{"id":3064,"date":"2025-09-01T07:46:17","date_gmt":"2025-09-01T06:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=3064"},"modified":"2025-09-01T07:46:17","modified_gmt":"2025-09-01T06:46:17","slug":"was-vom-zweiten-weltkrieg-uebrig-blieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/was-vom-zweiten-weltkrieg-uebrig-blieb\/","title":{"rendered":"Was vom zweiten Weltkrieg \u00fcbrig blieb"},"content":{"rendered":"<p>80-j\u00e4hrige haben den zweiten Weltkrieg nicht mehr miterlebt, 90-j\u00e4hrige k\u00f6nnen sich noch dunkel daran erinnern, in ca. zehn Jahren wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Und doch ist noch einiges vorhanden, das hier einmal aufgez\u00e4hlt werden darf, ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit.<br \/>\nMir hat der WK2 drei meiner vier Gro\u00dfeltern genommen. Sie sind komplett sinnlos gestorben, so wie die anderen 60 Millionen Toten. Warum? Letztlich weil ein paar alte M\u00e4nner ihren Machtrausch ausleben wollten. Das erinnert mich doch an was \u2013 wie ist das heute, was hat sich ge\u00e4ndert?<br \/>\nUnd was sollten wir tun, damit das nicht wieder passiert?<br \/>\nUm diese Diskussion nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist es notwendig sich daran zu erinnern, was geschehen ist und wie es geschehen konnte.<\/p>\n<p>Der Fokus liegt auf Wien, dessen komplette Zerst\u00f6rung gl\u00fccklicherweise verhindert werden konnte. Selbstverst\u00e4ndlich gab es auch im restlichen \u00d6sterreich viel, was heute l\u00e4ngst wegger\u00e4umt, \u00fcberbaut, instandgesetzt oder abgerissen wurde.<\/p>\n<p><strong>1.) Schrift, Bild und Ton<\/strong><br \/>\nSchon vom WK1 gibt es Filme, die auch heute noch ausgestrahlt werden, der WK2 ist umfassend erfasst, samt den Gr\u00e4ueltaten, teilweise sogar schon in Farbe.<br \/>\nDieser Punkt steht in der Aufz\u00e4hlung nicht ohne Grund an erster Stelle, weil er aus meiner Sicht die gr\u00f6\u00dfte Auswirkung hat. Einerseits mahnen die Schriftst\u00fccke, Ton- und Bilddokumente vor der Schrecklichkeit des Krieges, andererseits dienen sie auch der Rechtfertigung und tw. der Verherrlichung. Es gibt inzwischen leider immer mehr Menschen, die wieder vom Krieg schw\u00e4rmen und dass einmal wieder ordentlich aufger\u00e4umt werden sollte etc. <\/p>\n<p><strong>2.) Flakt\u00fcrme<\/strong><br \/>\nSie sind un\u00fcbersehbar, die drei Zwillinge \u2013 im 6. Bezirk das Haus des Meeres sowie der Turm in der Stiftskaserne, im zweiten Bezirk im Augarten und im dritten Bezirk die restlichen beiden. Sie werden noch lange herumstehen, Betongiganten, so dunkel wie die Zeit, aus der sie stammen.<\/p>\n<p><strong>3.) Gegl\u00e4ttete Gr\u00fcnderzeith\u00e4user<\/strong><br \/>\nEs gab tausende Bombensch\u00e4den, jede Menge komplett zerst\u00f6rte H\u00e4user und auch solche, die renoviert werden konnten. Weil damals der Fokus auf schnelle Bewohnbarkeit gelegt wurde, mussten die sch\u00f6nen Fassaden daran glauben und wurden einfach gerade heruntergeputzt. Von diesen H\u00e4usern gibt es in Wien noch unz\u00e4hlige.<br \/>\nDie inneren Besch\u00e4digungen wurden im Laufe der Jahre nat\u00fcrlich auch beseitigt, ich erinnere mich noch gut an das Haus meiner Gro\u00dfeltern in der Zirkusgasse, bei dem der Aufzug aufgrund von Bombensch\u00e4den kaputt ging. Ich habe mich immer gefragt, warum er nie instandgesetzt wurde, schlie\u00dflich w\u00e4re er gebraucht worden. Das geschah dann erst, als das Haus verkauft und generalsaniert wurde, ca. 50 Jahre nach Kriegsende.