das Wetter ist wundersch\u00f6n. Es bahnt sich ein weiterer hei\u00dfer Sommertag an. Neben uns sitzen neue G\u00e4ste &#8211; eine Familie mit zwei Buben, so 8 und 10 Jahre alt. Ich finde es ein wenig schade, dass sie all die guten Sachen wie die hausgemachte Butter oder die gro\u00dfartige Heidelbeermarmelade keines Blickes w\u00fcrdigen und sich statt dessen ausschlie\u00dflich von Nutella und diesen kleinen Actimel-Fl\u00e4schchen ern\u00e4hren. Beides besteht eigentlich fast zur G\u00e4nze aus Zucker und Fett und den Eltern d\u00fcrfte die Ern\u00e4hrung der Kinder reichlich egal sein. Der Sieg der Marketingindustrie scheint schon ziemlich vollst\u00e4ndig zu sein.<br \/>\nAuch der Verpackungstrend stimmt mich bedenklich &#8211; Actimel kommt in einem kleinen Plastikfl\u00e4schchen mit einem Alu-Deckel. Beides wird zu M\u00fcll. Auch die Nutella ist in einem winzigen Plastiksch\u00e4lchen.<br \/>\nDie Marmelade hingegen wird aus einer kleinen Glasschale gegessen, die danach abgewaschen und wiederverwendet wird.<\/p>\n<p>Heute steht der Hausberg der F\u00fcgener am Programm, das Spieljoch. Wir marschieren zur Spieljochbahn und kaufen zwei Karten (einfache Bergfahrt) zu sportlichen 13,50 Euro pro Karte.<br \/>\nDie Bahn beginnt um neun Uhr mit dem Betrieb und wir sind in einer der ersten Gondeln. Viel ist um die Zeit noch nicht los, ein paar Wanderer fahren mit uns hinauf.<\/p>\n<p>Auch hier war ich \u00fcber 30 Jahre nicht mehr oben und erinnere mich noch an meinen damaligen Schreck, als ich die Mondlandschaft einer Skipiste im Sommer gesehen habe.<br \/>\nDamals war ich noch politisch eher uninteressiert und auch nicht gr\u00fcn, trotzdem hat mich die Umweltzerst\u00f6rung bereits gest\u00f6rt. Wie wird es diesmal sein?<\/p>\n<p>So wie die gesamte Spieljochbahn wurde auch die Bergstation komplett neu gebaut und zwar in Form eines &#8222;Spa-Ressorts&#8220; &#8211; was auch immer das genau ist. Ich habe es mir innen nicht genauer angesehen, der Bau ist hochmodern und imposant und rundherum haben sie eine Art Disneyland aufgebaut. Es sieht aus wie ein \u00fcberdimensionierter Spielplatz und das Foto zeigt einen Ausschnitt davon:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Bahn1.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Bahn1.jpg\" alt=\"Bahn1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Bergstation Spielhochbahn<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt das nicht, aber ich bin auch kein Zielpublikum. Wie ich sp\u00e4ter von Anni erfahre, sind es vor allem Familien mit Kindern, die davon angelockt werden. Die Eltern wollen die Kinder im Urlaub irgendwie besch\u00e4ftigen und je mehr Entertainment und Spielanlagen es gibt, umso besser.<br \/>\nIch frage mich, was wir als Kinder fr\u00fcher gemacht haben und erinnere mich zur\u00fcck. Wir haben und einen kleinen Bach gesucht und dort stundenlang gespielt. Oder wir sind einfach in den Wald gegangen, haben uns einen Ast abgeschnitten und daraus Pfeil und Bogen gebaut. Manchmal sind wir auch einfach herumgegangen und haben die Natur erkundet, Bl\u00e4tter oder Steine gesammelt oder Insekten, Kaulquappen aus einem kleinen T\u00fcmpel oder Aus \u00c4sten und Moos eine Burg gebaut. Wir sind auf B\u00e4ume geklettert und haben uns mit unserem ersten Taschenmesser kleine Holzpfeifen geschnitzt (irgendwo besitze ich sogar noch so eine). Wir haben Schwammerl und Beeren gebrockt und uns an Brennesseln verbrannt. Das alles hat uns riesigen Spa\u00df gemacht und ich hatte nicht das Gef\u00fchl, dass uns irgend eine Form von vorgefertigtem Entertainment fehlt.