{"id":282,"date":"2009-12-30T23:22:04","date_gmt":"2009-12-30T22:22:04","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=282"},"modified":"2010-01-13T23:39:57","modified_gmt":"2010-01-13T22:39:57","slug":"nightmare-on-heathrow-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/nightmare-on-heathrow-teil-1\/","title":{"rendered":"Nightmare on Heathrow, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Es ist 05:29 als das Handy l\u00e4utet und die Dame vom BIWA-Taxidienst meint, der Fahrer h\u00e4tte ein Problem und ob es eh nichts macht, wenn er sich versp\u00e4tet. Doch, es macht was aus, und als ich frage, was ich denn jetzt tun solle, meint die Dame: \u201eRufen Sie 31300 und verlangen sie ein Flughafentaxi.\u201c BIWA hei\u00dft \u00fcbrigens \u201eBilliger Wagen\u201c und ist als Taxidienst nur bedingt empfehlenswert.<\/p>\n<p>Am Flughafen d\u00fcrfen wir erfahren, dass sich unsere Maschine (Flug OS 451) wegen Nebels in London (das sind die nicht gewohnt&#8230;) versp\u00e4tet. Wie viel wisse man nicht, vorl\u00e4ufig w\u00e4re statt 07:05 die neue Startzeit 08:10. Kurze Berechnung: Bei zwei Stunden Aufenthalt d\u00fcrfte das knapp werden, sich aber ausgehen, vor allem als die Stewardessen versichern, dass in London auch alle Anschlussfl\u00fcge Versp\u00e4tung haben w\u00fcrden, versteht sich, indeed!<br \/>\nBis London holte der nette Pilot noch eine Viertelstunde auf, danach war allerdings Schluss mit lustig, denn wir mussten vorerst 30 Minuten auf dem Runway warten, weil kein Gate f\u00fcr uns frei war.<\/p>\n<p>Danach bekamen wir eine \u201eOuter Position\u201c, leider jedoch keine Gangway, es war schlicht und einfach keine aufzutreiben (Pilot: \u201eDas ist mir in London noch nie passiert!\u201c).<br \/>\nAls wir schlie\u00dflich aussteigen durften, war f\u00fcr den Anschlussflug gerade Startzeit. Wir mussten von Terminal 1 zu Terminal 4 (in London benutzt man daf\u00fcr den Bus, zumindest im Transit) und dort durch die Kontrollen und dann hirschten wir im Schweinsgalopp zum Gate. Erleichterung: Auf der Anzeigetafel blinkt es gr\u00fcn f\u00fcr \u201eboarding\u201c. <\/p>\n<p>Angekommen blicken wir in die uns bedauernden Augen eines fetten Continental-Mitarbeiters, der uns versichert, dass das Gate erst seit ca. 5 Minuten geschlossen w\u00e4re. Dann zogen sie die Fluggastbr\u00fccke weg und der silberne Vogel setzte sich langsam in Bewegung Richtung Newark, New Jersey, USA.<br \/>\nUnsere beiden Pl\u00e4tze w\u00e4ren frei geblieben, versichert uns der Fette voller Stolz. Dann l\u00e4sst er die Tastatur spielen und sucht uns einen neuen Flug. Um 12:30 w\u00fcrde die n\u00e4chste Continental bereits nach Newark fliegen und er k\u00f6nne uns auf Standby setzen, oder aber auch um 16 Uhr, ebenfalls Standby.<\/p>\n<p>Auf unsere Nachfrage, was denn dann mit uns in Newark passieren w\u00fcrde, wei\u00df er keine Antwort. Nein, so meint er, dort bek\u00e4men wir kein Hotel gezahlt und auch sonst nichts, wir w\u00e4ren auf uns allein gestellt, aber sie w\u00fcrden uns so schnell wie m\u00f6glich nach San Jose bringen.