{"id":2824,"date":"2021-11-01T21:18:58","date_gmt":"2021-11-01T20:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2824"},"modified":"2021-11-01T21:18:58","modified_gmt":"2021-11-01T20:18:58","slug":"emmylou-harris-in-gstaad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/emmylou-harris-in-gstaad\/","title":{"rendered":"Emmylou Harris in Gstaad"},"content":{"rendered":"<p>Es muss irgendwann ca. 2008 gewesen sein, ich war zu Gast bei meinem lieben Freund Rudi in Klagenfurt und er meinte, ich soll mir unbedingt Gram Parsons anh\u00f6ren. Gram wer? Nie geh\u00f6rt.<br \/>\nIch muss zugeben, das war ziemlich l\u00e4ssig. Liegt vielleicht daran, dass mich Rudi lange und gut kennt. Einige Nummern sp\u00e4ter war die Bestellung einiger CDs quasi schon abgeschickt. <\/p>\n<p>Gram Parsons war ein Star der US-Country Szene und starb 1973 im Alter von 27 \u2013 so wie fast alle Musikerinnen und Musiker, die ihren 30er nicht erleben.<br \/>\nIrgendwann blieb ich bei einer seiner Nummern h\u00e4ngen, genauer gesagt bei \u201eWe\u00b4ll sweep out the ashes in the morning\u201c, und zwar bei einer Strophe, die von einer Frau gesungen wurde. Die Stimme fesselte mich und ich wurde neugierig, wer das wohl sei.<br \/>\nDie Recherche ergab: eine gewisse Emmylou Harris.<br \/>\nNie geh\u00f6rt. Also googeln.<br \/>\nUnd dann ging es dahin, wie auf einer Wasserrutsche hinein in die Welt einer S\u00e4ngerin, die 14-fache Grammygewinnerin ist, in der Country Music Hall Of Fame und noch einiges mehr.<br \/>\nJe mehr ich von ihr h\u00f6rte, je mehr YouTube-Videos ich genoss, desto interessanter wurde sie. Eine Frau, die seit mehr als f\u00fcnfzig Jahren auf der B\u00fchne steht, in W\u00fcrde ergraut, und scheinbar immer noch Spa\u00df an der Musik hat.<br \/>\nMit der Zeit verstand ich auch, warum Willie Nelson gemeint hat: \u201eThere&#8217;s only two kinds of men in the world, those that are in love with Emmylou and those who have never met her.&#8220;<\/p>\n<p>Und dann war sie es, die mir lange Abende im ersten Corona-Lockdown kurz vorkommen lie\u00df.<br \/>\nDer entscheidende Moment war jedoch im Fr\u00fchsommer 2021, als ich irgendwo las, dass sie nach Europa kommen w\u00fcrde, und zwar zum Country Music Festival nach Gstaad, genauer gesagt f\u00fcr zwei Abende, 10. und 11. September.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/13 Plakat.jpg\" title=\"13 Plakat.jpg\" alt=\"13 Plakat.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Konzert-Plakat<\/p>\n<p>Als mir dann d\u00e4mmerte, dass Gstaad nicht gerade ums Eck ist, war eine Entscheidung schwer. Noch dazu war ich bei vielen Aufnahmen der letzten zwanzig Jahre von ihrer Stimme eigentlich entt\u00e4uscht. Sie hat viel Kraft verloren, sie singt die Texte schlampig und verschluckt halbe Worte.<br \/>\nW\u00fcrde ich eine herbe Entt\u00e4uschung erleben, verbunden mit ziemlich viel Aufwand?<br \/>\nAlso beschloss ich die Entscheidung aufzuschieben. <\/p>\n<p>Am 21. August beschloss ich dann hinzufliegen. Wie oft w\u00fcrde ich noch die Gelegenheit haben, sie live zu sehen? Wie oft w\u00fcrde ich mir in Zukunft eingestehen m\u00fcssen, dass ich aus Bequemlichkeit die Chance verpasst habe, sie einmal in meinem Leben zu treffen \u2013 wenn auch nur als Unbekannter in der Menge?<br \/>\nBillig wird das nicht, andererseits: Ich hatte heuer noch keinen Urlaub und auch meine \u00d6sterreichtour mit der Elektrovespa musste ich am zweiten Tag abbrechen. Das Geld war also da, blieb noch die Frage, ob ich die notwendigen Tickets bekommen w\u00fcrde. Nach Gstaad in der Westschweiz ist es eine halbe Weltreise, dann noch die \u00dcbernachtung, das Konzertticket und einiges mehr.<br \/>\nZwei Wochen vor dem Konzert sagt noch Rodney Crowell (war in Emmylous bester Band aller Zeiten, der \u201eHot Band\u201c) ab und mir kommen Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee ist. Corona kann dem Festival in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung machen, oder Emmylou sagt ab und das Ganze wird f\u00fcr mich wertlos.