{"id":2858,"date":"2022-09-10T23:25:21","date_gmt":"2022-09-10T22:25:21","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=2858"},"modified":"2023-06-17T07:10:33","modified_gmt":"2023-06-17T06:10:33","slug":"der-kenyacowboy-ist-in-den-sonnenuntergang-geritten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/der-kenyacowboy-ist-in-den-sonnenuntergang-geritten\/","title":{"rendered":"Der Kenyacowboy ist in den Sonnenuntergang geritten"},"content":{"rendered":"<p>(Pr\u00e4ambel: Dieser Nachruf basiert auf eigenen Erfahrungen und auf den Informationen, die ich von Wolfis Bruder Andi bekommen habe. Seine langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin und Firmenpartnerin Monika hat unten ein Kommentar abgegeben und einiges berichtigt. Bitte auch lesen.)<\/p>\n<p>Es ist Sommer 1992, als zeitig in der Fr\u00fch, so gegen 6 Uhr, drei junge Abenteuerlustige aus der AUA-Maschine steigen und am Jomo Kenyatta Airport ihr Gep\u00e4ck zusammensammeln.<br \/>\nBeim Ausgang wartet ein Herr mit Schnauzbart in Safarikluft auf sie. Gemeinsam laden sie das Gep\u00e4ck in einen alten Isuzu Trooper ein und fahren \u00fcber die Autobahn nach Nairobi hinein.<br \/>\n&#8222;Habt ihr schon eure Malaria-Medizin genommen?&#8220; fragt der Schnauzb\u00e4rtige, was die drei jungen Herren verneinen.<br \/>\nDaraufhin greift er unter den Sitz und holt eine Flasche Wodka hervor mit der Aufforderung, jeder solle gef\u00e4lligst einen ordentlichen Schluck nehmen.<\/p>\n<p>So habe ich Wolfi Schreitl das erste Mal getroffen. Mein Bruder hatte ihn ein paar Monate zuvor schon kennengelernt und gefragt, ob er mich, den George und den Gabor vom Flughafen abholen k\u00f6nnte.<br \/>\nDamals ahnte ich noch nicht, dass er in meinem Leben noch die eine oder andere gar nicht so unwichtige Rolle spielen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/drink.jpg\" title=\"drink.jpg\" alt=\"drink.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi Schreitl, wie ich ihn gerne in Erinnerung behalte<\/p>\n<p>Beginnen wir ganz vorne. Wolfgang Schreitl wurde am 29. November 1955 in Eckenf\u00f6rde in Deutschland geboren, der Vater echter Wiener, die Mutter ein Nordlicht. Sein Bruder Andi nennt ihn einen &#8222;Wiener Wikinger&#8220;, weil auch d\u00e4nische und sonstige nordische Wurzeln dabei sind.<\/p>\n<p>1966 zieht die Familie dann nach Seewalchen, wo Wolfi am 20. Juli 2022 seiner schweren Lungenkrankheit erlegen ist, die er sich &#8211; wie k\u00f6nnte es anders sein &#8211; in Afrika geholt hat, viele Jahre zuvor.<br \/>\nIn der Schule lernte er lesen, und dann war es zum Leidwesen seiner Cousine Sissy und seines Bruders Andreas aus mit dem Spielen. Wolfgang sa\u00df nur mehr in der Ecke las B\u00fccher &#8211; anfangs Karl May und Abenteuerb\u00fccher, schlie\u00dflich Hemingway. Die Sehnsucht nach Abenteuern in der Ferne war geboren. Nach dem Hauptschulabschluss ging es auf Wunsch seines Vaters nach Wien auf die HTBLA f\u00fcr Textiltechnik. Nach drei Jahren bracher er die Schule ab, und ging mit 17 Jahren zum Bundesheer nach Salzburg. In diesen 3,5 Jahren war er kurz beim Jagdkommando und auch bei der UNO auf den Golanh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Da in Salzburg bekanntlich auch die sch\u00f6nsten M\u00e4dels von \u00d6sterreich leben (so erinnert sich sein Bruder Andi), dauerte es nicht lange, bis er seine sp\u00e4tere Frau Karin kennenlernt. Nach der Hochzeit 1980 kommt zwei Jahre sp\u00e4ter der gemeinsame Sohn Patrick zur Welt. Leider hielt diese Beziehung nicht lange, da das b\u00fcrgerliche Leben von Wolfgangs Abenteuerlust verdr\u00e4ngt wurde. Das Fernweh wurde immer gr\u00f6\u00dfer und kurze Zeit sp\u00e4ter verschlug ihn eine humanit\u00e4re Mission des Roten Kreuzes nach Kenia, wo er sich in Land und Leute verliebte. Er wollte unbedingt in diesem Land bleiben und fand in Monika eine gleichgesinnte Partnerin. <\/p>\n<p>Er traf sie im Hotel Boulevard, das damals vom \u00d6sterreicher Brandl gef\u00fchrt wurde, und auch den M\u00fcnchner Reiseveranstalter Ruppert.