<br \/>\nWas w\u00e4re so schnell wie m\u00f6glich, ohne Standby? Nun, den n\u00e4chsten Flug h\u00e4tte er am 28. Dezember, also in 5 Tagen. Eine andere Verbindung \u00fcber eine anderen Stadt in USA?, Nein, meinte er, I\u00b4m so sorry, aber alle Fl\u00fcge von USA w\u00e4ren um diese Jahreszeit restlos ausgebucht, er h\u00e4tte schon alles gecheckt. Nein, auch in den n\u00e4chsten Tagen ginge nichts. Auf unsere Frage, was wir denn jetzt tun sollten, wei\u00df er keinen Rat \u2013 am ehesten k\u00f6nnte uns der AUA-Schalter f\u00fcr Transfer flights weiterhelfen, Terminal 1\u2026<\/p>\n<p>Wieder den Bus, dann durch lange G\u00e4nge und div. Kontrollen endlich zum AUA-Schalter, der sich als Sammelschalter der Star Alliance herausstellte. Davor die Mutter aller Schlangen, sozusagen die \u201emother queue\u201c. (Peter: \u201eDas ist mir wurscht, da stell ich mich jetzt nicht hinten an!\u201c) Also in die k\u00fcrzeste Schlange zum VIP-Schalter. Von ca. 10 Pl\u00e4tzen waren 3 besetzt, mit freundlichen Pakistani, dick beleibten Inderinnen, Mongolen, Klingonen, Vulkaniern\u2026 &#8211; allesamt des Englischen nur sehr bedingt m\u00e4chtig, aber wahrscheinlich sehr billig im EK oder so. Deutsch konnte \u00fcbrigens niemand, schlie\u00dflich sind bei der Star Alliance ja nur Lufthansa, AUA, Swiss\u2026<\/p>\n<p>Nachdem wir uns vorgearbeitet haben (Peter schirmt mich nach rechts ab, tackelt einen Piefke und ich st\u00fcrze zum gerade frei gewordenen Schalter, durch die sich \u00f6ffnende L\u00fccke, ein sehr beliebter Spielzug der Pittsburgh Steelers, der auch in London Heathrow gut funktioniert).<br \/>\nEine dicke \u00e4ltere Inderin will mit unserem Problem eigentlich genau original nix zu tun haben. Als ich ihren Punkt auf der Stirn ordentlich fixiere, gibt sie unsere Bordkarten an eine kleine, schwer \u00fcberlastete Italienerin weiter, packt ihr Jausenbrot und geht in den Feierabend.<br \/>\nDie Italienerin meint, wir sollten weg aus der Schlange und seitlich des Schalters warten, sie w\u00fcrde sich die Sache ansehen. Zeit vergeht. Viel Zeit vergeht. Dann kommt sie wieder und meint, es t\u00e4te ihr leid, aber irgendwie k\u00f6nne sie keinen Flug f\u00fcr uns finden und wir sollten zum Ticket-Schalter der Star Alliance gehen, das w\u00e4re im gleichen Terminal, nur m\u00fcssten wir raus und dann wieder rein (\u201eHauptsache weg von hier\u201c war in ihren Augen zu lesen). Ich frage, was wir denn tun k\u00f6nnen, worauf sie ver\u00e4rgert meint, es ginge darum, was wir tun WOLLEN, das w\u00e4re f\u00fcr sie relevant.<br \/>\nAlso marschieren wir ab, lange G\u00e4nge, Schuhe aus, G\u00fcrtel runter, Kontrolle, G\u00fcrtel rauf, Schuhe an etc. <\/p>\n<p>Drei pikante Beobachtungen m\u00f6chte ich an dieser Stelle erg\u00e4nzen:<br \/>\n1.)