<br \/>\nEgal \u2013 no risk, no fun. Ich buche einen Flug, der mit 178 Euro deutlich billiger als eine Zugfahrt ist und noch dazu direkt geht, wenn auch zu der sportlichen Abflugzeit 07:35 Uhr.<br \/>\nDann brauche ich noch zwei Zugtickets, denn eine Busverbindung l\u00e4sst sich irgendwie nicht eruieren und das Taxi ist viel zu teuer.<br \/>\nDer Zug ist allerdings auch nicht gerade billig, hin und zur\u00fcck macht das 106 Euro, und zwar vom Flughafen in Genf nach Montreux und von dort mit einem zweiten Zug nach Gstaad.<br \/>\nDas Konzertticket kostet 125 Euro und das billigste Hotel, das ich zu diesem Zeitpunkt noch buchen konnte, schl\u00e4gt mit 130 Euro an.<br \/>\nDas m\u00fcssten die gr\u00f6\u00dften Brocken sein, es kommt noch was f\u00fcrs Essen dazu und ev. ein paar kleinere Ausgaben.<br \/>\nDas Hotel ist \u00fcbrigens nicht in Gstaad, weil dort w\u00e4ren nur noch Zimmer in Luxushotels frei gewesen, so ab 800 Euro aufw\u00e4rts, pro Nacht und nicht unbedingt mit Fr\u00fchst\u00fcck.<br \/>\nIch wohne in Saanen, dem Nachbarort, der binnen einer guten halben Stunde auch zu Fu\u00df erreichbar ist. Mein Hotel, der \u201eSaanerhof\u201c liegt direkt an der Bahnstation und das Fr\u00fchst\u00fcck ist im Preis inkludiert. <\/p>\n<p>Die letzten zwei Wochen verbringe ich in einer Mischung aus Vorfreude und ein wenig Bauchweh.<br \/>\nDann allerdings ist es Samstag, sechs Uhr fr\u00fch und ich fahre mit dem Roller zum Flughafen. Hier ist schon die erste H\u00fcrde zu \u00fcberwinden: Vor einigen Jahren gab es einen eigenen Motorradparkplatz, den man gratis ben\u00fctzen konnte. Er war \u00fcberdacht und man konnte von dort direkt in die Abflughalle gehen.<br \/>\nGibt es den noch? Am Flughafen wird seit Jahren massiv um- und ausgebaut und gratis gibt es dort eigentlich gar nichts, schon gar keine Parkpl\u00e4tze.<br \/>\nIch bin allerdings hocherfreut, als ich feststelle, dass es diese Enklave in einer durchkapitalisierten Welt noch gibt. (F\u00fcr alle, die das auch einmal machen wollen: Man f\u00e4hrt an der Abflugrampe vorbei und biegt direkt dahinter scharf rechts ab, f\u00e4hrt unter der Rampe durch und hat sofort auf der rechten Seite den \u00fcberdachten Abstellplatz.)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/01 Parkplatz.jpg\" title=\"01 Parkplatz.jpg\" alt=\"01 Parkplatz.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Gratis-Parkplatz am Flughafen Schwechat<\/p>\n<p>Ich gebe Helm, Jacke, Handschuhe und Nierengurt in den Koffer, nehme meinen Rucksack heraus und wandere zu meinem Gate.<br \/>\nDass ich schon lange nicht in der Schweiz war kann ich daran erkennen, dass der Schengen-Beitritt spurlos an mir vor\u00fcbergegangen ist. Also marschiere ich nach der Sicherheitskontrolle (gef\u00e4hrliche Deos, terroristische Nagelscheren) ohne jedwede weitere Kontrolle (Covid, Pass) zum Gate und warte auf den Abflug.<br \/>\nEin erster Vorgeschmack auf die Schweiz zeigt sich in Form von Abflugp\u00fcnktlichkeit, die ich seit Jahren nicht mehr gewohnt bin. Alle, ausnahmslos alle Abfl\u00fcge der letzten Jahre waren versp\u00e4tet.<br \/>\nDer Flug ist halbvoll, dauert eine Stunde und zwanzig Minuten und das Wasser an Bord kostet 3,50 Euro, kann aber gerne mit Kreditkarte bezahlt werden, wahrscheinlich nehmen sie sogar Bitcoins.<\/p>\n<p>Kurz vor der Landung taucht die Sonne den Genfer See in goldenes Licht und ich bin schon gespannt, wie die Preise in der Schweiz sich entwickelt haben. Das mehrfach angek\u00fcndigte Einreiseformular verlangt niemand und ich marschiere mit meinem kleinen Rucksack schnurstracks hinaus und Richtung Bahnhof, der in wenigen Minuten erreichbar ist. An einem Geldautomaten hole ich mir Schweizer Franken, was ebenso problemlos funktioniert. Die kleine Wasserflasche kostet 4 Euro und ich erreiche den Zug um 09:19, der ebenfalls p\u00fcnktlich abf\u00e4hrt.