<br \/>\nDieser war des Kenia-Gesch\u00e4fts m\u00fcde und Monika hatte ein paar Ersparnisse aus einer Erbschaft. So kaufte sie Anteile an &#8222;Bush Trucker Tours&#8220; und Wolfi stieg mit Monika ins Safarigesch\u00e4ft ein.<\/p>\n<p>Das war 1986, damals h\u00e4tte ich Wolfi bereits \u00fcber den Weg laufen k\u00f6nnen, denn auch wir waren zu dieser Zeit immer wieder mal im Hotel Boulevard.<br \/>\n1992 hatten wir schon das Appartment Longonot Nr. 6, das nur 2 Gehminuten vom Boulevard entfernt war. Dorthin brachte uns Wolfi nach unserer Ankunft und wir ahnten, dass wir ihn an diesem Tag nicht das letzte Mal gesehen hatten.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr, ob es am gleichen Abend oder erst am n\u00e4chsten war, jedenfalls zeigte uns Wolfi einiges in Nairobi, das wir (auch ich) vorher nicht kannten, etwa das Nachtleben.<br \/>\nEr war ein Kenia-Cowboy, ein Expat, ein Abenteurer, aber auch ein Bullshit-Artist der feinsten Sorte &#8211; darauf komme ich etwas sp\u00e4ter noch.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/tarn.jpg\" title=\"tarn.jpg\" alt=\"tarn.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi in seiner Lieblingskluft &#8211; wobei, stimmt nicht. Das locker gekn\u00f6pfte wei\u00dfe Hemd war ihm in Wahrheit noch lieber<\/p>\n<p>Er zeigte uns das Florida 2000, eine Disko im City Center. Er zeigte uns aber nicht nur die Disko, sondern auch wie wir uns dort verhalten sollten, etwa wenn uns junge Damen bel\u00e4stigen w\u00fcrden. (Das war uns meistens eh nicht soo unangenehm, aber die Grenzen zu kennen und zu wissen, wie und was man sagt, war hilfreich: &#8222;You\u00b4re nice, but not my size&#8220; etwa lie\u00df sie l\u00e4cheln und von Dannen ziehen.)<br \/>\nSeit dem ersten Besuch im Florida 2000 trinke ich gerne Kenya Cane mit Fruchtsaft (Maracuja oder Mango, Ananas geht auch, Orange nur, wenn nichts anderes da ist, sensationell auch Guave). Das hat sich in den letzten drei\u00dfig Jahren nicht ge\u00e4ndert.<br \/>\nEs waren lustige, spannende, interessante und in Summe unvergessliche Tage und Abende, die wir mit Wolfi verbrachten, der stets geschmeichelt war, wenn er uns was Neues zeigen konnte.<br \/>\nIhm verdanke ich meine Vorliebe f\u00fcr Cole Slaw und durch ihn hab ich das erste Mal Nyama Choma (Fleisch vom Grill, oftmals Ziege) gegessen. <\/p>\n<p>Das wichtigste, was ich ihm aber verdanke, ist meine Leidenschaft f\u00fcr Makonde. Das sind ostafrikanische Ebenholzschnitzereien, die ich viele Jahre (fast Jahrzehnte) gesammelt habe, und das kam so:<br \/>\nEines Tages besuchten wir Wolfi in seinem Haus in Langata. Dort war auch die Safari-Firma und in seinem Vorzimmer sah ich auf einmal so schwarze Statuen, die ich noch nie gesehen hatte.<br \/>\nAlso &#8211; noch nie stimmt nicht ganz, 1984 hatte mein Vater am Strand von Mombasa einem H\u00e4ndler einen Familienbaum abgekauft. Damals konnte ich damit noch nichts anfangen. Der Familienbaum (der Stamm der Makonde zeichnet keine Stammb\u00e4ume, sondern schnitzt sie) steht bis heute in der Wohnung meines Vaters, der drei Monate vor Wolfi gestorben ist, und wir werden ihn selbstverst\u00e4ndlich behalten.