<\/p>\n<p>Das alles gibt es heute nicht mehr, die Kinder brauchen scheinbar einen Vergn\u00fcgungspark mit allerlei Ger\u00e4ten. Die Natur ist nur mehr Kulisse, die man zwar ganz nett findet, genau genommen aber nicht mehr braucht. Die Kletterger\u00e4te k\u00f6nnten auch in Wuppertal aufgebaut sein, vielleicht rundherum mit einer gigantischen Videoleinwand, auf die man eine Bergkulisse aus Tirol projiziert. Jetzt f\u00e4llt mir doch wieder die Dystopie der Piefke-Saga ein, dort gab es \u00e4hnliche Dinge und die Natur hatte sich in einen Plastikfriedhof verwandelt.<br \/>\nDie netteste Idee dort oben und mit wenig Naturzerst\u00f6rung verbunden ist ein Barfussweg, den sie vor kurzem gebaut haben:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Barfuss.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Barfuss.jpg\" alt=\"Barfuss.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Der Barfuss-Weg am Spieljoch<\/p>\n<p>Er ist f\u00fcr Menschen, die nicht mehr wissen, wie man barfu\u00df geht. Er darf \u00fcbrigens ohne Zusatzkosten ben\u00fctzt werden und nach wenigen Metern gibt es eine kleine Bank um sich auszuruhen.<br \/>\nJetzt ist mir auch klar, mit welchen Gedanken und Vorstellungen die Touristen in die Berge gehen. Sie sehen sie als gro\u00dfen Vergn\u00fcgungspark und in einem Park braucht man weder Schutzkleidung noch gibt es die Gefahr in Bergnot zu geraten. Also kann man drauflos marschieren, jeder Weg in einem Park ist ein Spaziergang und hinter jeder Ecke gibt es noch eine Steigerung zur momentanen Bequemlichkeit. Passieren kann nichts, im Notfall, der eigentlich gar nicht vorstellbar ist, ruft man kurz die Parkaufsicht und l\u00e4sst diese \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr den Winterbetrieb. Als ich mit Anni dar\u00fcber diskutiere, erz\u00e4hlt sie mir, dass die Anspr\u00fcche der Urlauber massiv gestiegen sind. Heute verlangen sie eine rund um die Uhr bestens pr\u00e4parierte und vollkommen glatte Skipisten und wehe es gibt irgendwo eine apere Stelle. Fr\u00fcher haben wir und da und dort die Lauffl\u00e4che der Ski zerkratzt, irgendwo ein Stein oder eine raue Stelle waren ganz normal und manche Piste hatte Buckeln &#8211; da sind wir halt dr\u00fcber gefahren.<br \/>\nSo etwas darf heute nicht mehr sein und f\u00fchrt zu sofortigen Beschwerden. Die Betreiber der Skigebiete reagieren darauf, denn man hat Angst, dass die Touristen in ein anderes Skigebiet abwandern, in dem es noch ein wenig mehr an Bequemlichkeit gibt. Deswegen stehen am Berg \u00fcberall die dauernd installierten Schneekanonen und der Boden ist mit Rohren, Leitungen, Steuerungsk\u00e4sten und noch vielem mehr durchzogen.<br \/>\nOben am Spieljoch haben sie neben den alten Wasserspeicher einen noch gr\u00f6\u00dferen, neuen hingebaut. Etwas abseits liegt die riesige Anlage mit den Generatoren, denn zur Erzeugung von Kunstschnee braucht man enorme Mengen Strom und Wasser, das zu diesem Zweck hinaufgepumpt werden muss.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Becken.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Becken.jpg\" alt=\"Becken.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Sammelbecken f\u00fcr den Schneekanonenbetrieb im Winter<\/p>\n<p>Was man hier nicht sieht und was viele nicht wissen: Schneekanonen (zumindest manche Fabrikate) m\u00fcssen beheizt werden, damit sie nicht einfrieren. Und das Wasser in den Speicherseen muss gek\u00fchlt werden, da es sonst zu warm f\u00fcr die Schneekanonen ist. Das ist pervers in Zeiten der Klimakatastrophe? Nicht pervers genug um es zu unterlassen.