<br \/>\nIch sitze in einem Doppelstockzug, der extrem leise und sehr flott unterwegs ist. Vom Flughafen nach Genf f\u00e4hrt er in weniger als zehn Minuten, dann geht es weiter \u00fcber Lausanne nach Montreux, was in Summe knapp 1,5 Stunden dauert.<br \/>\nIch muss mich erkundigen, welche Weinsorten hier an den H\u00e4ngen des Genfer Sees wachsen, jedenfalls m\u00fcssen es unglaubliche Mengen sein, die hier produziert werden, ich fahre fast die ganze Strecke an Weing\u00e4rten vorbei. Es steht hier quasi an jeder freien Ecke ein Weinstock, das Klima d\u00fcrfte g\u00fcnstig sein.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/02 Wein.jpg\" title=\"02 Wein.jpg\" alt=\"02 Wein.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wein wohin man schaut<\/p>\n<p>Bis auf zwei Deutsche reden im Zug fast alle Passagiere Franz\u00f6sisch, viele auch eine Sprache, die ich nicht verstehe, die irgendwie portugiesisch klingt. <\/p>\n<p>In Montreux steige ich um und fahre nach wenigen Minuten mit dem zweiten Zug Richtung Gstaad. Es ist eine Schmalspur-Panoramabahn und die Teleobjektive der asiatischen Touristen haben in den letzten Jahren nichts an Gr\u00f6\u00dfe eingeb\u00fc\u00dft.<br \/>\nKurz nach dem Bahnhof schraubt sich der Zug steil in die H\u00f6he, hier ist \u00fcberhaupt alles sehr eng und sehr steil. Am Berghang stehen \u00fcberall Schl\u00f6sschen herum, alles wirkt sehr sauber und ordentlich, wie man es klischeem\u00e4\u00dfig in der Schweiz erwartet.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/03 Montreux.jpg\" title=\"03 Montreux.jpg\" alt=\"03 Montreux.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Blick von oben auf Montreux am Genfer See<\/p>\n<p>W-Lan gibt es im Zug keines, daf\u00fcr h\u00e4lt er auf Wunsch an winzigen Bahnh\u00f6fen, wo er von Zeit zu Zeit ein paar Minuten warten muss, bis der Zug aus der Gegenrichtung vorbeif\u00e4hrt, die Strecke ist n\u00e4mlich eingleisig.<br \/>\nDie Gegend ist nett, sieht aber auch nicht viel anders aus als bei uns in den Alpen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/05 Landschaft.jpg\" title=\"05 Landschaft.jpg\" alt=\"05 Landschaft.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Landschaft zieht am Zug vorbei<\/p>\n<p>Nach knapp 1,5 Stunden erreichen wir Saanen und ich gehe die wenigen Meter zum Hotel.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/09 Saanerhof.jpg\" title=\"09 Saanerhof.jpg\" alt=\"09 Saanerhof.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Saanerhof<\/p>\n<p>Dort erfahre ich vom ziemlich gestressten Manager, dass ich mein Zimmer leider erst gegen 16 oder 17 Uhr beziehen kann, die Festivalg\u00e4ste von gestern sind heute erst ausgezogen und das Herrichten der Zimmer w\u00fcrde etwas dauern. Ich k\u00f6nnte mein Gep\u00e4ck allerdings gerne schon im Zimmer abstellen.<br \/>\nEs ist Mittagszeit und ich hatte heute noch keinen Bissen zu Essen. Also beschlie\u00dfe ich einen kleinen Rundgang durch den Ort, um nach einem passenden Wirtshaus Ausschau zu halten. Nach dem Essen w\u00e4re dann ein l\u00e4ngerer Spaziergang angesagt, f\u00fcr den ich vom Wirt noch schnell einen Tipp erhalten habe: Entlang des kleinen Flusses in Richtung Rougemont w\u00e4re es sehr nett.<\/p>\n<p>Saanen ist ein rein touristischer Ort, den es mit ziemlicher Sicherheit irgendwo in China noch einmal gibt. Alles wirkt wie frisch geschleckt, die H\u00e4user sind hier in der Gegend alle im gleichen Stil gebaut, mit Holzfront und Balkonen mit Blumenkisten und die Erdgeschosse sind fest in der Hand von Nobelboutiquen. Der Ortskern ist eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, die Schar der Touristinnen und Touristen h\u00e4lt sich allerdings in Grenzen, alles wirkt ruhig und beschaulich.