\tNicht nur wir, eine ganze Menge anderer Flugg\u00e4ste waren wie wir in London gestrandet, einen Tag vor Weihnachten, teilweise schon mehrere Tage hier, viele verzweifelt, alle jedoch durstig. Hinter dem Schalter gab es einen gro\u00dfen Wasserspender, wo sich die Angestellten immer wieder mal einen Becher runterzapften. Nicht wenige Durstige sendeten den einen oder anderen b\u00f6sen Blick, was die Gesamtstimmung der Menge nicht gerade verbesserte.<br \/>\n2.)\tW\u00e4hrend sich am Star Alliance Schalter die drei indischen Klingonen abm\u00fchten, sa\u00dfen direkt daneben ein halbes Dutzend United-Mitarbeiter und bohrten gelangweilt in der Nase. Die United geh\u00f6rt auch zur Star Alliance.<br \/>\n3.)\tEinmal lie\u00df sich eine fesche Engl\u00e4nderin blicken, auf deren violetten T-Shirt mit gro\u00dfen Lettern \u201eI help you\u201c geschrieben stand. Binnen kurzer Zeit war sie von hilfesuchenden, in Tr\u00e4nen ausbrechenden NervenzusammenbruchskandidatInnen umgeben und entfernte sich rasch wieder, nachdem sie kurz als eine Art Klagemauer ihren Dienst versah \u2013 irgendwelche Kompetenzen oder M\u00f6glichkeiten hatte sie nicht.<\/p>\n<p>Nun die \u201eancestors queue\u201c, sozusagen die Urahnin aller Schlangen. Es war klar, dass es mehrere Stunden dauern w\u00fcrde, dort bedient zu werden. Also packe ich (Peter war ums Eck eine rauchen) meinen \u201eUnauff\u00e4llig einsickern-Trick\u201c aus: Mit angestrengtem Blick, als ob ich jemand suchen w\u00fcrde und ihn hier schon vor einiger Zeit h\u00e4tte treffen sollen, stelle ich mich neben eine kleine Gruppe von Wartenden, die fast ganz vorne stehen. Zu meinem Gl\u00fcck macht die Schlange am Schluss eine 180-Grad-Wende und dann stehen noch 3-4 Leute und dann kommt der in England geb\u00fchrende Abstand zum Schalter. Hinter der Wende beginnt die Endlosigkeit, sozusagen, schlangentechnisch. Au\u00dferdem sind direkt hinter der Stelle, an der ich jetzt stand, die Self-Checkin-Schalter und ich habe ja nur Handgep\u00e4ck, im Gegensatz zu fast allen anderen Anstehenden. Mein Blick geht nie zum Schalter, immer in die Gegenrichtung. Dann r\u00fccke ich langsam nach hinten an die kleine Gruppe n\u00e4her heran, so dass es auf andere so wirken k\u00f6nnte, als w\u00fcrde ich da dazugeh\u00f6ren, mehr oder weniger zumindest. Nach einiger Zeit stehe ich wie selbstverst\u00e4ndlich daneben, lasse mich aber dann ein wenig zur\u00fcckfallen, scheinbar \u00fcberaus h\u00f6flich.<br \/>\nAls weniger trickreiche Vordr\u00e4nger kommen, solidarisiere ich mich mit der emp\u00f6rten Menge, die Herrschaften wurden dann von Sicherheitsleuten an das Ende der Schlange eskortiert.<br \/>\nAls Peter nachkommt, begr\u00fc\u00dfte ich ihn auf die Art \u201eHey, ich stehe da ja schon eine EWIGKEIT in dieser Schlange, jetzt sind wir bald dran!\u201c<br \/>\nBis auf zwei Deutsche hatte niemand Lunte gerochen, und die wenigen b\u00f6sen Blicke waren es wert.