<\/p>\n<p>Dieser steigende Strombedarf muss durch noch mehr Kraftwerke abgedeckt werden und f\u00fcr den Bau dieser Kraftwerke muss weitere Naturzerst\u00f6rung genehmigt werden, was politisch aber kein Problem zu sein scheint. Es d\u00fcrfen zwar keine neuen Skigebiete mehr gebaut werden, aber die Erneuerung und Vergr\u00f6\u00dferung der bestehenden ist erlaubt. Daf\u00fcr gibt es auch gro\u00dfz\u00fcgige Kredite von Banken und ich frage mich, ab wann und mit wieviel Steuergeld wir diese werden retten m\u00fcssen, wenn durch die Erderw\u00e4rmung irgendwann auch die beste Schneekanone nicht mehr funktioniert.<\/p>\n<p>Wir machen uns bereit dem Disneyland zu entkommen und beschlie\u00dfen auf das Kreuzjoch zu wandern. Vorher gibt es aber noch einen Blick ins Tal, wo der Asterhof gut zu erkennen ist:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"AsterhofOben.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/AsterhofOben.jpg\" alt=\"AsterhofOben.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Blick vom Spieljoch ins Tal<\/p>\n<p>Wir haben mehrere M\u00f6glichkeiten das Kreuzjoch zu erreichen. Es ist vom Spieljoch gut sichtbar, denn ganz oben steht eine Kapelle, die dort \u00fcbrigens in ihrer ersten Variante schon im 16. Jahrhundert gebaut wurde.<br \/>\nEs gibt den Weg \u00fcber die Geolsalm und Gartalm hinauf zur Kreuzjochh\u00fctte oder den Alpinsteig. Im Touristenf\u00fchrer steht dazu folgendes:<\/p>\n<p>&#8222;VORSICHT! Wenn Sie ihren Weg \u00fcber den Alpin-Steig nehmen wollen, sprechen Sie erst mit dem H\u00fcttenwirt der Kellerjoch-H\u00fctte! Dieser Weg ist NUR f\u00fcr erfahrene Bergsteiger mit Ausr\u00fcstung!&#8220;<\/p>\n<p>Das ist schon einsch\u00fcchternd, denn welche Ausr\u00fcstung ist hier gemeint? Eine komplette Kletterausr\u00fcstung mit Haken, Seil und Gurt? Oder reichen feste Schuhe?<br \/>\nWir beschlie\u00dfen den Alpin-Steig zu riskieren, weil man so eine sehr nette Runde gehen kann. Vorbei an schon verbl\u00fchten Almrauschfeldern geht es \u00fcber einen einfachen Weg bis zu einer Abzweigung, nach der man auf einem Steig den Hang eines Kessels quert und dann hinauf zu einer Scharte geht. Dahinter geht es noch einmal querend bis zu einem Grash\u00fcgel und dann den Grashang hinauf auf das Kellerjoch. Der Weg ist keine wirkliche Herausforderung f\u00fcr Bergsteiger oder Wanderer, die einigerma\u00dfen trittfest sind. Wenn es nass ist, w\u00e4re allerdings Vorsicht geboten und es ist letztlich gut, dass im Wanderf\u00fchrer davor gewarnt wird, wenn man an die Disneyland-Besucher und ihre Ausr\u00fcstung denkt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Alpinsteig.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Alpinsteig.jpg\" alt=\"Alpinsteig.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Der Alpinsteig zum Kreuzjoch<\/p>\n<p>Unterhalb des Gipfels weidet eine Herde Schafe und der ganze Gipfel ist eigentlich ein einziger gro\u00dfer Grash\u00fcgel.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Schafe.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Schafe.jpg\" alt=\"Schafe.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Schafe am Kreuzjoch<\/p>\n<p>Wir marschieren bei pr\u00e4chtigem Wetter auf das Kellerjoch, der ein unglaubliches Panorama bietet, weit ins Inntal hinein und zu den zahlreichen hohen Gipfeln des Hauptalpenkamms. Man sieht den Gro\u00dfvenediger und den Hintertuxer Gletscher, auf der anderen Seite gerade mal nicht den Achensee, weiter dr\u00fcben den Wilden Kaiser und noch viele andere Berge.