{"id":2778,"date":"2020-11-03T09:22:17","date_gmt":"2020-11-03T08:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2778"},"modified":"2020-11-03T09:22:17","modified_gmt":"2020-11-03T08:22:17","slug":"gedanken-zu-terror-und-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/gedanken-zu-terror-und-gewalt\/","title":{"rendered":"Gedanken zu Terror und Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Terroranschlags in Wien vom 2. November 2020 wurde ich heftig attackiert, weil die Wiener Gr\u00fcnen im Wiener Wahlkampf angeblich eine Entwaffnung der Polizei gefordert h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Das ist eine verk\u00fcrzte Darstellung und somit eine falsche. Es ging darum das Konzept der englischen, nicht bewaffneten Bobbys zu diskutieren, ob dies auch bei uns eine deeskalierende Funktion haben k\u00f6nnte. Dieser Gedanke ging in der emotionalen Diskussion unter und wurde auch seitens der Gr\u00fcnen nicht so dargestellt.<\/p>\n<p>Leider gewinnen gerade in unserer jetzigen Zeit nicht die differenzierten Darstellungen oder Argumente, sondern immer \u00f6fter die vereinfachten, polarisierenden. Auch die Gr\u00fcnen sind hier keine Ausnahme.<br \/>\nVersch\u00e4rft wurde das noch durch zahlreiche Medienberichte, die auch nicht gerade auf Differenzierung Wert legten, etwa durch den Standard oder den ORF.<\/p>\n<p>Dabei ist gerade dieses Thema zu komplex und l\u00e4sst sich nur dann eindimensional darstellen, wenn man statt Information und Diskussion lieber Propaganda betreiben will.<\/p>\n<p>Die Wurzel aller Ideen ist ein Grundwert der Gr\u00fcnen, n\u00e4mlich die \u201eGewaltfreiheit\u201c. Sie wird gerne und oft missverstanden, und zwar von fast allen Seiten, auch von zahlreichen Gr\u00fcnen selbst.<br \/>\nIch kann hier nur meine Interpretation anbieten: Gewaltfrei bedeutet, dass ich immer nach M\u00f6glichkeit versuche einen Konflikt gewaltfrei zu l\u00f6sen. Gewalt ist somit nicht meine erste Option, sondern im Idealfall die letzte.<br \/>\nWenn ich aber mit Gewalt konfrontiert bin, gegen mich oder andere, muss ich mich bzw. andere selbstverst\u00e4ndlich verteidigen.<br \/>\nUnd wenn es keine andere M\u00f6glichkeit gibt, dann darf und kann ich auch selbst Gewalt anwenden.<br \/>\nWer tiefer in diese Materie eintauchen will, dem empfehle ich Besch\u00e4ftigung mit dem \u201ePrisoners Dilemma\u201c \u2013 dazu gibt es jede Menge Infos und Literatur im Internet, gerne auch bei mir.<\/p>\n<p>Eine spezielle Form der Gewalt ist der Terror, er richtet sich im Normalfall gegen eine ganze Gesellschaft. Auch wenn die h\u00e4ufigste Form in unserer Zeit in unserer \u201ewestlichen\u201c Welt der rechtsextreme Terror ist, so erscheint der islamistische Terror st\u00e4rker und \u00f6fter vorzukommen. Das mag an den medialen Darstellungen liegen oder auch an den politischen Kr\u00e4ften, die ganz bestimmte Feindbilder bewusst aufbauen, oder an der spektakul\u00e4reren Form, uns bleibt jedenfalls nichts anderes \u00fcbrig, als uns damit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Ich finde den Ansatz gut, muslimischen Glauben und radikalen Islam auseinanderzuhalten. Das funktioniert aber nur, wenn sich die friedlichen Muslime klar von ihren radikalen Ablegern distanzieren und diese von sich aus bek\u00e4mpfen.<br \/>\nEin paar freundliche Worte reichen da leider nicht aus, hier ist eine offene Zusammenarbeit mit dem \u00f6sterreichischen Staat gefordert.