<\/p>\n<p>Dann sind wir dran und werden von einem sehr netten, leicht beleibten Engl\u00e4nder empfangen, der sich als \u201eIan Stoke, Manager\u201c herausstellte. Wieselflink gleiten seine Finger \u00fcber die Tastatur, ein Meister der detektivischen Flugalternativensuche. Konzentrierter Gesichtsausdruck, da! Ein L\u00e4cheln, er hat was gefunden, die Spannung steigt (Hoffnung up!), dann wieder der konzentrierte Gesichtsausdruck \u2013 doch nix (Hoffnung down!). Ein Flieger nach dem anderen voll (\u201eI\u00b4m so sorry!!).<br \/>\nDas Spiel wiederholt sich ein paar Mal, dann, nach insgesamt mehr als einer Stunde: Heute Abend geht noch ein Flug nach Frankfurt und von dort direkt wenig sp\u00e4ter mit der Condor direkt nach San Jose! Der heilige Abend gerettet, Mr. Stoke wird von uns als eine Art Weihnachtsmann hofiert, bejubelt, angehimmelt!<br \/>\nNur eine Kleinigkeit bleibt noch zu kl\u00e4ren, die freie Klasse hei\u00dft \u201eAmadeus\u201c und Mr. Stoke muss noch ein halbes Dutzend Anrufe t\u00e4tigen. <\/p>\n<p>Es folgt die gro\u00dfe Entt\u00e4uschung: Leider w\u00e4re das Business-Class und er k\u00f6nne uns diese Tickets nicht geben. Economy w\u00e4re ausgebucht. Wir bemerken, dass wir unser gebuchtes und bezahltes Tauchboot vers\u00e4umen und dass das teuer w\u00e4re. Er bleibt unbeeindruckt, was verst\u00e4ndlich ist \u2013 es ist ja nicht sein Tauchboot. Also weitersuchen.<br \/>\nDazwischen kann ich vom Nachbarplatz einen anderen Star Alliance Mitarbeiter h\u00f6ren, der auf die schnelle Frage eines eiligen Mannes (\u201ejust a short question \u2013 is there a seat to Z\u00fcrich available?\u201c) meint: \u201eThere is no seat on any flight to any destination today!\u201c<br \/>\nNa, das ist doch ein Wort!<br \/>\nLeider gilt das auch f\u00fcr uns. Nach einer weiteren Stunde Suche (dass sich Mr. Stoke nicht bem\u00fchte, kann man ihm wirklich nicht vorwerfen) findet er tats\u00e4chlich einen Flug: Wir m\u00fcssten bis morgen Abend warten, dann k\u00f6nnten wir mit British Airways nach Vancouver fliegen (Naa, geh leck, ned Vancouver&#8230;). Dort h\u00e4tten wir dann 5 Stunden Aufenthalt und dann einen Weiterflug mit Mexicana nach Mexico City. Zwei Stunden sp\u00e4ter ginge es dann weiter nach San Jose. Das w\u00e4re alles, was er uns anbieten k\u00f6nnte, innerhalb der n\u00e4chsten drei Tage.<br \/>\nSchweren Herzens entschlie\u00dfen wir uns, dieses Angebot anzunehmen, die Alternative w\u00e4re nach Hause fliegen und den Urlaub einfach abhaken. Es stellt sich auch die nicht unerhebliche Frage, was dann mit unseren Anspr\u00fcchen passiert. Ist Vancouver zumutbar?<\/p>\n<p>Wir bekommen noch Voucher f\u00fcr das Novotel und den Shuttle-Service dorthin (\u201eHotel-Hoppa\u201c)<br \/>\nDann bleibt noch die Frage unseres Gep\u00e4cks. Das w\u00e4re kein Problem, meint Mr. Stoke, das w\u00e4re bei der Continental gelandet und wir k\u00f6nnten es uns gleich an Terminal 4 (Naa, geh leck, ned schon wieder Terminal 4!) abholen.<br \/>\nDa mir schon fast alles egal ist, \u00fcbernehme ich das, auch weil Peter dringend eine rauchen gehen will. Er w\u00fcrde den Hotel-Hoppa ausfindig machen und dann w\u00fcrden wir uns treffen, ich w\u00e4re eh bald wieder da.