{"id":2782,"date":"2020-11-15T19:07:48","date_gmt":"2020-11-15T18:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2782"},"modified":"2020-11-15T19:07:48","modified_gmt":"2020-11-15T18:07:48","slug":"dirndl-die-koenigin-unter-den-marmeladen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/dirndl-die-koenigin-unter-den-marmeladen\/","title":{"rendered":"Dirndl &#8211; die K\u00f6nigin unter den Marmeladen"},"content":{"rendered":"<p>Ich mache seit 2006 Marmeladen selbst. Ein Freund hat in Greifenstein an der Donau einen wundersch\u00f6nen Marillenbaum, der manchmal mehr, manchmal weniger tr\u00e4gt, immer aber in herausragender Qualit\u00e4t. Damals entstand der Wunsch nach selbstgemachter Marmelade, ohne Konservierungs- oder Farb- oder sonstige Zusatzstoffe. Einfach nur mit Zucker und einem Geliermittel, ich nehme Quittinpulver.<\/p>\n<p>Zudem bevorzuge ich sortenreine Marmeladen, auch wenn sie gerade nicht in Mode sind, sondern viele Leute gerne mischen (Rhabarber-Erdbeer-Marille oder Zwetschke-Hollunder-Himbeer etc.). Mir schmeckt es besser, wenn ich die eine Frucht schmecke, die da drin ist.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren produziere ich viele Sorten, die Dirndlmarmelade war aber die zweite nach Marille und geh\u00f6rt bis heute zu meinen Favoriten.<br \/>\nEs gibt viele verschiedene Sorten, die aber alle \u00e4hnlich schmecken und sich eher in Gr\u00f6\u00dfe und Farbe unterscheiden, von knallrot bis fast schwarz.<br \/>\nAllen gemeinsam ist die hohe S\u00e4ure und das wenige Fruchtfleisch bei zugleich gro\u00dfem Kern. Offiziell hei\u00dft sie ja &#8222;Kornellkirsche&#8220;, wird aber in \u00d6sterreich gern Dirndl genannt. Nach ihr ist sogar ein ganzes Tal benannt, n\u00e4mlich das Pielachtal, \u00fcbrigens ein wundersch\u00f6nes Ausflugsziel, ich durchquere es gerne bei meinen Vespatouren. Dort wachsen die B\u00e4ume in gro\u00dfer Zahl und die Menschen haben erkannt, dass diese Frucht wertvoll ist und vermarkten sie gern und gut. Es gibt neben der Marmelade auch Chutney, Schnaps, Saft und noch vieles mehr.<\/p>\n<p>Ich mag die Dirndlmarmelade aufgrund ihrer Vielseitigkeit. Sie passt in die Palatschinke genauso wie auf\u00b4s Brot oder zum K\u00e4se. S\u00fc\u00df oder sauer, Dirndlmarmelade geht immer.<br \/>\nZus\u00e4tzlich ist ihr Geschmack mit keiner anderen Frucht vergleichbar und ihre Herstellung aufw\u00e4ndig, zumindest im Vergleich mit anderen Marmeladen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit diesem kleinen Beitrag zur Herstellung anregen. Es gibt speziell in Ost\u00f6sterreich jede Menge Dirndlb\u00e4ume, die nicht abgeerntet werden, auch in Wien und rund um Wien. Ich finde das schade und m\u00f6chte auch noch auf den Nebeneffekt verweisen, dass solche selbst produzierten Marmeladen besser schmecken und zudem noch erkennen lassen, welche Sch\u00e4tze die Natur rund um uns bereith\u00e4lt.<br \/>\nDirndlbaumstandorte gibt es da zwar keine, aber sonst kann ich diesen Link f\u00fcr alle sehr empfehlen, die nicht wissen, wo sie gratis Obst aus der N\u00e4he bekommen k\u00f6nnen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"prrkx3IjJZ\"><p><a href=\"https:\/\/www.data.gv.at\/anwendungen\/fruchtfliege-obstbaume-auf-offentlichem-grund\/\">Fruchtfliege \u2013 Obstb\u00e4ume auf \u00f6ffentlichem Grund<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Fruchtfliege \u2013 Obstb\u00e4ume auf \u00f6ffentlichem Grund&#8220; &#8212; data.gv.at\" src=\"https:\/\/www.data.gv.at\/anwendungen\/fruchtfliege-obstbaume-auf-offentlichem-grund\/embed\/#?secret=prrkx3IjJZ\" data-secret=\"prrkx3IjJZ\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich im Freundeskreis umzuh\u00f6ren. Meist kennt wer wen, der wen kennt, der wei\u00df, wo ein Baum steht.