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/07 Saanen.jpg\" title=\"07 Saanen.jpg\" alt=\"07 Saanen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Ortskern von Saanen<\/p>\n<p>Als alter American-Football-Fan bin ich beim Anblick eines Gesch\u00e4fts h\u00e4ngengeblieben. (F\u00fcr Nicht-Fans: Der Quarterback der Pittsburg Steelers Ben Roethlisberger hat Vorfahren in der Schweiz. M\u00f6glicherweise auch von hier.)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/06 Roethlisberger.jpg\" title=\"06 Roethlisberger.jpg\" alt=\"06 Roethlisberger.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: R\u00f6thlisberger<\/p>\n<p>Punkto Essen geht man hier mit der Mode, es gibt fast ausschlie\u00dflich Burger und Pizza, eventuell noch was Asiatisches.<br \/>\nIch will das nicht. Wenn ich in ein Land komme, dann m\u00f6chte ich landestypisch essen und Burger h\u00e4ngen mir sowieso schon zum Hals raus, die gibt es bei uns auch seit einigen Jahren an jeder Ecke.<br \/>\nIn einem Gasthof bekomme ich R\u00f6sti mit Spiegelei und K\u00e4se, immerhin. Die Kellner:innen sind ausschlie\u00dflich aus dem ehemaligen Ostblock, also auch alles wie bei uns. Bis das Essen kommt dauert es, die Schweiz bem\u00fcht sich hier dem eigenen Klischee gerecht zu werden, aber ich habe es ja nicht eilig.<br \/>\nDie R\u00f6sti ist okay, sehr s\u00e4ttigend und ohne jeglichen Pfiff, auch Pfeffer kann da nicht viel retten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/08 Roesti.jpg\" title=\"08 Roesti.jpg\" alt=\"08 Roesti.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: R\u00f6sti<\/p>\n<p>Um der schnell aufsteigenden M\u00fcdigkeit zu entkommen, mache ich mich auf den Weg zu der empfohlenen Wanderung, die mich zuerst ein gutes St\u00fcck am Flughafen vorbeif\u00fchrt. Hin und wieder landet ein Sportflugzeug und bringt gut betuchte G\u00e4ste. Auch hier auf dem kleinen Waldweg ist alles sauber und ich sehe das erste Mal in meinem Leben Mistk\u00fcbel mit einem eigenen Dach.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/10 Mistkuebel.jpg\" title=\"10 Mistkuebel.jpg\" alt=\"10 Mistkuebel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Mistk\u00fcbel mit Dach<\/p>\n<p>Hin und wieder zieht ein Mountainbiker vorbei und ich treffe einen \u00e4lteren Herrn \u2013 freundlich, mit dezentem Schnurrbart, so stelle ich mir einen Schweizer vor. Kurz vor Rougemont drehe ich um und bin erfreut, dass mein Zimmer jetzt um 16 Uhr doch schon beziehbar ist. Nach einer Dusche und einer Stunde des Ausruhens mache ich mich auf den Weg nach Gstaad, der Zug f\u00e4hrt wie erwartet p\u00fcnktlich und die Fahrt dauert nur etwa f\u00fcnf Minuten.<br \/>\nGstaad selbst ist das, was man einen Nobelort nennt. Boutiquen aller Luxusmarken, hohe Ferraridichte und eine Art Schloss, das \u00fcber dem Ort thront. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/12 Gstaad.jpg\" title=\"12 Gstaad.jpg\" alt=\"12 Gstaad.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Gstaad<\/p>\n<p>Auch das gibt es mit Sicherheit irgendwo in China noch einmal, vielleicht ohne das Country-Festival, aber selbst da bin ich mir nicht sicher.<br \/>\nDas Festival findet in einer Halle plus angeschlossenem Zelt plus Freigel\u00e4nde statt. Es sieht aus wie auf einem Jahrmarkt, mit Fahrgesch\u00e4ften, Zuckerwatte und einem elektrischen Bullen, der von Kindern gez\u00e4hmt werden will.<br \/>\nDas Publikum ist bunt gemischt, das Alter eher Richtung Pension gehend, aber auch ganz kleine Knirpse sind unterwegs, wenn auch eher bei den Attraktionen im Freien.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/14 Fest.jpg\" title=\"14 Fest.jpg\" alt=\"14 Fest.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Freigel\u00e4nde<\/p>\n<p>Es gibt eine strenge Ausweis- und Coronanachweispflicht, im Gel\u00e4nde bewegen sich die Menschen jedoch ohne Maske \u2013 das wird in ein paar Tagen spannend. (gleich vorweg: Ich habe mich drei Tage sp\u00e4ter testen lassen und war gl\u00fccklicherweise negativ. In den Medien gab es auch keinerlei Vorfallsmeldungen.) Interessanterweise gibt es keinerlei Taschenkontrolle, ich habe meinen Rucksack dabei und h\u00e4tte mir jede Menge Getr\u00e4nke mitnehmen k\u00f6nnen. So habe ich nur eine kleine Flasche Wasser dabei. Scheinbar gibt es keinerlei Angst vor einem Terroranschlag.