<br \/>\nBald ist ein dehnbarer Begriff, aber vorerst geht des darum, irgendwie zu Terminal 4 zu gelangen, Auf dem alten Weg durch den Transit-Bereich geht das nicht, aber eine freundliche Dame r\u00e4t mir, doch den \u201eHeathrow Express\u201c zu nehmen. Also quer durch die Halle und dann einen Stock tiefer, wo sich die Mutter aller Bahnsteige befindet, ca. einen halben Kilometer lang und von einem eisigen Wind durchblasen. Eine Tafel meint, alle 20 Minuten fahre hier der Zug nach Terminal 4. Das bedeutet 20 Minuten am eisigen Bahnsteig, offensichtlich war mir gerade ein Express davongefahren. Mir entkommt ein kurzes, lautes und heftiges \u201eHa!\u201c und ich ziehe mir die Kapuze meines Fishverleih-Sweaters \u00fcber den Kopf. <\/p>\n<p>Ich merke, wie mein Wille, das alles irgendwie lustig oder abenteuerlich zu finden, langsam schwindet. Ich will Urlaub und nicht Nightmare on Heathrow! Jede Kleinigkeit, die jetzt passiert, wiegt auf einmal wie ein unendlich gro\u00dfes Hindernis, ich f\u00fchle mich sehr allein am eisigen Bahnsteig. Dann zeigt die Anzeigetafel \u201eTrain free for Terminal 5 only\u201c an und ich merke, dass Peter das Geld einstecken hat. Das kostet Nerven, auch wenn ein freundlicher Engl\u00e4nder meint \u201eDon\u00b4t worry, just hopp on!\u201c Nachdem der n\u00e4chste Zug nach Terminal 5 abgefahren ist, wechselt die Anzeige auf der Tafel auf \u201eTrain free for Terminal 4 only\u201c (Gsindel, englisches!!)<br \/>\nBibbernd entere ich den Zug und erreiche wenig sp\u00e4ter Terminal 4, wo ich mich genau original nicht auskenne. Nach dem Durchqueren einer riesigen Halle finde ich einen Informationsstand (please queue up!) und eine nette Dame dahinter, die auch prompt die richtige Info parat hat: Hinter mir, am anderen Ende der Halle, befindet sich ein gro\u00dfer roter Postkasten, daneben ein Telefon. Dort solle ich die Nummer der Continental eintippen, die dort auch zu finden ist, und dann w\u00fcrde mich jemand abholen.<br \/>\nHoffnung steigt, ich gehe r\u00fcber, w\u00e4hle die Nummer und keiner hebt ab. Es handelt sich um eines der ber\u00fchmten \u201etoten Telefone\u201c, Kratzspuren und Spr\u00fcnge am H\u00f6rer deuten auf emotionale Reaktionen fr\u00fcherer Anrufer hin.<\/p>\n<p>Also rauf in den ersten Stock, irgendwo muss doch irgendwer von der Continental zu finden sein. Ein sehr netter Engl\u00e4nder im Lift zeigt mir, was ich tun muss: Dort dr\u00fcber w\u00e4re ein VIP-Schalter der XY-Airline, dort solle ich hingehen und denen mein Problem schildern, die w\u00e4ren kompetent.<br \/>\nDas waren sie auch tats\u00e4chlich und meinten, ich br\u00e4uchte nur die Halle bis fast zum anderen Ende (schon wieder ein lautes, etwas tourettehaftes \u201eHa!\u201c) durchqueren, dort w\u00e4ren dann die Checkin-Schalter der Continental. Sollte dort niemand sein, w\u00e4re genau gegen\u00fcber der Ticket-Schalter der Continental und die w\u00e4ren auf jeden Fall f\u00fcr mein verlorenes Gep\u00e4ck da, man wisse das genau.