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/makonde1.jpg\" title=\"makonde1.jpg\" alt=\"makonde1.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Der Familienbaum, mit leichten Bruchspuren, wie das nach knapp 40 Jahren halt so ist.<\/p>\n<p>Jedenfalls fragte ich Wolfi, was denn das sei und dass mir das irgendwie gut gef\u00e4llt. Daraufhin f\u00fchrte er mich schnurstracks ins City Center, wo gegen\u00fcber vom City Market der &#8222;Blue Market&#8220; war, bestehend aus lauter kleinen Kunst- und Souvenirstandln. Dort maschierte er durch und ich musste feststellen, dass er die meisten Standler kannte, von ihnen lauthals begr\u00fc\u00dft wurde und sofort Makonde-Figuren angeboten bekam.<br \/>\nDort zeigte er mir zum ersten Mal, wie man gute von schlechten unterscheiden kann, echte von unechten, wie man den Wert am besten einsch\u00e4tzt und vor allem, wie man mit den Standlern verhandeln muss, um nicht \u00fcbers Ohr gehauen zu werden.<br \/>\nDie wichtigste Regel war die Faustregel: Pro Faustbreite zahlst du 100 Kenia-Shilling. Diesen Preis hab ich nicht wirklich oft erzielen k\u00f6nnen, aber es war eine der vielen Verhandlungsstrategien, die ich einsetzen konnte. Heute w\u00e4ren es \u00fcbrigens 1.000 Kenya-Shilling.<\/p>\n<p>Aus diesem ersten Besuch habe ich mein bis heute sch\u00f6nstes St\u00fcck, die Wassertr\u00e4gerin.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/makonde2.JPG\" title=\"makonde2.JPG\" alt=\"makonde2.JPG\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wassertr\u00e4gerin<\/p>\n<p>Wolfi erz\u00e4hlte mir die Geschichten \u00fcber die Makonde und ihre Schnitzkunst, er steckte mich mit der Leidenschaft an, die bis heute da ist. Erst vor kurzem habe ich begonnen, einige alte St\u00fccke zu restaurieren. Da wusste ich noch nicht, dass er nicht mehr lange leben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In den darauffolgenden Jahren vertiefte ich mich immer mehr in diese so faszinierende Welt, sammelte B\u00fccher und nat\u00fcrlich jede Menge Makonde-Figuren. Heute habe ich ca. 200 und mit der Hilfe von Wolfis Vater, Hans Schreitl, konnte ich sogar einmal eine Ausstellung machen, n\u00e4mlich 2006 in V\u00f6cklabruck, wo Hans lebte. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/ausstellung.jpg\" title=\"ausstellung.jpg\" alt=\"ausstellung.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Ausstellung im Lebzelterhaus in V\u00f6cklabruck<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Hans.JPG\" title=\"Hans.JPG\" alt=\"Hans.JPG\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi, Vater Hans, und Monika<\/p>\n<p>Wolfi wurde zum leidenschaftlichen Kenyacowboy, lebte gut und gerne dort und steckte auch seinen Vater und seinen Bruder mit der Leidenschaft f\u00fcr Ostafrika an. 1997 kam dann sein Bruder Andreas mit seiner eigenen Firma (Safari f\u00fcr Rollstuhlfahrer) nach Kenia.<br \/>\nLeider machte er auch Fehler verschiedenster Art und so funktionierte das Safari-Business eines Tages nicht mehr. Er trennte sich von Monika, die Firma wurde verkauft und Wolfi stand vor dem Nichts.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Monika.jpg\" title=\"Monika.jpg\" alt=\"Monika.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi mit Monika, in besseren Zeiten<\/p>\n<p>Ich muss anmerken, dass das nicht nur seine Schuld war, zu dieser Zeit funktionierte der Markt nicht mehr so gut, es gab Konkurrenz ohne Ende und dazu kamen noch Ereignisse wie politische Unruhen sowie der schwere Unfall eines seiner Mitarbeiter, der den Nissan Patrol komplett verschrottete &#8211; das war eines seiner wichtigsten Autos f\u00fcr die Safari.