<br \/>\nAlles ist nach M\u00f6glichkeit amerikanisiert worden, sogar die K\u00fcnstler:innen werden mit Jeeps abgeholt, es gibt an jeder Ecke Burger und anderes Junkfood plus jede Menge Verkaufsst\u00e4nde f\u00fcr Cowboystiefel, Fransenjacken, Cowboyh\u00fcte und \u00e4hnliche Dinge, die in der Schweiz eher wie eine Verkleidung wirken.<br \/>\nAls ich in das Musikzelt komme, spielt bereits Jade Eagelson, ein junger kanadischer Country-S\u00e4nger, der f\u00fcr Rodney Crowell eingesprungen ist. Seine Musik klingt gef\u00e4llig, aber ohne irgendwie was Besonderes. Nice to hear.<br \/>\nDas Zelt ist gro\u00df und bietet ca. 2.500 Sitzpl\u00e4tze, von denen gesch\u00e4tzt 75% belegt sind, wobei ein st\u00e4ndiges Kommen und Gehen herrscht.<br \/>\nBier wird hier in eher geringen Mengen getrunken, es gibt 0,3-Liter-Becher, die 5,50 CHF kosten und Flaschen mit alkoholfreiem Bier um das gleiche Geld, das eindeutig mehr konsumiert wird als das alkoholische Bier.<br \/>\nDie Stimmung ist friedlich, viele Schweizerinnen und Schweizer sind da, nat\u00fcrlich Leute aus USA, viele Deutsche, Italiener und dann noch jede Menge Leute von \u00fcberall aus der Welt. Der Ansager redet in moderatem Schwitzerd\u00fctsch und Englisch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/15 Halle.jpg\" title=\"15 Halle.jpg\" alt=\"15 Halle.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die Halle<\/p>\n<p>Irgendwie wirkt die Country-Kulisse f\u00fcr mich \u00e4hnlich wie die Gstaad-Kulisse. Nahezu niemand hier ist Cowboy oder Holzf\u00e4ller, aber viele bem\u00fchen sich so auszusehen. Es wirkt oft nicht echt, ganz im Gegensatz zur Musik, die sehr echt ist. Nach Jade Eagleson kommt Philipp Fankhauser, ein Ur-Schweizer, aber mit gewaltiger Stimme, guter Profi-Band und gutem Schm\u00e4h.<br \/>\nDer dritte Act ist Aaron Watson \u2013 der Cowboy unter den Cowboys. Er lebt tats\u00e4chlich in Texas und sieht auch so aus. Seine Musik ist typisch Country, seine Spr\u00fcche aber durchaus witzig. Er erz\u00e4hlt, dass er mit einem Hangover von gestern (ich war ja am zweiten Abend dort) heute auf einen Gletscher gebracht wurde und dass er so etwas noch nie gesehen h\u00e4tte. Es w\u00e4re sein erstes Mal in der Schweiz und er sei sehr erstaunt und beeindruckt, dass die Landschaft hier hinter jeder Ecke aussieht wie ein Gem\u00e4lde. Und dass Pflanzen, die sie in Texas mit enorm viel M\u00fche und m\u00e4\u00dfigem Erfolg z\u00fcchten, hier einfach \u00fcberall auf Felsen wachsen.<br \/>\nAm meisten aber hat ihn das Unkraut beeindruckt: \u201eBei uns hat das gro\u00dfe Dornen, hier hat es Erdbeeren und Heidelbeeren\u201c meinte er.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/16 Aaron Watson.jpg\" title=\"16 Aaron Watson.jpg\" alt=\"16 Aaron Watson.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Aaron Watson<\/p>\n<p>Ich habe mir meinen Platz vier Reihen vor meinem eigentlichen Sitz gesucht, dort ist alles rundherum frei, was nicht nur Covid-m\u00e4\u00dfig angenehm ist, sondern auch was die Sicht betrifft.<br \/>\nDer Ton ist extrem laut, auch als mit ein wenig Versp\u00e4tung Emmylou auftritt. Es gilt den ganzen Abend schon die Regel, dass die Leute bei der ersten Nummer nach vorne kommen und ein Foto machen d\u00fcrfen. Ab der zweiten Nummer werden sie von den Securities weggescheucht.<br \/>\nBei Emmylou funktioniert das aber nicht gut und es dauert bis zur dritten Nummer, bis vorne alles ger\u00e4umt ist.<br \/>\nAuf dem ganzen Festival geht es aber extrem friedlich zu, die Taschenkontrollen sind tats\u00e4chlich nicht notwendig, es gibt keine Betrunkenen und keine Randalierer, alles l\u00e4uft sehr gesittet ab.