{"id":2800,"date":"2025-01-08T17:25:01","date_gmt":"2025-01-08T16:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2800"},"modified":"2025-01-08T17:25:01","modified_gmt":"2025-01-08T16:25:01","slug":"inhaltsstoffe-in-unseren-lebensmitteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/inhaltsstoffe-in-unseren-lebensmitteln\/","title":{"rendered":"Inhaltsstoffe in unseren Lebensmitteln"},"content":{"rendered":"<p>Der Entwurf dieses Artikels stammt aus dem Jahr 2021, inzwischen hat sich noch immer nicht wirklich viel getan. Es gibt zwar gewisse EU-Regeln, die nationalen Regelungen d\u00fcrften hier aber st\u00e4rker z\u00e4hlen. Die Industrie str\u00e4ubt sich jedenfalls mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, denn auch der aufgekl\u00e4rteste und informierteste Kunde hat derzeit keine Wahl. Noch weiter entfernt sind wir im gewerblichen Einsatz von Lebensmitteln. Da ist so ziemlich alles erlaubt. Nach der politischen Wende in \u00d6sterreich im Januar 2025 gibt es sowieso einen massiven Drall in Richtung Unterordnung der Politik unter die Wirtschaft inkl. Finanzwirtschaft und Industrie. Sch\u00e4rfere Umweltschutzstandards d\u00fcrften in weite Ferne r\u00fccken, weil auch gegen EU-Regeln kann man sich national ziemlich gut zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>Die Diskussion wird auf politischer Ebene gef\u00fchrt, denn dort prallen die unterschiedlichen Interessen aufeinander. Ich bringe zum Einstieg ein Beispiel: zwei &#8222;Zelten&#8220;, also runde Backwaren aus M\u00fcrbteig mit einer F\u00fclle, die eine mit Nuss, die andere mit Mohn. Beide stammen laut Angaben aus dem Waldviertel.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.02.07_Zelten\/zelten.jpg\" title=\"zelten.jpg\" alt=\"zelten.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 1: Die zwei Zelten<\/p>\n<p>Die Mohnzelte stammt von der Firma &#8222;Waldland&#8220; (https:\/\/www.waldland.at\/de). Auf der sehr professionell gemachten Website finden sich jede Menge Informationen zum Unternehmen, das 160 MitarbeiterInnen besch\u00e4ftigt. Die Vielfalt der Produkte ist beeindruckend, ebenso die Tiefe der Darstellung. Insgesamt wirkt der Betrieb auf mich authentisch.<br \/>\nDie Mohnzelten werden z.B. \u00fcber BILLA vertrieben, wo ich sie auch gekauft habe. Die Plastikverpackung ist leider Standard bei industriell erzeugten und vertriebenen Produkten, die Inhaltsangaben sind ausf\u00fchrlich, haben jedoch ein paar Haken. Sehen wir uns die Beschreibung an:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.02.07_Zelten\/mohn.jpg\" title=\"mohn.jpg\" alt=\"mohn.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 2: Beschreibung Mohnzelte<\/p>\n<p>Stutzig werde ich bei &#8222;Palmfett und Kokosfett&#8220; &#8211; ist das wirklich nicht ersetzbar bzw. sind Alternativen so viel teurer? Spannend w\u00e4re der Preisunterschied und ob den die Kunden zu zahlen bereit w\u00e4ren, etwa wenn statt dessen Zutaten aus der Region verwendet werden.<br \/>\nWas mir noch auff\u00e4llt, ist die \u00fcbliche, aber immer verbergend wirkende Auflistung von &#8222;Aroma&#8220;. Auf der einen Seite wird sehr aufw\u00e4ndig und mit Liebe beschrieben, wie wichtig der Graumohn ist und welchen Wert hier auf Qualit\u00e4t gelegt wird, auf der anderen Seite steht dann einfach &#8222;Aroma&#8220; dort und steht aus meiner Sicht in krassem Widerspruch zu einem hochwertigen Lebensmittel, das ja genug Eigenaroma haben sollte.<br \/>\nDas Problem dabei ist der Lebensmittelgesetzdschungel, durch den ich als Einzelverbraucher nicht durchblicken kann. Was verbirgt sich hinter &#8222;Aroma&#8220;? Sind das Erd\u00f6lderivate?<\/p>\n<p>Blicken wir auf die zweite Zelte, diesmal mit Nuss und bei SPAR gekauft. Sie hat \u00fcbrigens besser geschmeckt, war etwas saftiger, wenngleich auch die Mohnzelte nicht schlecht war.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.02.07_Zelten\/nuss.jpg\" title=\"nuss.jpg\" alt=\"nuss.