<br \/>\nSein alter Isuzu Trooper blieb ihm allerdings, er hat ihn noch viele Jahre gefahren.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Isuzu.jpg\" title=\"Isuzu.jpg\" alt=\"Isuzu.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi und sein alter Isuzu Trooper<\/p>\n<p>Das mit Bush Trucker Tours finde ich \u00fcbrigens bis heute schade, denn das Konzept von Wolfi hatte was: Er machte Spezialsafaris im Hemmingway-Style, also mit gro\u00dfen, gr\u00fcnen Stoffzelten ganz im Stil des Afrika-Abenteurers. Dazu gab es jeden Abend Lagerfeuer irgendwo in der Wildnis, an dem Wolfi stets seine F\u00e4higkeiten als Geschichtenerz\u00e4hler zur Geltung bringen konnte.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Zelte.jpg\" title=\"Zelte.jpg\" alt=\"Zelte.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Zelte<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Lagerfeuer.jpg\" title=\"Lagerfeuer.jpg\" alt=\"Lagerfeuer.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi am Lagerfeuer<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Bus.jpg\" title=\"Bus.jpg\" alt=\"Bus.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Ein Safaribus von Bush Trucker Tours<\/p>\n<p>Er war ein hervorragender Erz\u00e4hler und seine Geschichten hatten immer einen Schuss \u00dcbertreibung, man wusste nie ganz genau, bis wohin sie stimmten und was ein wenig hingebogen war &#8211; daher auch der durchaus liebevoll gemeinte Ausdruck &#8222;Bullshit-Artist&#8220;. Mehr dazu weiter unten.<\/p>\n<p>Wolfi erm\u00f6glichte mir und meinem Bruder einiges &#8211; z.B. die Teilnahme an der East African Safari Rally, an der unsere Br\u00fcder (also mein Bruder Peter und Wolfis Bruder Andi) in einem alten VW K\u00e4fer teilnahmen. Wolfi hatte dabei jetzt keine f\u00fchrende Rolle, aber das muss ja niemand wissen. (Zu verdanken ist das in erster Linie Steffen Reininger, den Andi in Wien kennengelernt hat und f\u00fcr den er drei Jahre Service gefahren ist.)<br \/>\nMein Bruder war damals auch sehr viel in Kenia und unternahm auch viel mit Andi und Wolfi. Die Rallytruppe von Reiniger \u00fcbernachtete z.B. im Appartment meines Vaters und daf\u00fcr schmuggelten sie ihm 8 Pinzgauer-Reifen im Rally-Container.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Rally.jpg\" title=\"Rally.jpg\" alt=\"Rally.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das legend\u00e4re Foto von der Safari-Rally 1994. Links von meinem Bruder der Wolfi, rechts sein Bruder Andi. Sie unterst\u00fctzen Steffen Reininger, einen professionellen Rallyfahrer und bekamen Lust auf mehr. Drei Jahre sp\u00e4ter fuhren sie selbst in der Oldtimer-Klasse mit.<\/p>\n<p>Dann ging eine neue T\u00fcr auf und Wolfi stieg in die Gastro ein. Dazu holte er seinen Bruder Andi nach Nairobi, der in \u00d6sterreich auch gerade seinen Weg mit einer Baufirma beendet hatte. Andi ist auch gelernter Koch und so \u00fcbernahmen sie das &#8222;Buffalo Bill\u00b4s Saloon and Eating House&#8220; im Hotel Heroncourt, das etwas au\u00dferhalb des City Center liegt und zu dem auch die &#8222;Horse Shoe Bar&#8220; geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/buffalo.JPG\" title=\"buffalo.JPG\" alt=\"buffalo.JPG\" \/><\/center><br \/>\nBild: Andi und Wolfi im Buffalo Bills<\/p>\n<p>Das war mehr als nur eine Bar, das Lokal bestand aus der Bar mit einer pittoresken Sammlung an nachgebauten Planwagen, in denen man sitzen konnte. Dazu gab es noch einen Restaurant-Raum, nicht besonders elegant, aber in dieser unnachahmlichen Art, die man nur in Ostafrika finden kann, mit Plastiktischt\u00fcchern und Steinboden. Nicht elegant, aber irgendwie trotzdem okay.