<br \/>\nLeider sind beide Schalter verwaist, am Tisch des Ticketschalters ein Schild, auf dem zu lesen ist, dass man ab Morgen wieder da w\u00e4re und man k\u00f6nne auch folgende Nummer anrufen\u2026 Ein netter Mitarbeiter der MALEV gleich daneben meint, ich w\u00e4re hier tats\u00e4chlich richtig und nur mit Hilfe der Continental k\u00f6nne ich zu meinem Gep\u00e4ck kommen und er k\u00f6nne leider von hier aus nicht diese Nummer anrufen, das w\u00e4re technisch nicht m\u00f6glich, aber einen Stock tiefer g\u00e4be es einen Informationsschalter und dort w\u00fcrde man mir weiterhelfen. Ich solle, so betonte er, insistieren, dass man mir hilft, das wolle er mir als Tipp mitgeben und au\u00dferdem schreibe er mir auch sehr gerne die Nummer auf einen Zettel. Ich bedanke mich h\u00f6flich und begebe mich wieder hinunter.<\/p>\n<p>Dort hat inzwischen eine andere Dame Dienst, h\u00f6rt sich nach einiger Zeit (please queue up!) meine Sorgen an und meint, sie d\u00fcrfe mich hier eigentlich nicht anrufen lassen, aber sie mache f\u00fcr mich gerne eine Ausnahme.<br \/>\nEs l\u00e4utet und tats\u00e4chlich meldet sich eine weibliche Stimme, die jedoch meint, sie h\u00e4tte mit der Gep\u00e4ckgeschichte \u00fcberhaupt nichts zu tun, sie w\u00e4re nur die allgemeine Vermittlung (Call-Center, irgendwann sprenge ich noch eines in die Luft), k\u00f6nne mir aber die f\u00fcr meine F\u00e4lle total richtige Nummer geben. Dort w\u00e4re die Gep\u00e4ckstelle der Continental. Leider war auch diese Nummer nicht besetzt, das L\u00e4uten lie\u00dfe sich wahrscheinlich bis zum j\u00fcngsten Tag fortsetzen.<br \/>\nAlso noch einmal die erste Nummer. Die Dame etwas verwirrt (\u201eDort MUSS jemand rangehen!\u201c), aber sie g\u00e4be mir noch eine andere Nummer. An dieser meldet sich auch sogleich eine \u00e4u\u00dferst sonore, sehr angenehme und extrem betont sprechende Stimme, die sich als automatisches Anrufbeantwortungssystem herausstellt. Ca. zwei Minuten lang z\u00e4hlt diese Tonbandstimme die Airlines auf, f\u00fcr die diese Nummer zust\u00e4ndig w\u00e4re. Dann die Auswahl: Man k\u00f6nne mit Knopf 1 einen \u201eAttendant\u201c sprechen oder mit Knopf 2 die \u201epersonal mailbox\u201c. Ich dr\u00fccke 1 und die Stimme meint, \u201eall attendants are busy, please check your personal mailbox and press Nr. 2\u201c<br \/>\nIch presse Nr. 2 und die Stimme meint: \u201ePlease leave a message and a Telefone number on your personal mailbox \u2013 tut \u2013 Mailbox is full\u201c.<br \/>\nDas war es dann, die letzte W\u00fcrze bekam dieses Tonband noch durch die sonore Stimme, die bei jedem Wort klang, als ob man gerade eine Million Pfund gewonnen h\u00e4tte.<br \/>\nAlso noch einmal die Vermittlung. Diese war schon etwas genervt, sie h\u00e4tte schon alles getan was sie tun k\u00f6nne (\u201eI\u00b4m so sorry\u201c) und mehr ginge nicht und sie g\u00e4be mir jetzt noch eine dritte, letzte Telefonnummer.