<br \/>\nUnd so funktioniert die Herstellung:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/1.jpg\" title=\"1.jpg\" alt=\"1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 1: Planen mit heruntergesch\u00fcttelten Dirndln<\/p>\n<p>Geerntet werden die Dirndl m\u00f6glichst reif, sie sollen schon weich sein, vielleicht noch nicht v\u00f6llig gatschig. Man kann sie mit der Hand pfl\u00fccken, was eine enorme Arbeit ist und nur bei kleineren Mengen f\u00fcr den Eigenbedarf empfehlenswert. Es ist aber auch da notwendig, wo sich unter dem Baum kein Platz befindet, auf den man eine Plane legen k\u00f6nnte, sondern etwa Gestr\u00fcpp, in das die Dirndln hineinfallen, wenn man sie heruntersch\u00fcttelt.<br \/>\nDas ist nat\u00fcrlich die einfachere Variante. Im n\u00e4chsten Schritt empfehle ich sie so aufzuklauben, dass m\u00f6glichst wenig &#8222;Beifang&#8220; wie kleine \u00c4ste, Bl\u00e4tter oder Insekten dabei sind. Ich sortiere auch die verrunzelten, vertrockneten oder sonstwie kaputten Fr\u00fcchte aus, vor allem die noch unreifen.<br \/>\nDas macht die n\u00e4chsten Schritte leichter.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/2.jpg\" title=\"2.jpg\" alt=\"2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 2: Die Fr\u00fcchte im Sack, bereit zur Verarbeitung<\/p>\n<p>Jetzt werden die Dirndln gebadet, um sie zu reinigen. Noch \u00fcbriger Dreck schwimmt auf und kann weggefischt werden. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/3.jpg\" title=\"3.jpg\" alt=\"3.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 3: Dirndln im Bad<\/p>\n<p>Das Problem bei den Dirndln besteht vor allem darin, dass sie Steinfr\u00fcchte sind, im Gegensatz zu Marillen oder Zwetschken aber nicht vom Kern gehen. Es gibt meiner Ansicht nach nur eine sinnvolle Variante: den Einsatz einer wirklich guten flotten Lotte. Die bekommt man im Fachhandel, sollte aber Wert auf hohe Qualit\u00e4t legen, das macht sich schon beim ersten Einsatz bezahlt und das Ding h\u00e4lt auch ewig.<br \/>\nIm Sinne des Erhalts von Fachgesch\u00e4ften empfehle ich vom Kauf bei Amazon und Co Abstand zu nehmen. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re z.B. hier:<br \/>\nhttps:\/\/binder-schramm.at<\/p>\n<p>Bevor die flotte Lotte zum Einsatz kommt, m\u00fcssen die Dirndln noch ein zweites Bad nehmen, diesmal ein hei\u00dfes. Ich nehme dazu einen gro\u00dfen Topf und f\u00fclle ihn mit Wasser, allerdings nicht zu viel. Es sollen ja die Dirndln hinein und darin leicht aufkochen.<br \/>\nBeim Aufkochen gehen sie auf und verbrauchen mehr Platz, daher d\u00fcrfen nicht zu viele Dirndln im Topf sein und auch zu viel Wasser ist nicht gut &#8211; daf\u00fcr gibt es noch einen guten Grund, etwas sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/4.jpg\" title=\"4.jpg\" alt=\"4.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 4: Dirndln im Kochtopf<\/p>\n<p>Sobald den Dirndln ordentlich hei\u00df wird, platzen sie auf und schwimmen nach oben. Das ist genau der richtige Zeitpunkt um sie rauszuholen und sofort in die flotte Lotte zu geben, die am eigentlichen Kochtopf drauf liegt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/5.jpg\" title=\"5.jpg\" alt=\"5.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 5: Die Fr\u00fcchte werden durch die flotte Lotte passiert.<\/p>\n<p>Das Passieren ist keine Kunst, jedoch tendieren die Kerne zur spontanen Flucht und sausen dann gern durch die ganze K\u00fcche. Nicht so gut ist es, wenn sie darunter im Topf landen, also ein wenig aufpassen und dann zu passieren aufh\u00f6ren, wenn der erste Kern springt.<br \/>\nDas Wasser, in dem die Dirndln &#8222;blanchiert&#8220; wurden, bitte nicht wegsch\u00fctten, sondern die n\u00e4chste Ladung Dirndln hinein geben. So fortfahren, bis alle Fr\u00fcchte im gro\u00dfen Topf sind.<br \/>\nJetzt kommt das Quittin dazu. Es gibt drei Varianten: 1:1 oder 1:2 oder 1:3 &#8211; das bedeutet, eine Packung ist f\u00fcr 1 Kilo Fr\u00fcchte auf 1 Kilo Zucke oder f\u00fcr ein Kilo Fr\u00fcchte auf 1 Kilo Zucker etc.