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Panorama.JPG\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Panorama.JPG\" alt=\"Panorama.JPG\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Panoramablick vom Kreuzjoch<\/p>\n<p>Dann geht es bergab zur Kreuzjochh\u00fctte, alles in sehr angenehmer Reichweite. Der Weg ist da und dort ein wenig ausgesetzt, aber an den heiklen Stellen gut mit Seilen gesichert, an denen man sich anhalten kann. Da kann man durchaus auch mit Kindern hinaufgehen, wenn sie gute Schuhe haben.<br \/>\nAuf der H\u00fctte sind aufgrund eines derzeitigen Wassermangels die WCs gesperrt und wir gehen weiter hinunter zur Gartalm, die im Wanderf\u00fchrer als unglaublich toll angepriesen wird. Sie stellt sich als nackter Betonklotz heraus mit einer Unzahl an Coca-Cola-Schirmen davor. Auch die Speisekarte (Schnitzel mit Pommes und \u00e4hnliches) reizt uns nicht wirklich und wir beschlie\u00dfen unsere Mittagsrast auf der Geolsalm einzulegen, die nur eine halbe Stunde weiter liegt und an die ich mich noch erinnern kann.<br \/>\nDer gesamte Weg gleicht dort eher einem Spaziergang und die Geolsalm ist tats\u00e4chlich um einiges stimmungsvoller als die Gartalm. Ich bestelle eine Brettljause und freue mich schon auf eine z\u00fcnftige Bergmahlzeit.<br \/>\nWas dann kommt ist eine ziemliche Entt\u00e4uschung. Das Brot ist am Rand schwarz verkohlt, alles ist lieblos angerichtet und der Speck sollte echt nicht so genannt werden. Das F\u00e4chergurkerl ist okay, der K\u00e4se auch, insgesamt aber w\u00fcrde zumindest unser Mittagessen zu keiner Empfehlung f\u00fchren, vielleicht zum Preis f\u00fcr die schlechteste Brettljause im Zillertal. Schade eigentlich, aber vielleicht hatten wir auch gerade Pech und das Essen ist sonst eh gut.<\/p>\n<p>Wir marschieren durch den F\u00fcgener Wald bergab Richtung Mittelstation der Spieljochbahn. Auf diesen Wald habe ich mich seit Jahren gefreut und habe ihn als eine Art M\u00e4rchenwald in Erinnerung. Wir haben dort vor langer Zeit Unmengen an Eierschwammerln und Heidelbeeren gefunden und mein Erinnerungsbild zeigt alte, moosbewachsene Baumriesen, keine T\u00fcmpel mit Farnkraut und einen geheimnisvoll anmutenden, dunklen Pfad \u00fcber Wurzeln und Felsen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Fliegenpilz.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Fliegenpilz.jpg\" alt=\"Fliegenpilz.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Ein Fliegenpilz im F\u00fcgener Wald<\/p>\n<p>Die heutige Realit\u00e4t ist eine andere. Der Weg ist breiter, aber immer noch reizvoll. Es ist aber alles sehr trocken, was einem sehr trockenen und warmen Fr\u00fchsommer geschuldet ist, wie ich sp\u00e4ter von Anni erfahre. Der M\u00e4rchenwald existiert nur mehr in meiner Erinnerung, wenngleich es die Unmengen Heidelbeeren auch heute noch gibt. Auch Eierschwammerl finden wir, wenn auch nur eine kleine Menge. Alles in allem ist es eine kleine Entt\u00e4uschung und mein Bild hat sich massiv ver\u00e4ndert, wenn auch nicht zum Guten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Bergwald.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Bergwald.jpg\" alt=\"Bergwald.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Der F\u00fcgener Wald<\/p>\n<p>Es gibt auch gro\u00dfe Schneisen, die mitten durch den Wald geschlagen wurden und auf mehreren Forststra\u00dfen liegen gro\u00dfe Mengen an Rohren f\u00fcr eine Stromleitung, die wahrscheinlich bald gebaut wird.<br \/>\nWir erreichen die Mittelstation und beschlie\u00dfen, den Rest des Weges zum Asterhof auch noch zu gehen. Es ist hei\u00df und wir sind schon ein wenig m\u00fcde, die Zehen und Unterschenkel schmerzen vom langen Bergabgehen, daf\u00fcr ist das Wetter nach wie vor sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Als wir wieder beim Asterhof ankommen, sind wir schon recht ersch\u00f6pft und genie\u00dfen das k\u00fchle Wasser des Kneipp-Beckens. Und ich freue mich schon auf die Zillertaler Krapfen, die es am Abend hoffentlich geben wird.