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 3: Beschreibung Nusszelte<\/p>\n<p>Der &#8222;Waldviertler B\u00e4cker Riederich&#8220; hat ebenfalls eine sehr professionelle Website (www.riederich.at). Das Sortiment ist riesig und auch hier gehen die Beschreibungen in die Tiefe.<br \/>\nWas mir gleich auff\u00e4llt, ist das &#8222;Sojamehl&#8220; &#8211; mit der gleichen Begr\u00fcndung wir bei den tropischen Fetten, die hier nicht zum Einsatz kommen: L\u00e4sst sich da kein regionales Mehl verwenden? Oder entstammt es einer regionalen Sojasorte? Beim Fett geht es offensichtlich auch anders und scheinbar muss es gar nicht teurer sein, denn die Zelten kosten das gleiche oder fast das gleiche, wenngleich die Mohnzelte ein Drittel schwerer ist. Beim Verzehr ist mir das \u00fcbrigens gar nicht aufgefallen.<br \/>\nInteressant ist die Beschreibung &#8222;in Handarbeit mit frischen und regionalen Zutaten&#8220;. Hei\u00dft das, das alle Zutaten frisch und regional sind, oder nur, dass einige es sind? Woher stammen die Haseln\u00fcsse? Der erste Gedanke ist die Assoziation mit der Haselnussproblematik von Nutella. Dort stammen die Haseln\u00fcsse von der Schwarzmeerk\u00fcste in der T\u00fcrkei und sind wegen des Verdachts auf Kinderarbeit vor ein paar Jahren unter Kritik geraten. <\/p>\n<p>Das bringt uns zum Thema Herkunftsbezeichnung. Die Lebensmittelindustrie (m\u00f6glicherweise die ganze) str\u00e4ubt sich vehement gegen die Pflicht die Herkunft der Rohstoffe offenzulegen.<br \/>\nDas l\u00e4sst sich am Beispiel &#8222;Ei&#8220; gut zeigen. In der Werbung wird uns suggeriert, dass die in \u00d6sterreich verkauften und verwendeten Eier aus Freilandhaltung stammen, jedenfalls nicht aus der besonders \u00fcblen K\u00e4fighaltung. Wir stellen uns gl\u00fccklich auf der Wiese herumlaufende H\u00fchner vor, die es ja tats\u00e4chlich auch gibt. Wer in\u00b4s Waldviertel f\u00e4hrt und bei Bauernh\u00f6fen vorbeikommt, kann das selbst beobachten.<br \/>\nDas Problem sind die industriell verwendeten Eier, deren Herkunft scheinbar nicht gekennzeichnet sein muss, vor allem, wenn sie als Eipulver verwendet werden &#8211; und das ist der Gro\u00dfteil. Auch der B\u00e4cker Riederich verwendet &#8222;Eiwei\u00dfpulver&#8220;, wohingegen bei der Graumohnzelte &#8222;Ei&#8220; angegeben wird. Hier m\u00fcssten wir genauer ins Lebensmittelgesetz eintauchen, ob das dann &#8222;Frischei&#8220; bedeutet oder ebenfalls Pulver.<\/p>\n<p>Das ist auch das Hauptproblem, dass wir als KonsumentInnen hier keinen Einblick haben und entsprechend aufw\u00e4ndig recherchieren m\u00fcssten.<br \/>\nKonsument:innen sind aber tendenziell bequem, der Handel tut sowieso nichts und es sieht aus als w\u00fcrde sich der Trend in Richtung Umweltbewusstsein in der Nahrung eher umkehren.<br \/>\nEin gutes Beispiel ist die Beliebigkeit, die ich immer \u00f6fter bemerke, hier etwa bei SPAR:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.01.08_Zelten\/Paprika.jpg\" title=\"Paprika.jpg\" alt=\"Paprika.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBILD 34: Paprika bei SPAR<\/p>\n<p>Unter der Beschreibung &#8222;Ein Produkt aus der Region&#8220; samt \u00d6sterreich-Fahne und einer scheinbar dar\u00fcber liegenden Produktlinie &#8222;Nahe liegendes bei SPAR&#8220; finden wir Paprika aus Israel. Okay, vielleicht wei\u00df die gr\u00f6\u00dfte \u00f6sterr. Handelskette geographische Feinheiten, die mir bisher verborgen geblieben sind. Vielleicht hat auch ein Mitarbeiter einfach die falsche Tafel erwischt. Es mag viele Gr\u00fcnde geben, das ist aber bei weitem kein Einzelfall. Und ich habe den Verdacht, dass ich so ziemlich der einzige bin, dem das auff\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Entwurf dieses Artikels stammt aus dem Jahr 2021, inzwischen hat sich noch immer nicht wirklich viel getan. Es gibt zwar gewisse EU-Regeln, die nationalen Regelungen d\u00fcrften hier aber st\u00e4rker z\u00e4hlen. 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