<br \/>\nWichtig ist, das Quittin zuerst in die Fr\u00fcchte zu r\u00fchren und diese dann aufzukochen und erst dann den Zucker dazu zu geben. Wenn man alles zugleich mischt, funktioniert das Quittin aus irgend einem Grund nicht &#8211; keine Ahnung, weshalb.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/7.jpg\" title=\"7.jpg\" alt=\"7.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 6: Quittin dazu mischen<\/p>\n<p>Sobald das Ganze ordentlich aufgekocht ist, kommt der Zucker dazu. Jetzt zahlt es sich aus einen ausreichend gro\u00dfen Topf genommen zu haben, damit nichts \u00fcbergeht. Ich nehme ein wenig mehr als einen halben Kilo Zucker auf ein Kilo Dirndln, weil sie von Grund auf sehr sauer sind. Das hilft beim Gelieren (je mehr Zucker desto h\u00e4rter) und erzeugt die richtige s\u00fc\u00df-sauer Mischung.<br \/>\nMan kann den Zucker gleich aus der Packung hineinleeren, er l\u00f6st sich schnell auf, Umr\u00fchren ist jetzt sowieso st\u00e4ndig angesagt. Ich verwende Feinkristallzucker, das geht schneller und kostet auch nicht mehr als Normalkristallzucker.<\/p>\n<p>Jetzt geht es ans Abf\u00fcllen. Wenn die Marmelade kocht, dann kann sich oben Schaum bilden. Das ist nicht weiter tragisch, ich versuche den Schaum auf mehrere Gl\u00e4ser aufzuteilen und alles ist gut.<br \/>\nEs gibt hier sicher unterschiedliche M\u00f6glichkeiten, ich verwende einen Trichter und richte mir die Gl\u00e4ser m\u00f6glichst alle her. Es kann n\u00e4mlich passieren, dass gegen Ende die gut gelierende Marmelade schon zu stocken beginnt und sehr schnell abgef\u00fcllt werden muss. Das letzte Glas ist immer ein kleines, in das ich die Reste einf\u00fclle und meistens schon am n\u00e4chsten Tag aufesse. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/8.jpg\" title=\"8.jpg\" alt=\"8.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 7: Abf\u00fcllen der Marmelade<\/p>\n<p>Die idealen Gl\u00e4ser sind \u00fcbrigens die mit Klick-Klack-Deckel. Ich pers\u00f6nlich sammle \u00fcber das ganze Jahr Gl\u00e4ser von Freunden, die sonst weggeworfen werden. Sie sind meist besser als neu gekaufte, m\u00fcssen nat\u00fcrlich gut ausgewaschen werden, schonen aber jede Menge Ressourcen.<br \/>\nW\u00e4hrend die Marmelade f\u00fcr 24 Stunden ausk\u00fchlt, kann der Rest entsorgt werden. Au\u00dferdem nehme ich jetzt den Topf mit dem \u00fcbrigen Blanchier-Wasser und f\u00fclle es in Flaschen ab. Das ist n\u00e4mlich ein gro\u00dfartiger Dirndl-Saft, der noch ges\u00fcsst werden muss und auch im K\u00fchlschrank nicht ewig h\u00e4lt. Ich nehme den Saft gerne zu den letzten sch\u00f6nen Festen im Freien mit, die es im September noch gibt.<br \/>\nDas war der Grund, die Dirndln vorher schon gr\u00fcndlich zu waschen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/9.jpg\" title=\"9.jpg\" alt=\"9.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 89\u00b4: Der Rest der Dirndln &#8211; viele Kerne<\/p>\n<p>Meistens koche ich am Abend ein. Wenn ich mich dann ins Bett begebe, h\u00f6re ich vor dem Einschlafen noch das eine oder andere &#8222;Popp!&#8220; wenn einer der Klick-Klack-Deckel Unterdruck bekommt und die Marmelade f\u00fcr mehrere Jahre haltbar macht. Sofern sie nicht vorher aufgegessen wird.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2020.11.15_Dirndl\/10.jpg\" title=\"10.jpg\" alt=\"10.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 9: Die abgef\u00fcllte Marmelade k\u00fchlt aus und geliert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mache seit 2006 Marmeladen selbst. Ein Freund hat in Greifenstein an der Donau einen wundersch\u00f6nen Marillenbaum, der manchmal mehr, manchmal weniger tr\u00e4gt, immer aber in herausragender Qualit\u00e4t. 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