<\/p>\n<p>Ich lernte das Buffalo Bills kennen, als ich das erste Mal meinen alten Freund Thomy mit dabei hatte. Wir verbrachten zahlreiche Abende und N\u00e4chte in der Horseshoe-Bar, angelockt von Andis hervorragendem Wild-Ragout und anderen K\u00f6stlichkeiten, die er uns auftischte, aber auch fasziniert von der wilden Mischung an G\u00e4sten, die dort jeden Abend in neuer Zusammensetzung anzutreffen waren.<br \/>\nAm besten l\u00e4sst sich das durch den kleinen Ausschnitt beschreiben, den der Lonely Planet zu dieser Zeit dem Lokal widmete:<\/p>\n<p><em>&#8222;Outside the city center, at the Heroncourt Hotel, you can find the Buffalo Bills, a place for all entrepreneurs, tour operators, expats, hookers and bullshit artists.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das war vielleicht die gl\u00fccklichste Zeit seines Lebens, er war umgeben von Gleichgesinnten.<br \/>\nWolfi war ein leidenschaftlicher Typ, aber auch ein bisschen ein Zyniker, ein lebenslang Suchender, einer von den Typen, die viel Auf und viel Ab kennen, einer, der auch schwierig sein konnte.<br \/>\nEr hatte also nicht nur Freunde, sondern verscherzte es sich auch da und dort mit Menschen, die wichtig f\u00fcr ihn waren, etwa weil bestimmte Genehmigungen nur \u00fcber sie zu bekommen waren oder weil sie seinen Ruf zerst\u00f6ren konnten. Dann gab es Stress mit diversen Beh\u00f6rden, mit denen Wolfi nie wirklich gut umgehen konnte. Vielleicht fehlte ihm manchmal auch der Respekt vor den Kenianern, jedenfalls handelte er sich sowohl in der \u00f6sterreichischen Community als auch bei diversen Gesch\u00e4ftspartnern und Beh\u00f6rden immer wieder Probleme ein, die letztlich dazu f\u00fchrten, dass sie das Lokal aufgeben mussten, vor allem, weil auch der Verp\u00e4chter starb und sie sich mit dem Nachfolger nicht mehr einigen konnten.<br \/>\nIch habe die genauen Umst\u00e4nde nie erfahren, aber die Br\u00fcder konnten danach in einem relativ weit drau\u00dfen gelegenen Hotel neu anfangen. Ich war nur ein- zweimal dort, aber es war nicht mehr das alte Buffalo Bills, auch wenn sie sich redlich anstrengten, die G\u00e4ste mitzunehmen &#8211; es klappte nicht.<\/p>\n<p>Und so ging eine weitere Zeit zu Ende, die so gut begonnen hatte. Wolfi kam in finanzielle Schwierigkeiten und eines Tages bat er mich, ob ich ihm nicht seine Makonde-Sammlung abkaufen k\u00f6nnte.<br \/>\nDas war f\u00fcr mich ein Schock, denn wir waren beide echte Sammler, er noch dazu mein Lehrmeister. Es war 2004 als ich ihm fast seine komplette Sammlung abnahm. Einen Teil brachte ich von Nairobi nach Wien, einen anderen hatte er bei seinem Vater in Seewalchen. Ich wusste, wie schwer ihm dieser Schritt fiel.<br \/>\nIch halte seine Sammlung bis heute in Ehren, in ihr befinden sich die wertvollsten St\u00fccke, die ich besitze.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/teufel.jpg\" title=\"teufel.jpg\" alt=\"teufel.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Einer der tollsten Shejtani aus Wolfis Sammlung<\/p>\n<p>Dann begann die Diaspora. Wolfi ging zur\u00fcck nach Seewalchen, aber wenig sp\u00e4ter bekam er ein Angebot in Sansibar eine Appartmentanlage zu leiten, mit Bar und Restaurant am Meer. Ich wollte ihn besuchen, das hat sich aber nie ergeben und wir verloren einander ein wenig aus den Augen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Sansibar.jpg\" title=\"Sansibar.jpg\" alt=\"Sansibar.