<br \/>\nDas Dorffest in Stumm ist unser Ziel und nicht weit entfernt, eine knappe Viertelstunde mit dem Auto. Rund um die Kirche ist eine gro\u00dfe B\u00fchne aufgebaut, auf der die Blaskapelle aus Scheffau am Wilden Kaiser spielt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Blaskapelle\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Blaskapelle.jpg\" alt=\"Blaskapelle\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Blaskapelle<\/p>\n<p>Das Fest ist sehr gut besucht und an einem Stand gibt es tats\u00e4chlich die Krapfen. Ich bestelle gleich 4 Portionen zu je sechs Krapfen, was mit 28 Euro zu Buche schl\u00e4gt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"Krapfen.jpg\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/Krapfen.jpg\" alt=\"Krapfen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Zillertaler Krapfen<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Sie treffen all meine Erwartungen, sind wirklich gut und ich bin froh, dass wir noch eine Gelegenheit gefunden haben diese alte lokale Spezialit\u00e4t essen zu k\u00f6nnen. Bis auf zwei St\u00fcck schaffe ich alle (Susanne hat ca. 6 St\u00fcck gegessen) und das Zillertaler Bier mundet auch und ist nach der heutigen Wanderung durchaus verdient.<br \/>\nZum Schluss gibt es &#8211; das geh\u00f6rt hier dazu &#8211; noch ein Schnapsl, das hier von jungen Marketenderinnen ausgeschenkt wird und einen Euro kostet. Die M\u00e4dchen geh\u00f6ren zur Blaskapelle und erwirtschaften mit der Ausschank einen kleinen Nebenverdienst. Sie tragen vor sich ein kleines Holzf\u00e4sschen und haben vier Metallstamperln, in denen sie den Obstler ausschenken, der \u00fcbrigens gar nicht \u00fcbel war.<br \/>\nDanach wird das Stamperl mit einem Tuch abgewischt und sie marschieren zum n\u00e4chsten Gast. So ist das hier in Tirol.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" title=\"schnapsl\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2018.07.25_Zillertal\/schnapsl\" alt=\"schnapsl\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: A Schnapsl wird ausg\u00b4schenkt<\/p>\n<p>Nach der Blaskapelle spielt eine Band aus Reith im Winkel und als sie &#8222;Joli-joli-joooli-joli-j\u00e4\u00e4\u00e4&#8220; vom Geballier spielen, ist es f\u00fcr uns Zeit zu gehen.<br \/>\nEs war wieder ein langer und sehr sch\u00f6ner Tag, leider der letzte, denn morgen geht es wieder zur\u00fcck nach Wien.<\/p>\n<p>SONNTAG<\/p>\n<p>Nach dem letzten Fr\u00fchst\u00fcck und einer ausf\u00fchrlichen Abschiedsplauderei mit Lisl und Anni geht es zur\u00fcck nach Wien. Wir beschlie\u00dfen diesmal \u00fcber das kleine Deutsche Eck zu fahren, um eventuellen Grenzstaus zu entkommen. Das stellt sich als m\u00e4\u00dfig schlauer Plan heraus, denn auch auf der Bundesstra\u00dfe nach St. Johann und Lofer ist viel Verkehr und die zahlreichen Sonntagsschleicher sind schwer zu \u00fcberholen. Doch auch das geht irgendwann vorbei und die restliche R\u00fcckfahrt verl\u00e4uft st\u00f6rungsfrei und flott.<\/p>\n<p>Es war ein wundersch\u00f6ner Urlaub und ich hoffe, dass ich bald einmal wieder ins Zillertal komme &#8211; vielleicht ja schon n\u00e4chstes Jahr, im Zuge meiner \u00d6sterreich-Tour mit der Elektrovespa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist tats\u00e4chlich schon so lange her. Anfang der 1990er war ich mit Freunden eine Woche Mountainbiken in F\u00fcgen im Zillertal, am Asterhof der Familie Steinberger. 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