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/17 Emmy.jpg\" title=\"17 Emmy.jpg\" alt=\"17 Emmy.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Emmylou<\/p>\n<p>Emmylou ist wunderbar, ihre Stimme kr\u00e4ftig wie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr und ich merke ihr an, dass sie immer noch echte Freude am Spielen hat. Die Frau ist 74 und rockt die Bude ordentlich. Sie spielt eine gute Mischung aus alten und neueren Nummern, von schwungvollem Country bis zu langsamen Balladen ist alles dabei, die letzte Zugabe ist \u201eFrom Boulder To Birmingham\u201c und ich bin begeistert, weil ich das nicht erwartet hatte.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/18 Emmy.jpg\" title=\"18 Emmy.jpg\" alt=\"18 Emmy.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Emmylou<\/p>\n<p>Als das Konzert aus ist, beschlie\u00dfe ich zum Hotel zur\u00fcckzugehen. Es gibt zwar in der Halle noch eine Party, aber ich habe eigentlich den ganzen Abend komplett alleine zugebracht, das Festival wirkte auf mich nicht so, dass ich Anschluss h\u00e4tte finden k\u00f6nnen. Die meisten Leute waren in Form von P\u00e4rchen oder kleinen Gruppen da und mehr als ein paar belanglose Worte waren nicht drin, als ich mich zu ein paar Leuten an einen Tisch setzte, um mein Bier zu genie\u00dfen.<br \/>\nAu\u00dferdem war es schon kurz vor ein Uhr in der Fr\u00fch und ich hatte noch eine halbe Stunde Fu\u00dfweg vor mir, von Gstaad nach Saanen. Ich h\u00e4tte zwar das Geld f\u00fcr ein Taxi, aber ich wollte sowieso ein wenig Luft schnappen und runterkommen. Der Weg war nicht schwer zu finden, er f\u00fchrt immer am Flu\u00df entlang, zum Gro\u00dfteil jedoch unter B\u00e4umen und so war es ausgesprochen dunkel. Das Licht am Handy ist jedoch mehr als ausreichend und ich hatte auch noch gen\u00fcgend Akku.<br \/>\nIrgendwann treffe ich dann auf ein P\u00e4rchen, das ebenfalls in die gleiche Richtung unterwegs ist und kein Licht hat. Wir gehen gemeinsam bis zu dem Campingplatz in Saanen, wo sie ihr Wohnmobil stehen haben. Es ist das einzige echte Gespr\u00e4ch an diesem Abend f\u00fcr mich und sehr nett.<br \/>\nDann bin ich im Hotel und rechtschaffen m\u00fcde.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen freue ich mich schon auf ein ausgiebiges Fr\u00fchst\u00fcck, werde aber leider entt\u00e4uscht. Die Kellnerin ist entweder komplett demotiviert oder \u00fcberfordert, das Buffet ist fast leer. Ich urgiere Butter und Marmelade und bekomme ein langes Gesicht, als sie den Kaffee bringt (ich vertrage keinen Filterkaffee). Auf meine Frage nach einem weichen Ei kommt ein schroffes \u201eNein\u201c und bis auf ein wenig M\u00fcsli und ein paar Scheiben K\u00e4se, die nicht sehr appetitlich aussehen, gibt es mehr oder weniger nichts. Nur das Croissant ist gut, ansonsten kann ich das Hotel f\u00fcr Fr\u00fchst\u00fcckfans nicht empfehlen.<br \/>\nIch bin ordentlich ausgeschlafen und beschlie\u00dfe, den Zug um 10:39 nach Montreux zu nehmen und mir diese Stadt anzusehen. Zeit habe ich genug und hier h\u00e4lt mich auch nichts mehr.<br \/>\nDie Fahrt verl\u00e4uft unspektakul\u00e4r und ich begebe mich in Montreux zur Uferpromenade, weil mir der Zimmerwirt in Saanen empfohlen hat zum Chateau zu wandern, das sei besonders sch\u00f6n.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/21 Palmen.jpg\" title=\"21 Palmen.jpg\" alt=\"21 Palmen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Promenade mit Palmen<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es ein H\u00e4uschen mit einer Touristeninformation und ich hole mir ein paar Infos und einen Stadtplan. Der Weg ist mit 40 Minuten angegeben und ich beschlie\u00dfe, eher dahinzuschlendern, schlie\u00dflich habe ich es nicht eilig, jede halbe Stunde f\u00e4hrt ein schneller Zug nach Genf, ich habe also die Wahl, wann ich weiterfahren m\u00f6chte.