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Wolfi klassisch, an der Bar<\/p>\n<p>Wolfi war dort eine Zeit lang gl\u00fccklich. Er konnte f\u00fcr den Klub arbeiten, sicher die eine oder andere Geschichte erz\u00e4hlen und sich ein wenig in Szene setzen. Dort ist es schlie\u00dflich wundersch\u00f6n, ein bisschen paradiesisch, und das konnte und wollte er genie\u00dfen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Zanzibar.jpg\" title=\"Zanzibar.jpg\" alt=\"Zanzibar.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das Titelbild von Wolfis Facebook-Seite. Hapana Zanzibar<\/p>\n<p>Sein Bruder Andi ging nach Wien und war einige Jahre mit seiner kenianischen Frau und zwei Kindern mein Nachbar. Auch er hatte es nicht leicht und zog nach einiger Zeit und einigen misslungenen Jobs wieder nach Seewalchen, wo er bis heute lebt.<\/p>\n<p>Auf Sansibar (genauer gesagt auf einer kleinen Insel n\u00f6rdlich) lief es zwei Jahre lang gut, dann kamen Lungenprobleme. F\u00e4lschlicherweise von \u00c4rzten als Lungenentz\u00fcndung diagnostiziert verlor er nach und nach immer mehr an Gewicht, bis er beschloss aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden 2009 nach \u00d6sterreich zur\u00fcckzukehren, wo die medizinische Versorgung besser war. Leider stellte sich heraus, dass er sich um TBC im fortgeschrittenem Stadium handelte. Die letzten 14 Jahre verbrachte er in Seewalchen, die meiste Zeit davon in seinem B\u00fcro, wie er es nannte, dem Seecafe, wo er von der Belegschaft sehr gesch\u00e4tzt und umsorgt wurde.<br \/>\nEs fand sich eine kleine Wohnung in Seewalchen, die er g\u00fcnstig mieten konnte. Seine Lungenfunktion war extrem eingeschr\u00e4nkt und an Arbeit war nicht mehr zu denken.<br \/>\nIch traf ihn dort einmal und wir konnten eine Stunde oder zwei \u00fcber alte Zeiten plaudern. Das ist jetzt auch schon einige Jahre her. <\/p>\n<p>Andi erz\u00e4hlte mir, dass es ihm in letzter Zeit zunehmend schlechter ging, er brauchte viel Sauerstoff und er traf ihn im Mai noch einmal, wo sie fast sieben Stunden in alten Erinnerungen kramten und Geschichten erz\u00e4hlten. Andi meinte, dass sich Wolfi an diesem Tag von ihm verabschiedet h\u00e4tte, ohne dass ihm das so bewu\u00dft war.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2022.09.10_Schreitl\/Abschied.JPG\" title=\"Abschied.JPG\" alt=\"Abschied.JPG\" \/><\/center><br \/>\nBild: Andi und Wolfi bei ihrem letzten Zusammentreffen im Mai 2022 in Seewalchen<\/p>\n<p>Am 20. Juli ist der Kenyacowboy zu seiner letzten Reise angetreten. Er sitzt jetzt mit seinem Vater auf einer Wolke \u00fcber dem Turkana-See, f\u00e4hrt eine Runde in seinem klapprigen Isuzu und g\u00f6nnt sich dann einen Schluck Dawa. (Ja, auch Dawa habe ich \u00fcber Wolfi kennengelernt. Das ist so \u00e4hnlich wie ein Caipiroska, nur nimmt man statt Zucker Honig und zerstampft die Limetten mit einem Bambusst\u00f6ssl. Dann r\u00fchrt man so lange, bis sich der Honig aufgel\u00f6st hat &#8211; fertig!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Pr\u00e4ambel: Dieser Nachruf basiert auf eigenen Erfahrungen und auf den Informationen, die ich von Wolfis Bruder Andi bekommen habe. Seine langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin und Firmenpartnerin Monika hat unten ein Kommentar abgegeben und einiges berichtigt. Bitte auch lesen.) Es ist Sommer 1992,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2858"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2900,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2858\/revisions\/2900"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}