<br \/>\nIch m\u00f6chte es noch klarer formulieren: Sie m\u00fcssen selbst t\u00e4tig werden, um keine Mitschuld auf sich zu nehmen. Und sie m\u00fcssen kooperieren, st\u00e4ndig und in engem Austausch. Dies hat der ORF-Korrespondent Karim El-Gawhari in seinen &#8222;Arabesken&#8220; folgenderma\u00dfen beschrieben (Quelle: Facebook-Post vom 3. November 2020):<\/p>\n<p>&#8222;Das ist jetzt ein Post den ich nach den Anschl\u00e4gen in Wien als besonders wichtig erachte, damit man in \u00d6sterreich nicht in die IS-Falle tappt. In einem Manifest 2015 im IS-Online-Magazin Dabiq, wurde eine Dynamik beschrieben, die die militanten Islamisten f\u00fcr sich nutzen wollen. Die Idee war relativ einfach. Mit jedem islamistischen Anschlag in Europa und dem Westen w\u00e4chst dort die antiislamische Stimmung. Die Folge w\u00e4re eine Polarisierung und wie es damals hie\u00df, \u201edie Eliminierung der grauen Zone\u201c, wie die Koexistenz zwischen Muslimen und Nichtmuslimen dort umschrieben wurde. Mit der Ausgrenzung der Muslime im Westen, k\u00f6nnten diese so leichter in die Arme der militanten Islamisten und ihrer Ideologie getrieben werden und w\u00e4ren leicht zu rekrutieren.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist das eine. Auf der anderen Seite brauchen wir eine gut funktionierende, gut ausgebildete und gut bezahlte Polizei. Sie soll quasi ein nach au\u00dfen sichtbares Zeichen einer sicheren Stadt bzw. Eines sicheren Landes sein.<br \/>\nDaf\u00fcr schlage ich folgendes vor:<\/p>\n<p>1.) Das generelle Ziel muss eine massive Aufwertung des Jobs sein. PolizistIn sein bedeutet, zu einer gefragten Elite zu geh\u00f6ren. Dann bewerben sich dort auch die richtigen Leute, was wiederum den Job aufwertet, wodurch sich noch bessere Leute bewerben etc.<\/p>\n<p>2.) Die Bezahlung muss \u00fcberdurchschnittlich sein. Selbst die \u201enormalen\u201c Streifendienste k\u00f6nnen gef\u00e4hrlich sein, sie sind oft anstrengend, auch oder vor allem durch mangelhafte Besetzung der Polizeiinspektionen.<\/p>\n<p>3.) Die Ausbildung muss aufgewertet, verbessert und verl\u00e4ngert werden. Der Lehrk\u00f6rper soll aus einer gut ausgesuchten Mischung bestehen: Fixe Lehrkr\u00e4fte, alte Hasen mit viel Erfahrung sowie externe SpezialistInnen f\u00fcr bestimmte Themen wie Konfliktmanagement, Inklusion, Kommunikation, Stressbew\u00e4ltigung etc.<br \/>\nSie alle m\u00fcssen ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich bezahlt werden, sprich dem Honorar der freien Wirtschaft angepasst.<br \/>\nEine fertig ausgebildete Sicherheitskraft ist dem Bachelor gleichzusetzen.<\/p>\n<p>4.) Die Ausr\u00fcstung ist bereits verbessert worden, diese Entwicklung muss weitergehen. Und ja, selbstverst\u00e4ndlich sind die gut ausgebildeten Sicherheitskr\u00e4fte bewaffnet, und zwar den Anforderungen ad\u00e4quat. Minimum sind Glock und Pfefferspray. Bei gut ausgebildeten PolizistInnen braucht auch niemand Angst zu haben, dass diese die Waffen falsch anwenden.<\/p>\n<p>5.) Auch die Spezialeinsatzkr\u00e4fte sind zu verst\u00e4rken. Die Basis daf\u00fcr sind gut ausgearbeitete Szenarien, die jederzeit abgedeckt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDer wichtigste Punkt muss sein: So lange die Polizei die Lage im Griff hat, kann die Bev\u00f6lkerung ein normales Leben f\u00fchren. Dieser Wert muss so hoch angesetzt sein, dass die Ma\u00dfnahmen daf\u00fcr ein hohes Budget rechtfertigen. <\/p>\n<p>6.) Alle Ma\u00dfnahmen dieses Konzepts m\u00fcssen von einer Kommission beschlossen werden, die vielf\u00e4ltig zusammengesetzt ist, mit Schwerpunkt auf StreifenpolizistInnen, die direkt aus den Inspektionen kommen. Es darf hier keine politische Einflussnahme geben und vor allem darf nicht danach der Sparstift angesetzt werden.<br \/>\nDas Motto muss lauten: besser es fadisiert sich eine Polizistin\/ein Polizist im Dienst als es fehlt eine\/r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Terroranschlags in Wien vom 2. November 2020 wurde ich heftig attackiert, weil die Wiener Gr\u00fcnen im Wiener Wahlkampf angeblich eine Entwaffnung der Polizei gefordert h\u00e4tten. Das ist eine verk\u00fcrzte Darstellung und somit eine falsche. 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