<br \/>\nEs sind ziemlich viele Leute unterwegs, es ist sehr warm und ich marschiere im T-Shirt los. Die Promenade ist angenehm zum Gehen, Montreux hat einen alten Stadtkern mit jeder Menge sch\u00f6ner Gr\u00fcnderzeith\u00e4usern und Villen, die sich die steile Bergflanke hinaufziehen. Da ist seit langer Zeit das Geld daheim \u2013 so der Eindruck.<br \/>\nDie Moderne hat aber auch an den Grenzen der Schweiz nicht Halt gemacht und so verschandelt eine Autobahn die eigentlich wunderbare Bergkulisse.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/23 Autobahn.jpg\" title=\"23 Autobahn.jpg\" alt=\"23 Autobahn.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Autobahn<\/p>\n<p>Und es gibt eine Nestl\u00e9-Stra\u00dfe, mit passendem Schild am Rasen daneben.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/24 Nestle.jpg\" title=\"24 Nestle.jpg\" alt=\"24 Nestle.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die Nestl\u00e9-Stra\u00dfe in Montreux<\/p>\n<p>Als ich dann aber an mehreren gro\u00dfen, alten Hotelk\u00e4sten vorbeikomme, die zum Teil leer stehen, \u00e4ndert sich der Gesamteindruck. Auch in der reichen Schweiz \u00e4ndert sich scheinbar einiges, Montreux d\u00fcrfte seine besten Zeiten vielleicht schon hinter sich haben.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/26 Grand Hotel.jpg\" title=\"26 Grand Hotel.jpg\" alt=\"26 Grand Hotel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Grand Hotel<\/p>\n<p>Alt und Neu treffen sich hier so wie Arm und Reich. Und es gibt einen Raddampfer, der nat\u00fcrlich nicht mehr mit Dampf betrieben wird, mich aber sehr an die &#8222;Gisela&#8220; am Traunsee erinnert.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/27 Raddampfer.jpg\" title=\"27 Raddampfer.jpg\" alt=\"27 Raddampfer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Raddampfer<\/p>\n<p>Ich bin k\u00f6rperlich heute nicht ganz auf der H\u00f6he, vielleicht ist es auch die Sonne, jedenfalls f\u00fchle ich mich nicht sehr fit und beschlie\u00dfe, bei dem Chateau eine kleine Pause zu machen. Die ins Wasser gebaute Burg ist ein d\u00fcsterer Kasten, f\u00fcr dessen Besichtigung sie 13 Franken Eintritt verlangen, was mich nicht wirklich reizt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/29 Chateau de Chillon.jpg\" title=\"29 Chateau de Chillon.jpg\" alt=\"29 Chateau de Chillon.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Chateau de Chillon<\/p>\n<p>Ich marschiere zur\u00fcck und finde ein nettes Bankerl, um eine meiner Wasserflaschen zu leeren. Ein Vogel (Spatz oder was \u00e4hnliches) pickt Kerne aus dem Baum neben mir und ich kann ein wenig entspannen.<br \/>\nDann geht es weiter, ich beschlie\u00dfe mir bei McDonalds eine Kleinigkeit zu kaufen, erstens um zu sehen, wie der hier ist und zweitens, weil ich glaube, dass es hier W-Lan gibt.<br \/>\nFazit: Schmecken tut das Zeug wie bei uns, die Preise sind genau das Doppelte und W-Lan gibt es nur, wenn man eine Schweizer Telefonnummer hat.<br \/>\nIch marschiere zum Info-Haus zur\u00fcck, wo es tats\u00e4chlich W-Lan gibt.<br \/>\nNach einiger Zeit gehe ich zum Bahnhof und fahre mit dem n\u00e4chsten Zug nach Genf, um dort auch noch ein wenig die Zeit totzuschlagen. Eigentlich w\u00e4re mir ein fr\u00fcherer R\u00fcckflug durchaus recht, den gibt es aber nicht und so werde ich noch warten m\u00fcssen.<br \/>\nIch war vor langer Zeit einmal in Genf, bei einem Frisbee-Tournier, und kann mich an die Stadt nicht mehr erinnern.<br \/>\nDie H\u00e4user sehen aus wie in Montreux und vom Bahnhof zum See sind es nur ein paar Meter. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/32 Park.jpg\" title=\"32 Park.jpg\" alt=\"32 Park.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Park am See<\/p>\n<p>Die Promenade dort ist wesentlich ausladender als in Montreux und ich suche ein nettes Pl\u00e4tzchen zum Ausruhen, irgendwie bin ich ziemlich geschlaucht.<br \/>\nIch finde es unter einer gro\u00dfen Birke, ein schattiges St\u00fcckchen Wiese, auf dem ich mich ein wenig hinlegen kann.