<br \/>\nDiese stellte sich als inexistent heraus. Nicht, dass ich mich irgendwie abgewimmelt vorkam, aber leichte, ferne Ankl\u00e4nge aufd\u00e4mmernder Aggression wurden f\u00fchlbar. Mir war auf einmal schlagartig klar, dass ich der n\u00e4chsten Person, die zu mir \u201eI\u00b4m so sorry\u201c sagt, ansatzlos ein Dutzend Z\u00e4hne aus der Fresse schlagen w\u00fcrde \u2013 wahrscheinlich so schnell und ansatzlos, dass das \u201eSorry\u201c zu einem \u201eForry\u201c verkommen w\u00fcrde.<br \/>\nDie freundliche Infoschalter-Dame hat den richtigen Instinkt und schickt mich mit den Worten \u201emorgen wiederkommen\u201c und \u201eviel Gl\u00fcck\u201c weg.<\/p>\n<p>Also wieder hinunter in die Eisr\u00f6hre und auf den Heathrow-Express warten, diesmal nur eine Kleinigkeit von 14 Minuten.<br \/>\nAm R\u00fcckweg geht es mir das erste Mal wirklich schlecht. Weihnachten hatte ich mir deutlich anders vorgestellt. London Heathrow ist ein Moloch, der dich sehr gr\u00fcndlich und deutlich sp\u00fcren l\u00e4sst, wie unbedeutend du als einfacher Fluggast bist. \u00dcbrigens: Wie geht es jemandem, der kein Englisch kann?<br \/>\nIn der momentanen Situation sind es bereits die Kleinigkeiten, die mich an die Belastungsgrenze kommen lassen, etwa die Tatsache, dass mein Handy keinerlei Netz findet, obwohl voller Empfang ist. Wie finde ich meinen Bruder wieder? Terminal 1 ist nicht wirklich klein.<br \/>\nCa. 10 min sp\u00e4ter findet das Handy ein Netz und ich treffe meinen Bruder, der mich in den Londoner Winter hinausf\u00fchrt, wo gerade ein Bus der Linie H1 an uns vorbeibraust, in die Nacht hinausbeschleunigend.<br \/>\nJa, das w\u00e4re es gewesen, das Shuttle zum Novotel, f\u00fcr das wir das Voucher besitzen. Wann das n\u00e4chste f\u00e4hrt ist etwas unklar, da irgendwie gerade ein \u201eSchedule-Change\u201c stattfindet und daher fahren die Hotel-Hoppa-Busse p\u00fcnktlich genau irgendwann (Gfrasta, britische!).<br \/>\nDas bedeutet f\u00fcr uns, dass wir das Shuttle im Freien abwarten m\u00fcssen, da ja nicht klar ist, wann das n\u00e4chste f\u00e4hrt, wir bekommen sozusagen einmal gratis frieren auf unbestimmte Zeit.<br \/>\nNach ca. 25 Minuten kommt der H1 und wir fahren zum Hotel, \u00fcber das es nicht viel zu berichten gibt, au\u00dfer vielleicht dass die Hygiene-Sets (Zahnb\u00fcrste etc.) gut, aber aus sind (\u201eI\u00b4m so sorry!\u201c) und der Blick aus dem Fenster aus starken M\u00e4nnern wimmernde Suizidkandidaten machen kann. Wenigstens gibt es zwei tolle iMacs mit gratis Internet, an denen fette indische Kinder mit noch fetteren Brillen Farmville spielen, bis sie von ihren fetten indischen Eltern zu einer Runde Fish and Chips weggezerrt werden. Ziemlich fett, die ganze Angelegenheit. Dann kehrt Ruhe ein und wir fallen todm\u00fcde ins Bett.<\/p>\n<p>Teil 2 folgt demn\u00e4chst (es kann nicht mehr schlimmer werden? Oh doch!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist 05:29 als das Handy l\u00e4utet und die Dame vom BIWA-Taxidienst meint, der Fahrer h\u00e4tte ein Problem und ob es eh nichts macht, wenn er sich versp\u00e4tet. 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