<br \/>\nDie Baul\u00fccken, die in meiner Kindheit noch in gro\u00dfer Zahl vorhanden waren, sind inzwischen alle geschlossen.<\/p>\n<p><strong>4.) Mahnmale, Denkmale und Tafeln<\/strong><br \/>\nDas Russendenkmal am Schwarzenbergplatz ist wahrscheinlich das bekannteste Bauwerk, es gibt aber unz\u00e4hlige andere, in diesem Fall sogar mehr in l\u00e4ndlichen Regionen. Sie weisen meist auf die ermordeten Soldaten hin, die bis heute meistens als \u201eGefallene\u201c bezeichnet werden, als ob sie aus Unachtsamkeit hingefallen w\u00e4ren und sich das Genick gebrochen h\u00e4tten. Als ob es keine T\u00e4ter g\u00e4be und es sich um einen Unfall handeln w\u00fcrde, wenn jemand erschossen, verbrannt oder zerfetzt wird.<br \/>\nIn den meisten Ortschaften finden sich solche Kriegsdenkm\u00e4ler, oft als Kombi aus WK1 und WK2. In Wien sind sie seltener, hier finden wir vor allem die Messingtafeln am Boden, die an die vertriebenen und in Konzentrationslagern ermordeten j\u00fcdischen Menschen erinnern.<\/p>\n<p><strong>5.) Luftschutzkeller<\/strong><br \/>\nEs gibt sie noch und in manchen findet man heute noch alte Schilder oder aufgemalte Schriftz\u00fcge, die Fluchtwege markieren oder \u00e4hnliches. Hier sind wir aber bereits bei den versteckten Relikten.<\/p>\n<p><strong>6.) Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Bombenkrater im Wienerwald<\/strong><br \/>\nAuch hier muss man schon genau hinschauen, aber rund um Wien sind die alten Gr\u00e4ben immer noch sichtbar, auch einige Krater sind bis heute nicht zugewachsen oder aufgef\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>7.) Waffen<\/strong><br \/>\nAuch sie sind im \u00f6ffentlichen Raum nicht sichtbar, es gibt aber unz\u00e4hlige Sammler, die immer noch Waffen aus dem WK2 bei sich daheim haben.<br \/>\nAls Kinder spielten wir in Dornbach (Bezirksteil von Hernals) in dem Waldst\u00fcck, das an unsere Siedlung angrenzte. Eines Tages fanden wir Waffen und Munition, f\u00fcr uns eine gro\u00dfartige Sache. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir Gewehrpatronen zerlegten und das darin enthaltene Schwarzpulver anz\u00fcndeten. Irgendwann kamen Eltern der Sache auf die Schliche und dann wurden Profis geholt, die das ganze Zeug fanden und entsorgten. Wir waren uns der Gef\u00e4hrlichkeit nicht wirklich bewusst.<\/p>\n<p><strong>8.) Fliegerbomben<\/strong><br \/>\nInzwischen sind sie selten geworden, aber die tausenden Blindg\u00e4nger sind bis heute ein Problem. Bei einem Fund werden ganze Stra\u00dfenz\u00fcge evakuiert, damit die teilweise noch immer scharfen und somit gef\u00e4hrlichen Bomben entsch\u00e4rft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ich erinnere mich noch gut an eine Fernsehdoku, in der eine alte Frau gefragt wurde, welche Botschaft sie aus ihrem Leben gerne an die Jugend weitergeben m\u00f6chte. Sie dachte nach und dann meinte sie \u201eEgal was passiert, Finger weg vom Krieg!\u201c<br \/>\nLeider interessiert das die heutigen Kriegstreiber herzlich wenig. Sie suchen und finden Gr\u00fcnde, um andere Gruppen, V\u00f6lker, Gesellschaften oder L\u00e4nder anzugreifen. Es sind immer alte M\u00e4nner, die junge M\u00e4nner in den Tod schicken.<br \/>\nSomit ist es das Patriarchat, also die Herrschaft der V\u00e4ter, die das erst erm\u00f6glicht. Es ist h\u00f6chste Zeit diese zu beenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>80-j\u00e4hrige haben den zweiten Weltkrieg nicht mehr miterlebt, 90-j\u00e4hrige k\u00f6nnen sich noch dunkel daran erinnern, in ca. zehn Jahren wird es keine Zeitzeugen mehr geben. 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