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/33 Birke.jpg\" title=\"33 Birke.jpg\" alt=\"33 Birke.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die Birke am Genfer See<\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re ist friedlich, irgendwo daneben hockt eine kleine Gruppe, Kinder spielen und das Wetter ist sehr angenehm. Das Einzige, was mein Gl\u00fcck tr\u00fcbt, ist eine Taube, die im Baum genau \u00fcber mir sitzt. Ich hatte schon vor vielen Jahren ein wenig angenehmes Erlebnis dieser Art und hoffe, dass sie nicht runterschwatzt.<br \/>\nNat\u00fcrlich tut sie das irgendwann, gl\u00fccklicherweise verfehlt mich aber der Batzen Gl\u00fcck. Ich hole mein Handy heraus, h\u00f6re ein paar alten Nummern von Emmylou und genie\u00dfe die freundlich-angenehme Szenerie, wenngleich im Hintergrund dreispurig die Autos vorbeifahren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2021.09.12_Gstaad\/31 Strahl.jpg\" title=\"31 Strahl.jpg\" alt=\"31 Strahl.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Der Genfer See<\/p>\n<p>Irgendwann h\u00e4lt es mich dann nicht mehr hier, die Sonne ist verschwunden und ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Der Zug f\u00e4hrt aber nur zehn Minuten zum Flughafen und ich bin viel zu fr\u00fch dort. Ohne Gep\u00e4ck und mit Bordkarte am Handy ist das Einchecken auf diesem eher kleinen Flughafen keine Affaire.<br \/>\nAlso hole ich mir einen W-LAN-Code und gehe aus dem Abfluggeb\u00e4ude hinaus. Drau\u00dfen gibt es eine freie Bank und ich beschlie\u00dfe, hier zu warten. Es wird n\u00e4mlich noch dauern, da es hier heute genau einen einzigen versp\u00e4teten Flug gibt, und das ist nat\u00fcrlich meiner.<br \/>\nIch hasse das Warten auf Flugh\u00e4fen. Ich kann nat\u00fcrlich Musik h\u00f6ren oder diesen Bericht hier schreiben, aber das verk\u00fcrzt die unendlich erscheinende Wartezeit nur unwesentlich. Das W-LAN funktioniert \u00fcbrigens nur im Geb\u00e4ude, hier drau\u00dfen nicht, daf\u00fcr muss ich hier keine Maske tragen.<\/p>\n<p>Irgendwann sind auch diese Stunden vergangen und ich mache mich auf den Weg zum Gate. Dort sitzen zwei gelangweilte Angestellte, die f\u00fcr genau nichts zust\u00e4ndig oder kompetent sind. Vor allem nicht f\u00fcr die Frage, wie viel Versp\u00e4tung wir tats\u00e4chlich noch aufrei\u00dfen werden. Ich habe n\u00e4mlich den Verdacht, dass die angegebene Zeit von 30 Minuten eine freie Erfindung ist. Kurz vor der angegebenen Abflugzeit steht n\u00e4mlich immer noch kein Flieger da. Auf meine l\u00e4stige Nachfrage erfahre ich, dass die Maschine vorher aus Athen nach Wien geflogen ist und von dort schon versp\u00e4tet kam.<br \/>\nDiese elende Nicht-Information hat den Sinn, dass Fluglinien f\u00fcr Versp\u00e4tungen nicht belangt werden k\u00f6nnen. W\u00fcrden sie zugeben, dass sie eine nennenswerte Versp\u00e4tung haben, k\u00f6nnte irgendwer irgendwie Entsch\u00e4digung verlangen. So tun sie so, als w\u00e4re eh alles im Plan und lassen die Flugg\u00e4ste dumm sterben.<\/p>\n<p>Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit landet die Maschine und nach einer weiteren Ewigkeit beginnt das Boarding.<br \/>\nDer Rest der Geschichte ist schnell erz\u00e4hlt, der Flug verl\u00e4uft unspektakul\u00e4r, ebenso die Heimfahrt mit dem Roller.<br \/>\nIch bin froh, wieder da zu sein. Die zwei Tage haben mich viel Kraft und Geld gekostet. Ich bin aber mindestens genauso froh, dass ich mir das Konzert mit Emmylou geg\u00f6nnt habe. Es war die Reise wert, keine Frage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss irgendwann ca. 2008 gewesen sein, ich war zu Gast bei meinem lieben Freund Rudi in Klagenfurt und er meinte, ich soll mir unbedingt Gram Parsons anh\u00f6ren. Gram wer? Nie geh\u00f6rt. Ich muss zugeben, das war ziemlich l\u00e4ssig. 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